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Wer oder was wolltet Ihr werden, und wer oder was seid ihr geworden?

219 Beiträge, Schlüsselwörter: Träume, Realität, Wünsche, Perspektiven

Wer oder was wolltet Ihr werden, und wer oder was seid ihr geworden?

03.06.2019 um 13:01
Ich wurde in der ersten Hälfte der 50ziger geboren. An einen konkreten Berufswunsch als Kind kann ich mich nicht erinnern. Mein Vater arbeitete "auf dem Büro" und schon bevor ich mit 6 Jahren in die Volksschule eingeschult wurde, wurd mir klargemacht, dass ich später einmal die "höhere Schule" (Gymnasium) besuchen sollte.

Als ich 10 Jahre alt war, war es dann soweit - zwei Schüler aus unser Klasse wechselten aufs Gymnasium. Wir mussten mit dem Zug in die nächste Kleinstadt fahren, in der es ein sprachlich ausgerichtetes Gymnasium gab. Ich war dort immer ein schlechter Schüler und ich habe auch kaum gute Erinnerungen an die Zeit auf dem Gymnasium. Ich hasste es Gedichte zu interpretieren - warum hat der Dichter nicht einfach geschrieben, was er meint? Die Frage, warum verwendet der Dichter diesen oder jenen Ausdruck konnte ich meistens nur damit beantworten, dass sich wohl nichts anders reimte.

Der Vater eines Mitschülers besaß einen Lastzug. Der beeindruckte mich irgendwie und ich fand es toll soetwas auch mal fahren zu können. Da war ich aber schon 16 Jahre alt, ein Alter, in dem sich viele andere schon für einen Beruf entschieden hatten.

Endlich war die Schule zu Ende und ich hatte das Abitur in der Tasche. Nach dem Willen meiner Eltern (man wurde damals erst mit 21 Volljährig) sollte ich mich freiwillig zur Bundeswehr melden. Da konnte ich Offizier werden und studieren. Bis zur Einberufung in eine - glücklicherweise nahe gelegene - Kaserne war noch ein halbes Jahr Zeit. Während dieser Zeit habe ich in einer Maschinenfabrik gearbeitet. Die Kollegen und der Meister waren nett, die Arbeit interessant und ich verdiente zum ersten mal gutes Geld.

Die Bundeswehr fand ich dann nicht mehr so toll. Es war mir sehr schnell klar, dass ich nicht länger dabeibleiben wollte als zwei Jahre, zu denen ich mich verpflichtet hatte und auch kein Offizier werden wollte. Nachdem ich dieses gegenüber meinem Vorgesetzen geäußert hatte, wurde ich erstmal in die Fahrschule geschickt, um den LKW-Führerschein zu machen. Im nachhinein betrachtet, schienen mich meine Vorgesetzten zu mögen, denn ich wurde auf Lehrgänge geschickt und wenn es etwas von der täglichen Routne abweichendes zu erledigen gab, wurde es oft mir übertragen.

Mit dem Studium bei der Bundeswehr und einer Offzierslaufbahn war ja nun nichts geworden, aber studieren sollte ich auf jeden Fall. BWL würde ich wohl nicht schaffen, aber zu einem Maschinenbaustudium (das mich auch interessierte) gehörte ja vor allem Fleiß und man musste sauber zeichnen können. Etwas mehr als Fleiß war dann wohl doch notwendig und ich will auch nicht behaupten, dass mir das Studium leichtgefallen ist. Im Maschinebaustudium konnte man sich aber immer mal einge Zeit freimachen und dann bin ich im internationalen Fernverkehr gefahren - dafür brachte ich unabdingbare Voraussetzen mit: bei der Bundeswehr hatte ich fahren gelernt und auf dem sprachlich augerichteten Gymnasium nicht nur Latein, sondern auch englisch und französich gelernt. Nach dem Vordiplom wählte ich dann die Vertiefungsrichtung Kraftfahrzeuge und Verbrennungsmotoren.

Da ich mich ja schon als 16 jähriger für LKW interessiert hatte, bewarb ich mich bei einem Nutzfahrzeughersteller. Dort konnte ich mir ein sehr breites, aber wenig in die Tiefe gehendes Wissen aneignen. Nach einigen Jahren dort wechselte ich zu einem großen Zulieferer, wo ich als Produktentwickler arbeitete.

