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Familienbande: Netz oder Fesseln?

Familienbande: Netz oder Fesseln?

21.04.2019 um 16:57
derMessias schrieb am 06.12.2018: Im Urlaub konnten wir nur alle 4 Jahre fahren, weil mein Papa damals nur alle 4 Jahre in den Sommerferien welchen bekam. Dann aber immer 3 Wochen. Meine Mama ging auch putzen und hat sich halt um den Haushalt gekümmert. Alle leben noch, und sind gesund. Und munter.
Ich bin auch so in etwa dein Baujahr und ich glaube, damals war "der Urlaubskult" noch nicht so ausgebrochen - zumindest in unserer Gegend nicht. Fliegen war unerschwinglich (oh, ich weiß noch, als die Nachbarn nach Amerika geflogen sind, Verwandte zu besuchen ....) Wir (obwohl meine Eltern ziemlich gut verdient haben), sind immer in ein regionales deutsches Gebiet gefahren - nie mehr als zwei Stunden von unserem Heimatort weg, weil meine Eltern der Meinung waren, wenn was passiert, ist das super, wenn man schnell daheim ist.

Meine Eltern sind nicht die Abenteuermenschen und haben dann einen netten Privatvermieter gefunden und haben sich dort so wohl gefühlt, dass wir 10 Jahre lang alle Sommerurlaube (eine Woche! - mehr Urlaub hatte Papa auch nicht in der Hotspotzeit) verbrachten. Gähn .... Ich habe mich so nach Großstädten gesehnt, und dem Meer. Ich war fast 18, als ich das erste Mal am Meer war - im Massentourismus mit einem Megasonnenbrand :-).
warmerfebruar schrieb:Ich hoffe auch, dass ich es irgendwann mal meinen Kindern besser machen kann, als ich es hatte...
Ja, man macht vieles anders ... Kinder haben ja auch eine eigene Persönlichkeit und nehmen vieles anders wahr als man selbst. Ich habe eben auch reflektiert, was ich an meiner Kindheit und v.a. Jugendzeit problematisch fand und versuche das nun, anders zu machen ... dafür reagieren die Kinder dann auf andere Sachen.
warmerfebruar schrieb:Natürlich. Eigentlich ist mir schon lange klar, dass ich nichts mehr erwarten darf bzw. Im nicht helfen kann.. Er würde es wohl auch nicht wollen, und ohne seinen Willen würde da nichts klappen.
Ich finde, so etwas hat immer zwei Ebenen - gestehe dir ruhig Gefühle zu. Bei mir war es so, ich war mal verlobt (fast 10 Jahre Beziehung) und bin unheimlich mies abgesägt worden ... Es tat echt weh. Mir hat es geholfen, die Gefühlsebene von der rationalen Ebene irgendwie zu trennen ... An manchen Tagen hätte ich auch einfach durchheulen können ... Ich habe praktisch die rationale Ebene gebraucht "ja, der Typ ist irgendwann in der Beziehung ein Egoist geworden ...." und das hinterher emotional zu verarbeiten. Vielleicht ist es aber nur bei mir so.
warmerfebruar schrieb:Danke! Es ist schön sowas auch von jemand anderem zu hören!
<3 Versuch da wirklich oft drüber zu reden, das hilft beim Verarbeiten. Es ist eine schwierige Situation, keine Frage. Bei uns in der Stadt gab es einen (nun verstorbenen) Mann, dessen zwei oder drei Kinder sind alle verstorben - er hat es geschafft, daraus auch konstruktive Elemente zu ziehen und war am Ende mit sich im Reinen und hat der Gesellschaft wirklich sehr viel zurückgegeben. Er war in solchen Tiefphasen immer mein Vorbild.
warmerfebruar schrieb:Nach Rücksprache mit meinem Mann werde ich dies wohl tun. Allerdings ohne Erwartungen daran zu knüpfen. Ich möchte das für mich tun, nicht für ihn.
Das ist doch eine gute Entscheidung - du ersparst dir das "hat er mich gesucht, aber nicht gefunden?". Wenn er sich nicht meldet, hat das nichts mit dir zu tun. Obdachlose folgen oft ihrer eigenen Logik. Ich kenne nur einen Fall näher - habe mal in einer deutschen Großstadt gewohnt und im Winter hat regelmäßig ein Obdachloser in meinem Hauseinang geschlafen. Kam ich von der Arbeit oder vom Weggehen, musste ich über ihn drübersteigen.

