Literatur
Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturAstronomieHelpdeskGruppenGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryEnglish
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Welches Buch lest ihr gerade?

7.179 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Bücher, Lesen, Literatur ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Welches Buch lest ihr gerade?

17.05.2023 um 22:16
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Urteile selbst anhand der wörtlichen Zitate.
Du beliebst zu scherzen?
Ich glaube Finkielstein ist hier nicht philosophisch, sondern nur hysterisch

Zu dem Philip Roth Zitat:

Auch wenn ich das Werk von Philip Roth sehr schätze, hier irrt er.
Sagtest du nicht letztens irgendwo, dass du Literaturwissenschaft studiert hast?
Dann müsstest du das doch wissen.
Falls du es vergessen hast: Wikipedia: Typus (Literatur)


2x zitiertmelden

Welches Buch lest ihr gerade?

17.05.2023 um 22:26
@Groucho

Ich habe ein Buch von Finkielkraut referiert und kein Statement gemacht. Das sind Finkielkrauts Ansichten durch meine Brille und in den Zitaten sein Original.
Zitat von GrouchoGroucho schrieb:Ich glaube Finkielstein ist hier nicht philosophisch, sondern nur hysterisch
Dann lies mal die Passagen, von denen ich geschrieben habe, dass sie wegen ihres Sarkasmus zäh sind. Klar, Finkielkraut ist streitbar und in Frankreich bekannt wie ein bunter Hund. Aber hinter seiner Polterei, die ich hier nicht zitiert habe, versteckt sich ein aus seiner Perspektive ziemlich pessimistisches Gegenwartsbild.
Zitat von GrouchoGroucho schrieb:Zu dem Philip Roth Zitat
Das war schon ein Zitat von Finkielkraut. Ich habe nur das Kapitel als Zitat-Hook genannt, da das Ebook keine Referenz zu den Druckseitenzahlen anbietet. Das macht Suhrkamp zum Teil.


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

17.05.2023 um 23:45
Ende einer Nacht - Die letzten Stunden von Romy Schneider

Olaf Kraemer
In 'Ende einer Nacht' spürt Olaf Kraemer den ungeklärten letzten Stunden Romy Schneiders im nächtlichen Paris nach. Sie ist zum Zeitpunkt ihres Todes hoch verschuldet. Tablettensüchtig. Alkoholabhängig. Ihr geliebter Sohn ist bei einem Unfall ums Leben gekommen, sein Vater hatte zuvor Selbstmord begangen. Für einen deutschen Verlag soll sie ihre Biographie schreiben. In ihrem Tagebuch notiert sie: "Der Mann, den ich liebte, sagte immer: Lass dich doch mal gehen, gib dich ganz, spring ins Wasser..." Die letzten Stunden von Romy Schneider - Ein psychologisch dichtes literarisches Porträt von Deutschlands bekanntester Schauspielerin, die sich in den Stunden vor ihrem Tod im Mai 1982 mit entscheidenden Momenten und Situationen ihres Lebens auseinandersetzen muss - weil sie ihre Memoiren schreiben soll.



melden

Welches Buch lest ihr gerade?

19.05.2023 um 01:33
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Alain Finkielkraut - Vom Ende der Literatur
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Der Einzelmensch werde als Typus gesehen, nicht als Individuum. Er kann seinem Typus nicht entfliehen. Nicht seinem Mann-Sein, nicht seiner Hautfarbe. Er werde auf Basis biologischen Seins beurteilt und verurteilt.

Literatur auf dieser Basis sei wegen ihrer Typisierung, wegen ihrer engmaschigen Vorgaben, welcher Typus als böse und welcher als gut dargestellt werden müsse, in der Tradition des sozialistischen Realismus (Typus Proletariat vs. Nicht-Proletariat) und daher nicht in der Tradition der Literatur über das Individuum, welches der Kern literarischen Schaffens sei. Literatur sei damit am Ende.
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Wer ein Theaterstück oder einen Roman schreibt, schreibt nicht für die Sache der Minderheiten, nicht für die der Frauen, der Juden, der Arbeiter oder der Farbigen. Alles sehr ehrenwert, aber solche Dinge sind ihrem Wesen nach verallgemeinernd. Die Literatur befasst sich nur mit dem individuellen Fall.
Das Problem ist, es wird erwartet, dass man nur in einer bestimmten Weise über Minderheiten schreibt. In der Hinsicht gibts Ähnlichkeiten zum sozialistischen Realismus, der nicht einfach nur ein Kunststil war, sondern vom Staat vorgegeben wurde ..

---------------------------------------------------------------------------------

The Last Tree on Easter Island: Jared Diamond

1578857-264x264-800x800
Das Buch gibts wahrscheinlich nur auf Englisch, es ist aber in einem einfachen Englisch geschrieben


Der Text befasst sich mit den Statuen auf der Osterinsel und mit dem Untergang der Zivilisation, welche die Statuen fabriziert hat. Der Text ist wissenschaftlich, zugleich literarisch qualitätsvoll.


1x zitiertmelden

Welches Buch lest ihr gerade?

19.05.2023 um 07:01
Trügerisch

Megan Miranda


Seit einem Monat ist Caleb tot. Alle geben Jessa die Schuld an dem Unfall. Und Calebs Mutter verlangt, dass sie seine Sachen wegpackt. Jessa hofft einfach, dass sie so endlich abschließen kann. Doch als sie Calebs Zimmer ausräumt, fallen ihr Dinge in die Hände, die sie ins Grübeln bringen. Die alles infrage stellen, was sie von ihrem Exfreund zu wissen glaubte. Caleb hatte Geheimnisse. Ihre gemeinsame Zeit – und sein Tod – rücken plötzlich in ein neues Licht. Jessa will die Wahrheit wissen. Unbedingt. Und auf eigene Gefahr ..

https://books.google.de/books/about/Tr%C3%BCgerisch.html?id=Ga-2DwAAQBAJ&source=kp_book_description&redir_esc=y

meghan


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

19.05.2023 um 11:06
Zitat von parabolparabol schrieb:Das Problem ist, es wird erwartet, dass man nur in einer bestimmten Weise über Minderheiten schreibt. In der Hinsicht gibts Ähnlichkeiten zum sozialistischen Realismus, der nicht einfach nur ein Kunststil war, sondern vom Staat vorgegeben wurde ..
Was selbstverständlich nicht bedeuten soll, dass man Minderheiten (in Literatur oder sonst wo) runtermachen oder diffamieren darf.


