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ICH ICH ICH! Wer sonst!

101 Beiträge, Schlüsselwörter: Egoismus, Narzissmus, Probleme der Neuzeit

ICH ICH ICH! Wer sonst!

18.07.2020 um 19:08
@PVC-Frei
Naja, ich hab da keine Kompetenz für, um zu sagen, was am Schulsystem geändert werden müsste.
Eltern schieben es auf die Lehrer, ok.
Zumindest wäre es hilfreiche zu wissen, wie man eine Steuererklärung macht da man es braucht.
Das wird ja im Moment von vielen moniert.
Aber gut, das kann man ja auch outsourcen.
Es ist wohl der Zeitgeist alles am liebsten outgesourct zu haben.^^
Verantwortung und Arbeit abgeben.
Das ist manchmal so absurd und die Entscheidungswege sind soooo lang. :D
Ich bekomme es andauernd mit, wie viel Zeit und Ressourcen allein durch so ein Scheiß verballert werden und keiner sagt: so jetzt mache ich das und übernehme die Verantwortung.
Jeder hat seinen ganz kleinen Bereich, um den er sich kümmert, alles andere ist nicht die Zuständigkeit.
Da braucht man schon Humor, sonst wird man wahnsinnig.
Da ist einfach eine fehlende "Macher" Mentalität.
Irgendwann wird es mal soweit sein, dass der eine zuständig für den Bordstein ist und der andere für den restlichen Bürgersteig.
Wo es dann wieder verschiedene Spezialisierungen gibt: Kommando Kaugummi und Kommando Taschentuch.

Wenn man böse wäre, könnte man sagen, weil keiner mehr seinen verkackten Job machen will, wenn mans etwas wohlwollender betrachtet, funktioniert es bis aber auch irgendwie.
Jeder hat seine kleine Insel und der Rest ist eh wurscht.
Das ist mMn. die Richtung wo es hingehen wird, allein überlebensfähig eher nicht - es funktioniert aber.


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

18.07.2020 um 20:09
@PVC-Frei
ich will mich hier gar nicht großartig einmischen, aber was wäre denn ein ansatz, die menschen dazu zu bringen, dass sich etwas ändert? auch wenn es nur im kleinen ist.


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

18.07.2020 um 21:14
rhapsody3004
schrieb:
Anhand deines Beispiels kann man aber auch festhalten, dass es gut war, dass sich moderne Denk- und Verhaltensweisen in den Köpfen vieler Menschen etabliert haben, die Lebensgestaltung allgemein freier, individueller ganz ohne Zwang geworden ist.
Es ist Fluch und Segen gleichzeitig. Das Leben meiner Mutter hätte ich nicht führen wollen. Seit den 80ern hat sie nichts mehr gestrickt und gehäkelt - sie hatte also keinen Spaß daran und es nur gemacht, weil es in war, das Kind mit selbstproduzierten Sachen loszuschicken. Im Bekanntenkreis meiner Eltern gibt es ein Ärztepaar, da hat sie superemanzipiert Abi gemacht und Medizin studiert und dann jahrelang in seiner Praxis als Sprechstundenhilfe gearbeitet, weil sie ihm nicht gleichgestellt sein wollte.

Allerdings gibt es schon ein paar Dinge, wo die Freiheit seltsame Blüten treibt, z.B. eben völlig aufgelöste Eltern-Kind Beziehungen (ohne triftigen Grund).
rhapsody3004
schrieb:
Früher war man garantiert nicht sozialer, weil man es sein wollte, sondern weil man es musste.
Das stimmt, aber es gab eben den sozialen Gedanken, der sozusagen in den kollektiven moralischen Werten verankert war - den gibt es heute nicht mehr - fast alles ist verzeihbar und man hat für alles Verständnis.
PVC-Frei
schrieb:
Mensch, das tut mir wirklich leid zu lesen. Wie gehst du damit um?
Ich kann das gut abspalten. Wenn es heftig eskaliert, dann geht mir das ein Tag oder so nah, aber das passiert nicht so schrecklich oft. Ich schotte mich aber anders ab - vor zehn Jahren hatten alle Eltern meine Privatnummer und riefen daheim an. Die gebe ich nicht mehr raus.
PVC-Frei
schrieb:
Das stimmt, Eltern (und Lehrer) sind wirklich im Zuge der Krise viel zu kurz gekommen. Ich hab manchmal den Eindruck, viele Leute haben Kinder, ,,weil man das halt so macht", aber mit ihnen beschäftigen ... das geht irgendwie nicht, da sind Barrieren und ich weiß nicht, was sie aufbaut.
In der Schicht, die unser Klientel ausmacht, wird Bildung nicht als Wert wahrgenommen - entweder, weil die Eltern selbst gescheitert sind und Langzeitarbeitslos oder prekär beschäftigt und nicht mehr daran glauben, dass sich irgendwas ändern wird oder weil man Angst hat, dass die Kinder erfolgreicher sein werden und einem zeigen, dass es Wege gegeben hätte, aus der eigenen Lebenssituation herauszukommen. Mitunter haben die Eltern Angst, sich vor den Kindern zu blamieren, weil sie selbst große Defizite in Rechtschreibung etc haben.
PVC-Frei
schrieb:
So was finde ich echt richtig klasse, tolle Arbeit von dem Herrn. Dass nur die es wahrnehmen, die es schätzen, ist zwar schade, aber erst mal nicht schlecht, denn an ihnen ist es zumindest nicht verschwendet und im Grunde will man doch wenigstens genau sie erreichen, oder nicht? Auf die Art können sie wenigstens die Ressourcen nutzen.
Für ihn ist es super, da er wirklich nur leistungsfähige und bereite Schüler hat - so bekommt er viel Zuspruch - was für ihn glücklicherweise ein Ansporn ist, weiterzumachen und er hat -v.a. in Mathe- schon sehr viele Schülerleben gerettet.
PVC-Frei
schrieb:
Ich weiß. Aber wäre es so schlimm, wirklich einen Elternführerschein einzuführen, den man machen muss, wenn man das volle Kindergeld haben will? Ich fände das echt okay, ja, für Lernbehinderte und so müsste man Sonderregeln finden, aber das ist es einfach wert. Kinder sind zu kostbar, um sie so vor die Hunde gehen zu lassen.
Der Führerschein bringt da nichts. Oft rutschen Eltern einfach auch in komische Strukturen - sie werden überraschend allein erziehend und sind mit Kind + Vollzeitjob überfordert. Sie entwickeln ein Suchtproblem (Spielkonsolen, etc.). Die Elternschaft ist ja nicht statisch, deine Rolle verändert sich ja auch.
PVC-Frei
schrieb:
Das hat eine Vorgeschichte und man kann sich glaube ich schon mal hinsetzen und fragen, wie die genau aussieht und wo einen das hinführen wird. Man kann die Leute nicht einfach so sich selbst überlassen, sie nehmen gern den Weg der geringsten Energieeinsätze und das sind zunehmend social bots mit ihrer Meinungsmache.
Der Konsens ist, dass man sehr viel Verständnis zeigt - Beispiel: Kind kommt seit vier Wochen in den gleichen Klamotten in die Schule (und riecht dementsprechend). Anruf bei der Familienhelferin - die ist ganz empört, dass ich ihr nun in die Arbeit reinrede und weist mich darauf hin, dass die Familie in anderen Bereichen große Fortschritte macht. Woche 5 - es ist Winter, der Gestank nicht mehr auszuhalten, ich schnappe mir in der Pause das Kind. Folge: Erboster Anruf der Mutter, sie verbittet sich solche Gespräche und der Familienhelferin - sie hätte mir doch gesagt, dass ... Kind riecht weiter, verliert den Nebensitzer, ist sozial ausgegrenzt und mir wird von den Eltern vorgeworfen, warum ich da einfach zuschaue.
PVC-Frei
schrieb:
Wo siehst du da die Hauptgründe, dass es sich so entwickelt hat?
Der soziale Zwang ist weg und der Blueprint "Dorfleben". Früher folgte man den Regeln auch "weil es immer so war" und "weil alle es machen". Heute entscheidet jeder viel individueller und die Dorfgemeinschaft spielt im kollektiven Denken keine so große Rolle mehr. Früher war die Dorfgemeinschaft auch etwas Bedrohliches, weil man Angst hatte, was falsch zu machen und sich überkonform verhielt.

