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ICH ICH ICH! Wer sonst!

101 Beiträge, Schlüsselwörter: Egoismus, Narzissmus, Probleme der Neuzeit
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ICH ICH ICH! Wer sonst!

18.07.2020 um 14:46
Luminita
schrieb:
Aber machst du das nicht auch gerade? Schau, du wirfst deinen Nachbarn ihr Verhalten gegenüber ihrem Kind vor. Schon mal in wechselseitigen Kontakt mit ihnen getreten? Sie machen es anders, als du es willst, also ist es schlecht? Das ist genau das, was du anprangerst.
Na ja und schon haben wir ein Perpetuum mobile, denn du machst das grade mit mir, ich finde, das tritt auf der Stelle. Klar hab ich mit ihnen Kontakt, ich hab nichts dagegen, wenn Leute es anders machen, aber ich hab was gegen die Struktur, ein Kind ungebührlich und dafür unermüdlich zu loben, grade, wenn man ihm immer sagt: ,,Mach mal" ,,Sag mal". Ich weiß nicht, mich erinnert das an diese Seehundshows. Wär's so schlimm, einfach mal einen Seehund Seehund sein zu lassen? Oder ein Kind Kind? Is doch egal, ob und wie lange es braucht und man muss es nicht mit Lob zuballern, um Liebe zu zeigen. Ich halte diese Struktur einfach nicht für Liebe.
Luminita
schrieb:
Endlich haben die Leute kapiert, dass TikTok eine chinesische Datensammelmaschine ist, und du fragst wofür? Mach doch meine unermüdliche Hetze gegen TikTok nicht zunichte
Und 9gag ist es nicht? Wir sind von Datensammlern umgeben wie der Fisch von Wasser, das Handy erwähne ich mal gar nicht, Snowden lebt in Russland-Exil, Julian Assange schimmelt im Knast vor sich hin, jeder weiß das, aber Tictoc braucht dann eine ,,Kriegserklärung"? Soll das jetzt eine Art Aktionismus sein, oder ...?
Luminita
schrieb:
Ich denke, das Problem liegt darin, dass wir Menschen immer Gleichgesinnte suchen und dass wir zu viele sind. Man kann hier nicht mehr individuell sein, glaub mir, ich habe es lange versucht und irgendwann merkt man, dass es selbst die größte Individualität schon irgendwo gibt und man kein Einzelfall ist.
Das meine ich eben, man muss doch nicht individuell um jeden Preis sein, wir sind Sozialtiere, wir WOLLEN und BRAUCHEN den Verbund für ein gelungenes Lebensgefühl. Aber der Bund muss in der Lage sein, aufeinander einzugehen, sich gegenseitig zuzulassen. Wer hat eigentlich die tatsächlich individuelleren Mitglieder, Industrienationen oder ein kleiner indigener Stamm? Und wer hält sich im Mittel trotzdem für zivilisierter oder gar ,,besser"? Es kommt drauf an, wie ein Mensch veranlagt ist, auf seine inneren Werten, tatsächlich, aber wir reduzieren uns auf Außen und Kaufen und das wollen wir dann Individualismus nennen? Fällt das denn nicht auf, dass diese Rechnung nicht aufgeht, auch nicht mit pinken Haaren? Ich versteh's ja, Individualismus ist Teil unseres Überlebensinstinkts, aber die ,,moderne" Interpretation davon halte ich für leere Kalorien, bedeutungslos.
Luminita
schrieb:
Anders ausgedrückt, das Verhalten der Gesellschaft, wie du es gerne hättest, ist aufgrund der gegebenen Dynamik nicht herzustellen.
Ich denke, man kann das durchaus in Ansätzen schaffen, beispielsweise mit: Man kann unterschiedlicher Meinung sein und diese Meinungen können nebeneinander stehen und das ist völlig okay.
Andere Vorschläge werden gern gesammelt.

Zu Links und Rechts lohnt es sich, Arno Gruen zu lesen, der mitunter erörtert, warum diese beiden Lager nicht konstruktiv sind, beispielsweise in ,,Der Fremde in uns", aber er schreibt generell mit ganz tollem Durchblick darüber, woran der Mensch manchmal zwischenmenschlich krankt.
rhapsody3004
schrieb:
Selbstverständlich sollte man Personen keine falschen Versprechungen machen und immer den Rahmen des Realismus auf die jeweilige Person bezogen im Auge behalten. Denn es stimmt, dass nicht jeder Mensch das Zeug zum studieren und für eine akademische Laufbahn hat. Und selbst innerhalb akademischer Kreise ist nicht jeder Akademiker oder zukünftige Akademiker für ein- und dieselbe akademische Laufbahn geschaffen. Auch da können falsche Versprechungen und das Fördern von Größenwahn kontraproduktiv sein.
Ja, so sehe ich das auch. Andererseits denke ich auch, dass z. B. viele, die Medizin studieren, schlechte Ärzte werden, aber wer es mit Herz und Leidenschaft machte, hat vielleicht nicht die Noten oder den TMS dazu. Die einzigen zwei wirklich guten, belesenen, engagierten Ärzte, die ich kenne, hätten heute keine Chance mehr auf einen Studienplatz. Und es ist weithin bekannt, dass es diesen Verfall im Ärztestand gibt.
Aber all das, akademische Laufbahnen etc., sprengt vermutlich auch den Rahmen, weil es an sich schon wieder so große Themen wären, chancengleichheit, ja, nein, Nutzen, Risiken etc. pp., ein anderes Fass.

Auf das Thema hier bezogen: wieso MUSS es immer hoch hinaus sein mit Prestige und allem Pipapo? Jeder Job ist wichtig, sonst gäbe es ihn nicht und es stört mich, dass es da so viel Herabsehen gibt. Denn auch ich denke: selbst vom ,,dümmsten" Menschen kann man noch was lernen und für nahezu jeden kann doch ein Platz da sein, oder nicht?
leopart225
schrieb:
Was fehlt ist, dass Intelligenz auch zurückgeht und zwar messbar.
Wer das noch mal differenzierter und korrekter nachlesen will, sucht nach ,,Flynn-Effekt"
rhapsody3004
schrieb:
Viel ausschlaggebender ist der Wesentyp eines Menschen und seine Prägung von Geburt an.
Mit der richtigen Erziehung kann man viel mehr erreichen als mit einem Intelligenzquotienten
Ja, das sehe ich auch so. Intelligenz wird nicht nach dem ach so beliebten Begriff ,,Fairness" verteilt und ganz ehrlich, wer sie hat, der leidet oft drunter. Dass es so ein umbissenes Statussymbol geworden ist, ist nutz- und sinnlos.
Aber man KANN sich seinem Kind zuwenden, man KANN vermitteln, dass es okay ist, nicht immer in allem als Nummer 1 abzuschließen, dass es WICHTIG ist, aufeinander zu achten und dass es immer wieder vorkommt, dass man mal den kürzeren zieht etc. Wir wissen, wie man ein Kind auf Leistung trimmt, es zustopft mit Zeug und ,,du bist so toll/hast so toll zu sein", aber wissen wir, wie wir ihm vermitteln und ZEIGEN, wie es beispielsweise seelische Hygiene betreibt? Und was wäre jetzt wichtiger?
leopart225
schrieb:
wo jeder denkt, dass er ein ganz besonders wertvolles Früchtchen wäre, ohne dass er etwas besonderes kann und ohne dass dafür etwas verlangt wird
Das nennt man ,,modernen Zeitgeist", denn das macht es aus. Die Lehrer, die ich kenne, mussten teilweise mit dem Beruf aufhören. Die Kinder haben die Klausuren nicht gepackt und er musste sie LEICHTER machen, damit der Schnitt wieder passt. Jedes Mal. Und kritisieren durfte er sie auch nicht, dann haben die Eltern Radau gemacht. Das hat er nicht mehr ertragen und hat aufgehört und ganz ehrlich: ich versteh's. Aber ich bedaure es auch zutiefst, so entwickelt sich doch niemand. Und so bildet man doch auch kein Verantwortungsgefühl aus, oder irre ich mich? Dabei ist das unglaublich wichtig. Es kann funktionieren, solange wir noch tätige Leute haben, die es besitzen, aber, Spoileralarm: die sterben weg. Was wir jetzt bemerken, wird in 10 bis 20 Jahren unser Standard sein, und ich hab ganz ehrlich Angst davor.

