Eins vorweg: Jeder, wirklich jeder Erwachsene sollte einen Organspendeausweis besitzen und ihn stets bei sich tragen – unabhängig davon, ob die Entscheidung für oder gegen eine Spende ausfällt. Andernfalls kann es im Ernstfall dazu kommen, dass Angehörige eine Entscheidung treffen müssen, die im schlimmsten Fall nicht dem Willen der betroffenen Person entspricht. Es sollte nicht zu viel verlangt sein, sich einmal gründlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Ich selbst besitze seit vielen Jahren einen Organspendeausweis und stehe dem Thema positiv gegenüber. Wenn im für mich schlimmsten Fall andere Menschen durch meine Organe eine Chance auf ein Weiterleben erhalten, ist das für mich ein guter Gedanke. (Übrigens,
@Ole_ ,Plastikkarten gibt es bereits seit mindestens 2018 – damals habe ich meine ausgefüllt und das zerfledderte Pappkärtchen entsorgt.)
Ich weiß nicht, ob es hier bereits erwähnt wurde, aber Corneaspende (Augenhornhaut) ist bei fast allen Verstorbenen innerhalb von 72 Stunden nach dem Tod möglich. Es gibt einige Ausschlusskriterien, zum Beispiel schwerwiegende neurologische Erkrankungen (z. B. Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, ALS, MS), Tumore des blutbildenden Systems (z. B. Leukämie, myelodysplastisches Syndrom, Lymphome, Plasmozytom) oder Infektionskrankheiten wie HIV sowie Hepatitis B und C. Eine obere Altersgrenze gibt es nicht.
Auch mit dieser Form der Gewebespende sollte man sich meiner Meinung nach auseinandersetzen und vor allem mit den nächsten Angehörigen darüber sprechen.
Hier spreche ich aus eigener Erfahrung: Keine 24 Stunden nach dem Tod meiner Mutter im Krankenhaus erhielt ich einen Anruf mit der Frage, ob ich einer Entnahme der Cornea zustimme. Sie hatte zu Lebzeiten keinen Organspendeausweis und somit auch keine klare Entscheidung hinterlassen. Dieser Anruf traf mich völlig unvorbereitet – und natürlich zu einem denkbar unpassenden Zeitpunkt.
Ich bat um eine kurze Bedenkzeit, da ich zunächst meine Geschwister einbeziehen wollte. Letztlich habe ich nur mit einem Bruder gesprochen, der meiner Meinung war. Unsere Mutter hatte zu Lebzeiten mehrfach geäußert, dass ihre Organe nach ihrem Tod gerne weiterverwendet werden können, sofern sie noch gebraucht werden. Meine anderen Geschwister standen und stehen dem Thema Organspende eher ablehnend gegenüber. Am Ende haben mein Bruder und ich die Entscheidung für die Hornhautspende getroffen.
Deshalb nochmals mein Appell: Trefft eure Entscheidung – egal ob pro oder kontra –, aber trefft sie bewusst und haltet sie schriftlich fest. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es für Angehörige sehr belastend ist, inmitten der Trauer auch noch solche Entscheidungen treffen zu müssen.
Zum Thema „Lebendspende“: Es ist schön zu sehen, dass es hier viele Menschen gibt, die regelmäßig Blut spenden. Ich selbst bin aufgrund einer Erkrankung davon ausgeschlossen. Deshalb an dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle, die das tun.
Gibt es hier auch User, die bei der DKMS registriert sind? Ich war dort ebenfalls einmal registriert, bin inzwischen jedoch krankheitsbedingt ausgeschlossen. Wer gesund ist und zwischen 17 und 55 Jahre alt, kann durchaus darüber nachdenken. Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich als Spender infrage zu kommen, ist zwar gering – aber im Ernstfall kann man damit ein Leben retten.
J.P.Rabo schrieb am 21.03.2026:Ich wäre dafür, dass jemand, der nicht spenden will, auch im Ernstfall keine Organe erhält.
rainlove schrieb:Das ist unmenschlich.
Warum empfindest du das als unmenschlich? Kannst du das näher erläutern?
Ich selbst sehe das etwas anders: Einerseits selbst nichts spenden wollen, im Bedarfsfall aber alles annehmen – das erscheint mir nicht stimmig. Wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht spenden darf, ist es selbstverständlich, dass diese Person im Ernstfall dennoch eine Spende erhalten kann. Aber ansonsten sollte man sich schon hinterfragen, ob ein reines „Nehmen“ richtig ist – oder nicht vielmehr egoistisch. In meinen Augen trifft Letzteres zu: Es ist Egoismus pur.