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Brauchen wir überhaupt noch Schulen?

1.636 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Schule, Reform, Digitalisierung ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Brauchen wir überhaupt noch Schulen?

07.12.2019 um 14:01
Zitat von NerokNerok schrieb:Die allermeisten Aufgaben sind in Textform gestellt...ja selbst die Mathe aufgaben.Also wenn ein Schüler Defizite im Lese- oder Sprachverständnis hat aber eigentlich super in Mathe ist wird es trotzdem nichts.
Mein Sagen. Erwähnte ich bereits mehrmals. Die PISA Studie fragt in einer Form a, die nur ca 10% der Menschen locker verstehen können. Der Rest nicht. Nicht, weil die blöde wären, sondern eben andere Zugänge zu diversen Problemen finden.

Abgesehen davon, dass gerade in Zeiten, in denen weniger lange Texte gelesen werden, sondern nur mehr fast WhatsApp und LOLs, gehörten Textaufgaben schon immer zu den schwersten. Ich bin bestimmt weder unbelesen noch doof, habe aber den von mir versuchten PISA Test nach einige Fragen aufgegeben, weil mir diese permanenten Texte zu ermüdend waren.

Didaktisch und pädagogisch gesehen ist der PISA Test ein Versager. Er berücksichtigt einfach nicht individuelle Lernprozesse und -schwierigkeiten, sowie unterschiedliche Entwicklungsstufen einzelner Schüler. Stellt man ihnen die Fragen anders, kommen auch bessere Antworten.

Da schreibt einem das Gesetz auf der einen Seite vor, ein Teststoff müsse eine Woche vor der Testung bekannt gegeben werden, was durchaus vernünftig ist, aber auf der andere Seite wird so ein PISA Test ohne genaue Stoffeinschränkungen los gelassen. In der Praxis sind bereits Parallelklassen beim selben Lehrer zu einem gegebenem Zeitpunkt im Stoff nicht gleich weit und gleich gefestigt, da sieht es landesweit noch mal anders aus. Wird aber von einem landesweitem Test natürlich naturgemäß ignoriert.

Auf der einen Seite Schulen stets vorwerfen, sie würden alle gleichmachen, dann aber einen Test loslassen, der nur funktionieren kann, wenn alle gleich wären. Zeigt dieser Test dann eigentlich sehr deutlich, dass es eben keine solche schulische Gleichschaltung und hirngewaschene Schüler gibt, dann ist´s auch wieder nicht recht.


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07.12.2019 um 14:06
Zitat von rhapsody3004rhapsody3004 schrieb:erst recht, wenn dann auch noch einzelne Schüler und Schülerinnen schon ungefähr wissen/abschätzen können, in welche berufliche Ecke (ob mit/durch Studium oder nur Ausbildung) sie es definitiv einmal ziehen wird,
Wenn du Schüler in der Mittelstufe fragst was sie werden wollen wirst du jedes Jahr eine neue Antwort bekommen.
Fast niemand den ich kenne ist das geworden was er während der Schulzeit sein wollte.


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07.12.2019 um 14:20
@off-peak

Siehst du, ich habe es eher mit Textverständnis. Auch schrecke ich vor langen Texten nicht zurück. Wenn mich etwas grundsätzlich interessiert, dann lese ich aufmerksam und versuche Texte zu interpretieren/zu deuten und notfalls auch bis in ihre Bestandteile zu zerlegen.
Desweiteren, zu einem bestimmten Text, mich übergreifend anderen Texten zu bedienen, diese in den eigentlich vorliegenden Text mit einzubauen, weil häufig nur so der eigentliche Text richtig und sinvoll zu deuten und dadurch natürlich auch zu lösen ist/wäre, würde der eigentliche Text nach einer Lösung suchen bzw. danach fragen.

Dazu habe ich ein grundsätzlich gutes Gedächtnis. Im Auswendiglernen bin ich sehr gut. Beim Verständnis von dem Auswendiggelernten, also dem, was man sich grundsätzlich gut merken kann, kommt es dann hingegen einzig und allein darauf an, ob mir die reine Thematik zusagt/gefällt/interessiert oder nicht.
Je mehr Interesse - desto leichter würde auch das Verständnis von Auswendiggelerntem fallen.

