gondolfino schrieb:Für mich spielt es keine Rolle als was man sich fühlt oder wofür man sich hält. Und solange es im Umgang miteinander auch keine Rolle spielt möchte ich das auch eigentlich überhaupt nicht Wissen.
Sehe ich grundsätzlich auch so.
Teils wird aber die Formulierung "möchte das eigentlch auch gar nicht wissen" genutzt im Sinne von "find' ich eklig, unangenehm, also nichts sagen!" Und das ist
nicht meine Einstellung.
Beispiel: Für mich spielt es keine Rolle dass mein Chef - ein Mann, männlicher Name wird benutzt, und er sagt auch klipp und klar dass er ein Mann ist - sich so feminin kleidet und stylt dass Menschen die ihn nicht kennen ihn für eine Frau halten. Ist mir genauso egal wie ob mein Kollege blaue oder schwarze Jeans oder eine Cordhose trägt.
Es ist aber auch keine "will ich gar nicht wissen"-Sache: Dadurch dass ich weiß dass er ein Mann ist und welche Anrede er nutzt kann ich ihn korrekt anreden. Finde ich normal und respektvoll.
Genauso: Es interessiert mich nicht wie andere Menschen ihre Sexualität ausleben. Ob da jemand auf blond oder brünett, auf "Vanilla" oder SM, oder auf gar nichts steht: absolut Privatsache. Den sozialen Anteil einer Partnerschaft, der auch mal am Arbeitsplatz erwähnt wird, soll aber definitiv nicht nur der Herr Kollege, verheiratet mit einer Frau, erwähnen dürfen. Wenn der Kollege seinen Mann zum Tag der offenen Tür mitbringt, soll er denjenigen genauso vorstellen dürfen wie derjenige der seine Frau, Freundin... mitbringt.
Genauso allgemein, Pronomen, Namen, falls sich dabei etwas ändert: Möchte ich sehr wohl wissen.
Finde es zudem auch nicht merkwürdig, wenn ich z.B. im beruflich genutzten Slack einen Channel finde der sich an Menschen richtet die nicht cis sind, eine Freizeitgruppe angeboten wird etc. Sört mich genauso wenig wie die Gruppe für Alleinerziehende.
gagitsch schrieb:Wenn eine Person geboren wird, ist der natürliche Weg die Selbsterkennung und Selbstwahrnehmung sowie die Selbstakzeptanz.
Diese Person akzeptiert sich ja - als das Geschlecht als dass sie sich empfindet.
Bei manchen Menschen ist das nur einfacher, "straightforward", weil körperliche Merkmale konsistent dazu sind - genau das dran was zu Junge/Mädchen/Frau/Mann gehört, andere sehen dass man das ist.
Es ist keine psychische Erkrankung, es kann aber sehr wohl eine entstehen, wenn man fortwährend auf Ablehnung stößt. Selbiges bei Homosexualität.
Es gibt keine exakte, feste Definition von "psychische Störung, psychische Erkrankung". Gängige Definitionen dafür erfüllt jedenfalls Transgeschlechtlichkeit nicht.