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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

96 Beiträge, Schlüsselwörter: Geschichte, Buch, Geschichten, Schreiben, Roman, Romane, Dichten, Texten, Eigenes Buch

Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

26.03.2014 um 19:38
Hi, ich habe mich letztes Jahr an einem Forenadventdkalender beteiligt. Na. ich wollte eine fa,ilientaugliche, kleine Geschichte zur Weihnachtszeit passend schreiben.
Hier ist sie:



Ein Flüstern in der Weihnacht

„Ein Neuer! Und sogar ganz gut gelungen..", hörte es der Schneemann säuseln. Die Schleier vor seinen Augen lichteten sich. Vor ihm saßen zwei Tiere im Schnee, eines ganz schwarz mit Federn und ein etwas kleineres mit kurzem, bräunlichen Fell und einem langen, kahlen Schwanz. „Är äst än där Tat ein sähr schönäs Äxämplar", krächzte das schwarze Tier. „Ob äs sprächän kann?“ „Ficherlich. Fieh doch, ef hat einen Mund“, erwiderte das Kleinere von einem Pfeifen begleitet und deutete auf das steifgefrorene Stück geschwungene Bananenschale, welches man dem Schneemann mit zwei Stöckchen am Kopf festgesteckt hatte. „Na, ob man damit sprechen kann, wage ich anzuzweifeln“, ertönte eine Stimme von oben. „Flüstern vielleicht. Man muss bestimmt näher heran, um ihn zu verstehen“. Der Schneemann sah nach oben. Dort saß auf einem Zweig der kahlen Eiche, unter der er stand, eine kleine Gestalt mit schillernden Flügelchen, eingehüllt in ein leicht gräuliches , durchscheinendes Etwas.
Das schwarze Tier spreizte seine Flügel, flatterte auf die Schulter des Schneemanns, streckte seinen Kopf in Richtung Bananenschale und lauschte. „Also Äch", erklärte er nach einem kurzen Moment, „bän ein Rabä. Das da" - er deutete mit dem Schnabel in Richtung des Felltieres - „äst eine Rattä. Die da oben ist eine Schnääfää." „Eine Schneefee! Du solltest dringend an deiner Aussprache arbeiten!", tönte es vorwurfsvoll von oben. Wie zur Bekräftigung folgte ein zweimaliges Niesen.
„Eine ständäg schnäfände Schääfää. Und du solltäst där läber mal ätwas Vernünftäges anzähän äm Wäntär als däsäs flattärndä ...Dängsbums!"
„Gewand. Es ist ein Gewand aus Elfenseide und als Fee trägt man so Etwas eben."
„Ha! Älfenseide...altä Spännwäbän sänd äs!", grummelte der Rabe.
„Und für einen Fprachfehler kann niemand etwaf!", fügte die Ratte hinzu.
„Wie dem auch sei", sagte die Fee, „es ist schon dunkel und ich habe mir noch kein Abendessen besorgt" Sie erhob sich schwungvoll in die Luft und wurde jäh zurück gerissen, da sich das Ende ihres Gewandes in einer kleinen Astgabel verfangen hatte. Die Fee prallte gegen den Stamm des Baumes; das verfangene Ende löste sich und sie plumpste in den Schnee. „Mist!“, fluchte die Schneefee, als sie sich wieder aufgerappelt hatte. „Blöder Kackmist!"
„Hast du där Wäh gätan?", fragte der Rabe mehr belustigt als besorgt. „Oh, mach Dir keine Forgen", kicherte die Ratte,“fie bekommt öfter einf übergebraten, wenn fie fich an die Honigtöpfe und Fuckerdofen der Menfen heranmacht. Die halten fie nämlich für..." „Es reicht jetzt", unterbrach die Schneefee. "Ich hab mir den Flügel gestoßen. Den muß ich wohl etwas schonen", sagte sie und stapfte davon.
„Äch wärdä auch einmal schauän, ob jämand mär ein par Nüssä auf einä Fänstärbank gälägt hat. Äch bän ja bäläbt, weil äch so schräkläch äntällägänt bän", sagte der Rabe und flog davon.
„Bin ich auch“, murmelte die Ratte zu sich selbst. „Intelligent. Aber nicht gerade beliebt bei den Menfen." Als sie schon ein Stückchen weit vom Schneemann entfernt war, blieb sie stehen, drehte sich herum, hob eine Pfote, rief: „Tfü-hüff!“ und winkte dem Schneemann zu.
Dieser war schon fast wieder eingeschlafen, schließlich war es sein erster Tag und somit recht anstrengend. Schneemänner schlafen ohnehin sehr viel, denn nur herumzustehen und sich die Welt anzusehen war zwar anfangs immer recht interessant, aber auf Dauer ein Bisschen langweilig. Kämen nicht gelegentlich mal der Rabe oder die Ratte auf einen kurzen Plausch vorbei, dann wäre es nicht nur bisschen langweilig, sondern ziemlich öde.
Die Fee hatte er nur ein paarmal im Baum sitzend bei ihrer Fußpflege beobachten können. Eine stetige Veränderung fiel dem Schneemann jedoch auf: Von Tag zu Tag schmückten die Menschen ihre Häuser und besonders die Fenster. Auch auf einige Bäumchen in den Vorgärten wurden Lichter gesetzt und besonders in der Dämmerung und den Stunden nach Sonnenuntergang glitzerte und leuchtete und blinkte es besonders schön.
„Sä schmückän für Weihnachtän.", erklärte der Rabe, der sich öfter auf die Schulter des Schneemanns setzte, weil er meinte, dass dies besonders „maläräsch" aussehe. „Das äst ein Fäst. Es gäbt Gäschänke und dä Mänschän ässen drei Tagä lang."
So vergingen die Tage und Nächte und als der Weihnachtstag gekommen war, trafen sich die Schneefee, der Rabe und die Ratte am Baum, unter dem der Schneemann stand.
„Fröhliche Weihnachten!", flötete die Fee, „Ich werde uns erst einmal etwas Schönes zu essen besorgen." Sie erhob sich in die Luft, sah sich um und erspähte ein halb geöffnetes Fenster, auf das sie sogleich zielstrebig zuflog.
„Bitte auch etwaf ohne Fokolade, ich bekomme doch so fnell Verftopfung!", rief ihr die Ratte hinterher, doch die Fee war bereits durch das Fenster geschlüpft. Im selben Moment war ein Kreischen zu hören: „Ihhhh...Ungeziefer! Bäh, igittigitt, ein Riesenvieh!!", gefolgt von einem lauten Patsch! Und noch einmal: Patsch!
„Das wärd wohl nächst", seufzte der Rabe. „Äch holä uns ein paar Nüssä." Mit hochrotem Kopf und außer Atem kehrte die Fee mit ein paar winzigen Bröckchen Zuckerguss zurück. „Tut mir leid, aber das ist alles, was ich ergattern konnte."

Nachdem die Nüsse verspeist und der Zuckerguss weggelutscht war, verkündete die Fee: „So! Und nun mein Geschenk für euch!" Sie griff in eine zu einer Tasche geknotete Falte ihres Gewandes und zog ein glitzerndes Häufchen hervor. Dieses platzierte sie auf ihrer flachen Hand und pustete hinein, dass der Glitzer umherflog und auf Ratte und Rabe hinunter rieselte. „Das ist Feenstaub! Er bringt Glück und ist seeeeeeehr selten!", sagte die Elfe. Der Rabe schüttelte sich den Glitzer aus den Federn und beäugte ihn genau. „Das äst eine zärrupftä Plastäkgärlandä..", stellte er fest. „Naja" , kicherte die Ratte, „wenn ef Glück bringt..." Die Ratte überreichte der Fee und dem Raben je eine kleine, von ihr selbst geknabberte moderne Skulptur. Der Rabe schenkte der Ratte ein Päckchen Zahnseide und der Schneefee einen Puppenstrickpullover. Alle freuten sich sehr über die Geschenke, sangen Lieder und schwatzten und lachten, bis die Ratte feststelle: „Oh je..wir haben jemanden vergessen.." Mit einer Kopfbewegung nickte sie in Richtung des Schneemanns, der die ganze Zeit schweigend zugesehen hatte. Die drei steckten die Köpfe zusammen und tuschelten lange miteinander. Als es bereits dunkel und der Schneemann schon etwas traurig eingeschlummert war, machten sie sich auf den Weg. Sie schlüpften durch Ritzen, Fenster und Katzenklappen in die Häuser und Kinderzimmer der Menschen und flüsterten den schafenden Kindern leise etwas in die Ohren.

Fröhliches Glucksen, Kichern und Quietschen holten den Schneemann am nächsten Tag aus seinem Schlummer. Viele Kinder rannten umher, spielten Fangen und bewarfen sich mit Schnee. „Hallo...", hörte der Schneemann eine Stimme hauchen. Er schaute zur Seite und blickte in zwei wundervoll funkelnde Kronkorken. Neben ihm stand ein bezauberndes Scheemädchen mit einer keck zur Seite geschobenen Plastiktüte auf dem Kopf, welches die Kinder noch vor Sonnenaufgang gebaut hatten. Da freute sich der Schneemann wie der Schneekönig höchstpersönlich und die beiden standen den ganzen Winter beieinander, flüsterten und lachten und als der Winter vorüber war und der Frühling kam, da schmolzen sie zu einer Pfütze zusammen und verdunsteten glücklich miteinander.


