Menschen
Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturAstronomieHelpdeskGruppenGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryEnglish
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

914 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gesundheit, Lügen, Diät ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

14.06.2021 um 22:40
Zitat von YeiruYeiru schrieb:Kann aber momentan mein normalgewicht halten aber ist unglaublich schwer.
Das finde ich toll, weil die Krankheit wird dich ein Leben lang begleiten, aber solange du die Kontrolle behälst, gewinnst du den Kampf.


1x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

14.06.2021 um 22:42
Zitat von frivolfrivol schrieb:Sind dir dabei die hohe Kalorienzahl wichtig, oder würde es dir reichen, den Bauch einfach maximal zu füllen, ohne das es fett macht?
Ich fühle mich erst dann glücklich wenn mein Bauch richtig voll ist. Die kcal sind mir egal. Danach fühle ich mich immer schlecht weil ich ja genau weis wie viele kcal ich da wieder in mich rein gefüllt habe.

Es ist wie eine Sucht. Ich muss mich zwingen nicht los zu laufen und mir den kram zu kaufen, wenn ich wieder solch einen Fressanfall habe. Wir haben zum glück solche Lebensmittel nicht im Haus.
Zitat von frivolfrivol schrieb:Das finde ich toll, weil die Krankheit wird dich ein Leben lang begleiten, aber solange du die Kontrolle behälst, gewinnst du den Kampf.
Ich hatte nie einsehen wollen das ich eine Essstörung habe. Bis ich nicht mehr Laufen konnte. Nur mit Gehhilfe. Ich war sozusagen mit einem Bein im Grab und der Rollstuhl stand schon in den Startlöchern.
Ich wollte Leben. Heute kann ich wieder ganz normal laufen.
Allerdings sind die Depressionen geblieben und die Essstörung leider auch.


2x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

14.06.2021 um 22:45
Zitat von YeiruYeiru schrieb:Ich fühle mich erst dann glücklich wenn mein Bauch richtig voll ist. Die kcal sind mir egal. Danach fühle ich mich immer schlecht weil ich ja genau weis wie viele kcal ich da wieder in mich rein gefüllt habe.
Aber es würde dir nicht reichen, z.b. ganz viel Wasser zu trinken und kalorienarme Füllstoffe, um den Bauch prall zu füllen, wenn das nur wenig kcal hat?

Und wenn du eine Magenverkleinerung machst? Dann müsstest du viel weniger Essen bis der Magen weh tut ... und dann bleibt weniger hängen?


1x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

14.06.2021 um 22:45
Zitat von YeiruYeiru schrieb:Ich hatte nie einsehen wollen das ich eine Essstörung habe
Zitat von YeiruYeiru schrieb:Allerdings sind die Depressionen geblieben und die Essstörung leider auch.
Die Essstörung erkennst Du ja mttlerweile an. Das ist doch schon mal ein großer Schritt. Da besteht Hoffnung, sie auch in den Griff zu bekommen. Wenn Du akzeptierst, was die Ursache dafür ist. Du kannst nichts ungeschehen machen. Du kannst Dich damit arrangieren und dem Ganzen die Macht nehmen.


1x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

14.06.2021 um 22:51
Zitat von frivolfrivol schrieb:Aber es würde dir nicht reichen, z.b. ganz viel Wasser zu trinken und kalorienarme Füllstoffe, um den Bauch prall zu füllen, wenn das nur wenig kcal hat?
Das habe ich alles schon versucht :( Es sind diese speziellen Lebensmittel die mir das gute Gefühl geben.
Zitat von frivolfrivol schrieb:Und wenn du eine Magenverkleinerung machst? Dann müsstest du viel weniger Essen bis der Magen weh tut ... und dann bleibt weniger hängen?
Naja ich habe ja momentan Normalgewicht und die Magen-op bringt bei essgestörten nichts da sie irgendwann einfach wieder anfangen zu Essen und der Magen dehnt sich dann wieder.
Zitat von InterestedInterested schrieb:Die Essstörung erkennst Du ja mttlerweile an. Das ist doch schon mal ein großer Schritt. Da besteht Hoffnung, sie auch in den Griff zu bekommen. Wenn Du akzeptierst, was die Ursache dafür ist. Du kannst nichts ungeschehen machen. Du kannst Dich damit arrangieren und dem Ganzen die Macht nehmen.
Das war auch wirklich das wichtigste. Die schlimmsten Zeiten sind auch zum glück vorbei. Es ist sehr schwer aber wenn es mal passiert, dann nicht mehr in ganz so großen mengen und nicht mehr jeden Tag.


