sören42 schrieb:Bei sowas bin ich sehr skeptisch, vor allem, wenn es nur eine einzige Sichtung ist. Aus anderen Vermisstenfällen wissen wir, dass Zeugen die betreffende Person sonstwo (vermeintlich) gesehen haben, obschon man später herausgefunden hat, dass die Person zu dem Zeitpunkt längst tot war.
Da bin ich bei dir. Das Problem ist, dass die Ermittlungsbehörde laut Aussage der Mutter angeblich direkt nach Bekanntwerden dieser Sichtung informiert worden sein soll, diesem Hinweis dann jedoch nicht zeitnah nachgegangen ist, weshalb man diese Sichtung nicht durch die Videoaufnahmen der Überwachungskameras in der Tankstelle überprüfen konnte. So bleibt nur die Aussage der Zeugin, die sich natürlich auch geirrt haben kann, zumal sie Paul Burdach auch nicht persönlich kennt.
Außerdem kommt noch hinzu, dass es nur diese einzige Sichtung nach Pauls Verschwinden gibt. Es wurde ja ein relativ hoher Aufwand betrieben ihn zu finden. Viele Suchplakate, Veröffentlichung in der Tagespresse, Beiträge im Radio. Trotzdem wurde er nur dieses eine Mal gesehen. Das erscheint mir äußerst unwahrscheinlich. Wir wissen zwar nicht, wo diese Tankstelle ist. Aber wenn er sich frei bewegen konnte, wäre er doch nach hause gegangen. Er war zudem starker Raucher und hat Tabak/Utensilien daheim zurückgelassen. Ebenso wie seine geliebte Katze und die Bohnensuppe. Warum sollte er da allein und ohne Zwang eine Tankstelle aufsuchen? Erschließt sich mir nicht, wenn er nicht auf der Flucht war.
Ziegenpetra schrieb:Weißt du, ob dieser Podcast seriös ist?
Der User
@anthe sagt dazu:
anthe schrieb:Nachdem sich hier ja die Mutter des Vermissten direkt an sie gewandt hat, wäre die einzige noch bessere Quelle wohl nur die Ermittlungsbehörde selbst.
Dafür halte ich diesen Fall allerdings noch zu "frisch".
Da stimme ich
@anthe zu. Zudem ist Julia Leischik auch seit Jahren aus Fernsehformaten wie "Bitte melde dich" oder "Vermisst" bekannt, hat keinen Grund hier für Clickbait oder Bekanntheit unseriös zu arbeiten. Ich denke schon das man den Podcast als seriös einstufen kann.
HolzaugeSHK schrieb:Danke @Slaterator nochmals für den Link zum Podcast "JULIA LEISCHIK - SPURLOS"!
Sehr gerne.
:)
anthe schrieb:Ich frage mich, ob er evtl für seinen angenommenen verdeckten Bekanntenkreis eine andere Simkarte mit anderer Nummer benutzte.
So weit ich weiß, wurden in der Wohnung mehrere Mobiltelefone gefunden. Ich nehme stark an, dass Paul Burdach nicht nur ein einziges Mobiltelefon genutzt hat, auch wenn er das scheinbar seiner Mutter, Freundin und seinem Freundeskreis so angegeben hat. Diese Praxis ist (aus naheliegenden Gründen) bei der organisierten Kriminalität Usus und ein weiteres Indiz dafür, dass Paul Burdach in -wie auch immer- geartete, kriminelle Aktivitäten verstrickt war.
sallomaeander schrieb:Da gehört schon eine gewisse Disziplin dazu, ein "Geschäftshandy" so zu verwenden, dass es sich niemals mit einem andern Telefon gemeinsam am selben Funkmast verbindet.
Sicherlich wird man in solchen Kreisen eindringlich vor den Konsequenzen gewarnt, die mangelnde Disziplin zur Folge hat. Tatsächlich legte Paul ja auch eine ziemliche Disziplin an Tag, indem er sein "Doppelleben" bzw. "Nebentätigkeit" vor seiner Mutter, seinen Freunden und sogar der eigenen Freundin gegenüber ziemlich gut verbarg. Zumindest laut Aussage der Mutter hat ja niemand etwas gewusst, noch nicht einmal geahnt.