Was denkt ihr, wären Möglichkeiten, die wir haben, um darauf konstruktiven Einfluss zu nehmen?
Ich versuche es manchmal über das Angebot kostenloser Nachhilfe, aber wenn Kinder oder Jugendliche erst mal narzisstisch sind, ist es chancenlos, Kritik, egal wie konstruktiv, sorgt nur für nachhaltige Aggression und Trotzreaktionen. Es sollen nur Lob und Wohlfühlhymnen sein, das sind sie so gewohnt und das wollen sie dann auch so haben. Und ich denke ganz ehrlich, nach der Pubertät ist es für die meisten zu spät für eine Wende, wieso tun wir uns das an? Sieht keiner, wo das hinführt?
rhapsody3004
schrieb:
Ein narzisstisches Arschloch beispielsweise kann noch so viel Selbstreflexion besitzen, sich seinem Wesen und seinem Verhalten bewusst sein, wenn er sein Verhalten aber nicht ändern will, dann kann man dagegen nur schwer etwas ausrichten
Ich glaub nicht, dass sich ein Narzisst reflektieren kann, sonst wäre er kein Narzisst. Wenn sie in Therapie gehen sollten, dann oft mit der Begründung, dass ANDERE ein Problem mit ihnen haben. Externalisieren wird da noch groß geschrieben.
SchuhmannFu
schrieb:
(Ich föhrst)

(Ich föhrster)
haha
rhapsody3004
schrieb:
Als Unternehmer und sogar Arbeitgeber wäre so eine Denkweise sogar äußerst verwerflich.
husthustjeffbezoshushust
Flitzschnitzel
schrieb:
Warum verlagert sich die Diskussion auf den schulischen Bildungsgrad? Egal wie viel Wissen ein Mensch über seine Umwelt, über Mathematik, über Physik usw. anhäuft, bringt es ihm fast nichts im sozialen Miteinander. Sind Akademiker wirklich weniger anfällig für Gier, unsozialem Verhalten, weniger gesteuert von ihren Trieben und ihre Entscheidungen weniger destruktiv für ihre Umwelt? Oder ist ihr handeln nur meist besser verschleiert, undurchsichtiger? Was hat uns die Geschichte gelehrt? Ist der Krawattenträger wirklich unproblematischer als der voll tätowierte mit einem "Kick Me" auf dem Rücken?
Ich denke, dass die Bildung eben ein Teil dieses Problems sein kann, mit einerseits dem Streben, was Besseres sein zu wollen, selbst oder durch Eltern motiviert (ein Teil der Akademiker und Mediziner) und es gibt aber auch die, die es der Wissenschaft oder Medizin wegen machen und die haben durchaus ernsthafte Interessen und ein Gewissen haben sie auch. Sie stehen aber unter Publikations- und Finanzierungsdruck. Nur, weil Wissenschaft gern mal zum Werkzeug gemacht wird, ist sie nicht schlecht, nur die Hand, die damit Schaden anrichten will ist es. Wie eben mit Werkzeug auch.
Flitzschnitzel
schrieb:
Man muss weder ein Einstein, noch Sonderschüler sein, um kein unsoziales handeln an den Tag zu legen.
Weiß nicht, ich würde vielleicht noch den Dunning-Kruger-Effekt mit einbeziehen (frei zusammengefasst: wem das Nötige fehlt zu erkennen, dass andere auf einem Gebiet kompetent sind, dem fehlt auch das Nötige die eigene Inkompetenz zu erkenne. Auf Intelligenz bezogen: wer nicht erkennen kann, DASS andere klüger sind, der erkennt auch seine eigene Dummheit nicht. Wer nicht das nötige Wissen hat, qualitative Möbel von Hand zu fertigen, der kann nicht erkennen, was einer drauf hat, der es macht, es aber leicht aussehen lässt, weil er weiß, was er tut etc.)
Flitzschnitzel
schrieb:
Wenn es einer Gesellschaft, oder einem Einzelnen an Werten fehlt, dann braucht es nicht mehr Mathematik, mehr Geographie, mehr Tests, mehr Stoff von allem, sondern es braucht das was tatsächlich fehlt, das vermitteln und verinnerlichen von Werten.
Das denke ich auch und es fehlt an allen Ecken und Enden.
Flitzschnitzel
schrieb:
Auch wenn ein übersteigertes Ich immerwährend gegen die eigenen geschlagenen Wellen kämpft, ist es ebenso zu sozialen handeln, als auch zu angemessenen gelebten Werten fähig, wie auch jemand der kein übersteigertes Ich besitzt und sich nicht für was besonderes hält
Hmmmm. Jain. Wer das übersteigerte Ich hat, der MUSS immer wieder das Wir übersehen, da sind Zwänge und starke Emotionen am Werk, sonst wäre es ja kein dysfunktionales Muster. Soziales Handeln steht dann meist nur auf dem Plan, wenn es a) belohnt wird durch Lob, Aufmerksamkeit oder Zuwendungen oder es b) die als ,,meins" betitelten Kategorien nicht ankratzt(, c)...). Ich weiß, unsere Aussagen widersprechen sich nicht, aber ich sehe da eben eine heikle Eingeschränktheit, auf die ich hinweisen mag.
josie321
schrieb:
Und ja,ihr Verhalten ist undurchsichtiger!
Weil man viel dafür lernen muss, aber wenn man es drauf hat, wird es transparent. Dann kommen aber wieder Leute mit ,,Äy, hälst dich wohl für was Bessares!" um die Ecke - weil sie es nicht sofort verstehen. Dabei ist das Aufarbeiten von komplexer Info echt nicht einfach, das kann eben nicht jeder (zurück zum Dunning-Kruger-Effekt)
Yooo
schrieb:
Der Mensch kann halt nicht über seinen eigenen Schatten springen und so gesehen kann man auch mit allen nachsichtig sein und es als das ganz normale menschliche Theater abstempeln.
Was mich beunruhigt ist, dass das Problem zunehmen und sich zuspitzen wird. Wir haben hier noch den Luxus, Mimimi zu machen, aber später wird uns das gehörig um die Ohren fliegen. Das ist es, wovor ich Angst habe. Und ja, ich bin auch wirklich dankbar und offen für Vorschläge, wie man handeln kann, auch im Kleinen. Ich denke z. B., wenn es nicht so wichtig wäre, dass die Masse ,,dumm" und ,,träge" ist, für Leute, die schnell viel Geld machen wollen beispielsweise, dann könnte man wirklich das Schulsystem mal anpacken und ,,Das ist jetzt so, da gibt es keine Diskussionen, das wird nicht geduldet" etc. durchziehen. Aber das macht man natürlich nicht, Bildung ist eh Deutschlands Waisenkind, wir waren doch mal gut im Vergleich, das reicht noch für 30 Jahre. Dann haben wir keine Lehrer ,,vom alten Schlag" mehr und dann wird's richtig bunt. Ich meine, hat uns die Geschichte nicht schon mehrmals gelehrt, dass wir uns gerade ein Pulverfass bauen? Wozu HABEN wir Geschichtsunterricht, wenn wir nichts draus lernen wollen?
Yooo
schrieb:
Weil ich einfach gar keinen Bock mehr habe etwas wirklich ernst zu nehmen, denn es lohnt sich überhaupt nicht im menschlichen Theater.
Ich weiß nicht, ob wir das Gleiche mit der Infantilisierung meinen.
Yooo
schrieb:
Ansonsten verheitzt man sich nur vollkommen sinnlos.
Das ist genau, was mich so bedrückt. Ich glaub, ich mag einfach auch mal realistischen Aktionismus säen oder anstoßen, aber auch mit anderen absprechen. Ich denke, eine Gruppe von Leuten kann durchaus bessere Ideen und Vorschläge erarbeiten, als einer allein. Und ich rede auch nicht von ,,So, reißen wir uns mal den Arsch auf", sondern ,,steter Tropfen höhlt den Stein".
rhapsody3004
schrieb:
Was man insgesamt festhalten kann, dass Menschen definitiv anpassungsfähig sind und sich auch grundlegend verändern könnten, wenn sie denn wollen würden.
Ich denke, die meisten Menschen, ca. 60 %, sind reine Mitläufer. Sie wollen das eben nicht wahrhaben, sie sind besonders, individuell, klüger als andere und besser Autofahren tun sie natürlich auch. Mit 60 % hätten sie die Macht und Mehrheit, aber selbst sind sie ziel- und planlos. Ob ich dazugehöre? Ja, manchmal schon, definitiv. Es ist energieschonend. Aber wenn ich sehe, wo sich das alles hinentwickeln kann, nämlich zum schrecklichen Konflikt, dann frag ich mich, was ich bloß tun kann. Jetzt geht das nämlich noch, in 7 Jahren allerdings bin ich mir schon gar nicht mehr so sicher.
missmary
schrieb:
So doof es klingt: In unserer Gesellschaft ist die Deckung alle Grundbedürfnisse abgesichert - sogar bei Leuten, die aus verschiedenen Gründen nichts zur Gesellschaft beitragen (können). Das setzt sehr viel Energie frei, sich mit anderen Dingen (u.a. einem selbst) zu beschäftigen.
Ja, das ist wahr. Aber das ist auch bekannt, ich meine, seit Jaaahren. Den Leuten fehlt eine Aufgabe und das Gefühl, einen Wert zu haben, wieso kann man sich nicht (auch politisch) mit dieser Lösung beschäftigen? Es steht doch ganz offensichtlich im Raum!
missmary
schrieb:
Der Mensch ist darauf geeicht, alles zu einer win:win Situation zu machen. Also werden alle Beziehungen, die einem "nichts bringen" beendet, die Leute zeitweise z.T. "geghostet". Wenn man das einige Male erlebt, versucht man, seine Beziehungen auch oberflächlicher und weniger emotional zu gestalten. Ganz viele natürliche Beziehungen (z.B. Eltern-Kind) sind auch nicht mehr so intensiv.
Und doch zahlen die Leute dafür einen immensen Preis. Nur, weil er nicht sofort ins Auge fällt heißt es nicht, dass er nicht hoch ist. Und auch das finde ich offensichtlich. Dass die Leute sich oft gehetzt fühlen, aggressiv, unausgefüllt usw. Fragt sich denn keiner so im Alltag, was er da tun könnte? Denkt der Durchschnitt, dass blindes Gasgeben, egal in welche Richtung, einen früher oder später schon an ein tolles Ziel bringen wird? Die Realität HAT Ecken und Kanten! Deshalb schätzt man ja seine Kuschelecken so sehr. Wer so lebt, der verzichtet auf das Gefühl der Dankbarkeit und das ist eins der wichtigsten Gefühle, die ein Mensch haben kann.
missmary
schrieb:
dass die Eltern zwar große Ziele für ihre Kinder haben "Abitur", "zwei Fremdsprachen", aber dann nicht bereit sind, zuhause auch eine Lernatmosphäre zu gestalten, einzutrainieren und auch einzufordern. Wenn das Kind dann an den (überzogenen) Forderungen und an zu wenig Lernbereitschaft scheitert, sind sich Eltern und Schüler oft einig - es muss am Lehrer gelegen haben.
Das ist EXAKT was ich anprangere. Bloß keine Zeit mit dem Kind verbringen, nicht auf es einstellen, mit ihm eine Einheit bilden, bloß keine Mühe haben, sich ratlos durch Infos wühlen oder Hilflosigkeit empfinden, aber ALLES erreichen wollen, denn man ist ja SO VIEL BESSER und hat schon von Geburt an den DURCHBLICK und alles unter Kontrolle. Man MUSS doch sehen, dass diese Rechnung nicht augehen KANN, oder? Ich versteh's einfach nicht.
missmary
schrieb:
Mit zunehmendem Wohlstand gibt es eine zunehmende Individualisierung, die soziale Beziehungen einschränkt.
Ich fänd's lieb, falls du mir das noch mal aufschlüsselst. Ich hab nämlich den Eindruck, dass die tatsächliche Individualisierung abnimmt und nur die Engstirnigkeit zunimmt. Ab wann was noch ,,akzeptable" sein kann und so.


