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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

62 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Menschen, Gesellschaft, Psychologie ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 12:14
Zitat von martenotmartenot schrieb:Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ein "sich kümmern" im pflegerischen Sinne insbesondere dann eine Herausforderung darstellt, wenn das Verhältnis zuvor schon schwierig oder angespannt war. Auch im Interesse der zu pflegenden Person ist es wahrscheinlich besser, wenn das nicht von dem Angehörigen durchgeführt wird, weil ich denke, dass Spannungen vorprogrammiert sind (mit nachteiligen Auswirkungen auf die Pflege).
Ja. Darum besteht nur ggf. eine finanzielle Pflicht. Ich wäre da auch der schlechteste und desinteressierteste "Kümmerer", den sie erwischen könnten. :|


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 12:20
Zitat von soomasooma schrieb:Ich wäre da auch der schlechteste und desinteressierteste "Kümmerer", den sie erwischen könnten.
Mich stresst es schon, wenn meine Mutter telefonisch Druck macht (hat sie schon immer so gemacht und deswegen stresst es mich auch in der derzeitigen Situation immer noch). Ich glaube, sie hat nie wirklich kapiert, dass sie mich genau mit ihrem emotionalen Druck ("du musst dich mehr um deine Eltern kümmern", "du musst öfter zu Besuch kommen", "sind wir dir nicht mehr wichtig?", oder sie hat am Telefon über den "undankbaren" Sohn geweint etc.) in Wirklichkeit in die Distanz getrieben hat.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 12:31
@martenot
Das sind alles Gedanken, von denen ich mich auch lösen konnte. Es ist mir sehr egal geworden, was sie kapieren oder nicht. Ob sie sich welche Gedanken machen oder nicht. Es betrifft mich nicht mehr.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 13:14
Zitat von martenotmartenot schrieb: Was mich auch mal interessieren würde: wie ist es eigentlich bei einem kompletten Kontaktabbruch mit den Eltern, wenn diese im Alter pflegebedürftig werden? Kann man als Sohn/Tochter trotzdem dazu gezwungen werden, sich um die Eltern zu kümmern, auch wenn das Verhältnis schlecht ist bzw. war?
So wie minderjährige Kinder Umgang einklagen können? Das gibt es nicht, es ist mehr, ob man den moralischen Druck aushält "es sind doch deine Eltern ...". Manche Leute schaffen es einfach, einem ein sehr schlechtes Gewissen zu machen. Ich hatte eine Tante, die über 100 wurde und mit allen zerstritten war. Mehr aus Pflichtbewusstsein habe ich sie so alle paar Monate besucht, als ich dann Kinder hatte mit den Kindern und sie hat sich immer sehr gefreut. Da sagte die Pflegerin auch mal: "Sie hat so sehr auf Sie gewartet, traurig, dass Sie sich nicht öfters Zeit nahmen!". War sehr übergriffig, fand ich, es gab durchaus Gründe, aber ich hatte jahrelang ein schlechtes Gewissen.

Der Nachteil beim kompletten Kontaktabbruch ist oft, dass man den Tod dann auch nicht mitbekommt. Bei einem Freund war es so, dass er aus dem Urlaub kam und erfuhr, dass das entsprechende Elternteil verstorben und bereits begraben war. Man hatte auch das Haus schon geräumt (er wäre gerne nochmals in sein Kinderzimmer), aber er hatte da auch zu knapsen, dass er gar nicht entscheiden konnte bzw. nicht geladen war.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 13:22
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Da sagte die Pflegerin auch mal: "Sie hat so sehr auf Sie gewartet, traurig, dass Sie sich nicht öfters Zeit nahmen!".
Meine Mutter signalisiert auch ständig, dass sie wahnsinnig stark auf mich und meinen nächsten Besuch wartet. Das sagt sie anscheinend auch ständig den Pflegekräften. Denn auch die sagen dann zu mir "Endlich kommen Sie, Ihre Mutter wartet schon so dringend auf Sie".

Auch ich finde das belastend und fast übergriffig, denn ich habe dann immer ein schlechtes Gewissen. Und das, obwohl ich eigentlich weiß, warum ich sie eben nur so oft besuche, wie ich es eben kann, und für mich selbst erträglich finde.
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Der Nachteil beim kompletten Kontaktabbruch ist oft, dass man den Tod dann auch nicht mitbekommt.
Ja, kann ich mir vorstellen, dass das auch schwierig sein kann. Zumal man damit vielleicht auch gar nicht mehr mitbekommt, wenn das Elternhaus "verloren geht" und man es nicht mehr zu Gesicht bekommt.


