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Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

1.200 Beiträge, Schlüsselwörter: Beziehung, Narzissmus, Narzisst

Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

04.06.2019 um 11:19
sacredheart schrieb:Wie kann man die massive Schädigung der anderen vermeiden?
Wahrscheinlich wie bei den meisten Krankheiten. Ursachenforschung, Aufklärung, Prävention. Durch diese man ggf. gesellschaftliche Hürden vor manchen Positionen stellen könnte.
traces schrieb:Richtigerweise müsste man daher sagen: Sie haben kein Selbstwertgefühl, aber dass dem so ist, nehmen sie, wenn überhaupt, nur als eine Ahnung wahr. I.d.R. sind sie sich dessen nicht bewusst.
Halte ich als ziemlich gewagt diese Aussage und war noch nie Fan dieser Annahme. Da es, in in den falschen Hals gestreut, eher Öl ins Feuer gießt. Mir scheint es auch, dass es für viele Therapeuten, längere Zeit, es als eine Art Allheilmittel angesehen wurde/wird, einfach bei vielen psychischen Leiden das Selbstwertgefühl zu pushen. In diesem Punkt finde ich die Ansicht des Psychiaters und Neurowissenschaftlers Raphael M. Bonelli's authentischer.
Auszug aus Wiki (Wikipedia: Narzissmus):
Jeder hat narzisstische Anteile, die es zu erkennen gilt. Bonelli arbeitet heraus, dass diese Anteile kein Schicksal, sondern veränderbar sind. Narzissmus ist bis zur Diagnose der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ein Kontinuum, aber jeder Narzissmus ist schädlich. Es gibt damit keinen guten oder gesunden Narzissmus (wie etwa Alice Miller postuliert hat). Denn Narzissmus ist immer die Tendenz, sich zu idealisieren, indem man seine Schwächen verdrängt und seine Stärken übertreibt und damit andere abwertet. Bonelli grenzt den Narzissmus scharf vom Perfektionismus ab: Während der Perfektionist selbstunsicher und ängstlich um sich kreist und in die Maske des Perfekten schlüpft um zu gefallen, sieht sich der Narzisst aufgrund der Selbstidealisierung und Fremdabwertung den anderen grenzenlos überlegen.[55] Aus diesem Grund agiert er ausbeuterisch, manipulativ und rücksichtslos. Er hat im Gegensatz zum Perfektionisten kein brüchiges, sondern ein überzogenes Selbstwertgefühl: Unter Bezugnahme auf oben genannter Studien zum Selbstwert bei Narzissten,[48] sieht Bonelli die Theorie des angeblich geringen Selbstwertgefühls und der mangelnden Selbstliebe als widerlegt (Fromm). Auch sei der Narzisst entgegen vielen Behauptungen gar nicht zur Empathie unfähig (im Gegensatz zum Autisten) als vielmehr unwillig. Der narzisstische Mangel an Selbsttranszendenz – bei Bonelli Selbstimmanenz genannt – äußert sich in fehlenden Werten, fehlenden Idealen und Mangel an selbstlosem Engagement für die Allgemeinheit.

Ich mein, wer oder was, wenn nicht ein Narzisst, hat ein übersteigertes Selbstwertgefühl?


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Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

04.06.2019 um 11:52
@Flitzschnitzel

Was bedeutet denn Selbstwertgefühl?

Ein Mensch mit Selbstwertgefühl benötigt vielleicht auch hin und wieder Bestätigung von außen, aber nicht in dem Maß wie ein Narzisst.

Ein Mensch mit Selbstwertgefühl könnte vielleicht ein Wochenende alleine verbringen, in Ruhe den Haushalt machen und dann den Garten ohne dass ihn jemand zum größten Gärtner aller Zeiten lobpreist. Der freut sich vielleicht einfach über die paar Erdbeeren.

Ein Mensch mit Selbstwertgefühl kann sich auch mal für andere freuen und muss nicht immer die hellste Lichtgestalt sein.
Er gönnt auch anderen Erfolg und Glück.

