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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

62 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Menschen, Gesellschaft, Psychologie ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

08.06.2026 um 19:06
Zitat von martenotmartenot schrieb am 01.06.2026:Genau diese lebenslange Geringschätzung von Seiten meiner Mutter hat aber auch dazu geführt, dass ich nun eben nicht mit riesiger Begeisterung täglich zu Besuch kommen will (und früher auch schon über Kontaktabbruch nachgedacht habe).
Vollkommen nachvollziehbar. Aber warum probierst du es denn nicht einfach mal aus und lässt einen Besuchstermin ausfallen? Was soll sie schon machen? Absagen, klar formulieren... habe einen Termin, etwas zu tun... fertig.

Klar, sie wird sicherlich versuchen dir ein schlechtes Gewissen zu machen, es werden Vorwürfe kommen usw, aber machen kann sie im Endeffekt doch sonst nix.
Zitat von martenotmartenot schrieb am 01.06.2026:Auch am vergangenen Wochenende wars wieder so: mein Handy klingelte, meine Mutter. Ich bin dann erstmal einfach nicht dran gegangen. Aber meine Mutter ist ja hartnäckig. Sie ruft dann eben in kurzen Abständen immer wieder an und heult mir in die Mailbox ("Was ist los? Bist du krank? Warum kümmerst du dich nicht um mich?").
Ich würde das Telefon einfach abstellen.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

09.06.2026 um 08:20
Zitat von Photographer73Photographer73 schrieb:Vollkommen nachvollziehbar. Aber warum probierst du es denn nicht einfach mal aus und lässt einen Besuchstermin ausfallen? Was soll sie schon machen? Absagen, klar formulieren... habe einen Termin, etwas zu tun... fertig.
Das habe ich schon gemacht. Führt dazu, dass meine Mutter in kurzen Abständen bei mir anruft und außerdem das Pflegepersonal stresst. Das merke ich, wenn ich dann wieder komme, und die Leute zu mir sagen "Gott sei Dank sind Sie wieder da. Ihre Mutter hätte fast durchgedreht."


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

10.06.2026 um 08:30
Zitat von martenotmartenot schrieb:Das habe ich schon gemacht. Führt dazu, dass meine Mutter in kurzen Abständen bei mir anruft und außerdem das Pflegepersonal stresst.
Und das mal klar ansprechen? "Es ist alles in Ordnung, aber mir wird das alles irgendwie zu viel, ich möchte nicht mehr so häufig kommen". Wenn man nur mit Ausreden kommt, wird das Problem gar nicht klar.

Klar, ist jetzt auch nur ein Ratschlag vom Sofa aus, und gerade ältere Menschen haben ja auch den Ruf, da empfindlich zu reagieren oder das im Gegenteil zu ignorieren. Ich glaube auch nicht, dass du darüber nicht schon nachgedacht hast.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

10.06.2026 um 08:35
Zitat von zaeldzaeld schrieb:Und das mal klar ansprechen?
Das habe ich schon. Als Reaktion war meine Mutter in Tränen ausgebrochen und hat gleichzeitig sehr eingeschnappt reagiert. Stundenlang hat sie danach gebockt.

Das Problem ist auch, dass auch das Pflegepersonal den ganzen Frust abbekommt, wenn meine Mutter schlecht drauf ist. Und soweit ich mitbekomme, schafft sie es, tage- und wochenlang schlecht drauf zu sein.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

10.06.2026 um 16:59
Zitat von martenotmartenot schrieb:Das habe ich schon. Als Reaktion war meine Mutter in Tränen ausgebrochen und hat gleichzeitig sehr eingeschnappt reagiert. Stundenlang hat sie danach gebockt.
Ja, also so, wie ich es als potentiell erwartbare Reaktion schon gesagt hatte. Schade, Zuwendungen einfordern aber selber keine Rücksicht nehmen ist nicht so sonderlich nett.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

10.06.2026 um 17:56
Zitat von martenotmartenot schrieb:"Gott sei Dank sind Sie wieder da. Ihre Mutter hätte fast durchgedreht."
Ist aber auch 'ne Art, jemanden in Empfang zu nehmen..