Das hört sich interesant an und war es auch während mehr als in den ersten 10 Jahre dort. Kunden besuchen, deren Wünsche entgennehmen, versuchen, diese umzusetzen, das gleiche mit Lieferanten - allerdings dort in der Rolle des Kunden, Entwürfe und Berechnungen, die mit dem Kunden diskutiert wurden. Das ganze war mit einigermaßen häfigen (aus meiner Sicht zu vielen) Reisen auch ins außereuropäische Ausland verbunden. So entsteht unter Berücksichtigung vieler Aspekte wie nicht zuletzt auch der Logistik, dem Preis und der Produzierbarkeit ein für den vorgesehenen Einsatzweck optiemiertes Produkt. Man entwickelt sich selbst dort positiv ausgedrückt zu einem Spezialisten und negativ ausgedrückt zu einem Fachidioten. Als alternativer Arbeitgeber kommen dann fast nur Wettbewerber des eigenen Arbeitgebers in Frage.

Der Firma ging es gut und man hätte mehr verkaufen können, wenn die Produktionskapazitäten da gewswen wären. Ist es da angesagt, neuen Produkte zu entwickeln? Als Produktentwickler bekam man immer mehr andere Aufgaben zugeteilt, die in keiner weise der Qualifikation und den Erfahrungen auf dem Fachgebiet entsprachen. Irgendwann hörte ich dann mal den Spruch: "Wer glaubt, dass ein Produktentwickler Produkte entwickelt, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet." Hatte ich dafür studiert?

Als ich Ende Vierzig war, habe ich dort gekündigt. Eine neue Festanstellung wollte ich - mindestens zunächst - nicht, da ich ja gelernt hatte, selbstständig zu arbeiten und Entscheidungen zu treffen.

Ich bin dann freiberuflicher Sachverständiger geworden. Während ich mich bei der Arbeit bei dem Zulieferer später nicht mehr auslastetet fühlte und ich mich oft fragte, wozu die Arbeit, die ich machte überhaupt notwendig war, war das bei der Arbeit als Sachverständiger das Gegenteil und ich fühlte mich im Zweifel eher überfordert. Es war halt notwendig, die eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen zu können und einen Auftrag auch mal nicht anzunehmen. Das Einkommen war sowieso sehr viel niedrieger als bei dem Zulieferer aber dafür war meine Arbeit interessant und vor allem - notwendig.

Um auf die Eingangsfrage des TE zurückzukommen:

Ich wusste erst sehr spät (oder garnicht), was ich werden wollte, aber ich bin heute zufrieden mit dem, was aus mir geworden ist.


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03.06.2019 um 13:17
Wie so viele Kinder der 70er Jahre war eines meiner frühesten Idole Jaques Cousteau und 'so was mit Delfinen' wollte ich dann auch mal werden.

Einige Jahre später fiel mir dann auf, dass Menschen, die 'so was mit Delfinen' machen wollen gar nicht so gesucht sind.

So verschlug es mich in die Medizintechnik. Macht zwar weniger Spaß, man ist auch weniger berühmt, aber nicht arbeitslos.

Aber noch eine Geschichte zum Thema Berufswünsche, die ich vor vielen Jahren erlebte:

Ein Kollege und ich hatten beruflich viele Dinge gemeinsam zu tun. Ein freundlicher aber etwas verpeilter Vorgesetzter von uns stellte uns einen älteren Herrn vor, der Kunde war und fragte uns: 'Ratet doch mal, was der Herr beruflich macht?'

Wir 'Grummel, keine Ahnung, gib doch mal einen Tipp.' Der ältere herr schaute noch recht unbeteiligt.

Vorgesetzter: 'Das ist etwas, das jeder Junge mal werden möchte.'

Mein Kumpel darauf, als wäre es ja jetzt ganz leicht ohne Nachzudenken: 'Pornodarsteller!'

Jetzt schaute der ältere Herr nicht mehr unbeteiligt.

(Im Nachgang stellte sich heraus, er war Schatztaucher gewesen.)