1x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

14.06.2021 um 22:52
Zitat von YeiruYeiru schrieb:Das war auch wirklich das wichtigste. Die schlimmsten Zeiten sind auch zum glück vorbei. Es ist sehr schwer aber wenn es mal passiert, dann nicht mehr in ganz so großen mengen und nicht mehr jeden Tag.
Bleib auf jeden Fall dran. Dir zuliebe. Übernimm selbst die Führung.


melden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

14.06.2021 um 22:54
@Yeiru
Bist du dann im Rausch? Das beschreiben einige, das kenne ich nämlich gar nicht.


1x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

14.06.2021 um 22:57
Zitat von PattiMayPattiMay schrieb:Bist du dann im Rausch? Das beschreiben einige, das kenne ich nämlich gar nicht.
Das ist eine gute frage. Ich weis es nicht. Ich weis nicht wie sich ein Rausch anfühlt. Aber ich denke es ist schon ein anderer "Zustand" als wenn ich etwas gesundes / normales esse.


melden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

15.06.2021 um 07:27
Da ich bis vor ~ 2 Jahren auch noch gut 20 kg zu viel auf der Waage hatte spreche Ich aus eigener Erfahrung und sage:

Mit Sicherheit lügen sich viele dicke Menschen in die eigene Tasche.


Ich für meinen Teil wollte die 20 kg nicht mehr zurück haben (aktuell ist mein BMI im Normalbereich) .
Zum einen sieht man einfach fitter und jünger aus (zumindest ich). Als nächstes kann man auch mal im Laden blindlings ein Shirt das einem gefällt nehmen und anziehen --> Größe M passt einfach und sieht gut aus während vorher Größe L genommen werden musste (weil Bauch) und da dann der Rest vom Shirt einfach zu Groß war.

Beim Sport merkt man, dass man nicht mehr so viel unnötiger Ballast mit sich rumschleppt.

Im Alltag ist das Selbstbewusstsein und Auftreten einfach besser (und auch irgendwie einfacher) ; vermutlich da Ich nicht mehr wie ein dicker Zwerg in zu großen Shirts rumlaufe sondern adäquat angezogen bin und auch einigermaßen gut aussehe. Man wird einfach von anderen Leuten anders wahr- und ernstgenommen.


Weils mit dem Abnehmen vorher nicht geklappt hat habe ich mir auch immer eingeredet ich würde mich so wohlfühlen und und und ...

...im Endeffekt Selbstbetrug. Ich fühlte mich nicht wirklich wohl; mich hat es auch genervt dass Kleidungsmäßig nix gescheit gepasst hat und so weiter.

Wenn ich dann Leute sehe die nicht nur 20 sondern mal 40, 50 oder noch mehr KG zu viel auf die Waage bringen dann kann ich mir nicht vorstellen dass Die wirklich zufrieden sind.


1x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 13:02
Ich würde erst mal klar differenzieren, ob fett, dick oder extrem adipös. Wenn's gesundheitliche Beeinträchtigungen gibt, kann von einem Wohlfühlfaktor sicher keine Rede mehr sein. Kenne zur Genüge beleibte Menschen, an deren Positivismus, Selbstwert und Agilität sich mancher Schlanke eine Scheibe abschneiden könnte. Desweiteren ist mir aufgefallen, dass üppige Frauen meist das hübscheste Gesicht haben.


