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Wenn Flüchtlinge nach der Taufe fragen

68 Beiträge, Schlüsselwörter: Islam, Christentum, Konversion
interrobang
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Wenn Flüchtlinge nach der Taufe fragen

19.11.2017 um 20:11
@AgathaChristo
Das funktioniert dahingehend das christen aus ländern wo sie verfolgt werden einen eindeutigen asylgrund haben. Als christ aus zb dem iran ist es zb sehr unwahrscheinlich abgeschoben zu werden.


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19.11.2017 um 20:20
Ich kenne persönlich durch die Flüchtlingshilfe Afghanen die konvertieren / konvertiert sind.

Einer davon hat mir persönlich gesagt er hätte aus taktischen Gründen konvertiert. Sei aber jetzt vom Christentum überzeugt. Kennt aber so einfache Dinge wie Weihnachten bis jetzt nicht.

Der andere geht regelmäßig zu Kirche meint aber das der Islam nicht so einfach aus ihm raus geht.
Ich denke das ist nachvollziehbar. Würde ich jetzt die Religion wechseln würde ich eventuell auch vergleichen.


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Wenn Flüchtlinge nach der Taufe fragen

19.11.2017 um 20:45
d.fense schrieb: wo man eingegraben wird ist doch ziemlich egal, Gott findet einen überall wie es doch so schön heißt ;)
Genau das ist eben nicht ziemlich egal, wobei ich das jetzt weniger esotherisch sehe, also ob einen Gott findet, aber soll ja Leute geben, die haben sowas wie ein Familiengrab und dann gibt es Angehörige, die es vielleicht vorziehen, ihren Verstorbenen gerne auf dem katholischen Dorffriedhof besuchen wollen ...


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19.11.2017 um 20:50
interrobang schrieb:Als christ aus zb dem iran ist es zb sehr unwahrscheinlich abgeschoben zu werden.
der christliche glaube eines flüchtlings besteht lediglich aus seiner aussage oder die der familienmitgliedern, die das bestätigen. auskünfte aus den flüchtlingsländer bekommt man nicht, sie werden lediglich registiert, denn wenn sie zurück kommen, dann gnade gott!

also es ist nicht einfach, flüchtlinge aufzunehmen, wenn man ihre wahre geschichte im vorfeld bürokratisch nicht erkennen kann.


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19.11.2017 um 20:52
@interrobang
@AgathaChristo

Der Schutz vor Abschiebung bei einer Konversion ist möglich, aber keineswegs ein Automatismus.
Das BaMF sagt nicht:,,Oh, du bist Christ geworden? Oh, na gut, hier hast du deine Asylbewilligung, viel Spaß."

Was geschieht, ist in gewissem Ausmaß eine Prüfung, aber da gibt es keine einheitlichen Regelungen. Teilweise werden den Konvertiten wohl spezifische Fragen zum christlichen Glauben gestellt. Allerdings auch von einer Art, bei der wohl auch ein einheimischer Durchschnittschrist Schwierigkeiten bekäme.

Aber sagen wir mal, wenn du auf die Frage, wer denn Jesus war, mit der Antwort ,,war das nicht so ein Mexikaner" kommst, dann schützt dich das nicht vor Abschiebung, auch wenn du angeblich getauft wurdest.


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19.11.2017 um 21:22
Kc schrieb:Seit einigen Jahren, speziell seit einer erhöhten Anzahl an Asylsuchenden in Deutschland (und sicherlich auch Österreich u Schweiz), verzeichnen die verschiedenen christlichen Kirchen einen deutlichen Anstieg an Taufbegehren.
Glaubst du nicht, dass das ein erwartbarer Effekt ist? Schließlich ist seit Jahrzehnten (und besonders um 2010, als der Missbrauch der Kinder in kirchl. Institutionen bekannt wurden) die Anzahl an Taufbegehren rasant und ausnahmslos gesunken.


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20.11.2017 um 00:04
Vielleicht ist es auch ein ganz normaler Effekt der zustande kommt wenn eine größere Masse jetzt neu im Land ist. Vielleicht gibt es auch Flüchtlinge die zum Buddhismus übertreten und man merkts nur nicht weils entsprechend der Präsenz der Religionen passiert, und das Christentum hier besser sichtbar ist als das andere, also alles in Relation geschieht und es daher natürlich viel weniger Neu-Buddhisten sind. 