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03.06.2019 um 14:12
Angel67 schrieb:Also machte ich eine Ausbildung zur Schreinerin ( die hatten welch ein Glück nebendran ein separates WC ) .
Ich war zwar das einzige Mädchen und mußte mich ganz schön durchsetzen, aber egal, ich hab’s geschafft.
@Angel67
ich finde es absolut Super das Du Deinen Traumberuf gefunden hast und dich durchsetzen konntest :)
roadcaptain schrieb:aber ich bin heute zufrieden mit dem, was aus mir geworden ist.
@roadcaptain
ich glaube die Zufriedenheit ist das wichtigste von allem.
Eine interessante Lebensgeschichte, danke das Du sie mit uns teilst


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Wer oder was wolltet Ihr werden, und wer oder was seid ihr geworden?

03.06.2019 um 16:02
Als Kind und auch als Jugendlicher hatte ich nie einen besonderen Berufswunsch. Vielmehr schien es mir sozusagen in die Wiege gelegt worden zu sein, Hochschullehrer zu werden. Mein Vater war Hochschullehrer und ich schien prädestiniert dafür, in seinen Spuren zu folgen, da ich den lieben langen Tag meine Nase in Bücher steckte (wofür mein Vater mitverantwortlich war, der am Tag meiner Geburt den Fernseher der Familie zum Sperrmüll stellte).

Mit fast dreißig war ich dann so weit. Anfangs gab es mir einen ungeheuren Kick, lauter hochbegabte, hoch motivierte junge Menschen an meinen Lippen hängen zu sehen, doch dieser Kick ließ mit der Zeit nach. Ich ertappte mich dabei, wieder und wieder an denselben Stellen dieselben Witzchen zu reißen und Fragen zu beantworten, bevor sie gestellt wurden.

Nach drei Jahren hatte ich genug und stürzte mich ins reale Erwerbsleben, machte dies und das in diversen Ländern: Marktanalyst in Großbritannien, Immobilienentwickler in Thailand, Banker in der Schweiz, Unternehmensberater in China.

Zuletzt habe ich ein Start-up gegründet, das sich auf den Wirtschafts- und Bildungsaustausch zwischen der EU und China fokussiert – wofür der jetzige Zeitpunkt natürlich suboptimal ist. Letzteres haben wir bereits sehr deutlich zu spüren bekommen, darum versuchen wir, in Ländern wie Vietnam, Myanmar und Nepal einen Fuß in die Tür zu bekommen. Mal schauen, ob und wie es läuft …

Falls es nicht klappen sollte, mache ich eben wieder etwas anderes, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Wenn ich etwas aus meinen überlangen Studienjahren mitgenommen habe, dann das beruhigende Gefühl, dass ich auch mit wenig Geld gut leben und viel Spaß haben kann.


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03.06.2019 um 17:02
Konkrete Berufswünsche waren nicht so meines, eher ein zielloses Herumtreiben. Vom Leben hab ich mir so ziemlich alles genommen, was zu kriegen war.
Schule geschmissen und ab zur BW.
Da hab ich dann zum ersten Mal den Knall gehört.
Mein Glück war, dass mein Gruppenleiter, ein UFFZ, dumm war wie eine Gabel Heu. Er war, kraft seines Rangs, allerdings weisungsbefugt und liess das nur allzu gerne an denen aus, die ihm anvertraut waren.
Da wurde mir klar, dass ich nicht glücklich werden würde, wenn in einem irgendwann mal zu ergreifenden Beruf solche Heiopeis über mich und meine Arbeit zu urteilen hätten.
Ich hab dann nach der BW parallel eine kaufmännische Ausbildung gemacht und das Abi nachgeholt.
Dann studiert und jetzt leb ich von der Hand in den Mund und bin glücklich. :)

Ach ja: Und weil ich darauf stehe mich regelmässig beschimpfen zu lassen hab ich mir auch noch den Modjob bei Allmy angetan.
Das einzige, was mir jetzt noch fehlt ist ein Nagelbrett ... oder ein Büssergürtel ... oder ....