Komischerweise hasse ich Mathe. Schon immer gehasst. Nur bis Klasse 8 halbwegs gut gewesen.
Bei Mathe hapert es an der grundsätzlichen Logik/dem Verständnis bei mir. Bei Obigem, vorgenannten, komischerweise nicht. Da würde ich mich notfalls mehrere Stunden gar Tage durchbeißen, um zu einer Lösung zu finden, bei Mathe bzw. vielen Aufgaben und Problemlösungsfällen würde ich hingegen nie zu einer Lösung finden, weil schon das grundsätzliche Interesse dafür fehlen aber leider auch die reine mathematische Logik mir fehlen würde.


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07.12.2019 um 14:45
@rhapsody3004
Zitat von rhapsody3004rhapsody3004 schrieb:Siehst du, ich habe es eher mit Textverständnis.
Wenn es sich um Literatur handelt, habe ich auch kein Problem, aber auf andern Gebieten mitunter schon. Ich schaffe es mittlerweile zwar auch, erinnere mich aber, dass ich das als Kind oder Schüler eben nicht so doll fand.
War und ist mir einfach zu anstrengend, vor Allem, mich durchs Gedankengut Anderer zu wühlen. Ich frage mich dabei sehr oft, ob es so gemeint ist, wie es klingt; ob ich es richtig interpretiere; und ich komm schon gar nicht mit eventuell fehlerhafter Semantik oder Grammatik Anderer klar. Ich verbrauche dann viel zu viel Zeit, um heraus zu finden, wie genau so ei Text dann gemeint sein könnte.
Zitat von rhapsody3004rhapsody3004 schrieb:Bei Mathe hapert es an der grundsätzlichen Logik/dem Verständnis bei mir.
Bei mir gar nicht, ich kann dennoch nicht gut rechnen. Bin dazu zu unkonzentriert, und schaffe es daher, bei simplen Aufgaben wie zB 2 + 2 = nahezu jedesmal zu einem etwas anderem Ergebnis zu gelangen. :D

Aber deswegen ist man weder doof noch ungebildet. Mir ist es sogar mal gelungen, einen mathematischen Test rein durch Zettelchen ausschneiden, beschriften, bemalen und mit Klebefilm zu verknüpfen, zu lösen. Alle andern haben brav gerechnet, so mit XY und anderen Unbekannten. Ich nicht, denn ich hatte keine Ahnung, wie ich es mathematisch-rechnerisch hätte lösen sollen.
Was soll ich sagen: mein kreatives Ergebnis war nicht nur richtig, sondern sogar schneller da als die, die mittels ollen Rechenwegs ermittelt wurden. Mir fiel sogar ein Fehler in der Angabe auf.
Bin halt, und das bisher jeder Test ergeben, ein mathematisches Genie, das dummerweise nicht gut rechnen kann. ;)

Für mich ist ganz wichtig, dass ich weiß, warum ich etwas tun soll, warum ich diese oder jene Lösung wählen soll, und worauf eine Aufgabe eigentlich hinaus laufen soll. Rein mechanisches Rechnen nach Schema F, weil der Lehrer es sagt, bringt mir nichts. Und dann mach ich es auch stur nicht.

Wie auch immer, gerade diese Geschichtchen zeigen doch, wie Fähigkeiten unterschiedlicher nicht sein könnten, dass eben nicht jeder auf jedem Gebiet gleich gut ist oder gar dieselbe Lösungsmethode bevorzuge - unabhängig von Schulbildungen. Man hat halt seine persönlichen Schwächen, Stärken sowie Vorlieben, und ein allgemeiner Test für alle, der obendrein eine sehr einseitige Art der Fragestellung präferiert, wird dem nie gerecht werden.

Aus gutem Grund gibt es ja pro Schuljahr pro Fach mehr Leistungserhebungen als nur eine einzige. Und gut gemachte Tests berücksichtigen auch individuelle Ansätze, indem sie eben nicht nur aus einer einzigen Fragenart bestehen, sondern diese eben variieren - mal Texte, mal Mehrfachauswahlsantworten, mal zuordnen, mal das Falsche durchstreichen, mal zeichnen, usw. Auf diese Art ist dann für jeden etwas dabei.



Aber


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12.12.2019 um 10:09
Zitat von LibertinLibertin schrieb am 07.12.2019:Ich denke, das Problem liegt aber in erster Linie darin, daß die Forscher sich vor allem dafür interessieren, was Schüler (nicht) können und nicht dafür, warum sie es (nicht) können.