Insgesamt ists ja immernoch eine Minderheit der Flüchtlinge die übertritt und viele werden hier halt zum ersten Mal mit allen möglichen Religionen konfrontiert, da kanns gut sein dass man etwas Neues kennenlernt und findet, dass das doch ganz gut zu einem passe also wieso dann nicht auch einsteigen. So gesehen ist Deutschland ja etwas wie ein Supermarkt wo man alle Angebote auf einmal sieht und sich entscheiden kann. Dazu kommt dass viele bestimmt jünger sind und sich bisher nie so recht für Religion interessierten oder wegen des Krieges interessieren konnten, jetzt aber mal die Zeit und Muße haben. Die vorher genannten Gründe gibts natürlich auch, also Annahme aufgrund von Abschiebungsstopp oder weil man wegen der IS vom alten Glauben abtreten will. Denke es gibt keinen Hauptgrund sondern individuell verschiedene.


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20.11.2017 um 03:30
Naja, was man auch nicht vergessen darf:

Die Hürde ist gar nicht so elend gross. Christentum und Islam haben sehr viel Überschneidung, der Islam kennt sogar Jesus (wenn auch als Prophet, nicht als Sohn Gottes).

Dass man da sagt "schau her, das passt dann doch besser zu mir als modernem Menschen (den Glauben ganz aufgeben kann ich nicht)" ist für mich nachvollziehbar, zumal sich die christlichen Kirchen (gerade die freien) sicher auch rosig und fortschrittlich präsentieren dürften. Was so an Dreck passiert (christlicher Terrorismus, Missbrauch etc) wird da sicher unter den Teppich gekehrt um schön Mitglieder zu sammeln.

Letztendlich kann ich mir schon vorstellen dass das Menschen gefällt, die gerade aus einem Krieg fliehen, der von Fanatikern aus vorgeschobenen Gründen der Religion geführt wird.

Plus, ich denke auch mal dass viele das auch als Teil der Integrationsbemühungen sehen. Der Schritt ist ja, wie schon oben erwähnt, gar nicht so groß...


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20.11.2017 um 07:59
@Kc
Ich habe jetzt schon mehrfach als Begruendung gehoert, dass die Leute vom Islam enttaeuscht sind, speziell deshalb, weil aus islamischen Laendern kaum Hilfe kommt, waehrend christliche sie aufnehmen.


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20.11.2017 um 08:46
Alari schrieb: waehrend christliche sie aufnehmen.
Saudi Arabien hält seine Tore verschlossen.
Sieh dir aber die Zahlen von Jordanien, Libanon, Ägypten und Türkei an.



FlchtlingsaufnahmeEuropa


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20.11.2017 um 08:47
@Kybela
Das ist richtig, aber die Bedingungen dort sind unter aller Kanone.


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Chu
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Wenn Flüchtlinge nach der Taufe fragen

20.11.2017 um 14:17
Kc schrieb:Mich würde, unter anderem zur Vorbereitung eines Forschungsprojektes, interessieren, welche Gründe die Betreffenden zum Wunsch einer Konversion bewegen?Seid ihr aktiv in der Flüchtlingshilfe, bei Kirchengemeinden und dergleichen und/oder kennt Menschen ehemals muslimischen Glaubens, die sich für eine Konversion entschieden haben? Oder mit dem Gedanken spielen?Könnt ihr etwas dazu sagen, was diese Menschen bewegt?
Nunja, eine Erklärung ist, dass viele Flüchtlinge versuchen, sich anzupassen, der "neuen Heimat" irgendwie entgegenzukommen. Durch den Umzug, die neue Sprache, etc. entwickelt sich natürlich eine neue Identität - es steht viel Veränderung bevor.
Da muslimische Länder oft wesentlich religiöser geprägt sind und man als Bürger beispielsweise im Iran einer islamischen Republik, also einer (prädentiellen) Theokratie untersteht, sind Religion, Staat und Gesellschaft viel stärker mit Religion verbunden. Wenn man also davon ausgeht, dass jemand ein solches Staatssystem kennt, darin aufgewachsen ist und ein Teil der Identität ist, dann könnte man nun die Theorie aufstellen, dass sich einige Anfragen für christliche Taufen dadurch begründen lassen. Vereinfacht: Man möchte dazugehören. um das zu tun, wird man Christ, denn als Muslim in einem muslimischen Land wird man angenommen.

Geht es hier um Taufen oder generell steigende Mitgliedschaft?