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03.06.2019 um 17:19
SolaScriptura schrieb:Nu bin ich Pastorin.
filiz schrieb:Ich bin nun Informatikerin
Meggie schrieb:ch wollte Pferdewirtin werden
Meggie schrieb:Heute arbeite ich in der Küche von einem Restaurant und mittlerweile koche ich alleine a la Carte.
Vargas schrieb:Es ist schon fast Ironie: ich arbeite in der Finanz 😂 und das sogar sehr gerne.
Angel67 schrieb:Also machte ich eine Ausbildung zur Schreinerin ( die hatten welch ein Glück nebendran ein separates WC ) .
Ich war zwar das einzige Mädchen und mußte mich ganz schön durchsetzen, aber egal, ich hab’s geschafft.
Als ich dann noch nebenbei anfing Motocross und Sandbahnrennen zu fahren hat’s meinen Eltern endgültig die Sprache verschlagen 😄
Deine Geschichte gefällt mir am Besten! Beide Daumen hoch, so wie Du Dich durchgesetzt hast - Respekt! Genau so sollte es bei jedem sein!
roadcaptain schrieb:Ich bin dann freiberuflicher Sachverständiger geworden.
sacredheart schrieb:So verschlug es mich in die Medizintechnik.
VanDusen schrieb:Zuletzt habe ich ein Start-up gegründet
VanDusen schrieb:Falls es nicht klappen sollte, mache ich eben wieder etwas anderes, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf
tröti schrieb:Dann studiert und jetzt leb ich von der Hand in den Mund und bin glücklich. :)
Allmy teeth🦷


An Euch alle: vielen Dank! Diesen Thread lese ich nach wie vor mit Begeisterung - es sind wirklich schöne Lebenswege, die man hier erfährt.


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Wer oder was wolltet Ihr werden, und wer oder was seid ihr geworden?

03.06.2019 um 18:27
@FerneZukunft
@tröti
@VanDusen
@Missesfee
@sacredheart
@roadcaptain
@Planke
@Angel67
@Meggie
@Vargas ,

und viele andere,

danke das ihr so rege am Thread teilnehmt (komm gar nicht mit lesen hinterher).
Schöne Geschichten verschiedener Wünsche und Werdegänge.

Das wichtigste ist mMn wenn zum Schluss folgende Aussage steht:
roadcaptain schrieb:aber ich bin heute zufrieden mit dem, was aus mir geworden ist.
Inneren Frieden zu finden auch wenn es in der Vergangenheit nicht optimal (für einen persönlich) gelaufen ist,
heißt mit dieser abzuschliessen und nicht nachzutrauern.
Nach vorne schauen ist wichtig, es gibt immer einen (anderen) Weg ;)


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Wer oder was wolltet Ihr werden, und wer oder was seid ihr geworden?

03.06.2019 um 18:59
@pasdenom

deine Geschichte zeigt wieder mal, dass der Weg nicht immer direkt sein muss und vor allem, dass man nicht aufgeben darf, wenn man scheitert.

Mein Partner hat auch Jura studiert, allerdings bei der Armee und hat mir immer gesagt, habe ich auch von vielen anderen Juristen gehört, dass der Weg echt hart ist. Ich muss ehrlicher Weise auch sagen, dass mir Informatik im Studium nie viel Spass gemacht hat, habe es nur studiert, weil Informatik einer der wenigen Studiengänge sind, die überall auf der Welt anwendbar ist, da ich schon damals auswandern wollte. Ich habe es durchgezogen, auch wenn es nicht immer leicht war. Zum Glück ist mein jetziger Job nicht nur "Programmieren" , ich bin im Projektmanagement tätig und das ist auch gut so. Ich könnte nicht den gazen Tag nur programmieren,


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Wer oder was wolltet Ihr werden, und wer oder was seid ihr geworden?

03.06.2019 um 19:17
Angel67 schrieb:Also machte ich eine Ausbildung zur Schreinerin
Das war mein Berufswunsch in Kindertagen. Ich habe ihn leider nicht umgesetzt.

Gefällt es dir in deinem Beruf?


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Wer oder was wolltet Ihr werden, und wer oder was seid ihr geworden?

03.06.2019 um 19:32
@filiz Vielen Dank! Ja, der Weg war lang und steinig. Ich habe oft damit gehadert, keinen geradlinigeren Lebenslauf zu haben, gerade bei Juristen findet man den ja häufig. Und manchmal, wenn ich die jungen Kollegen um mich herum sehe, die auf dem gleichen Stand sind wie ich, weil sie sich ein paar Jahre Umweg gespart haben, hadere ich immer noch damit. ;) Aber es wird besser. Ich bin mittlerweile angekommen und zufrieden wie nie. Ich hätte es einfacher haben können, aber wer weiß, was oder wer dann aus mir geworden wäre. Der Beruf ist auch nicht mehr alles für mich, weil ich auch privat mein Glück gefunden habe. Ende gut, alles gut. :D


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Wer oder was wolltet Ihr werden, und wer oder was seid ihr geworden?