All das könnte ein Narzisst kaum ertragen. Insofern hat er kein Selbstwertgefühl. Nimm das Wort doch mal auseinander. Es bedeutet, dass man sich selbst einen Wert zumisst, der unabhängig von äußerer Glorifizierung ist, also das Gegenteil des Narzissten

Narzissten haben stattdessen ein Größen Ich, dass sie benötigen, weil sie keinen Selbstwert bei sich, aber auch nicht bei anderen, es sei denn als useful idiot, erkennen können.

Wenn man einen Wert in sich selbst sieht, braucht man das ganze Theater ja nicht.


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04.06.2019 um 12:29
@moric
ich kann das nicht mehr, dafür hat meine mutter mich in all den Jahren zu sehr verletzt


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04.06.2019 um 12:34
Intemporal schrieb:So kann man die Realität auch bezeichnen.

Eine Co-Abhängigkeit wurde als eines von mehreren Gründen genannt. Wer daraus jetzt ein Victim-Bashing drehen möchte, der kommt scheinbar immer noch nicht auf die Tatsache klar, dass man Verantwortung für sich selbst zu tragen hat, auch als Opfer in einer Beziehung. Dass der Narzisst gemeine Dinge tut, bleibt unbestritten. Wer sich aber aus solchen Verhältnissen befreien möchte, der ist dazu gezwungen sich selbst zu reflektieren und daraufhin zu handeln. Und dabei ist man auch gezwungen sich Fragen zu stellen: 'Wieso bin ich noch in dieser Beziehung' und 'Was hält mich bei ihm/ihr'.

Man kann durchaus auch weiterhin darüber philosophieren, wieso Narzissten nicht von ihren Verhaltensmustern ablassen können und wieso es ausgerechnet einen selbst getroffen hat, aber als Opfer ist einem damit auch nicht geholfen.
Das sehe ich auch so, häufig tritt das, meiner Meinung nach, in Eltern-Kind-Beziehungen auf, welches dann hier und da in Partnerschaften übertragen wird.


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04.06.2019 um 12:41
PurePu schrieb:Ich war vor wenigen Wochen auf einer Hochzeit, da war die Mutter der Braut nicht eingeladen und obwohl es dafür gute Gründe gab, war es DAS Thema. Man konnte nur hoffen, dass das Brautpaar davon nichts mitbekommen hat. Die Leute tratschen eben immer, egal worüber. Das sollte man also ausblenden, so gut es geht.
Ich bin mir sicher, dass die Leute auch getratscht hätten, wenn die Mutter erschienen wäre und die Hochzeit aufgemischt hätte. :-D


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04.06.2019 um 12:55
sacredheart schrieb:Wenn Menschen das Prinzip Realität so wenig begreifen können, macht es mich weiterhin sprachlos, wie erfolgreich nicht wenige dieser Menschen durchs Leben gehen.
Ich denke das es daran liegt, dass die anderen Menschen nicht so sind und es immer 'Material' gibt, dass genutzt werden kann. Schreibe ich jetzt mal so salopp. Ist doch bei allem so. So lange die Mehrheit einigermassen vernünftig handelt, fallen die Ausreisser nicht ins Gewicht, was nicht heißt, dass sie keine verbrannte Erde hinterlassen. Die anderen pflanzen dann halt wieder neu. Kehrt sich das um, gibt es Krieg. :-)


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04.06.2019 um 13:05
@oBARBIEoCUEo

Ich denke, so ist es. Zusätzlich weisen Narzissten auch eine gewaltige Vehemenz und Raffinesse beim Erfinden von idiotischen Tatsachenbehauptungen auf, die man in der akuten Situation oft nur schwer entkräften kann. Das ist einer ihrer Haupttalente. Deshalb halten sich diese vehementen Behauptungen oft auch im Vagen, damit man sich nicht allzu sehr festlegen muss.

Das werden sie so ähnlich erlernen, wie Analphabeten lernen, sich aus Situationen elegant herauszuwinden, die Lesekompetenz erfordern.

Wenn dann noch ein hierarchisches Gefälle vorliegt, finde ich es erschreckend, wie viele Menschen bereit sind, dem Narzissten beizuspringen, in der vagen Hoffnung, damit selbst aus der Schusslinie zu kommen.

