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Gedichte: Tragik

2.541 Beiträge, Schlüsselwörter: Gedichte, Lyrik, Poesie, Melancholie, Tragik

Gedichte: Tragik

19.01.2013 um 21:52

Baldurs Erlösung

Als Baldur auf den Scheitern lag,
Vor Trauer erblich der lichte Tag.
Da ist von Hermodur dem Helden
Ein herrlicher Ritt zu melden.

Auf Odins Hengste, Sleipnir genannt,
Stob er hinab, vom Vater gesandt,
Den theuern Bruder zu lösen
Aus Helas Hause, der bösen.

Tiefe dunkle Thäler, all unerhellt,
Neun Tage ritt der göttliche Held:
Da hört er den Strom erbrausen,
Dahinter die Leichen Hausen.

Ueber die Brücke kam er gefegt,
Die stand mit glänzendem Golde belegt.
Modgudr bewacht da die Marke,
Vom Stamm der Iötune, die starke.

"Wer bist du?" fragt ihn die Riesenbraut,
"Und warum schallt dein Huf so laut,
Denn unter dir donnert die Brücke,
Ich fürchte, sie bricht noch in Stücke.

"Sie donnerte gestern nicht so sehr:
Da ritten Gestorbner fünf Rotten daher.
Auch hast du, ich bin ein Kenner,
Nicht die Farbe todter Männer."

Da sprach Hennodur: "Ich reite zu
Hel Baldurn zu suchen, ich hab es nicht Hehl.
Sahst du ihn reiten, den guten,
Hier über die Gjallarfluten?"

"Wohl sah ich ihn reiten," sprach die Maid,
"Mit ihm fünf Rotten als Todtengeleit.
Du kommst nicht zu Hel, mein Ritter:
Das wehrt ein goldenes Gitter.

"Doch willst dus versuchen, ich weiß den Weg:
Hier nördlich geht es zu Hels Geheg."
Da ritt er fürder, der Ritter:
Ihn hemmte lein goldenes Gitter.

Die Sporen gab er dem göttlichen Hengst
Und hinter ihm lag das goldene längst.
Da sah er Hel, die fahle,
Sein harrend stehn vor dem Saale.

"Ich biete dir herrliches Lösegeld
Für Baldur; ihn Nagt die ganze Welt,
Die Wesen beweinen ihn alle:
Entlaß ihn denn, Hel, deiner Halle." —

"Bewährst du mir was dein Mund gesagt,
Daß ihn die ganze Welt beklagt,
Ihn alle Wesen beweinen,
So fahr er heim zu den Seinen.

"Wenn aber Eines widerspricht,
Und wiß nicht klagen und weinen nicht,"
Sprach Hel zu dem Götterboten,
"So bleib er hier bei den Todten."

Die Antwort brachte Hermodur zurück;
Da lachte den Göttern goldenes Glück:
Sie hofften in Glasors Auen
Den Geliebten wiederzuschauen.

Da sandten sie Boten in alle Welt:
"Und Wem der Schönste der Asen gefällt,
Der laße die Thronen rinnen,
So mag er ihn wiedergewinnen."

Da weinte Mensch und Thier gemein,
In der Erde weinte Erz und Gestein,
Im Walde die Eichen und Fichten,
Sie weinten um Baldur den lichten.

Den guten Baldur beklagten laut
Das Meer und der Wind und die Windesbraut;
Ihn klagten in himmlischer Ferne
Die Sonne, der Mond und die Sterne.

Und Waßer und Feuer und Erd und Luft
Und Berg und Thal und Felsenschluft,
Der Tag mit Abend und Morgen,
Sie weinten um Baldur in Sorgen.

Sie weinten manchen Eimer voll
Und schickten zu Hel der Thränen
Zoll Und baten: "Nun thu so bieder
Und sende den Schönen uns wieder."

Da saß versteckt im Nergesschacht
Die störrische Riesin in ewiger Nacht.
Die wollte Baldurn nicht klagen:
Mit Höhnen begann sie zu sagen:

"Nicht im Leben und nicht im Tod
Frommte mir Baldur ein halbes Brot.
Behalte Hela die Beute:
Ich wein ihn nicht morgen noch heute."