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

14.04.2014 um 16:41
Nunja.. dann möchte ich auch gerne einmal etwas beisteuern, nachdem ich hier so viele geniale Geschichten gelesen habe. Die erste Seite meines Buches. Etwas düster aber genau das ist eben mein Gebiet :D


Der Wald erhebt sich bedrohlich und wirkt angsteinflößend auf den einen oder anderen bei Nacht. Das Mondlicht wirft Licht auf die Bäume, die dicht aneinander stehen und unheimliche Schatten werfen. Kein Laut ist zu hören. Totenstille, fast schon wie ausgestorben. Die Nacht warf einen unheimlichen, mystischen Schleier auf diese verlassene Gegend und man fühlte eine gewisse Spannung oder sogar Angst, ginge man nachts alleine den Waldweg entlang, zwischen all den bedrohlich wirkenden Bäumen. Schwarze Wolken überziehen den Himmel, die klaren Sterne verschwinden hinter der finsteren Wand. Wie ein Schleier ziehen sie langsam über den Nachthimmel, grauen, geflügelten Wesen gleich. Ich kann ihn sehen, deutlich seine schwarzen Konturen in dem getrübten weis der Blütenbracht. Den Schatten. Wie er umher wandert in der samtenen Dunkelheit. Nach seiner Beute sucht. Fast wäre es eine perfekte Frühlingsnacht, wenn auch etwas trüb der Himmel. Wenn Sterbliche schlafen, macht das Wesen seine letzte Todesrunde. Von Dämonen aus der Hölle getragen. Denn heute Nacht, wird er der Jäger sein und sein Opfer der oder die gejagte. Wie er nach Blut lechzt. Rotem samtfarbenden Blut. Das Lebenselixier, eines jeden Lebewesen. Außer der Schatten selbst. Er ist nur ein Hauch, gefüllt mit Unheil bringenden, bösen Dingen. Ein Mal ins Fleisch gebrannt, offenbart sich sein Wesenszug. Lebt von Trauer, Schmerz und Einsamkeit. Tödlich leise seine Sohlen. Wandelt aufrecht die leere gefluteten Straßen entlang, betrachtet neugierig und zurückhaltend seine Beute. Die Spur der roten Verdammnis zieht er schleppend schwer hinten drein mit sich. Lautlos, doch warnend, kreischend wie eine laut ertönende Sirene. Voller Zerstörend bringender Ereignisse. Ein Schwarzer Nebel umhüllend. Wehend im Gesicht. Kapuze mit schwarzem Dreck verdeckt. Existiert im vermummten der Schwärze. Wo er schleift, wird Leid verbreitet. Kleine, winzig Sandkörner von Wind verbreitet wird in den weiten der trocken, tristen Landschaft des unendlichen, alles vernichtenden Wüste. Von klein bis groß, alles Leben wird bedeutungslos, denn es ist nicht Lebensfähig unter dieser knallharten, nicht weichend wollenden Hitze. Die dichten Lüfte, wispern von seinen gewürzt Süßen blutige Taten, schauderhaft vollbracht.

Seine Augen einst noch gerichtet auf die alles erklimmende Schwarze Wand, mit undefinierbaren Blick streifen die meinen, gefüllt mit Hoffnung und eisigkalter, erstarrender Angst. Ich frage mich, weshalb spiegeln sich die brechenden Strahlen des silbernen Mondes in diesen Augen nicht? Mich durchlöchert, mit diesem leeren Blick. Ich bemerke sobald, die Augen klare leere Hüllen, fast untergehend von der Drohenden schwärze überall. Beinahe würde ich sagen, tote Augen vom Tod getragen, wenn sich mir die Frage nicht in meinen getrübten Verstand stellen würde; kann ein verdammtes Wesen, vom scheinbaren Nichts erschaffen, mit bloßen Worten nicht zu beschreiben – denn selbst die bösesten Worte würden nichts taugen, um dieses Unheil in Worte zu fassen – auch eines Tages sterben? Kann sehen, gierig wie er sich von unseren Gefühlen ernährt. Hass, Habgier, Macht, die Sucht nach dem erlösenden Nichts. All dies, ausgesaugt. Übrig bleibt die Hülle ihrer selbst, während die Seele vom Schatten qualvoll eingezogen wird, getrieben von bissig, hungernden Monstern.
Ich sehe den blassen, grünen Schimmer und den langen, schmalen Schatten, die klauenartigen Hände, die sich gierig lang in meine Richtung strecken. Wahrlich tödlich schwebend kommt er näher. Jegliches Leben weicht aus der Landschaft, wohin er mit seinen toten Augen auch nur sieht. Mich an den Schultern packend. Bohrend der harte, kalte Griff von spitzen Knochen, jegliche Emotionen aus meinem Gesicht gewichen. Es frisst mich auf, dringt in jede Faser meines Körpers, füllte mein Herz mit einer unnatürlichen Kälte und lähmte meine Muskeln. Panik steigt in mir auf, wächst mit rasender Geschwindigkeit. Unfähig, mich zu bewegen, mich zu fragen, was hier in diesem Alptraumhaften Moment geschieht, real vor meinen ängstlich, Tränen getrübten Augen abgespielt. Ich kann den fauligen Geruch nach Tod und Verwesung schon auf der Zunge schmecken, meine Kehle so trocken schmerzhaft, wie trockener Dreck, jahrelang der hitzigen Sonne ausgestreckt, bei jedem Schlucken, versuche den düsteren Geschmack mit hinunter zu schlucken. Die kalte Luft seiner bloßen, grauenerregenden Gegenwart auf meinem Körper kann ich spüren, wie sie versuchten, mir mein Leben zu entreißen. Der faulige Atmen streichelte meinen Nacken und hinterlässt eine dünne Eisschicht auf meiner Haut. Lässt mich frösteln, mich innerlich erfrieren, meinem Herz die letzte wärmenden Emotionen an sich reißen. Bringt mich halb in den Kältetod. Zieht mich weg von Freude, Liebe, jeglichen Gefühlen. Ausgesaugt aus meiner bunten Seele. Mein Herz das nicht aufhörte zu schlagen. Blind alles mit sich in die einnehmende Tiefe reißen. Die Finsternis erdrückte mich, zermalmt meine harten Knochen, krachend, ekelhaft schmerzhaft laut in meinen Ohren, Verstand. Nur ein leises Geräusch und es fühlt sich an, als würde die Welt um mich herum explodieren laut, in heißen, zerstörenden Flammen aufgehen. Alles nieder brennen, vernichten was sich dem gewaltigen Feuer standhaft in den Weg stellt. Versuchen was zu retten ist. Kämpft und Kämpft... und doch verliert auf ewig. Vom innerlichen Feuer mich unterwerfen, welches hat sich schnell und grauenhaft alles tödlich eingenommen.

Ausdruckslos sehe ich in die mich schatteten Augen des Todes. Klammernd, sein Griff unverändert. Fast schon, lache ich hämisch auf, als mir der Satz Im Angesicht des Todes in meine trüben, zugleich ungefüllten Gedanken kommt. Hier stehend und wahrlich: Angesicht zu Angesicht in das hässlich, verwesende Gesicht des schwarzgrauen lebendigen Todes.
Ich vernehme die Stimmen. Die wispernden Stimmen, wie sie mich rufen. Zu ihnen rufen. Mich leiten, mich bringen, mich zerstören? Höre die wispernden Stimmen in der Dunkelheit. Mich umhüllen, mich fangen... und zerfetzen. Auffressen, verschlingen und verbrennen.

Die Welt scheint den Atem anzuhalten, die Erde gleicht einem Friedhof.


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

15.04.2014 um 14:48
@StUffz
Darf ich nochmal fragen wann und ob es mit deinem Endzeittagebuch weitergeht? Fand das eigentlich ziemlich cool geschrieben


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

15.04.2014 um 14:48
@Jardin
Evtl im Winter... zur Zeit zu viel im Garten zu tun


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

15.04.2014 um 17:35
Hier was neues von mir

Versteckspiel

Wir waren wie zwei kleine Kinder. Meine alte Mutter und ich. Wann hatten wir eigentlich das letzte mal verstecken gespielt? Das musste Jahre her sein. Die Sonne schien durch dreckige Fenster auf den groben Holzfussboden und ließ den Staubregen glitzern. Sie war schon zu alt um das Haus zu putzen – und ich war zu faul um ihr mal dabei zu helfen. Bei meinen monatlichen Besuchen, saßen wir immer nur da. Ich versuchte ihr entgegenzukommen und sie nicht zu überfordern. Sie merkte es natürlich, also herschte immer eine unangenehme Spannung. Fast so als würde das Alter als ungebetener Gast mit uns auf dem Sofa sitzen. Ihr Hände waren zittrig und übersäät mit Altersflecken. Das machte mich immer ungeheuer traurig. Wie könnte sie mit solch alten Händen noch etwas greifen, ohne dass es traurig aussah. Selbst ihre Ringe schmückten nur den Verfall weiter aus. Sobald ich sie gefunden hätte, würde ich ihre Hände in meine nehmen und mit dem Daumen über ihre Finger streicheln. Doch ich konnte sie einfach nicht finden. Ich ging das Wohnzimmer ab und sah überall nach. Auf dem Fernsehtischchen lag ein Stapel Zeitschriften. Ich blätterte sie kurz durch. Die Kreuzworträtsel waren ungelöst. Früher hatte sie diese so gern gehabt. Ihr kleiner Fernseher war voller Staub. Ich wischte mit dem Finger über die Scheibe und malte ein kleines Herz in den grauen Film. Ich hatte sie bestimmt schon ein Jahr nicht mehr Fernsehen gesehen. Was trieb meine alte Mutter den ganzen Tag? Auf dem Sofa lagen ein paar Lockenwickler voller grauer Haare. Neben diesem, fast dahinter, stand unauffällig eine geöffnete Weinflasche. Der Korken war vollgesaugt und rotbraun. Mir gefiel nicht, dass sie trank, auch wenn es nur Rotwein war. Jemand der alleine trinkt, ergibt sich nur schweren Gedanken.
Ich hörte es aus dem Nebenzimmer knarzen.
"Ich höre dich", rief ich nach drüben.
Oben würde sie nicht sein. Sie tat sich schwer mit Treppen und für einen Treppenlift fehlte ihr das Geld. Die obere Etage war leer. Nur ich schlief da oben in meinem alten Zimmer, wenn ich zu Besuch war. Ich warf noch einen Blick auf die Toilette und in die Küche, aber da war sie nicht. Die Küche war penibel sauber, auch wenn es etwas modrig roch. Etwa so, als würden alte Essensreste in den Rohren verfaulen.
Ich schlich mich katzenhaft an Paulchens Zimmer ran. Ich lauschte, doch es war nichts zu hören. An der Tür hing noch eine alte Zeichnung von Paulchen. Ich und Mama ... und Papa ... und Paulchen. Über uns Die Sonne mit einem breit lachenden Mund. Ich blieb ein paar Sekunden davor stehen und dachte nach. Meinen Zeigefinger ließ ich über einen Kussmund wandern, den jemand mit Lippenstift darauf hinterlassen hatte. Traurig das mit Paulchen.
Ich hörte ein erneutes Geräusch hinter der Tür. So ist das mit alten Häusern – nichts bleibt verborgen. Ich öffnete die Tür und trat ein.
In dem Zimmer war es stickig und heiß. Das Fenster war das einzige im ganzen Haus, das sauber war. Der Raum war so wie immer. Fast so als wäre Paulchen immer noch hier. He-Man Figuren lagen auf dem Boden. Auf seinem Tischchen waren alte Schulhefte. Der Fernseher war an und zeigte eine Kindersendung. Ich setzte mich aufs Bett und roch das Parfum meiner Mutter. Auf dem Kopfkissen waren Spuren von Lippenstift. Ich machte den Fernseher aus.
"Ich weiß dass du im Schrank bist. Komm raus."
In dem heißen, hellen Zimmer wirkte die Stille beinah plastisch. Ich fühlte mich in eine alte, längst vergessene Szene versetzt.
"Na gut ich warte, bis du rauskommst."
Der knorrige Eichenschrank stand da wie ein Besucher aus einer anderen Welt. Die weiße Lackierung blätterte von den Türen. Er stand einen spalt weit offen und wahrscheinlich beobachtete mich meine alte Mutter gerade.
"Ich setz mich an Paulchens Tisch, bis du rauskommst."
Der Stuhl war etwas zu klein, aber es würde schon gehen. Vor mir prunkte der riesige Spiegel, der zu diesem IKEA-Bausatz gehörte. Man sah ich fertig aus. Ich sah immer weniger aus wie mein Bruder. Auf dem Tischchen stand ein Glas mit vertrocknetem Wein am Boden. Ich roch daran – es roch nach gar nichts. Ein Zettel lag da. Ich wollte ihn nicht lesen, da ich ihn schon an die Tausend mal gelesen hatte. Ich überflog ihn nur.