Rationalerweise befindet sich deine Mutter in professionellen, sicheren Händen und ihr wäre damit auch nicht geholfen, wenn du plötzlich ihretwegen welche bräuchtest. Rational gesehen, kannst du nur eine Ressource sein, wenn es dir gut geht, wenn du bestehst. Emotional... kann ich dir da vermutlich nichts sagen, was du nicht schon gehört oder dir selbst gesagt hättest... Ich bin auch da irgendwo an diesem Ort und ich mach mir bereits so manche Gedanken, wie das noch erst wird, wenn sie mal pflegebedürftig ist.

Parentifizierung sollte eigentlich nicht sein, jeder Erwachsene trägt allein Verantwortung für sich selbst, aber kann man die Person nicht aufgeben, weil man sich gebunden fühlt und Bindung nichts Rationales ist, kann ich dir nur den Rat geben, zumindest den Deal mit dir selbst einzugehen, ihr erst und nur dann etwas von dir zu geben, wenn du dich stabil fühlst, ungetrieben und anschließend etwas für dich selbst tust und wenn du das Gefühl hast, dass sich, von ihr oder deiner Seite, eine feste Platte abspielt, kurz die Situation verlässt (Muss los, hab'n Termin, - Oh, wichtiger Anruf, muss auflegen). Muss keine Trennung auf unbestimmte Zeit sein, aber Triggersituationen abzubrechen, bewahrt vor Schlimmsten.

Die "Break ups" (Ab hier endet unsere Zeit, bis morgen, übermorgen, etc) sind deine Pause, deine Kontrolle und heilsam, wenn man schon nicht das rational Richtigste über's Herz bringt, kann man das am emotional Besten tun. Also wenn du dich schon (mit)kümmern sollst, dann geht das nur unter bestimmten Voraussetzungen und die legst erst mal nur du fest. Ihr Wunsch, deine Regeln.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

11.06.2026 um 08:10
Zitat von IntemporalIntemporal schrieb:Die "Break ups" (Ab hier endet unsere Zeit, bis morgen, übermorgen, etc) sind deine Pause, deine Kontrolle und heilsam, wenn man schon nicht das rational Richtigste über's Herz bringt, kann man das am emotional Besten tun.
Morgen werde ich sie wieder besuchen, wie meistens am Freitag. Aber da ich morgen Abend mit Bekannten ein Treffen im Biergarten geplant habe, werde ich meinen Besuch bei meiner Mutter etwas abkürzen, und als Begründung sagen, dass ich wieder zurück muss, weil ich noch einen Termin habe. Wahrscheinlich wird sie wieder eingeschnappt reagieren (sie sagt dann z.B. "Ja, dann kann man halt nichts machen" und setzt ein beleidigtes Gesicht auf), aber das muss ich dann eben hinnehmen und mich nicht davon runterziehen lassen.


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11.06.2026 um 12:38
Zitat von martenotmartenot schrieb:aber das muss ich dann eben hinnehmen und mich nicht davon runterziehen lassen
Ignorier das Gesicht, steh' auf und sag "Ja, leider nicht" und verabschiede Dich kurz. Nicht kommentieren, neutrale Haltung. Und dann rasch weg, keinen Raum für Diskussionen lassen.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

11.06.2026 um 12:42
Zitat von soomasooma schrieb:Und dann rasch weg, keinen Raum für Diskussionen lassen.
Da stelle ich bei meiner Mutter das neue Verhalten fest, dass sie dann Anstalten macht, mitzukommen. Sie sitzt zwar im Rollstuhl, bewegt sich aber mit mir in Richtung Tür und zum Aufzug. Dann muss ich zurück und ihr erklären, dass sie nicht mitkommen kann, und dann verwickelt sich mich in ein neues Gespräch.


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11.06.2026 um 12:51
@martenot
Nein, Du musst nicht zurück. Schnellen Schrittes zum Aufzug und weg, im Zweifelsfall die Treppe nehmen..Du hast einen Termin, Punkt.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

11.06.2026 um 12:59
Zitat von soomasooma schrieb:Schnellen Schrittes zum Aufzug und weg
In solchen Fällen ist es schon passiert, dass meine Mutter sich langsam weiter irgendwohin bewegt, und wenn sie am Ende eines Flures angekommen ist, kennt sie sich nicht mehr aus und findet den Rückweg nicht mehr. Die Pflegekräfte mussten sie schon suchen und zurückbringen.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

11.06.2026 um 13:02
@martenot
Ja, auch das ist ihre Aufgabe: Patienten wieder einsammeln. Das wollte ich eben eigentlich auch noch dazu schreiben: Informiere das Pflegepersonal darüber, ggf. bitte um Unterstützung bei der Verabschiedung.