Ich habe mich immer irgendwie verpflichtet gefühlt, habe mich auch geschämt, dass ich nun in mein warmes Bett steige und ihn in der Kälte lasse - andererseits konnte ich keine Hilfe leisten, zumindest keine, die Obdach gewährte. Es wurde dann irgendwann ein Ritual, das, wenn ich ihn weckte (war nicht immer so, oft war er einfach auch sehr betrunken), ihm noch einen heißen Tee brachte. Es war sehr ergreifend, wie es ihn aus dem bürgerlichen Leben rausgeworfen hat, aber er hatte auch Kinder und Verwandte, die ihn mitunter auch gesucht haben - Hilfe hat er abgelehnt, warum auch immer. Ich konnte die Gedanken oft nicht nachvollziehen, die er hatte, es war eine andere Denkstruktur und Logik, die er an den Tag legte.
warmerfebruar schrieb:Ich danke Dir für deine Beiträge, das war sehr aufbauend!
<3 Ich wünsche dir alles Gute, auch, dass du dich da emotional etwas lösen kannst ....
Dr.Manhattan schrieb:huch du kannst ja schön schreiben :)
daraus solltest du was machen.
@ Doors
Dr.Manhattan schrieb:inhaltlich find ich das grossartig. sorry - das mag herzlos klingen - aber ich liebe deine geschichte. das ist so bittersüss und melancholisch, sowas müsste man eigentlich verfilmen :D
Ich habe das auch sehr interessiert gelesen - hat mich an "die Asche meiner Mutter erinnert" - wenn du das je veröffentlichen solltest, bitte, setz mich auf die Interessentenliste. Es war sehr ergreifend und schön erzählt


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

22.04.2019 um 11:16
Dr.Manhattan schrieb:daraus solltest du was machen.
Weitere Textbeispiele findest Du in meinem Blog:
Blog von Doors


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

22.04.2019 um 14:02
Ich habe Eltern in doppelter Ausführung, leibliche und Adoptiveltern.

Meine leiblichen Eltern waren durch und durch gescheiterte Existenzen.
Der Vater das ungewollte Kind eines Kriegsveteranen, der traumatisiert aus der Gefangenschaft zurückkehrte in eine Familie verarmter Bauern, Hungerleider, die ihn durchfüttern mussten, da er nicht mehr arbeitsfähig war. Die Gefangenschaft hatte ihn körperlich und seelisch zerstört.
Gewalt, Missbrauch und Suizide waren in dieser Familie normal.
Mein leibliche Vater riss mit 18 von zuhause aus um nicht zur neu gegründeten Bundeswehr zu müssen.
Er fuhr erst zur See, später lernte er auf Sylt meine leibliche Mutter kennen und schickte sie in Hamburg auf den Strich.
Er war Zuhälter, Einbrecher, Erpresser und bei entsprechender Bezahlung "der Mann für's grobe" der aus anderen die Sch*iße herausprügelte.
Nachdem er 1972 einen Polizisten ins Krankenhaus geprügelt hatte wurde nach ihm gefahndet und er zog es vor, wieder zur See zu fahren.