Heute kaufen Leuten Häuser im Dorfkern, sanieren sie (mit nicht ortsansäßigen Firmen), stellen sich nie bei den Nachbarn vor, grüßen nicht, arbeiten beide in der Stadt und das Kind geht dort in den Kindergarten und beschweren sich dann in der Schule, wie doch die Dorfbewohner alle unter sich bleiben - dass das Kind halt sechs Jahre Dorfleben komplett verpasst hat und dass auch sie an vielen Stellen ihr Verhalten hätten modifizieren können, nehmen sie gar nicht wahr.
PVC-Frei
schrieb:
Wie Missmary schon meinte, damals war der gesellschaftliche Druck eine Gegengröße, wollte man weiterhin akzeptiert werden, musste man manches hinnehmen. Heute darf ich nicht mal sagen, dass es den anderen doch im Grunde nicht einschränkt, wenn ich anders als er/sie denke, also könne er/sie meine Denkart auch einfach mit einem Schulterzucken nehmen.
Heute ist halt der Individualismus größer. Und es wird mehr akzeptiert. Unser Erzieherin hat immer seufzend erzählt: Dass sie, wenn es früher geschneit hat, ein Bilderbuch vorgelesen hat und dann mit allen Kindern draußen einen Schneemann gebaut hat: Heute haben acht Kinder keine ausreichende Winterjacke, Mütze, etc., sieben Kinder konzentrieren sich gar nicht aufs Schneemannbauen, sondern machen Quatsch, sechs Kinder frieren und heulen, fünf Kinder bekommen nachher eine Mittelohrentzündung, vier Kinder sind hochbegabt und hätten in der Zeit lieber individuell gefördert werden sollen, drei Kinder heulen, wenn der Schneemann schmilzt und erleiden ein Trauma, zwei Kinder müssen mit raus, obwohl sie das gar nicht wollen und das wird von den Eltern bemängelt und ein Kind hat wirklich Spaß. Ergo: Nächstes Mal schmeißt man keine 25 Kinder in Winterklamotten, sondern bleibt drin, v.a., weil das Nutzen der Karotte auch noch als problematisch eingestuft wurde, weil doch woanders Leute verhungern.
PVC-Frei
schrieb:
Ich denke tendenziell auch, dass man da doch umdenken kann. Aber es GIBT einen Gruppenzwang, denn nicht nur die Zeitschrift sagt einem das, auch die Filme, Medien usw. Als Frau: Sieh jung aus, betone deine sexuellen Reize, steck zurück, finde dich damit ab, dass du nicht so klug sein darfst oder Mathe lieben. Und dann hämisch auf Frauen zeigen, die mit dem Altern nicht klarkommen, die haben Angst, ihren Platz in der Gesellschaft zu verlieren und das finde ich echt nicht lustig.
Ich gehe ja auf die 50 zu und ja, es ist tatsächlich so, dass du als Frau irgendwann für die meisten Männer unsichtbar wirst. Du stehst als Frau unter riesigen Druck - der Haushalt soll laufen - die Kinder sollen individuell gefördert werden - die schulischen Leistungen sollen passen - im Job sollst du mindestens 100% geben - du sollst attraktiv sein - du sollst für immer eine sexy Partnerin bleiben - du sollst bedeutungsvolle Hobbys haben - du sollst coole Freunde haben.
PVC-Frei
schrieb:
Für mich reicht es schon, wenn bei mir daraufhin Taten folgen werden =) Und wenn der ein oder andere vielleicht sogar umdenkt, dann hätte ich mein Ziel schon übertroffen.
Wir haben in der Coronazeit ein witziges "Experiment" gemacht - wir waren ziemlich schockiert, wie unfreundlich die Welt plötzlich wurde und haben mit unseren Kindern ausgemacht, dass wir -jeder von uns- einmal am Tag einen "random act of kindness" durchführen - war am Anfang gar nicht so leicht, "Opfer" zu finden, da ja jeder daheim lag. Wir haben angefangen, den Rentnern in unserer Straße Postkarten zu schreiben und Einkaufshilfe anzubieten, jeden, den wir auf den Spaziergängen trafen, freundlich gegrüßt, der alleinerziehenden Mutter von zwei Straßen weiter angeboten, sie kann in unserem Garten spielen, haben geholfen, Mutmachbriefe unseres Pfarrers zu verteilen .... Das Resultat war total witzig - erst tat sich gar nichts ... aber dann lief die Sache an. Jedes unserer Kinder hat nun einen "Rentner", dem es die Einkäufe vorbeiradelt und nun, nach vier Monaten, ist es so, als ob jedes Kind noch ein zusätzliches Großelternpaar hat. Wir haben angeboten bekommen, dass wir einen Obstbaum abernten dürfen, haben so viel Marmelade eingekocht, dass wir die nun auch wieder großzügig verteilt haben und bekommen nun aus ganz vielen Gärten alles mögliche an Bioobst und Gemüse zurück. Eine Rentnerin hat uns alle Marmeladengläser, die sie besitzt, vererbt ... Wir haben auf einmal zu viel mehr Leuten in unserer Nachbarschaft ein fast freundschaftliches Verhältnis - und wir profitieren immens davon. Es ist echt eine win:win Situation.
PVC-Frei
schrieb:
Ich sehe es so: viele Eltern beschäftigen sich nicht im echten Kontakt mit ihren Kindern, aus irgendeinem Grund fehlt ihnen die Fähigkeit, sich richtig mit ihnen hinzusetzen und dergleichen. Die Medien erziehen viele Kinder und die üben einen sehr großen Druck aus.
Man hat auch so den Eindruck, dass vielen Leuten die Fantasie fehlt, auch kostenfrei mal was zu machen. Man trifft auch immer die gleichen Leute, die das Kind mit im Schwimmkurs, der Musikschule, etc. haben. Der Bereich Bildung ist (fast) komplett outgesourct. Man nimmt aber auch nicht mehr wahr, was wichtig ist: Mein kleiner Neffe hat sich wochenlang z.B. auf den Laternenumzug im Kindergarten vorbereitet, Lieder geübt, Brezeln gebacken und wir haben zusammen die Laterne gebastelt - an dem Abend kamen 10 Eltern nicht "zu kalt", "was anderes vor" - sie können nicht wahrnehmen, dass das im Leben eines Vierjährigen eben wichtig ist. Stattdessen jagt dann ein Event das nächste - man besucht Tier- und Freizeitparks, geht in Familienhotels in Urlaub ...
PVC-Frei
schrieb:
Es hat Gründe, dass die Emanzipation rückläufig ist oder Leute, wenn sich ein tiefer Teil in ihnen nach Natur seht, Campingausrüstung oder so was kaufen. Konsum als Ersatzidentität. So kommt es eben zumindest mir persönlich vor.
Es gibt einen Teil der Leute, die sehr viel konsumieren und das ist auch so gewollt - bei uns haben alle Einkaufszentren samstagvormittags ein kostenfreies Kinderprogramm, man geht, kauft ein, trinkt noch einen Kaffee. Selbst wenn wunderschönstes Wetter ist, drängen sich bei verkaufsoffenen Sonntagen die Leute in den Innenstädten - und fahren noch extra an (sieht man ja an den Nummernschildern).
Yooo
schrieb:
Naja, ich hab da keine Kompetenz für, um zu sagen, was am Schulsystem geändert werden müsste. Eltern schieben es auf die Lehrer, ok.
Die gesellschaftlichen Voraussetzungen haben sich geändert - du hast nun viel mehr "auffällige" Kinder als früher. Die Klassen sind etwas kleiner, aber bei uns sind immer noch 30 Kinder in der Klasse. Bei uns zählt ja ausschließlich der Elternwille, so sind im Schnitt fünf Kinder in der Klasse, die trotz Förderung das Klassenziel nicht erreichen (dann aber trotzdem versetzt werden) und irgendwann so abgehängt sind, dass sie beginnen, sich zu langweilen und zu stören. Dann hast du fünf Kinder, die einfach auffällig sind. Dann hast du die Riege der "Schlamper", die einfach keine Hausaufgaben machen und keine Materialien mitbringen. Davon hat die Hälfte Eltern, die es nicht interessiert und Eltern, die sich nicht durchsetzen können oder selbst ein Struktuproblem haben. Du hast also 1/3 der Klasse, die vorbereitet zum Unterricht kommt und dem auch folgen will. Die Klassenzimmer sind völlig überfüllt und oft zu klein, du steigst über Tische und Bänke ... du bist ständig dabei, irgendwen zu ermahnen, versuchst im Stoff weiterzukommen, ärgerst dich mit Eltern rum, die nicht einsehen, dass ihr Kind nachsitzen soll, weil es keine Hausaufgaben hat, du opferst deine Pause, um dem Dauerkranken noch was zu erklären und stellst dann fest, dass er alle Arbeitsblätter liegen gelassen hat - die dann abends von der Putzfrau entsorgt werden ....


