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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 20:39
Hallo
Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Thread eröffnen sollte. Ich lese mir meinen eigenen Beitrag grade zum dritten Mal durch und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich ihn abschicken sollte. Ich glaube nicht, dass ich alles so ausgedrückt habe wie ich das wollte. Ich glaube nicht, dass ich es rüber bringen konnte wie es ist. Und ich habe Angst.

Ich gebe nicht gerne im Internet viel über mich und mein Leben preis, erst recht nicht in einem so großen Forum wie diesem. Allerdings bin ich mit dem selbstverletzendem Verhalten immer konfrontiert, ob ich das möchte oder nicht. Im Berufsleben muss ich mich verstecken, jeder Arztbesuch ist mir peinlich. Fremde Leute möchten, dass ich mich vor ihnen rechtfertige und ich schäme mich. Ich schäme mich unglaublich für mich und meine Narben. Solange ich Freunde bei mir habe fällt es mir leicht ein Tshirt zu tragen. Meine Freunde geben mir Sicherheit. Doch bin ich alleine unterwegs fühle ich mich im Tshirt unheimlich.. ausgeliefert.

Mir liegt es am Herzen, dass die Leute das selbstverletzende Verhalten als das sehen, was es wirklich ist - eine Sucht und eine Krankheit. Selbstverletzendes Verhalten ist nichts womit man leichtsinnig umgehen sollte. Deshalb hoffe ich, dass dieser Thread bei manchen von euch etwas bewirkt und vielleicht dazu führt, dass einige sich und ihr eigenes Verhalten reflektieren.

Es ist schrecklich, dass das selbstverletzende Verhalten zu einer Modeerscheinung wurde. Einerseits hat es dazu geführt, dass das Ganze kein Tabuthema mehr ist und man nicht mehr völlig überforderten Menschen gegenüber steht. Andererseits hat es dazu geführt, dass man Menschen wie mich oft nicht mehr ernst nimmt bzw es immer wieder Menschen gibt, die meinen mich zu verstehen.

Ich möchte euch meine Geschichte erzählen. Ich betone, dass es MEINE Geschichte ist. Die von anderen Menschen sieht sicherlich anders aus. Ich habe mich noch niemals in meinem Leben mit anderen Menschen über mein SVV unterhalten, die sich auch selbst verletzen. Ich möchte keine "wir verletzen uns selbst, wir verstehen uns" Club gründen. Das möchte ich auch jetzt nicht, darum bitte ich um Verständnis, dass ich auf einige Beiträge von Betroffenen sicherlich nicht antworten werde.
Außerdem wird einiges in diesem Beitrag mit Sicherheit triggern. Menschen die selbst unter SVV leiden sollten ab jetzt überlegen, ob es sinnvoll ist weiter zu lesen


Bei mir fing es an als ich 9 Jahre alt war. Ich kann mich noch ganz genau an diesen Zeitpunkt erinnern. Mir ging es schlecht, wie so oft. Ich saß in meinem Zimmer, neben mir lagen Sicherheitsnadeln. Ich weiß nicht mehr was mir durch den Kopf ging, aber ich Griff nach einer dieser Nadeln und strich damit über meinen Arm. Es waren nur ganz oberflächliche Wunden, die meisten nur etwas geschwollen und rot. Ich verstand nicht, was ich getan hatte aber plötzlich war ich total euphorisch. Mein Arm brannte sehr, irgendwie fand' ich das witzig und mir ging es plötzlich so gut. Die Wunden wurden mit der Zeit immer tiefer und ich war gut darin sie zu verstecken, mir beim Kinderarzt Ausreden einfallen zu lassen und Stellen zu wählen, die nicht auffiehlen. Sah in der Schule doch mal jemand meine Wunden, war das nicht schlimm. Niemand sagte etwas und das gab mir irgendwie Bestätigung. Bis zu meinem 13 Lebensjahr wusste niemand von meinem selbstverletzenden Verhalten. Nicht mal ich selbst wusste wirklich davon. Ich wusste nicht was ich da tat, ich hatte keine Ahnung, dass es andere Menschen gab, die das Selbe tun und das es falsch ist. Ich tat es, weil es sich gut anfühlte - mehr wusste ich nicht.
Mit 13 kam dann ein neues Mädchen in unsere Klasse. Sie war sitzen geblieben, kannte niemanden und ich ging gleich zu ihr hin. Ich stellte mich vor und wir wurden Freundinnen. Schnell sah ich ihre Arme und erkannte, dass sie das Selbe tat wie ich. Das löste in mir erstmal absolute Unsicherheit aus. Ich war damit überfordert. Wieso gab es da plötzlich noch jemanden, der sowas tat? Irgendwann sah sie dann auch meine Wunden und sprach mich darauf an. Sie sprach vom Ritzen. Aha, so nennt man das. Von diesem Zeitpunkt an begriff ich, was ich tat.