... vermisse ihn ...

... zu alt für ...

... alleine ...

... alt.


Ich überlegte, ob ich ihn nicht lieber wegwerfen sollte. Das waren Worte, entstanden in der dunkelsten Stunde dieses Hauses.
Ich blickte in den Spiegel. Die Schranktür hatte sich einen Spalt weiter geöffnet. Ich hatte keine Lust mehr zu spielen. Die Sonne schien mir mitten ins Gesicht und machte mir Übelkeit.
"Mama ich mag nicht mehr."
Ich stand auf und ging zum Schrank. Ich tippte mit den Fingerspitzen gegen das Holz.
"Komm raus da jetzt."
Doch es blieb still.
"Ich hab den Brief gelesen ... schon wieder. Ich werde ihn wegwerfen. Und wenn du willst, dann putz ich die Fenster.

Mama?"

Ich machte den Schrank auf. Er war leer. Verdammt wo war sie nur? Ich fühlte mich kraftlos. Erschöpft sank ich in den Schrank, zwischen Paulchens Sachen. Sie rochen gar nicht mehr nach ihm.

"Mama dann such du eben mich", rief ich. Ich machte die Schranktür zu und lehnte meinen Kopf gegen die Holzwand. Es roch nach Sägespänen und Mottenkugeln. Ich mochte das. Ich machte die Augen zu. Ich war so müde. Sie würde mich schon finden. Mama würde mich schon finden. In meinen Händen hielt ich einen von Paulchens Handschuhen. Er fühlte sich weich und vertraut an. Ich sang ein Lied, während ich langsam einschlief ... es war Paulchens Lieblingslied ...

Oh Suzanna ... Suzanna dont cry for me ... oh ... Suz ... Suzanna ...

Der Fernseher lief immer noch. Hatte ich ihn nicht ausgemacht? Ich schlief ein ... und in meinem Traum war es, wie immer.


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

16.04.2014 um 10:35
@Wandermönch

Gute Geschichte :) mir ist nur eine Sache auf die schnelle aufgefallen:
polarheld schrieb:
Die Sonne schien durch dreckige Fenster auf den groben Holzfussboden und ließ den Staubregen glitzern. Sie war schon zu alt um das Haus zu putzen – und ich war zu faul um ihr mal dabei zu helfen. Bei meinen monatlichen Besuchen, saßen wir immer nur da. Ich versuchte ihr entgegenzukommen und sie nicht zu überfordern.
Wenn du im ersten Satz "Die Sonne" schreibst und im darauffolgenden "Sie", dann bezieht sich das "Sie" auf "Die Sonne". (auch wenn es logisch ist, dass du eigentlich die Mutter meintest ;) ) Daher klingt es so, als würde der zweite und die darauffolgenden Sätze alle von "Der Sonne" handeln.


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Renard
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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

16.04.2014 um 21:26
Die Rebellion von Kar Den

Boyan beobachtete langsam die Dächer der Stadt, unbemerkt umgeben von den Bewohnern der Stadt Kar Den. Zwanzig Bogenschützen patrouillierten in der senkenden Hitze der Sonne und beobachteten das Schauspiel unter ihnen, jederzeit bereit zuzuschlagen.
Ihre Blicke waren auf die Menge gerichtet, die einer öffentlichen Hinrichtung beizuwohnen hatten und für einen reibungslosen Ablauf Sorgen sollten.
Aber Boyans Blicke streiften die Dächer und wanderte die Straße von Kar Den entlang zu den dort postierten Wachen, viel zu viele für seinen Geschmack. Also hatte sein Informant Recht behalten, der Stadtfürst selbst würde dieser Hinrichtung beiwohnen, in seinen harten Gesichtszügen zeigte sich ein Lächeln. Altasur, Fürst von Kar Den, galt als sehr strenger und unberechenbarer Mann, aber er hatte Angst vor Angriffen auf seine Person, darum war es schwer ihn in der Öffentlichkeit zu begegnen. Er regierte Kar Den schon seit 15 Jahren und Hunger, Angst und Terror waren seine Instrumente mit denen er seine Macht behauptete. Die Treue seiner Soldaten erkaufte er sich mit Geld und indem er ab und zu wegsah, wenn sie willkürlich ihrer Fleischeslust an der Bevölkerung auslebten. Deswegen fürchtete er auch, dass sich irgendeiner gegen ihn erhob und er verzog sich wochenlang in seinen Palast.

Doch heute war alles anders, er wollte diese Hinrichtung, um seine Position und die Angst der Bevölkerung zu stärken. Er hatte auch schnell vier Kandidaten für seine Show gefunden: ein Bettler, eine Magd, ein Prediger und ein Straßenjunge. Sie hatten alle eins gemeinsam, sie hatten nichts verbrochen, aber Altasur hatte sie mit erdachten Straftaten festnehmen lassen und nun sollten sie ihr Leben für seine Macht lassen. Boyan unterdrückte seinen Zorn, doch seine Hände bildeten unter der grauen Kutte krampfhaft zwei Fäuste.
Bis sich eine Hand auf seine Schulter legte, ohne sich umzudrehen wusste Boyan, wer es war. „ Nicht so übermütig, mein Freund.“ klang die vertraute Stimme seines alten Freundes und Lehrmeisters an sein Ohr, Boyan beruhigte sich langsam und redete leise ohne sich umzublicken: „ Zwanzig Bogenschützen auf den Dächern und vierzig Soldaten auf dem Platz hab ich ausgemacht, aber keine Spur von Altasur.“ Der ältere Mann, ebenfalls in einer grauen Kutte gehüllt, nickte nur und zog seine Hand wieder zurück: „ Boyan, denkst du das Volk ist bereit für die Zukunft?“
Kurze Stille, dann antwortete er: „ Ich denke, sie sind auf jeden Fall weiter als die Bewohner von Tangria und die schlagen sich auch ganz gut. Wir legen ihnen ihr Schicksal selbst in die Hand, was sie daraus machen, liegt ganz allein bei ihnen.“ Der alte Mann lächelte und seine Augen füllten sich mit Stolz: „ Weise gesprochen, mein Freund. Ihr seid in all den Jahren wirklich gereift.“
„ Ich hatte auch einen guten Lehrmeister. Erinnert ihr euch, als ihr mich fandet?“ „ Natürlich, das werde ich nie vergessen. Ihr wart ein Straßenjunge wie der da vorne und habt versucht mich zu beklauen. Ich nahm euch auf und lehrte euch den Pfad der Erkenntnis und das Kämpfen und nun stehen wir mal wieder Seite an Seite und tun, was uns unser Glauben gelehrt hat.“

Boyan fühlte unter seiner Kutte nach seinem Dolch, das kalte Metall gab ihn Sicherheit und Geborgenheit. Er hatte mit ihm schon viel Blut vergossen für die Freiheit und den Frieden, dass klingt zwar sonderbar, aber es spiegelte den Glauben seines Ordens wieder. Friede und Freiheit für alle Bewohner von Kadaska. Ein edles Ziel, dass aber seinen Preis forderte, der Orden operierte im Geheimen und das sollte so bleiben. Wer einmal Mitglied wurde blieb es bis zu seinem Tod und dessen ist sich auch jeder bewusst. Nur der kleine schwarze Adler auf dem Schulterblatt der Mitglieder war Zeuge ihrer Mitgliedschaft und Erkennungszeichen zugleich.
Boyan tastete weiter zu der speziellen Armbrust an seinem Gürtel, eine Modifikation mit zwei stählernen Bögen, die den Abschuss zweier Bolzen gleichzeitig oder nacheinander ermöglichte. Sie war gespannt und geladen, bereit auch durch eine dickere Rüstung zu schlagen und ihr Opfer zu erlösen von Neid, Machtgier und allem Bösen der menschlichen Natur. „ Boyan, die Männer sind bereit. Wir schlagen zu sobald er auftaucht!“ mit diesen Worten beendete er auch die Überprüfung seiner Ausrüstung, Boyan blickte in die Menge. Bauern, Bettler, Diebe, Frauen und Kinder alle Schichten waren vertreten und säumten den Hinrichtungsplatz der zweitausend Seelen großen Stadt. Der Marktplatz, der Ort der Hinrichtung, war gefüllt mit Menschen und alle hofften, dass dieses Spektakel bald vorbei und der Fürst wieder besänftigt war. Dann sah Boyan seine Mitstreiter in der Menge, nicht wie er als Mönch verkleidet, sondern auch als Bauer, Bettler oder Adliger. Perfekt angepasst an die Menge und nur mit seinem geübten Blick zu erkennen.