Ne Du, die Pisa-Ergebnisse sollten in der Bildungsforschung zwar nicht ignoriert aber auch keinesfalls überbewertet werden.
Allen deinen Kritikpunkten zum Trotz: Es lässt sich kaum wegdiskutieren, dass in reichen erste Welt Ländern ein fünftel der 15jährigen nicht richtig lesen kann.
Der mag dann gut in sport oder musik sein, aber wenn er nicht lesen kann, ist das schlecht.

Das ist zumindest mal eine basisanforderung an schule, auf die sich alle einigenkönnen (dass man da lesen und schreiben lernt), die die schule nicht wirklich wahrnimmt. Bei allen anderen Pisasachen sehe ich das wie du, die methodik ist oft fragwürdig, aber beim lesen und schreiben sehe ich das nicht.

Und ja, da sollten wir nach den gründen forschen. Aber man kann eben nur schwerlich behaupten, die schule sei gut und effizient wenn nur die hälfte der kinder in ihr wirklich lesen lernt (abzüglich eben derer, die es nicht lernen, und derer, die es schon können).

Ich behaupte eben: Wir haben ein schulsystem, welches sich die erfolge der starken auf die kappe schreibt (die es auch weitestgehend ohne beschulung schaffen würden lesen zu lernen wenn die eltern da ein bisschen hinterher sind) und den schwachen das lesen nicht beibringt.


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12.12.2019 um 10:10
Zitat von NerokNerok schrieb am 07.12.2019:Die allermeisten Aufgaben sind in Textform gestellt...ja selbst die Mathe aufgaben.
Also wenn ein Schüler Defizite im Lese- oder Sprachverständnis hat aber eigentlich super in Mathe ist wird es trotzdem nichts.
Nun ging es hier ja aber darum, dass heute viele Kinder nicht mehr richtig lesen können.


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12.12.2019 um 11:17
Zitat von shionoroshionoro schrieb:Ich behaupte eben: Wir haben ein schulsystem, welches sich die erfolge der starken auf die kappe schreibt (die es auch weitestgehend ohne beschulung schaffen würden lesen zu lernen wenn die eltern da ein bisschen hinterher sind) und den schwachen das lesen nicht beibringt.
falsch.
Die Lehrkräfte bringen den Kindern Lesen und Schreiben bei.

einige der Beschulten sind allerdings zu faul, das Erlernte mit Freude anzuwenden (zum Beispiel daheim Bücher lesen) und daddeln lieber ego shooter und son Zeugs. Damit verkümmern die Fähigkeiten von Lesen, richtig Schreiben und Verstehen -- denn sie müssten halt auch angewandt werden.
einige der Beschulten sind wissbegierig und lernfreudig (lernen also gern) und diese kommen auch voran.

Bildung ist etwas, was man sich aktiv aneignen muss. Daran scheitern sehr viele junge Menschen.


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12.12.2019 um 11:37
@shionoro
wenn jemand seine Muskeln nicht trainiert, bilden die sich nicht zu leistungsfähigen Muskeln aus oder sie bilden sich zurück
wenn jemand seine Lese- Rechtschreib-Verstehen-Rechnen - Fähigkeiten nicht übt, verlernt er sie auch teilweise wieder.


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12.12.2019 um 12:02
Zitat von shionoroshionoro schrieb:Aber man kann eben nur schwerlich behaupten, die schule sei gut und effizient wenn nur die hälfte der kinder in ihr wirklich lesen lernt (abzüglich eben derer, die es nicht lernen, und derer, die es schon können).

Ich behaupte eben: Wir haben ein schulsystem, welches sich die erfolge der starken auf die kappe schreibt (die es auch weitestgehend ohne beschulung schaffen würden lesen zu lernen wenn die eltern da ein bisschen hinterher sind) und den schwachen das lesen nicht beibringt.
Genau deshalb sollten Schulen auch mit mehr Kapazitäten ausgestattet werden, die vorallem auch individuelle Fördermöglichkeiten insbesondere für lernschwache Schüler bieten. Nur müssen diese überhaupt erstmal geschaffen werden.

Einige Inklusionsschulen setzen das z.B. mMn ganz gut um. Ist aber eben leider bei weitem nicht die Regel, weshalb viele Schüler in vielen Schulsystemen nach wie vor auf der Strecke bleiben und selbst nach ihrem Abgang bereits auf elementarer Ebene noch erhebliche Defizite aufweisen.