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18.07.2020 um 15:50
abahatschi
schrieb:
S.2 Bleib so Du bist, Du bist die Beste!
S.3 Die Avocadoschalendiät für die neue Bikinifigur! So kriegst ihn rum!
S 4: Single und glücklich :troll:

Deshalb mag ich Frauenzeitschriften nicht, aber ernst muss man die nicht nehmen ...
PVC-Frei
schrieb:
Das ist EXAKT was ich anprangere. Bloß keine Zeit mit dem Kind verbringen, nicht auf es einstellen, mit ihm eine Einheit bilden, bloß keine Mühe haben, sich ratlos durch Infos wühlen oder Hilflosigkeit empfinden, aber ALLES erreichen wollen, denn man ist ja SO VIEL BESSER und hat schon von Geburt an den DURCHBLICK und alles unter Kontrolle. Man MUSS doch sehen, dass diese Rechnung nicht augehen KANN, oder? Ich versteh's einfach nicht.
Also, wer wirklich so denkt, ist eigentlich naiv und zu bemitleiden. Denn kein Mensch ist schon von Geburt an "perfekt", sondern muss im Laufe seines Lebens immer etwas Neues lernen. Aber dass Eltern z.B. über die ersten tappsigen Schritte des Juniors stolz sind, ist doch völlig verständlich und auch wichtig. Denn so ermutigen sie ihn, es weiter zu versuchen.
PVC-Frei
schrieb:
Ich fänd's lieb, falls du mir das noch mal aufschlüsselst. Ich hab nämlich den Eindruck, dass die tatsächliche Individualisierung abnimmt und nur die Engstirnigkeit zunimmt. Ab wann was noch ,,akzeptable" sein kann und so.
Ich glaube, @missmary meint damit, dass heutzutage jedem mehr Möglichkeiten offenstehen, als früher, wo die meisten von früh bis spät arbeiten mussten. Damals hatten die Leute keine oder kaum Zeit sich zu verwirklichen.


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18.07.2020 um 16:18
PVC-Frei
schrieb:
Na ja und schon haben wir ein Perpetuum mobile, denn du machst das grade mit mir, ich finde, das tritt auf der Stelle.
Gut erkannt! Klar, wer sich über andere aufregt, akzeptiert sie nicht und für mich ist fraglich, ob er sie überhaupt toleriert.
PVC-Frei
schrieb:
Und 9gag ist es nicht? Wir sind von Datensammlern umgeben wie der Fisch von Wasser, das Handy erwähne ich mal gar nicht, Snowden lebt in Russland-Exil, Julian Assange schimmelt im Knast vor sich hin, jeder weiß das, aber Tictoc braucht dann eine ,,Kriegserklärung"? Soll das jetzt eine Art Aktionismus sein, oder ...?
Doch, auf jeden Fall! Social Media hat nach außen hin keinen Zweck außer Datensammlung. Das ist nun mal so. Die Leute leben in ihrer kleinen, bescheidenen Welt, was man nicht mitkriegt ist nicht interessant, Politik nur so lange, wie es Likes und Klicks generiert.
PVC-Frei
schrieb:
Ich denke, man kann das durchaus in Ansätzen schaffen, beispielsweise mit: Man kann unterschiedlicher Meinung sein und diese Meinungen können nebeneinander stehen und das ist völlig okay.
Andere Vorschläge werden gern gesammelt.
Du und ich als Einzelpersonen, wir können das. Vielleicht. In Ansätzen. Die Gesellschaft als Ganzes wird mMn dazu nicht in der Lage sein.
PVC-Frei
schrieb:
Das meine ich eben, man muss doch nicht individuell um jeden Preis sein, wir sind Sozialtiere, wir WOLLEN und BRAUCHEN den Verbund für ein gelungenes Lebensgefühl.
I mean, ich bin schon gerne "anders". Ich höre das auch öfter mal. Oder gerne auch "komisch". Das ist für mich voll okay, ich muss nicht dem Mainstream angehören, da ist es langweilig. Aber ich bin trotzdem nicht komplett individuell und eine Schneeflocke, denn jede Meinung, die ich habe, wird irgendwo von irgendjemandem geteilt. Vielleicht gibt es irgendwo auf der Welt sogar jemanden, der*die exakt so denkt und handelt wie ich. Würde mich bei der Masse an Menschen nicht mehr wundern.
PVC-Frei
schrieb:
Wer hat eigentlich die tatsächlich individuelleren Mitglieder, Industrienationen oder ein kleiner indigener Stamm? Und wer hält sich im Mittel trotzdem für zivilisierter oder gar ,,besser"? Es kommt drauf an, wie ein Mensch veranlagt ist, auf seine inneren Werten, tatsächlich, aber wir reduzieren uns auf Außen und Kaufen und das wollen wir dann Individualismus nennen? Fällt das denn nicht auf, dass diese Rechnung nicht aufgeht, auch nicht mit pinken Haaren? Ich versteh's ja, Individualismus ist Teil unseres Überlebensinstinkts, aber die ,,moderne" Interpretation davon halte ich für leere Kalorien, bedeutungslos.
Na ja, je kleiner die Vergleichsgröße, desto mehr Individualität findet man. Aber bei 8 Milliarden Menschen auf der Welt, so individuell kann man gar nicht sein, grade als normaler bürgerlicher Mensch nicht.
Man muss die inneren Werte auch nach außen tragen, da waren (sind, wenn ich könnte) für mich bunte Haare z. B. sehr wichtig. Wie man sich nach außen präsentiert, ist einfach ein wichtiger Teil von sich selbst, das muss auch nicht zwanghaft die Suche nach Individualität sein, sondern einfach ein Ausdruck der Persönlichkeit, genau wie ein bestimmter Kleidungsstil oder ein Hobby diese Rolle übernehmen kann. Das würde ich nicht als bedeutungslos sehen.