Du hast einen wichtigen Termin. Punkt.


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11.06.2026 um 13:16
@martenot
Keine Ahnung ob das schon erwähnt wurde, aber ist dir klar das sie mit dir spielt?


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

11.06.2026 um 13:25
Zitat von MilanthropMilanthrop schrieb:aber ist dir klar das sie mit dir spielt?
Ja schon, wobei ich es zum Teil ihrer fortschreitenden Demenz zuschreibe. Früher hat sie zwar auch so ähnliche Taktiken gehabt, aber da konnte ich noch davon ausgehen, dass sie damit klarkommt, wenn ich nicht drauf eingehe.

Früher (zu den Zeiten, als sie noch gesund war), habe ich sie auch mal am Telefon heulen lassen und bin trotzdem nicht zu Besuch gekommen. Aber damals gab es auch noch meinen Vater, der mäßigend gewirkt hat, und sie hat sich auch wieder beruhigt und konnte es rational dann doch irgendwie bewältigen.


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11.06.2026 um 13:28
@martenot
Ich glaube es wenig mit ihrer Demenz zu tun. Das ist Kontrolle und das ist scheiße.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

11.06.2026 um 13:32
Zitat von MilanthropMilanthrop schrieb:Ich glaube es wenig mit ihrer Demenz zu tun.
Wie gesagt, solche manipulierende Taktiken hatte sie schon immer, aber früher konnte ich es besser abwehren, als ich noch mit einer "normalen" Reaktion eines erwachsenen Menschen rechnen konnte.


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11.06.2026 um 13:33
@martenot
Oh man ☹️ wärst du in meiner Stadt würde ich dir helfen.


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11.06.2026 um 15:26
Zitat von martenotmartenot schrieb:Morgen werde ich sie wieder besuchen, wie meistens am Freitag. Aber da ich morgen Abend mit Bekannten ein Treffen im Biergarten geplant habe, werde ich meinen Besuch bei meiner Mutter etwas abkürzen, und als Begründung sagen, dass ich wieder zurück muss, weil ich noch einen Termin habe.
Ist doch sogar gut. :Y:
Zitat von martenotmartenot schrieb:Wahrscheinlich wird sie wieder eingeschnappt reagieren (sie sagt dann z.B. "Ja, dann kann man halt nichts machen" und setzt ein beleidigtes Gesicht auf), aber das muss ich dann eben hinnehmen und mich nicht davon runterziehen lassen.
Sie hat ein Recht auf ihre (negativen) Gefühle und die müssen nichts mit dir als Person zu tun haben. Dann findet sie die Umstände halt unglücklich, soll sie schmollen, wird ihr das zu blöde, wird sie sich anderen Gefühlen zuwenden, wie das alle Menschen tun.

Ein hartnäckig schlechtes Gewissen ggü den eigenen Eltern ist ein nettes Geschenk aus der Kindheit, ein festes Programm, das immer wieder spielt, das kann man sich mühevoll wieder abtrainieren. Irgendwo muss man damit beginnen und das tut man am Besten, in dem man bewusst andere, unfamiliäre Entscheidungen trifft. Bin da auch nicht der radikale Typ, ich hab lieber subtile Ansätze, aber irgendwo muss angesetzt werden, sonst findet keine Entwicklung statt.


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Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie

15.06.2026 um 10:09
Zitat von martenotmartenot schrieb am 11.06.2026:In solchen Fällen ist es schon passiert, dass meine Mutter sich langsam weiter irgendwohin bewegt, und wenn sie am Ende eines Flures angekommen ist, kennt sie sich nicht mehr aus und findet den Rückweg nicht mehr. Die Pflegekräfte mussten sie schon suchen und zurückbringen.
Ein wenig fehlt dir die Konsequenz.

Gehe. Mit Ankündigung. Und mach das dann. Gehe

Der Rest ist nicht deine Verantwortung. Du wirst es nicht allen recht machen, egal wie du dich verhältst


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16.06.2026 um 21:37
Manchmal ist es vielleicht der beste Weg,


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