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20.11.2017 um 17:13
@Chu

Es geht um Taufen. Das heißt um Menschen, die den christlichen Glauben erst annehmen. Neueintritte v ehemaligen Kirchenmitgliedern sind kein Thema.

Deine Ideen klingen plausibel, das habe ich auch schon vermutet.


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Chu
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Wenn Flüchtlinge nach der Taufe fragen

20.11.2017 um 17:54
@Kc
Naja, es gibt freilich mehrere Argumente und Begründungen dafür.
Doch die Kirche ist generell, welcher Religion auch immer sie angehört, ein Ort des Zusammentreffens. Kann mir auch gut vorstellen, dass man hier erste Kontakte knüpft, denn Gemeinden sind meist sehr familiär. Und gerade in Deutschland ist es sicherlich nicht so einfach, Kontakte zu knüpfen und es ist einem jeden Menschen wichtig, soziale Kontakte zu haben. Vorallem in einem fremden Land mit so vielen kulturellen Unterschieden. In einer Kirchengemeinde wird man schnell aufgenommen.

Ich muss ehrlich sagen, diese Idee ist wirklich gut.

Generell sind die abrahamischen Religionen recht aneinander anlehnend, Jesus gilt als Prophet im Islam. Dementsprechend ist es "nichts vollkommen abwegiges" inhaltlich.


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20.11.2017 um 20:17
Man muss auch bedenken dass jeder der nicht explizit Christ ist - und das ist normalerweise auch nur dann der Fall wenn er in einer christlichen Familie geboren wurde, - automatisch Papier-Muslim ist, wenn er aus Schariastaaten kommt. Gibt dort natürlich auch viele die eigentlich agnostisch oder atheistisch sind, aber die sind dennoch auf dem Pass und co "muslimisch" und öffentlich sagt man da dem Glauben ja nicht ab, zumal man keine Steuer oder sowas zahlt wie hier mit der Kirche. Also machts auch aus dieser Sicht wenig Sinn das dort tun zu wollen. Ist also gut möglich dass sich viele schon seit Ewigkeiten als Christen sahen oder Interesse am Christentum hatten aber dort nicht übertraten und das jetzt tun, auch wenn sie laut Papieren schon immer Muslime waren, angeblich.

Wie das vorher gesagt wurde ist ja das Christentum dort auch nicht komplett aus der Gesellschaft raus. Selbst im Iran sah ich Jesus-Teller oder Jesusfiguren und sowas in Läden zu kaufen (vowiegend natürlich nur Ahura Mazda, weil Nationalsymbol). Jesus ist ja auch bei Muslimen eine Vorbildsfigur und ein angesehener Philosoph und Prophet, nur halt nicht der Sündenretter. Dasselbe gilt für den Rest der Bibel und biblische Figuren, der Koran beruft sich ja aufs Alte Testament, hat daher auch die meisten Gesetze, die Denke usw. Die Muslime wurden von den Christen in den ersten Jahrhunderten daher auch meist als Ketzer gesehen, also christliche Apostaten oder Abweichler. Also gibts bestimmt viele die sich von dieser Form der abrahamitischen Religionen schon immer angezogen fühlten und hier dann die Möglichkeit haben weiter zu gehen. Ist aber wie gesagt auch nur ein Grund wieder, wie gesagt gibts bestimmt verschiedene.

@Chu
Ja stimmt das auch. Christen-Migranten (also auch aus der EU) gehen hier auch oft zuallererst zu christlichen Treffen. Zumal Großstädte häufig Gottestdienste in verschiedenen Sprachen anbieten (auch für Migranten zB), dazu kommt dass Kirchen generell oft in Flüchtlingshilfen involviert sind, die Flüchtlinge also wahrscheinlich häufig positive Erfahrungen mit Pfarrern oder jungen Leuten haben die sich bei christlichen Einrichtungen engagieren.