melden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 19:40
Zitat von mokuzaimokuzai schrieb am 15.06.2021:Wenn ich dann Leute sehe die nicht nur 20 sondern mal 40, 50 oder noch mehr KG zu viel auf die Waage bringen dann kann ich mir nicht vorstellen dass Die wirklich zufrieden sind.
Das sind sie auch sicher nicht. Nur schwindet wahrscheinlich bei stark Adipösen die Hoffnung, dass man überhaupt eine ordentliche Gewichtsabnahme in der Größenordnung schaffen kann, wenn es um die Abnahme von 20 und noch viel mehr kg geht. Über die Abnahme von 40 oder 50 kg braucht man gar nicht zu sprechen.
Ich denke, diese Menschen müssen ärztliche Hilfe in einem Adipositas Zentrum bekommen, evtl. eine OP mit Magenverkleinerung.
Mehr als 25 kg auf normalem Wege ( Ernährungsumstellung, Sport, evtl. Weight Watcher o.a.) kann man ohne fachliche Hilfe sicher kaum alleine schaffen.
Beim Sport ist es auch so, dass man mit einem gewissen Übergewicht besser nicht joggen sollte, sondern erst mal mit Nordic Walking einen Anfang machen usw.
Sonst werden die Gelenke zu stark belastet.


3x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 21:24
Zitat von RotmilanRotmilan schrieb:Ich denke, diese Menschen müssen ärztliche Hilfe in einem Adipositas Zentrum bekommen, evtl. eine OP mit Magenverkleinerung.
Ich habe eine Freundin, die eine Magenverkleinerung hinter sich hat - So aus der Ferne hat mich das Ergebnis nicht überzeugt: Zusammenfassung: Direkt nach der OP verlagerte sich das Suchtverhalten und sie rauchte viel viel mehr als vorher. Sie hatte über Wochen große Probleme, überhaupt etwas zu essen, was zunächst zu einer sehr rasanten Gewichtsabnahme führte, die dann aber auch Kreislaufprobleme mit sich führte. Die Haut hatte keine Zeit, sich zurückzubilden, alles hing.

Um "funktionsfähig" zu bleiben, hat sie z.T. Schokolade geschmolzen und getrunken, damit sie nicht zittrig wird. Das Gewicht hatte sich innerhalb eines Jahres halbiert (120kg - 60kg). Allerdings kann sie dauerhaft kein Vollkornbrot mehr essen und auch viele Gemüsesorten bereiten ihr große Probleme. Sie nimmt hochdosiert Vitamine und Protein, um dieses Defizit auszugleichen. Durch OPs ließ sie alles straffen.

Nach drei Jahren hatte sich der Magen wieder gedehnt: Stand heute: wiegt ca. 100kg, raucht sehr viel, kann viele gesunden Lebensmittel nicht mehr verdauen.


4x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 21:51
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Nach drei Jahren hatte sich der Magen wieder gedehnt: Stand heute: wiegt ca. 100kg, raucht sehr viel, kann viele gesunden Lebensmittel nicht mehr verdauen.
Das ist natürlich sehr unerfreulich, bei Deiner Freundin.
Da hat sich die OP kaum gelohnt, nehme ich an.

Ich kenne nur einen Menschen, eine Mitschülerin aus meiner alten Abiklasse, die als Schülerin schon sehr dick war. Sie hatte 2007 eine Magen- Bypass OP und hat damit 90 kg abgespeckt. Ihr Gewicht war aber auch hochadipös.
Allerdings hatte sie dann auch drei Nachfolge- OPs, wo die Fettschürze wegoperiert wurde. Keine Ahnung, ob das alles die Krankenkasse gezahlt hat.
Sie hat jedoch ihre Ernährung umgestellt, macht viel Sport und hat bisher das neue "schlanke" Gewicht halten können.
Und sie hat einen Ehemann, der mit ihr durch dick und dünn gegangen ist und das auch weiterhin macht.

Ich denke, da braucht man schon auch Unterstützung von Außen.


melden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 22:00
Ich selbst denke immer, dass man doch an den Klamotten merkt und selbstverständlich an der Waage ablesen kann, dass man zugenommen hat.
Und da setzt zumindest bei mir- ab einem bestimmten Gewicht eine Sperre ein- da ich das Gewicht nicht überschreiten möchte. Dann esse ich weniger, Süßigkeiten werden gestrichen, benutze die Treppen und nicht den Fahrstuhl etc. Bis mein Gewicht wieder da ist, wo es sein soll und die Klamotten nicht mehr kneifen.
Daher frage ich mich oft, wie es kommt, dass es z. Bsp. Leute gibt, die wirklich locker 100 kg überschreiten. Und warum diese nicht vorher ihr Essverhalten etc. geändert haben, damit das (Über) Gewicht nicht zur Adipositas wird.
Denn Adipositas ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern kann zu Diabetes, Herz- Kreislauf Erkrankungen etc. führen.