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

20.05.2023 um 15:43
Serhii Plokhy - Der Angriff

Angriff

Der in Russland geborene und nun in Harvard lehrende ukrainische Historiker Serhii Plokhy hat mit Stand Dezember 2022 einen detaillierten, mit unzähligen Quellen belegten Ablauf des russischen Überfalls auf die Ukraine vorgelegt, der des Weiteren auch auf die ideologischen Grundlagen Putins sowie die Einbettung in einen historischen wie weltpolitischen Zusammenhang eingeht, wobei der 65-Jährige auf seine lebenslange Expertise als Historiker zurückgreifen kann.

Kernfrage für Plokhy ist, welche Ideologie hinter Putins Überfall steht, dass er Gebiete in der Ukraine als russisch deklariert. Dabei geht er mit Iwan III. (den "Großen") und Iwan den IV. (den "Schrecklichen") ins 15. und 16. Jahrhundert zurück. Iwan III. sah sich als biologischer Nachfahre der Herrscherfamilie des Kyjiver Rus und gründete damit die Tradition, die Ukraine gehöre zum Moskowiter Herrschaftsbereich. Sein Enkel Iwan IV. übernahm diese Abstammungserzählung und verlängerte seine Herkunft bis Augustus (ob jetzt Italien auch aufpassen muss?). Ab dem 19. Jahrhundert wurde auch die nationale und ethnische Frage gestellt, wer Russen sind. Die erste Antwort war, dass Russen, Ukrainer und Weißrussen ein Volk sind. Die Sprache der Letzteren sei durch Fremdherrschaften verunreinigt worden. In den 1860er Jahren ließ sich dieser Standpunkt nicht mehr durchsetzen und offizielle Diktion des Zarenreichs wurde, dass das russische Volk aus drei Nationalitäten bestehe: Russen, Weißrussen und Ukrainer. Und genau dies ist auch der ideologische, nationalistisch-imperialistische Standpunkt Putins, den er mehrfach in den letzten Jahren auch öffentlich bekundet hat und worauf seine kriegerische Kolonialpolitik aufbaut.

Auch der Nationswerdungsprozess der Ukraine war schwierig. Im 19. Jahrhundert war das Land fremdbeherrscht von Russland, Polen und Österreich-Ungarn, außerdem ein Vielvölkergebiet (Ukrainer, Russen, Juden und weitere). Ein Teil der nataionalistischen Intellektuellen war prorussisch, ein anderer antirussisch. Ein ukrainisches Nationalbewusstsein begann im österreichisch-ungarischen Teil, als ruthenische Intellektuelle sich von Wien im Stich gelassen fühlten. Sie knüpften überstaatliche Verbindungen. Der erste Versuch einer Eigentstaatlichkeit wurde von Lenins Roter Armee zerschossen, eine Integration und gewisse Rechte erhielt die Ukraine erst mit Chrustschow und Breschnew. Der zweite Staatswerdungsprozess 1991 gelang, die Grenzen der Sowjetrepublik konnten gehalten werden (Plokhy geht sehr ausführlich auf die Zeit von 1917 bis zu Breschnew ein), der Preis war aber die nukleare Entwaffnung sowie die fast gänzliche Übergabe der sowjetischen Schwarzmeerflotte an Russland inklusive Nutzungsrecht des Hafens von Sewastopol. Dass die Ukraine zerrissen ist, zeigen die Ereignisse der Orangen Revolution sowie des Euromaidan. Dennoch habe sich mit der Besetzung der Krim durch Russland aber auch durch eine neue Generation eine Änderung des Nationalgefühls eingestellt. Russland ging bei den Wahlen 2019 noch davon aus, dass Poroschenko den nationalistischen Westen der Ukraine repräsentiere, der aus einer jüdischen Familie stammende und russischsprachige Selenskyj den russlandfreundlichen Osten. Damit habe sich Russland wie auch Putin verschätzt: Selenskyj wird zum Symbol einer überethnischen ukrainischen Identität. Plokhy unterlegt diesen Teil des Buchs akribisch mit unzähligen Quellen.

Dass Putin seine Ideologie 2014 begann, auch militärisch Wirklichkeit zu werden, sei ein Zusammenspiel vieler und auch äußerer Faktoren. Der Westen war in den Nuller- und Zehnerjahren zersplittert, von unterschiedlichen Interressen getrieben. 2008 haben Frankreich und Deutschland verhindert, dass die Ukraine einen Aktionsplan für die Mitgliedschaft (Membership Action Plan) der NATO vorgelegt bekommt. 2014 hätten die USA mit Obama das Interesse an Europa mehr oder weniger verloren und sich auf Ost- und Südostasien konzentriert, die Ukraine hatte eine Interimsregierung der Euromaidan-Organisatoren, was der ideale Zeitpunkt gewesen wäre, die Krim zu annektieren und zwei Gebiete in der Ostukraine zu separieren. Die Reaktion: Zahnlose Sanktionen, keine weiteren Unterstützungen für die Ukraine, schon gar nicht militärisch. Die beiden Minsker Abkommen zementierten die Erweiterung der russischen Einflusssphäre in der Ukraine und schwächten den ukrainischen Staat. Putins Vorstellung war die Föderalisierung der Ukraine mit weitgehenden, auch außenpolitischen Rechten der Regionen, was eine zentralstaatliche Annäherung an die NATO und die EU grundsätzlich mehr oder weniger verunmöglicht hätte. Mit Selenskyj waren die ideologischen Traumbilder Putins zerplatzt, er sah sich mit einer völlig neuartigen ukrainischen Identität konfrontiert.