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01.06.2026 um 13:25
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Tod dann auch nicht mitbekommt
Das stimmt so nicht, du bekommst Post ob du willst oder nicht.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 14:36
Zitat von martenotmartenot schrieb:Meine Mutter signalisiert auch ständig, dass sie wahnsinnig stark auf mich und meinen nächsten Besuch wartet. Das sagt sie anscheinend auch ständig den Pflegekräften. Denn auch die sagen dann zu mir "Endlich kommen Sie, Ihre Mutter wartet schon so dringend auf Sie".
Ja, man hat mitunter den Eindruck, dass da auch unreflektiert die Sichtweise des Patienten übernommen wird. Klar verbringt man sehr viel Zeit alleine. Andererseits: Ich habe eine Kollegin, die ihre Mutter in einem Pflegeheim direkt auf ihrem Fahrtweg untergebracht hat und die täglich vorbeischaut, außer, wenn sie in Schuljahren einen freien Tag hat. Das ist da auch jedes Mal ein Geheule und sie hat wochenlang ein schlechtes Gewissen.
Zitat von martenotmartenot schrieb:Auch ich finde das belastend und fast übergriffig, denn ich habe dann immer ein schlechtes Gewissen. Und das, obwohl ich eigentlich weiß, warum ich sie eben nur so oft besuche, wie ich es eben kann, und für mich selbst erträglich finde.
Ja, was ich sehr cool finde: Wir haben im Dorf eine schwerbehinderte Frau, die aus dem Grund ihre eigene Pflege so organisiert hat, dass sie überhaupt keine Hilfe ihrer Angehörigen braucht, da sie meint, klar ist es für die doof, aber ihre Kinder können auch nichts dafür, dass sie nun ein Pflegefall ist und sie will sie gar nicht belasten. Sie ist -im Rahmen ihrer Möglichkeiten und sie hat nicht viele- trotzdem sehr aktiv und nimmt einfach alles in Anspruch: Dianachmittag der Kirche, etc, weil sie sagt, sie sei ja für sich selbst verantwortlich und wolle nur so oft besucht werden, wie die Besucher das aus freien Stücken auch wollen.
Zitat von martenotmartenot schrieb:Ja, kann ich mir vorstellen, dass das auch schwierig sein kann. Zumal man damit vielleicht auch gar nicht mehr mitbekommt, wenn das Elternhaus "verloren geht" und man es nicht mehr zu Gesicht bekommt.
Ja, in dem Fall war es so, dass die neue Partnerschaft des Vaters den Kontakt minimiert hat - schon krass, wenn du dann als erstes Kind weder an der Beerdigung deines Vaters teilnehmen darfst, weil es bewusst verschwiegen wird, noch irgendwie nochmal durch das Haus gehen darfst, in dem du deine Kindheit verbracht hast. Klar ist dieser Fall etwas anders gelagert, aber man hat ja trotzdem einen Abschiedsprozess.
Zitat von MilanthropMilanthrop schrieb:Das stimmt so nicht, du bekommst Post ob du willst oder nicht.
Das stimmt, aber im Falle meiner Bekannten erst, als es vorbei war. Die betreffende Person hatte es dann schon über den Dorffunk erfahren, aber erst nach der Beerdigung. Die ganzen Elemente, die man als Kind doch mitmachen würde (Beerdigung, Haus ausräumen, ... ) waren da schon passiert...


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 14:42
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Sie ist -im Rahmen ihrer Möglichkeiten und sie hat nicht viele- trotzdem sehr aktiv und nimmt einfach alles in Anspruch: Dianachmittag der Kirche, etc,
Meine Mutter torpediert sich da quasi selbst: ständig schimpft sie über die Betreuung im Seniorenheim, und wenn man Ihr Angebote macht (wie z.B. im Chor singen), dann beschwert sie sich darüber, warum sie jetzt auch noch singen soll. Außerdem ist sie oft ziemlich mürrisch und aggressiv und vergrault ihr ganzes soziales Umfeld. Die einzige Person, auf die sie sich total fixiert hat, bin ich. Ausgerechnet ich, der ich schon seit Jahrzehnten von ihr gleichzeitig idealisiert und gering geschätzt werde ("Du kannst gar nichts", "Aus dir wird nie etwas werden" etc.).

Genau diese lebenslange Geringschätzung von Seiten meiner Mutter hat aber auch dazu geführt, dass ich nun eben nicht mit riesiger Begeisterung täglich zu Besuch kommen will (und früher auch schon über Kontaktabbruch nachgedacht habe).