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18.07.2020 um 22:09
missmary
schrieb:
oder weil man Angst hat, dass die Kinder erfolgreicher sein werden und einem zeigen, dass es Wege gegeben hätte, aus der eigenen Lebenssituation herauszukommen. Mitunter haben die Eltern Angst, sich vor den Kindern zu blamieren, weil sie selbst große Defizite in Rechtschreibung etc haben.
Sy, aber für solche Menschen habe ich absolut kein Verständnis. Auch da ist wieder das Ego das Problem.
Was ich nicht hatte,sollst du auch nicht bekommen! Das muss Liebe sein!
missmary
schrieb:
Der Konsens ist, dass man sehr viel Verständnis zeigt - Beispiel: Kind kommt seit vier Wochen in den gleichen Klamotten in die Schule (und riecht dementsprechend). Anruf bei der Familienhelferin - die ist ganz empört, dass ich ihr nun in die Arbeit reinrede und weist mich darauf hin, dass die Familie in anderen Bereichen große Fortschritte macht. Woche 5 - es ist Winter, der Gestank nicht mehr auszuhalten, ich schnappe mir in der Pause das Kind. Folge: Erboster Anruf der Mutter, sie verbittet sich solche Gespräche und der Familienhelferin - sie hätte mir doch gesagt, dass ... Kind riecht weiter, verliert den Nebensitzer, ist sozial ausgegrenzt und mir wird von den Eltern vorgeworfen, warum ich da einfach zuschaue.
Unglaublich,...und m.E ganz klar auch ein Verschulden der Familienhilfe.
missmary
schrieb:
Heute ist halt der Individualismus größer. Und es wird mehr akzeptiert. Unser Erzieherin hat immer seufzend erzählt: Dass sie, wenn es früher geschneit hat, ein Bilderbuch vorgelesen hat und dann mit allen Kindern draußen einen Schneemann gebaut hat: Heute haben acht Kinder keine ausreichende Winterjacke, Mütze, etc., sieben Kinder konzentrieren sich gar nicht aufs Schneemannbauen, sondern machen Quatsch, sechs Kinder frieren und heulen, fünf Kinder bekommen nachher eine Mittelohrentzündung, vier Kinder sind hochbegabt und hätten in der Zeit lieber individuell gefördert werden sollen, drei Kinder heulen, wenn der Schneemann schmilzt und erleiden ein Trauma, zwei Kinder müssen mit raus, obwohl sie das gar nicht wollen und das wird von den Eltern bemängelt und ein Kind hat wirklich Spaß. Ergo: Nächstes Mal schmeißt man keine 25 Kinder in Winterklamotten, sondern bleibt drin, v.a., weil das Nutzen der Karotte auch noch als problematisch eingestuft wurde, weil doch woanders Leute verhungern.
Respekt , ich hätte für sowas nicht die Nerven ,ohne regelmäßig in die Luft zu gehen.
Aber vllt wäre genau DAS mal nötig...
missmary
schrieb:
Man hat auch so den Eindruck, dass vielen Leuten die Fantasie fehlt, auch kostenfrei mal was zu machen. Man trifft auch immer die gleichen Leute, die das Kind mit im Schwimmkurs, der Musikschule, etc. haben. Der Bereich Bildung ist (fast) komplett outgesourct. Man nimmt aber auch nicht mehr wahr, was wichtig ist: Mein kleiner Neffe hat sich wochenlang z.B. auf den Laternenumzug im Kindergarten vorbereitet, Lieder geübt, Brezeln gebacken und wir haben zusammen die Laterne gebastelt - an dem Abend kamen 10 Eltern nicht "zu kalt", "was anderes vor" - sie können nicht wahrnehmen, dass das im Leben eines Vierjährigen eben wichtig ist. Stattdessen jagt dann ein Event das nächste - man besucht Tier- und Freizeitparks, geht in Familienhotels in Urlaub ...
Ich sag nur Konsumzombies...die die wahren Bedürfnisse ihrer Kinder nach Nähe und Zuwendung (in kleinen Dingen) blind niedertrampeln,aber man muss ja vor den Kollegen mit dem teuersten Urlaub glänzen können.

Die Menschheit ist erkrankt und aus dem Ungleichgewicht geraten ,ich will und kann nicht sagen ,das es früher besser war, ...das wäre eh nur meine subjektive Meinung. Dieses Ungleichgewicht,wird bloß von der einen zur anderen Seite verschoben bzw. durch MEEEHR versucht ausgeglichen zu werden.
Woher kommt der Wunsch ,die Gier besser zu sein?
Es MUSS ein Defizit vorliegen,ein Mangel an Selbstwert ,das ist auch die Wurzel des Narzissmus.
Man kann sich seinen Selbstwert nicht erkaufen oder durch Besitz aufwerten.
Aber genau das, versucht uns dieses kapitalistische System einzutrichtern um davon zu profitieren.
Wir werden mit Konsumprobaganda bombardiert und auf der anderen Seite verkümmert das einzige Heilmittel: Bildung
Der Mensch verhungert innerlich obwohl es im Übermaß zu fressen gibt.
König Midas ,der alles was er anfasste zu Gold werden lassen konnte und dadurch fast verhungerte...
Menschliche Wärme bleibt dabei auf der Strecke und das sieht man immer mehr an "unseren" Kindern.
Die wenigsten Eltern sind fähig ,das zu geben ,was sie selbst nicht bekommen haben.
Ich sehe ständig weinende Kinder und Eltern,die lieber aufs Smartphone starren.
Auf der anderen Seite Eltern ,die ihre Kinder zu kleinen Tyrannen erziehen,die denen alles in den Arsch (materiell) blasen , aus dem selben Grund:
Ihre Ruhe zu haben. Ja, Kindererziehung ist nicht einfach und man muss selbst zurückstecken und Verantwortung tragen,das wollen viele aber nicht.Man könnte doch soviel anderes verpassen! Schade, das man die Teile nicht muten kann...mann mann, mann, warum war da bloß keine Gebrauchsanweisung bei?
An erster Stelle steht der Spaß (Verdrängung der Leere,die materiell nicht zu stopfen ist) ,darauf folgt erst einmal eine Weile gar nichts mehr.... Das Resultat sieht jeder ,der sich unseren Planeten anschaut.^^(Chaos und Zerstörung).
Wir sind einfach zu viele, jeder ist ersetzbar,es sei denn er kann konsumieren für 10.


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

18.07.2020 um 22:30
Nimmermehr
schrieb:
und aus dem Ungleichgewicht geraten
Korrektur -> Gleichgeweicht


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

18.07.2020 um 23:12
Nimmermehr
schrieb:
Sy, aber für solche Menschen habe ich absolut kein Verständnis. Auch da ist wieder das Ego das Problem. Was ich nicht hatte,sollst du auch nicht bekommen! Das muss Liebe sein!
Die Leute haben Angst davor, dass ihre eigenen Kinder ihnen zeigen, dass es doch gegangen wäre - und das, obwohl daheim völlig falsche Werte vermittelt wurden. Es ist echt verrückt. Mitunter möchte man Kinder vor ihren Eltern schützen. Bei uns in der Schule gibt es z.B. mehrere Förderkurse für Schüler, die in der 5. Klasse Probleme haben - da gibt es immer wieder Eltern, die ihre Kinder von diesen Kursen "befreien" lassen und blöderweise auch das Sagen haben, weil es pädagogisch nichts bringt, die Kinder an in einen (kostenfreien) Kurs zu zwingen, wenn die Eltern so vehement dagegen sind.
Nimmermehr
schrieb:
Unglaublich,...und m.E ganz klar auch ein Verschulden der Familienhilfe.
Man hat mitunter Angst, normale Dinge zu fordern - z.B., dass Kinder ausgeschlafen, mit Frühstück, geduscht und pünktlich in die Schule kommen. Dass sie nicht 25.000 Fehltage im Halbjahr haben. Dass sie Materialien mitbringen.
Nimmermehr
schrieb:
Respekt , ich hätte für sowas nicht die Nerven ,ohne regelmäßig in die Luft zu gehen. Aber vllt wäre genau DAS mal nötig...
Es sollte wieder eine Kultur des "Forderns" geben dürfen. Ich war in einem katholischen Nonnenkindergarten, der den Anspruch hatte, Kinder gut auf die Schule vorzubereiten. Z.B. malten Vorschulkinder Bögen, lernten gerade Schneiden, die Nonnen hatten sich ein richtiges Curriculum ausgedacht und zogen das durch - das wurde nicht nur belächelt, sondern von Lehrern und Eltern massiv kritisiert. Wenn ich mir anschaue, was meine Kinder im Kindergarten "lernten" - das war so ein massiver Rückschritt. Man hat Angst, etwas zu fordern. Leistung einzufordern und sonst Konsequenzen einzuleiten. Stattdessen dürfen in B-W auch Kinder mit Hauptschulempfehlung aufs Gymnasium und dort zwei Jahre lang die Klasse aufhalten ...
Nimmermehr
schrieb:
Ich sag nur Konsumzombies...die die wahren Bedürfnisse ihrer Kinder nach Nähe und Zuwendung (in kleinen Dingen) blind niedertrampeln,aber man muss ja vor den Kollegen mit dem teuersten Urlaub glänzen können.
Manche Leute legen es durchaus darauf an, ihre Kinder "wegzuorganisieren" - auch in Zeiten, wenn sie Zeit haben.
Es gibt in manchen Familien auch kein Bedürfnis, Zeit mit den Kindern zu verbringen.
Nimmermehr
schrieb:
Die Menschheit ist erkrankt und aus dem Ungleichgewicht geraten ,ich will und kann nicht sagen ,das es früher besser war, ...das wäre eh nur meine subjektive Meinung. Dieses Ungleichgewicht,wird bloß von der einen zur anderen Seite verschoben bzw. durch MEEEHR versucht ausgeglichen zu werden.
Jeder hat nun eben riesige Ansprüche. Als wir klein waren, waren z.B. Urlaube im Ausland teuer. Meine Eltern bauten, daher fuhren wir nicht in Urlaub. Geringverdiener fuhren auch nicht ... heute muss ja jeder all inclusiv drei Wochen "irgendwo an den Strand". Mitunter verlassen die Leute nicht mal die Hotelanlage.


