sommerday schrieb:Da möchte ich mich mal einklinken.
Hier gibt's einen Fall, da fragt man sich aber schon, wie der zum Tatzeitpunkt 22jährige eine "Staranwältin" bezahlen kann. Der Angeklagte wurde wg. Mord und Mordversuch verurteilt, man ging in Revision. Zieht sich seit 2 Jahren dahin, muß doch eine kostspielige Angelegenheit sein. Wovon wird die Verteidigung bezahlt? Der Angeklagte sitzt.
Warum übernimmt eine bekannte Anwältin einen solchen Fall?
Ich hab natürlich keine Ahnung, warum eine Kollegin was macht. Ich kann aber für mich sprechen:
Ich habe auch schon einen Fall gehabt, in dem eine 18-Jährige wegen Mordes verurteilt wurde und weder sie noch ihre recht arme Familie hatten Geld, um teure Anwälte zu bezahlen. Ich habe ihren Fall im Wiederaufnahmeverfahren übernommen, obwohl mir klar war, dass sie mich nicht bezahlen kann. Ich war aber von ihrer Unschuld überzeugt. Ich habe kostenlos gearbeitet, was ich mir leisten konnte, da ich auch noch zahlende Mandanten in anderen Fällen hatte. Und sie hatte Unterstützer, die andere Kosten, z.B. für Gutachter übernahmen. Wir haben am Ende den Fall gewonnen und sie kam frei. Materiell habe ich nichts davon gehabt, denn sie war in der Welt der Medien auch zu unbedeutend, als dass ausserhalb der Lokalmedien irgendjemand Notiz davon genommen hat und ich daher nicht auf einen "Werbeeffekt" setzen konnte und das auch nie geplant hatte.
Es ist leider Realität, dass manche Unschuldige an den finanziellen Grenzen scheitern, wenn sie versuchen dies zu beweisen. Das ist traurig.
Auf der anderen Seite gibt es dann Mandanten, wie O.J. Simpson, der wohl um die 12 Millionen Dollar an sein Team von Anwälten zahlte, und die auch immerhin ihre Bekanntheit ausbauen konnten. Aber noch einmal gesagt: gerade dieser Fall zeigt, dass das ein zweischneidiges Schwert sein kann: Der Hauptanwalt im Team, Johnny Cochran hat zwar gut an dem Fall verdient, aber er hatte dann auch schnell den Ruf des meistgehassten Anwalts in Amerika.
Mein Fazit: ich übernehme einen Fall, wenn ich von der Sache überzeugt bin, auch oft mal zu reduziertem Honorar oder gar pro bono, aber sicherlich nie, weil ich denke, dass ich das als Werbeeffekt versilbern kann. Simpsons Anwälte waren vorher schon alle sehr bekannt und, soweit man mitbekommt, auch schon recht reich.