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Chu
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Wenn Flüchtlinge nach der Taufe fragen

20.11.2017 um 20:57
Sixtus66 schrieb:Ist aber wie gesagt auch nur ein Grund wieder, wie gesagt gibts bestimmt verschiedene.
Ja, aber mit dem Punkt hast du auch recht!
Es ist ja das spannende, wenn man die vielen Gründe dafür entdeckt und nebeneinander stellen kann :)
Sixtus66 schrieb:Chu
Ja stimmt das auch. Christen-Migranten (also auch aus der EU) gehen hier auch oft zuallererst zu christlichen Treffen. Zumal Großstädte häufig Gottestdienste in verschiedenen Sprachen anbieten (auch für Migranten zB), dazu kommt dass Kirchen generell oft in Flüchtlingshilfen involviert sind, die Flüchtlinge also wahrscheinlich häufig positive Erfahrungen mit Pfarrern oder jungen Leuten haben die sich bei christlichen Einrichtungen engagieren.
Genau. Generell sind solche Leute, vorallem die, die sich ehrenamtlich Engagieren und ein Teil solcher Gemeinschaften sind, oft auch sehr sozial und zugänglich. Natürlich gibt es Ausnahmen. Auf dem Land, auf dem beispielsweise der Kirchengang Pflichtprogramm ist, ist das bestimmt weniger so als in der Großstadt, wo sich die Gemeindemitglieder "freiwillig" dafür entscheiden.


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Wenn Flüchtlinge nach der Taufe fragen

21.11.2017 um 09:24
Da stellt sich mir gleich die Frage, was bewegt Menschen überhaupt zur Konversion. Anbei denke ich, dass es Menschen gibt welche den tieferen Zugang zu ihrem bisherigen Glauben nicht gefunden haben. Da sie ihre eigenen Wertevorstellungen mit dem des Glaubens nicht vereinbaren können. Da kann natürlich der Wechsel in eine andere Kultur zur Konversion auch Beitragen.


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21.11.2017 um 09:42
schluesselbund schrieb:Da stellt sich mir gleich die Frage, was bewegt Menschen überhaupt zur Konversion.
Das kann von Opportunismus bis tiefste religiöse Überzeugung alles sein.


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21.11.2017 um 09:59
hallo-ho schrieb:Das kann von Opportunismus bis tiefste religiöse Überzeugung alles sein.
Klar Opportunismus findet sicher auch Zugang zur Konversion. Nur würde ein tief religiöser Mensch zum Opportunisten werden?


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21.11.2017 um 10:02
@Kc


Ich arbeite zwar seit Jahren mit Geflüchteten, habe aber nicht den Eindruck, dass sich hier oben kurz unterm Nordpol wirklich nennenswerte Zahlen von konversionswilligen Nicht-Christen unter den Geflüchteten ausmachen lassen. Zumindest ist weder mir noch dem lokalen Diakonischen Werk bzw. der Kirchengemeinde ein Fall bekannt.

Unter den Geflüchteten finden sich allerdings Christen, die vor der Verfolgung in ihren Heimatländern geflohen sind (Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Russland, Syrien). Die gehen, verglichen mit den eingeborenen Christen, deutlich "offensiver" mit ihrem Glauben um, halten Fastenzeiten, Sonntagsruhe, Festtage strenger ein und gehen auch häufiger zu Gottesdiensten. Für manche ist eben eine Form von Tradition und Heimatgefühl, die ihnen Sicherheit vermitteln. Auch wenn ich den Glauben anderer nicht teile, so respektiere ich ihn.

Die Motive, in der BRD vom Islam (ich denke, darum geht es hauptsächlich) zum Christentum zu konvertieren, sind so vielfältig wie die Konvertiten. "Nicht auffallen wollen", Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft, Dankbarkeit gegenüber christlichen HelferInnen, neue Partnerschaften mit Christinnen/Christen, "Missionsopfer" oder auch die Idee, als Konvertit bei Abschiebung in den Herkunftsländern bedroht zu sein und deshalb einen erneuten Asylantrag stellen zu können - oder eben eine echte Glaubenserfahrung: Möglich ist alles.

Was ich allerdings erlebe, ist, dass viele Geflüchtete hier mit ihren muslimischen Traditionen und Regeln brechen und mir dann sagen: Hier MUSS ich ja nicht mehr, hier kontrollieren mich weder Chefs noch Nachbarn, weder Revolutionsgarden noch Religionspolizei, weder Taliban noch Boko Haram.

Hier kann ich unverschleiert herum laufen, schwul/lesbisch sein, mir meinen Partner selbst suchen, arbeiten gehen, Bier trinken und Grillwürstchen essen oder nachts auf die Strasse gehen. Diese Freiheiten scheinen mir vor allem Frauen zu geniessen. Vielleiciht haben die auch keine Lust, sich in ein neues religiöses Korsett zwingen zu lassen.

Ich bin gespannt, was Deine Studien ergeben.


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