Jule schrieb:Das ist richtig. Deswegen tu ich mir mit dem Gruppengefüge auch so schwer. Auf der einen Seite hat man viele Menschen die auch nützlich sind, auf der anderen Seite sind auch viele Menschen dabei, die dir schneller schaden können als die Zombies.
Dem stimme ich zu. Menschengruppen lösen bei mir ein mulmiges Gefühl aus, kann sie auch schwer einschätzen. Bin vom zurückhaltend-vorsichtigen Typ. Was aber auch heißt: besonders viele private Kontakte sind nicht vorhanden, und neue ergeben sich nicht so leicht (bin definitiv niemand der leicht Anschluss findet).
Tiere töten:
Bin Vegetarierin, meide auch ansonsten tierische Produkte (Leder, Federn.... und vergleichbares nutze ich nicht) und will einfach keine Tiere töten (Insekten vorsichtig raussetzen etc.). Und da mache ich im normalen Leben auch keine Ausnahme. (Da ich es unter bestimmten Bedingungen im normalen Leben in Erwägung ziehe Eier zu essen, bin ich kein Veganer.)
Notfalls ein Tier töten: ich könnte es mir vorstellen, und eher Tiere die man ruckartig töten kann. Dass ich es sehr ungern täte, ich glaube, man kann es sich vorstellen.
Wennauch ich es für wahrscheinlich halte, dass beim "etwas in den Bauch bekommen" so eine tierische Mahlzeit erstmal im wahrsten Sinne des Wortes "nach hinten losgehen" könnte. Der Körper passt sich oft mit der Zeit an die angebotene Nahrung an, und meiner verarbeitet Hülsenfrüchte, allgemein Lebensmittel mit hohem Anteil Ballaststoffe, wohl auch aus Gewöhnung problemlos (da bläht nichts, da nervt nichts) - wenn jetzt Fleisch daherkäme, die Darmflora dürfte nicht mehr passen.
Besonders häufig dürfte es, realistisch, diese Fleischmahlzeiten übrigens sowieso nicht geben. Auch wenn sich manche vorstellen: "Dann geh ich halt jagen" - so viel gibt es gar nicht. Zum Fleisch wäre dann auch schnell zu zählen: Insekten, Spinnen, Schnecken, Würmer.
Was würde ich konkret an meinem Standort finden:
Außer Algen und den Früchten der Feigenkakteen und den Kakteen selbst (kann man essen, "Nopales") nichts Pflanzliches. Wir leben in der Atacama und gleichzeitig an der Küste. Der Rest wäre dann nur tierische Nahrung. An der Küste könnte man bestimmte Tiere leicht sammeln (Schnecken, Muscheln, Seeigel an den Felsen), fischen - was Leute hier auch viel machen, und realistisch, da würde in Notzeiten nicht reichen.
PrivateEye schrieb:Frag die leergekauften Toilettenpapierregale. Die waren sehr real. und ebenso wie sich manche darum stritten. Das in einem richtigen Ernstfall würde sicher eher sehr böse ausgehen und enden.
Das waren sie. War bei uns auch leer in den Supermärkten (wir hatten noch welches, und ansonsten: Do-it-yourself-Bidet wenn man kein richtigs hat, sprich: Hintern mittels am Wasserhahn nachgefüllter Wasserflasche waschen, mit Handtuch abtrocknen). Aber eine Apokalypse?
Das wäre für mich, wenn ich schauen müsste wie ich nicht verhungere, den ganzen Tag schauen müsste dass mein kleiner Besitz nicht auch noch gestohlen würde, und täglich Angst haben müsste, überfallen und getötet zu werden. Da hatte ich während der Pandemie bei weitem nicht den Eindruck... Manches, wie gesagt, war halt blöd, z.B. dass mit nur Homeoffice und Schließung aller Vereine es uns nicht möglich war, Kontakte aufzubauen. Wir sind kurz vorher umgezogen, waren in den USA, alle Verwandten und Freunde in Deutschland. Kannten niemanden vor Ort (richtig "niemanden"; wir hatten schon bei Umzug später Probleme, jemanden zu finden, der für uns ein Paket zuverlässig am Tag nach unserem Wegzug abschickt ohne zu denken da wäre was faul daran). Auch wäre es sicherlich blöd gewesen, wenn wir nach dem kurzen Aufenthalt in Deutschland nicht mehr in die USA hätten zurückkehren können; wir saßen letztendlich im letzten Flieger den ich in der Nacht zuvor noch mit viel Organisationstalent buchte (erster und bislang einziger Flug in der 1st Class, was das einzige was noch verfügbar war).
Im Extremfall wäre uns irgendwann die Wohnung geräumt worden, Besitz verschrottet, und die Arbeitsplätze wären weg gewesen.
Aber auch das wäre für mich keine Apokalypse. Eine Grundversorgung hätte es bestimmt gegeben, und wir hätten mit Ersparnissen etliche Zeit durchkommen können - einfaches Hotelzimmer, Haushaltssachen nach und nach ersetzen, keine Gefahr für Leib und Leben und kämpfen (also: mit Fäusten und Waffen) wäre auch nicht nötig gewesen.
PrivateEye schrieb:Ich finde, das ganze ist auch wie ich das nutze was ich zur Verfügung habe. Was ja auch Sinn macht. Auch auf einem Balkon einer Mietswohnung kann man (begrenzt) gärtnern!