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18.07.2020 um 16:34
PVC-Frei
schrieb:
Ja, so sehe ich das auch. Andererseits denke ich auch, dass z. B. viele, die Medizin studieren, schlechte Ärzte werden, aber wer es mit Herz und Leidenschaft machte, hat vielleicht nicht die Noten oder den TMS dazu.
Noten als Qualifikation sind halt immer so eine Sache - ist jemand mit 1,1 wirklich besser als jemand mit 1,3. Es kommst ja schon auf den Lehrer an: Hast du einen Hardliner? Oder nicht ... Insgesamt ist das Auswahlverfahren halt nicht ganz schlüssig. Dann noch das Nachrückverfahren - schaffst du es, innerhalb von 48 Stunden von München nach Hamburg (oder umgekehrt zu ziehen), dann hast du einen Studienplatz. Sonst nicht.
PVC-Frei
schrieb:
Das nennt man ,,modernen Zeitgeist", denn das macht es aus. Die Lehrer, die ich kenne, mussten teilweise mit dem Beruf aufhören. Die Kinder haben die Klausuren nicht gepackt und er musste sie LEICHTER machen, damit der Schnitt wieder passt. Jedes Mal.
Ich unterrichte auf einer Brennpunktschule und wir haben das immer mal wieder, dass Eltern völlig aus dem Rahmen fallen, mit Fäkalausdrücken um sich werfen, einen persönlich beleidigen und mit allem drohen, was sie so haben (Schulamt, Anwalt) ... leider bekommen sie oft kein klares Kontra, sondern man ist bestrebt, sich zu "einigen". D.h, wenn Vater X mich "doofe inkompetente Kuh" nannte, aber bereit ist, den Anwalt wegen der Notenanfechtung zurückzuziehen, soll ich damit zufrieden sein.
PVC-Frei
schrieb:
Und kritisieren durfte er sie auch nicht, dann haben die Eltern Radau gemacht. Das hat er nicht mehr ertragen und hat aufgehört und ganz ehrlich: ich versteh's.
Der Zeitgeist ist halt dieser: Man versucht Eltern zu unterstützen - viele Eltern brauchen diese Unterstützung (Alleinerziehend, selbst keinen hohen Bildungsgrad, Vollzeit arbeitend) ... aber die "Unterstützung" besteht darin, dass man den Eltern den Sektor "Bildung" durch die Ganztageskonstrukte abnimmt. Das hat man nun in der Coronakrise gesehen - viele Eltern haben die Wochenaufgaben, die Videostunden, die Konferenzen einfach ignoriert bzw. ihre Kinder nicht ermutigt, daran teilzunehmen und nichts eingefordert. Ich hatte einige sehr unangenehme Gespräche "Sie werden doch dafür bezahlt" bzw. die Eltern haben die in den Briefkasten geworfenen Aufgaben einfach entsorgt "das bringt nur Stress" - und das, obwohl sie daheim waren im lockdown.
PVC-Frei
schrieb:
Was denkt ihr, wären Möglichkeiten, die wir haben, um darauf konstruktiven Einfluss zu nehmen? Ich versuche es manchmal über das Angebot kostenloser Nachhilfe, aber wenn Kinder oder Jugendliche erst mal narzisstisch sind, ist es chancenlos, Kritik, egal wie konstruktiv, sorgt nur für nachhaltige Aggression und Trotzreaktionen.
Bei uns im Dorf gibt es einen Renter, der sehr schwer krank war, mit sehr schlechten Heilungschancen und sich geschworen hat, dass, wenn er noch ein paar Jahre geschenkt bekommt, für die Allgemeinheit arbeitet - er ist wieder vollständig geheilt und hat eine kostenfreie Hausaufgaben- bzw. Nachhilfe aufgebaut - in wechselnden öffentlichen Orten - inzwischen mit vielen Helfern. Er hilft sehr vielen Schülern, das sind aber die motivierten Schüler ohne Zugang zu Ressourcen (z.B. Eltern mit niedrigem Bildungsgrad oder Migrationshintergrund, die nicht helfen können).

Dann gibt es aber die Gruppe, die sogar nicht hingehen, wenn die Nachhilfe direkt kostenfrei vor ihrer Haustür stattfindet. Es gibt Eltern, denen es einfach zu anstrengend ist, z.B. Hefte einzukaufen und zu beschriften, auch wenn sie sechs Wochen Zeit haben. Die ihre Kinder wegen jedem Mist krankschreiben oder krankschreiben lassen. Die morgens nicht aufstehen und den Nachwuchs entschuldigen, wenn der nicht aufstand ... Bildung wird nicht als Gut begriffen, sondern die Schule als gängelndes ansprüchestellendes Wesen wahrnehmen - und ihre Aufgabe besteht darin, die Forderungen abzuwehren. "Ich konnte auch nie Bruchrechnung und habe eine gute Arbeit gefunden...".
PVC-Frei
schrieb:
Es sollen nur Lob und Wohlfühlhymnen sein, das sind sie so gewohnt und das wollen sie dann auch so haben. Und ich denke ganz ehrlich, nach der Pubertät ist es für die meisten zu spät für eine Wende, wieso tun wir uns das an? Sieht keiner, wo das hinführt?
Viele Eltern sehen die Kinder als "Freunde" und "Partnerersatz" und nehmen ihre Erziehungsaufgabe nicht wahr. Viele sind nicht erziehungskompetent. Bei vielen leben die Kinder so "nebenher". Sie gehen in die Ganztagesschule, essen dort, kommen heim, werden abgefüttert und noch zwei oder drei Stunden in den Park geschickt oder vor die Playstation gesetzt ... es ist traurig, aber wirklich so.
PVC-Frei
schrieb:
Ja, das ist wahr. Aber das ist auch bekannt, ich meine, seit Jaaahren. Den Leuten fehlt eine Aufgabe und das Gefühl, einen Wert zu haben, wieso kann man sich nicht (auch politisch) mit dieser Lösung beschäftigen? Es steht doch ganz offensichtlich im Raum!
Du kannst sehr schwer ins Private der Leute eingreifen und sie praktisch zwingen, konstruktiver Teil der Gesellschaft zu sein. Schau doch, was es nun für einen Radau gibt, wenn man Leute "zwingt", eine Maske zu tragen, etwas, was den wenigsten Leuten weh tut.
PVC-Frei
schrieb:
Und doch zahlen die Leute dafür einen immensen Preis. Nur, weil er nicht sofort ins Auge fällt heißt es nicht, dass er nicht hoch ist. Und auch das finde ich offensichtlich. Dass die Leute sich oft gehetzt fühlen, aggressiv, unausgefüllt usw. Fragt sich denn keiner so im Alltag, was er da tun könnte? Denkt der Durchschnitt, dass blindes Gasgeben, egal in welche Richtung, einen früher oder später schon an ein tolles Ziel bringen wird? Die Realität HAT Ecken und Kanten! Deshalb schätzt man ja seine Kuschelecken so sehr. Wer so lebt, der verzichtet auf das Gefühl der Dankbarkeit und das ist eins der wichtigsten Gefühle, die ein Mensch haben kann.
Ich glaube, man rutscht da auch so rein, orientiert sich innerhalb der eigenen Peergroup, macht weiter, weil es alle so machen. Dann wird es nicht gesellschaftlich sanktioniert. Wir haben während der Coronakrise für ein Rentnerpaar eingekauft, deren Kinder weniger als fünf Minuten von hier wohnen, aber sich eben trotzdem nicht für ihre Eltern und deren Wohlergehend verantwortlich fühlten.
PVC-Frei
schrieb:
Das ist EXAKT was ich anprangere. Bloß keine Zeit mit dem Kind verbringen, nicht auf es einstellen, mit ihm eine Einheit bilden, bloß keine Mühe haben, sich ratlos durch Infos wühlen oder Hilflosigkeit empfinden, aber ALLES erreichen wollen, denn man ist ja SO VIEL BESSER und hat schon von Geburt an den DURCHBLICK und alles unter Kontrolle. Man MUSS doch sehen, dass diese Rechnung nicht augehen KANN, oder? Ich versteh's einfach nicht.
Der gesellschaftliche Druck ist zurückgegangen, es ist nun alles individueller. Es gab früher mehr "Konsens". Ich bin z.B. in einem kleinen katholischen Dorf großgeworden - wir wurden alle sehr streng erzogen. Jungs wurden Ministranten, gingen zur freiwilligen Feuerwehr und in den Fußballverein oder in die Blaskapelle. Da war es egal, auf welche Schule du gingst und wer deine Eltern waren. Du bist so erzogen worden, dass du Teil der Dorfgemeinschaft warst. Besonders schlaue Schüler gingen zwar aufs Gymnasium, aber haben das nicht thematisiert. Hat jemand den Preis fürs beste Abi gewonnen, dann hat man das aus der Zeitung und nicht von den Eltern oder dem Kind erfahren. Heute ist das anders - man lehnt die Kirche als Institution ab, beim Fußballverein zweifelt man die Kompetenz des Trainers an und fährt lieber drei Dörfer weiter oder wählt eine andere Sportart, die Feuerwehr kämpft verzweifelt um Nachwuchs "die saufen ja nur", Instrumente sind zu teuer oder der Unterricht zu aufwändig. Schon gibt es keinen Punkt mehr, wo sich alle Jugendlichen treffen und eben auch keinen Konsens mehr.
PVC-Frei
schrieb:
Ich fänd's lieb, falls du mir das noch mal aufschlüsselst. Ich hab nämlich den Eindruck, dass die tatsächliche Individualisierung abnimmt und nur die Engstirnigkeit zunimmt. Ab wann was noch ,,akzeptable" sein kann und so.
Aus meiner Dorfperspektive: Kindheit in den 1970ern: Da gab es praktisch eine gesellschaftlich akzeptierte Biografie für alle: Meine Mutter heiratete gar nicht in erster Linie aus Liebe, sondern, weil sie fast 30 war und nicht verheiratet und der gesellschaftliche Druck groß wurde. (Man ließ sich dann auch nicht scheiden "in der Position nicht möglich). Sie bekam drei Kinder. Sie nähte die Kleider für uns selbst, sie strickte, hatte einen großen Garten, kümmerte sich um alte Verwandte (die teilweise sogar recht garstig waren) - Garten, Gehsteig, Wohnzimmer mussten blitzsauber sein, weil praktisch das Ansehen der Familie daran hing. "Wie es bei denen aussieht". Mein Opa war der Dorfbäcker - der meldete sich freiwillig in den 2. Weltkrieg, weil er Angst hatte, dass man ihn sonst meiden würde und er ging brav jeden Sonntag in die Kirche, obwohl er gar nicht gläubig war, weil das die Kundschaft erwartete. Sprich: Der gesellschaftliche Druck war riesig. Ich wurde nicht ins Gymnasium geschickt, obwohl ich gleiche Noten wie mein Bruder hatte, weil es bei uns einfach unüblicher war und man Mädchen kritischer beäugte. Ich konnte aber schon im Grundschulalter nähen, stricken häkeln, Kuchen backen ... weil meine Mutter davon ausging, dass das auch mal mein Weg sein würde.