03.06.2019 um 19:36
@pasdenom
freut mich, toll :-)

ist es anstregend bei der Staatsanwaltschaft, wie ist dein Alltag ?Tatsächlich kenne ich keine Staatsanwälte in Deutschland privat


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Wer oder was wolltet Ihr werden, und wer oder was seid ihr geworden?

03.06.2019 um 20:00
@laucott
laucott schrieb:Inneren Frieden zu finden auch wenn es in der Vergangenheit nicht optimal (für einen persönlich) gelaufen ist,
heißt mit dieser abzuschliessen und nicht nachzutrauern.
Nach vorne schauen ist wichtig, es gibt immer einen (anderen) Weg ;)
Ist für mich auch extrem wichtig, und ich würde sogar sagen dass ich meinen inneren frieden schon gefunden hab.

Mir war es eine zeitlang sehr wichtig den inneren Frieden zu finden, weil ich glaube dass man ohne den inneren Frieden bei weitem nicht dass erreichen kann wie mit dem inneren Frieden.


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04.06.2019 um 02:50
@jada
Ja sehr....ich finde den Geruch von frischem Holz heute noch toll


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04.06.2019 um 10:35
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein - bzw. vom Brötchengeld.

Arbeit kann eine Menge mehr sein als "Geld verdienen": Selbstverwirklichung, Kreativität, soziale Kontakte, Hilfe für andere... Die Motive sind so vielschichtig wie die Jobs.

Bis Anfang 2011 war ich im Management eines internationalen Wissenschaftsverlages tätig. Ich hatte zwar den "Glücksfall", dass ich überwiegend von zu Hause aus arbeiten konnte, aber ich war von dort dank Internet global vernetzt und arbeitete mit Wissenschaftlern als Autoren oder Herausgeber, mit Abonnenten und Bibliotheken, mit Datenbanken und Dienstleistern für Produktion und Vertrieb von Zeitschriften aus allen Ländern zusammen. Darüber hinaus war ich natürlich auch viel auf Achse bzw. Tragfläche.

Ich habe meinen Job im Verlagsmanagement geschmissen, weil mir eine Vertragsgestaltung nicht passte, die mein Aufgabengebiet bei höherem Gehalt nicht so zuschnitt, wie ich das wollte. Folglich habe ich die Konsequenzen gezogen und den Vertrag nicht unterschrieben. Das brachte mir zwar rd. 120 TEUR im Jahr weniger - aber Freiheit.

Die Kombination von altersbedingter Bezugsdauer und Einkommenshöhe erlaubte mir zunächst ein sehr komfortables Leben mit ALG I. Juhu, Deutschlands glücklichster Arbeitsloser. Nach Ende des Bezugszeitraums hätte ich auf Grund meiner familiären Einkommenssituation natürlich kein ALG II bekommen. Hätte ich auch nicht gewollt.

Da ich wenig Aussicht auf einen brauchbaren Job hatte, suchte ich mir etwas: Hier mal einem kleinen Handwerksmeister die Buchhaltung machen, dort mal für einen Verein Texte für eine Website, mal einen Artikel für ein Anzeigenblättchen. Das ist dann zwar keine Arbeit, die Geld bringt, aber Kontakte und eine gewisse Befriedigung.

Inzwischen arbeite ich in Teilzeit als Betreuer in einer psychiatrischen Einrichtung (auf Abruf, zum Mindestlohn) und ehrenamtlich, mehr als Vollzeit, mit Geflüchteten. Hin und wieder texte ich auch noch für die Agentur meiner Frau - und dann sind da noch Haus und Garten, Ehe und Familie, Haustiere und Kinder. Das reicht, um abends um zehn todmüde ins Bett zu fallen.

Mehr Berufswünsche fallen mir auch nicht ein. Zum Beine hoch bzw. Hände in den Schoss legen habe ich noch keine Lust, auch wenn ich eigentlich schon in Rente gehen könnte.