Bleibt der Blick in den Westen. Auch 2021/22 sah Putin einen zersplitterten Westen. Das Vereinigte Königreich ist nicht mehr EU-Mitglied, Deutschlands Wirtschaft ist abhängig von russischem Gas, in manchen Staaten sind eher moskaufreundliche Rechtspopulisten einflussreich oder gar in der Regierung. Dass die USA unter Biden die Allianz zusammenschweißen könnte, damit war nicht zu rechnen. Und zu Beginn des Überfalls sah es auch danach aus, dass Europa dem Vierpunkteplan US-Generasl Milley bezüglich des Überfalls auf Russland mit Hauptziel einer Verhinderung eines Atomkriegs nicht übernehmen werde. Dieser sah vor:


  1. Kein kinetischer Konflikt mit Russland (= Kampfhandlungen der USA/NATO)
  2. Den Krieg innerhalb der Grenzen der Ukraine halten
  3. Bewahrung und Stärkung der Einheit der NATO
  4. Stärkung der Ukraine mit Kampfmitteln

Nachzulesen in derWashington Post vom 16. August 2022 (Archiv-Version vom 17.05.2023)

Es war nun klar: Die USA reagieren auf einem anderen Niveau als 2014 nach der Annexion der Krim und beim hybriden Krieg Russlands in der Ostukraine. Die Frage war, ob die europäischen NATO-Partner mitziehen. In den ersten Monaten des Überfalls sah es nicht danach aus.

Anders als die zögerlichen Staaten Frankreich und Deutschland stand Großbritannien unter Boris Johnson hinter der Strategie der USA. Mehr noch, er wollte Großbritannien am europäischen Kontinent wieder als Großmacht platzieren. Anfang Februar 2022 unterzeichneten Großbritannien, Polen und die Ukraine eine gemeinsame Militärinitiative. Italienische Medien berichteten vor Johnsons Kyjiv-Besuch im April 2022, dass er einen Europäischen Commonwealth mit Großbritannien, Polen, den drei baltischen Staaten und der Ukraine anstrebe. Sprich: die EU soll zerrissen werden.

Die Kernstaaten der EU (Frankreich, Deutschland, Italien) versuchten eine Friedensintiative, um Russland und die Ukraine an den Verhandlungstisch zu bringen, doch weder Russland noch die Ukraine konnten mit den Kompromissvorschlägen der drei Staaten irgendwas anfangen, Russland machte sie lächerlich. Hinzu kam noch die Satellitenaufklärung über mutmaßliche Massaker russischer Truppen an der ukrainischen Zivilbevölkerung. Macron, Scholz und Draghi machten eine Kehrtwende: Sie versprachen der Ukraine auch Waffenunterstützung. Und die EU (Parlament, Kommission und Rat) erklärten im Juni 2022 für die Ukraine und Moldau den Kandidatenstatus. Das transatlantische Bündnis war nun geeint.

Die Gegenoffensive der Ukraine für den Herbst 2022 wurde nun gemeinsam von Militärsstrategen der Ukraine, der USA und Großbritanniens ausgearbeitet und war ein militärisches Meisterstück: Die russische Armee wurde getäuscht, dass ein Angriff im Süden erfolge, sie zog Truppen aus dem Raum Charkiw ab und übersah den Aufmarsch der ukrainischen Armee. Charkiw wurde eingenommen. In dieses Chaos hinein wurde der Angriff Richtung Cherson durchgeführt, wie in Charkiw flohen die russischen Einheiten. Russlands Militärführung wurde zweimal hinters Licht geführt.

Plokhy stellt diesen Krieg in einen historischen Kontext. Für die Ukraine sei dies ein Nationswerdungskrieg, wie es sie leider viele in der Geschichte gegeben habe, und für Russland sei dies ein Aufbäumen einer imperialistischen Kolonialmacht gegen ihren Zerfall (leider auch viel zu oft in der Geschichte beobachtbar).

Geopolitisch habe dieser Krieg auch Auswirkungen. Eine Einigung und Stärkung der transatlantischen Bündnisse habe stattgefunden, die NATO sei mit Finnland noch näher an die russischen Grenzen gestoßen. China profitiere von diesem Konflikt, es könne nun Russland als billige Rohstoffquelle nutzen und am Gängelband führen. Plokhy schätzt, dass die Nachkriegswelt wieder eine bipolare sein wird wie zu Zeiten des Kalten Kriegs, nur diesmal mit den USA und China als die mächtigen Gegenpole. Putins Traum einer multipolaren Welt werde nicht Realität werden, Russland scheint sowohl militärisch wie auch wirtschaftlich zu schwach zu sein, um noch ein mächtiger globaler Player zu sein. Symbol dafür sei auch gewesen, dass Putin bei einem Treffen mit Xi in Samarkand (einem "Hinterhof" Russlands) diesen in seinem Hotel hat besuchen müssen. Xi war also der Gastgeber.

Regional könnte die Türkei gestärkt im Nahen Osten hervortreten. Obowhl sie den Krimtataren bedingungslose Unterstützung gegen Russland zugesagt hat und Russland jegliche Waffenlieferung sowie auf Basis eines Vertrags aus 1936 russischen Kriegsschiffen die Durchfahrt durch den Bosporus verweigert, während die Ukraine mit Drohnen ausgestattet werden, bleibt die Türkei ein Vermittler, da die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Russland und der Türkei eng und für beide Seiten von Bedeutung sind. Die Türkei hat sich den Sanktionen nicht angeschlossen und fungiert als Verhandlungsort für den Getreideexport aus der Ukraine wie aus Russland. Das neue Selbstbewusstsein der Türkei drückte sich aus, als bei einem Treffen zwischen Putin und Erdogan in Teheran dieser seinen russischen Amtskollegen fast eine Minute lang vor versammelter Presse hat warten lassen (das Video auf YouTube im Kanal des englischen Telegraph).


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

21.05.2023 um 09:29
Das Böse in deinen Augen:

Jenny Blackhurst

Niemand hat Angst vor einem kleinen Mädchen, oder doch?