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 14:46
Zitat von martenotmartenot schrieb:Meine Mutter torpediert sich da quasi selbst: ständig schimpft sie über die Betreuung im Seniorenheim, und wenn man Ihr Angebote macht (wie z.B. im Chor singen), dann beschwert sie sich darüber, warum sie jetzt auch noch singen soll.
Das ist doch irgendwie oft so, oder? Ich habe inzwischen so viele coole alte Menschen kennengelernt, die für sich selbst was absolut Sinnvolles machen, dass ich glaube, es ist eben eine Frage des Mindsets. Also oben zitierte Person mit der Schwerbehinderung könnte sich auch beschweren, dass Kind + Enkel, obwohl im selben Dorf, eben nicht täglich vorbei kommen. Stattdessen nimmt sie das Leben eben noch selbst in die Hand und macht das, was sie kann, da sie dann viel erlebt, ist es super interessant, mit ihr zu reden und so hat sie auch viele Kontakte.

Ich habe mich früher auch immer sehr verpflichtet gefühlt, mache das aber auch nicht mehr.


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01.06.2026 um 14:51
Ich befürchte, dass das Thema momentan ein wenig stark in das Subthema Pflegebedürftigkeit der Eltern abgleitet, aber ich persönlich finde genau dieses Thema gerade im Zusammenhang mit einem Kontaktabbruch oder früheren Konflikten mit den Eltern schwierig. Denn selbst wenn man sich jahrelang von seinen Eltern distanziert hat, kommt vielleicht irgendwann die Frage, wie man mit der Situation umgeht, wenn die Eltern pflegebedürftig werden.

Bei mir ist das Thema halt auch relevant geworden, und ich habe deswegen meine zuvor erkämpfte Souveränität wieder teilweise aufgegeben (was mich jetzt belastet). Und meine Mutter nutzt ihre physische Hilflosigkeit, um auf mich Druck auszuüben und den Kontakt nach ihren Wünschen zu intensivieren. Zumindest wirkt es so auf mich.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 15:40
Zitat von martenotmartenot schrieb:Ich befürchte, dass das Thema momentan ein wenig stark in das Subthema Pflegebedürftigkeit der Eltern abgleitet, aber ich persönlich finde genau dieses Thema gerade im Zusammenhang mit einem Kontaktabbruch oder früheren Konflikten mit den Eltern schwierig. Denn selbst wenn man sich jahrelang von seinen Eltern distanziert hat, kommt vielleicht irgendwann die Frage, wie man mit der Situation umgeht, wenn die Eltern pflegebedürftig werden.
Das Problem ist eben oft, wenn eine Krankheit oder Pflegebedürftigkeit eintritt, dann ist so die Erwartungshaltung, dass man sich kümmert "egal, was war" und dass man dann selbst der moralisch unterlegene ist, wenn man weiterhin sagt "das ist mir total egal, ich möchte trotzdem keinen Kontakt". Eigentlich weiß man es ja besser.

Meine Eltern sind bewusst nicht zum Uniabschluss meines Bruders und mir gekommen - und wir haben nicht in Peking studiert, sondern in der nächsten Unistadt. Sie haben damals gesagt, sie fühlen sich zu alt, wollten nachts nicht mehr heimfahren und mein Vater übernachtet nicht gerne auswärts. Ich habe sie damals insgesamt 3x angerufen um ihnen zu sagen, dass es mir selbst viel bedeuten würde und bin dann nicht zu meiner Abschlussfeier, weil ich irgendwie dachte, es sieht extrem doof aus, wenn ich als einzige ohne Eltern da sitze. Heute weiß ich: Ich hätte einfach m eine Mitbewohnerin schnappen sollen oder irgendwen anderen. Das ist eine der vielen Szenen, die bei meinem Bruder und mir extrem tief sitzt, v.a., weil meine Eltern nun auf die 90 zugehen und nun gerne in besagter Stadt mal ins Theater gehen - sie fahren nachts wirklich nicht mehr heim, aber mein Vater übernachtet dann halt mal "ausnahmsweise". Vor 30 Jahren ging das nicht.

Wenn ich nun aber sagen würde "ich habe keinen Kontakt weil ..." dann würde man sagen "ach, bist DU nachtragend!", als ob ich das alleinige Problem wäre.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 15:44
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Wenn ich nun aber sagen würde "ich habe keinen Kontakt weil ..." dann würde man sagen "ach, bist DU nachtragend!", als ob ich das alleinige Problem wäre.
Ja, das kenne ich. Ich habe früher auch oft mit meinen Eltern drüber zu reden versucht, was für mich früher problematisch war. Mein Vater (der schon lang nicht mehr lebt), hat das dann oft mit Desinteresse quittiert, oder er sagte "Andere Leute haben auch Probleme". Im Sinne von "Lass uns mit dem Kram in Ruhe, wir haben unsere eigenen Probleme". Und meine Mutter brach immer gleich in Tränen aus, wenn ich solche Konflikte ansprechen wollte. Am Ende fühlte ich mich immer schuldig, weil ich die arme Mutter zum Weinen gebracht habe, mit meinen "bösen Geschichten von früher".