So blieb der Gott in Hels Gewalt:
Doch kommt der letzte der Tage bald,
Dann soll die Welt sich erneuen
Und Baldur uns wieder erfreuen.

Karl Simrock



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Birkenschrei
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Gedichte: Tragik

20.01.2013 um 16:45
Diese Leere

Wie leer ist es
da
wo etwas war
Wo WAS war?
Etwas
was nicht mehr da ist
Und ist es nicht mehr da?
Warum nicht?
Und wirklich nicht?
Kann es nicht wieder da sein?
Darf es nicht wieder da sein?

Wie groß
muss es gewesen sein
was da war,
dass alles jetzt,
wenn es vielleicht nicht mehr da ist
oder vielleicht
nicht mehr da sein wird,
so leer ist, dass Leere in Leere
übergeht
oder untergeht
oder ruht?

Müsste Ruhe
nicht eigentlich anders sein
als das,
was leer ist
und doch
kalt ist,
obwohl das Leere
nicht kälter sein kann
als das,
was leer ist
und doch
noch brennt,
obwohl das Leere
nicht brennen kann

als das,
was leer ist,
und doch
den Hals zuschnürt,
obwohl das Leere
den Hals nicht zuschüren kann.

Was ist es also?

Erich Fried

***


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Cabale
ehemaliges Mitglied

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Gedichte: Tragik

20.01.2013 um 17:30
Dich verlieren?

Dich verlieren
an dein Glück
oder an dein Unglück
Und nicht wissen können
welches es ist

Dich verlieren
an dich
oder an das was nicht du ist
Und wie entscheiden
was du bist oder nicht du

Dich nicht verlieren wollen
dir oder uns zuliebe
oder nur mir zuliebe
Und desto weniger Antwort
je öfter ich frage

Dich nicht verlieren müssen
Vielleicht wenn wir stärker sind
als dieses Unglück
das Kraft schöpft
aus deiner und meiner Liebe

Erich Fried


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Gedichte: Tragik

20.01.2013 um 18:21

Die Litanei des Satans

O Cherub, weisester, schönster von Gottes Söhnen,
Gestürzt, selbst noch ein Gott, dem keine Psalmen tönen,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

O König des Exils, den man mit Schmach bedeckt,
Und der, besiegt, voll Trotz das Haupt nur höher reckt,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Du, der du alles weisst, Herrscher in dunkeln Tiefen,
Helfer der Menschen, die in bittrer Angst dich riefen,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Der Liebe selbst ins Herz Verstossener, Kranker senkt,
Und ihnen so den Duft aus Edens Gärten schenkt,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Der sich die Todesnacht zur Liebsten wählt und Herrin,
Mit ihr die Hoffnung zeugt, die wunderholde Närrin,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Der dem Verfemten schenkt den Blick voll Ruh und Spott,
Mit dem er niederwirft das Volk um sein Schafott,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Der in der Erde kennt die tiefverborgnen Schreine,
Darin der neidische Gott verbirgt die Edelsteine,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Du, dessen klarer Blick erkennt den finstern Schacht,
Drin die Metalle ruhn, gehüllt in Schlafes Nacht,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Du, dessen Hand verdeckt Abgrund und Schlucht und Wirren,
Nachtwandelnde beschützt, die über Dächer irren,
Satan, erbarm, dich mein in meiner tiefen Not!

Der heil aus der Gefahr den alten Säufer zieht,
Der unter Pferdeshuf taumelnd am Weg geriet,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Der uns zum Trost gelehrt, wenn Leiden uns bedrängen,
Mit des Salpeters Kraft den Schwefel zu vermengen,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Der, Helfershelfer uns, sein Mal gebrannt voll List
Auf jedes Reichen Stirn, der feil und grausam ist,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Der in des Mädchens Herz tief seine Saat gesenkt,
Dass es voll Lust an Blut und Grau'n und Fetzen denkt,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Der Ausgewiesnen Stab und des Erfinders Licht,
Erhenkter Trost und Schutz, Verbrechers Zuversicht,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Aller Verstossnen Freund und liebender Berater,
Die einst in finstrem Zorn aus Eden stiess der Vater,
Satan, erbarm dich mein in meiner tiefen Not!