Ihre Gruppe war klein, zehn Mann und er selber sollten diese Mission bestreiten, aber jeder war bestens ausgebildet und konnte der Lage Herr werden. Endlich tat sich was mit Fanfare und Eskorte kam der Stadtherr auf einer Sänfte anmarschiert, fettleibig wie er war, konnte er auch nicht mehr selber weite Strecken laufen. Er entstieg der Sänfte und gab seinen kahl rasierten Schädel als Ersten Preis, Goldkettchen und Ringe zeigten seinen Reichtum und sein rotes Samtgewand zeigte Spritzer von fettigem Fleisch. Sein Blick war grimmig und sein Gesicht zeigte Narben von Pickeln in seinem Gesicht, seine Augen wanderten durch die Anwesenden Gesichter. Langsam schnaufend wie ein Wildschwein bestieg er das Holzgestell der Galgenkonstruktion und musterte seine heutigen Opfer, er zeigte seine Abscheu und drehte sich zu seinem Volk: „ Bewohner von Kar Den“, seine Stimme dröhnte über den Markt „ ihr seid hier erschienen, um zu sehen, wie ich diesen vier Verbrechern ihre gerechte Strafe zukommen lasse. Sie haben sich über meine Gesetze gestellt und dafür werden sie aufgeknüpft. Lasst euch das eine Lehre sein, was passiert wenn ihr meine Herrschaft anzweifelt.“
Boyan biss sich auf die Lippe, was für ein Mistkerl, diese Menschen haben nichts verbrochen und du lässt sie hinrichten, nur um deine Macht zu stärken.
Langsam trat der Henker vor, getarnt durch eine schwarze Kapuze. Er war ein bulliger Riese und Boyan wusste, dass es langsam Zeit wurde einzugreifen. Sein Begleiter stellte sich neben ihn und nickte, Boyan hob seinen rechten Arm.
Sein Adler, der die ganze Zeit über der Stadt kreiste, gab einen lauten Schrei von sich.
Ruckartig schob Boyan seine Kutte zur Seite und schoß mit der Armbrust, der stählerne Bolzen durchbohrte den Hals des Henker und ließ diesen mit röchelnden Geräusch zu Boden sinken.
Altasur schaute mit einer Mischung aus Zorn und Entsetzen auf den Schützen, „ Ergreift ihn!“
Die Menge teilte sich und alle Menschen liefen panikartig durcheinander, versperrten den anrückenden Soldaten ein schnelles Vorwärtskommen. Altasur schaute auf seine Bogenschützen und brüllte ihnen ihr Ziel entgegen, doch plötzlich fiel einer nach dem anderen gespickt mit Pfeilen vom Dach. Boyan lächelte, als er die zwei Zimmermänner mit den Bögen auf einem entfernten Dachvorsprung erblickte. Es waren zwei seiner Ordensbrüder, die sich unbemerkt aufs Dach geschlichen hatten.
Er zog seinen Dolch und rannte zielsicher auf den Stadtfürsten zu, ein Blick zur Seite zeigte die anrückenden Soldaten, die begannen sich gewaltsam durch die Menge zu arbeiten. Drei Adlige stellten sich mit gezogenen Schwertern ihnen in den Weg und Boyan schob sich weiter geschickt auf sein Ziel zu. Kurz bevor er ihn erreichen konnte stand Altasurs persönliche Garde vor ihm und umzingelte den Aufrührer, „ Tötet ihn und bringt mir seinen Kopf.“ schrie ihr fettleibiger Dienstherr.
Den ersten Angreifer parierte er geschickt mit seinem Dolch und gab ihm Zeit seine Armbrust zu ziehen, er zielte dem Soldaten direkt auf die blank liegende Körperseite. Der Treffer riss den Mann zu Boden, doch noch lange keine Zeit zum Aufatmen. Schwerthiebe prasselten auf Boyan ein, der mit Armbrust und Dolch zumindest die tödlichen Hiebe verhinderte.
Altasur versuchte zu fliehen, Boyan blickte sich um; Verdammt, seine Kameraden waren alle in Kämpfe verwickelt. Er durfte nicht entkommen, wie aus heiterem Himmel flog ein Stein auf einen Gardisten und traf ihn im Gesicht. Zwei Kinder standen auf der Straße, ihre Hände hielten große Steine in der Hand.
„ Lasst ihn in Ruhe!“ rief der größere von Beiden und warf wieder einen Stein zielsicher auf einen der Soldaten. Drei der Soldaten lösten sich und stürmten auf die Kinder zu, bevor Boyan reagieren konnte holten sie mit ihren Schwertern aus, um das Leben der Kinder zu beenden. Der Soldat sah den Schmiedehammer zu spät, der ihn am Kopf traf. Ein vom Schmiedefeuer braungebrannter Hüne stellte sich schützend vor die Kinder, „ Wer meinen Sohn auch nur anfasst, bekommt meinen Hammer zu spüren!“ Die herumrennende Menge blieb auf der Stelle stehen, als sie diese Situation mitbekommen hatte.
Der Schmied brüllte wie ein Löwe: „ Seht ihr das nicht, diese einzelnen Menschen lehnen sich auf. Sie kämpfen gegen die Soldaten und im Namen der Freiheit. Sie kämpfen unseren Kampf und ihr rennt herum wie aufgetriebenes Vieh. Nehmt euch ein Beispiel an diesen zwei Jungen, sie riskieren ihr Leben und machen das Richtige. Ich will nicht länger von diesem Fettsack unterdrückt werden und wie ein winselnder Hund den Schwanz einziehen. Wer kämpft mit mir gegen Unterdrückung und die Freiheit?“
Diese Ansprache hatte auch die Angriffe der Soldaten stoppen lassen und so konnte Boyan Stolz der mitreißenden Rede des Schmieds lauschen. Einen unendlichen Moment der Stille und dann griff ein Bauer auf den Boden und hob ein massiven Ast vom Boden, „ Ich bin dabei. Nieder mit den Unterdrückern!“ Er streckte symbolisch den Ast nach oben, dann kam ein Bäcker und tat es ihm gleich. Ein Adliger und sein Diener nahmen die Schwerter von zwei toten Soldaten und es wurden immer mehr.


Jeder Soldat, der nicht schnell genug um Gnade flehte, wurde von dem wütenden Mob zu Boden geschlagen und verprügelt. Boyan sah seine Chance und lud mit geübtem Handgriff seine Armbrust. Altasur hatte seinen Untergang kommen sehen und flüchtete durch die Gasse auf seinen Palast zu, der ihn verfolgende Bolzen traf ihn unerwartet in seinen rechten Oberschenkel und warf ihn in den Staub. Er zeigte dem Schmied mit einer Armbewegung den noch lebenden Stadtherrn und schritt langsam durch die Menge, was nun geschehen würde lag nicht mehr in seiner Hand.

Am südlichen Stadttor wartete schon seine Gruppe mit den Pferden, sein alter Freund hatte eine blutende Schnittwunde am Arm und auf dem Rücken eines Pferdes lag die Leiche von Margus, einem guten Kämpfer. Boyan schwang sich auf sein Pferd „ Mein Freund, wie ich sehe hab ihr eine Verletzung am Arm.“ Der ältere Mann lächelte ihn an: „ Ist nur ein Kratzer. Aber ich glaube, dass ich in meinem Alter mich noch ganz gut geschlagen habe. Margus hat es leider erwischt.“
Boyan nickte: „ Er ist für eine gute Sache im Kampf gestorben, er bekommt ein stattliches Begräbnis und sein Name wird in unseren Büchern eingetragen. Kar Den hat sich das Geschenk der Freiheit verdient, nicht wahr.“ „ Doch und ich glaube sie werden es auch gut annehmen.“
Die Gruppe ritt langsam aus der Stadt mit dem guten Gewissen wieder ein bisschen Freiheit in diese Welt gebracht zu haben, Boyans Adler landete langsam auf seiner Schulter und komplettierte die Einheit. Im Hintergrund hörte man noch die Todesschreie des Stadtfürsten, aber das interessierte den Orden nicht mehr. Boyan ritt langsam an die Seite seines Freundes „ Wohin reiten wir jetzt?“ „ Ich hab gehört im Königreich Tela’Us herrscht ein korrupter König und seine mörderische Armee. Dürfte kein Problem für uns sein.“ Die Männer lachten und gingen über zum Galopp in Richtung Süden.


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

17.04.2014 um 10:07
Fett

Ich schloß die Wohnungstür ab und wollte gerade die Treppe hinuntergehen, als mir meine Nachbarin entgegen kam. Na, die hatte mir grad noch gefehlt, wo ich es doch so eilig hatte. Ich fand sie ansonsten recht nett, etwa in meinem Alter, alleinstehend und ich unterhielt mich auch gern mit ihr, doch meißtens fand sie kein Ende. „Hallo Renate, ich muß schnell nochmal in die Kaufhalle, habe gestern die Hefe vergessen, und ohne die wird es nichts mit dem Pflaumenkuchen“, sagte ich zu ihr. „Ach Krissi, ich war eben dort, hättest doch was sagen können“. „Bin gleich wieder da“, rief ich ihr zu, und wollte schon aus dem Haus gehen, als sie mich zurück rief. „Warte mal kurz, ich muß dir noch was sagen. Ein paar Meter neben dem Laden ist ein kleiner Verkaufsstand, da gibt es lecker Fett im Glas, so verschiedene Sorten. Die verkauft ein fetter Mann“. Renate lachte und sagte: „Ein Fetter verkauft Fett, ist das nicht lustig“? Irgendwie hatte sie meinen skeptischen Blick bemerkt. „Ja, ich weiß, ich bin auch nicht gerade schlank, aber hinter dem können wir uns beide verstecken“. Darauf ging ich garnicht erst ein und rief ihr nochmals zu, dass ich es eilig hätte und ließ die Tür hinter mir zufallen.

