martenot schrieb:Ja, das kenne ich. Ich habe früher auch oft mit meinen Eltern drüber zu reden versucht, was für mich früher problematisch war. Mein Vater (der schon lang nicht mehr lebt), hat das dann oft mit Desinteresse quittiert, oder er sagte "Andere Leute haben auch Probleme".
Ja, bei uns war es einfach so, dass sich unsere Eltern (bis heute) nicht für uns interessiert haben. Es ist (unseres Wissens nach) nichts vorgefallen, mein Bruder und ich waren sehr normale Kinder, er supergut in der Schule, bissl nerdig, sehr belesen. Wir waren wie zwei Hunde, die man mal angeschafft hat, bevor man verstanden hat, dass man 3x am Tag Gassi muss, daher hat man versucht, uns so schnell es ging wieder loszuwerden. Mein Bruder zog "wegen der besseren LK Kombination" zu einer unverheirateten Verwandten in die Stadt, ich machte eine Ausbildung, die mich gar nicht interessierte.
Ich fuhr 1x im Jahr heim, wenn ich meine Kinder so sehe, mit 16, das war das Alter, wo ich wegzog, dann bin ich schon ein wenig stolz auf mich selbst, so aus Erwachsenenperspektive, dass ich nicht irgendwo unter die Räder kam - genau wie mein Bruder, der Abi und Studium ungerührt durchzog. Interesse kann man leider nicht erzwingen, aber diese Verletzungen bleiben eben.
Man kann sie auch nicht aufarbeiten, weil ... bei mir wäre es wie bei dir ...
martenot schrieb:Und meine Mutter brach immer gleich in Tränen aus, wenn ich solche Konflikte ansprechen wollte. Am Ende fühlte ich mich immer schuldig, weil ich die arme Mutter zum Weinen gebracht habe, mit meinen "bösen Geschichten von früher".
Meine Mutter meint auch, wir seien einfach undankbar. Überhaupt, hat sie sich ihre eigene Welt zusammengeschustert, warum es so, wie es ist, gut ist. Bei mir ist es ja so, dass ich "funktionalen" Kontakt habe. Wir leben im gleichen Ort, treffen uns manchmal zufällig. Leider haben wir uns nach 50+ Jahren Entfremdung auch gar nichts zu sagen. Kürzlich hat ein Blitzeinschlag mein häusliches WLAN kurzfristig unterbrochen und ich musste was runterladen und bin dann bei meinen Eltern vorbei - hat gar nicht gepasst (meine Schwester kam wohl mit den Enkeln zum Kaffee) und ich konnte gar nicht schnell genug wieder gehen. In "normalen" Familien hätte man vermutlich gefragt, ob ich nicht bleiben will und auch ein Stück Kuchen essen.
Bei uns ist es so, dass meine Eltern den Kontakt beschränken. Mich hat das früher sehr beschäftigt, ich dachte meine ganze Teeniezeit, dass es an mir liegt, dass ich einfach so ein unliebenswerter Mensch sei, dass ich das verdient habe. Schon alleine, wie sehr ich unter dieser Lieblosigkeit gelitten habe, kann ich ihnen nicht verzeihen.