Charles Baudelaire



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20.01.2013 um 18:23

Junges Blut

Tanz, mein Liebchen, so wild du
Tanzen kannst, tanzen kannst!
Hurtig tummle dich, wie kein
Satan tanzt, Satan tanzt!
Wirf dir übern Kopf die Schuh,
Wirf dein Röckchen auch dazu!
Schlenkre Fuß und
Waden ohne Ruh!

Bis es knackt, schwing exakt
Auch im tollsten Takt
Hurtig, wie vorher nie,
Deine weißen Knie!
Lustbeflügelt derweil
Zucht dein Hinterteil.
Frisch fang an, heißer dann,
Als dein erster Tanz begann!

Frank Wedekind



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Gedichte: Tragik

20.01.2013 um 18:24

Am Sonntag Invocavit
Die Geistliche Ritterschafft


1.
Der Satan hat versuchet dich:
O Jesu, er versucht auch mich
All' Augenblick und Stunden.
Ich werde sieghaft seyn in dir:
Ach hilf ihn überwinden mir,
Wie du ihn überwunden.
Häng meiner Seelen an die Seit
Des Geistes Schwerd, dz ihn bestreit.

2.
Wolt ja mein Glaub in Ungemach
Das Schwerd zuführen werden schwach,
Die Arme sinken lassen,
Wann meine Stärke nichts mehr gilt:
So sey, O Jesu, du mein Schild
So laß mich dich anfassen.
Der Satan bald in Onmacht fällt,
Wann sich dein' Allmacht vor mich stellt.

3.
Bald er versuchet mich in mir,
Daß ich verzweifflen soll an dir,
Du werdst mich nicht ernehren.
Ach dieser Glaub mich allzeit tröst:
Du, der du meine Seel erlöst,
Wirst auch dem Leib bescheren
Die Notturft hier auf deiner Erd,
Gleich wie ein Hirt versorgt die Heerd.

4.
In dem Verstand versucht er mich,
Will, daß ich soll versuchen dich,
Dich-suchend irre-dencken.
Er will – (hilf, daß ich ihm entrinn) –
Mich stellend auf die Tempelzinn'
In seine Hölle senken.
Mein Glaub sich halte an dein Wort,
So muß sich Satan packen fort.

5.
Ach er versucht mich durch die Welt,
Sucht mich durch Wollust, Ehr und Geld
In seinen Dienst zufangen.
Ganz eitel ist doch alles hier:
Zeig, Jesu, du den Himmel mir,
Den laß mich auch erlangen.
Was Satan zeigt, dz führt zur Höll:
In Gottes Reich sey meine Stell.

Sigmund von Birken



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Gedichte: Tragik

20.01.2013 um 18:28

Bestrafte Falschheit

Jetzt wollen wir mal singen
Das nagelneue Lied,
Von einem schmucken Junker, -
Ei, ei, vom schmucken Junker!
Der sich in Zwei verliebt.

Die Eine war die Freiheit,
Die Zweit' die Höferei;
Die Freiheit ließ er fahren, -
Ei, ei, die ließ er fahren!
Und schwur der Höferei.

Die Höferei frägt leise:
Warst du und bleibst mir treu?
»Der Schwarze soll mich holen, -
Ei, ei, der soll ihn holen!
Ich war und bleib' dir treu!«

Jetzt kriegt er Orden, Degen
Und glänzendes Gewand;
Es dauert kaum drei Tage, -
Ei, ei, kaum dreier Tage!
Da reicht sie ihm die Hand.

Doch an dem Hochzeitsfeste,
Just bei der Tafellust,
Da kam der schwarze Satan, -
Ei, ei, der schwarze Satan!
Und packt ihn bei der Brust.

»Den Eid hast du gebrochen,
Verlassen deine Braut!
Der Freiheit bist verlobet, -
Ei, ei, der bist verlobet!
Der Höferei getraut.«

So nahm er ihn beim Kragen
Und fuhr mit ihm hinaus;
Die Wittwe aber lachte, -
Ei, ei, die Wittwe lachte!
Die stummen Gäste aus.