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18.07.2020 um 23:54
@missmary

Mir sind ein paar solcher "Fälle" auch bekannt und ich begreife es einfach nicht.
Es sind für mich böhmische Dörfer.
Auch diese Respektlosigkeit den Lehrkräften gegenüber,anstatt Dankbarkeit werden sie oft angefeindet.
Als ob die Verantwortung und die Kindererziehung bei ihnen liegen würde.
Das ist einfach nur unverschämt.
Ich bin nicht für eine strenge oder autoritäre Erziehung,ich bin dafür ,das man Kindern Werte vermittelt ,die das soziale Miteinander fördern. Das man ihnen zuhört,ihren Willen respektiert und mit ihnen spricht,der Rest ergibt sich dann meist von selbst. ;)
Wer selbst Respekt entgegen gebracht bekommt und nicht erst ab 18 ,der respektiert auch eher das Gegenüber.
Viele Kinder jedoch werden sich selbst überlassen,"erziehen" sich quasi gegenseitig und da gilt dann meist noch das uralte Recht des Stärkeren.
Aus diesen Menschen werden dann Erwachsene,die das dann wahrscheinlich genauso machen usw usw.
Wenn man die Gesellschaft verändern will,dann muss man bei den Kindern anfangen,bei den "Alten" ist meist Hopfen und Malz verloren.
Natürlich kann und sollte man Eltern nicht vorschreiben ,wie sie ihre Kinder zu erziehen haben.
Aber das es nicht durch Schlagen,Unterdrückung,Strafe wenn sie nicht weiter kommen passieren soll, sollte im 21. Jhd doch mal angekommen sein.^^
Aber die meisten Leute kriegen es ja noch nicht einmal hin einen Hund zu erziehen.
Dann wird das Tier gewürgt und es wird geschrien ,es wird auch noch für die falsche Erziehung bestraft.
Selbstreflexion ist Mangelware ...

Auch zum Thema IQ schön und gut,der EQ (Emotionale Intelligenz) spielt aber auch eine Rolle,die oft vernachlässigt wird.
Ist beides vorhanden und in Balance, dann kann man m.E von einer wirklich intelligenten Person sprechen.
Was bringt es 10 Fremdsprachen zu beherrschen, wenn man im Bereich zwischenmenschliche Kommunikation eine Niete ist?
Und Fachwissen auswendig lernen,geistigen Wiederkäuer spielen kann jeder,der die Zeit und Lust dazu hat.


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19.07.2020 um 07:39
Nimmermehr
schrieb:
Wir werden mit Konsumprobaganda bombardiert und auf der anderen Seite verkümmert das einzige Heilmittel: Bildung
Jetzt übertreibt aber mal nicht. Mit der unermesslichen Gier und dem Konsumwahn stimme ich euch zu, in Sachen Bildung nur zum Teil.

Unsere heutige Gesellschaft (nur auf unsere Standards bezogen) ist doch auf dem besten Wege eine akademische Gesellschaft zu werden, mit all den Nachteilen, die wir dadurch jetzt schon haben.
Dass Bildung bei uns hierzulande verkümmert, widerspricht sich eigentlich mit dem, dass in den letzten 20 Jahren immer mehr Schüler aufs Gymnasium gehen und Abi machen oder sich auf anderem Wege, die es früher noch nicht gab, die Hochschulzugangsberechtigung zu verdienen, um dann im Anschluss auch studieren zu können. Ja, auch immer mehr Studenten sind in den letzten 20 Jahren aus dem Boden geschossen.

Die Ausgewogenheit aller Berufe, Tätigkeiten, ist dadurch in Gefahr geraten und es stellt sich zunehmend ein Ungleichgewicht ein, mit Folgen für uns alle.

Ich bin ein Freund von Gleichberechtigung durch und durch. Aber es gibt nun mal eben auch Grenzen bzw. Bereiche, in denen ich den krampfhaften Versuch alles gleichschalten zu wollen für kontraproduktiv halte. Zumindest jetzt noch, weil unsere Entwicklung noch nicht so weit ist, dass wir den Mangel, der dadurch entsteht vollumfänglich mit Automatisierung, Robotern und Maschinen ausgleichen könnten.


Und zur Solidarität, dem Sozialen nochmal, bleibe ich dabei, dass das ganze frühere soziale Verhalten der Menschen mehr durch Zwang entstanden ist anstatt auf tatsächlicher Überzeugung und Freiwilligkeit zu beruhen.

Klar hat der heutige Individualismus auch Nachteile gebracht - nichtsdestotrotz ist er immer noch ehrlicher als der frühere mehr erzwungene Gemeinschaftszwang.

Die Menschen, die heute immer noch sozial sind, sozial arbeiten und stets immer nur das Gemeinwohl im Auge haben, tun dies meist aus Überzeugung und Freiwilligkeit heraus.

Auch Frauen brachte der heutige Individualismus eigentlich nur Vorteile und hat zugleich Scheidungsanwälten mehr Arbeit verschafft.


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19.07.2020 um 11:24
Wie soll den jene ausgewogenheit wieder kehren, wenn Leute, die in manchen Berufen Arbeiten mit unfassbar negativen Vorurteilen zu kämpfen haben? Keiner will mehr was Handwerkliches machen weil man ja schmutzig wird und weil man härter anpacken muss als als Bürohengst.

Vielleicht schreckt auch der Gedanke ab, als Handwerker sich kaputt zu heben, dann lieber Karriere machen und die Umwelt verpesten mit großspurigem Lebensstil und irgendwann einen Nervenzusammenbruch kriegen, weil man zu viel Arbeitet. Beides ist absolut scheiße, aber während der Bauarbeiter trotzdem noch arm ist so hat der Vorstandsvorsitzende jetzt wenigstens ein Auto mit V8 Turbo Motor, eine fette Villa und ist Privatversichert.

Mögliche Probleme und Traumatas werden so oder so nicht gelöst. Man kann an seiner Seele, seiner Psyche und seinem Selbstwertgefühl genauso Arbeiten wie daran, das man sich mal allgemein mehr bewegt und die Cola und Fertigpizza weglässt. Nur man selber kann sein leben in eine positive Richtung wechseln. Und selbst wenn eine Arschige art noch bleibt oder der Waschbrettbauch nicht wiederkommt ist das doch 1000 mal besser als nichts tun und zu jammern.

Aus einem großkotzigen Idioten wird vermutlich kein Supernetter immer gerechter und fairer Wohltäter, aber durch hinterfragen und ändern kann man sich weiterentwickeln, und das muss keine Einschränkung sein. Ich hab mich auch weiterentwickelt und sehe darin weder eine Einschränkung noch sehe ich in Kritik Vorschriften.

Oft ist heutzutage der fall, das eine andere Meinung oder auch eine andere sicht oder eine kritische haltung als angriff betrachtet wird. Ich habe das selber schon erlebt, und das bei einer Person die sich für Ultra Stark hielt, aber leichten gegenwind kann sie trotzdem nicht standhalten.

Man muss eben auch mal damit klar kommen, mal unfair Vorverurteilt zu werden, man muss damit klar kommen abgestempelt zu werden und und und. Man darf trotzdem seine eigene Meinung zu jener Vorveruteilung sagen, aber man muss trotzdem in sich gehen und sich fragen, ob jene Personen oder Person nicht trotzdem nachvollziehbar gehandelt hat.

Egal ob man oben, in der mitte oder unten steht, jedem kann das passieren, da viele Menschen schubladen haben in die sie andere gerne mal reinstecken.


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19.07.2020 um 11:44
Avantega
schrieb:
Vielleicht schreckt auch der Gedanke ab, als Handwerker sich kaputt zu heben, dann lieber Karriere machen und die Umwelt verpesten mit großspurigem Lebensstil und irgendwann einen Nervenzusammenbruch kriegen, weil man zu viel Arbeitet. Beides ist absolut scheiße, aber während der Bauarbeiter trotzdem noch arm ist so hat der Vorstandsvorsitzende jetzt wenigstens ein Auto mit V8 Turbo Motor, eine fette Villa und ist Privatversichert
Zwar kurz OT, kanns mir aber nicht verkneifen; Und ohne die Bauarbeiter gebe es auch keine fetten Villen. Dann hätte eigentlich niemand ein Dach über dem Kopf - egal ob als Privatheim, Arbeitsplatz oder Bildungsstätte.
Darum ist auch Ausgewogenheit so wichtig und dies kann man bereits an einfachen Beispielen festmachen: Nur mit Architekten würde unsere Welt nicht funktionieren. Es braucht schon das Zusammenspiel aus allem. Zumindest noch.


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19.07.2020 um 12:07
rhapsody3004
schrieb:
kanns mir aber nicht verkneifen
Yepp, das bringst Du oft, aber eigentlich ist es so... auch bei Ärzten und Putzpersonal: der mit der höherwertigen Ausbildung kann in der Regel bauen oder putzen, wiederum würdest Du nicht vom Putzpersonal operieren lassen.
Es wird echt Zeit dass Du diese Hinweise auf angebliche unverzichtbare Zusammenhänge unterlässt.
Avantega
schrieb:
Bürohengst
Was ist das?