Mit 14 Jahren ging es mir selbst so schlecht (was andere Gründe hatte), dass ich in eine Klinik wollte. In diese kam ich dann auch und das war eine der schrecklichsten Zeiten in meinem Leben. Von nun an ging es mit mir und vorallem mit meinem SVV bergab.
Ich begann mich sehr heftig und hemmungslos zu schneiden. Schnitt mit Kraft und Wut in meine Haut. Nach 5 Wochen holte meine Mutter mich aus der Klinik endlich wieder heraus. Mein SVV wurde ab diesem Tag aber stetig schlimmer.
In meinen schlimmsten Zeiten verletzte ich mich mehrmals täglich. Arme, Beine, Bauch - alles war voll mit Wunden und oft hatte ich Angst. Ich hatte schrecklich Panik mir würder der Platz ausgehen. Was sollte ich tun, wenn ich mich nicht mehr verletzen konnte? Manchmal machte mir dieser Gedanke so viel Angst, dass ich Panikattacken bekam.

Viele, viele Jahre lang verletzte ich mich regelmäßig selbst und ich gewöhnte mich an dieses Bild. Und genau das, war das Schlimme. Ich musste immer tiefer schneiden, um meine Ruhe zu finden. Schnitt ich nicht tief genug, dann ging es mir noch schlechter als vorher.

Meine Arme sind inzwischen voll mit vielen, vielen hässlichen Narben. Sie erzählen meine Geschichte, ob ich das möchte oder nicht. Jahre lang habe ich IMMER nur langärmelige Oberteile getragen. Erst seit letztem Jahr gehe ich auch im T-Shirt vor's Haus. Ich habe keine Lust mehr mich zu verstecken, die Narben werden sowieso mein Leben lang bleiben. Ich habe meinen Narben und dem SVV den Kampf angesagt... Aber es ist schwierig. Bei Fremden fühle ich mich im Tshirt sehr, sehr unwohl. Versuche ständig meine Arme zu verstecken. Klar könnte man sich fragen, warum ich denn dan ein Tshirt trage. Das hat aber einen ganz einfachen Grund: 1. Ist es im Sommer höllisch warm, wenn man immer was Langes an hat
2. Möchte ich nicht mehr ständig Lügen und mir Ausreden einfallen lassen
3. Sind lange Ärmel im Sommer mindestens genau so auffällig wie meine Narben
4. Möchte ich einfach lernen mit meinen Narben umzugehen und ein normales Leben zu führen

Vorallem meine Narben sind ein Problem für mich. Sie sind hässlich, das ist einfach so. Ich kann kein Kleid tragen und mich darin hübsch fühlen. Alles was ich sehe sind meine Narben.
Und alles, was andere Leute sehen sind meine Narben. Ich habe oft fast das Gefühl zu spüren, wie sie meine Arme anglotzen. Alle bemühen sich total unauffällig zu gucken, es gelingt nur niemandem. Das ist aber etwas, womit ich mich einfach abgefunden habe, auch wenn mir das immer noch sehr unangenehm ist. Ich hasse es, dass die Menschen wissen was ich getan habe und immer noch tue. Eigentlich geht sie das überhaupt nichts an. Ich hasse es aber mindestens genau so mich zu verstecken. Ich möchte das auch nicht mehr, ich möchte mein Leben genau so leben können wie alle Anderen.

Am schlimmsten ist es aber darauf ansprochen zu werden. Ich hasse sowohl die Verständnisvollen als auch die Witzbolde. Ich möchte nicht, dass alles was die Menschen sehen mein SVV ist und selbstverletzendes Verhalten ist nichts, worüber man Witze machen kann. Ich leide schrecklich darunter.
Es ist eine Sucht, die ich seit Jahren versuche los zu werden, die mich aber niemals ganz loslässt. Oft bringen mich meine eigenen Narben in einen Teufelskreis. Ich sehe meine Narben und habe sofort wieder das Bedürfnis mich zu schneiden. Weil meine Narben so hässlich sind, weil ich mich selbst so entstellt habe und ich niemals ein ganz normales, freies Leben führen werde. Was soll ich mal meinen Kindern sagen?