Das finde ich besonders schlimm daran: Dass viele Menschen die Löcher in der Unterwäsche des Kaisers sehen, sie aber wenn andere darauf hinweisen, abstreiten.

Ich möchte noch mal zu einem Narzissten Test einladen:

Wenn ihr überzeugt seid, ihr habt es wo auch immer mit einem Narzissten zu tun und er / sie stellt Euch eine Frage, besonders eine Frage in ehrverletzender Absicht: Gebt mal eine Antwort, die völlig am Thema vorbeigeht: Wetter oder so (ich weiss, es widerstrebt einem beim ersten Mal) und ihr werdet feststellen, dass Eure Antwort gar nicht gehört wurde, sofern sie keine Aggression enthielt.


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04.06.2019 um 13:14
filiz schrieb:ich kann das nicht mehr, dafür hat meine mutter mich in all den Jahren zu sehr verletzt
Den Kontakt völlig abzubrechen ist natürlich richtig hart, aber letztendlich musst du dich schützen und brauchst nicht jemanden die Möglichkeit geben, sich über deine Seele zu therapieren bzw. zu ertragen, was nicht ertragbar scheint.


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04.06.2019 um 13:16
@sacredheart

Das liegt vielleicht daran, dass sie Angst haben. Wer küsst freiwillig eine gezündete Handgranate. Ich denke, dass nicht Unwenige wissen, was da los ist, da kommen aber die kulturellen Gepflogenheiten und hauptsächlich Angst zum Tragen, ist meine Meinung.


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04.06.2019 um 13:25
sacredheart schrieb:Gebt mal eine Antwort, die völlig am Thema vorbeigeht: Wetter oder so (ich weiss, es widerstrebt einem beim ersten Mal) und ihr werdet feststellen, dass Eure Antwort gar nicht gehört wurde, sofern sie keine Aggression enthielt.
Wenn ich nicht richtig zugehört habe, was mein Bruder mir erzählt und dann eine "dumme" Frage stelle oder etwas sage, von dem er glaubt, es passe nicht zu dem Erzählten (oder dem von ihm Erklärten), dann bekomme ich aber so richtig Ärger... dann schimpft er mich einen dummen Menschen, der nicht in der Lage ist, die einfachsten Sachen zu begreifen.

...das ist das Problem mit ihm... er wird sofort persönlich und greift einen heftig an, beleidigt und verlangt absolute Konzentration (man darf aber auf keinen Fall widersprechen).

...einmal... mein Vater saß mir gegenüber (in seinem Haus wohlgemerkt) in der Küche und mein älterer Bruder saß neben mir. Wir saßen also da alle an einem Tisch und mein Bruder erzählte etwas über die aktuelle politische Situation in Deutschland... wir alle hörten also zu wie er so im Monolog referiert.

...mein Vater erdreistete sich dann bei einem Thema, ihm nicht völlig Recht zu geben... mein Bruder ging sofort an die Decke und sagte wortwörtlich zu meinem Vater:

"Nein, hör zu... wenn ich rede hast du Pause. Ich erkläre es dir noch einmal ganz langsam, für die Dummen."

Mein Vater verstummte und sagte dann keinen Ton mehr (aber ich sah ihm an, wie sehr ihm das alles missfiel).

Jedenfalls... ich war fassungslos... was da ablief... aber eigentlich ist er einfach so...

Ende der Geschichte ist, dass mein Vater nach weiteren solchen Ausbrüchen meines Bruders jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen hat... sie rufen sich nicht mehr, sie sprechen nicht mehr miteinander und mein Bruder redet über ihn nur noch von dem "Alten" (er nennt ihn nicht mehr Vater). Er meint, er hat auch keinen mehr.


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04.06.2019 um 13:33
@oBARBIEoCUEo

Ich hab erst mal einen Moment gebraucht, den Begriff 'nicht Unwenige' zu verstehen, dass würde ja 'Wenige bedeuten'.
Ich glaube aber, Du meintest viele.

Wird wohl so sein, damit werden aber leider auch Chancen vertan, denn:

Narzissten können lernen, deutliche Grenzen nicht zu überschreiten, wenn sie genug Nachdruck haben. Die Grenzen müssen nicht mal sinnvoll sein, nur deutlich aufgezeichnet.