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01.06.2026 um 16:08
Zitat von martenotmartenot schrieb:Ja, das kenne ich. Ich habe früher auch oft mit meinen Eltern drüber zu reden versucht, was für mich früher problematisch war. Mein Vater (der schon lang nicht mehr lebt), hat das dann oft mit Desinteresse quittiert, oder er sagte "Andere Leute haben auch Probleme".
Ja, bei uns war es einfach so, dass sich unsere Eltern (bis heute) nicht für uns interessiert haben. Es ist (unseres Wissens nach) nichts vorgefallen, mein Bruder und ich waren sehr normale Kinder, er supergut in der Schule, bissl nerdig, sehr belesen. Wir waren wie zwei Hunde, die man mal angeschafft hat, bevor man verstanden hat, dass man 3x am Tag Gassi muss, daher hat man versucht, uns so schnell es ging wieder loszuwerden. Mein Bruder zog "wegen der besseren LK Kombination" zu einer unverheirateten Verwandten in die Stadt, ich machte eine Ausbildung, die mich gar nicht interessierte.
Ich fuhr 1x im Jahr heim, wenn ich meine Kinder so sehe, mit 16, das war das Alter, wo ich wegzog, dann bin ich schon ein wenig stolz auf mich selbst, so aus Erwachsenenperspektive, dass ich nicht irgendwo unter die Räder kam - genau wie mein Bruder, der Abi und Studium ungerührt durchzog. Interesse kann man leider nicht erzwingen, aber diese Verletzungen bleiben eben.

Man kann sie auch nicht aufarbeiten, weil ... bei mir wäre es wie bei dir ...
Zitat von martenotmartenot schrieb:Und meine Mutter brach immer gleich in Tränen aus, wenn ich solche Konflikte ansprechen wollte. Am Ende fühlte ich mich immer schuldig, weil ich die arme Mutter zum Weinen gebracht habe, mit meinen "bösen Geschichten von früher".
Meine Mutter meint auch, wir seien einfach undankbar. Überhaupt, hat sie sich ihre eigene Welt zusammengeschustert, warum es so, wie es ist, gut ist. Bei mir ist es ja so, dass ich "funktionalen" Kontakt habe. Wir leben im gleichen Ort, treffen uns manchmal zufällig. Leider haben wir uns nach 50+ Jahren Entfremdung auch gar nichts zu sagen. Kürzlich hat ein Blitzeinschlag mein häusliches WLAN kurzfristig unterbrochen und ich musste was runterladen und bin dann bei meinen Eltern vorbei - hat gar nicht gepasst (meine Schwester kam wohl mit den Enkeln zum Kaffee) und ich konnte gar nicht schnell genug wieder gehen. In "normalen" Familien hätte man vermutlich gefragt, ob ich nicht bleiben will und auch ein Stück Kuchen essen.

Bei uns ist es so, dass meine Eltern den Kontakt beschränken. Mich hat das früher sehr beschäftigt, ich dachte meine ganze Teeniezeit, dass es an mir liegt, dass ich einfach so ein unliebenswerter Mensch sei, dass ich das verdient habe. Schon alleine, wie sehr ich unter dieser Lieblosigkeit gelitten habe, kann ich ihnen nicht verzeihen.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 16:15
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Leider haben wir uns nach 50+ Jahren Entfremdung auch gar nichts zu sagen.
Insbesondere mein Vater und ich hatten uns auch nie etwas zu sagen. Wenn ich z.B. mit meinem Vater allein in der Wohnung war, dann haben wir außer zweckgebundenen Dingen ("Brauchen wir was zu trinken?", "Hast Du meine Jacke irgendwo gesehen?" etc.) kaum etwas miteinander geredet hatten.

Meine Mutter hingegen hat mich einerseits in Gegenwart von anderen Leuten in höchsten Tönen gelobt, aber mich geringschätzig behandelt, wenn wir allein waren. Und eben immer dieser Druck "Du musst dich um uns kümmern", "Warum kommst du nicht?", "Wann kommst du endlich wieder?" etc. Bisweilen hat es mich schon extrem gestresst, wenn ich nur gesehen habe, dass meine Mutter wieder anruft. Weil ich reflexhaft als erstes dachte "Was will sie denn jetzt schon wieder?"