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19.07.2020 um 12:27
abahatschi
schrieb:
Yepp, das bringst Du oft, aber eigentlich ist es so... auch bei Ärzten und Putzpersonal: der mit der höherwertigen Ausbildung kann in der Regel bauen oder putzen, wiederum würdest Du nicht vom Putzpersonal operieren lassen.
Es wird echt Zeit dass Du diese Hinweise auf angebliche unverzichtbare Zusammenhänge unterlässt
Ich könnte Dir tausende Beispiele aufzählen, aber geschenkt, da mein einfaches Beispiel ausreichend ist, um die Relevanz des Zusammenspiels aus allem zu verstehen und auf etliche andere Bereiche zu übertragen.
Unser alltäglicher Alltag gibt uns schon die zahlreichen Beispiele. Man muss nur die Augen offen halten und nichts für selbstverständlich halten.

Was ich zu unterlassen habe, befiehlt mir hier kein User, sondern höre ich wenn nur auf die Moderatoren dieses Forums.


Und diese Zusammenhänge bringe ich öfters, auch in anderen Foren und auf FB, weil es gefühlt immer noch genügend Menschen gibt, die meine Verweise auf Ausgewogenheit aller Tätigkeiten, das Zusammenspiel aus allem entweder nicht verstehen können oder viel wahrscheinlicher nicht verstehen wollen.
Habe ich den Verdacht auf bewusste Blödstellung und sitzen auf dem hohen Ross, wiederhole ich ganz besonders gerne.


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19.07.2020 um 13:22
kelten-maisie
schrieb:
Tolle Sachen schreiben, wie es im Idealfall für Menschen sein kann, wenn es nicht satanisch sein soll, können viele, einschl. mir.
Dazu können Bücher geschrieben werden, die dicker sind als die Bibel, aber genauso wenig echte Bedeutung haben, da sie nicht
gelebt werden.
Dieser Postbereich bewegt sich doch weit von satanischem Verhalten und aber auch Idealfällen. Ich sehe es so: bleibt es im Kopf, kann es wirken und heißt das, dass man erst noch 10 Jahre warten muss, bis sich dann aber einer dran erinnert und jemandem deshalb hilft, lohnt es schon. Ich denke auch, dass man manche Dinge erst mal ausformulieren und überdenken muss, ehe sie tiefer im Bewusstsein verankert werden können.
kelten-maisie
schrieb:
Das sind alles nur schön aussehende Worte hier, die wie Seifenblasen verpuffen und nicht ins wahre Leben vordringen werden.

Es wird erst Linien überschreiten müssen, die die echte anfassbare Realität ausmachen, bis ich es ernst nehmen kann.

Und da sich hier alles nur um Worte dreht, hat es fast keine Relevanz. Alles nur Geschreibsel oder Gefasel, wo sich jemand
intellektuell austoben kann - es lebe die Selbstbewunderung.
Es ist mir ehrlich gesagt egal, ob es von allen ernstgenommen werden kann oder nicht. Jedem bleibt seine Meinung unbenommen und es steht mir nicht zu, Dinge vom anderen zu erwarten, deshalb hat jeder das Recht, zu zweifeln, oder zu meinen, das kann noch in die Zukunft wirken. Und, wie gesagt, das kann für mich problemlos nebeneinander stehen.

Der Allgemeinheit halber nehme ich mir mal das Recht des Duzens heraus, das kann mir aber gern genommen werden, falls jemand gesiezt werden will.

@kelten-maisie : Weshalb hast du denn zu diesem Thema so einen Frust?
Yooo
schrieb:
Naja, ich hab da keine Kompetenz für, um zu sagen, was am Schulsystem geändert werden müsste.
Das wüsste ich auch nicht, aber es kann sich wie gesagt lohnen, dazu Harald Lesch und Gerald Hüther anzuhören. Fakt ist, ich hab meine Schulzeit sicherlich nicht genossen und die Lehrer, die ich kenne, haben es teilweise wirklich schwer. Wenn es also so wenigen Freude bereitet (und welches kleine Kind lernt bitte zuerst nicht mit Freude?), wieso wird es dann so aufgezogen? Aber auch das Schulsystem ist an sich ein anderes Fass, das hier noch mit aufzumachen, wäre nicht zielführend in meinen Augen.
Yooo
schrieb:
Da ist einfach eine fehlende "Macher" Mentalität.
Ja, das stimmt. Woran könnte das eurer Meinung nach liegen, dass mehr Leute reden, statt zu machen? Liegt es am Größenwahn, nehmen sie sich zu viel vor und sind dann erschlagen von dem, was alles auf sie wartet?