Und ist mein Mann zur Höllen,
Hab' ich doch Gold und Pracht!
Und mehr als hundert Buhlen, -
Ei, ei, als hundert Buhlen!
Bei Tage und bei Nacht!

Adolf Glaßbrenner



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Gedichte: Tragik

20.01.2013 um 22:56
Der Programmkönig
frei nach J.W. v. Goethe

Wer tastet sich nachts die Finger klamm?
Es ist der Programmierer mit seinem Programm!
Er tastet und tastet, er tastet schnell,
im Osten wird schon der Himmel hell.
Sein Haar ist ergraut, seine Hände zittern,
vom unablässigen Kernspeicher füttern.

Da - aus dem Kernspeicher ertönt ein Geflüster:
"Wer popelt in meinem Basisregister?"
Nur ruhig, nur ruhig, ihr lieben Bits,
es ist doch nur ein kleiner Witz.
Mein Meister, mein Meister, sieh mal dort,
da schleicht sich ein Vorzeichen fort!
Bleib ruhig, bleib ruhig, mein liebes Kind,
ich hol es wieder - ganz bestimmt.
Mein Meister, mein Meister, hörst du das Grollen?
Die wilden Bits durch den Kernspeicher tollen.
Nur ruhig, nur ruhig, das haben wir gleich,
die sperren wir in den Pufferbereich.

Er tastet und tastet wie besessen,
Scheiße! - jetzt hat er zu SAVEn vergessen.
Der Programmierer schreit auf in höchster Qual,
da zuckt durch das Fenster ein Sonnenstrahl.
Der Bildschirm flimmert im Morgenrot,
das Programm ist gestorben, der Programmierer - tot.


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Gedichte: Tragik

21.01.2013 um 17:30

Eifersucht

Man kann sie nicht erklären.
Wenn´s geht, ihr keinen Raum gewähren,
denn sie verzehrt den sie befallen,
verursacht Leid bei Allen!

Eifersucht meist unbegründet,
sucht, ob sich wer mit ihr verbündet.
Der Mensch, bei dem sie angekommen,
hat das Gefühl, ihm werd genommen,
was ihm doch das Liebste ist.
Die Eifersucht ihn fast zerfrißt.

Er wird dann gänzlich ungerecht.
Dadurch geht´s auch den Seinen schlecht.
Anstatt zu seiner Not zu steh´n,
schämt er sich und läßt es geh´n.

Man setzt sich gegen ihn zur Wehr.
Schließlich versteht man ihn nicht mehr.
Gespräche wären angebracht,
sonst sagt der Friede: "Gute Nacht."

© Irmgard Adomeit,



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Gedichte: Tragik

21.01.2013 um 17:30

Eifersucht

Wie er sie selbst in seine Arme nahm
und keinen Grund zur Eifersucht nun hatte,
ihn nichts so sehr wie diese überkam:
das war die Sicherheit, er sei der Gatte.
Und weit und breit war keine andre Seele.
In solchem Zweifelsfalle fand er Rat:
und so ertappt' er sich auf frischer Tat
und packte sich bei seiner eignen Kehle.

Karl Kraus



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Gedichte: Tragik

21.01.2013 um 17:31

Die Eifersucht

Eifersucht, der Liebe Hölle!
Elend, elend, wer dich fühlt,
Wenn dein Dolch, getränkt mit Gifte
Ratlos in dem Busen wühlt;
Wenn der Seele Tiefen zittern,
Wie die Fluten in Gewittern;
Und kein Wort, kein Wort des Trostes
Deiner Marter Gluten kühlt;
Eifersucht, der Liebe Hölle!
Elend, elend, wer dich fühlt!

Eifersucht, der Liebe Himmel!
Selig, selig, wer dich fühlt!
Wenn ein Wort, ein Wort des Trostes
Deiner Marter Gluten kühlt;
Wenn der Reue Thräne fließet;
Wenn Versöhnung uns umschließet;
Und der Nektar ihres Kusses
Alle Spuren des Verdrusses
Aus der Seele Tiefen spült;
Eifersucht, der Liebe Himmel!
Selig, selig, wer dich fühlt!