Leben auf dem gleichen Dorf 50 Jahre später: Es stört niemanden mehr, ob du schwul bist, geschieden, alleinstehend ... der gesellschaftliche Druck ist weg. Der gesamte hauswirtschaftliche Teil ist weggefallen, die großen Grundstücke werden nun eingesäht und von Mährobotern oder Landschaftsgärtnern gepflegt (je nach Geld), man hat vielleicht noch einen Obstbaum. Man wird doof angeschaut, wenn man sonntags zur Kirche geht und nicht Weihnachten ist. Jeder, der was auf sich hält, schickt die Kinder aufs Gymnasium - und zwar gibt es vier im Einzugsbereich des Dorfes, die vermutlich je zu 25% besucht werden - dazu gehört auch, dass man sich abfällig über die anderen drei äußert. Die Freizeit wird nun individuell gestaltet - persönliche Beziehungen (z.B. zur Verwandtschaft) werden nicht mehr als Pflicht ausgeübt. Man fühlt sich nicht mehr verpflichtet - auch, wenn es die eigenen Eltern sind. Jeder trifft individuelle Entscheidungen für sich, seine Familie, ohne die Allgemeinheit im Blick zu haben (früher ging man z.B. auch zu den Ministranten, weil sich die Eltern davon versprachen, dass man andere Kinder aus dem Dorf kennenlernt - heute wird man zu den Freunden gefahren).
Pallas
schrieb:
Ich glaube, @missmary meint damit, dass heutzutage jedem mehr Möglichkeiten offenstehen, als früher, wo die meisten von früh bis spät arbeiten mussten. Damals hatten die Leute keine oder kaum Zeit sich zu verwirklichen.
Genau, du hast ja heute auch viel mehr Geld zur Freizeitgestaltung zur Verfügung, viel mehr Möglichkeiten (meine Mutter hatte zwar einen Führerschein, aber kein Auto, das hatte mein Vater) und viel mehr Zeit. Die kannst du ohne große gesellschaftlichen Verpflichtungen individuell gestalten (du musst nicht mehr nach Tante Erna schauen, wenn du nicht willst, nicht in der Feuerwehr eintreten oder Kuchen für den Kirchenbasar backen). Du kannst dich auch trennen, wenn deine Ehe langweilig ist.


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

18.07.2020 um 16:45
PVC-Frei
schrieb:
die Kritikfähigkeit ist rückgängig
Ich lebe nicht wirklich lange, aber ich glaube das war früher genauso. Es ist einfacher zu kritisieren als einzustecken.
PVC-Frei
schrieb:
das Gefühl, es besser zu wissen oder recht zu haben, selbst mit Vorurteilen etc., nimmt zu
Halte ich jetzt ebenfalls nicht für neu.
PVC-Frei
schrieb:
dazu gehört, sich selbst wenig bis kaum zu hinterfragen
Auch wenn die Deutschen sich selber als nachdenklich empfinden, so merkt man doch, das eine gute Selbstreflexion selten ist.

Bevor man selber sich eingesteht, das man was falsch gemacht hat, sind lieber die anderen schuld. Das überdeckt sich mit dem ersten Punkt.
PVC-Frei
schrieb:
Aufmerksamkeitsspanne und Geduld gehen zurück
Das ist in der tat traurig, und vielleicht eine folge der modernen Welt.
PVC-Frei
schrieb:
das Gefühl, die eigene Kultur/Nationalität ist besser, als andere
Das ist definitiv nichts neues.
PVC-Frei
schrieb:
die Grundgereiztheit nimmt zu, viele Leute sind streitlustiger und schneller provoziert
Glaube ich nicht. Zyniker und Aggressive Leute, die nur negativ denken können gab es schon immer.
PVC-Frei
schrieb:
mehr Leute jammern, jemand ist nicht bewundernd/nett genug zu ihnen (Jammern = Verantwortung abgeben)
Die deutschen sind ein Volk das gern über jeden mist jammert. Das beginnt doch bei Kleinigkeiten und findet kein ende.
PVC-Frei
schrieb:
und apropos Verantwortung: die Selbstverantwortung nimmt allgemein ab.
Wie meinst du das?
PVC-Frei
schrieb:
zunehmend mehr Leute wollen sich im Gefühl ihrer Kompetenz und Intelligenz wälzen. Wird das gefährdet, bilden oder regulieren/reglementieren sie sich tendenziell nicht, sondern schmollen und planen passiv-aggressive Rache
Ist das nicht überinterpretiert?


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18.07.2020 um 16:59
abahatschi
schrieb:
wundert mich nicht, man redet auch der dümmsten Nuss ein sie sei was Besonderes und dass sie „niemals“ darauf hören soll was andere sagen.
Ein gesundes Selbstbewusstsein ist nicht schlecht, und solange es im realistischen Rahmen ist passt es doch.
leopart225
schrieb:
Die vorliegenden Daten sprechen eine klare Sprache.
IQ bleibt der beste Indikator für den Erfolg eines Menschen im Leben. Siehe etwa hier:
Aber was ist Erfolg? Meiner Meinung ein Ziel zu erreichen und damit zufrieden zu sein. Intelligenz kann zwar helfen sich cleverer anzustellen, aber ich seh Intelligenz nur als eine von.mehreren Komponenten an.

Ausserdem merkwürdig, wenn eine Wissenschaftliche Studie ein derartiges Klischee zu bestätigen scheint.
abahatschi
schrieb:
.S.2 Bleib so Du bist, Du bist die Beste!
S.3 Die Avocadoschalendiät für die neue Bikinifigur! So kriegst ihn rum!
Wer sowas liest und es glaubt der ist doch selber schuld. Klar kann der eine oder andere Tipp in solchen Artikeln stehen, aber solche Artikel sind nie als Versprechung oder Anleitung zu sehen.
abahatschi
schrieb:
Natürlich, ja nicht die Wahrheit sagen - passt in den Bild dieser Gesellschaft auf dem Weg der geistigen Verarmung, man ist weder in der Lage zu fördern und zu fordern noch zu sanktionieren...
Dann findest du es also absolut ok und legitim sowas zu sagen wie: ,,Hör mal, .... du bist eine so dumme nuss und absolut Idiotisch, wunder dich nicht das du ein Arbeitsloser Arbeitsloser bist der nicht mal einen Hartz 4 Antrag ausfüllen kann, ohne das sich die Beamten am Arbeitsamt über deine Rechtschreibung kaputtlachen.“ ? Sowas jemanden ins Gesicht zu sagen findest du ok, weil es ehrlich ist?
abahatschi
schrieb:
Egal wie das Wie ist, am Ende muss die Wahrheit bleiben und wenn es eine dumme Nuss ist, ist es eine dumme Nuss.
Vielleicht sollte man in Leuten, die dumme Nüsse angeblich sind auch einfach nur Leute sehen, die bei der Verteilung der Intelligenz nicht das selbe glück hatten wie man selber :troll:


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18.07.2020 um 17:03
Avantega
schrieb:
Vielleicht
solltest Du meinen Beiträge nicht so viel Erfundenes hinzufügen.
So ein BS.