2x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 22:08
P.S. Ein intimer Einblick, was Essstörung bedeutet: Ich bin ja selbst auch von einer Essstörung betroffen - inzwischen weiß ich mehr und weiß auch, was mich "triggert" - was nicht bedeutet, dass ich das irgendwie immer unter Kontrolle habe. Das Problem ist, dass du Essen nicht als entspannte Mahlzeit ansiehst, sondern es auch als Suchtmittel missbraucht wird. Essen und ich - wir haben keine rationale Beziehung. So als Beispiel: Ein Kollege gibt Sekt aus - ich bin aber mit dem Auto da. Ich habe überhaupt kein Problem, diesen Sekt abzulehnen, da ich noch fahren muss. Ich kontrolliere meinen Alkoholkonsum. Besagter Kollege bringt Butterbrezeln mit. Ich mache eigentlich Diät, schaffe es nicht, daran vorbeizugehen, und esse eine, obwohl ich es nicht will.

Viel größeres Problem: Ich kann mit Essen meine negativen Emotionen töten. Das kann ich wirklich. Essen ist für mich nicht nur Nahrung. Negative Gefühle verschwinden. Aber nur in dem Moment, in dem ich zwanghaft esse. Dann verliere ich aber auch völlig die Kontrolle über mich bzw. mein Essverhalten.

Das geht einher mit einigen Persönlichkeitsmerkmalen. Wenn du mich im realen Leben kennen würdest, würde dir auffallen, dass ich eigentlich immer gut gelaunt bin, gute Stimmung verbreite, freundlich und offen bin und mich auch sehr für meine Mitmenschen/ Kollegen/ Freunde interessiere. Klingt positiv? Das ist die eine Seite.

Negative Gefühle leite ich über Essen ab. Ich versuche das mal zu erklären - ich komme aus einem Elternhaus, in dem ich weder geplant, noch gewollt war. Mein älterer Bruder war das Wunschkind, aber auch er bekam schnell Probleme mit meinen Eltern - sie hatten sich das Elternsein anders vorgestellt und dann kam noch ich. Bereits als Kind lernte ich (und er, aber er kompensiert anders), dass wir möglichst unproblematisch zu funktionieren hatten, um große Eskalationen zuhause zu vermeiden. So wurden wir sehr pflegeleichte Kinder: Wir grüßten die Nachbarn, brachten gute und sehr gute Noten mit nach Hause, gehorchten unseren Eltern aufs Wort ... Und zerfleischten uns fast gegenseitig, weil wir beide um die Zuneigung und Liebe unserer Eltern buhlten, die niemand im ausreichendem Maße bekam und man krankhaft eifersüchtig auf das andere Geschwisterkind war.

Dieses Verhaltensmuster (das mir jetzt bewusst ist), habe ich bis ins Erwachsenenleben übernommen. Ich fühle mich oft anderen Personen gegenüber verpflichtet. Es fühlt sich falsch an, wenn ich Raum einnehme. Also höre ich mir drei Stunden den Liebeskummer meiner Freundin an, obwohl ich in der Arbeit einen Scheißtag hatte. Auch wenn sie fragt "wie läuft es bei dir?", würde ich nicht ehrlich antworten. Ich habe einen riesigen Bekannten- und Freundeskreis, auch, weil ich genau weiß, wen welches Thema interessiert, weil ich immer helfe, wenn ich gebraucht werde. Ich bin einer der Leute, die bei einer Depression von einer Brücke springen würde und die Leute würden ratlos zurück bleiben "Sie hatte doch so viele Freunde, war so beliebt, hatte so einen guten Job, viele Hobbys, eine supernette Familie, ihr Mann hat sie total geliebt....". Ich spiele eigentlich oft eine Rolle. Ich führe eine exorbitante Geburtstagsliste, damit ich ja niemanden vergesse.

