Kommt das eigentlich häufiger vor, dass bei Gericht Verfahren auf die späteren Abendstunden, hier war es 20.30 Uhr, gelegt werden?
Und wie verpflichtend ist die Teilnahme für die Verfahrensbeteiligten?
Eklat im Prozess um Dreifachmord in Starnberg: Anwälte bleiben weg
Eigentlich hätte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit dem Schlussplädoyer beginnen sollen. Doch der Prozess zieht sich weiter hin.
Richterin Regina Holstein hatte zuvor eine Fortsetzung der Verhandlung für den ungewöhnlich späten Donnerstagabend angesetzt. Gehört werden sollte eine von der Verteidigung beauftragte Gutachterin. Nur rund eine Viertelstunde vor Verhandlungsbeginn aber sagten die drei Verteidiger des wegen Beihilfe zum Mord Mitangeklagten aus unterschiedlichen Gründen ab und ließen den Termin damit platzen.
https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/eklat-im-prozess-um-dreifachmord-in-starnberg-anwaelte-bleiben-weg-art-873431
Viel mehr Infos gibt es in der AZ nicht zu lesen.
Die Bild bedient sich zwar der gleichen dpa-Quelle, kann jedoch dazu mit weiteren Hintergrund-Infos aufwarten.
Alexander Betz (40), der mit seinen Kollegen Stevens und Sarah Stolle Samuel V. vertritt, zu BILD: „Diesen Eklat hat allein das Gericht zu verantworten. Wer bitteschön lädt die für unseren Mandanten wichtigste Zeugin, die zugleich Sachverständige ist, spontan auf 20.30 Uhr? Da geht es nicht mehr um die Sache.“
https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/dreifachmord-von-starnberg-eklat-im-prozess-anwaelte-bleiben-weg-82622746.bild.html
Das Verhältnis Richterin und Verteidiger scheint schon länger nicht ganz unbelastet zu sein.
Zum Prozessauftakt hatten die Verteidiger des Mittäters einen Kuchen samt Kerzen mitgebracht. Ihr Mandant wurde an diesem Tag 20 Jahre alt. Doch die Vorsitzende Richterin Regina Holstein erlaubte es nicht, dass die Linzer Torte ins Gefängnis München-Stadelheim gelangte. Es sollte der Anfang vieler Konfrontationen zwischen Gericht und den Verteidigern des Mittäters sein.
https://www.merkur.de/lokales/starnberg/starnberg-ort29487/starnberger-dreifachmord-100-zeugen-57-prozesstage-ein-gestaendnis-91741203.html
Hier nun kommt die Gegenseite zu Wort. Richterin und Staatsanwaltschaft sehen das ein wenig anders als die Verteidiger
Auf Wunsch der Verteidiger des mutmaßlichen Fahrers wurde eine von ihnen selbst beauftragte Privatgutachterin noch einmal geladen. Das Gericht hatte dafür kurzfristig noch einen Termin am späteren Abend angesetzt. Alle hätten bei der Planung genickt, betonen die Richterinnen. Dann sagten die drei Anwälte aber mit verschiedenen Erklärungen, zum Beispiel wegen Überlastung oder familiärer Gründe, 15 Minuten vor dem Termin ab. Sie sind dann einfach nicht erschienen.
Der Vorsitzenden Richterin war der Ärger darüber auch am nächsten Morgen noch anzumerken. "Ich bin tief betroffen, wie sorglos Sie mit der Lebenszeit von Verfahrensbeteiligten umgehen", sagte sie an einen Anwalt gewandt. Auch die Staatsanwältin machte keinen Hehl aus ihrem Unmut. Das Verhalten der Anwälte sei "unkollegial in jeder Hinsicht". Ihr Kollege schloss sich dem an: "Wenn es nicht um junge Leute in U-Haft ginge, wäre ich fast beeindruckt, mit welcher Abgebrühtheit Sie sich über jegliche Anstandsregeln hinwegsetzen."
https://www.br.de/nachrichten/bayern/anwaelte-abwesend-eklat-im-prozess-um-starnberger-dreifachmord,TTUUA76