Meine leibliche Mutter war ein ebenso unerwünschte Kind wie er.
Ihre eigene Mutter gehörte zu den Vertriebenen, die Schlesien Hals über Kopf und zu Fuß verlassen mussten.
Gelandet ist sie schlussendlich in Hamburg. Gerade 14 oder 15 und alleine, ihre Familie hatte die Flucht nicht überlebt.
Ich habe keine Ahnung, wie sie die Jahre bis 1952 zugebracht hat, aber so jung und alleine in der zerbombten Großstadt, in der noch lange gehungert und gestorben wurde, muss eine extrem prägende Lebenserfahrung gewesen sein.
1952 bekam sie unehelich meine leibliche Mutter.
Sie ist ihr wohl nicht sofort vom Jugendamt weggenommen worden (was damals bei leidigen Müttern, die keine Familie im Rücken hatten, durchaus normal gewesen wäre) sondern die ersten acht Jahre bei ihr aufgewachsen.
Dann kam ein Mann der gewillt war, sie zu heiraten, aber nicht das Schandbalg durchzufüttern.
Meine Mutter kam kurzerhand ins Kinderheim, um der Ehe nicht im Weg zu stehen.
Dort hat sie Karriere gemacht. Sie riss immer wieder aus und trieb sich rum, also wurde sie in ein geschlossenes Heim gesperrt.

Etwa 1971 trafen meine leiblichen Eltern sich dann auf Sylt, beide hatten dort Saisonjobs.
Sie verliebten sich ineinander (oder etwas, das sie dafür hielten) und zogen zusammen weiter nach Hamburg, wo sie in einer kleinen Absteige nahe der Reeperbahn lebten und arbeiteten.
Meine Mutter auf dem Rücken, mein Vater sorgte dafür, dass die Kundschaft den Weg zu ihr fand.
Wenn er einen Kunden für finanziell vielversprechend hielt, machte er Fotos die er diesem dann gegen entsprechende Bezahlung anbot.
Die Alternative wäre gewesen, das er die Bilder anderweitig verkauft hätte, zum Beispiel an die Familie oder den Arbeitgeber des Freiers.
Kurz nachdem mein Vater '72 den Abflug aus Hamburg gemacht hatte merkte meine Mutter, dass sie schwanger war. Irgendwie ist es ihr im Verlauf der Monate gelungen, Kontakt zu ihrem Kerl zu bekommen und ihn zu informieren, dass was kleines unterwegs ist.
Der Trottel ist tatsächlich zurückgekehrt und wurde prompt verhaftet.
Als ich 1973 geboren wurde saß er im Gefängnis, nützte meiner Mutter also gar nichts.
Die arme hat bis kurz vor meiner Geburt angeschafft. Da natürlich kaum ein Freier 'ne Schwangere wollte verdiente sie kaum etwas, konnte das Hotelzimmer, in dem sie immer noch lebte und arbeitete, nicht mehr bezahlen, flog raus und lebte auf der Straße, bis jemand Mitleid hatte und sie bei sich aufnahm.

Dann kam ich. Drei Tage Wehen bis die Ärzte schnallen, dass ich verkehrt lag, dann Kaiserschnitt. Nach 14 Tagen die Entlassung aus dem Krankenhaus, keine Kohle, keine Bleibe, Kind an der Backe.

An dem Punkt kamen meine Eltern ins Spiel.
Auch zwei Menschen, die wegen ihrer persönlichen Lebensgeschichten eher wenig für ein Leben als Familie geeignet waren.

Mein Adoptivvater erfuhr erst als fast Erwachsener, dass eigentlich seine Tante, eine in der Familie allseits zutiefst verachtet Frau, seine Mutter war. Er war das Ergebnis ihres "liederlichen" Lebenswandels in der Nachkriegszeit und mein Großvater, ein alter Nazi - Kapitän, versuchte mit Schlägen und Demütigungen die "schlechten Anlagen", die er zweifelsohne mitbekommen haben musste, aus ihm auszutreiben.
Seine Erfüllung fand mein Adoptivvater zeitweise als Feldjäger. Das aufspüren, festsetzen und zur Bundeswehr zurück bringen von Fahnenflüchtigen war "sein Ding".
Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr suchte auch er sein Glück in Hamburg.
Dort hatte er auf dem Kiez die gleiche Stammkneipe wie meine Adoptivmutter.