Wie "funktioniert" nun die Essstörung? Beispiel: Ich habe einen Scheißtag in der Arbeit, mein Chef raunzt mich an. Mir ist es aber superwichtig, dass ich als besonders nett, fleißig, etc. wahrgenommen werde und klar - ich bin dann enttäuscht. Es kann sein, dass das triggert. Manchmal passiert gar nichts. Aber an einem dieser Triggertage: Dieses negative Gefühl der Enttäuschung/ des Versagens muss ich irgendwie loswerden - andere Leute würden nun zurückraunzen, schlechte Laune haben ... ich spiele meine Rolle aber weiter.

Dann bekomme ich irgendwann totalen Heißhunger auf einen ungesunden Mist: Burger, Pommer, Döner, Nüsse (ich kann über eine Dose Erdnüsse in einer "Sitzung" futtern - oder Gummibärchen und Schokolade .... nach der Arbeit (ich fahre viel Rad, um mein Gewicht unter Kontrolle zu haben) fahre ich daher zum nächsten Dönerstand und kaufe mir einen fettigen Döner und setze mich irgendwo hin, wo mich möglichst niemand sieht - und verschlinge diesen Döner. Dann steige ich unter Umständen auf mein Rad und fahre zu Dönerstand 2 (ich würde nie zwei Döner beim Gleichen kaufe, weil ich mich abartig schäme und es soll ja normal wirken, falls mich jemand sieht). Meistens, dort angekommen, bin ich schon echt satt - aber das Sättigungsgefühl spielt überhaupt keine Rolle - Ich kaufe mir also einen zweiten Döner (was ja nicht auffällt, weil ich ja nun einige Kilometer weiter bin) und fresse den Döner in mich rein. Oft ist mir schlecht, ich bin übersatt ... Ich kann das aber nicht kontrollieren in diesem Moment. Ich bestimme nicht über meinen Körper und ich bestimme mein Essverhalten nicht. Die Sucht bestimmt über mich. Ich muss das Ding aufessen - ich muss auch 300g Gummibärchen und 100g Schokolade fressen - auch wenn ich satt bin, es überhaupt keinen Spaßfaktor hat - das ist der Moment, wo ich der Sucht sehr hilflos ausgeliefert bin.

Ich bin nun also vollgestopft, fett und aufgebläht. Ich muss den Döner aber aufessen. Und ich fühle mich völlig erbärmlich. Ich schäme mich für den Kontrollverlust. Ich ekle mich vor mir selbst. Ich komme nach Hause und Mr. Mary hat meist Mittagessen gekocht. Man wird es nicht glauben - aber ich setze mich an den Tisch und esse die Portion, weil ich nun die Kontrolle wieder habe und meine Rolle daheim spiele: die gemütliche Familienmahlzeit, ich rede mit den Kindern über die Schule ... . Ich zwänge mir die Portion irgendwie rein. Ich möchte nicht zugeben, dass ich für ein paar Minuten das geordnete Leben verlassen habe und einen Kontrollverlust erlitten habe. Das ist mir ewig peinlich. Mr. Mary bekommt manche Eskalationen mit, wenn sie daheim stattfinden - die Kinder nie. Niemand in meinem realen Leben weiß Bescheid.

Nun habe ich 2 Döner + ein Mittagessen hinter mir (2800kcal), vorsichtig geschätzt. Ich fühle mich scheiße und schuldig, allerdings ist die ursprüngliche Enttäuschung bzw. das damit verbundene Gefühl (Erwartung des Chefs nicht erfüllt) verschwunden. Dafür schäme ich mich. Am nächsten Tag lasse ich das Frühstück ausfallen, esse ein extrem gesundes Mittagessen (Hühnchen, Salat) und lasse das Abendessen wieder ausfallen. Trotzdem dauert es mehrere Tage, bis mein Gewicht sich wieder normalisiert hat. Ich schwöre mir, es kommt nicht wieder vor. Wenn du zu meinem normalen Umfeld gehörst, siehst du mich sehr selten essen, denn meist bin ich in irgendeiner "Kompensationsphase". Anders ist es, wenn in der Arbeit jemand z.B. einen Kuchen dabei hat. Dann esse ich immer, demonstrativ, ein Stück - und fühle mich Scheiße. Mir ist das peinlich.