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04.06.2019 um 12:14
tröti schrieb:Da wurde mir klar, dass ich nicht glücklich werden würde, wenn in einem irgendwann mal zu ergreifenden Beruf solche Heiopeis über mich und meine Arbeit zu urteilen hätten.
Lul. Absolut den gleichen Gedanken hatte ich damals in der BW auch.

Einen einzigen wirklich längeren Berufswunsch hatte ich irgendwie nie. Deshalb tat ich es mir auch so schwer bei der Berufswahl. Da gab es zuviele Themen die mich interessierten und zeitweise fesseln konnten. Hauptsächlich in den Geisteswissenschaften. War schon immer ein Träumer und jemand der andere Welten erkunden wollte.
Als ich dann ins berufsfähige Alter kam, war meine erste Priorität, Distanz zur Familie aufzubauen. Egal durch welche Tätigkeit. Also griff ich nach der erst besten annehmbaren Lehrstelle, welche als Tischler ausgeschrieben war. Trotz heftiger Fehl- und Schlafzeiten in der Schule machte ich den Abschluss, wollte aber nicht mein Leben damit verbringen. Danach machte ich mehrer Praktika in verschiedenen Bereichen und landete am Ende mehr oder weniger frustriert in der Industrie.
Was mir aber nach mehreren Jahren nurnoch wie ein Murmeltiertag vorkam. Also packte ich öfter die Koffer und reiste mit kleinem Geld querbeet wohin es mich grade zog.
Heute stehe ich Wirtschaftlich irgendwie immernoch auf einem großen Fragezeichen. Hat zwar den Vorteil, dass ich fast immer Zeit für Themen habe die mich grade interessieren, aber den Nachteil kein wirkliches wirtschaftliches Standbein zu haben.


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04.06.2019 um 15:16
Ich wollte als Kind in Russland unbedingt wildtierpfleger werden... bis ich mit ca. 8 Jahren verstanden habe, dass ich ihn fast alle pelzigen Tiere allergisch reagiere :|

Jetzt sitze ich im Büro und mache eigtl durchgehend das selbe und bald dreh ich wohl völlig durch ... :(


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05.06.2019 um 09:53
dragomir schrieb:Jetzt sitze ich im Büro und mache eigtl durchgehend das selbe und bald dreh ich wohl völlig durch ...
Wenn die Psyche unter der Arbeit leidet, dann ist es Zeit für einen Wechsel oder einen Ausstieg.


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05.06.2019 um 13:21
Fußballprofi wollte ich werden.

Fussballprofi zu sein , hat wie man hin u. wieder von Profis erfährt seine guten Seiten .Aber dann auch richtig negative Seiten. Und sie erzählen zum Teil , auch selber davon das das FußballProfil da sein Schattenseiten hat.


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05.06.2019 um 13:32
s.Oliver schrieb:Fussballprofi zu sein , hat wie man hin u. wieder von Profis erfährt seine guten Seiten .Aber dann auch richtig negative Seiten.
Lohnt sich nur, wenn du zu den Top-Verdienern darunter gehörst... und das sind weniger, als man glauben würde... die in der 1.Liga werden schon alle gut verdienen, aber es gibt auch da welche darunter, die jetzt nicht die Millionen-Beträge pro Jahr einfahren... das sind da nämlich auch nur ein paar, die richtig reich werden.

Der Traum vom gut verdienenden Musiker ist bei mir auch ein solcher geblieben... aber dann macht man es eben in der Freizeit... ein Musikstudium habe ich damals einfach nicht gewagt, weil mir so ziemlich jeder davon abgeraten hat, inklusive Profi-Musiker... das ist ein Gejammer dort.

Fast alle, die ich kenne in diesem Bereich, haben entweder noch einen Hauptjob oder aber leben nur vom Unterricht geben... in ihren jeweiligen Bands machen die kaum Geld.


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05.06.2019 um 14:27
Das mit dem Fussball profi sein , lohnt sich bestimmt auch wenn du in der 1. Und 2 Liga spieltst.

Aber nur wenn du dann auch da Stammkraft im Team bist , und zu den Leistungsträgern gehörst, dann ist der Spaß an der Sache mit Sicherheit umso doller. Und die Fans Himmeln dich natürlich dann mehr an..


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