Kann ich bestätigen, wir haben das selbst in Klimazonen ähnlich der deutschen, und auch konkret in Deutschland, gemacht.
lapis_lazuli schrieb:Dann habe ich ja ein Haustier - zurücklassen könnte ich meinen Kater nie, das würde ich mir nie verzeihen. der müsste also auch mit :|
Auch ich habe ein Haustier. Realistischerweise: In unserer Klimazone käme meine Bartagame wohl besser zurecht wenn ich sie außerhalb der Stadt aussetzen würde als wenn sie in einer Wohnung, einem Verschlag mit mir ausharren müsste; passendes Futter würde dieses Tier noch leichter finden, als dass ich es während einer Apokalypse auftreiben könnte, und das Tier braucht Wärme und UV-Licht (also: wird im Terrarium bereitgestellt (Strom, Kauf von Lampen die verschleißen), oder draußen).
(Wer das als Indikator sieht, ich könnte mitunter leichtfertig ein Tier aussetzen: Nein, ich würde unter allen normalen Bedingungen niemals ein Haustier aussetzen. Dieses Tier ist bestens versorgt und wird auch nie wegen "der Strompreis steigt" oder "wir ziehen um" ausgesetzt werden, und es hat für mich die gleiche Bedeutung wie für andree Menschen ihr Kater, ihre Katze, ihr Hund. Ist ein hervorragend versorgtes Familienmitglied.)
lapis_lazuli schrieb:ja, es gibt wirklich einige Kräuter und Pflanzen, die man dann nutzen bzw. verzehren könnte. Problematisch sind halt Pilze und co, weil sie gut erhitzt werden müssen. Klar kannst du bestimmte Sorten theoretisch auch roh essen, aber das ist extrem schwer verdaulich und legt dich dann, wenn du Pech hast, erstmal ne Weile lahm. und man muss natürlich wissen, welche Sorten überhaupt essbar sind, das braucht schon etwas Erfahrung oder einen guten Pilzratgeber.
Bzgl. den in Deutschland verfügbaren kenne ich mich gut aus, das wäre dort kein Problem. Zum guten Pilzratgeber: Gerade für Anfänger sollte das einer auf zwei Beinen sein, d.h.: Bitte nicht mit Büchern oder Apps anfangen, sondern mit einer versierten Person! Unterschiede die jemandem, der sich insgesamt mit Pflanzen und Pilzen auskennt, bei einer neuen Art (z.B. nach Umzug in eine andere Region) sofort ins Auge fallen sind meiner Erfahrung nach für Menschen die damit wenig vertraut sind allein nach Bildern und Beschreibungen oft nicht klar.
"Schwer verdaulich" dürfte oft ein Problem werden: Im Vergleich zu eher typischen modernen Ernährungsweisen dürfte im Verhältnis der Anteil an Ballaststoffen steigen. Wer einen empfindlichen Magen hat dürfte auch ein Problem bekommen, allgemein mit ungewohnter Nahrung konfrontiert zu werden.*
Umgekehrt: Wer es gewöhnt ist, fast nur Pflanzliches zu essen, auch mit hohem Faseranteil (da zähle ich mich dazu), dürfte Probleme bekommen, wenn auf einmal tierische Proteine daherkommen.
*Darum finde ich für die normalen Vorräte, die man sowieso da hat, auch "Prepping for Tuesday" (= für die nicht so drastischen Notfälle, wenn es halt mal sinnvoll wäre was da zu haben) aber auch ausgedehnteres Preppen, wichtig, nach dem Prinzip "buy what you eat" (und "eat what you buy", d.h.: rotierendes Prinzip) vorzugehen. Lebensmittel da haben die man normalerweise auch isst, und aus diesen einen haltbaren Vorrat leicht zubereitbarer Lebensmittel. Vermeidet plötzliche Verdauungsprobleme.
Rattensohn schrieb:Aber klar, anbraten muss schon sein, Feuer ist generell wichtig, darum am besten auch sowas wie einen Feuerstein besorgen bevor es in die Wildnis geht.
Die Pilze die roh unbekömmlich sind (unbekömmlich: nicht giftig, aber dennoch zu z.B. leichten Verdauungsbeschwerden führend) gehören nicht nur angebraten sondern durchgegart. Unter "anbraten" verstehe ich jedenfalls: ein wenig anrösten für den Geschmack, innen roh.
Rattensohn schrieb:Bei Pilzen gilt grundsätzlich, kein hier einheimischer Röhrling ist giftig, er kann bloß scheiße schmecken.
Das ist falsch.
Es gibt keine tödlich giftigen Röhrlinge, aber dennoch giftige. Der Satansröhrling und der Schönfußröhrling etwa lösen starke Magen-Darm-Beschwerden (heftiges Erbrechen, starker Durchfall) aus.
Kältezeit schrieb:Ich wäre nicht grundlos gewalttätig, aber wenn mich oder meine Familie jemand gefährdet, dann würde ich handeln. Gesetze sind sowieso ausgehebelt und aus Notwehr is so oder so legitim.
Notfalls würde ich das auch versuchen.
Vorräte haben wir; normale Mietwohnung, auch nicht besonders groß. Die würden zwar nicht für Jahre reichen, aber doch für einige Monate. (Wohin? Unters Bett, in den Kleiderschrank (da ist meistens unten unter hängender Kleidung noch Platz, und wir haben auch eher wenig Kleidung), mal eher einen Schrank hinstellen oder vorhandenen Einbauschrank nutzen für Vorräte statt für "Krimskrams".)
Lebensmittel eingemacht haben wir als wir einen Garten, teils auch nur Balkongarten hatten; der Ertrag war nicht besonders groß von der Balkongartenfläche, das ist klar, aber eingemacht haben wir dann v.a. aus kulinarischen Gründen (manches das man so gar nicht zu kaufen bekommt oder fertig gekauft überproportional teuer wäre).