Daher -wie beim Alkoholiker- passiert viel im Verborgenen. Bei manchen Anfällen fahre ich kurz auf den McDrive an der Landstraße (ist ein möglicher Heimweg). Ich parke weit entfernt, fresse alles auf, entsorge dann sorgsam die Tüte, fahre nach Hause ... Oder ich halte am Supermarkt, kaufe mir 300g Gummibärchen und 100g Schokolade - stopfe mich das alles rein, entsorge die Verpackungen ....


3x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 22:20
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Daher -wie beim Alkoholiker- passiert viel im Verborgenen. Bei manchen Anfällen fahre ich kurz auf den McDrive an der Landstraße (ist ein möglicher Heimweg). Ich parke weit entfernt, fresse alles auf, entsorge dann sorgsam die Tüte, fahre nach Hause ... Oder ich halte am Supermarkt, kaufe mir 300g Gummibärchen und 100g Schokolade - stopfe mich das alles rein, entsorge die Verpackungen ....
@MissMary
Sehr interessant zu lesen, vielen Dank für diese persönliche und ausführliche Schilderung. Wenn Du Dich aber nicht erbrichst, ist das ein sog. "Binge- Eating" Syndrom?
Also einen Jieper auf was Ungesundes wie einen Burger vom Meckes, kenne ich auch. Nur kommt das bei mir nicht so oft vor und ich könnte dann auch zu Hause nicht noch ein normales Mittag oder Abendbrot hinterher essen.

Ich denke, am besten ist da eine Psychotherapie, nicht nur eine Ernährungsumstellung. Denn wie Du selbst schreibst, hängen Eßstörungen mit Problemen aus der Kindheit, Erziehung etc. zusammen.


1x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 22:27
@MissMary

Ich sag auch mal Danke, für diese ehrlichen Einblicke. Du brauchst Dich für nichts schämen. Du füllst damit nur die Leere, die Deine verdammten Eltern erzeugt haben. Ich bin echt wütend auf Deine Eltern. Wie kann man nur so gefühllos sein und nicht erkennen, was man seinen Kindern damit antut? Echt ätzend!
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:und fühle mich Scheiße. Mir ist das peinlich.
Musst Du nicht. Du reflektierst das alles ziemlich gut. Iss es einfach mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen - denke, das funktioniert am Besten, dann hat der Mist, den Deine Eltern da verbockt haben, nicht mehr so die Macht über Dich. :/


1x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 22:37
Zitat von RotmilanRotmilan schrieb:Ich selbst denke immer, dass man doch an den Klamotten merkt und selbstverständlich an der Waage ablesen kann, dass man zugenommen hat.
Und da setzt zumindest bei mir- ab einem bestimmten Gewicht eine Sperre ein- da ich das Gewicht nicht überschreiten möchte. Dann esse ich weniger, Süßigkeiten werden gestrichen, benutze die Treppen und nicht den Fahrstuhl etc. Bis mein Gewicht wieder da ist, wo es sein soll und die Klamotten nicht mehr kneifen.
Bei gesunden Menschen läuft das so ja, aber nicht bei jemandem der krankhaft übergewichtig ist, da greifen diese normalen Mechanismen nicht.


@MissMary danke für deine Offenheit und Ehrlichkeit. In einigem kann ich mich selbst auch wiederfinden.


melden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 22:41
Zitat von RotmilanRotmilan schrieb:Daher frage ich mich oft, wie es kommt, dass es z. Bsp. Leute gibt, die wirklich locker 100 kg überschreiten. Und warum diese nicht vorher ihr Essverhalten etc. geändert haben, damit das (Über) Gewicht nicht zur Adipositas wird.
Siehe mein Beitrag oben ... du (also Betroffener) kannst das nicht kontrollieren - und je nachdem, wie weit dieser Kontrollverlust geht, wiegst du eben nachher 100kg, 120kg oder sogar mehr. Ich weiß nicht, wie ein "normales Verhältnis" von "normalen Menschen" Essen gegenüber ist. Aber ich stelle es mir vor wie ich und Alkohol: Ab und an trinke ich gerne - immer mit Freunden. Einen Aperol auf der Terasse einer Freundin, einen Cocktail in der Stadt, ich kann aber jederzeit problemlos mit Leuten zusammen sitzen und trinke als einzige nichts. Mir fehlt dann auch nichts.