Friedrich Wilhelm Gotter



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Gedichte: Tragik

21.01.2013 um 17:32

Des Knappen Eifersucht

Was spornest du den Rappen?
Wohin die blinde Flucht?
Es narrt dich tollen Knappen
Ein Traum der Eifersucht./

»Als Geier möcht ich steigen,
Mein Flug ging' hoch hinaus
Und sollte dann sich neigen
Zu meiner Gräfin Haus.

Ich schlüge mit dem Flügel
An ihre Kammertür,
Bis aufgesprengt der Riegel,
Und bleich sie träte für.

Bei ihrem stolzen Nacken
Wollt ich die Flechten fest
Mit starkem Schnabel packen:
Nun komm ins Geiernest!

Ich wollt aus scharfen Augen
Ihr spähen seelenwärts.
Fänd ich den Grund nicht taugen,
Zerhackt ich ihr das Herz.

Und aber aus den Lüften
Ich kreischend niederstieß'
Und wollte mich zerklüften
Am Wetterfahnenspieß.«

Bruno Wille



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Gedichte: Tragik

21.01.2013 um 17:32

Lord Murray

Ihr bunten Hochlands-Clane,
Was waret ihr so fern?
Sie hätten nicht erschlagen
Lord Murray, euren Herrn!

Er kam von Spiel und Tanze,
Ritt singend durch die Schlucht -
Sie haben ihn erschlagen
Aus Neid und Eifersucht.

Im Lenze, ach, im Lenze -
Sie spielten Federball,
Lord Murrays stieg am höchsten
Und überflog sie all.

Im Sommer, ach, im Sommer -
Aus zogen sie zum Strauß,
Da rief das Volk: »Lord Murray
Sieht wie ein König aus.«

Im Herbste, ach, im Herbste -
Zu Tanze ging es hin:
»Mit Murray will ich tanzen!«
Rief da die Königin.

Er kam von Spiel und Tanze,
Ritt singend durch die Schlucht -
Sie haben ihn erschlagen
Aus Neid und Eifersucht.

Ihr bunten Hochlands-Clane,
Was waret ihr so fern?
Sie hätten nicht erschlagen
Lord Murray, euren Herrn!

Theodor Fontane



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Gedichte: Tragik

21.01.2013 um 17:33

Rosen und Lilien

Was hat der Himmel da gemacht,
als er sich Lilien ausgedacht,
wo doch die stolze Rose schon
längst heimisch war auf Erden
- und dazu eine Konkurrenz -
das konnte heiter werden.

Doch weiß der Himmel was er tut,
die beiden, die verstehn sich gut,
die machen es nicht wie der Mensch,
der andern Schönheit neidet
und dann aus purer Eifersucht
ihn obendrein noch meidet.

Die Blumen zeigen ihre Pracht,
so wie es ihnen zugedacht
und fragen nicht "wieso, warum",
sie wollen Freude nur verbreiten,
und darin sind sie alle gleich,
sie müssen sich nicht streiten.

© Gisela Grob



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22.01.2013 um 21:06

Totentanz 1916

So sterben wir, so sterben wir,
Wir sterben alle Tage,
Weil es so gemütlich sich sterben läßt.
Morgens noch in Schlaf und Traum
Mittags schon dahin.
Abends schon zu unterst im Grabe drin.

Die Schlacht ist unser Freudenhaus.
Von Blut ist unsere Sonne.
Tod ist unser Zeichen und Losungswort.
Kind und Weib verlassen wir -
Was gehen sie uns an?
Wenn man sich auf uns nur
Verlassen kann.

So morden wir, so morden wir.
Wir morden alle Tage
Unsre Kameraden im Totentanz.
Bruder reck dich auf vor mir,
Bruder, deine Brust!
Bruder, der du fallen und sterben mußt.

Wir murren nicht, wir knurren nicht.
Wir schweigen alle Tage,
Bis sich vom Gelenke das Hüftbein dreht.
Hart ist unsere Lagerstatt
Trocken unser Brot.
Blutig und besudelt der liebe Gott.