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12.12.2019 um 12:20
Zitat von LibertinLibertin schrieb:Genau deshalb sollten Schulen auch mit mehr Kapazitäten ausgestattet werden, die vorallem auch individuelle Fördermöglichkeiten insbesondere für lernschwache Schüler bieten
falsch bzw nicht ausreichend.
ELTERN müssen fähig sein bzw befähigt werden, mit ihren Kindern zu lesen, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, ihnen die Welt zu erklären, die Fragen der Kinder zu beantworten .

Ich plädiere inzwischen dafür, für Eltern zT. (bei schweren Auffälligkeiten der Kinder) verpflichtende VHS Kurse "Erziehung und frühkindliche Bildung; Zusammenarbeit mit der Schule" anzubieten/die Teilnahme zu fordern.

Man kann den Schulen nicht noch mehr aufbürden.
die Realität sieht inzwischen in etwa so aus:
in einer 1. Klasse (jahrgangsübergreifende Form) werden mitunter 20 Kinder aus 15 verschiedenen Ländern mit zT traumatischen Erlebnissen und 8 verschiedenen Muttersprachen beschult.
Unter den 20 Kindern sind 1 oder 2 körperbehinderte u/o schwer lernbehinderte Kinder (Inklusion), 4-6 verhaltensauffälligeoriginelle Kinder vom Autist (Asperger) bis schwere ADHS, 2 Kinder mit bestätigter Legasthenie und 2 Kindern mit bestätigter Diskalkulie , neben 1-3 hochbegabten Kindern.
Das Alter der Kinder und damit ihr sozialer Entwicklungsstand bewegt sich in einem Spektrum zwischen 5 (Früheingeschulte) und 8 Jahren (1 Jahr von der Einschulung zurückgestellt und Wiederholer).

neben den Lehrkräften sind oft Schulbegleiter und sozialpädagogische Fachkräfte in den Klassen.
Den Lärmpegel (Stress) mag man sich kaum vorstellen.

Die Kinder dürfen sich zT ihre Arbeitsmaterialen und die Aufgaben, die sie lösen möchten, selbst auswählen (permanente Überforderung für viele)
Die Lehrkräfte bemühen sich bereits nach Kräften, all diese Kinder nach ihren individuellen Möglichkeiten und Lerngeschwindigkeiten zu unterrichten.
mehr ist für Schule nicht leistbar!


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12.12.2019 um 12:32
ich finde das Bildchen leider nicht auf die Schnelle.

es zeigt ein Kind mit einem schlechten Zeugnis, die Eltern und den Lehrer.

Früher:
die Eltern hauen dem Kind das schlechte Zeugnis um die Ohren
Heute:
die Eltern hauen dem Lehrer das schlechte Zeugnis um die Ohren


aber das hab ich noch für die, die sich mit Lesen und Verstehen schwertun:

Zeugnis3Original anzeigen (0,4 MB)

https://www.der-postillon.com/2015/11/bremen-ersetzt-als-erstes-bundesland.html#.W988UylxzDA


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12.12.2019 um 12:40
Zitat von SeidenraupeSeidenraupe schrieb:falsch bzw nicht ausreichend.
ELTERN müssen fähig sein bzw befähigt werden, mit ihren Kindern zu lesen, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, ihnen die Welt zu erklären, die Fragen der Kinder zu beantworten .

Ich plädiere inzwischen dafür, für Eltern zT. (bei schweren Auffälligkeiten der Kinder) verpflichtende VHS Kurse "Erziehung und frühkindliche Bildung; Zusammenarbeit mit der Schule" anzubieten/die Teilnahme zu fordern.
Hier geht es aber in erster Linie um das System 'Schule'. Und ja, da ist definitiv noch einiges ausbaufähig. Nur müssen dafür auch die entsprechenden Ressourcen geschaffen werden. Wobei ich dem ja nicht mal widerspreche, daß mindestens genauso auch das familäre Umfeld für den Lernprozess von Kindern (insb. mit Förderbedarf) bedeutsam ist und solche außerschulischen Förderangebote einen wichtigen Faktor darstellen würden.

Da der Bildungssektor in Deutschland aber Ländersache ist, müssten solche elterlichen Pflichtkurse je Bundesland stets einzeln entschieden bzw. durchgesetzt werden was ich mir für eine flächendeckende Umsetzung schwierig vorstelle.