Als die Kinderpsychologin Imogen Reid den Fall der elfjährigen Ellie Atkinson übernimmt, weigert sie sich, den seltsamen Gerüchten um das Mädchen zu glauben. Ellie sei gefährlich, so heißt es. Wenn sie wütend wird, passieren schreckliche Dinge. Imogen hingegen sieht nur ein zutiefst verstörtes Kind, das seine Familie bei einem Brand verloren hat und ihre Hilfe benötigt. Doch je näher sie Ellie kommt, desto merkwürdiger erscheint ihr das Mädchen. Dann erleidet auch Imogen einen schrecklichen Verlust - und sie fürchtet, dass es ein Fehler war, Ellie zu vertrauen ...

auge

https://books.google.de/books/about/Das_B%C3%B6se_in_deinen_Augen.html?id=Qrk8DwAAQBAJ&source=kp_book_description&redir_esc=y


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

21.05.2023 um 18:39
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb am 15.05.2023:Franz Kafka - Brief an den Vater
Mich hat das damals, 1995, als ich das zum ersten Mal las, sehr angefasst.


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

24.05.2023 um 06:34
Mein Herz so schwarz:

von Jenny Blackhurst


Ein lauer Sommertag in Cornwall. Am Abend ihrer Hochzeit stürzt sich Evie White von einer Klippe in den Tod. Ihr Bräutigam ist fassungslos: Was hat Evie dazu gebracht, ihr Leben ausgerechnet an diesem Tag so plötzlich zu beenden? Nur ihre beste Freundin Rebecca weiß um die dunklen Geheimnisse in Evies Leben. Doch erst als Rebecca Botschaften erhält, die sie immer mehr in Bedrängnis bringen, ahnt sie, dass sie die Abgründe im Leben ihrer Freundin gefährlich unterschätzt hat ...

https://books.google.de/books/about/Mein_Herz_so_schwarz.html?id=-fR1DwAAQBAJ&source=kp_book_description&redir_esc=y


herz1


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

24.05.2023 um 09:58
Darth Putin KGB - How to Tankie

Tankie

Darth Putin schreibt mit diesem Pseudonym auf Twitter und hat ein kleines Büchlein mit etwas über 50 Seiten veröffentlicht, in dem er sich mit Kreml-Apologet:innen auseinandersetzt (er nennt sie "Tankie", weil sie die Panzerpolitik der Sowjetunion bzw. Russlands verteidigen), indem er ihre Standpunkte übernimmt und eine Art satirisches Lehrbuch mit Prüfungsfragen bietet. Es ist nicht nur amüsant zu lesen, sondern gleichzeitig ein beklemmender Augenöffner. Die satirisch überhöhten und oft widersprüchlichen Argumentationslinien sind nicht sehr weit von der Realität entfernt. Hier einige Beispiele:

  • Jede Kreml-Opposition ist von der CIA inszeniert und gesteuert.
  • Alle Proteste östlich von Polen und südlich von Italien sind von der CIA inszeniert und gesteuert.
  • Antirussische Proteste in ehemaligen Sowjetrepubliken sind alle von Soros bezahlt und daher nicht legitim.
  • Westliche Regierungen sind von Soros bezahlt, Proteste gegen sie sind daher legitim.
  • Russland soll sich nicht auf Russland beschränken lassen.
  • Die Forderung, dass Russland in seinen Grenzen bleiben soll, ist imperialistisch.
  • Die Sowjetunion und Russland sind nie militärisch in ein anderes Land einmarschiert, sie sind immer eingeladen worden.
  • In ein anderes Land einzumarschieren, um die Sicherheitsinteressen Russlands zu verteidigen, ist legitim.
  • Russland ist ein friedliches Land.
  • Wenn Russland ein anderes Land bombardiert, ist dies eine anti-imperialistische Aktion zur Freude der Bombardierten.
  • Wenn Russland eine identische Untat wie die USA begeht, ist dies keine Untat.
  • Staaten an Russlands Grenze haben eine Pflicht, Pufferstaaten zu sein.
  • Neutralität eines angrenzenden Staates heißt russlandfreundlich zu sein.
  • Entscheidungen eines neutralen Nachbarstaates müssen von Russland akzeptiert sein.
  • Nachbarstaaten haben nicht die gleichen Rechte wie Nicht-Nachbarstaaten.
  • Durch Anerkennung ehemaliger Sowjetrepubliken als selbständige Staaten zeigten die USA Russland keinen Respekt.
  • Russland und den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken kann nicht gleicher Respekt erwiesen werden.
  • Nachbarstaaten, die sich militärisch gegen Russland schützen wollen, sind Aggressoren.
  • Eine sichere internationale Grenze ist eine mit russischen Soldaten auf beiden Seiten.
  • Wenn Russland seine Armee in Aufmarschformation an der Grenze massiert, ist das keine Angriffsdrohung.
  • Russlands Nachbarstaaten greifen Russland immer dann an, wenn Russland seine Armee in Aufmarschformation an der Grenze massiert.
  • Das Angebot der Sowjetunion an Frankreich und Großbritannien im August 1939, in Polen einzumarschieren, war nicht imperialistisch.1
  • Die westlichen Alliierten haben die Sowjetunion zu einem Vertrag mit Hitlerdeutschland getrieben.
  • Die Teilung Polens, der Angriff auf Finnland, die Annexion baltischer Staaten von 1939 bis 1941 waren anti-imperialistische Aktionen.
  • Die Vergangenheit ändert sich so schnell, sodass heute nicht gewusst werden kann, was gestern war.
  • Appeasement gegen Hitlerdeutschland war imperialistisch, Appeasement gegen die Sowjetunion und Russland ist anti-imperialistisch.
  • Die USA sind grundsätzlich imperialistisch, Russland ist grundsätzlich anti-imperialistisch.
  • Die Definition von imperialistisch ist unabhängig von Handlungen.
  • Das Verhalten der USA gegenüber Kuba ist verachtenswert, das Verhalten Russlands gegenüber der Ukraine ist in Ordnung.
  • Der Kreml verurteilt Rechtsextremismus.
  • Es ist in Ordnung, dass rechtsextremistische Politiker:innen aus dem Westen vom Kreml hofiert werden.
  • Russland ist die Sowjetunion in Bezug auf gute Dinge.
  • Russland ist nicht die Sowjetunion in Bezug auf schlechte Dinge.
  • Russland hat alleine des Zweiten Weltkrieg gewonnen.