Ich frage mich manchmal immer noch wie sie es geschafft hat, das Jugendamt einzulullen. Aber vermutlich hat man damals einfach nicht so genau hin gesehen.

Meine Adoptivmutter kam 1931 in Meckpomm zur Welt, unehelich natürlich, die Mutter verstarb im Kindbett. Die ersten Jahre blieb sie bei ihrer Oma, der Vater, der sie offiziell nie anerkannt hatte, war ein "Onkel".
Die Oma starb unerwartet eines schönen Nachmittags und meine Mutter, damals auch etwa acht Jahre alt, wurde kurzerhand darüber aufgeklärt dass der Onkel ihr Vater ist und sie ab sofort bei ihm leben würde.
Und bei der Familie, die er inzwischen gegründet hatte.
Da kam also auch sie als ungewollter, nutzlose Fresser in eine Familie in der gehungert wurde, in der sowohl Mutter als auch Vater die Kinder bis aufs Blut prügelten und der Vater den Mädchen der Familie seine ganz spezielle Art der Liebe regelmäßig im Schweinestall zukommen ließ.
Bis zur vierten Klasse durfte sie im Winter zur Schule gehen, während der Sommer musste sie auf dem Hof mit anpacken. 1941 schloss die Schule dann ganz und das war es dann mit der Schulbildung. Immerhin hatte die Zeit gereicht, dass sie Lesen, Schreiben und ein wenig Rechnen gelernt hatte.

Sie lief immer wieder weg, kam aber nie sehr weit bevor sie wieder aufgegriffen und zurück geholt wurde.
1950 schaffte sie es bis nach Hamburg, stieg am Hauptbahnhof - keine Geld, niemand der sie erwartete - und wurde vom Fleck weg als Prostituierte in einem "besseren" Etablissement (Abendkleidung, Hochsteckfrisur, erst die Gäste zum ausreichenden Verzehr der völlig überteuerten Getränke animieren, dann aufs Zimmer)
engagiert.
Die Geschäfte liefen gut für sie, sie hatte im Gegensatz zu vielen anderen Hamburgern eine solide Unterkunft mit Verköstigung (bei einer Ehemaligen, die zu alt zum Anschaffen war und sich um sie wie eine Mutter kümmerte) und kam gut über die Runden.
1951 dann ein Betriebsunfall, der 1952 zur Welt kam.
Ihre Vermieterin warf sie nicht hinaus sondern kümmerte sich um das Kind, wenn sie arbeiten ging.
Anschaffen für zwei, das war dann noch eine Nummer schwerer.
Als das Kind 16 war die Chance, solide zu werden und zu heiraten.
Also das Kind bei der Vermieterin gelassen und schnell vor den Traualtar.
Die Ehe hielt nur Monate.
Der Puff hatte inzwischen geschlossen, dank guter Beziehungen konnte sie in die Herbertstraße wechseln. Inzwischen aber schon Ende 30 liefen die Geschäfte nicht mehr gut und für 'nen Heiermann wollte sie nicht die Beine für stinkende Hafenarbeiter breit machen. Andere Kunden bekam sie aber nicht mehr.
Also ein paar Versuche mit seriöser Arbeit. Putzfrau im Krankenhaus, Küchenhilfe in einer Werftkantine.
1972 dann meinen Adoptivvater kennen gelernt, neue Chance auf ein normales, solides Leben. Fehlte nur ein Kind, mit 41 aber schwer möglich.
Anfang '73 dann das Gerücht, dass eine Kollegin vom Kiez in Schwierigkeiten steckt, ein Kind loswerden muss.
Also schnell geheiratet, dann das Kind unter Umgehung des Jugenamtes zu sich geholt.
Nachdem meine leibliche Mutter sich monatelang nicht mehr blicken lies doch das Jugendamt kontaktiert ; Antrag auf Pflege von Kind x: genehmigt in Abwesenheit der Mutter (da nicht auffindbar) später Antrag auf Adoption: ebenso genehmigt.