Hugo Ball



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22.01.2013 um 21:07

XIV.

Und als ich den Weg in die Heimat fand,
Wie hab' ich sie wiedergefunden!
Mein herrliches, deutsches Vaterland,
Blutend aus tausend Wunden!

Das hat der grimme Schwede getan,
Gnade ihm Gott, dem frechen!
Mit Mut gezeichnet ist seine Bahn,
Wir aber wollen uns rächen!

Zerstampft die Saaten, verbrannt das Haus,
Und der gehörte mein Lieben,
Die hat er mit seinem Grimm und Graus
Mir in den Tod getrieben!

Nehmt meine Fiedel und gebt mir ein Schwert;
Ich bin zum Mann geworden,
Und wo mir ein Schwede entgegenfahrt,
Morden will ich ihn, morden!

Und fuhr ich aus als ein Vagant:
Als Landsknecht lass' ich mich werben;
Nun will ich für mein Vaterland
Kämpfen und bluten und sterben!

Hans Eschelbach



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22.01.2013 um 21:08

Die Schlacht bei Saarburg

Die Erde verschimmelt im Nebel.
Der Abend drückt wie Blei.
Rings reißt elektrisches Krachen
Und wimmernd bricht alles entzwei.

Wie schlechte Lumpen qualmen
Die Dörfer am Horizont.
Ich liege gottverlassen
In der knatternden Schützenfront.

Viel kupferne feindliche Vögelein
Surren um Herz und Hirn.
Ich stemme mich steil in das Graue
Und biete dem Morden die Stirn.

Alfred Lichtenstein



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22.01.2013 um 21:09

Kinderseelen weinen

Was ist aus dieser Welt geworden?
Ein Sündenpfuhl ein Lasterort,
mit Heucheleien, Drogen, Morden
und Liebe schillert nur als Wort.

Selbst Kinder werden hier geschlagen,
missbraucht und einfach umgebracht
und ihre kleinen Körper klagen:
Weshalb nur habt ihr das gemacht?

Der Täter kriegt so ein paar Jahre.
Vielleicht war’s ja ein kranker Mann?
Danach entführt er wieder „Ware“,
damit er sie missbrauchen kann.

So wird den Kleinsten das geschehen,
was ich dem größten Feind nicht will,
doch Keiner hat's gemerkt, gesehen,
denn Kinderseelen weinen.........

© Helga Kurowski



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22.01.2013 um 21:11

Morgen-Andacht

Der beglänzte Mond erbleichet
Von der nahen Sonne Pracht/
Aller Sternen Heer entweichet
Mit der hingelegten Nacht:
Auff mein Hertz/ und laß der Sünden
Finsterniß und Schlaff dahinden.

Den gewölbten Himmels-Bogen/
Den Saffirnen Wunder-Bau/
Hielt die dunckle Nacht umzogen/
Die geraume Sternen-Au
Hegte zu des Höchsten Ruhme
Manche Licht- und Feuer-Blume.

Ihre Zier muß nun erblassen/
Ihr entlehnter Glantz stirbt hin;
So muß auch der Mensch verlassen
Ehre/ Wollust und Gewinn:
Mühe dich das Licht zu finden/
Das zu keiner Zeit kan schwinden.

Muß die Welt die Sternen missen/
Und ohn alle Lichter stehn/
Eh sie kan die Sonne grüssen/
Also pflegt es uns zu gehn/
Daß wir durch des Todes Schatten
Erst zur Ewigkeit gerathen.

Folgt der schnöden Eitelkeiten
Wandelbarer Mond der Nacht/
Weist sich doch zur andern Seiten
Des verjüngten Tages Pracht;
Ach/ daß diese Morgen-Röthe
Deiner Sünden-Nacht ertödte!

Schau das Gold der Sonne gläntzen
Und am Himmel steigen auff/
Da es in gewissen Gräntzen
Muß vollführen seinen Lauff;
Laß die Menge solcher Wunder
Seyn der todten Andacht Zunder.

Sieh/ die Perlen-Thränen thauen/
Zu erquicken Laub und Graß/
Wo du deiner Wangen Auen
Machst in wahrer Busse naß/
Wird sich Gottes Gnad eräugen/
Himmel-Schlüssel bey dir zeugen.