Falls dies alles einem/einer Tankie zu kompliziert ist, bleibt immer noch die Frage: "Und was ist mit dem Irak?"

--
1 Siehe Nick Holdworth im britischen Telegraph


1x zitiertmelden

Welches Buch lest ihr gerade?

25.05.2023 um 20:15
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Darth Putin schreibt mit diesem Pseudonym auf Twitter und hat ein kleines Büchlein mit etwas über 50 Seiten veröffentlicht, in dem er sich mit Kreml-Apologet:innen auseinandersetzt
Die russische Propaganda ist so aufwendig und durchdacht wie ein philosophisches Weltbild, gleichzeitig liefert sie die Handlungsanweisungen für jede Situation, die immer befolgt werden müssen.


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

28.05.2023 um 19:09
Schneeflockengrab: Thriller

Heidi Amsinck


Ein Wintermorgen in Kopenhagen. Eine Leiche mit einem Schild: »Schuldig«. Und eine Journalistin auf der Suche nach Antworten

https://books.google.de/books/about/Schneeflockengrab.html?id=s91qEAAAQBAJ&source=kp_book_description&redir_esc=y

schnee11


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

31.05.2023 um 21:03
Schneeflockengrab-- Soo langweilig. Nach 100 Seiten hab ich es aufgegeben

----------------------------------


Schwarzes Wasser: Psychothriller

S. K. Tremayne


Ein morbides Hotel, eine traumatisierte Heldin, Wintereinbruch auf einer einsamen Insel

Eine einzige Nacht verwandelt den Traum der jungen Hotelmanagerin Hannah in einen Alptraum: Die Mittsommerparty sollte der Höhepunkt der Saison für ihr Luxushotel auf einer einsamen kleinen Insel mitten im wildromantischen Fluss Blackwater werden. Doch das rauschende Fest endet in einer Katastrophe, als mehrere Gäste im mondbeschienenen Fluss ertrinken.

Hannah entwickelt daraufhin panische Furcht vor Wasser, die sie buchstäblich auf der Insel gefangen hält. Selbst als sich das Hotel mit dem Wintereinbruch endgültig leert, kann sie nicht fort. Mittlerweile ist sie überzeugt, dass die schreckliche Nacht kein Unfall war. Warum weigert sich ihre Schwester, die auch im Wasser war, darüber zu sprechen?

Hannah ist allerdings nicht so einsam auf der Insel, wie sie glaubt: Nicht nur die Geister der Toten sind bei ihr geblieben, sondern auch jemand, der um jeden Preis verhindern will, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

https://books.google.de/books/about/Schwarzes_Wasser.html?id=4zlrEAAAQBAJ&source=kp_book_description&redir_esc=y

wasser


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

01.06.2023 um 17:28
Albert Camus - Der erste Mensch

Camus-Mensch

Das Manuskript dieses nicht vollendeten Werks hatte Camus während seines tödlichen Autounfalls bei sich und wurde erst nach längerer Zeit von seiner Schwester freigegeben. Diese Ausgabe von Rowohlt umfasst auch die gefundenen Notizen und ist kommentiert.

Die Hauptfigur Jacques Cormery und dessen Familie ist stark autobiographisch geprägt. Dennoch schreibt Camus nicht in einem Nabelschau-Ich, sondern lässt die Figuren von einem Erzähler von außen betrachten. Der Roman ist nicht in Ich-Form geschrieben.

Geboren ist Jacques wie Camus im Jahr 1913 in einem kleinen ostalgerischen Ort namens Mondovi, heute Dréan, als seine Familie dort ankommt, da der Vater eine Gutsverwaltung übernehmen soll. Ein Jahr später wird der Vater, der Frankreich nie gesehen hat, in die Armee eingezogen und fällt in der Bretagne. Die Armen aus Algerien (Europäer, Araber, Berber) waren von der französischen Armee so schlecht ausgerüstet,
sodass Wellen von grell und fesch gekleideten arabischen und französischen Algeriern mit Strohhüten auf dem Kopf als rot-blaue Zielscheiben, die man Hunderte Meter weiter sehen konnte, zuhauf ins Feuer vorrückten, zuhauf vernichtet wurden und ein begrenztes Gelände zu düngen begannen
Mit seiner schwerhörigen, schweigsamen und analphabetischen Mutter (mit einem Wortschatz von 400 Wörtern, wie geschrieben ist) zieht er zurück zur herrischen Großmutter nach Algier, ins Arbeiter- und Armenviertel Belcour, einem der Brennpunkte der Aufstände in den 1950er Jahren.

Jacques ist ein quirliger Charakter, begeistert sich für Sport und Literatur, wird von seinem Grundschullehrer gefördert (Camus hielt zu seinem eigenen Grundschullehrer bis zu seinem Tod engen Kontakt) und erhält im Gymnsium einen Stipendienplatz. Das Gymnasium selbst spiegelt die Dreigliederung der algerischen Kolonialgesellschaft und ihre sehr begrenzte soziale Durchlässigkeit: Die meisten Schüler (Schulen sind nach Geschlecht getrennt) stammen aus der europäischstämmigen Ober- und Mittelschicht, einige aus armen europäischstämmigen Familien wie Jacques und ganz wenige algerischen (Araber, Berber).

Der Roman bricht mit dem Ende des Gymnasiums ab, nach den gefundenen Skizzen dürfte ein groß angelegter Roman geplant gewesen sein, der die politischen wie kolonialistischen Verwerfungen der Resistance gegen den Nationalsozialismus wie des für Camus 1959/60 immer noch aktuellen Algerienkriegs thematisiert. In einer zweiten Ebene scheint Jacques' zum Teil sehr frauenfeindlicher Charakter als Thema geplant gewesen sein.