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18.07.2020 um 17:08
SchuhmannFu
schrieb:
für mich, als aktiv praktizierenden Egoisten, ist das der alleinige weg.

mich jucken die anderen und ihr gejammer überhaupt nicht.
Glaube ich nicht. Absolute Egoisten kann ich mir irgendwie schwer vorstellen. Das was andere sagen juckt doch immer so ein bisschen, das sozialleben ist zu sehr in uns drinnen, das wir da so komplett drauf kacken.
rhapsody3004
schrieb:
Als Unternehmer und sogar Arbeitgeber wäre so eine Denkweise sogar äußerst verwerflich.
Verwerflich? Keine Ahnung. Zumindest etwas schädlich für das sozialleben im Betrieb.
abahatschi
schrieb:
solltest Du meinen Beiträge nicht so viel Erfundenes hinzufügen.
So ein BS.
Nein, ich hab nur offen gelegt, welches Verhalten aus dieser Haltung resultieren könnte.

Aber ich mach es jetzt mal weniger drastisch. Du findest also, das man jemanden als dumme Nuss bezeichnen darf nur weil man das selber so sieht? Wahrheit ist vor allem auf diesem Gebiet höchst Subjektiv, und was du dumm empfindest empfindet jemand anderes als nachvollziehbar.


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18.07.2020 um 17:12
missmary
schrieb:
Aus meiner Dorfperspektive: Kindheit in den 1970ern: Da gab es praktisch eine gesellschaftlich akzeptierte Biografie für alle: Meine Mutter heiratete gar nicht in erster Linie aus Liebe, sondern, weil sie fast 30 war und nicht verheiratet und der gesellschaftliche Druck groß wurde. (Man ließ sich dann auch nicht scheiden "in der Position nicht möglich). Sie bekam drei Kinder. Sie nähte die Kleider für uns selbst, sie strickte, hatte einen großen Garten, kümmerte sich um alte Verwandte (die teilweise sogar recht garstig waren) - Garten, Gehsteig, Wohnzimmer mussten blitzsauber sein, weil praktisch das Ansehen der Familie daran hing. "Wie es bei denen aussieht". Mein Opa war der Dorfbäcker - der meldete sich freiwillig in den 2. Weltkrieg, weil er Angst hatte, dass man ihn sonst meiden würde und er ging brav jeden Sonntag in die Kirche, obwohl er gar nicht gläubig war, weil das die Kundschaft erwartete. Sprich: Der gesellschaftliche Druck war riesig. Ich wurde nicht ins Gymnasium geschickt, obwohl ich gleiche Noten wie mein Bruder hatte, weil es bei uns einfach unüblicher war und man Mädchen kritischer beäugte. Ich konnte aber schon im Grundschulalter nähen, stricken häkeln, Kuchen backen ... weil meine Mutter davon ausging, dass das auch mal mein Weg sein würde.
Anhand deines Beispiels kann man aber auch festhalten, dass es gut war, dass sich moderne Denk- und Verhaltensweisen in den Köpfen vieler Menschen etabliert haben, die Lebensgestaltung allgemein freier, individueller ganz ohne Zwang geworden ist.

Früher war man garantiert nicht sozialer, weil man es sein wollte, sondern weil man es musste.
Aber egal ob früher oder heute; Etwas tun, nur um den Erwartungen einer Gesellschaft gerecht zu werden, von einer Gesellschaft oder einem Dorf anerkannt zu werden, ist für mich jedenfalls nicht erstrebenswert.
Man sollte Dinge nur aus eigener Überzeugung, aus eigenem Interesse tun und nicht, um anderen zu gefallen. Beweggründe spiegeln sich schließlich auch in der Qualität des Tuns wieder.
Zweckehen werden zum Glück auch immer seltener.

Dass heutzutage immer mehr Menschen weniger Zwang unterliegen, ist grundsätzlich eine positive Entwicklung.


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18.07.2020 um 17:14
Avantega
schrieb:
Nein, ich hab nur offen gelegt, welches Verhalten aus dieser Haltung resultieren könnte.
Das hast Du richtig gut gemacht, Du hast auch genau verstanden wie ich es gemeint habe.
Weiter so!


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18.07.2020 um 17:33
@PVC-Frei

dieser Faden ist gut gemeint von dir , aber er wird wie alles bei Allmy den Boden der wahren Realität nicht betreten , sondern
im Akasha-Nirwana verschwinden , zugedeckt mit Millionen nachfolgenden Beiträgen .

Nach wenigen Wochen oder Tagen , oder Stunden wird hier kein Hahn mehr danach krähen , die Karawane muss weiter ziehen , es gibt noch zig-Millionen andere Ideen , die einen Faden füllen können . Alles Luft-Schlösser ohne Materialisation in der physischen Welt .

Dies hier sind nur Worte , denen keine echten Taten folgen werden , wollen wir wetten ?