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12.12.2019 um 12:53
Zitat von LibertinLibertin schrieb:Da der Bildungssektor in Deutschland aber Ländersache ist, müssten solche elterlichen Pflichtkurse je Bundesland stets einzeln entschieden bzw. durchgesetzt werden was ich mir für eine flächendeckende Umsetzung schwierig vorstelle.
eine Unterstützung der Vereine vor Ort wäre oft schon hilfreich. Dort kann und muss man sich, oft sogar generationenübergreifend, einigen und gemeinsam agieren.
Im Verein lernen die Kinder etwas ganz Wesentliches: sich in eine Gruppe einfügen, sich für etwas Gemeinsames einzusetzen. Das Kind lernt im Verein schneller (in der Ein-Kind-Familie so gut wie nie), dass es keine 1:1 Betreuung einfordern kann. Stattdessen lernt es, mit Lust und Freude etwas zu tun und sieht, dass sich dann auch Erfolge einstellen.

statt dessen hält man Verein aber für ""spießbürgerlich" oder hat sie bereits kaputtgemacht und setzt auf noch mehr Schule: nämlich Ganztagsschule. mit den bekannte Folgen.

Nur wer es sich leisten kann, bietet seinem Kind in der Freizeit noch irgendeine Einzelbetreuung an, sei es in der Musikschule, bei der Lernförderung oder durch eine Nany.


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12.12.2019 um 13:19
Zitat von SeidenraupeSeidenraupe schrieb:Ich plädiere inzwischen dafür, für Eltern zT. (bei schweren Auffälligkeiten der Kinder) verpflichtende VHS Kurse "Erziehung und frühkindliche Bildung; Zusammenarbeit mit der Schule" anzubieten/die Teilnahme zu fordern.
Das Problem ist nur: Was machste mit denen, die sich verweigern?

Finanzielle Sanktionen treffen dann ja die Kinder gleich mit, die auch nichts dafür können, dass Kevin und Schackeline für die Kleinen kein einziges Buch zu Hause haben.

Tatsächlich sehe ich es aber auch so, dass es schlicht die Aufgabe der Eltern ist, den Kindern so etwas Esoterisches wie 'Lesen' nahezubringen.

Das erreicht man aber nur durch Regeln. So eine Regel könnte lauten: Ab 20.00 Uhr kein zocken, kein Handy.

In einer Gesellschaft, in der sich immer mehr Eltern entweder nicht so recht für die Kindern interessieren oder sich Ihnen als reine Kumpels anbiedern, geschieht das aber nicht mehr wirklich.

Immerhin lernen Kinder - auch die Kinder von Eltern die morgens lieber liegen bleiben - durch den Schulbesuch, wie Tage, irgendwann mal Arbeitstage, so grundsätzlich getaktet sind.

Vereine finde ich auch sehr wichtig, die werden aber auch erst mal durch eine Positiv Auswahl von Kindern besucht. Die, die es am Nötigsten hätten, sind sicher in keinem Verein.


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12.12.2019 um 14:17
Zitat von SeidenraupeSeidenraupe schrieb:eine Unterstützung der Vereine vor Ort wäre oft schon hilfreich. Dort kann und muss man sich, oft sogar generationenübergreifend, einigen und gemeinsam agieren.
Im Verein lernen die Kinder etwas ganz Wesentliches: sich in eine Gruppe einfügen, sich für etwas Gemeinsames einzusetzen. Das Kind lernt im Verein schneller (in der Ein-Kind-Familie so gut wie nie), dass es keine 1:1 Betreuung einfordern kann. Stattdessen lernt es, mit Lust und Freude etwas zu tun und sieht, dass sich dann auch Erfolge einstellen.

statt dessen hält man Verein aber für ""spießbürgerlich" oder hat sie bereits kaputtgemacht und setzt auf noch mehr Schule: nämlich Ganztagsschule. mit den bekannte Folgen.
Wobei es gerade bei den Ganztagsschulen vor allem darauf ankommt, wie fachlich fundiert die Angebote dort sind. Wenn Ganztagsschulen schon im Grundschulbereich ausgebaut werden, sollte auch die Qualität der Angebote erhöht werden, um die Sicherung der Teilhabechancen aller Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten. Das kann aber nur geschehen, wenn nicht nur mehr, sondern vor allem auch entsprechend qualifiziertes Personal eingestellt wird. Das erfodert jedoch Geld von Bund, Länder und Gemeinden das Milliarden beanspruchen wird. Doch wenn der Ort Schule nicht nur zu einem Aufbewahrungs- sondern auch zu einem Bildungsangebot mit einem effizienten pädagogischen Konzept werden soll, wird man da nicht drum herum kommen.