Wenn also eine Gruppe von Menschen einem Narzissten deutliche Grenzen aufzeigt, kann er / sie die unter Umständen einhalten, nicht aber respektieren. Das Einhalten könnte der Gruppe aber schon helfen. Da hilft es halt nicht, wenn man die Grenzen verwischt, solange ihre Übertretung einen gerade nicht selbst trifft.

Nach Churchill: An appeaser is a man who feeds a crocodile hoping it will eat him as the last one.

Meine Ex Frau kennt beispielsweise einige absolut in Beton gegossene Grenzen, die ich gesetzt habe. Dies gelang mir nicht alleine, das hätte wohl nicht funktioniert. Ein Familiengericht und das JA haben die gleichen Grenzen aufgezeigt. Daran hält sie sich, weil sie die Konsequenzen kennt, wenn sie da einen Fuß drüber setzen würde. Das hilft letztlich allen beteiligten und vermeidet weitere gerichtliche Auseinandersetzungen. Larifari hätte nicht das gleiche bewirkt. Eigentlich helfen die Grenzen sogar ihr, ob ihr das bewusst ist oder nicht.

Aus meiner Sicht gleichen Narzissten oft einem Kleinkind, das gerade einen Wutanfall hat, nur dauert dieser Wutanfall lebenslang. Da helfen auch nur Grenzen. Wenn sich ein Kleinkind im Supermarkt schreiend und tretend auf den Boden wirft, um einen Lutscher zu kriegen, diskutiert man mit dem Kleinkind ja auch nicht die Preisstruktur des Produkts oder seine Nährstoffzusammensetzung. Dann ordnet der Elternteil an: So, wir gehen jetzt und feddich.

Mit der Zeit lernt das Kleinkind dazu und vielleicht kann der Narzisst irgendwann im Stillen für sich auch erkennen, dass ihn die Grenzen auf eine unerklärliche Weise entlasten können. Es muss aber eine doppelt durchgezogene Linie sein, kein uneindeutiges zeichen.


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Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

04.06.2019 um 13:53
sacredheart schrieb:Narzissten können lernen, deutliche Grenzen nicht zu überschreiten, wenn sie genug Nachdruck haben. Die Grenzen müssen nicht mal sinnvoll sein, nur deutlich aufgezeichnet.
Also... das habe ich schon einmal bei meinem Bruder gemacht (wegen seiner griechischen Hochzeit, wo er uns alle ausgeladen hat, weil er der Ansicht war, wir seien nicht in der Lage, uns richtig bei der Hochzeit zu benehmen)... danach hat er 2 Jahre nicht mehr mir gesprochen... also, nein danke... mach' ich nicht mehr.

Dein Rat hilft vielleicht bei manchen, aber ich habe gelernt, dass Kritik nicht angekommt, egal, wie ich sie verpacke.

Ansonsten finde ich deinen Text sehr gut beschrieben und erklärt... sehr gut formuliert... Daumen hoch.


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Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

04.06.2019 um 14:03
sacredheart schrieb:Wird wohl so sein, damit werden aber leider auch Chancen vertan, denn:

Narzissten können lernen, deutliche Grenzen nicht zu überschreiten, wenn sie genug Nachdruck haben. Die Grenzen müssen nicht mal sinnvoll sein, nur deutlich aufgezeichnet.
Das kommt wohl auf den Grad des Narzissmus an. Es gibt welche, bei denen die Grenzen in Gewalt ausarten. Es sitzen sicher nicht wenige im Gefängnis, aber allgemein, gebe ich Dir Recht, es wird zu viel toleriert.


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Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

04.06.2019 um 14:10
@moric

Alleine hätte ich das nicht schaffen können und natürlich kommt Kritik nicht an. Die ist auch nicht nötig. Man kann allenfalls eine Grenze setzen, an besten ohne jede Begründung, weil eine Begründung so nahe an Kritik liegt. Man muss sie nur unmissverständlich deutlich machen. Und das gelingt am Ehesten mit Hilfe. Die bekommt man aber höchstens bei Konflikten, die einen offiziellen Part haben.