Aber ich frag mich, ob es manchmal daran liegt, dass sich eine unterschwellige Erschöpfung breitmacht, eine geleugnete. Irgendwas verbrennt einige Leute, ich kann nur noch nicht präzise draufzeigen, wir können hier gern alle zusammen überlegen. Erst mal der Arbeitsmarkt, klar, du bist nichts wert und das lässt man uns heute echt gern spüren, alles bis gestern fertig, und obwohl der gesellschaftliche Druck in Hinsicht Ordnung und Sauberkeit und Heirat nachgelassen hat, ist er doch sehr sehr groß, wenn es ums Aussehen geht, also, echte Attraktivität. Ich mag echt keine Frau sein. Aber dann eben auch, ob du hip bist, wie du dich ernährst etc. pp. Es geht irgendwie auch sehr oft darum, sich besser zu fühlen, als andere, aber ... ohne Mitmenschen wären die meisten von uns doch verloren! Es geht doch im Grunde wenig über ein schönes Gespräch und gegenseitige Akzeptanz, für ein soziales Miteinander sind wir gemacht. Wieso fällt es der Allgemeinheit so schwer, das zu würdigen? Ja, ,,von oben" wird man scheiße behandelt, aber dann gehört der Trotz, finde ich, auch nach oben gerichtet und nicht ungehemmt in jede Richtung, ist das nicht eher die Reaktion eines Kindes? Ich weiß natürlich, dass jeder sein inneres Kind behält und einfach nur Selbstbeherrschung darüber liegt. Aber was frisst die bitte so massiv auf? Und ich frag mich ehrlich: leiden Leute, die keine Selbstverantwortung haben eigentlich selbst darunter? Ich hab mal gelesen, wer sein Kind dahingehend erzieht, beraubt es der Gefühle von Scham oder Schuld und ohne diese erhält man dann Individuen, dich man sich ausgiebig bei ,,entitled"-Videos auf Youtube ansehen kann. Jede arme Seele, die mit Menschen arbeitet, weiß das aber eh schon alles aus erster Hand.
valja1587
schrieb:
ich will mich hier gar nicht großartig einmischen, aber was wäre denn ein ansatz, die menschen dazu zu bringen, dass sich etwas ändert? auch wenn es nur im kleinen ist.
Zuhören und würdigen.
Jemanden ausreden lassen, über das Gesagte nachdenken und dann Anteil nehmen. Mitfreuen oder sagen, dass man es schade findet etc. Dadurch würdigt man die Gefühle seines Gegenübers und ich glaube Würdigung ist genau das, was es kaum noch gibt, genausowenig, wie echten Kontakt. Ich denke, dass meistens wenig bis nichts zurückkommen wird. Aber es ist völlig legitim, sich für eine Zeit von anderen Menschen zurückzuziehen oder was zu sagen wie: ,,Ich fände es echt schön, wenn du mir kurz zuhören könntest" oder ,,Es wäre schön, deine Meinung zu hören" oder wie auch immer.
Was mich an vielen Menschen am meisten nervt ist, dass man sie so viel anleiten muss, man darf nicht direkt sagen, dass sie es nicht fertigbringen, zuzuhören oder mal bei einem anderen zu bleiben, das wird mordsmäßig aufgebauscht. Deshalb muss man Dinge oft so formulieren, dass der andere sanft rangeführt wird. Ich nehme gerne direkte Wege, dieser Mehraufwand stört mich sehr, er ist energiefressend und weil ihn keiner bemerkt, haben einige dann kein Verständnis, wenn ich mal eine Pause will oder einfach nur meine Ruhe für ≥ 2 Wochen. Aber ganz ehrlich, wer so tickt, mit dem will ich privat ja eh nicht viel zu tun haben. Grenzen sind sehr wichtig und die meisten überschreiten sie, ich versuche dann, bestimmt, aber halbwegs freundlich drauf hinzuweisen, aber dass ich gefrustet bin, sieht man ja daran, dass ich diesen Diskussionsbereich erstellt habe. Ich denke, es direkt zu sagen, bringt vielleicht noch mal ein paar Leute dazu, drüber nachzudenken, was nett ist, je mehr es machen, umso mehr kann es um sich greifen. Andererseits ist es nett, Lösungsvorschläge oder Ideen von anderen zu hören, denn wenn man ein Problem erkennt, hilft es sehr, es genau zu formulieren/identifizieren, damit man es lösen kann oder, wie in diesem Fall von übermächtigen Problemen, die uns übersteigen, zumindest praktikable Linderungsvorschläge für den Alltag.
missmary
schrieb:
Im Bekanntenkreis meiner Eltern gibt es ein Ärztepaar, da hat sie superemanzipiert Abi gemacht und Medizin studiert und dann jahrelang in seiner Praxis als Sprechstundenhilfe gearbeitet, weil sie ihm nicht gleichgestellt sein wollte
Aaach, das ist so traurig.
missmary
schrieb:
Allerdings gibt es schon ein paar Dinge, wo die Freiheit seltsame Blüten treibt, z.B. eben völlig aufgelöste Eltern-Kind Beziehungen (ohne triftigen Grund).
Sich ums Kind zu sorgen und Kümmern, das ist uns doch ein ebenso großes biologisches Bedürfnis, wie sie in erster Linie überhaupt zu bekommen, da muss doch eine psychische Überlagerung stattgefunden haben: welche?
missmary
schrieb:
fast alles ist verzeihbar und man hat für alles Verständnis.
Ich hab Asperger-Autismus und kann ganz klar sagen, dass das nicht stimmt.
missmary
schrieb:
vor zehn Jahren hatten alle Eltern meine Privatnummer und riefen daheim an. Die gebe ich nicht mehr raus.
Oh wow, ja, das ist eine sehr gute Abgrenzung, die mit Sicherheit nötig ist.
missmary
schrieb:
Für ihn ist es super, da er wirklich nur leistungsfähige und bereite Schüler hat - so bekommt er viel Zuspruch - was für ihn glücklicherweise ein Ansporn ist, weiterzumachen und er hat -v.a. in Mathe- schon sehr viele Schülerleben gerettet.
Wie hat er das denn aufgezogen oder gibt es eine Webseite dafür, um ihn selbst zu kontaktieren? Was war er mal von Beruf?
missmary
schrieb:
Der Führerschein bringt da nichts. Oft rutschen Eltern einfach auch in komische Strukturen - sie werden überraschend allein erziehend und sind mit Kind + Vollzeitjob überfordert. Sie entwickeln ein Suchtproblem (Spielkonsolen, etc.). Die Elternschaft ist ja nicht statisch, deine Rolle verändert sich ja auch.
Ich denke, dass, wenn dieser ,,Elternführerschein" flächendeckend Voraussetzung für den Bezug des vollen Kindergelds wäre, wird es immer welche geben, die nicht drauf eingehen oder reagieren, aber es wird mehr geben (hoffe ich), denen es was bringen wird. Um sich so von Logik und gesundem Menschenverstand abzuschotten muss man sich schon aktiv dazu entscheiden, Scheuklappen aufzusetzen. Je jünger Leute sind, umso eher kann man noch was machen, denke ich. Später müsste man dafür sein ganzes vorheriges Leben hinterfragen und das bringen viele nicht fertig (zumal manche denken, bloß, weil man ein Kind bekommt, weiß man auch, was gut oder schlecht wäre, unlogisch¹⁰). Aus irgendeinem Grund ist auch die Vorstellung in der Gesellschaft verankert, dass man beim Älterwerden automatisch weise oder klug wird, vermutlich denken sie, dass ab 50 jemand klingelt und ein Paket Weisheit und Schläue abstellt, als Wiedergutmachung fürs Alt- und Ausgeschlossenwerden aus der Gesellschaft. Was mich übrigens zu einem weiteren Kritikpunkt führt: ältere Leute werden oft ausgeschlossen. Das finde ich fürchterlich! Als wären sie dann weniger wert oder Menschen zweiter, dritter, vierter Klasse, so ein Schwachsinn!
missmary
schrieb:
Der Konsens ist, dass man sehr viel Verständnis zeigt - Beispiel: Kind kommt seit vier Wochen in den gleichen Klamotten in die Schule (und riecht dementsprechend). Anruf bei der Familienhelferin - die ist ganz empört, dass ich ihr nun in die Arbeit reinrede und weist mich darauf hin, dass die Familie in anderen Bereichen große Fortschritte macht. Woche 5 - es ist Winter, der Gestank nicht mehr auszuhalten, ich schnappe mir in der Pause das Kind. Folge: Erboster Anruf der Mutter, sie verbittet sich solche Gespräche und der Familienhelferin - sie hätte mir doch gesagt, dass ... Kind riecht weiter, verliert den Nebensitzer, ist sozial ausgegrenzt und mir wird von den Eltern vorgeworfen, warum ich da einfach zuschaue
Also ... was hat das mit Verständnis zu tun? Ich kann Verständnis dafür haben, wenn jemand am liebsten Ballerinaoutfits trägt, das befremdet mich, aber unterm Strich schadet es mir ja nicht nur nicht, es berührt mich auch sonst nicht, also kann ich Verständnis dafür haben. Aber wenn jemand stinkt und vernachlässigt wird, hat das mit Verständnis absolut nichts mehr zu tun, dass das überhaupt noch zur Diskussion steht.
missmary
schrieb:
Ergo: Nächstes Mal schmeißt man keine 25 Kinder in Winterklamotten, sondern bleibt drin, v.a., weil das Nutzen der Karotte auch noch als problematisch eingestuft wurde, weil doch woanders Leute verhungern.
Wir nehmen uns so nachhaltig den Spaß am Leben, ich lache drüber, aber nur, weil ich den Schock kaschieren will. Viele Kinder haben regelrecht Angst vor der Natur oder Wäldern - so fremd und ,,schmutzig". Uff.
missmary
schrieb:
Ich gehe ja auf die 50 zu und ja, es ist tatsächlich so, dass du als Frau irgendwann für die meisten Männer unsichtbar wirst.
Ach, das tut mir leid. Ich finde, du schreibst schöne Beiträge, wäre es so schwer, dir einfach zuzuhören und festzustellen, dass du interessant bist?
Mir ist das erst so richtig bewusst geworden, als mir ein Bekannter vor zwei oder so Jahren erzählt hat, dass er ein Date hatte und die Frau wäre ja nett gewesen und so, aber dann fing er zu drucksen an und ich fragte, wo der Haken wäre und er zeigte mir ein Bild von ihr. Sie hatte einsetzende Fältchen und das war sein Problem. Ein Mann mit vorzeitig beginnendem Haarausfall und kleiner Wampe, der vom Gesicht her noch nie ein Hingucker war. Er sagte, Frauen müssen nun mal gut aussehen und das wäre normal, er als Mann, da reiche es, wenn er gut verdiene. Da fiel ich echt aus allen Wolken.
missmary
schrieb:
Wir haben auf einmal zu viel mehr Leuten in unserer Nachbarschaft ein fast freundschaftliches Verhältnis - und wir profitieren immens davon. Es ist echt eine win:win Situation.
Ach, was für ein wunderschönes Experiment. Ich freue mich, dass ihr so viel liebe Rückmeldung bekommen habt. Waren da auch jüngere Leute mit dabei, die das erwidert haben? Ein richtig schöner Schritt von euch.
missmary
schrieb:
Mein kleiner Neffe hat sich wochenlang z.B. auf den Laternenumzug im Kindergarten vorbereitet, Lieder geübt, Brezeln gebacken und wir haben zusammen die Laterne gebastelt - an dem Abend kamen 10 Eltern nicht "zu kalt", "was anderes vor" - sie können nicht wahrnehmen, dass das im Leben eines Vierjährigen eben wichtig ist.
Ich denke, dass das Einfühlungsvermögen allgemein abgenommen hat, grade bei Leuten unter 25. Aber dem muss ja was vorausgegangen sein, vermutlich, dass sie selbst keins bekommen haben, als sie klein waren oder, geht auch, viel zu viel, so dass sie nicht gelernt haben, wie man es erwidert oder so. Was denkt ihr?