Nachdem ich meinen kleinen Einkauf erledigt hatte, fielen mir Renates Worte ein. Naja, ich könnte ja mal kurz schauen, was der Dicke da anbietet. Als ich ihn allerdings sah, gab es nur ein Wort für ihn und das war -Fett! Der Mann saß auf einem Stühlchen, das eigentlich unter der Last zusammenbrechen müßte. Sein Alter konnte ich schlecht schätzen, er mußte so um die Fünfzig sein. Er hatte spärliche, lange, fettige Haare, eine von Mitessern übersäte Nase und ein dreifaches Doppelkinn. Doch damit war er noch nicht genug bestraft. Seine dicken kurzen Arme endeten in fleischigen Fingern mit schmutzigen Fingernägeln. Sein Bauch seine Oberschenkel und sein Gesäß quollen über den kleinen Stuhl und verdeckten etwas seine fleckige Hose, welche ihm viel zu kurz war. Socken hatte er nicht an. Die Füße mit den gelben Zehennägeln steckten in abgetretenen rosa Badelatschen. Vor ihm, auf einem Tisch, welcher mit einer Wachstuchdecke geschmückt war, standen ordentlich aufgereiht eine Menge Gläser. Alle trugen groß die Aufschrift: Fett und darunter standen die Zutaten. So hatte er zum Beispiel Fett mit Zwiebeln, mit Äpfeln, mit Majoran und allerlei anderen Kräutern. Ich überlegte schon, ob ich ein Glas für meine Mutter kaufen sollte, doch dann fiel mein Blick wieder auf den Dicken und ich ekelte mich. Meine Mama kam heute zu Besuch, deshalb mußte auch der Kuchen fertig werden und ich wußte wie gern Mama Fett aß. Sollte ich, oder sollte ich nicht? Ach was, dachte ich, er verkauft ja nur das Zeug und stellt es nicht her. Ich nahm zwei Gläser und machte mich auf den Heimweg. Bald war es Mittag und zum Kaffee mußte der Kuchen fertig sein.

Es wurde ein schöner Nachmittag mit Mama und wir hatten uns viel zu erzählen. Ich war immer noch ihr kleines Mädchen, obwohl ich straff auf die Dreißig zuging. Papa war vor drei Jahren gestorben und so kam Mama öfter mal zu mir oder ich besuchte sie in ihrem kleinen Häuschen in der Nachbarstadt wo ich auch meine Kindheit verbracht hatte. Mama fragte mich natürlich wieder, ob ich denn endlich den Richtigen gefunden hätte. Doch da mußte ich sie enttäuschen. Ich hatte damals mit Achtzehn geheiratet und nach sieben Jahren stand ich vor den Trümmern meiner Ehe. Wir passten einfach nicht zusammen und stritten uns ständig. Kinder waren aus dieser Verbindung nicht hervorgegangen, was ich später bereute. Aus Männern machte ich mir seitdem nicht viel, der Richtige würde bestimmt irgendwann kommen. Ich kam gut allein zurecht.

Beinahe hätte ich vergessen Mama das Fett mitzugeben, aber zum Glück fiel es mir noch ein. „Ja mein Mädchen, du weißt was deiner Mutter schmeckt, dankeschön. Und dein Pflaumenkuchen war hervorragend. Wie bekommst du nur den Hefeteig so gut hin, ich kann das nicht“.
Mama hatte ich zur S-Bahn gebracht und befand mich gedankenverloren auf dem Heimweg. „Ach Krissi, da bist du ja, hatte eben bei dir geklingelt. Kommst du mit, ich will nochmal kurz zur Kaufhalle, gucken ob der Fette noch da ist. Ich habe schon ein halbes Glas verputzt. Du wirst es nicht glauben, aber sowas leckeres hab ich noch nie gegessen. Ich brauche Nachschub, wer weiß, wann der wieder mal da ist“. Da ich nichts besseres vorhatte, schloß ich mich Renate an und nach ein paar Minuten standen wir bei dem Dicken
. Er unterhielt sich grad mit zwei Frauen und pries seine Ware an. „Der ist ja eklig und schwabbelfett“, flüsterte mir nicht gerade leise meine Nachbarin zu. Sofort hob der Dicke seinen Kopf und sah uns hasserfüllt an. Mir war das sehr peinlich. Hoffentlich denkt er nun nicht, dass ich das gesagt habe. Vorsichtshalber stellte ich mich etwas seitlich und beobachtete Renate. Die hatte scheinbar nichts mitbekommen und verlangte vier Gläser. Nachdem sie bezahlt hatte, sagte der Dicke laut und deutlich zu ihr: „Fett macht fett, macht eklig fett“! Meine vollschlanke, sehr vollschlanke Nachbarin lachte darüber, als wär´s ein guter Witz. Im Gehen sagte sie dann zu mir: „Das fette Schwein könnte sich mal waschen“! Und ich denke, es war ihr egal, ob er es hörte. Ich war mir sicher, er hatte es gehört.

Am nächsten Tag, ich kam schlagkaputt von der Arbeit, lauerte mir Renate im Treppenhaus auf. „Krissi, ich hab schon auf dich gewartet, ich muß dir unbedingt was erzählen. Stell dir vor...“ „Renate, entschuldige, aber ich muß erst mal rein, mich duschen und einen Happen essen. Komm in einer Stunde zu mir, da können wir es uns gemütlich machen und schwatzen“, unterbrach ich ihren Redefluß. Leicht beleidigt verzog sich meine dicke Nachbarin.
Als sie dann klingelte, sprudelte sie schon an der Tür los. „Du glaubst nicht, was mir passiert ist. Es war so gruselig. Stell dir vor der Fette war bei mir. Ich hab solche Angst“. Beruhigend legte ich den Arm um sie und führte sie in mein kleines Wohnzimmer zum kuschligen Sessel. Ich spürte dabei wie sie zitterte. Was hatte ihr nur solche Angst gemacht? Auf die Antwort mußte ich allerdings eine Weile warten. Renate saß da und schluchzte laut. „Hier, trink ein Glas Wein und dann erzähl mir alles“, sagte ich besorgt. So kannte ich sie garnicht. Renate trank in kleinen Schlucken und ich wartete gespannt. Endlich fing sie an zu erzählen.

„Letzte Nacht bin ich wach geworden, weil ich keine Luft mehr gekriegt habe. Es war, als läge was ganz Schweres auf mir und zerdrückt mich. Ich wollte schreien, aber es ging nicht, ich hatte einfach nicht genügend Luft. Du glaubst nicht wie das ist, ich hatte Todesangst und dachte, ich muß sterben. Dann, nach ewiger Zeit, war es vorbei, aber ich hörte eine Stimme“. Renate machte eine Pause und ich schenkte ihr Wein nach. „Fett macht fett“, hat er gesagt und dann hat er noch gesagt: „Das fette Schwein kommt dich bald holen“. „Das hast du bestimmt nur geträumt, es war vielleicht ein Albtraum oder so“, versuchte ich sie zu beruhigen. „Nein, das war ganz gewiss kein Traum, das schwöre ich dir. Ich habe noch seine Stimme im Ohr und außerdem hat er so sehr gestunken. Das war der Fette, glaube mir“. Nun wußte ich nicht mehr was ich sagen sollte. Von diesem Unsinn glaubte ich kein Wort. Sie hatte alles nur geträumt und fertig. Ich nippte an meinem Glas und starrte auf die Salzstangen.
„Du glaubst mir nicht, gib es zu, ich sehe es dir an. Meinst du ich lüge“? „Nein, du lügst nicht“, sagte ich vorsichtig, „aber stell dir mal vor, ich würde dir das erzählen. Es klingt doch wirklich so, als hättest du das geträumt. Es gibt keine Geister“!
Eine Weile schaute mich Renate an, dann sagte sie leise: „Du hast recht, es klingt unglaubwürdig, vielleicht habe ich doch nur geträumt. Ich glaube ja auch nicht an Gespenster oder so ein Zeug. Aber es war doch alles so reell“.
Wir schwatzten an diesem Abend noch lange über Geister und Gespenster. Und als die zweite Flasche Rotwein leer war und Renate nach oben wankte, lachten wir betrunken im Treppenhaus und riefen übermütig: „Fett macht fett“!


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

17.04.2014 um 11:25
Darf ich meinen Senf zu manchen Teilen geben?

Ich schreib ja selbst schon eine Weile und würde es toll finden, wenn andere User jeweils ihre Meinung zu anderen Texten geben würden.
So könnte man sich gegenseitig helfen.


@DarkCookiie

Bitte nimm es nur als konstruktive Kritik, wie es auch gemeint ist.
DarkCookiie schrieb:Der Wald erhebt sich bedrohlich
Das passt einfach nicht.
Ein Wald kann sich nicht erheben und das bedrohlich davor, macht es irgendwie langweilig.
Der Leser will eine bedrohliche Szene lesen, nicht das du ihm sagst das er sich so fühlen soll.

und wirkt angsteinflößend auf den einen oder anderen bei Nacht.

Gefällt mir auch gar nicht. Ich muss jetzt also Angst haben? Oder auch nicht, wirkt ja nur auf den ein oder anderen so.

Das Mondlicht wirft Licht auf die Bäume, die dicht aneinander stehen und unheimliche Schatten werfen..

Das Mondlicht wirft Licht?
und unheimliche Schatten?
Kein Laut ist zu hören. Totenstille, fast schon wie ausgestorben. Die Nacht warf einen unheimlichen, mystischen Schleier auf diese verlassene Gegend und man fühlte eine gewisse Spannung oder sogar Angst, ginge man nachts alleine den Waldweg entlang, zwischen all den bedrohlich wirkenden Bäumen
Ersten Satz kann man lassen, auch wenn er nicht schön ist, aber der zweite enthält einen groben Fehler. Es kann nicht fast wie ausgestorben sein. Und hört sich auch nicht schön an. Hört sich irgendwie so passiv an. Sei entschlossener. Ganz einfach: Totenstille, wie ausgestorben.


Die nächsten Sätze sind wirklich grauenhaft.
Nimm das bitte nicht böse, aber das sind sie wirklich.
Jeder Verlag wird das Buch spätestens jetzt in den Mistkübel schmeißen, selbst wenn der Rest die Offenbarung des Schriftstellertums ist.

Du willst zu sehr dem Leser erzählen wie er sich fühlen soll und packst unheimlich mystisch, hört sich eben nicht unheimlich an und noch weniger mystisch.
Man fühlte eine gewisse? Wieder sehr passiv. gewiss also weg lassen.
War es jetzt Spannung oder Angst? Und sollte das sogar vor Angst etwa den Leser noch mehr erschaudern lassen? Bewirkt das Gegenteil.


