Subway schrieb:Völlig ausschließen kann man es meiner Meinung nach nicht. Ich finde das Ganze eben auch nicht völlig unproblematisch, weil es, wenn ich mich nicht irre, bis jetzt ja noch nicht bewiesen ist. Und einseitig Anschuldigungen zu verbreiten, war schon immer ziemlich einfach.
"Bewiesen" ist ein starkes Wort, denn auch ein Gerichtsprozess ist meist nicht in der Lage, die absolute Wahrheit ans Licht zu bringen.
Aber ich gebe Dir vollkommen Recht in punkto Vorverurteilung. Es gibt diese Fälle von (va medialer) nicht mehr reversibler Vernichtung vor dem Prozess und Verurteilung. Und das Problem ist freilich, dass eine Person dann niemals mehr in ihrer Gesamtheit und all ihrem Wirken betrachtet wird, sondern mitunter auf eine Sache reduziert wird. Gerade bei Fällen im Dunstkreis von sexueller Gewalt. Deshalb betrachte ich auch Pauschalierungen wie #Metoo kritisch, alles wird ohne Differenzierung vermengt, jedes Opfer mit dem anderen assoziiert.
Aber ich glaube Collien Fernandes hier wirklich jedes Wort, alles andere erscheint mir einfach zu unplausibel und ihr Interview, das hier verlinkt wurde, spricht für mich eine sehr glaubwürdige (Körper)Sprache. Ebenso das inhaltsleere Statement seines Anwalt. Kein Anwalt würde so formulieren, wenn der Mandant grundsätzliches Fehlverhalten bestreitet.
Mich treibt um, wie furchtbar dieser persönliche Verrat sein muss, welche diese "Deep Fakes" ja noch mal unendlich viel schlimmer machen. Sie hat auf dieses Thema, das sie jahrelang verfolgt und unter dem sie gelitten hat, stets aufmerksam gemacht . Jetzt ist es ihr durch diese unfassbaren persönlichen Umstände noch mehr gelungen, aber ich glaube wirklich nicht, dass man hier Kalkül annehmen sollte.