Auch hierzu lohnt sich wieder ein Buch von Arno Gruen, Der Wahnsinn der Normalität
missmary
schrieb:
Selbst wenn wunderschönstes Wetter ist, drängen sich bei verkaufsoffenen Sonntagen die Leute in den Innenstädten - und fahren noch extra an (sieht man ja an den Nummernschildern)
Ich denke, das soll uns das ,,Lebensgefühl" ersetzen, das wir ja nicht haben. Ich denke, wer seine Umgebung nicht bewusst wahrnimmt und fühlt, hat große Schwierigkeiten, im Hier und Jetzt zu leben.
missmary
schrieb:
Du hast also 1/3 der Klasse, die vorbereitet zum Unterricht kommt und dem auch folgen will. Die Klassenzimmer sind völlig überfüllt und oft zu klein, du steigst über Tische und Bänke ... du bist ständig dabei, irgendwen zu ermahnen, versuchst im Stoff weiterzukommen, ärgerst dich mit Eltern rum, die nicht einsehen, dass ihr Kind nachsitzen soll, weil es keine Hausaufgaben hat, du opferst deine Pause, um dem Dauerkranken noch was zu erklären und stellst dann fest, dass er alle Arbeitsblätter liegen gelassen hat - die dann abends von der Putzfrau entsorgt werden ....
Ach, schade zu lesen. Willst du den Beruf trotzdem weiter machen? Ich hoffe, dass dein Unterricht bei dem Drittel wenigstens nicht verschwendet ist.
Nimmermehr
schrieb:
Woher kommt der Wunsch ,die Gier besser zu sein?
Es MUSS ein Defizit vorliegen,ein Mangel an Selbstwert ,das ist auch die Wurzel des Narzissmus.
Ja, das frag ich mich eben auch. Ich denke indess, Narzissmus kann eben u. a. auch durch zu viel blindes Lob entstehen, ohne dass dann eine Entwertung im Kindesalter stattgefunden hat. Und noch dazu ist dieses blinde Lob so nutzlos, es drückt keine Liebe aus und ist so inhaltsleer, aber wie soll ein Kleinkind das wissen.
Nimmermehr
schrieb:
Wir werden mit Konsumprobaganda bombardiert und auf der anderen Seite verkümmert das einzige Heilmittel: Bildung
Für mich ist Bildung erst der zweite Schritt. Der erste lautet (in meinen Augen): Zuwendung.
missmary
schrieb:
Die Leute haben Angst davor, dass ihre eigenen Kinder ihnen zeigen, dass es doch gegangen wäre - und das, obwohl daheim völlig falsche Werte vermittelt wurden. Es ist echt verrückt. Mitunter möchte man Kinder vor ihren Eltern schützen. Bei uns in der Schule gibt es z.B. mehrere Förderkurse für Schüler, die in der 5. Klasse Probleme haben - da gibt es immer wieder Eltern, die ihre Kinder von diesen Kursen "befreien" lassen und blöderweise auch das Sagen haben, weil es pädagogisch nichts bringt, die Kinder an in einen (kostenfreien) Kurs zu zwingen, wenn die Eltern so vehement dagegen sind.
Ja, das ist sehr traurig, aber bittere Realität: Wer als Kind dazu gezwungen worden ist, sich aufzugeben und es nicht geschafft hat, sich nach dem Ausziehen wiederzufinden, der kann es nicht ertragen, wenn sein Kind sich noch hat. Oder wenn es sich dann auf einmal entwickeln kann und so mühelos die Eltern überträfe, das ist eine echte existentielle Bedrohung für gar nicht so wenig Eltern, wie man es gern hätte. Neid dem Kind gegenüber. Auch das hat aber wieder viel mit Narzissmus zu tun.
Auch damit, dass ein Kind sich eben aus Überlebensinstinkt heraus anpasst. Papa gibt den Starken, ist aber innerlich total beschädigt und mimmt es bloß. Aber wenn das Kind zeigt, dass es versteht, dass Papas Verhalten bloß Schauspiel ist, bekommt es Strafen, körperliche oder seelische und um das eigene Überleben zu sichern, verbiegt ein Kind lieber die Realität und die ganze Weltanschauung, als Papa weiter zu hinterfragen, das hätte früher den Tod bedeuten können. Es später einzusehen, dass der Vater eben kein starker, sondern nur ein bemitleidenswerter Mann war oder ist, hieße eben, seine gesamte Kindheitzu hinterfragen, als auch die Beziehung zu den Eltern, die Welt neu einzuordnen etc. Das ist viel Arbeit und im Grunde hätten wenige außenrum Verständnis dafür, dass du eine zweite Selbstfindungs- und Kennlernphase brauchst. Dabei ist das doch so schnell erklärt und es wäre leicht, es zu verstehen. Wenn die Leute nicht selbst auch betroffen wären von ähnlichen Familienverhältnissen damals. Man muss mit Altem brechen, um wieder klar sehen zu können. Für viele ist das eine empfundene Bedrohung, es heißt manchmal nämlich auch einen Bruch mit der Familie oder eben einzusehen, dass sie einen nie so wirklich geliebt haben oder zulassen konnten. Das muss man erst mal verarbeiten oder zusammenbringen können: ,,Liebe ja, mich zugelassen? Nein." Also, das zeigt jetzt alles nur meine Überlegungen.
Ich finde, ganz viele Eltern mimmen auch eine ,,Unterstützung" für ihn Kind, sie wollen ja ,,nur sein Bestes". In Wahrheit wollen sie aber, dass es sie nicht übertrifft und sie spielen bloß den Unterstützer, weil ,,man das halt so macht" und es gesellschaftlich angesehen ist oder sie kopieren unreflektiert, wie sie selbst erzogen wurden, es ist schwierig für ein Kind zu verstehen, dass die Liebe dornenbesetzt ist, gleichzeitig spürt es doch aber, dass es zum Objekt gemacht wird.
Arno Gruen sagt dazu, die Anteile, die man selbst nicht haben durfte, die einem ,ausgetrieben' worden sind, die hassen wir später mitunter vehement an anderen, weil wir gelernt haben, sie so dringend abzulegen, dass es uns zu sehr befremdet, sie im anderen zu sehen (frei nach Der Fremde in uns )
missmary
schrieb:
Es sollte wieder eine Kultur des "Forderns" geben dürfen. Ich war in einem katholischen Nonnenkindergarten, der den Anspruch hatte, Kinder gut auf die Schule vorzubereiten. Z.B. malten Vorschulkinder Bögen, lernten gerade Schneiden, die Nonnen hatten sich ein richtiges Curriculum ausgedacht und zogen das durch - das wurde nicht nur belächelt, sondern von Lehrern und Eltern massiv kritisiert. Wenn ich mir anschaue, was meine Kinder im Kindergarten "lernten" - das war so ein massiver Rückschritt. Man hat Angst, etwas zu fordern. Leistung einzufordern und sonst Konsequenzen einzuleiten. Stattdessen dürfen in B-W auch Kinder mit Hauptschulempfehlung aufs Gymnasium und dort zwei Jahre lang die Klasse aufhalten ...
Was genau würdest du denn ,,fordern" wollen, bzw. im Grunde übersetzt es sich in ,,fördern", oder? Eigentlich sind Grenzen und Regeln im ,,gesunden Maß" für ein Kind ein Ausdruck von Liebe, weil es Sicherheit und einen ersten Rahmen gibt, gegen den man dann in der Pubertät rebellieren kann. Dieses Mimimi, meinem zartes Pflänzchen darf nichts zustoßen" ist soooo übertrieben, die meisten Kinder sind wie Löwenzahn, robust und wächst überall.
missmary
schrieb:
Manche Leute legen es durchaus darauf an, ihre Kinder "wegzuorganisieren" - auch in Zeiten, wenn sie Zeit haben.
Es gibt in manchen Familien auch kein Bedürfnis, Zeit mit den Kindern zu verbringen.
Aber was verursacht das?
Nimmermehr
schrieb:
Auch diese Respektlosigkeit den Lehrkräften gegenüber,anstatt Dankbarkeit werden sie oft angefeindet.
Aber da muss man fairerweise auch sagen, dass einige Lehrer auf der anderen Seite auch ihren Frust ungehemmt an den Kindern auslassen.
Nimmermehr
schrieb:
Wenn man die Gesellschaft verändern will,dann muss man bei den Kindern anfangen,bei den "Alten" ist meist Hopfen und Malz verloren.
Ja, ich glaub auch, zwischen 25 und ca. 45 sind die meisten Leute irgendwie ... ich weiß auch nicht. Leute ü50 finde ich meistens eigentlich sogar angenehm. Seine Knaller und Juwelen hat jede Altersgruppe, aber ich glaub, Leute ü50 haben grad noch so das ,,Miteinander" mitbekommen und hatten eine Kindheit ohne Internet und Handy - sie waren also auch draußen.
Nimmermehr
schrieb:
Ist beides vorhanden und in Balance, dann kann man m.E von einer wirklich intelligenten Person sprechen.
Es gibt Leute, die emotional nicht der Bringer sind, aber sehr intelligent wenn es ums Denken, Problemlösen etc. geht. In ihren Augen sind die meisten Befindlichkeiten z. B. offensichtlich unlogisch und daher halten sie sich nicht dran auf, ich versteh's sogar ein Stück weit. Wenn du schlau bist, kann es quälend sein zu warten, bis dein Gegenüber mit dem Denkprozess fertig ist, besonders, wenn das Ergebnis nur ein Teilschritt ist. Und zeigt der Intelligente, dass er ungeduldig wird, hält er sich ja gleich für was Besseres und ist von oben herab blabla. Ich kann nachvollziehen, wenn man sich das ersparen will.
Nimmermehr
schrieb:
Und Fachwissen auswendig lernen,geistigen Wiederkäuer spielen kann jeder,der die Zeit und Lust dazu hat.
Ich denke nicht, dass das jeder kann.
Nimmermehr
schrieb:
Was bringt es 10 Fremdsprachen zu beherrschen, wenn man im Bereich zwischenmenschliche Kommunikation eine Niete ist?
Man kann (Fach-/Sach-)Bücher und Publikationen in 10 verschiedenen Sprachen lesen.
rhapsody3004
schrieb:
Dass Bildung bei uns hierzulande verkümmert, widerspricht sich eigentlich mit dem, dass in den letzten 20 Jahren immer mehr Schüler aufs Gymnasium gehen und Abi machen oder sich auf anderem Wege, die es früher noch nicht gab, die Hochschulzugangsberechtigung zu verdienen, um dann im Anschluss auch studieren zu können. Ja, auch immer mehr Studenten sind in den letzten 20 Jahren aus dem Boden geschossen.
Fairerweise muss man sagen, dass die Abschlüsse teils auch immer leichter werden. Und das Diplom? Weg.
rhapsody3004
schrieb:
Die Ausgewogenheit aller Berufe, Tätigkeiten, ist dadurch in Gefahr geraten und es stellt sich zunehmend ein Ungleichgewicht ein, mit Folgen für uns alle.
Ich denke, dass sich das absehbar ändern wird. Damals war ein Studienplatz einfach ein Garant für ein gutes Gehalt. Jetzt gibt es so wenig Handwerker, dass sie sich dumm und dämlich verdienen könn(t)en, der Verdienst gibt vor, wohin man sich entwickeln wird, aber das findet eben oft verzögert statt.
rhapsody3004
schrieb:
Auch Frauen brachte der heutige Individualismus eigentlich nur Vorteile und hat zugleich Scheidungsanwälten mehr Arbeit verschafft.
Bitte? Die Emanzipation ist rückläufig, das weißt du, oder? Meine Freundin ist Ingenieurin, kannst du dir vorstellen, dass ihr Studium die Hölle war, nur, weil sie eine Frau ist? Und die meisten Leute waren nicht bereit, sie angemessen zu bezahlen - weil sie eine Frau ist. Und wir haben damit noch nicht mal die Spitze vom Eisberg abgearbeitet.
Avantega
schrieb:
Keiner will mehr was Handwerkliches machen weil man ja schmutzig wird und weil man härter anpacken muss als als Bürohengst.
Es steckt einfach noch in den Knochen der Leute drin, dass zu seiner Zeit viele ihren Job verloren und dann keinen neuen gefunden haben, ,,zu alt".
Avantega
schrieb:
Und selbst wenn eine Arschige art noch bleibt oder der Waschbrettbauch nicht wiederkommt ist das doch 1000 mal besser als nichts tun und zu jammern.
Das denke ich auch.
Avantega
schrieb:
Oft ist heutzutage der fall, das eine andere Meinung oder auch eine andere sicht oder eine kritische haltung als angriff betrachtet wird.
Ja und das nervt mich kolossal.
Avantega
schrieb:
Man muss eben auch mal damit klar kommen, mal unfair Vorverurteilt zu werden, man muss damit klar kommen abgestempelt zu werden und und und. Man darf trotzdem seine eigene Meinung zu jener Vorveruteilung sagen, aber man muss trotzdem in sich gehen und sich fragen, ob jene Personen oder Person nicht trotzdem nachvollziehbar gehandelt hat.
Ja, sehe ich auch so. Aber auch, dass es sich nicht lohnt, mit Leuten zu reden, die es eh nicht reflektieren oder aufnehmen wollen. Ich zieh doch nicht Seil mit jemandem, der seins um einen Baum gewickelt hat.