Umzug in eine andere Gegend, Job als Hausmeisterin mit Dienstwohnung, den Mann zu einer Stelle im öffentlichen Dienst gedrängt.
Alles grundsolide.
Und doch kein Glück. Weder Zufriedenheit noch Liebe.

Meine Eltern haben beide gesoffen, sie haben sich miteinander und mit anderen geprügelt, mein Vater hat immer und immer wieder das komplette Geld beim Skat verzockt.
Hysterisch kreischende Auftritte meiner Mutter, an die Wand fliegendes Geschirr, zertrümmerte Möbel.
Schläge auch für mich, Eltern die in ihrem Erbrochenen lagen, blaue Augen und blutende Nasen.

Als ich neun war, flog mein Vater raus.
Es wurde dann zeitweise ruhiger, meine Mutter behielt aber ihre Affinität zum Alkohol. Außerdem musste ein neuer Mann beschafft werden, ein paar Jahre war es ein stetiges Kommen und Gehen. Sie hatte alle schnell im Bett (gelernt ist gelernt), konnte aber keinen halten.
Meinen Vater sah ich nur sporadisch, meisten besoffen, wenn er kam um meine Mutter nach Geld anzubetteln, weil er mal wieder alles versoffen und verspielt hatte. Als ich 16 war riss der Kontakt ganz ab und erst 20 Jahre später hörte ich wieder was von ihm.
Genauer gesagt vom Bezirksamt. Ich solle mich doch bitte um seine Beerdigung kümmern.

Seitens meiner Adoptivmutter gab es noch eine Nenn-Familie, Onkel, Tante und Cousine.
Diese hielten fest zu meiner Mutter und ich genoss als Kind die Zeiten, die ich dort verbringen durfte.
Normalität, eine stinknormale, im wesentlichen harmonische Familie.
Nicht, dass mir dort etwa geglaubt wurde, wenn ich als Kind mein Herz ausschüttete über das, was zuhause passierte. Mir wurde stets und von allen Seiten vorgehalten, was für ein undankbares Blag ich doch sei, ich müsse meiner Mutter auf Knien dankbar sein, dass sie mich vor dem Kinderheim gerettet habe etc, etc blabla.
Meine Adoptivmutter verstand es aber auch vortrefflich andere zu manipulieren und ihre Lügen konnten den größten Skeptiker überzeugen.
Wenn ihr etwas nicht passte, spielte sie schwere Erkrankungen oder akute Herzinfarkte mit hollywoodreifer Inszenierung oder drohte mit Selbstmord.

Als sie und ihr Mann (den sie irgendwann ergattert hatte und auf dessen schnelles Ableben sie zwecks Witwenrente hoffte, er war schon 90) meine Kinder schlugen, kam es zum Eklat.
Mir sind so viele Dinge aus meiner Kindheit wieder eingefallen, die ich lange fein säuberlich verdrängt hatte.

Da mein Mann und ich uns damals recht klar darüber geäußert haben was geschen würde, wenn sie eines unserer Kinder auch nur noch ein einziges Mal anpacken würden, kam es zum Bruch.
Meine Mutter rief mich an und teilte mir mit, dass sie und ihr Mann uns nie wieder sehen wollten. Wir hatten damals einen (ziemlich hohen) Kredit für die beiden aufgenommen, den sie aus Altersgründen nie bekommen hätten.
Der letzte Satz meiner Mutter war: "ach übrigens, das Geld könnt ihr vergessen".

Die oben erwähnte Nenn-Familie hat sich damals auch komplett von mir abgewendet.
Seitdem gibt es an Familie meinem Mann, unsere Kinder und mich.


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

22.04.2019 um 19:52
Dieser Thread ist spannend. Mich interessieren Lebensgeschichten enorm und man sieht einige User aus einem anderen Blickwinkel, wenn man weiß, was er/sie schon durchleben musste.

Ich wünsche mir, hier noch viel mehr Lebensgeschichten lesen zu dürfen und ich danke und bewundere jeden für die Offenheit.
Ich versuche mich in jede Person hineinzuversetzen (das liegt mir), sie zu verstehen und mit ihr mitzufühlen.