Dencke/ wie ohn alles Weinen/
Ohne Nacht und Tunckelheit/
Wird die Lebens Sonne scheinen
In der frohen Ewigkeit/
Da du mit verklärtem Hertzen
Gleichen wirst den Himmels-Kertzen.

Auff! und schwinge dich bey Zeiten
Gleich den Vogeln Himmel an/
Eine Stelle zu bereiten/
Die dich ewig bergen kan:
Da du kanst in Ruhe stehen/
Wenn die Welt muß untergehen.

Ubersteig die Sternen-Bühne/
Suche dir ein heller Licht/
Wünsch/ ach/ daß der Tag erschiene/
Der die Welt in Stücke bricht/
Daß mein Licht/ mein Jesus käme/
Und mich ewig zu sich nehme!

Der erblaßte Monden ziehet
Sein geschwächtes Silber ein/
Und der Sternen Heer entfliehet
Vor der Sonne nahem Schein/
Auff/ mein Hertz/ und laß der Sünden
Trübe Nacht bey dir verschwinden.

Schau wie Lerch und Nachtigallen/
Die man früher hört als sieht/
Gott zu Ehren lassen schallen
Ein erfreutes Morgen-Lied/
Folge nach/ mein Hertz / und singe
Gott dem Schöpffer aller Dinge.

Herrscher über Tod und Leben/
Meister über Nacht und Tag/
Dir muß billich Ehre geben
Was nur Athem ziehen mag/
Und dich/ seine Pflicht zu weisen/
Mit den Morgen-Sternen preisen.

Himmels-Fürst und Erden-König/
Grosser Herr der Herrligkeit/
Meine Zung' ist viel zu wenig/
Daß sie deinen Ruhm ausbreit/
Aber laß dir doch das Lallen
Deines Kindes wohl gefallen.

Daß ich deiner Sonne Blincken
Und des hellen Tages Zier/
Daß ich deiner Sternen Wincken
Und diß gantze Welt-Refier
Deiner Wercke voll gesehen/
Ist durch deine Macht geschehen.

Daß ich mit gesundem Leibe
Frölich Athem schöpffen kan/
Und in meinem Stande treibe
Was mir ist befohlen an/
Daß ich Kleid und Nahrung habe/
Nenn ich billich deine Gabe.

Daß ich freudig im Gewissen/
Frey von Sünd/ und Höllen Noth/
Auff dein theures Blutvergiessen/
Geh durch Sorge/ Schmertz und Tod.
Daß ich ewig dich soll sehen/
Ist/ und wird/ durch dich geschehen.

Fahre fort mich so zu pflegen/
Halt mich unter deiner Hutt/
Kröne mich mit deinem Segen/
Gieb was hier und ewig gutt/
So soll dir mit Engel-Zungen
Werden Lob und Danck gesungen.

Hans Aßmann Freiherr von Abschatz



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Gedichte: Tragik

22.01.2013 um 21:12

Auf sein allerheiligstes Blutvergiessen

O Guldne Blutes-Münz / ach du allgeltends Geld /
das mein' und aller Welt ihr Sünden-Last aufwäget!
auf jedem Tröflein / ist mein Seeligkeit gepräget /
und das Haupt-gütig Bild / der höchste Sieges-Held.
Die schaue-Pfenning wirfft man aus in alle Welt /
aus seiner Wunden Thron / der Gold und Silber heget /
dem Blut- und Wasser-Strom. Die Jahrzahl man drauf schläget /
die Ewig' Ewigkeit / der Nach-Welt stäts vermelt.
Ach weg mit Geld / und Welt! nur dieses sey mein Schatz /
mein Theil / mein Erb' und Zier / mein Trost / mein Ruhm und Leben.
Nur diß nimm' ich mit mir / wann ich sonst alls aufgeben
und sterbend lassen muß: dis hat im Schifflein Platz /
ja / dieses sey das Meer / auf dem die Seele fähret
in sichern Himmels-Port / in Nectar dann verkehret.

Catharina Regina von Greiffenberg



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