HolzaugeSHK schrieb:Ist es denn Zufall, dass Europol ab Ende 2024 gegen das kriminelle Drogen-Netzwerk ermittelte und fast zeitgleich im Fall Paul Burdach bekannt gegeben wird...Am Montag, 2. Dezember, veröffentlichten die Polizeidirektion West und die Staatsanwaltschaft Potsdam, die in der Sache ermitteln, eine gemeinsame Erklärung. Die Mordkommission der Kriminalpolizei in der Polizeidirektion West hat inzwischen die Ermittlungen übernommen, heißt es darin.
Aufgrund der Ergebnisse der bislang geführten Ermittlungen könne ein Tötungsdelikt nicht mehr ausgeschlossen werden
Ich denke nicht das es Zufall war. Ich persönlich vermute ganz klar einen Zusammenhang zwischen den Ermittlungen gegen die organisierte Kriminalität im Drogenmilieu dort und dem Verschwinden von Paul, zumal die Vermutung ja auch sehr nahe liegt, dass er dort -in welcher Rolle auch immer- selbst aktiv war.
Analyst schrieb:(...) dann müsste Mutter Burdach einige unangenehme Fragen beantworten. Ihr muss es doch aufgefallen sein, dass die Lebensweise von ihrem Sohn nicht mit den Einkünften eines Bürgergeldempfängers zu decken war. Sie hatte ja laut eigener Aussage jeden Tag mit ihm Kontakt. Wie hat Paul gegenüber Mutter, der Freundin und auch den Freunden erklärt, warum er anspruchsvoll lebte, obwohl er Bürgergeldempfänger war?
Ein sehr guter Aspekt. Paul legte scheinbar sehr viel Wert auf seine äußere Erscheinung. Teure Markenkleidung, sündhaft teure Tasche, noble Luxusuhr. Das alles sind nicht unbedingt die Insignien eines Bürgergeldempfängers. Da stellt sich natürlich schon die Frage, wie er das seiner Mutter, Freundin, Freunden erklärt hat, zumal er scheinbar ja auch weder geerbt hat, noch vor seiner Arbeitslosigkeit lange in einem hoch dotierten Beruf gearbeitet hat.
anthe schrieb:Andererseits ging es um EINE Uhr und EINE Designertasche. Paul könnte genauso gut beides bereits vor Eintritt seiner Arbeitslosigkeit erworben haben.
Ich bezweifle das. Er hatte -wie geschrieben- noch nicht viel Berufserfahrung und war normaler Handwerker, kein Meister, kein Chef, kein Topmanager. Da gibt man als Geselle doch nicht all sein Geld für Luxusgüter aus oder?
anthe schrieb:Wenn er wirklich über einen längeren Zeitraum hinweg zusätzliches Einkommen erwirtschaftet hätte, so scheint nach seinem Verschwinden nichts davon aufgetaucht zu sein.
In der Wohnung wurde wohl eine größere Menge Bargeld gefunden. Ich denke, er wurde -wie in der organisierten Kriminalität üblich- bar bezahlt. Als Bürgergeldempfänger musste er auch seine Vermögensverhältnisse offenlegen. Da hätte er sich ziemlich dumm verhalten, wenn er die Einkünfte auf sein Konto eingezahlt oder in Fonds angelegt hätte.
sallomaeander schrieb:Bei den teuren Accessoires geht es nMn gar nicht primär darum, wie er sie bezahlt hat, das sicher auch, sondern in erster Linie stellt sich mir persönlich die Frage, in welchen Kreisen jemand verkehrt, in denen solche Insignien vielleicht ein Code für die Hierarchiestufe sind, die jemand erreicht hat.
Es könnte sein, dass er sich einfach Wünsche erfüllt hat, weil er nicht wohlhabend aufwuchs und deshalb ein Geltungsbedürfnis hatte, quasi etwas nachholen wollte. Aber der Aspekt, dass diese Statussymbole einfach auch Kennzeichen einer gewissen Hierarchiestufe innerhalb einer Organisation oder "Branche" sein könnten, ist auch sehr logisch. Das kann absolut zutreffen. Zumal in der organisierten Kriminalität gerne auch mal "geprotzt" wird.