Negev schrieb:Nochmal: man verbindet hier einer der Größe möglichen Straftaten mit etwas, dass vermutlich noch nicht einmal die "Qualität" von Gewalt erreicht, die Silencing in verbindung mit Gewalt bedeutet.
Der gesetzgeber sieht das aber doch offenbar anders. Es ist noch nicht so lange her, dass in die Gesetzgebung zum Stalking als Bedingung aufgenommen wurde, dass auch Verhalten, das geeignet ist, das Opfer dazuzu nötigen, seine Lebensumstände zu ändern, als Stalking gewertet wird und damit strafbar ist. Es muss als nicht erst zu physischer Gewalt kommen, damit das als gewalttätiger Eingriff in die Selbstbestimmung des Opfers gewertet wird.
Und dass das Verhalten von CU geeignet war, wesentlichen Einfluss auf ihr Leben zu nehmen, steht doch wohl außer Frage. Sie hat sich bedroht gefühlt, erniedrigt, missbraucht.
Negev schrieb:Das, was Fernandes vermutlich erlebt passiert unzählige male Frauen im Musik- und Schauspielbereich. Wie gesagt, Catfishing und wenn es Ulmen war, dann ist es umso verwerflicher und natürlich hinterlässt ein derartiger Verrat Spuren.
Und deswegen ist es weniger schlimm?! Oder was willst Du damit zum Ausdruck bringen?
Ich möchte Dich sehen, wenn Dich jemand auf der Straße umrempelt, Dir in die Magengrube boxt und dann mit Deinem Rucksack inkl. Geldbörse verschwindet und der Polizist, bei dem Du die Anzeige machst sagt: "Ach kommen Sie, das passiert doch jeden Tag unzähligen Menschen! Jetzt regen sie sich halt nicht so auf!"
Was hat die Anzahl anderer Opfer mit dem Leid zu tun, das damit jedem einzelnen dieser Opfer zugefügt wird?! Es bekommen in diesem Land auch jeden Tag unzählige Menschen eine infauste Krebsdiagnose, werden geschieden und ihnen wird gekündigt. Ist das für denjenigen, dem es passiert deshalb weniger katastrophal?!
Negev schrieb:Aber es ist albern, wenn man jeden Fan für seine Fantasien verfolgt. Vom Niveau her sind das Zeitungsmontagen, im Fall des Pornos half die Fantasie am meisten mit. Damit muss man sich einfach abfinden, wenn es nicht darüber hinaus geht.
Genau wie mit der gestohlenen Geldbörse, dem Wohnungseinbruch oder einem platt gestochenen Reifen? Oder dass Dein Kind auf dem Schulhof gemobbt wird? Oder Dein Nachbar regelmäßig seinen Hund in Deinen Vorgarten kacken lässt?
Tussinelda schrieb:Ich finde es sollte nicht darum gehen, das Leid, die Erfahrung, wie Erlebtes empfunden wird gegeneinander aufzuwiegen, was richtig oder falsch ist, denn bei allen Opfern von Gewalt, sexualisierter Gewalt, ob analog oder digital, hat das Leiden verursacht. Wie das juristisch einzuordnen ist, ist die eine Sache, wie es Opfer einordnen sollte diesen überlassen sein.
calligraphie schrieb:Man stelle sich vor, geht ein Opfer zur Polizei und zeigt eine Vergewaltigung an. Und der Beamte fragt : virtuell? Psychisch ? Oder real?
Es ist für Polizisten aber doch absoluter Alltag, dass die, wenn jemand eine Anzeige erstattet, einordnen müssen, wie der geschilderte Sachverhalt juristisch zu bewerten ist. Und das ist völlig unabhängig davon, wie das Opfer das einordnet, bewertet oder sich fühlt.
Wie viele Menschen sagen, sie seien "beraubt" worden, obwohl es "nur" ein Diebstahl war? Wird jemand umgebracht, so reden die meisten davon, dass er ermordet wurde, selbst wenn später vor Gericht rauskommt, dass es "nur" eine Körperverletzung mit Todesfolge, manchmal vielleicht sogar Notwehr war?
Jemand hat auf meine Katze mit einem Luftgewehr geschossen und sie schwer verletzt. Meine Katze hat lange schlimme Schmerzen und für mich hat sich das angefühlt, als habe jemand eine schlimme Körperverletzung an ihr begangen. Aber juristisch war das halt "nur" eine Sachbeschädigung und vielleicht ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wobei letzteres sogar nur eine Ordnungswidrigkeit darstellte, weil die zugefügten Schmerzen nicht "erheblich" genug waren.
Tatsächlich ist es doch so, dass selbst geringe Straftaten erhebliche Leiden bei dem Opfer verursachen können.
Negev schrieb:Nein. Das nennt sich Autosuggestion.
Ich dachte, es sind da die anderen, die das einflüstern?!