Ich weiß nicht wie sich Alkoholiker fühlen aber ich denke durchaus, dass man meine Sucht mit ihrer vergleichen kann.
Oft wache ich morgens auf und das erste was ich im Kopf habe ist das Bild von frischen, blutenden Wunden auf meiner Haut. Ich würde mich gerne selbstverletzen, diesen Gedanken habe ich an einigen Tagen dauerhaft im Kopf. An diesen Tagen leide ich unter Entzugserscheinungen. Ich bin unkonzentriert, unruhig, gereizt und meine Hände zittern.
Oft stehe ich kurz vor einem Rückfall. Wenn etwas Schlimmes passiert ist das Erste was ich im Kopf habe mich selbst zu verletzen. Ich tue das nicht, weil ich das so gerne mache. Ich tue das, weil ich nicht mehr anders kann. Ich kämpfe seit Jahren immer und immer wieder dagegen an und ich kann immer noch nicht behaupten SVV frei zu leben. Auch wenn die Abstände inzwischen einige Monate betragen (können) so ist und bleibt es ein Kampf. Ein Kampf, den ich oft wochenlang und täglich kämpfe.

SVV ist kein Witz, es ist auch keine Emokinderkrankheit.
Das selbstverletzende Verhalten bestimmt mein Leben. Ich muss mich schämen, verstecken und rechtfertigen. Und alles was ich mir wünsche ist, dass fremde Menschen mich sehen. MICH und nicht meine Narben. Ich möchte nicht, das man über mich urteilt.

Vielleicht konnte ich ja einigen Menschen die Augen öffnen.
Und wenn nicht, dann eben nicht.


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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 20:42
ich würde dir dringlich raten einen psychologen aufzusuchen !



Selbstverletzendes Verhalten kann auftreten bei: Borderline-Persönlichkeitsstörung (siehe auch Parasuizid), fetalem Alkoholsyndrom, Lesch-Nyhan-Syndrom, Depressionen, Essstörungen wie Anorexia nervosa oder Bulimie, Adipositas, Missbrauchserfahrungen, Deprivationen (Entzug von Zuwendung und „Nestwärme“), Traumatisierungen, während der Pubertät, Kontrollverlust, Körperschema-Störungen (Body Integrity Identity Disorder), Zwangsstörungen (OCD: Obsessive-Compulsive Disorder), schweren Zurücksetzungen und Demütigungen, psychotischen oder schizophrenen Schüben und ähnlichen seelischen Störungen sowie bei geistiger Behinderung und Autismus.

Obgleich SVV in der Regel keinen suizidalen Aspekt hat, im Gegenteil sogar durch Spannungs-, Wut- und Selbsthass-Abfuhr einen Suizid zu vermeiden und aufzuschieben trachtet, können die zu Grunde liegenden Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Dissoziationsphänomene, unerträglichen Spannungszustände, Nervenschwächen und Nervenerregungen, todestriebähnlichen Selbstzerstörungswünsche und etwaigen Suchtabhängigkeiten auf die Dauer zu Suizidalität führen und enden in einigen Fällen letztlich im Suizid.

Wikipedia: Selbstverletzendes_Verhalten


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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 20:50
@-Therion-
Auf diese Idee bin ich auch schon gekommen ;)
Ich war schon bei gefühlten 500 Psychologen. Der Großteil von diesen braucht selbst mal dringend Hilfe. 2 Psychologinnen, die ich sehr gerne mochte, sagten mir, dass sie mir nicht helfen können.

Die Suche nach einem richtigen, guten Psychologen ist schwierig und kostet verdammt viel Kraft. Ich bin schon auf so viele Arschlöcher getroffen, die mich völlig zu Boden rissen.
Ich habe die letzten Jahre aufgegeben nach einem Psychologen zu suchen. Mich hat das mehr Kraft gekostet als alleine klar zu kommen.


Jetzt bin ich aber wieder an einem Punkt, wo ich die Suche nochmal wagen möchte. Ich werde aber erstmal ziemlich nüchtern und distanziert an die Sache heran gehen. Mal schauen, ob ich sich jemand Nettes findet.