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18.07.2020 um 17:34
Pallas
schrieb:
Also, wer wirklich so denkt, ist eigentlich naiv und zu bemitleiden. Denn kein Mensch ist schon von Geburt an "perfekt", sondern muss im Laufe seines Lebens immer etwas Neues lernen. Aber dass Eltern z.B. über die ersten tappsigen Schritte des Juniors stolz sind, ist doch völlig verständlich und auch wichtig. Denn so ermutigen sie ihn, es weiter zu versuchen.
Ich vermute, dass so ein Denkmuster den Betroffenen selbst nicht offensichtlich ist.
Darüber hinaus denke ich, dass ein Unterschied zwischen absolutem Stolz und Elternstolz ist.
Pallas
schrieb:
Ich glaube, @missmary meint damit, dass heutzutage jedem mehr Möglichkeiten offenstehen, als früher, wo die meisten von früh bis spät arbeiten mussten. Damals hatten die Leute keine oder kaum Zeit sich zu verwirklichen.
Ich denke nicht, dass man heute mehr unbedingt Zeit für vieles hat, damals hat beispielsweise ein Gehalt gereicht. Heute müssen in den meisten Fällen beide ran, anders geht's gar nicht, das Geld muss ja auch stimmen. Man muss sich wirklich viele Gedanken um seine berufliche Zukunft machen.
Ich denke auch, dass man heute die Arbeit gedanklich gar nicht so gut loslassen kann, wie noch vor 20 bis 40 Jahren, weil auf allem irgendwie Druck ist und einigen wird auch gern deutlich gemacht, dass ihre Arbeit im Ausland oder durch Maschinen viel billiger zu ersetzen wäre. Kein besonders schönes Lebensgefühl. Ich hab es ,,damals" eben nicht mitbekommen und hab keinen großen Vergleich. Heute sind viele von der Fülle an Optionen erschlagen, du machst die ganze Schule durch, in der nie Thema war, wer du bist und was für Stärken du neben den akademischen hast und so, aber wenn du fertig bist, sollst du auf einmal wissen, wer du bist und wo du hin willst, in einer unübersichtlichen Welt, auf die dich kaum einer vorbereitet hat. So sieht das heute aus.
Luminita
schrieb:
Du und ich als Einzelpersonen, wir können das. Vielleicht. In Ansätzen. Die Gesellschaft als Ganzes wird mMn dazu nicht in der Lage sein.
Ich denke einfach, wenn man es schafft, wenigstens Kleinigkeiten zu ändern, dann wäre überhaupt was geschafft. Ein wenig ist mehr als nichts, aller Anfang ist schwer.
Luminita
schrieb:
I mean, ich bin schon gerne "anders". Ich höre das auch öfter mal. Oder gerne auch "komisch". Das ist für mich voll okay, ich muss nicht dem Mainstream angehören, da ist es langweilig. Aber ich bin trotzdem nicht komplett individuell und eine Schneeflocke, denn jede Meinung, die ich habe, wird irgendwo von irgendjemandem geteilt. Vielleicht gibt es irgendwo auf der Welt sogar jemanden, der*die exakt so denkt und handelt wie ich. Würde mich bei der Masse an Menschen nicht mehr wundern.
Aber ... das ist doch gerade das Schöne, oder nicht? Man ist nicht allein mit dem, was man mag oder schätzt, oder sogar mit dem, was einen bedrückt. Man kann es teilen mit Gleichgesinnten, ich denke, das ist um Längen schöner, als ,,individuell" zu sein. Das war der Kampf der Generation vor uns, wir haben den eigentlich gar nicht. Wir haben den Kampf, überhaupt eine eigene Identität zu entwickeln, oder wie seht ihr das?
Luminita
schrieb:
Na ja, je kleiner die Vergleichsgröße, desto mehr Individualität findet man. Aber bei 8 Milliarden Menschen auf der Welt, so individuell kann man gar nicht sein, grade als normaler bürgerlicher Mensch nicht.
Auch hier denke ich, dass das gar nichts Schlimmes ist. Aber wir rühmen uns einfach gern dafür, können aber einander oft nicht lassen, wie wir sind. ,,Anders bitte nur so, wie man es mag und schätzt", so fühlt es sich manchmal an.
Luminita
schrieb:
Wie man sich nach außen präsentiert, ist einfach ein wichtiger Teil von sich selbst, das muss auch nicht zwanghaft die Suche nach Individualität sein, sondern einfach ein Ausdruck der Persönlichkeit, genau wie ein bestimmter Kleidungsstil oder ein Hobby diese Rolle übernehmen kann. Das würde ich nicht als bedeutungslos sehen.
Ich mag bunte Haare ehrlich gesagt. Aber ich höre immer wieder Leute, die gern ,,anders" sein wollen und dann müssen es bunte Haare sein und ,,hip und flippig" und am Ende sind sie unglücklich, weil nichts davon eine Identität schenkt, machen das aber zum Problem ihres Umfeldes. So streut sich in meinen Augen bloß Aggression. An bunten Haaren oder so was hab ich nichts auszusetzen, aber man erlangt eben dadurch keine eigene Identität, die Leere bleibt. Ich bin nicht sehr gut darin, die Unterschiede in Worte zu fassen, stimmt's?
missmary
schrieb:
Ich unterrichte auf einer Brennpunktschule und wir haben das immer mal wieder, dass Eltern völlig aus dem Rahmen fallen, mit Fäkalausdrücken um sich werfen, einen persönlich beleidigen und mit allem drohen, was sie so haben (Schulamt, Anwalt) ... leider bekommen sie oft kein klares Kontra, sondern man ist bestrebt, sich zu "einigen". D.h, wenn Vater X mich "doofe inkompetente Kuh" nannte, aber bereit ist, den Anwalt wegen der Notenanfechtung zurückzuziehen, soll ich damit zufrieden sein.
Mensch, das tut mir wirklich leid zu lesen. Wie gehst du damit um?
missmary
schrieb:
Das hat man nun in der Coronakrise gesehen - viele Eltern haben die Wochenaufgaben, die Videostunden, die Konferenzen einfach ignoriert bzw. ihre Kinder nicht ermutigt, daran teilzunehmen und nichts eingefordert. Ich hatte einige sehr unangenehme Gespräche "Sie werden doch dafür bezahlt" bzw. die Eltern haben die in den Briefkasten geworfenen Aufgaben einfach entsorgt "das bringt nur Stress" - und das, obwohl sie daheim waren im lockdown.
Das stimmt, Eltern (und Lehrer) sind wirklich im Zuge der Krise viel zu kurz gekommen. Ich hab manchmal den Eindruck, viele Leute haben Kinder, ,,weil man das halt so macht", aber mit ihnen beschäftigen ... das geht irgendwie nicht, da sind Barrieren und ich weiß nicht, was sie aufbaut.
missmary
schrieb:
Bei uns im Dorf gibt es einen Renter, der sehr schwer krank war, mit sehr schlechten Heilungschancen und sich geschworen hat, dass, wenn er noch ein paar Jahre geschenkt bekommt, für die Allgemeinheit arbeitet - er ist wieder vollständig geheilt und hat eine kostenfreie Hausaufgaben- bzw. Nachhilfe aufgebaut - in wechselnden öffentlichen Orten - inzwischen mit vielen Helfern. Er hilft sehr vielen Schülern, das sind aber die motivierten Schüler ohne Zugang zu Ressourcen (z.B. Eltern mit niedrigem Bildungsgrad oder Migrationshintergrund, die nicht helfen können).
So was finde ich echt richtig klasse, tolle Arbeit von dem Herrn. Dass nur die es wahrnehmen, die es schätzen, ist zwar schade, aber erst mal nicht schlecht, denn an ihnen ist es zumindest nicht verschwendet und im Grunde will man doch wenigstens genau sie erreichen, oder nicht? Auf die Art können sie wenigstens die Ressourcen nutzen.
missmary
schrieb:
Die morgens nicht aufstehen und den Nachwuchs entschuldigen, wenn der nicht aufstand ... Bildung wird nicht als Gut begriffen, sondern die Schule als gängelndes ansprüchestellendes Wesen wahrnehmen - und ihre Aufgabe besteht darin, die Forderungen abzuwehren. "Ich konnte auch nie Bruchrechnung und habe eine gute Arbeit gefunden...".
Ich finde, da wäre es einfach an der Politik und den öffentlich Rechtlichen, ihre Macht zu nutzen. Gerald Hüther beschäftigt sich schon lange damit, auch bei Harald Lesch ist es immer mal im Raum, ich wünschte, das würde Wellen schlagen. Plakate, eine Kampagne. Bildung ist so ein Waisenkind und dabei doch aber auch so wichtig.
missmary
schrieb:
Viele Eltern sehen die Kinder als "Freunde" und "Partnerersatz" und nehmen ihre Erziehungsaufgabe nicht wahr. Viele sind nicht erziehungskompetent. Bei vielen leben die Kinder so "nebenher". Sie gehen in die Ganztagesschule, essen dort, kommen heim, werden abgefüttert und noch zwei oder drei Stunden in den Park geschickt oder vor die Playstation gesetzt ... es ist traurig, aber wirklich so.
Ich weiß. Aber wäre es so schlimm, wirklich einen Elternführerschein einzuführen, den man machen muss, wenn man das volle Kindergeld haben will? Ich fände das echt okay, ja, für Lernbehinderte und so müsste man Sonderregeln finden, aber das ist es einfach wert. Kinder sind zu kostbar, um sie so vor die Hunde gehen zu lassen.
missmary
schrieb:
Du kannst sehr schwer ins Private der Leute eingreifen und sie praktisch zwingen, konstruktiver Teil der Gesellschaft zu sein. Schau doch, was es nun für einen Radau gibt, wenn man Leute "zwingt", eine Maske zu tragen, etwas, was den wenigsten Leuten weh tut.
Das hat eine Vorgeschichte und man kann sich glaube ich schon mal hinsetzen und fragen, wie die genau aussieht und wo einen das hinführen wird. Man kann die Leute nicht einfach so sich selbst überlassen, sie nehmen gern den Weg der geringsten Energieeinsätze und das sind zunehmend social bots mit ihrer Meinungsmache.
missmary
schrieb:
Schon gibt es keinen Punkt mehr, wo sich alle Jugendlichen treffen und eben auch keinen Konsens mehr.
Wo siehst du da die Hauptgründe, dass es sich so entwickelt hat?
Avantega
schrieb:
Ich lebe nicht wirklich lange, aber ich glaube das war früher genauso. Es ist einfacher zu kritisieren als einzustecken.
Wie Missmary schon meinte, damals war der gesellschaftliche Druck eine Gegengröße, wollte man weiterhin akzeptiert werden, musste man manches hinnehmen. Heute darf ich nicht mal sagen, dass es den anderen doch im Grunde nicht einschränkt, wenn ich anders als er/sie denke, also könne er/sie meine Denkart auch einfach mit einem Schulterzucken nehmen. Fakt ist: nein, kann er/sie nicht, stattdessen entzünden sich Aggressionen und ich verstehe nicht, wieso. Ob ich den gesellschaftlichen Druck von damals gut fand? Nein. Aber GAR KEIN Gegenpol, das sehe ich zumindest so, ist schädlicher.
Avantega
schrieb:
Glaube ich nicht. Zyniker und Aggressive Leute, die nur negativ denken können gab es schon immer
Ich nehme dieses Zitat stellvertretend für den Rest. Ja, der Mensch ist, wie er ist, deshalb sagte ich, dass man doch eigentlich aus der Geschichte lernen könnte, damit meinte ich nicht bloß Deutschland vor 100 Jahren, sondern auch die Antike etc. Trotzdem sind wir mit der Globalisierung in einem Zustand der Zuspitzung und ich denke, dass man das würdigen kann.
Avantega
schrieb:
Wie meinst du das?
Selbstverantwortung heißt für mich, die Verantwortung für sich selbst zu tragen und die eigenen Entscheidungen. Du willst mehr Geld? Dann bilde dich weiter oder um. Du willst, dass jemand deiner Meinung ist? Finde echte, tragfähige Argumente, verlange nicht, einfach so recht zu bekommen. Du willst die Katze deines Nachbarn? Du musst lernen, zu verzichten, sie gehört dir eben nicht und sie steht dir nicht zu. Dein Kind findet, ihm steht alles zu, egal was? Setze ihm Grenzen und nimm ihm nicht alles ab, sonst lernt es keine Selbstverantwortung und das ist schmerzhaft für alle Beteiligten.
Avantega
schrieb:
Wer sowas liest und es glaubt der ist doch selber schuld. Klar kann der eine oder andere Tipp in solchen Artikeln stehen, aber solche Artikel sind nie als Versprechung oder Anleitung zu sehen.
Ich denke tendenziell auch, dass man da doch umdenken kann. Aber es GIBT einen Gruppenzwang, denn nicht nur die Zeitschrift sagt einem das, auch die Filme, Medien usw. Als Frau: Sieh jung aus, betone deine sexuellen Reize, steck zurück, finde dich damit ab, dass du nicht so klug sein darfst oder Mathe lieben. Und dann hämisch auf Frauen zeigen, die mit dem Altern nicht klarkommen, die haben Angst, ihren Platz in der Gesellschaft zu verlieren und das finde ich echt nicht lustig. In welcher Gruppe ist die Selbstmordrate am höchsten? Bei alten Männern, die haben Angst, mit ihrem beruf auch den Status, ihren Lebensinhalt zu verlieren, weil ihnen das so penetrant eingetrichtert worden ist. Das ist doch scheiße.