Also aktiver schreiben.
Wortwiederholungen vermeiden.(Ich hab zwar oft bedrohlich gelesen, mich aber nicht so gefühlt)


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

17.04.2014 um 12:54
@jero4802 Yeeiii. Ich danke dir für deine ehrliche Meinung. Keine Sorge, ich kann mit konstruktiver Kritik umgehen :D
Genau das habe ich mir nämlich erhofft. Bisher war irgendwie selten jemand bereit Kritik zu äußern und ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und brauche das irgendwie und möchte mich auch gerne verbessern, weil ich der Meinung bin mit 17 Jahren ist noch nichts verloren. Bisher kam immer nur ein "Du schreibst super toll, mach mehr darauß blaah bla blaah" aber die an harte Kritik hat sich bisher keiner ran getraut, so sehr ich auch um EHRLICHE Meinung gefragt habe -.- Lob ist schön und toll, bringt mir persönlich aber nichts, denn der Teil, wo man auf seine Fehler im Text hingewisen wird und eine Chance sich zu verbessern bleibt aus.
Da das geschriebene auch schon wieder uralt ist und nur auf meinem PC vergammelt, werde ich es heute mal wieder hervorkramen, überarbeiten und deine Worte berücksichtigen. Nochmals vielen Dank! :D


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

17.04.2014 um 19:52
@DarkCookiie


Bitte gerne. :-)



Jaja das "Geschleime" von Bekannten und Verwandten kenn ich nur zu gut. Da ist dann alles fabelhaft und toll.


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

17.04.2014 um 20:07
Hier kommen ja einige interessante Beiträge zusammen! Das nenn ich mal Schreiber-Powert :D
Dann geb ich auch mal meinen Senf dazu *g* Hier kommt die erste Seite...

Fieberhaft trat ich die Radpedalen. Wenn ich es überhaupt wagte mir etwas zu wünschen, dann wollte ich raus aus dieser Stadt. Und zwar sofort.

An ihren Gemäuern klebte Graffiti, das Hass propagierte. Ihr beißender Mief erinnerte an die Gefahren vergangener Jahre. An einen Bürgerkrieg zwischen Arm und Reich, an eine klaffende Wunde, die bis heute nicht genäht werden konnte. Das war der Grund, der die Stadtbewohner vertrieben hatte. Niemand mochte einen weiteren Konflikt riskieren, aber alle wollten sie sich durchsetzen und die Kluft zwischen Arm und Reich entweder verringern oder vergrößern. Schlussendlich war es aber eindeutig, wer die Oberhand gewann. Nämlich die, die hier eine teure Eliteschule errichteten.
Auf einmal fand ich mich in einer Schmutzwolke wieder, gequält von flüchtigen Atemzügen. Die vorangehenden Wagen erinnerten mich an meinen allgegenwärtigen Alptraum. An den Schulbesuch. Wie ich hinterherhinkte und egal was ich tat, im Schatten der anderen Schüler stand; wie ich sogar jetzt nur da war, um den Dreck ihrer Vehikel abzufangen. Aber ich konnte mich daran gewöhnen. Auch daran, dass Samstags Schule war; dass es einen Wochentag mehr gab, an dem ich Angst ausgesetzt war. Nur mit dieser Route, meinem jahrelangen Schulweg, wollte ich mich nicht anfreunden.
Ich besuchte doch eine Privatschule. Normalerweise fürchtete man sich nicht vor ihr – geschweige denn vor dem Schulweg! Außerdem machte sie einen bewundernswerten Eindruck. Aber in Wirklichkeit war sie alles andere, als das.


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

19.04.2014 um 00:02
bin grad über eine alte geschichte gestolpert ... die post ich hier mal

Eine gefährliche Geliebte

Ein schwarzer Hintergrund, durchzogen von Lichtern. Milliarden von Lichtjahren in jede Richtung und doch nur ein Stück weit von daheim entfernt. Der Weltraum ist ein ewig langer Ort für Träume und Pioniergeist. Seh ich aus der Luke meiner kleinen Raumkapsel, kann ich meinen Heimatplaneten,die Erde, in ihrer schieren Vielfalt sehen. Ihre ewig langen Flüsse und farbenreiche Landschaft, von hier oben nicht mehr als eine dünne Staubschicht, die den Planeten überzieht. Doch nicht mehr lange und meine einzigen Gefährten werden die Sterne sein. Seit ich ein kleiner Junge war, haben sie mich fasziniert, wie sie weit entfernt in Regenbogenfarben aufglühen, miteinander verschmelzen, explodieren und vergehen. Nun werden sie mir beim Sterben zusehen, wenn der greifbarste von ihnen mich verschluckt.
Ich war bis vor kurzem Techniker auf der ISS, der internationalen Raumstation, welche lange Zeit meine Heimat war. Es war eine traumhaft schöne Aufgabe, hier oben der Menschheit zu dienen. Russen, Amerikaner, Chinesen, hier oben alle gleich. Alle ein Teil dieses besonderen Menschenschlags, welcher erst viele Kilometer über der Erde wahres Glück gefunden hat.
Neben mir liegt die Leiche von Eduart, mit mir gemeinsam die aktuele Crew der internationalen Raumstation und wir liegen, der eine ein wenig toter als der andere, neben der Luke unserer Rettungskapsel und blicken hinaus in die Leere. Wir sehen zu, wie unsere letzte Heimat, die Raumstation, langsam auseinanderbricht und im verschluckenden Nichts verschwindet.
Schon bald wird es sehr kalt hier drinnen. Doch die Kälte wird mich nicht töten. Nicht mit den Unmengen aus Jacken, die ich mitgenommen habe. Sterben werde ich an zunehmender Hitze, genaugenommen werde ich ersticken, wenn die Kapsel sich dermassen aufhitzt, dass das atmen unmöglich wird. Es ist eine Welt der Extreme. Der Weltraum ist eine gefährliche Geliebte, mit der man sehr behutsam umgehen muss. Dreht man nur ein wenig am Rad oder bewegt sich ein Stück weit in die falsche Richtung, dann erkennt man das hier draussen sehr schnell. Und dennoch werde ich diesen Drahtseilakt vollführen. Ich werde gut auf meinen Sauerstoff aufpassen und den letzten Rest Elektronik sinnvoll einsetzen, während ich in diesem Schrotthaufen sitze, der unausweichlich auf die Sonne zufliegt.
Mich erwartet eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich wurde gut in Psychologie unterrichtet und auf den Tod vorbereitet. Ich kenne ihn gut, den natürlichen Wahnsinn eines Sterbenden, alle seine bittersüssen Ebenen. Selbstverständlich könnte ich meine Pille schlucken, welche sofort wirkt und sollte mir dies zu wenig sein, dann kann ich Eduarts Pille noch hinzunehmen. Aber das werde ich nicht tun.
Denn auch wenn ich, wie jeder Mensch, Angst vor dem Sterben habe, dann hätte ich es nicht besser erwischen können. Irgendwo in einer Holzkiste zu verrotten oder in einer eisernen Kammer zu verbrennen, das ist ungeeignet für einen Menschen, der die Sterne liebt. Mein Sarg ist ein Raumschiff und meine Grabesrede das unverständliche Summen aus dem Lautsprecher. Einen für mich idealeren Tod könnte ich mir nicht wünschen. Ich werde einfach aus dem Fenster sehen und nachdenken. Denn eins hat man hier draussen zuhauf, Zeit zum Nachdenken.
"Machs gut du verrückte Kugel," flüster ich der blauen Schönheit entgegen. Sie ist bereits etwas kleiner geworden. Und während ich sie beobachte, erkenne ich zum ersten mal, dass wir etwas gemeinsam haben. Hier draussen sind wir beide nur Elemente in einer Welt , die uns beide übersteigt. Die mit extravaganten Kräften und Wechselwirkungen, mit atomaren Supergaus und allesfressenden schwarzen Löchern so gigantisch ist, dass wir beide damit unweigerlich ganz nah aneinanderrücken.
Ich werde diese Philosophie auf meinem Weg zur Sonne noch vertiefen und freu mich auf weitere Gedanken, die das grosse Nichts einem Sterbenden in den Sinn ruft. Ich bin ein Pionier und betrete neues Land. Leider wird mein Innerstes auf dieser Reise nie jemand erfahren. Und vieleicht ist die Vorstellung, die die Menschen von mir haben werden, der bessere Weg, als die Wahrheit, welche sehr bitter werden könnte.


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

19.04.2014 um 12:49
Nochmal was von mir.


Blutige Maiglöckchen



Die Nacht ist vorbei, der Morgen kommt

Und wieder versuch ich meine Träume festzuhalten

Es war doch so schön, ich war im Wunderland

Ich war frei und leicht und unbekannt

Ich hatte Flügel, flog durch die Welt

Nun sind sie fort, wer hat den Tag bestellt

Die Sonne schickt mir strahlendes Licht

Der Tag umarmt mich, doch meine Träume kennt er nicht

Kennt nicht die Liebe, kennt nicht den Schmerz

Kennt keine Trauer, Hass oder liebend Herz

Nur die Nacht schenkt mir Vergessen und Glück

Ich wünsch mir die Nacht wehmütig zurück

Will träumen und frei sein und fliegen

Doch es wird immer der Morgen siegen


Laura langweilte sich. Sie saß auf der Terasse ihres kleinen Häuschens in der warmen Maisonne und hatte ein aufgeschlagenes Buch vor sich liegen. Heute war wieder so ein Tag, wo sie nichts mit sich anzufangen wußte. Ihre Freundin war im Urlaub und ihr Mann Luca arbeiten. Sie schaute nach der Uhr. Eigentlich sollte Luca schon zu Hause sein. Großartige Sorgen machte sie sich nicht, sicher kaufte er noch schnell etwas ein. Als Luca nach zwei Stunden immer noch nicht da war, rief sie bei einem Arbeitskollegen an. Dieser versicherte ihr jedoch, daß er mit Luca pünktlich das Büro verlassen habe und er riet ihr dringend die Polizei zu verständigen. In Laura stieg unendliche Angst auf. Sofort kam die Erinnerung. Ihr Mann nahm mit seinem Fahrrad immer die Abkürzung durch das kleine Wäldchen. Voriges Jahr, es muß auch im Mai gewesen sein, wurde dort ein Mann ermordet aufgefunden. Soweit sie informiert war, hatte man den Täter nie gefasst. Und nun kam Luca nicht.