Allgemein denke ich: wir sind alle nur Menschen, wir irren uns alle mal, schämen uns alle mal, machen Fehler, kommen später als andere zur Einsicht oder oder oder. Wäre es denn sooo schlimm, sich einfach mal Raum für Akzeptanz und Kennenlernen zu lassen?


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

19.07.2020 um 13:52
abahatschi
schrieb:
Was ist das?
Als Bürohengst bezeichnet man Umgangspachlich jemanden, der einen Bürojob hat, Arrogant wirkt, Karriere machen will und dem es vordergründig um die Karriere und um das ansehen geht. Nicht jeder mit Karriere und Bürojob ist so, diese negative pauschalisierung von derartigen Leuten ist hin und wieder auch auf neid zurück zu führen.

Grundlegend trifft es oft der Spruch, Selbstbewusstsein wirkt von unten betrachtet wie arroganz, ganz gut. Es gibt aber auch Leute, auf die das zutrifft, die tatsächlich durch eine arrogante und egoistische haltung auffallen.


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

19.07.2020 um 13:58
Avantega
schrieb:
Nicht jeder mit Karriere und Bürojob ist so, diese negative pauschalisierung von derartigen Leuten ist hin und wieder auch auf neid zurück zu führen.
Wieso nutzt Du dann den Begriff?
Avantega
schrieb:
Es gibt aber auch Leute, auf die das zutrifft, die tatsächlich durch eine arrogante und egoistische haltung auffallen.
yo, wie bei den normalen Leuten auch, Inhalt der Aussage Null.


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

19.07.2020 um 14:00
abahatschi
schrieb:
Wieso nutzt Du dann den Begriff?
Weil es das beste Wort für die Sorte Mensch ist, die ich beschreiben wollte, das ich kenn. Ausserdem bietet die deutsche Sprache für diese Leute kaum ein Positives Wort.


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

19.07.2020 um 14:18
PVC-Frei
schrieb:
● die Kritikfähigkeit ist rückgängig
● das Gefühl, es besser zu wissen oder recht zu haben, selbst mit Vorurteilen etc., nimmt zu
● dazu gehört, sich selbst wenig bis kaum zu hinterfragen
● Aufmerksamkeitsspanne und Geduld gehen zurück
● es ist vielen nicht mehr möglich, anderen zuzuhören oder sich auf sie einzustellen (Beweis A: dieses Forum)
● das Gefühl, die eigene Kultur/Nationalität ist besser, als andere (https://www.spektrum.de/news/kollektiver-narzissmus-kann-demokratien-gefaehrden/1659300)
● die Grundgereiztheit nimmt zu, viele Leute sind streitlustiger und schneller provoziert
● mehr Leute jammern, jemand ist nicht bewundernd/nett genug zu ihnen (Jammern = Verantwortung abgeben)
● und apropos Verantwortung: die Selbstverantwortung nimmt allgemein ab.
● zunehmend mehr Leute wollen sich im Gefühl ihrer Kompetenz und Intelligenz wälzen. Wird das gefährdet, bilden oder regulieren/reglementieren sie sich tendenziell nicht, sondern schmollen und planen passiv-aggressive Rache
Dazu kann ich Dir die beiden Bücher empfehlen, es gibt aber auch Vorträge und Interviews auf YT, falls es Dich interessiert.
https://www.amazon.de/Die-narzisstische-Gesellschaft-Ein-Psychogramm/dp/3406640419
https://www.amazon.de/Das-falsche-Leben-normopathischen-Gesellschaft/dp/3406705553/ref=rtpb_6/278-1646872-5301038?_encod...


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

19.07.2020 um 14:21
PVC-Frei
schrieb:
Bitte? Die Emanzipation ist rückläufig, das weißt du, oder? Meine Freundin ist Ingenieurin, kannst du dir vorstellen, dass ihr Studium die Hölle war, nur, weil sie eine Frau ist? Und die meisten Leute waren nicht bereit, sie angemessen zu bezahlen - weil sie eine Frau ist. Und wir haben damit noch nicht mal die Spitze vom Eisberg abgearbeitet.
Das ist aber im Vergleich zu früher jammern auf hohem Niveau und sicherlich auch nicht die Regel, von unterschiedlicher Bezahlung zwischen Mann und Frau mal abgesehen.
Und natürlich kommt es auch heute noch immer auf das Berufsfeld an, ob eine Frau eher auf Widerstand stößt oder nicht.
Und erzkonservative ewiggestrige Männer, auch Arbeitgeber, sterben leider auch nicht gänzlich aus.

Natürlich ist heute nicht alles perfekt. Nichtsdestotrotz darf man nicht nur immer das Negative sehen. Insgesamt bzw. grundsätzlich haben wir nämlich einen riesigen Fortschritt erlangt, was speziell Rechte für Frauen, Rechte für Arbeitnehmer und Rechte für Minderheiten anbelangt.

Frauen können sich heute viel leichter ein eigenständiges- und erfüllendes Leben, eine selbstständige Persönlichkeit aufbauen. Viel mehr nach ihren Wünschen, Bedürfnissen leben. Wie gesagt, auf unsere Zustände, Breitengrade bezogen.


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

19.07.2020 um 14:30
@PVC-Frei

Klein Ergänzung noch; Auch immer mehr Frauen findest du heutzutage in typischen Männerberufen. Das typisch bezieht sich auf früher. Heutzutage ist nichts mehr untypisch sondern normal. Und ein Großteil unserer Gesellschaft toleriert das nicht nur sondern akzeptiert das auch. Findet das gut!


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ICH ICH ICH! Wer sonst!

19.07.2020 um 15:21
Ich finde die Leute heutzutage leben bewusster als früher, man ist sich über mehr im klaren und man kann sich selbst auch besser verwirklichen, die Menschenrechte haben zugenommen, jedenfalls bei uns in Deutschland und ich finde es nicht schlimm wenn die eigene Person im Fokus steht, seien wir uns einig, jeder ist für sich selbst verantwortlich und hat damit auch eine Verantwortung über seine Taten und ich finde es entsetzlich wenn einem das Recht hier abgesprochen wird, mein Onkel hat sein Leben lang nur andere im Sinn gehabt, wenn die Verwandten mal was brauchten, keine 5 min später und er war zur Stelle, er ist ernsthaft krank geworden aber er wollte sein Problem nicht einsehen, dass er der wichtigste für sich ist und auch um sich zu kümmern hat, wie mal ausspannen, entspannung oder mal was für sich tun, eines Tages wurde er so krank, dass er in die geschlossene Station gekommen ist und paar Wochen später kam die Nachricht dass er sich umgebracht hat, toll nicht wahr, wenn jemand nur andere im Kopf hat und sich nur um andere kümmert und sich selbst nicht mehr erkennt... Leuten die einem das Ich versagen wollen sind in meinen Augen die wahren Narzissten, da sie es nicht ertragen wenn sich andere auch mal selbst in den Fokus nehmen und mal an sich denken.


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