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blackpony
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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 20:52
@Latebrae
Ich kenne auch das SVV es ist grauenvoll aber wenn man sich ritzte war es besser.. Ich verstehe es total ich selbst weis wie das sich anfühlt und wenn ich jetzt so drüber nachdenke sag ich zu mir, dass dies grauenvoll war.. wieso? Ich wurde sooft darauf angesprochen wurde gefragt ob ich mich geritzt habe ich habe immer mit teils teils geantwortet, weil ich auch gerne mit meinen Katzen kleine machtkämpfe mache..
Ich tu es nicht mehr aus dem Grunde es nützt nichts es tut weh es hat sich manchmal entzündet und ich konnte die klinge oder nadel nicht mehr sehen... mittlerweile ist es mir egal, was die Leute über mich denken oder reden jeder hat seine Probleme und löst sie irgendwie..


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DieSache
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20.02.2013 um 20:57
Ist einfach ausgedrückt scheiße, weil es die eigene Lebensqualität nahhaltig versaut, wenn man nicht rechtzeitig mit Trauma und Verhaltenstherapie beginnt den Schieß dem es zugrunde liegt aufzuarbeiten, zieht sich durchs Leben wie ein roter Faden, wenn wirklich nicht behandelt wird...würde sogar einen noch direkteren Begriff wählen, Autodestruktion, wenns soweit ist...dann gute Nacht!

Ihr könnt Alle noch was aus eurem Leben machen, nur fangt rechtzeitig damit an!

Und falls hier irgendwas wie ein Abgeordneter mitliest, bitte tut mehr für den Opferschutz von häuslicher und familiärer Gewalt, damit die auch die notwendigen Therapien bekommen, bevor sie wirklich zum Sozialkostenfaktor werden...macht mehr Kontollen über die Qualität der Hilfsorganisationen und Vereine, schaut genau hin wer an wen vermittelt wird und wer die Kostenübernahme regelt und obs fallbezogen auch wirklich Mittel 1. Wahl ist!


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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 21:04
DieSache schrieb:Ist einfach ausgedrückt scheiße, weil es die eigene Lebensqualität nahhaltig versau
Ganz genau, das möchte ich nochmal aufgreifen. Neben dem Kampf, den man sowieso schon mit sich selbst kämpft macht es einem die Gesellschaft eben auch nicht leicht.
Wenn man erstmal wirklich in dieser Sucht steckt, dann hat man sich dahingend nicht mehr selbst im Griff. Man hat nicht mehr die Kontrolle über das was man tut und man tut es nicht, weil man es so gerne macht.
Wenn dann noch Witze, Beleidigungen oÄ. von Außen gegen einen treffen (und das sogar von Erwachsenen!) oder andere sich selbst verletzen, weil sie grade gemerkt haben, dass man damit total im Mittelpunkt steht, dann macht mir das mein Leben nicht einfacher. Und vorallem macht es wütend. Und wenn ich wütend bin muss ich immer aufpassen, das nicht wieder an mir selbst aus zu lassen. Das ist oft sehr schwierig.


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DieSache
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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 21:10
Ist nicht leicht damit klar zu kommen, auch mit der Erkenntis nicht...im Alter scheint sichs nur subtiler zu verlagern...autsch, sorry @Latebrae


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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 21:21
@DieSache
Genau so ist es.
Als Kind habe ich nicht verstanden was ich tat. In der Pubertät war es mir egal, ich hatte mich absolut nicht im Griff, verstand die Konsequenzen daraus auch nicht.
Heute weiß ich was Sache ist, versuche damit zu Leben, aufzuhören und klar zu kommen. Aber so einfach ist das leider nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich so früh damit angefangen habe, ich bin quasi mit diesem Verhalten aufgewachsen. Oft weiß ich mir gar nicht anders zu helfen, weiß mit Situiationen nicht umzugehen. Alles was ich immer getan habe, sobald ich mich schlecht fühlte oder irgendwas blöd war, war mich zu verletzen. Für mich gibt es da auch kein anderes Ventil. Es gibt ja diese sogenannten "Skills", dass man ins ein Kissen schlägt, rennen geht, schreit, ein Gummiband um's Handgelenk trägt und immer wieder daran zieht, Chili isst und so weiter. Das alles hilft mir nicht. Auf Chili zB reagiere ich total extrem. Ich bin richtig Schärfe empfindlich, Chili ist für mich die Hölle. Aber das ist nicht das Selbe. Ich kann meinen Drang nach Selbstverletzung nicht mit etwas anderem ausgleichen. Ich kann nur irgendwie klar kommen und warten, bis dieser Drang wieder erträglich wird.