Kern ist die Identitäfindung eines Kindes aus einer armen europäischen Familie in kolonialem Umfeld. Es gibt keine Anknüfpungspunkte für eine Identität: Frankreich ist für die Armen unbekanntes Land, sie waren nie dort, sie kennen es nicht. Dennoch sind sie Nachfahren von Einwanderern. Dies gilt auch für Jacques. Väterlicherseits stammt die Familie aus dem Elsass. Nach dem Einmarsch der Deutschen 1871 sind sie nach Algerien geflohen. Die Mutter stammt aus einer Familie aus Menorca, die von dort nach Algerien geflohen ist, um nicht an Hunger zu sterben. Eine Verbindung zu den europäischen Wurzeln gibt es nicht, einen Anknüpfungspunkt an eine algerische Geschichte ebensowenig. Jacques ist ein Kind ohne Identität, erst durch Bildung (Gymnasialabschluss) eröffnet sich für Jacques der Weg nach Europa, das aber für ihn ebensowenig identitätsstiftend ist wie sein Vater, dessen Grab er in Saint-Brieuc aufsucht. Er ist "ohne Vater, ohne Identität", wie Camus schreibt. Es sei ein Leben in der Gegenwart und daher ein Leben in der Nähe des Todes.

Die Welt des Kindes ist eine unmittelbare, keine historisch gewachsene: Die Sonne, der Regen, der Sport, das Lesen, die Schule, die Familie, die Mutter mit ihrem Schweigen. Er wuchs inmitten einer Armut auf, "die so nackt war wie der Tod".

Erst bei einer Reise in den 1950ern zu seinem Geburtsort findet er historische Linien der euroäischen Armen, und diese waren schauderhaft. Revolutionären von 1848 wurde Land in Algerien angebpriesen, Tausende reisten nach Ostalgerien, viele starben an Cholera, der Kampf gegen die Berber und Araber war brutal. Hoden wurden abgeschnitten, Frauen wurden die Brüste abgeschnitten und der Bauch aufgeschlitzt. Rassischer Hass ohne rassistische Ideologie. Der Mensch halte sich nicht im Zaum, obwohl das Sich-im-Zaum-Halten ihn vom Tier unterscheide, schreibt Camus.

Aber auch an seinem Geburtsort gibt es keine Identität. Das Gutshaus, in dem er geboren wurde, ist abgerissen. Der jetzige Besitzer erklärt ihm: "Hier wird nichts aufgehoben. Man reißt ab, und man baut wieder auf. Man denkt an die Zukunft, und man vergisst das Übrige."

Gut 100 Jahre nach Ankunft sollen die Siedler weg. Ein Winzer gräbt mit seinem Traktor wie ein Besessener seine Weinstöcke um und leitet Brackwasser auf seine Felder. Von einem Offizier angesprochen, was er tue, gibt er zur Antwort: "Junger Mann, da das, was wir hier getan haben, ein Verbrechen ist, muss es wiedergutgemacht werden." Es ist das koloniale Dilemma der armen Kolonisten.

Das Leben bestehe aus Unglück, gegen das man nichts tun könne. Jacques sollte diesen existenzialistischen Grundsatz spiegeln, indem der das Notwendige, das vom Schicksal ihm Aufgedrängte liebe, nicht das von seiner Wahl Abhängige. Deshalb auch seine enge Bindung an die (nicht wählbare) Mutter und nicht an eine (wählbare) Frau. So werde er auch zur Liebe zum Tod finden müssen, dem Unvermeidlichen.

In den Notizen finden sich noch Lösungswünsche für Algerien, für alle dort in Armut Lebenden:
Gebt den Boden zurück. Gebt den ganzen Boden den Armen, denen, die nichts haben und so arm sind, dass sie nicht einmal je den Wunsch hatten, zu haben und zu besitzen, denen, die wie er in diesem Land sind, die riesengroße Schar der Elenden, die meisten Araber und einige Franzosen, die mit Hartnäckigkeit und Ausdauer hier leben oder überleben, in der einzigen Ehre, die auf der Welt etwas wert ist, der der Armen, gebt ihnen den Boden, so wie man das, was heilig ist, denen gibt, die heilig sind, und dann werde ich, wieder und endlich arm, in das schlimmste Exil am Rande der Welt geworfen, lächeln und zufrieden sterben, weil ich weiß, dass unter der Sonne meines Ursprungs der Boden, den ich so geliebt habe, und jene und die eine, die ich verehrt habe, endlich vereint sind.
Die Identität, die Jacques in Frankreich aufgebaut hat, ist brüchig:
Morgen würden sechshundert Millionen Gelbe, Milliarden von Gel-ben, von Schwarzen, von Braunen über das Kap von Europa strömen ... und [es] bestenfalls [umwandeln]. Dann würde alles, was man ihn und seinesgleichen gelehrt hatte, auch alles, was er gelernt hatte, von diesem Tag die Menschen seiner Rasse, würden alle Werte, für die er gelebt hatte, an Nutzlosigkeit sterben. Was würde dann noch gelten? ... Das Schweigen seiner Mutter.
In einem der letzten Sätze schreibt Camus beinahe testamentarisch über die Berufung des Schriftstellers:
Die Würde des Schriftstellerberufs liegt im Widerstand gegen die Unterdrückung,



Jacques fährt mit der Straßenbahn von Belcourt in die westlich der Bucht liegende Innenstadt, in die Rue Bab-Azoun, um zur Schule zu gelangen. Dort, wo sie sich zu einem Platz mit Arkaden weitet, steigt er aus, um bei arabischen Ständen köstliche Teigwaren zu kaufen, wenn er Geld hat. Diesen kleinen Platz haben die Gebrüder Lumiers 1896 in einem Film festgehalten, der auf YouTube zu sehen ist. Eine längere kolorierte und mit Musik unterlegte Version des Lumiers-Films von Algier findet sich ebenso auf YouTube - faszinierende Aufnahmen.