Das Problem ist, dass Essen für dich in der Suchtstörung ein Suchtmittel ist. Du instrumentalisierst Essen, um deine Emotionen auszugleichen und Essen instrumentalisiert dich. Du hast so einen abartigen Suchtdruck - und schämst dich total dafür, wenn du nachgibst. Du agierst verborgen und es hat bei mir viele Jahre gedauert bis ich überhaupt einmal vor mir selbst zugeben konnte "ich habe ein Problem". Das Problem ist also der Kontrollverlust, den du erleidest. Ich habe es oben versucht zu erklären, wie das läuft.
Zitat von RotmilanRotmilan schrieb:Sehr interessant zu lesen, vielen Dank für diese persönliche und ausführliche Schilderung. Wenn Du Dich aber nicht erbrichst, ist das ein sog. "Binge- Eating" Syndrom? Also einen Jieper auf was Ungesundes wie einen Burger vom Meckes, kenne ich auch. Nur kommt das bei mir nicht so oft vor und ich könnte dann auch zu Hause nicht noch ein normales Mittag oder Abendbrot hinterher essen.
Ja, das ist Binge - aber nicht nur. Ich bin sehr flexibel, was meine Essstörung angeht :-). Es gibt Zeiten, da ist Binge das vorherrschende Problem. Das ist dann ein eigener Teufelskreis. Du hast einen Anfall. Du fühlst dich absolut Scheiße danach. Wie gesagt, der positive Effekt ist, dass das, was den Anfall ausgelöst hat, hinterher für dich überhaupt nicht mehr relevant ist. Du fastest am nächsten Tag (irgendwie musst du die Scheißkalorien ja kompensieren). Du hast Hunger - das kann tatsächlich einen oder zwei Tage später den Folgebinge auslösen.

Gerade hat sich meine Essstörung verlagert. Ich war bei einem wirklich lächerlichen Gewicht angekommen. Ich fühlte mich Scheiße, passte in keine Klamotte mehr ein, kam keinen Hügel mehr hoch (ich bin ja ein Outdoormensch). Es ist nicht so, dass ich nicht schon 1000mal eine Diät versucht hatte (meistens ein paar Kilo abgenommen, einen Bingeanfall bekommen, alles wieder zugenommen - mein Körper ist absolut gnadenlos, was Gewichtszunahmen angeht). Ich kann mich aber auch nicht nach Gefühl ernähren. Ich habe kein Gefühl. Ich weiß nicht, wann ich satt bin. Ich esse mitunter ja auch nicht, wenn ich hungrig bin, oder weit über mein Sättigungsgefühl raus.