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18.07.2020 um 17:35
kelten-maisie
schrieb:
Dies hier sind nur Worte , denen keine echten Taten folgen werden , wollen wir wetten ?
Für mich reicht es schon, wenn bei mir daraufhin Taten folgen werden =) Und wenn der ein oder andere vielleicht sogar umdenkt, dann hätte ich mein Ziel schon übertroffen.


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18.07.2020 um 17:46
Avantega
schrieb:
Aber was ist Erfolg? Meiner Meinung ein Ziel zu erreichen und damit zufrieden zu sein.
Es gibt da sicher verschiedene Definiitonen. Aber es gibt schon eine eindeutige Datenlage dazu was allgemein ein erfülltes Leben ausmacht. Das mag dann ja nicht für alle Leute ausnahmslos gelten, aber eben für die meisten.

Da hat man in Untersuchungen einiges rausgefunden. Eben einfach viele Leute befragt (mit Fragebögen). Und dabei hat es sich rausgestellt welche Dinge glücklich machen. Erfolg gehört sicher bei vielen dazu. Das heißt ja nicht, dass sie nur beruflch extrem erfolgreich sind, sondern nur dass sie das auch sind neben anderen Eigenschaften.
Intelligenz kann zwar helfen sich cleverer anzustellen, aber ich seh Intelligenz nur als eine von.mehreren Komponenten an.
Das ist schon richtig. Aber man geht ja eher so vor, dass man Daten von einer Gruppe Menschen nimmt und dann nahc den Gemeinsamkeiten schaut. Es hat sich der IQ als der zuverlässigste Indikator herausgebildet. Das heißt aber nicht, dass dann alles andere "Komponenten" komplett entgegengesetzt dazu sein müssen.
Ausserdem merkwürdig, wenn eine Wissenschaftliche Studie ein derartiges Klischee zu bestätigen scheint.
"Studien" sollte man mit Vorsicht begegnen. Aber das ist der aktuelle Stand der Forschung und nur in dem Artikel steht es so doof als ob genau diese Forscher das jetzt gerade bei ihrer Studie herausgefunden hätten.


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18.07.2020 um 17:48
PVC-Frei
schrieb:
Ja, der Mensch ist, wie er ist, deshalb sagte ich, dass man doch eigentlich aus der Geschichte lernen könnte, damit meinte ich nicht bloß Deutschland vor 100 Jahren, sondern auch die Antike etc. Trotzdem sind wir mit der Globalisierung in einem Zustand der Zuspitzung und ich denke, dass man das würdigen kann.
Aber die Menschheit wird nicht schlauer und lernt auch nicht aus den Fehlern der Vergangenheit. Siehe Corona.

Covid war eine Zäsur und man hätte aus der schnellen Ausbreitung lernen können, das immer nur zu Globetrotten nicht das beste ist. Jetzt ist Reisen wieder erlaubt, und viele tun es als sei nichts geschehen und dann wundert man sich noch über die Maskenpflicht in manchen Ländern.

Auch aus den Bildern von Motorradunfällen und den Verletzungen wird nicht jeder schlau, ist halt zu cool auf Bike in Flip Flops und Shorts zu sitzen. Das waren nur kleinere Beispiele für die unbelehrbarkeit einiger Mitindividuen.
leopart225
schrieb:
Studien" sollte man mit Vorsicht begegnen.
Was ich auch mache.


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18.07.2020 um 17:49
PVC-Frei
schrieb:
Das war der Kampf der Generation vor uns, wir haben den eigentlich gar nicht. Wir haben den Kampf, überhaupt eine eigene Identität zu entwickeln, oder wie seht ihr das?
Das sehe ich nicht so.

Wir haben es heute deutlich leichter eine eigene Identität zu entwickeln, Träume und Ziele zu verwirklichen, einfach nur man selbst zu sein als früher. Früher war mehr Zwang und Anpassung. Die Menschen passten sich der Gesellschaft an, um nicht ausgestoßen oder gar verfolgt zu werden. Heirateten und blieben beim Partner dem Zweck wegen Durch diese zwanghafte Anpassung litt natürlich die eigene Identität, weil man vieles einfach nicht ausleben konnte. Zumindest nicht offen ausleben konnte.

Heute beispielsweise wird zwar mehr geschieden, früher dürfte es dafür aber umso mehr unglückliche Ehen gegeben haben. Natürlich nicht nach außen hin, denn da musste der Schein gewahrt bleiben.


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18.07.2020 um 18:01
PVC-Frei
schrieb:
Für mich reicht es schon, wenn bei mir daraufhin Taten folgen werden =)
das kann ich erst dann als echt ansehen (etwas zu glauben vermeide ich, weil glauben nicht wissen ist), wenn ich es
mit meinen bodenständig Realitäts-Sinnen unumstößlich bezeugen kann. Vorher niemals.


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18.07.2020 um 18:01
rhapsody3004
schrieb:
Wir haben es heute deutlich leichter eine eigene Identität zu entwickeln, Träume und Ziele zu verwirklichen, einfach nur man selbst zu sein als früher. Früher war mehr Zwang und Anpassung. Die Menschen passten sich der Gesellschaft an, um nicht ausgestoßen oder gar verfolgt zu werden. Durch diese zwanghafte Anpassung litt natürlich die eigene Identität, weil man vieles einfach nicht ausleben konnte. Zumindest nicht offen ausleben konnte.
Ich sehe es so: viele Eltern beschäftigen sich nicht im echten Kontakt mit ihren Kindern, aus irgendeinem Grund fehlt ihnen die Fähigkeit, sich richtig mit ihnen hinzusetzen und dergleichen. Die Medien erziehen viele Kinder und die üben einen sehr großen Druck aus. Es hat Gründe, dass die Emanzipation rückläufig ist oder Leute, wenn sich ein tiefer Teil in ihnen nach Natur seht, Campingausrüstung oder so was kaufen. Konsum als Ersatzidentität. So kommt es eben zumindest mir persönlich vor.

Auch finde ich, dass viele Eltern gar nicht damit klarkommen, wenn ihre Kinder echte Persönlichkeit und Individualität entwickeln, aus unterschiedlichsten Gründen.

Ich denke, zwischen 5 und 8 findet ein Wandel statt vom süßen ,,Ich will alles wissen" zum ,,Ich bin ein JUNGE!" oder ,,Ich bin ein Mädchen, hihihi" und ab da fügen sie sich dort ein, wo man sie haben will und das prägen die Gesellschaft, aber auch die Medien sehr stark. Welches Merkmal wird nach Stärke am meisten mit ,,Jungs" identifiziert? Genialität. Weil Mädchen das ja nicht können. Sehr viele Mädchen akzeptieren fraglos, dass sie niemals klug oder stark sein können, weil Kinder sehr dazu neigen, sich ihrem Umfeld bestmöglich anzupassen, allein schon aus evolutionärer Sicht, dann haben sie die besten Überlebenschancen. Wollt ihr das für eure Kinder, ob ihr sie nun schon habt oder noch plant?

Da gab es eine nette Doku, ich linke sie einfach mal hier, falls jemand mal wieder prokrastinieren oder Zeit verbringen will:
Can Our Kids Go Gender Free? Part 1 (Parenting Documentary) | Real Stories


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18.07.2020 um 18:02
kelten-maisie
schrieb:
das kann ich erst dann als echt ansehen (etwas zu glauben vermeide ich, weil glauben nicht wissen ist), wenn ich es
mit meinen bodenständig Realitäts-Sinnen unumstößlich bezeugen kann. Vorher niemals.
Das ist völlig in Ordnung.


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

18.07.2020 um 18:39
Tolle Sachen schreiben, wie es im Idealfall für Menschen sein kann, wenn es nicht satanisch sein soll, können viele, einschl. mir.
Dazu können Bücher geschrieben werden, die dicker sind als die Bibel, aber genauso wenig echte Bedeutung haben, da sie nicht
gelebt werden.

Das sind alles nur schön aussehende Worte hier, die wie Seifenblasen verpuffen und nicht ins wahre Leben vordringen werden.

Es wird erst Linien überschreiten müssen, die die echte anfassbare Realität ausmachen, bis ich es ernst nehmen kann.

Und da sich hier alles nur um Worte dreht, hat es fast keine Relevanz. Alles nur Geschreibsel oder Gefasel, wo sich jemand
intellektuell austoben kann - es lebe die Selbstbewunderung.

Echt mit alles Bedeutungen drum her um ist was anderes.


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