Es bedarf vor allem Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Lehrkräfte, die sich auch über den Einsatz im Kernunterricht hinaus, sprich, über den ganzen Tag mit entsprechenden Lernangeboten engagieren. Und aktuelle Ergebnisse aus der Begleitforschung zum Ausbau der Ganztagsschulen haben ja gezeigt, daß es durchaus wirksame Maßnahmen geben kann, die die Lernleistung von Schülerinnen und Schüler steigern können:
15 Jahre StEG: „Wo also steht die Ganztagsschule?“

Mit der „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ (StEG) wurde ein ehrgeiziges Vorhaben langfristig begleitet und breit erforscht: der Ausbau der Ganztagsschule in Deutschland. Eine Bilanz nach 15 Jahren.
https://www.ganztagsschulen.org/de/36122.php


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12.12.2019 um 16:23
@Libertin
mag sein, dass die Ganztagsschule für manche eine Verbesserung und Entlastung darstellt.

Für mich ist die Vorstellung gruselig, ich hätte als Kind/Teenager meine Zeit nahezu ausschließlich in der Schule /Gelände verbracht.
Mir ist das zum Glück erspart geblieben (es hätte Hort gegeben); ich konnte meine Freizeit nach (eher vor) den Hausaufgaben frei gestalten, rumziehen, bummeln gehen, Kurse besuchen, Hausarbeit war auch dabei aber das hat nicht geschadet ;) Und Familie war auch präsent.


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12.12.2019 um 16:38
@Seidenraupe

Mir hätte rückblickend betrachtet ne gut strukturierte Ganztagsschule wahrscheinlich ganz gut getan. So musste ich meiner Lernfaulheit sei Dank zumindest meine höheren Abschlüsse halt über den "nicht klassischen" Bildungsweg nachholen. Das Ganze ist natürlich auch immer eine recht individuelle Bedarfsgschichte. Ich denke aber, daß für sehr viele Schülerinnen und Schüler das Ganztagsschulenkonzept an sich sehr zugute kommen kann.


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13.12.2019 um 02:55
Zitat von SeidenraupeSeidenraupe schrieb:falsch.
Die Lehrkräfte bringen den Kindern Lesen und Schreiben bei.

einige der Beschulten sind allerdings zu faul, das Erlernte mit Freude anzuwenden (zum Beispiel daheim Bücher lesen) und daddeln lieber ego shooter und son Zeugs. Damit verkümmern die Fähigkeiten von Lesen, richtig Schreiben und Verstehen -- denn sie müssten halt auch angewandt werden.
einige der Beschulten sind wissbegierig und lernfreudig (lernen also gern) und diese kommen auch voran.
Das klappt nicht. Schule ist als KOnzept so aufgebaut, dass es jeden erreiche muss. Man kann sich nicht auf den standpunkt stellen, dass schule ja eigentlich gut funktioniert, leider aber nur, wenn da die perfekten schüler sind die eigentlich nur noch einen kleinen schubs in richtung eines buches brauchen.

Richtig ist, wie du sagst: Bildung ist etwas, das man sich aktiv aneigenen muss. Macht man in der schule aber nicht und bringt man da auch keinem bei. Man bringt kindern das gegenteil bei: Wissen ist etwas, was man reproduziert damit man keinen ärger bekommt.
Zitat von SeidenraupeSeidenraupe schrieb:wenn jemand seine Muskeln nicht trainiert, bilden die sich nicht zu leistungsfähigen Muskeln aus oder sie bilden sich zurück
wenn jemand seine Lese- Rechtschreib-Verstehen-Rechnen - Fähigkeiten nicht übt, verlernt er sie auch teilweise wieder.
Wenn der aber in der Schule ist, dann müsste ich doch erwarten dürfen, dass er da konstant diese lese, rechtschreib und verstehensfähigkeit anwendet. Das passiert doch angeblich die ganze zeit in der schule.


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13.12.2019 um 06:27
Zitat von LibertinLibertin schrieb:Genau deshalb sollten Schulen auch mit mehr Kapazitäten ausgestattet werden, die vorallem auch individuelle Fördermöglichkeiten insbesondere für lernschwache Schüler bieten. Nur müssen diese überhaupt erstmal geschaffen werden.