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

05.12.2019 um 18:36
Familienbande und die "Knebelungen".
Interessant ist dabei auch der Austausch mit "migrantischen" Menschen.
Die Familie steht am Höchsten. Der Zusammenhalt ist Pflicht. Die Rolle der Frau, als Hüterin der Familie ist festgeschrieben.
Ich erlebte bisher nur eine Frau, die deutlich machte, was das für ein Druck ist.
Sich vom eigenen Mann trennen ist harsch. Sie gehen dann zumeist zurück zu ihren Eltern.
Dort fristen sie als "Durchzufütterende" ein demütigendes Leben.
Anders hier, auch wenn die Sozialleistungen gering sind, haben sie doch erst mal eine kleine Absicherung und können selbst bestimmen.
Der Druck der Familie ist dennoch da. Es gibt Verpflichtungen. Z.B. Hilfen finanzieller Art, die getätigt werden sollen.

...


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

gestern um 09:48
@kiki1962

Ich erlebe, dass sich die Situation von Frauen aus Familien Geflüchteter mit der Verweildauer in der BRD verändert. Sie wachen auf, stehen auf, gehen oftmals ihren eigenen Weg, gegen alle Widerstände. Das Kopftuch, das noch 2015 getragen wurde, bleibt schon lange im Schrank. Sie machen sich frei von Zwängen und Verpflichtungen, um zu lernen, zu studieren, eine Ausbildung zu machen, arbeiten zu gehen. Die Kinder werden in der Krippe, in der Kita, im Hort nach der Schule untergebracht. Die Zahl der Kinder wird durch Verhütungsmittel, oft gegen den Protest des Mannes, begrenzt. Da unterscheidet sich die Lebenssituation nicht mehr so sehr. Mit zunehmendem Spracherwerb geht Selbständigkeit und Kontakt zu Eingeborenen einher.

Es findet ein Austausch mit anderen Frauen (und auch Männern) statt. Nicht wenige sind froh, aus den Zwängen ihrer Familie(n) durch den räumlichen Abstand entkommen zu sein. "Ich bin froh, dass ich hier bin und meine Eltern in Afghanistan geblieben sind", sagte mir vor einiger Zeit eine gute Freundin. "Endlich kann ich tun, was ich will und muss nicht tun, was sie wollen!"

Inzwischen haben sich auch einige Frauen aus arrangierten Ehen oder von hemmenden Ehemännern getrennt, erst recht, wenn diese mit psychischer oder physischer Gewalt auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Frauen reagierten. Besonders fällt mir dies bei Frauen aus Afghanistan, Kurdistan und dem Iran auf. Die haben echt Power!

Rechtliche Probleme können sich allerdings ergeben, wenn der Mann als Verfolgter anerkannt wurde, seine Ehefrau nach einer Scheidung nicht mehr als Familienangehörige zählt und damit in eine unsichere Bleibeperspektive gerät. Hier argumentieren wir allerdings mit der Bedrohungslage, die entsteht, wenn diese Frauen zur Rückkehr in das Herkunftsland gezwungen werden sollten.

Alles in allem ein spannender Prozess, sozusagen Emanzipation im Zeitraffer und unter erschwerten Bedingungen. Ich bewundere diese Frauen und erwarte noch viel von ihnen. Vielleicht dienen sie auch als Vorbild für einheimische Frauen.


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

gestern um 10:43
Doors schrieb:Vielleicht dienen sie auch als Vorbild für einheimische Frauen.
Wieso? Einheimische Frauen machen eh schon seit mehreren Jahren was sie wollen und lassen sich nichts mehr sagen.


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

gestern um 10:52
@FerneZukunft

Nach meinen Erfahrungen gibt es leider noch zu viele Frauen, die sich von ihren Männern behindern, unterdrücken und misshandeln lassen. Da ist noch eine Menge zu tun.


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