Heute gehe ich anders mit der Selbstverletzung um als früher. Aber noch immer gibt es Zeiten, an denen ich nicht anders kann. Zwar bleibt es inzwischen bei diesen einen Mal und es liegen immer Monate dazwischen - das ist ein riesen großer Schritt - aber es bleibt schwierig. Und in diesen Monaten habe ich es immer wieder verdammt schwer.
Ich möchte einfach, dass die Menschen das mal erkennen und es einem nicht noch schwerer machen, als es ohne hin schon ist. Ich kann es nicht gebrauchen, dass irgendwelche Fremden gegenüber mir mit diesem Thema ankommen.
Jetzt ist es natürlich gewollt mit Fremden darüber zu reden ;) Ist ja auch wichtig, damit die Leute das verstehen können. Aber wenn irgendjemand ankommt und Witze macht, oder auch verständnisvoll ist, dann hilft mir das einfach nicht. Man stelle sich vor man hat ein gebrochenes Bein und dann kommt jemand an und sagt "Och Mensch, ich hatte auch mal ein gebrochenes Bein. War gar nicht schön, ich konnte nie richtig laufen und Treppen waren die Hölle. Andere Menschen.. bla, bla, bla" da würde man auch dasitzen und sich denken "WTF?"
Erstens denke ich mir da auch "WTF?" zweitens möchte ich auch nicht immer wieder feststellen, dass alles was fremden Menschen an mir auffällt meine Narben sind. Das macht es mir umso schwerer sie selbst nicht zu sehen.


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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 21:29
@Latebrae
vielen Dank für Deine Offenheit und Ehrlichkeit, ich denke zumindest mir hast Du damit geholfen, Dein (ich nenne es jetzt mal so, weil mir nichts Passenderes einfällt, ist keine Wertung) Dilemma zu verstehen.
Ich würde wahrscheinlich auch die Narben anschauen, drauf gucken, weggucken, mir so meine Gedanken machen, weil ich einfach nicht wüsste, wie ich a) das Gucken vermeide (also das automatische, nicht das absichtliche) und b) damit umgehen sollte, obwohl ICH ja gar nicht damit umgehen muss. Ich muss ja "nur" mit Dir umgehen, der Person, nicht den Narben. Aber ich denke, man möchte dann auf keinen Fall etwas machen oder sagen, was denjenigen verletzt und deshalb wird es vielleicht krampfig. Du kannst ja auch nicht entspannt sein, somit ist eine Situation ruckzuck verfahren. Aber Du hast mich zum Nachdenken, zum Überdenken meines möglichen Verhaltens gebracht.


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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 21:35
@Tussinelda
Dein Beitrag freut mich sehr. Es hat sich also doch gelohnt, dass ich diesen Text geschrieben habe. Ich war mir sehr unsicher, ob ich das veröffentlichen sollte.
Es sind ja nicht mal die Blicke, die schlimm sind. An die gewöhnt man sich. Solange die Menschen dann trotzdem normal mit einem umgehen ist alles absolut in Ordnung. Es wird erst schlimm wenn man merkt, dass es die Leute verunsichert oder wenn sie einen darauf ansprechen, sich lustig machen oder Verständnisvoll tun (oder von mir aus auch sind, macht für mich keinen Unterschied).
Es ist einfach schlimm, dass die Menschen über mich urteilen. Dass sie sich Witze erlauben, oder auch Verständnis. Die kenne mich gar nicht, woher wollen die wissen, ob die mich verstehen?
Ich möchte einfach behandelt werden wie ein ganz normaler Mensch und nicht auf mein SVV beschränkt werden. Wenn meine Narben still zur Kenntnis genommen werden, dann ist das in Ordnung. Wenn sie aber beginnen irgendwas zu beeinflussen, dann ist das schlimm für mich.