Einige Inklusionsschulen setzen das z.B. mMn ganz gut um. Ist aber eben leider bei weitem nicht die Regel, weshalb viele Schüler in vielen Schulsystemen nach wie vor auf der Strecke bleiben und selbst nach ihrem Abgang bereits auf elementarer Ebene noch erhebliche Defizite aufweisen.
Ich glaube, dass das ein Irrweg ist.
Nicht, weil ich glaube, dass Inklusion schlecht ist oder wir keine Kapazitäten brauchen, aber weil ich glaube, dass das Systems chule nicht wirklich gut zusammen damit funktioniert (was nicht heißt, dass es keine schulen mit tollen iklusiven systemen gibt oder keine individuellen förderprogramme gibt, die gut sind).

Schule als KOnzept ist industriell, das heißt, man macht ein oder mehrere 'one-size-fits-all' institutionen, wo man kinder reinsteckt und wo man nach einer gewissen zeit erwartet, dass da gebildetere kinder hinten rauskommen durch ein festes curriculum und feste abläufe (unterricht). Das funktioniert dann, wenn es eben einen festen weg und ein festes ziel geben kann.
Bei erwachsenenbildung z.b. ist unterricht nützlich. Ich hab eine firma, die belegschaft soll etwas über eine neue gesetzeslage lernen, ich schicke sie zu einem kurs wo jemand sie darüber unterrichtet. Auch die unwilligsten bekommen da noch genug mit, als dass es einen positiven effekt hat und meine Mitarbeiter hoffentlich im großen und ganzen mit der neuen gesetzeslage umgehen können. Am Ende soll klar stehen: Mitarbeiter kennen jetzt Gesetz x.

Immer also, wenn ich irgendwelche individuellen Fördermöglichkeiten in Schulen aufbaue, heißt das eigentlich nur, dass ich den regelunterricht ergänzen will für die, die nicht mit dem allein klarkommen.
DAS ist aber glaube ich genau der irrweg. Es kann gar keinen regelunterricht mehr geben, weil bildung heute so nicht mehr funktioniert.
Im Regelunterricht wird dann nämlich auch nicht irgendwie wirklich gut gelernt. Lediglich sitzen da kinder drin, die sowieso stark genug sind, um trotzdem mit den anforderungen klarzukommen. Wie im Beispiel: Lesen können 50% der Schüler entweder schon vor einschulung oder auch danach nicht richtig.
Und wie viele der Kinder das Lesen sowieso gelernt hätten auch ohne den schulunterricht wenn sich nur jemand mit ihnen hingesetzt hätte und mit vorlesen und begleiteten lesen so kitamäßig ein bisschen die lust dazu gegeben hätte, das wissen wir gar nicht.
Aber trotzdem müssen 100% der Kinder in denselebn Regelunterricht zum Lesen und Schreiben.

Der Förderunterricht wäre dann (wenn er gut ist) der eigentliche unterricht, wo dann wirklich auch was gelernt wird. Allerdings eben nur für die, die in ihm drin sind (also die schwachen schüler, die dann eventuell ohne diesen unterricht nur mit regelunterricht nie lesen und schreiben richtig gelernt hätten).

Es erscheint mir daher sinnvoller, es umgekehrt zu machen: Wir bauen ein system auf, in dem jeder da gefördert werden kann, wo er schwächen hat, undzwar eben gezielt.


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13.12.2019 um 07:07
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Das Problem ist nur: Was machste mit denen, die sich verweigern?
Man sollte das Pferd andersherum aufzäumen. Die Eltern bestrafen bringt mir nix. Dadurch werden die nicht zu besseren eltern.
Im Idealfall sollte das Schulsystem auch bei den schlimmsten eltern (so lange nich tmissbräuchlich) in der lage sein, da am ende ein gesundes und einigermaßen lebensfrohes kind hinzubekommen, was interessiert an seiner umwelt ist.
Dahin sollten wir versuchen, zu kommen.

Das kann, wie vorher geschrieben, durchaus auch beinhalten, bei verhaltensauffälligen kindern der schule einige rechte zu geben, denen auch ohne zusammenarbeit mit den eltern innerhalb der Zeiten verpflichtende Therapien oder anderweitige sonderhilfen zu geben.
Genauso wie wenn klar ist, dass ein Kind nicht richtig ernährt wird, es dann in der schule im ganztag vernünftiges essen bekommen sollte.


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