nortsyd schrieb:Wenn man männliche Verwandtschaft 2. Grades betrachtet, d.h. alle männliche Nachkommen eines Urgroßvaters, dann sind das, wenn man im Schnitt 3 Nachkommen pro Frau nimmt, was unrealistisch viel ist:
(3 +
3 * 3 +
3 * 3 * 3 +
3 * 3 * 3 * 3 ) / 2
Also 60.
Wenn man nur 2 Kinder annimmt - realistischer, aber immer nochzu hoch, Fertilitätsrate in RO ist aktuell 1,39 - dann sind es
(2 +
2 * 2 +
2 * 2 * 2 +
2 * 2 * 2 * 2 ) / 2
Ich glaube, die Rechnung ist ein bisschen zu simpel gedacht.
Zum einen sagt die Y-DNA ja erstmal nur, dass der unbekannte Täter väterlicherseits mit dem untersuchten Rumänen verwandt ist. Welchen Verwandtschaftsgrad die beiden haben, weiß man damit ja nicht automatisch. Das können vielleicht 2., 3. oder 4. Grad sein, aber eben auch ein deutlich weiter zurückliegender gemeinsamer Vorfahre.
Und dann wird mir der Stammbaum in der Rechnung etwas zu schön linear dargestellt. Wenn man z.B. beim gemeinsamen Ur-Ur-Großvater landet, hat der ja nicht nur die eine Linie, die wir gerade verfolgen. Der könnte genauso gut fünf Brüder gehabt haben, die ebenfalls Söhne hatten, deren Söhne wiederum Söhne hatten usw. Dann wird aus dem kleinen Stammbaum schnell ein ziemlich großes Geflecht.
Und dann kommt für mich noch das viel größere praktische Problem: Wer kennt schon seinen kompletten Stammbaum? Uneheliche Kinder, außereheliche Beziehungen, Kinder aus früheren Beziehungen, Familienzweige ohne Kontakt, Namensänderungen usw. können dazu führen, dass der biologische Stammbaum erheblich größer ist als der, den die Familie überhaupt kennt.
Gerade bei Y-DNA finde ich das spannend, weil der biologische und der „bekannte“ Stammbaum eben nicht zwangsläufig identisch sein müssen. Irgendwo vor drei oder vier Generationen kann ein Mann einen Sohn gehabt haben, von dessen Existenz heute niemand mehr weiß – und dessen männliche Nachkommen trotzdem genau in die gesuchte Y-Linie gehören.
Deshalb würde ich mich bei den 15 bzw. 60 Männern nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Das kann am Ende durchaus eine überschaubare Zahl werden, aber dafür müsste man erstmal wissen, wie weit der gemeinsame Vorfahre zurückliegt und wie groß dessen gesamte männliche Nachkommenschaft tatsächlich ist. Es könnten eben auch deutlich mehr sein.
Die Spur finde ich deshalb ziemlich vielversprechend – aber die Rechnung ist mir ehrlich gesagt etwas zu sehr „Stammbaum auf dem Reißbrett“.