Mit zitternden Fingern wählte sie den Notruf. Ihr wurde jedoch nur lakonisch mitgeteilt, sie solle doch erst mal alle Verwandte und Bekannte anrufen und natürlich auch in allen Krankenhäusern nachfragen. Dann erst würde man eine Suchmeldung herausgeben.
Laura rief überall an, ohne Ergebnis. Sofort griff sie wieder zum Telefonhörer und sprach nochmals mit einem Polizeibeamten. Sie erzählte ihm, daß ihr Mann jeden Tag durch das Wäldchen fuhr und daß doch dort einmal jemand ermordet wurde. Man versprach ihr zu helfen.
Keine zehn Minuten später klingelte es an ihrer Tür. Luca! Das ist Luca! Aber es war eine Kriminalbeamtin mit ihrem Kollegen. Laura mußte ausführlich den Arbeitsweg ihres Mannes beschreiben und es wurden ihr auch seltsame Fragen gestellt. Ob sie vielleicht Streit hatten, oder ob eine andere Frau im Spiel ist und wie ihre Ehe so läuft.
Lauras Geduld war am Ende. „Wieso stellen Sie mir so sinnlose Fragen, wieso suchen sie meinen Mann nicht?“ „Nur mit der Ruhe Frau Brandt, der Wald wird gerade durchsucht, aber das ist halt schwierig in der Dunkelheit.“ Die Polizistin legte mitfühlend den Arm um Laura, der die Tränen übers Gesicht liefen. „Holen Sie sich eine Freundin für diese Nacht hierher, dann sind Sie nicht so allein, wir müssen jetzt leider gehen.“
In ihrer Verzweiflung klingelte Laura die Nachbarin aus dem Bett. Nun saßen beide Frauen auf der Couch und warteten auf einen Anruf. Nach drei Stunden endlosen Wartens erhielten sie die Nachricht, daß die Suche für heute abgebrochen wurde, man konnte ihren Mann nicht finden. Laura saß nur da und zitterte. Die besorgte Nachbarin machte ihr einen Tee und dann saßen Beide wieder schweigend da.
Es war schon gegen drei Uhr, als Laura aus ihrer Starre erwachte. Ihre nette Nachbarin lag etwas verdreht neben ihr auf der Couch und schlief. Laura stand auf und ging in die Küche. Sie schaute ziellos umher, was will ich eigentlich hier. Ihr Blick fiel auf eine Flasche Rotwein, den Luca vor zwei Tagen mitgebracht hatte. Mit dem gefülltem Glas ging sie zurück ins Wohnzimmer und setzte sich in den alten Sessel neben das Telefon. Ihr Herz raste noch immer, sie stellte sich die schlimmsten Sachen vor, die passiert sein könnten. Mit einem Zug trank sie den Wein und fiel kurze Zeit später in einen Dämmerschlaf.

Laura hatte Flügel und flog hoch oben in der Luft. Unter ihr lag das Wäldchen. Die Sonne schien und eine Biene summte um ihr Ohr. Sie flog zu einer kleinen Lichtung, wo Luca friedlich schlief. Laura legte sich neben ihn und lehnte ihren Kopf an den Seinen. Sie war so glücklich, Luca war alles was sie hatte und sie liebte ihn. Ringsum standen Maiglöckchen in voller Blüte. Laura pflückte ein Sträußchen und legte es Luca in die Hände. Dann schlief auch sie ein.
Das Telefon klingelte. Schlaftrunken schaute Laura auf die Uhr. Es war morgens acht Uhr und plötzlich fiel ihr die vergangene Nacht ein. Hatte man Luca gefunden? Es wurde ihr aber nur mitgeteilt, daß die Suche nun fortgesetzt wird. Ihre Nachbarin kam mit frischem Kaffee und ein paar Schnittchen aus der Küche. Nein, essen konnte Laura nicht. Die Kaffeetasse hielt sie fest umklammert, ihr ganzer Körper bebte vor Angst.
Schrill und laut klingelte es an der Haustür. Die Frauen zuckten zusammen. Wieder stand die Kriminalbeamtin vor der Tür. Sie fragte mit ernster Miene, ob sie eintreten könnte. Laura konnte sich nicht mehr beherrschen und schluchzte laut. Ihre schlimmsten Vorahnungen bestätigten sich. Luca war tot. Man hatte ihren geliebten Luca ermordet. Sie hörte nicht mehr die tröstenden Worte, sie fiel einfach um.

„Möchten Sie etwas zu trinken haben?“ Laura sah in die freundlichen Augen einer Krankenschwester, die ihr das Bettzeug zurecht zupfte. „Nein Danke,“ konnte Laura noch mit erstickter Stimme herausbringen, dann flossen wieder ihre Tränen. Als die Schwester das Zimmer verlassen hatte, nahm Laura das Kopfkissen vor den Mund und schrie ihren Schmerz hinein.

Ein paar Tage dämmerte Laura vor sich hin. Die Tränen waren versiegt, aber der Schmerz hörte nicht auf. Apathisch ließ sie alles über sich ergehen. Sie nahm ihre Medizin und beantwortete alle Fragen. Nur nachts in ihren Träumen war sie glücklich. Sie hatte Flügel und flog mit Luca über die Erde. Sie näherten sich der Sonne und dem Sternenhimmel, aber immer endete der Traum auf der Maiglöckchenwiese. Dort lagen sie beieinander und hielten sich fest umschlungen.
Nach einer Woche wurde Laura entlassen. Ihre Freundin Nelly, inzwischen zurück aus dem Urlaub, holte sie ab. Zu Hause angekommen, übermannte Laura der Schmerz mit aller Macht. Alles erinnerte sie an Luca, den sie nie wieder sehen würde.

Die Trauerfeier und das anschließende Begräbnis waren vorüber. Laura saß in ihrem großen Sessel. Gegenüber auf der Couch saß die Kriminalbeamtin mit ihrem Kollegen und erzählte, wie man Luca gefunden hatte. Luca war von hinten mit einem dünnem Draht erdrosselt worden. Der Täter hatte ihn dann auf die Lichtung gelegt und ihm einen Maiglöckchenstrauß in die gefalteten Hände gesteckt. Alles war genauso wie beim ersten Mord im vorigen Mai. „Wir haben es mit einem Serientäter zu tun und wir werden Sie auf dem Laufenden halten Frau Brandt. Mehr können wir Ihnen vorerst nicht mitteilen.“
Laura war geschockt. Sie dachte an ihre Träume.

Vorsichtig umsorgte Nelly ihre Freundin. Sie wohnte nur zwei Häuser entfernt und konnte so öfter bei ihr vorbei schauen. Eines Abends, die Freundinnen saßen mal wieder beisammen, erzählte Laura von ihren Träumen, die sie auch jetzt noch hatte. Nelly hörte erstaunt zu. „Du mußt das unbedingt der Polizei erzählen.“ „Nein, ich glaube nicht, daß sie ein Traum interessiert, es wird nicht weiter helfen und auslachen lass ich mich schon garnicht.“ „Gut Laura, wenn Du das nicht möchtest, müssen wir auf eigene Faust etwas unternehmen. Wenn Du wieder über die Lichtung fliegst, dann sieh genau nach unten. Alles was Dir auffällt kann wichtig sein.“

Ein knappes Jahr war vergangen. Laura hatte sich wieder erholt und bewältigte ihren Alltag allein. Sie ging inzwischen ein paar Stunden arbeiten und hatte recht nette Kollegen in ihrer Abteilung. Mit Nelly verband sie eine innige Freundschaft. Das Unglück hatte die Beiden noch fester zusammen geschweißt. Ab und zu fragte Nelly nach Lauras Träumen und ob sie etwas gesehen hätte. Aber Laura konnte nichts Neues berichten. Sie flog immer noch mit Luca durch die Welt und landete zum Schluß auf der Lichtung mit den blühenden Maiglöckchen. Doch eines Nachts änderte sich ihr Traum. Sie flog allein über das Wäldchen und Luca lag unten auf der Wiese. Glücklich, ihren geliebten Mann wieder zu haben, legte sie sich neben ihn und wollte ihn umarmen. Doch was war das? Neben ihr lag ein fremder Mann, um seinen Hals war eine dünne Drahtschlinge, in den Händen hielt er einen blutigen Strauß Maiglöckchen.


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

01.05.2014 um 18:42
Hier nochmal was anderes.


Als ich die Augen wieder öffnete, schwebte ich über den Wipfeln der Bäume. Unter mir sah ich die Ruine. Die Krähen auf den Ästen schrieen unerträglich und flogen auf mich zu. Aber ich konnte mich vor ihnen retten und versteckte mich hinter der Ruine. Vorsichtig lugte ich um das Gebäude herum. Auf der Wiese saß Sira, die Hexe und die Krähen hatten einen Kreis um sie gebildet. In der Mitte brannte ein Feuer und daraus stiegen seltsame Gestalten auf, die sich dann in Nebel auflösten. Die Nebelschwaden hüllten mich ein und trugen mich ins Innere der Ruine. Ich befand mich in einem großen Raum, der wohl mal ein Tanzsaal war. Rings an den Wänden standen Tische und Stühle. Aber ich hatte keine Zeit mich weiter umzusehen, denn eine Frau stand plötzlich vor mir und nahm mich bei den Händen. „Komm mein Mädchen, tanz mit mir, ich habe lange auf dich gewartet. Heute tanzt du den letzten Tanz deines Lebens.“ Sie wirbelte mich herum und tanzte und stampfte und machte keine Pause. Ich versuchte mich zu befreien, aber sie hielt mich eisern fest. Meine Haare und meine Kleider flogen und der Atem ging mir aus, doch ich mußte tanzen. Alles drehte sich um mich und ich sah nur noch das lachende Gesicht meiner Tanzpartnerin. Aufeinmal wußte ich wer sie war. Die Wirtin! Es war die verstorbene Wirtin. Die grausame Wirtin, die jeden umbrachte. Sie zerrte mich durch den großen Saal und drehte mich im Kreis. Es gab kein Entkommen. Die Wirtin krallte sich an mir fest und schrie und sang und lachte wie irre. Ihr Gesicht hatte sich zur Fratze verändert und nun sah es aus, wie das gräßliche Gesicht an meinem Fenster.
„Geh weg du Satan, verschwinde!“ wollte ich rufen, doch kein Laut kam aus meinem Mund.
Unser Tanz wurde immer schneller, ich spürte den Boden nicht mehr. Unheimlich und grausam sah mein Gegenüber aus. Und sie brüllte und bedrohte mich. Mein Kopf wollte zerspringen, die Sinne schwanden mir und endlich konnte ich schreien. Es war wie eine Befreiung und ich schrie allen Schmerz und alle Angst aus mir heraus.


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Auszüge aus eurem Roman - Kurzgeschichten und Gedanken

23.11.2014 um 21:50
Das Schweizer Schloss

Die Zeit herrschte über den Raum. Der Raum herrschte über die Gans Hiltrud. Hiltrud herrschte über den Ur Jörg. Das waren die Ahnen, mächtige Individuen, aus denen die Menschen und Tiere hervorgingen. Jörg herrschte über die
Liebesgöttin Albertine. Albertine herrschte über das Licht Thyl.

