martenot schrieb:Meine Mutter signalisiert auch ständig, dass sie wahnsinnig stark auf mich und meinen nächsten Besuch wartet. Das sagt sie anscheinend auch ständig den Pflegekräften. Denn auch die sagen dann zu mir "Endlich kommen Sie, Ihre Mutter wartet schon so dringend auf Sie".
Ja, man hat mitunter den Eindruck, dass da auch unreflektiert die Sichtweise des Patienten übernommen wird. Klar verbringt man sehr viel Zeit alleine. Andererseits: Ich habe eine Kollegin, die ihre Mutter in einem Pflegeheim direkt auf ihrem Fahrtweg untergebracht hat und die täglich vorbeischaut, außer, wenn sie in Schuljahren einen freien Tag hat. Das ist da auch jedes Mal ein Geheule und sie hat wochenlang ein schlechtes Gewissen.
martenot schrieb:Auch ich finde das belastend und fast übergriffig, denn ich habe dann immer ein schlechtes Gewissen. Und das, obwohl ich eigentlich weiß, warum ich sie eben nur so oft besuche, wie ich es eben kann, und für mich selbst erträglich finde.
Ja, was ich sehr cool finde: Wir haben im Dorf eine schwerbehinderte Frau, die aus dem Grund ihre eigene Pflege so organisiert hat, dass sie überhaupt keine Hilfe ihrer Angehörigen braucht, da sie meint, klar ist es für die doof, aber ihre Kinder können auch nichts dafür, dass sie nun ein Pflegefall ist und sie will sie gar nicht belasten. Sie ist -im Rahmen ihrer Möglichkeiten und sie hat nicht viele- trotzdem sehr aktiv und nimmt einfach alles in Anspruch: Dianachmittag der Kirche, etc, weil sie sagt, sie sei ja für sich selbst verantwortlich und wolle nur so oft besucht werden, wie die Besucher das aus freien Stücken auch wollen.
martenot schrieb:Ja, kann ich mir vorstellen, dass das auch schwierig sein kann. Zumal man damit vielleicht auch gar nicht mehr mitbekommt, wenn das Elternhaus "verloren geht" und man es nicht mehr zu Gesicht bekommt.
Ja, in dem Fall war es so, dass die neue Partnerschaft des Vaters den Kontakt minimiert hat - schon krass, wenn du dann als erstes Kind weder an der Beerdigung deines Vaters teilnehmen darfst, weil es bewusst verschwiegen wird, noch irgendwie nochmal durch das Haus gehen darfst, in dem du deine Kindheit verbracht hast. Klar ist dieser Fall etwas anders gelagert, aber man hat ja trotzdem einen Abschiedsprozess.
Milanthrop schrieb:Das stimmt so nicht, du bekommst Post ob du willst oder nicht.
Das stimmt, aber im Falle meiner Bekannten erst, als es vorbei war. Die betreffende Person hatte es dann schon über den Dorffunk erfahren, aber erst nach der Beerdigung. Die ganzen Elemente, die man als Kind doch mitmachen würde (Beerdigung, Haus ausräumen, ... ) waren da schon passiert...