@oBARBIEoCUEo

Die Narzissten, die den größten Schaden langfristig anrichten, sind ja die erfolgreichen Narzissten, die meistens gelernt haben, ohne körperliche offensichtliche Gewalt auszukommen.
Außerdem halte ich es für fatal, aus Angst vor Gewalt ständig die Klappe zu halten und noch zu applaudieren.

Da würde ich es im Zweifelsfall drauf ankommen lassen, dass beispielsweise ein narzisstischer Vorgesetzter mal handgreiflich wird, dann löst sich das Problem nachhaltig. Es muss ja nicht gleich ein Amoklauf sein.

Ich habe mit Grenzen gute Erfahrungen gemacht.

Hätte nicht eine Familienrichterin eine sehr sehr deutliche Grenze aufgezeigt und auch ganz klar gemacht, welche Konsequenzen eine Überschreitung hätte, ginge es vielen Menschen heute schlechter. Es war nur meine Aufgabe, diese Grenze in den Jahren danach sichtbar zu halten.


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04.06.2019 um 15:22
sacredheart schrieb:Was bedeutet denn Selbstwertgefühl?
Eine Schätzung des Selbst, welches sich durch einen ermittelten Wert, in einem Gefühl äußert. Wieso sollte gerade ein Narzisst, ein selbstverliebter Mensch, der seinen Wert höher misst als die der meisten anderen, davon befreit sein? Durch was, wenn nicht durch den eigenen ermittelten Wert, stellt sich ein Narzisst über andere?
Ich kann es ja verstehen wenn jemand sagt, dass bei einem Narzissten anstelle eines gesunden Selbstwertgefühls, etwas korruptes oder anderes, agiert. Da dieses Etwas dermaßen korrumpiert wurde, dass es als etwas völlig anderes erscheint. Mag sein, dass man dadurch einen Narzissten leichter für ein tieferes Gespräch oder einer Therapie ködern kann, aber trotzdem halte ich es für einen gefährlichen Ansatz.


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Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

04.06.2019 um 16:31
@Flitzschnitzel
Ein Narzisst hat kein Selbstwert. Er fühlt sich nur gut, wenn die Bestätigung von außen kommt. Er saugt diese Bestätigung auf wie ein Vampir.

Er bastelt sich damit seinen Selbstwert.
Ich glaube, wenn ein Narzisst keinerlei Bestätigung mehr bekommt, bricht er zusammen.

Ich vermute, dass mein Vater narzisstische Züge, aber zum Glück nicht so weit ausgeprägt. Wenn er durch irgendwas im Mittelpunkt steht, badet er in Aufmerksamkeit.
Er trägt auch nie einen Konflikt aus. Wenn ihm was nicht passt oder er sich angegriffen fühlt, sagt er gar nix. Aber wenn ich das nächste Mal mit meiner Mutter telefoniere, dann krieg ich alles aufs Butterbrot geschmiert.
Er erzählt dann alles meiner Mutter und erwartet von ihr, dass sie den Konflikt mit mir austrägt.

Auf der anderen Seite gibt er sein letztes Hemd, wenn einer von uns Hilfe braucht, dann ist er da.
Leider nicht bedingungslos, denn er erwartet, dass man ihm überschwänglich dankt, dann sieht man direkt, dass er es aufsaugt.
Und wehe, man zeigt sich nicht dankbar genug.
Das hat dann meine Tochter zu spüren bekommen. Sie haben ihr den Führerschein bezahlt und sie war meinem Vater nicht dankbar genug.
Ja, sie ist halt ein Mensch, die eigentlich keine Geschenke mag, da sie einfach nicht weiß wie sie drauf reagieren soll. Sie freut sich, aber kriegt es nicht hin diese Freude zu zeigen. Sie war schon als Kleinkind so. Ihr erster Kindergeburtstag war so, dass die Kinder zu uns gekommen sind, Geschenke mitgebracht haben und unser Kind diese dann alle unausgepackt auf nen Tisch gelegt hat und ei Fach nur glücklich war, dass all ihre Freunde da waren. Die Geschenke hat sie dann zwei Tage später erst ausgepackt. Sie waren ihr nicht wichtig.