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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 21:37
hey @Latebrae
also als erstes ich weiß wie es dir geht weil ich das selbe bei mir schon durchgemacht habe find auch alles mit kleinen kratzern an und endete mit klaffenden wunden meine jetzige freundin tut das selbe ich bin zum glück von los gekommen nach 3 jahren sie leider noch nicht aber wir arbeiten dran bis jetzt gehts schon seit ein par wochen nun gut das mit dem psychatern würde ich dir abraten bis jetzt wollte mich jeder von diesen "experten" in die klase stecken oder mindestens mit ritalin und antidepressiva vollpumpen was ich auch ne zeit lang mit mir machen lassen habe ... mir hat es mehr geholfen jemanden ( meine freundin) bei mir zu haben die mir nen grund gibt aufzuhören um es ihr leichter zu machen und als art vorbild zu fungieren was die narben angeht nun ich habe kaum narben an den armen und wenn sind die so verblasst das man sie nicht sieht bei mir sind die sichtbaren auf dem oberschenkel unterhalb des hüftknochens wieso ich diese stelle genommen habe ? keine ahnung glaube einfach weil ich fußball spiele und nicht als emo abgestempelt werden wollte und weil ich nicht wollte das alle meine narben sehen so habe ich lieber verheilte sachen wieder aufgeschnitten und dann halt noch mal bisschen tiefer mit der rasierklinge glaube das tiefste waren 3 cm bis ins rote fleisch rein aber soweit ich das weiß kann man sich narben mitlerweile durch ne laser therapie fast komplett entvernen lassen ich glaube einfach das der beste weg damit aufzuhören ist sich jemanden zu haben der einem liebe und zuwendung gibt das hat bei mir am besten geholfen hoffe das war jetzt nicht alles zu wirre weil ich einfach drauf los geschrieben habe ... versuch stark zu bleiben und wenn du das bedürfniss hast dich zu verletzen trinke tabasko oder etwas anderes sehr scharfen des wirkt meist besser als der schmerz vom ritzen vorallem wenn die haut schon so kaputt ist das man da kaum noch was spürt und man eigentlich nur totes fleisch schneidet .

LG


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20.02.2013 um 21:41
@Latebrae
Man traut sich jetzt gar nicht zu sagen, verstehe ich.......aber ich verstehe, was Du meinst, Du hast die Narben nicht, um jemanden darauf aufmerksam zu machen, dass Du ein "Problem hast" oder um etwas nach aussen zu tragen, es sind Deine Narben, die Du Dir aus genannten Gründen zufügst, aber Du bist nicht nur Narben. Ich glaube ich habe oft gedacht, diese Narben sollen ein Hinweis sein für Aussenstehende...verstehst Du was ich meine?


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DieSache
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20.02.2013 um 21:44
@Latebrae

darf ich dir eins sagen, bin jetzt ein altes Mädel mit 42 Jahren Überlebenserfahrung, mittlerweile scheiß ich darauf was andere für Witze reissen, weils immer draufankommt wer und in welchem Zusammenhang er/sie diese macht...mir sind die Nerven zu schade um sich in was reinzusteigern, dass der Empörung eigentlich nicht würdig ist, manche wissen es nämlich in der Tat nicht besser, ich wünsche es keinem, aber wären die Lästerer, Hater und Mobber selbst mit soetwas in ihrer Familie betroffen, wüssten sie, dass ausnahmslos Alle darunter leiden, eine Einbindung des familiären Umfelds ist bei einer guten und erfolgsversprechenden rechtzeitigen Traumatherapie absolut von Nöten, weil es den Sozialverbund Familie betrifft, wenns ums Aufarbeiten geht!


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DieSache
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20.02.2013 um 21:51
Um vom SVV und Autodestruktion wegzukommen sollten alle Beteiligte erstmal wissen was die Trigger sind, denn nur wenn man das weiß, kann man sie umgehen!


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20.02.2013 um 21:55
@Tussinelda
Es gibt ja auch durchaus Menschen, die sich selbstverletzen, weil sie Aufmerksamkeit/Hilfe brauchen. Aber das sind halt längst nicht alle. Und für mich ist es ganz schlimm, dass meine Narben fremden Menschen Dinge über mich "erzählen", die sie gar nichts angehen.
Ich denke man geht als Fremder in jeder Situation am Besten damit um, indem man es einfach ignoriert. Man kann halt immer nur vor und nicht in den Kopf gucken. Was den Leuten fehlt können Menschen heraus finden, die diese Leute kennen und zu denen sie vertrauen haben. Als Fremder Mensch verhält man sich wohl am Besten einfach normal. Dass man seine Blicke da nicht unter Kontrolle hat, kann ich nachvollziehen. Und ein verkrampfes Weggucken wirkt auch blöde ;) Aber es ist halt wichtig den Menschen hinter den Narben durch seine Narben nicht anders zu behandeln. Und das lässt sich auf jeden Menschen, der sich selbst verletzt anwenden. Ich möchte nicht auf meine Narben angesprochen werden. Andere wollen es, wenn sie's aber nicht werden hören sie auf sich zu verletzen. Sich normal zu verhalten ist also nie falsch.