Auch am vergangenen Wochenende wars wieder so: mein Handy klingelte, meine Mutter. Ich bin dann erstmal einfach nicht dran gegangen. Aber meine Mutter ist ja hartnäckig. Sie ruft dann eben in kurzen Abständen immer wieder an und heult mir in die Mailbox ("Was ist los? Bist du krank? Warum kümmerst du dich nicht um mich?").


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01.06.2026 um 16:26
Zitat von martenotmartenot schrieb:Ja, kann ich mir vorstellen, dass das auch schwierig sein kann. Zumal man damit vielleicht auch gar nicht mehr mitbekommt, wenn das Elternhaus "verloren geht" und man es nicht mehr zu Gesicht bekommt.
Das ist bei mir längst Geschichte, ein Glück.
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Die ganzen Elemente, die man als Kind doch mitmachen würde (Beerdigung, Haus ausräumen, ... ) waren da schon passiert...
Nee, möchte ich nicht. Ich für meinen Teil bin froh, wenn das alles sang- und klanglos an mir vorbeigeht. Keine letzte Ehre – für meine Ehre.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 16:33
Zitat von martenotmartenot schrieb:Insbesondere mein Vater und ich hatten uns auch nie etwas zu sagen. Wenn ich z.B. mit meinem Vater allein in der Wohnung war, dann haben wir außer zweckgebundenen Dingen ("Brauchen wir was zu trinken?", "Hast Du meine Jacke irgendwo gesehen?" etc.) kaum etwas miteinander geredet hatten.
So ist es bei mir mit beiden Eltern. Ich hoffe, es bleibt so. Es ist echt schleppend, meistens erzählt mein Vater dann irgendwas aus dem 70er oder 80er Jahren - er fragt nie was.
Zitat von soomasooma schrieb:Nee, möchte ich nicht. Ich für meinen Teil bin froh, wenn das alles sang- und klanglos an mir vorbeigeht. Keine letzte Ehre – für meine Ehre.
Es ist natürlich einfacher, wenn man das kann. Bei uns stellt sich die Frage nicht: Meine Mutter hat sofort das Zimmer meines Bruders und mir aufgelöst, als wir ausgezogen sind, eines wurde "Bügelzimmer", das andere Rumpelkammer. Es gäbe gar keine Spuren mehr, dass wir je in dem Haus gewohnt haben, sie haben kürzlich sogar die Familienbilder von der Wand genommen.


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01.06.2026 um 17:21
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:mitmachen würde (Beerdigung, Haus ausräumen, ... ) waren da schon passiert...
Ja aber wenn man im Leben keinen Bock auf die Leute hatte dann doch auch nicht um deren Müll wegzuräumen 🤷🏼‍♀️


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 17:46
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Das Problem ist eben oft, wenn eine Krankheit oder Pflegebedürftigkeit eintritt, dann ist so die Erwartungshaltung, dass man sich kümmert "egal, was war" und dass man dann selbst der moralisch unterlegene ist, wenn man weiterhin sagt "das ist mir total egal, ich möchte trotzdem keinen Kontakt". Eigentlich weiß man es ja besser.
Grundsätzlich herausforderndes Thema. Zu Zeiten in denen Eltern agil und vital sind - haben sich nicht um mich und mein Leben.

Ihre Prioritäten lagen woanders - bei ihren Interessen - zu denen ich nicht gehörte - so muss man das nüchtern feststellen.

Daher bin ich fein damit - eines meiner Elternteile nur zum Geburtstag zu sehen. Mir reicht das - und Pflege ? Sollen sie übernehmen - Geschwister bei denen Priorität liegt. Das ist in Ordnung.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

01.06.2026 um 21:04
Zitat von ArkhamKnightArkhamKnight schrieb:Für mich galt es eigentlich ja schon fast selbstverständlich das wir uns alle als Einheit herzlichst verstehen und uns alle bedingungslos lieben.
Die Kernfamilie - ja.
Und klar, es rumpste auch, so in den späten Teeniejahren.
Bin frueh von zuhause ausgezogen - und seitdem ist das Verhältnis gut :-).
Und gegenseitige Unterstützung ist eine Selbstverständlichkeit. Ich bin da sehr froh drum.

Mit dem Rest besteht zwar Kontakt, aber da ist weniger Zusammenhalt als ich mir wünschen wuerde.

Aber wie war das mit der Wahlfamilie....


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08.06.2026 um 18:39
Zitat von ArkhamKnightArkhamKnight schrieb am 30.05.2026:habt alle den Seelenfrieden
Alles gut, hab ich. Mit Familie hätte ich schon längst Magenkrebs und wäre verreckt.


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