Königin Albertine und König Thyl waren ein Album, also ein Elfenpaar. Insgesamt gab es elf Alben.
Zehn Alben bildeten den Hofstaat. Die gottgleichen Alben hatten die Ahnen Hiltrud und Jörg gemacht.
Albertine und Thyl erschuffen das Menschenpaar Hans und Hanna und schufen die Welt und Hans nannte Hanna Mia, die Sein-ige.
Die Alben konnten die Menschen sehen, die Menschen die Alben aber nicht. Daher verehrten diese die Alben als Gott und werden es immer so halten.

Die Menschen lebten im Garten Eden mit den Tieren des Feldes. Da war es Sommer 69, der Sommer der Fische, in der die Kälte Kühle war. Hans war 18 als er erwachte und er erblickte und gewahr seine noch jugendliche Partnerin Hanna, die Mia.
Mia war erst 12. Sie war für ihn das Licht 12; er war für sie ihre zukünftige Liebe. Sie spielten also Cowboy und Indianer. Für die Menschen gab es keinen Geschlechtsverkehr, es gab den Beischlaf. Es gab auch keine Sonne, sondern nur den Tag und den Mond.
Die Menschen lebten auf einer Insel der Seeligen, dem Etter. Dort befanden sich die Ureschen, denen sie so glichen, und zwei Verästelungen eines Baches umflossen den Etter.
Es gab Rehe aber keine Hirsche, es gab ungezählte Mäuse aber es gab keine Ratten. Nie wurde eine tote Maus gefunden. Zehn Hasenpaare schlugen Purzelbäume, aber Kaninchen waren keine da.

Die Menschen liebten die fast immergrünen roten Himbeeren und die Haselnüsse, das klare weiche Wasser von der Quelle, den Regen, der nur ab und an in den umliegenden Bergen als Schnee zur Erde fiel. Die Menschen hatte 14 persönliche Dinge, nicht mehr, so war das festgelegt. Wollten sie etwas anderes, so mussten sie etwas von dem als Opfer geben.
Manchmal gingen die Menschen tagsüber zum Ufer oder sie gingen an den Fischbach und einmal im Früh-Jahr bestiegen sie einen nahen Hüge Erhebung und gewahrten ihr Land.

Anders im Schloss, wo die Alben wohnten. Es befand sich in einem Gebirge in einem Märchenwald, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten. Der Wald barg unzählige Geheimnisse, Wölfe lebten darin aber auch Bären, doch die Alben beherrschten das Märchenland und Elfenland und lebten ein höfisches Leben mit viel Minne, Speis und Trank. Sie hielten Hof und es gab viele Glücksmomente.
Durch das Glas der Pandora beobachteten und bestaunten sie das Menschenpaar in der Anderswelt, wo sich alles im Vergleich zu ihrer Gegenwart nur mit der halben Geschwindigkeit vollzog. Abends oder am Sonntagmorgen taten sie dies. Das Schloss hieß Jetzens und befindet sich auch heute noch in Graubünden.

Sie selbst hatten wie das die Menschen im Glas der Pandora das ewige Leben, aber die Tierwelt des Märchenlandes nicht. Oft gingen die Ritterelben zur Jagd. Bekannt war auch ihr Liebesleben und bei zwanzig Elben und Elfen war immer Betrieb und Auftrieb.
Missbrauch war unbekannt, ebenso wie Nachwuchs. Die Kinder hatte Hiltrud die Ahnin gebracht, aber das war vor Zeiten. Aber insgesamt hatten es die Elben in der Hand, sie wirtschafteten nachhaltig und es gab nie Zeiten von Not.

Südlich des Schloss zog die Sonne auf ihrer Mittagsbahn vorbei und man konnte das sonnenverglühte Tessin hinter dem Rheinhorn erahnen, so wie man Hiltrud und Jörg, die Ahnen (oder Annunaki) dort erahnen konnte. Diese besuchten das Schloss von Zeit zu Zeit, hielten aber auch die Verbindung zu den anderen Ahnen. Die Ahnen waren Götter, die Alben gottgleich.

Dann kam die Zeit der Krankheit, der Eifersucht, die die Ordnung beseitigte. Das war so: die Frau des Elben Rainer, die Elfin Evelyn war auf die Menschenfrau Mia eifersüchtig. Sie empfand die neue Menschenfrau Hanna schöner als sich selbst, obwohl sie selbst doch blondes Haar hatte, die Menschenfrau aber brünettes Haar.
Darunter litt sie sehr stark und nach etwa einem halben Jahr hielt sie es nicht mehr aus. Es kam etwas ins Schloss, was es bis dahin nicht gab, es war der Neid und sein Bruder, der Harm. Es war Sommer geworden, Sommer 69.

Evelyne ersann eine Intrige.
Evelyne schlich sich in die Küche von Thyl und Albertine und nahm sich einen Beutel Zaubertrank, mit dem Thyl auch die Menschen gemacht hatte. Sie setzte das Mistelgetränk an ihre Lippen und trank den Gansenbeutel.
Dadurch gewann sie die Zauberkräfte des Waldes und sie konnten nun selbst schöpfen und erschaffen.

Sie verliess das Schloss noch im Morgengrauen durch eine Tür im Pandoraglas.
Sie erschien dann dem jungen Menschenpaar, das bass erstaunt war, einen Menschen vor sich zu sehen. Evelyne war sehr schön anzusehen mit ihren blonden Haaren und ihrer schönen Gestalt. Sie bedeutete Mia doch zur Quelle zu gehen und den Gral mit Wasser aufzufüllen. Mia entschwand also, hatte aber erstmals in ihrem Leben das Gefühl der Unheimlichkeit.
So bald als Mia weg war, becircte die Evelyne den Hans aufs äußerste. Sie weckte in ihm die Urinstinkte, die Hans bis dahin verborgen waren. Schließlich liebten sie sich und das war das Verhängnis von Hans, denn er fiel für sechs Jahre in einen Tiefschlaf.
Ob aus dieser kurzen aber heftigen Verbindung Nachwuchs hervorging, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es wäre ein Stützpfeiler für den Glauben an die Mensch-Gott-Mischwesen.
Und so ähnlich tat es Evelyne mit Mia, sie gab ihr etwas von dem Schlafmittel, nur war ihr Schlaf noch tiefer.
Das war der erste Streich bzw. Akt.

Es gab noch eine weitere unzufriedene Person im Schloss und das war der Ritter Dieter. Dieter war nicht eifersüchtig, aber er war auf Thyl neidisch, weil dieser viele musikalische und lyrische Reichtümer hatte, die Dieter nicht hatte. Dieter beschloss also, Evelyne in die Büchse der Pandora zu folgen.
Dort taten sich die beiden zusammen, jeder hatte dort in der Umgebung gottgleiche Kräfte, er konnte schöpfen, nämlich Menschen zu Wege bringen, und er konnte Tiere herbeizaubern aus dem Märchenwald.
So bauten Evelyne und Dieter eine eigene Welt und der Garten Eden verschwand nach dem Sommer allmählich. Sie waren die Sims-ons.

Evelyne benannte Hans Adam und sie erfand die althochdeutsche Sprache und alle Sprachen der Welt. Zum Beispiel die Engel-Sprache. Sie erfand das englische Wort evil, nach sich selbst, und sie erfand die Mär von Adam und Eva. Eva war Mia und sie war die Schlange und sie erfand die Evolutionstheorie, indem sie aus einem a ein o machte, und aus u machte sie x, Krankheiten und Medizin erfand sie dazu. Außerdem brachte sie die Sonne und den Sonnenkult nach Eden.
Aus dem dt. Wort Atem machte Evelyne das Wort Odem im Althochdeutschen, dass sie ebenfalls erfunden hatte, um schließlich zum Begriff Adam zu gelangen. Um Verwirrung zu stiften nannte sie im Hebräischen die Erde Adamon, so brachte sie den Harm, also Zwiespalt und Missverständnisse in die Welt der Menschen.
Evelyne und Dieter verstanden sich prächtig, deshalb erfanden sie auch ihre Avas, also Hologramme ihrer selbst, und die Geschichte von Bonnie und Clyde, dem gewissenlosesten Verbrecherpäärchen der Menschheitsgeschichte.

Aber auch Ge-Mahl Dieter war in dieser Zeit im Schauglas nicht faul.
Er erfand die Lehre von Scientology, sämtliche Religionslehren der Welt, die Quantenmechanik und außerdem das Geldverleihsystem und den modernen Kapitalismus, ebenso weite Teile der Menschheitsgeschichte, Rassen und Rassenlehren und False Flag als Antwort auf Evelynes Listen.
Und Evelyne spricht mit ihrer Intelligenz alle Sprachen der Welt.
Aber dennoch blieb Dieters Unzufriedenheit; nur steht jetzt die Person von Evelyne in seinem Focus und nicht mehr die von Thyl.
Im Sommer 1975 erweckte Evelyne Hans aus seinem Tiefschlaf zurück zum Leben, nicht ohne ihm noch eine Schirmerinnerung an die Jahre seit 1969 zu geben. Hans war jetzt nicht mehr 18 Jahre alt, sondern er war nur noch sechs Jahre alt und sollte bald von seinen leiblichen Eltern eingeschult werden, an die er bereits eine Schirmerinnerung hatte.

Evelyne und Dieter brachen mit ihren Dualseelen von Schloss Jetzens und bildeten ein neues Album, was enorme Auswirkungen und Unruhe auf Schloss Jetzens zur Folge hatte und auch, wie wir noch sehen werden, dazu führte, dass sich in der Dunkelheit einer späten Sommernacht alle verbliebenen Schlosselben auf den Weg in die Edenwelt machten, um die alte Ordnung wiederherzustellen, wobei sie durch das Pandorator gingen.
Da aber auf der Erde nun Evelyne in mannigfaltiger Gestalt und der ihr ergebene Dieter herrschte, war der Preis des Eindringens in die Büchse der Pandora der völlige Schwund des eigenen Gedächtnisses und der eigenen Gestalt. So begann für jeden der Lichtkrieger das neue Leben mit dem Erwachen in Blütenträumen. Die sich für die Protagonisten wie alle Blütenträume als reale Blutträume entpuppen sollten.
Seither hat sich noch vieles ereignet.


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