So ähnlich hat sie dann halt auch bei meinen Eltern verhalten. Sie hat sich mehrmals bedankt und voller Freude von ihren Fortschritten erzählt.
Wenn mein Vater nicht so wäre wie er ist, dann hätte er das erkannt. Meine Mutter hat sich erst mal von meinem Vater mitreißen lassen und sie haben gesagt, dass das Kind nicht dankbar genug war und sie deshalb nicht das versprochene Auto bekommt.

Nachdem ich mit meiner Mutter telefoniert habe und es ihr erklärt habe, dass sie eben ihre Freunde nicht zeigen kann, aber wenn man sie beobachtet, dann merkt man einfach, dass sie sich freut.

Nach viel Überredung und Honig um den Mund schmieren, konnte meine Mutter ihn dann doch überzeugen. 😎


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Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

04.06.2019 um 17:58
troublerin77 schrieb:Ein Narzisst hat kein Selbstwert.
Ja das ist eine relativ weit verbreitete Annahme. Wird aber nicht selten (mMn zurecht) angefochten. Da, wie auch in Wiki nachzulesen, neuere empirische Untersuchungen auf etwas anderes schließen lassen. Oft sehr überzogenes, mal etwas weniger Ausgeprägt, aber vorhandenes Selbstwertgefühl. Problematisch ist bei fast allen die eigene konstante Regulierung des Selbstwerts. Eben wie das Sprichwort, große Bäume fangen viel Wind.

Wikipedia: Narzisstische_Persönlichkeitsstörung#Forschung :
Während der Perfektionist selbstunsicher und ängstlich um sich kreist und in die Maske des Perfekten schlüpft, um zu gefallen, sieht sich der Narzisst aufgrund der Selbstidealisierung und Fremdabwertung den anderen grenzenlos überlegen.[90] Aus diesem Grund agiere er ausbeuterisch, manipulativ und rücksichtslos. Er habe im Gegensatz zum Perfektionisten kein brüchiges, sondern ein überzogenes Selbstwertgefühl: Neuen Studien zufolge hätten Narzissten selbst im Unbewussten eine exzessiv positive Meinung über sich,[91] was die Theorie des angeblich geringen Selbstwertgefühls und der mangelnden Selbstliebe (s. Erich Fromm) widerlege. Auch sei der Narzisst gar nicht zur Empathie unfähig, sondern vielmehr unwillig.


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Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

04.06.2019 um 18:54
@Flitzschnitzel

Wie auf Wikipedia nachzulesen und als Quelle verlinkt ist, beruht die Annahme, Narzissten hätten ein positives Selbstwertgefühl, auf einer einzigen Quelle. Ich finde die Idee der Studienleiter interessant, das Unbewusste empirisch erfassen zu wollen, wobei in Frage steht, ob die Mittel, die sie dafür verwenden, auch tatsächlich das messen, was sie glauben, dass sie es messen. Ich stelle das in Frage, nachdem ich mir diese Studie kurz angesehen habe. Ich werde, wenn ich mehr Zeit habe, mich mit ihr näher befassen und kann dann nochmal was dazu sagen. Allerdings dürfte das Studiendesign, so, wie es dort beschrieben ist, lediglich das positive Selbstkonzept des Narzissten untersucht haben und nicht das negative, das jeder andere Mensch und auch ein Narzisst hat. Um dieses zu untersuchen, muss man, wie in dieser Studie getan Instrumente verwenden, die es auf eine implizite, also indirekte Weise erfassen und erfahrbar machen. Allerdings wird man das nicht schaffen, indem man Selbstwertkohärente Aspekte erfragt (denn dann zeigen sich keine Abwehrmechanismen), sondern (anders als in der Studie) Selbstwertbezogene Aspekte, die seine Abwehrmechanismen bedrohen. Erst dann zeigt sich und kann man an diesen Mechanismen ablesen, WAS genau der Narzisst versucht zu schützen, warum und welcher Mangel besteht. Und ob sein Selbstwertkonzept tatsächlich stabil und positiv ist.