Eine Sammlung von Fotos aus dem Armenviertel Belcourt aus der französischen Kolonialzeit (Einwohnerverteilung Europäer - Algerier etwa 50:50, auch die Nachbarn von Jacques waren Araber) finden sich auf der Webseite JudaicAlgeria


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

02.06.2023 um 00:53
Renate Welsh - Ich ohne Worte

Welsh-WorteOriginal anzeigen (0,2 MB)

Die 85-jährige österreichische Jugend- und Kinderbuchautorin Renate Welsh hat soeben eine Erzählung über die Zeit nach ihrem Schlaganfall, der sie 2020 in Norditalien ereilt hat, voröffentlicht. Es ist ein beeindruckender, aber auch bedrückender Text, wie sie ihre Erinnerungen zurückholt, als sie zehn Tage in einer italienischen Klinik gelähmt und sich ihrer Lage gar nicht bewusst doch an Vieles und vor allem ihre Gefühle erinnern kann. An die Liebenswürdigkeit der Pfleger:innen und Ärzt:innen wie auch dass sie ihrer Bettnachbarin den Tod an den Hals gewünscht hat, da sie laut und unausstehlich war.

Nach zehn Tagen wurde sie nach Wien überstellt und bereits im Krankenhaus wurde sie gebeten, im kleinen Kreis eine Lesung zu halten, was Teil der Therapie war. Sie beschreibt den schweren Weg zurück zur Eigenständigkeit, wie sie sich immer mehr die Stadt wieder erschlossen hat, alleine mit Straßenbahn und U-Bahn gefahren ist, obwohl ihre Beine noch immer nicht so funktioniert haben, wie sie wollte. Auch ihre Wut auf sich selbst, wenn etwas nicht gelingen wollte: Wörter nicht einfielen, keine sinnvollen Sätze geschrieben wurden, der Körper ihren Befehlen nicht gehorcht hat, sie an Schwindel und massiver Höhenangst leidet. Mehrfach schlägt sie sich auf den Kopf vor Verzweiflung, andererseits ist sie von Jähzornausbrüchen nicht gefeit, wie sie anhand eines Beispiels aus der Rehaklinik schildert.

Dazu gibt es detaillierte Aufzeichnungen,welche Gedanken und Erinnerungen sie zu dieser Zeit begleitet haben. Viel dreht sich um ihre Familie, ihre Kindheit, aber auch Aktuelles ist nicht ausgespart. Die Beobachtung von erhöhter Aggressivität im öffentlichen Raum, vor allem zur Coronazeit. Hochmut und Arroganz zeigt sich für sie an Menschen in der U-Bahn, die zwei Sitze für sich beanspruchen oder lautstark verkünden, dass ihnen das Maskentragen am Allerwertesten vorbei ginge. Junge Männer, die schamlos ein Mädchen niederstarren. In der Weltpolitik der Überfall Russlands auf die Ukraine. Diese Beobachtungen sind aber auch Teil dessen, dass sie wieder in die Welt zurückfindet.

Aber auch während der Rekonvaleszenz ist sie immer wieder mit Grenzerfahrungen konfrontiert, die sie schwer belasten: Ihr Mann wird (erfolgreich) an der Aorta operiert, dabei musste wegen der Coronasituation die Operation immer wieder verschoben werden, was zur Angst führte, dass die Aorta vielleicht vor der Operation reißt. Während eines Konzertbesuchs wird in ihren Zweitwohnsitz in einem winzigen Dorf eingebrochen und der Familienschmuck gestohlen, der mehr ideellen als materiellen Wert hat. Ganz stark ist sie dabei von dem Gefühl geprägt, dass ihr Privatraum nicht mehr unversehrt ist. Ihre in den Niederlanden lebende Schwester wird mit Leukämie und Metastasen im Gehirn diagnostiziert, die Chemotherapie schlägt jedoch an. Der realtiv junge Sohn eines Bekannten (oder Verwandten?) erleidet in Berlin einen massiven Schlaganfall und kommt gerade noch so mit dem Leben davon. Auch Corona bleibt ihr nach vier Impfungen nicht erspart.

So spielt auch der Tod eine immer wiederkehrende Rolle in ihren Reflexionen, mit zum Teil auch beschönigenden Vorstellungen (oder Hoffnungen?) eines sanften Entschlafens nach einem erfüllten Leben.

Zu sich selbst wie auch zum Schreiben habe sie gefunden, als sie nicht mehr mit sich selbst konkurriert habe. Sie sei seit Kindheit immer eine gewesen, welche sich mit anderen verglichen habe, besser sein wollte. Und so wollte sie wieder diejenige vor dem Schlaganfall sein oder gar besser. Mit der Krankheit und ihren Folgen habe sie erst dann umgehen können, als sie akzeptiert hat, dass sie nun anders sei. Auch hat sie wieder begonnen, ihre Lesungen an Grundschulen weiterzuführen.

Am Ende der Erzählung bedankt sie sich bei allen, die ihr in dieser schweren Zeit geholfen haben, mit einem Gedicht.

Im österreichischen Standard gibt sie ein Interview zur Entstehung dieses Buches und spricht dabei auch über ihre Zeit nach dem Schlaganfall.


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

03.06.2023 um 10:41
Angela Sommer-Bodenburg - Der kleine Vampir liest vor

Vampir liestOriginal anzeigen (0,2 MB)

Nun habe ich mir auch den achten und letzten Band der ersten Serie vorgenommen, die Fortsetzung des Ferienausflugs ins Jammertal. Antons Vater ist an der Hand verletzt, die Mutter kommt und von der Höhle (letzte Story) ziehen sie in einen Landgasthof in Freudental. Es gibt drei Begegnungen Antons mit den Vampiren: Mit dem pubertären Lumpi, dem er zeigt, wie gekegelt wird, mit Anna in der Ruine, die ein Hochzeitskleid trägt und Anton einen Frack anprobieren lässt, und im Landgasthof mit Rüdiger, mit dem er über die Rückgabe von Büchern streitet. Die Vampire bereiten einen erneuten Umzug vor, zurück zum alten Friedhof in Antons Stadt. Eine Bürgerinitiative hat den alten Friedhof gerettet und der Friedhofsverwalter liegt nach einem Herzanfall im Krankenhaus.