Also beschlossen - es muss sich was ändern. Zu einer Ernährungsberatung getrabt, Kalorienbedarf berechnen lassen, ich schmeiße seit Monaten alles auf die Waage, esse echt ziemlich "clean" und gesund - Obst, Gemüse, Eiweiß. Positiver Nebeneffekt: Ich habe über 20kg abgenommen, fühle mich gut, hatte in den vergangenen Monaten nur ein - zwei Fressanfälle. Ist die Sucht damit weg? Nein. Sie verlagert sich. Ich habe nun eine diebische Freude daran, meine Kalorien zu unterbieten. Ich fühle mich total gut, wenn ich einen Tag mit 800 kcal schaffe. Ich fühle mich total Mist, wenn ich mal einen Tag nicht aufhören kann bei den 1400kcal, die ich essen sollte. Essen kontrolliert mich weiterhin. Seit Wochen nehme ich auch nichts mehr ab, obwohl ich an den meisten Tagen 1200kcal esse - ich denke, mein Körper hat nun beschlossen, nach 20kg, es mir extrem schwer zu machen. (Und ich bin noch nicht mal bei Normalgewicht angekommen).
Zitat von RotmilanRotmilan schrieb:Ich denke, am besten ist da eine Psychotherapie, nicht nur eine Ernährungsumstellung. Denn wie Du selbst schreibst, hängen Eßstörungen mit Problemen aus der Kindheit, Erziehung etc. zusammen.
Ja, das stimmt. Allerdings sind mir in meiner Kindheit/ Jugend noch ein paar Dinge passiert, die wie in einem Nebel liegen - ich weiß, dass sie passiert sind, sie sind aber soweit verdrängt, dass ich gut klar komme. Ich habe entsetzliche Angst, in diese Bereiche zu rühren, weil ich die Gefühle, dich ich damals erlebt habe, niemals niemals wieder durchleben möchte. Daher schrecke ich vor dem Punkt einfach auch zurück.
Rational weiß ich, es ist natürlich die einzige Lösung, eine Therapie zu machen. Emotional habe ich zu große Angst ...
Zitat von InterestedInterested schrieb: Ich sag auch mal Danke, für diese ehrlichen Einblicke. Du brauchst Dich für nichts schämen. Du füllst damit nur die Leere, die Deine verdammten Eltern erzeugt haben. Ich bin echt wütend auf Deine Eltern. Wie kann man nur so gefühllos sein und nicht erkennen, was man seinen Kindern damit antut? Echt ätzend!
Danke. Es ist ganz schwer zu erklären, es ist wie Dr. Jekyl und Mr. Hyde. Ich habe sehr oft das Gefühl, dass in mir zwei Personen leben - gerade ist alles ruhig, unter Kontrolle, rational weiß ich, dass ich mich nicht schämen muss. Die Person, die heimlich in den Supermarkt fährt, um dann 2000 kcal in wenigen Minuten in sich reinzustopfen, die Reste sorgsam entsorgt und dann mit 2l Milch heimkommt und freundlich zu dein Kindern sagt "Ich hab noch schnell Milch fürs Frühstück morgen geholt" ist mir selbst auch entsetzlich fremd. Ich kann ehrlich heute Abend nicht nachvollziehen, wie ich immer wieder an diese Punkte komme. Ich weiß aber, sie ist da und wenn sie getriggert ist, dann übernimmt sie von jetzt auf Nachher die Kontrolle.

Ich bin ein total kontrollierter Mensch - ich habe meinen Haushalt im Griff, meine Kinder sind ordentlich erzogen (und vermutlich etwas verwöhnt :-)), ich habe Hobbys, ich mache meine Arbeit gut, ich habe wie gesagt viele Freunde und vernünftige Beziehungen und ein gutes Umfeld - ich habe keine Ahnung, warum ich diesen einen verdammten Lebensbereich nicht dauerhaft unter Kontrolle bekomme. Finde ich eine Lösung, verlagert sich das Problem.
Zitat von InterestedInterested schrieb:Musst Du nicht. Du reflektierst das alles ziemlich gut. Iss es einfach mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen - denke, das funktioniert am Besten, dann hat der Mist, den Deine Eltern da verbockt haben, nicht mehr so die Macht über Dich. :/
Das ist nett von dir, aber so funktioniert Essstörung nicht - Essen ist nichts, was ich jemals genießen kann ... weil es gleichzeitig mein größtes Problem ist. Es ist nicht so, dass ich Essen per sé hasse. Es gibt schon Momente, wo ich echt gerne esse (z.B. liebe ich es auch, zusammen mit Freunden zu essen) - aber es ist ein riesiges Problem in meinem Leben.


1x zitiertmelden

Lügen dicke Menschen sich einen in die Tasche?

09.07.2021 um 22:48
@MissMary

Ich meine es auch anders. Dass wenn Du Deinen Frieden damit machst - denn Du weißt, woher es rührt, das Gewissen ein anderes wird und sich die Essstörung kontrollieren und u.U. auch beenden lässt. Denn die Ursache ist ziemlich offensichtlich. Das was Deine Eltern da verursacht haben, arbeitet unbewusst in Dir weiter. Das macht sich in diesen Anfällen bemerkbar. Drösel das auf, denn richtigen Kontakt habt ihr ja nicht mehr und sie ohnehin kein Gewissen. Ich kann mich an etliche Stories erinnern, die Du da schon erzählt hast, wie unterschiedlich und fremd sie euch behandeln und dann im Gegensatz dazu Deine jüngere Schwester, die mit Liebe und Fürsorge überhäuft wird. Lass Dich davon nicht fertigmachen. Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen - aber man mit ihnen abschließen, wenn dermaßen viele Grenzen überschritten und so viel Schaden angerichtet wurde. Nicht Essen an sich ist Dein Problem.


1x zitiertmelden