Da das alles empirisch gesehen gar nicht so einfach ist, mal ein Beispiel, das alle hier kennen und mehrmals mit ihren Narzissten im Alltag getestet haben, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Konfrontiert mit objektiv nachprüfbaren Fakten, die das Selbstkonzept des Narzissten bedrohen oder ihm widersprechen, werden seitens des Narzissten folgende Reaktionen kommen. Es wird:

- geleugnet (Verdrängung)
- aggressiv-drohend in Abrede gestellt (Drohgebärde)
- als eine fixe Idee des "psychisch kranken" Gegenübers betitelt (Projektion, Entwertung)
- belächelt (Erniedrigung)

Der Narzisst zeigt also Symptome einer psychischen, akuten Bedrohungssituation, Symptome einer aktiven Fight-Response sowie Selbstschutzmechanismen (Verdrängung und Abspaltung als Hinweise auf den Kampf um Abwehr von Informationen, die die psychische Stabilität und Funktionalität bedrohen und überfordern können) sowie Symptome einer aktiven Flight-Response (z.B. Projektion), wobei eine bedrohliche Information auf das Gegenüber übertragen und somit ausgelagert wird und wodurch er durch gleichzeitige Ablenkung seines Gegenübers damit die Flucht antreten kann (er macht einen Nebenkriegsschauplatz auf). Drohgebärden und Erniedrigung sind Techniken der Entmachtung und Dominierung des Gegenübers.

Wir stellen fest:

1. Ein Narzisst verwendet massive Energie in solchen Situationen auf (warum eigentlich, wenn er doch nicht nur ein stabiles, sondern sogar überstabiles Selbstwertgefühl habe, das sogar unbewusst in gleicher Stärke verankert sei?)

2. Wenn ein Narzisst über ein enorm positives Selbstwertgefühl verfügt, das sogar ebenso stabil in seinem Unterbewussten verankert ist - wie kommt es dann zu Fight-Flight-Reaktionen?

3. Wieso muss er Techniken der Entmachtung seines Gegenübers anwenden, wenn er doch im tiefsten Innersten tatsächlich davon überzeugt ist, er sei mächtiger als alle anderen? Hätte er es dann immer noch nötig, sein Gegenüber eine "Macht" zu nehmen, die er laut seines Selbstkonzeptes doch eigentlich gar nicht hat?

4. Warum kommen bei einem Narzissten in einer solchen alltäglichen Situation plötzlich Abwehrmechanismen zum Tragen, die wir eigentlich hauptsächlich von Traumatisierten kennen - Menschen also, deren Selbstkonzept durch eine Erfahrung nicht nur belastet, sondern zutiefst erschüttert wurde und das ohne diese Abwehrmechanismen in sich zusammenfiele, wie z.B. Abspaltung und Leugnung?

Ich werde mich wie gesagt noch eingehender mit dieser einen Studie beschäftigen, allerdings muss ich dazu zum jetzigen Zeitpunkt schon sagen, dass die in Wikipedia veröffentlichte Ableitung des Studienergebnisses sämtlicher Psychologischer Forschung, Klinischer Beobachtung und Symptompräsentation von Narzissten widerspricht. Damit kritisiere ich nicht die Forscher, sondern gebe zu bedenken, dass erforderlich ist, genau zu schauen, WAS diese Forscher da gemessen haben und ob es tatsächlich das ist, was Wikipedia vorgibt bzw. das ist, was hier als Selbstwert diskutiert wurde. Geht es um das Selbstwerterleben eines Narzissten (erlebtes Gefühl) oder um den Aufbau seines innerpsychischen Selbstkonzepts (nicht-bewusst verankerte Struktur, die ein bestimmtes Erleben ermöglicht). Ich habe meine Zweifel.