Insgesamt liest sich dieser achte Band wie ein Vertragsalbum einer Musikgruppe, die eigentlich nicht mehr will. Die Dialoge sind hölzern und lassen eigentlich alle Figuren so erscheinen, als ob sie dumm wären. Auch die Kontinuität scheint nicht lektoriert zu sein: Anton will Rüdiger treffen, geht aber mit Lumpi kegeln. Anna kündigt sich bei Anton im Landgasthof an, es kommt Rüdiger.

Die Fortsetzungen habe ich nicht. Also: Ende mit der Serie für mich.


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

03.06.2023 um 23:07
Peter van Dongen - Rampokan (Bd. 1: Java)

Rampokan-1

Da die Wiener Zeitung heute von der neuen deutschsprachigen Gesamtausgabe von Peter van Donges Graphic Novel Ramopkan (1998-2004) über den indonesischen Freiheitskampf nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Berliner avant-verlag berichtet (Archiv-Version vom 03.06.2023), habe ich den ersten Band auf Englisch hervorgesucht.

Die Handlung spielt im Oktober und November 1946, als die Niederlande eine Freiwilligenarmee nach Indonesien (Niederländisch-Ostindien) schickt, um nach japanischer Besatzung im Zweiten Weltkrieg die Kolonialherrschaft wieder herzustellen. Die Niederlande sind jedoch mit nationalen und kommunistischen Aufstandsbewegungen konfrontiert.

Hauptfigur ist Johan Knevel, der als Kind auf Java aufgewachsen ist und dessen Eltern umgekommen sind. Der Vater im Krieg, seine Mutter an Typhus. Eigentlich sucht er sein indonesisches Kindermädchen Ninih, um zu einer heilen Kinderwelt zurückzufinden, die es jedoch nicht (mehr) gibt. Am Schiff gerät er in einen Streit mit dem Kommunisten Erik Verhagen, der unter nicht geklärten Umsständen über Bord geht. Knevel behält seine Papiere bei sich. Je länger er dient und die Unterdrückung der Einheimischen durch die Holländer ihm bewusst wird, desto empfänglicher wird er für die Gedanken Verhagens, was er auch in senem Tagebuch niederschreibt.

Während eines Auftrags eines Militärvorgesetzten gerät Knevel in eine Flut und wird von Aufständischen gerettet. Diese halten ihn wegen der bei ihm gefundenen Papiere für Erik Verhagen. Damit endet dieser erste Band, van Dongen veröffentlicht erst sechs Jahre später die Fortsetzung.

Der Titel Rampokan bedeutet Tiger und bezieht sich auf ein 1905 verbotenes Ritual, in dem Tiger in einem Feld, das von Männern mit Speeren umstellt ist, während des Fests am Ende des Ramadan freigelassen werden. Im Feld befindet sich ein unbewaffneter muslimischer Priester. Dieses Motiv durchzieht dieses Werk, denn in Indonesien ist der Tiger los, und ob die Tigerjäger (die Kolonialmacht) ihn niederringen können, ist nicht sicher.

Ein interessantes Werk, auch wenn es durch die durch das Genre bedingten harten Brüche machmal notwendig ist, Passagen zweimal zu lesen bzw. zu betrachten.


1x zitiertmelden

Welches Buch lest ihr gerade?

04.06.2023 um 06:59
Der Mann, der kein Mörder war

Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt

In einem Waldstück bei Västerås entdecken Kinder die Leiche eines Jungen - brutal ermordet, mit herausgerissenem Herzen. Der Tote ist schnell identifiziert: Roger war Schüler eines Elitegymnasiums und seit Tagen vermisst. Die Polizei vor Ort ist überfordert, und so reist der Stockholmer Kommissar Höglund mit seinem Team in die Provinz. Dort trifft er überraschend einen alten Bekannten: Sebastian Bergmann, ein brillianter Kriminalpsychologe und berüchtigter Kotzbrocken. Seit Bergman Frau und Tochter bei einem Unglück verlor, hat man kaum noch von ihm gehört. Nun bietet er Höglund seine Hilfe an. Das Team zweigt sich wenig begeistert. Doch schon bald ist der hochintelligente Bergman unverzichtbart. Denn in dem kleinen Städchen Västerås gibt es mehr als eine zerstörte Seele.

https://books.google.de/books/about/Der_Mann_der_kein_M%C3%B6rder_war.html?id=uNdRuwAACAAJ&redir_esc=y

mrder


melden

Welches Buch lest ihr gerade?

08.06.2023 um 09:20
Der Duft des Sommers: Roman

von Joyce Maynard

Ein tief bewegendes Buch über eine unwahrscheinliche Liebe, Verrat und den Preis des Glücks.


Eine Kleinstadt in New Hampshire: Adele, liebenswert, sensibel und seit ihrer Scheidung todunglücklich, lebt mit ihrem 13-jährigen Sohn Henry sehr zurückgezogen in einem kleinen Haus. Bis Henry sie zu einem Einkaufstrip überredet, der ihrer beider Leben für immer verändern wird. Denn im Supermarkt wird Henry von einem verletzten Mann angesprochen. Er bittet um Hilfe, und Adele nimmt ihn mit nach Hause. Dort stellt sich heraus, dass der höfliche und rücksichtsvolle Frank ein entflohener Sträfling ist. Für ein Wochenende gewähren die beiden ihm Zuflucht. Und während Henry in Frank den lange vermissten Vaterersatz findet, entwickelt sich zwischen Frank und Adele eine zarte, innige Liebe. Eine Liebe, für die sie einen hohen Preis zahlen werden ...

duft

https://books.google.de/books?id=jraYugAACAAJ&dq=der+duft+des+sommers+joyce+maynard&hl=de&newbks=1&newbks_redir=0&sa=X&ved=2ahUKEwin6cuIkbP_AhXaQfEDHVpFA94Q6AF6BAgCEAI


melden