Als Freund sollte man natürlich sowas hinterfragen, wenn man sich sorgt. Aber als Fremder ist es einfach unangebracht.


@DieSache
Ich kopiere mal, was ich grade schon jemandem per PN geschrieben habe:
Mir ist da eigentlich auch völlig egal was fremde Menschen von mir halten. Ich passe auch was den Rest meines Bildes angeht nicht in die Vorstellung anderer Menschen ;) Ich habe sehr wenige Freunde und bin mit dem Begriff Freundschaft auch sehr vorsichtig. Meine Freunde sind mir wichtig, der Rest der Menschen ist mir weitestgehend egal.

Aber nicht so beim selbstverletzenden Verhalten. Das ist nämlich etwas, womir ich zu kämpfen habe. Es ist schwierig genug selbst damit klar zu kommen und wenn man dann immer wieder merkt, dass man deswegen auch in der Gesellschaft nicht ankommt, dann ist das einfach schrecklich.
Mein Aussehen kann ich mir Aussuchen. Ich habe mich bewusst dazu entschlossen so herum zu laufen, wie ich es tue. Deshalb ist es mir egal, ob das anderen passt oder nicht.
Aber das SVV habe ich mir nicht ausgesucht. Ich kann nichts dafür und ich kann auch nicht meine Narben wegzaubern. Und wenn etwas negativ auffällt was man sich nicht selbst ausgesucht hat und worunter man selbst leidet, dann ist das schwierig.


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DieSache
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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 21:57
Im Grunde ist SVV eine Überreaktion auf das Verhalten unseres sozialen Umfelds, dient nur zur Kompensation und macht abhängig, weil es von unserem doofen Wasserkopp als angenehm empfunden wird, weils dummer Weise das Belohnungszentum im Hirn anspricht, wie eben auch stoffliche Süchte!


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20.02.2013 um 21:57
@Latebrae
also darauf angesprochen hätte ich Dich nicht, wenn ich es gesehen hätte, aber die Gedanken, die ich mir womöglich machen würde, würden 100% mein Verhalten beeinflussen


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20.02.2013 um 22:00
@Tussinelda
Ich kann ja nur von mir selbst sprechen und das will ich gar nicht verallgemeinern. Ich kann dir aber sagen, dass es am Besten ist ganz normal zu reagieren. An Blicke gewöhnt sich jeder irgendwann. Das meine Narben aber das Verhalten fremder Menschen beeinflusst, daran kann ich mich nicht gewöhnen.


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20.02.2013 um 22:00
@Latebrae
Danke für deinen Thread mit dieser sehr persönlichen Thematik.
Latebrae schrieb:Ich weiß nicht wie sich Alkoholiker fühlen aber ich denke durchaus, dass man meine Sucht mit ihrer vergleichen kann.
Aus dem Eingangspost lese ich viele Vergleiche zu anderen Süchten heraus. Die Suchbefriedigung, das Hinarbeiten des ganzen Tages auf die Befriedigung. Das gesamte Denken ist auf diesen Moment eingestellt.
Das Verstecken vor Famile und Freunden, die Angst deswegen verurteilt zu werden von Anderen, seien es Fremde und/Oder Bekannte/Familie. Der Wunsch das Fremde sich heraus halten bzw. nicht zu oberflächlich reagieren.
Die Befriedigung die sich durch den Schmerz ergibt, das Ablenken bzw. das Flüchten von Problemen. Der ewige Kreislauf aus dem man wenn überhaupt bedingt ausbrechen kann...
Passt alles zu deinem Vergleich, muss aber nicht nur auf Alkoholsucht bezogen sein.

Gruß
Flaky


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Das Leben mit selbstverletzendem Verhalten

20.02.2013 um 22:02
Flaky schrieb:Passt alles zu deinem Vergleich, muss aber nicht nur auf Alkoholsucht bezogen sein.
Das stimmt. Habe aber absichtlich die Alkoholsucht gewählt, weil diese und das Verhalten der Süchtigen wohl am Bekanntesten ist.


Dieses Thema macht mich übrigens auch jetzt, während ich darüber schreibe, sehr nervös. Ich bin etwas zittrig.


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