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Narzissmus/seelischer Missbrauch in Beziehungen

04.06.2019 um 20:00
traces schrieb:1. Ein Narzisst verwendet massive Energie in solchen Situationen auf (warum eigentlich, wenn er doch nicht nur ein stabiles, sondern sogar überstabiles Selbstwertgefühl habe, das sogar unbewusst in gleicher Stärke verankert sei?)
Von einem Stabilen oder Überstabilen Selbstwertgefühl ist nirgends die rede. Sondern von einem überzogenem, eben etwas in einem zu großen Maße. Das ist was anderes. Selbst wenn darin, in dieser übergroßen Blase, stabile Anteile scheinbar gefunden wurden.
traces schrieb:3. Wieso muss er Techniken der Entmachtung seines Gegenübers anwenden, wenn er doch im tiefsten Innersten tatsächlich davon überzeugt ist, er sei mächtiger als alle anderen? Hätte er es dann immer noch nötig, sein Gegenüber eine "Macht" zu nehmen, die er laut seines Selbstkonzeptes doch eigentlich gar nicht hat?
traces schrieb:4. Warum kommen bei einem Narzissten in einer solchen alltäglichen Situation plötzlich Abwehrmechanismen zum Tragen, die wir eigentlich hauptsächlich von Traumatisierten kennen - Menschen also, deren Selbstkonzept durch eine Erfahrung nicht nur belastet, sondern zutiefst erschüttert wurde und das ohne diese Abwehrmechanismen in sich zusammenfiele, wie z.B. Abspaltung und Leugnung?
traces schrieb:2. Wenn ein Narzisst über ein enorm positives Selbstwertgefühl verfügt, das sogar ebenso stabil in seinem Unterbewussten verankert ist - wie kommt es dann zu Fight-Flight-Reaktionen?
Ich denke die meisten denken da zu kompliziert. Umso wichtiger etwas für einen Menschen ist, umso mehr Liebe er in etwas steckt, umso mehr er an etwas fest halten will, umso schwieriger wird es für ihn, bei Gegenwind zu dieser geliebten Sache ruhig zu bleiben. Ganz normale Sache.
Das bei Narzissten vermehrt andere abgewertet, verletzt udg. werden, wird mit Sicherheit aus mehrere Faktoren bestehen. Zum einen fehlt schlicht oft einfach der empathische Bezug zum Gegenüber, weshalb er selbst seine Aussagen, öfter als andere, nicht als verletzend wahrnimmt. Zum anderen wird er dies nicht selten auch tun, um einem Ziel welches er damit verfolgt, Nachdruck zu verleihen. Eben auf Kosten des Gegenübers. Da er sowieso die meiste Zeit nur sich selbst im Blickfeld hat. usw.


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06.06.2019 um 11:05
@Flitzschnitzel

Ich denke, wir diskutieren hier gerade über Semantik und das tun Fachleute auch gelegentlich.

Das Wort Selbstwertgefühl hat ja keine derart eindeutige Definition, daher sieht es jeder etwas anders.

Für mich und wohl die meisten ist Selbstwertgefühl das Gefühl, das mir vermittelt, aus mir selbst heraus einen Wert zu haben. Das führt dazu, dass man nicht permanent im Mittelpunkt stehen muss, das führt auch zu Frustrationstoleranz und es führt dazu, dass man sich seiner selbst gewiss, dann auch anderen Menschen empathisch zuwenden kann, weil man hinter den Selbstwert schon einen dauerhaften Haken gemacht hat. Es bedeutet meines Erachtens nicht, von äußerer Bestätigung völlig unabhängig zu sein, das wäre dann doch des Guten zu viel. Ein Mensch, der ein gesundes Selbstwertgefühl hat und permanent von außen abgebürstet wird und nie Bestätigung bekommt, wird damit sicher auch nicht glücklich.

Ein Narzisst hat jeden falls oben beschriebenes nicht. Entweder man nennt es dann ein sehr schwaches oder dysfunktionales Selbstwertgefühl, dann ist es aber ja auch eigentlich gar keins mehr. Stattdessen baut er ein Größen Ich auf, das von der Bestätigung lebt und von der kleinsten Kritik zutiefst gekränkt wird. Da würde ich jedenfalls auch nicht den Begriff Selbstwertgefühl für verwenden. Daher hat er / sie dann auch keine Gelegenheit zur Empathie und das Ergebnis wird wie in einem alten Bonmot sein:

Ich bin eigentlich sehr nett, ich komme nur nie dazu.


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