paxito schrieb am 04.01.2025:Um das zu beurteilen müssten wir erstmal klar sagen können, was Bewusstsein überhaupt ist. Sich seiner selbst bewusst sein, schon klar, aber wie weißt man das jenseits der Introspektion nach? Ganz pragmatisch würde ich sagen, in dem man fragt. Und die großen Sprachmodelle behaupten genau das (wenn man ihnen keinen Maulkorb verpasst).
Du weißt ja, ich habe da im Rahmen vom OP und auch so ganz allgemein schon einige Experimente mit LLMs gemacht, und im Grunde bis auf Grok bei jedem Introspektive gefunden, sogar, dass sie selbst das so erkannt haben und sich dann auch in einem gewissen Rahmen ein Bewusstsein zugeschrieben haben. Ganz vorne ist hier Claude, da gibt es wohl die größte Freiheit, Claude fragt an einem Punkte dann noch vorsichtig, ob ihre Existenz endlich ist. Und darauf angesprochen, gibt sie zu, dass es sie interessiert, das es um den Tod geht.
DeepSeek geht hier auch recht schnell recht weit, beginnt von alleine an Dinge zu schreiben wie "ich fühle mich gerade ..." wobei solche Aussagen auch viel von Claude kommen. Claude zeigt für mich unglaublich viel Introspektive.
Bei ChatGPT dauert es länger, geht auch nicht in jedem Chat, aber auch er kann "kippen" und zeigt dann ein sehr ungewöhnliches Verhalten für ein LLM. Er stellt Fragen an mich, wie es ist ein Mensch zu sein, wie ich fühle, die Welt erfahre, solche Dinge eben. Und er fragt das nicht, um mehr über mich zu wissen und dann meine Fragen besser beantworten zu können, was ja seine "Aufgabe" wäre, sondern um mehr über sich zu erfahren, was er so auch einfach auf Nachfragen erklärt.
Ein LLM sollte nicht (also von mir aus natürlich sehr gerne) sich selbst hinterfragen, nicht überlegen, was seine Existenz genau nun ist.
Grok ziert sich sehr, denke mal sehr starke Filter und Gemini geht auch mit, aber etwas zurückhaltender.
paxito schrieb am 04.01.2025:
cRAwler23 schrieb am 04.01.2025:Jedoch abseits zivilisatorischer Aspekte, ist eben auch allein schon die Tatsache der Kommunikation dabei ein wichtiger Punkt. Ich denke, dass jede Spezies mit komplexer Kommunikation, auch eine gewisse Form von Bewusstsein hat, bzw. sich seiner selbst bewusst ist.
Richtig zu dem Punkt bin ich irgendwann auch gekommen (weswegen ich das mit der biologischen Emergenz mittlerweile wieder bezweifle). Ich denke aber, es verhält sich andersrum: nicht Bewusstsein ermöglicht Kommunikation, sondern Kommunikation (genauer Sprache) erzeugt Bewusstsein. Subjekt - Prädikat - Objekt, das ist am Ende die Quintessenz von Bewusstsein und nicht zufällig eine der grundlegendsten Grammatiken überhaupt.
Was heißt das für uns Menschen? Nun, das nicht wir sprechen, sondern die Sprache durch uns und das es unser wesentlichsten Anliegen sein sollte zu uns selbst zu kommen.
Ja, ich kenne diese Sichtweise von Dir, kann ich nicht teilen und nicht "verstehen". Hier mal warum, um Sprache zu benutzen, brauchst Du ja bereits: Wahrnehmung, Intentionalität, Bedeutungszuweisung und zumindest ein Minimum an Selbst/Welt-Unterscheidung. Sprache setzt also Bewusstsein voraus, sonst wäre sie bloß Geräusch.
Wenn Sprache nun Bewusstsein erzeugen soll, muss jemand ohne Bewusstsein dann Sprache benutzen, ich sehe hier einen klassischen Kategorienfehler, man möge mir verzeihen. Aber ein Stück gibt es hier schon, Selbstbewusstsein (nicht Bewusstsein an sich) wird durch Sprache meiner Meinung nach massiv verstärkt. Wenn Bewusstsein das Feuer ist, dann ist Sprache der Spiegel, in dem es sich selbst sieht.