Socialme schrieb:gibt es dazu Quellen? oder ist das deine persönliche Meinung?
Ja, sogar mehrere:
"16,9 % unter den AfD-Wählern befürworten eine rechtsautoritäre Dikatatur", Tabelle 8, Seite 56
Quelle:
https://www.slu-boell.de/sites/default/files/importedFiles/2025/01/09/leipziger-autoritarismus-studie-2024-vereint-im-ressentiment-autoritaere-dynamiken-und-rechtsextreme-einstellungen.pdfOder auch hier (Seite 8):
Die Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur, etwa der Wunsch nach einem Führerstaat oder einer völkischen Gemeinschaft ohne Parteienpluralität, findet sich vor allem unter den Anhängern der AfD (Abb.12). Mit rund 17% ist die manifeste Zustimmung zwar nur bei jedem sechsten AfDAnhänger anzutreffen, doch ist der Ruf nach einer rechtsautoritären Diktatur in diesem Milieu offenkundig bedeutsam – und zwar nur in diesem Milieu. Der Abstand zu allen anderen Parteien ist groß. Das Wählermilieu von CDU/CSU und Linkspartei ist mit jeweils 2,7% durch diese Wünsche geprägt, bei den anderen Parteien liegt der Wert noch niedriger.
Quelle:
https://efbi.de/files/efbi/pdfs/Policy%20Paper/2025_1_Policy%20Paper.pdfDass nicht alle AfD-Wähler Demokratiefeinde oder Rechtsextremisten sind, ist unbestritten. Es gibt aber durchaus Umfragen, die gerade unter AfD-Anhängern eine deutlich höhere Zustimmung zu autoritären bzw. demokratiekritischen Positionen zeigen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass mit einer AfD-Regierung automatisch am nächsten Tag die Demokratie abgeschafft wäre. Aber ich finde schon, dass man sich anschauen darf, wie demokratisch bzw. autoritär Teile der AfD-Wählerschaft und auch die Partei selbst eingestellt sind. Dazu gibt es ja durchaus entsprechende Umfragen.
Socialme schrieb:klar, so wie in dem angeblich autoritären Ungarn, ach da war doch was, Orban ist doch auf ganz demokratischem Wege abgewählt worden und hat den Wahlverlust auch anerkannt? Mist, da hat die Schwarzmalerei nicht wirklich funktioniert und die Horrorszenarien um Ängste zu Schüren. Ich denke, das klappt mittlerweile nicht mehr. Anstatt die Opostion wie im Mittelalter zu Verfolgen, hätte man sich darauf konzentrieren können, was dem Bürger wichtig ist. Aber das scheint die etablierten Parteien dann doch eher wenig zu interessieren. DAS beunruhigt dich in einem demokratischen System natürlich überhaupt nicht.
Und bei Ungarn würde ich dir sogar teilweise zustimmen: Orbán wurde demokratisch abgewählt und hat das Ergebnis akzeptiert. Das zeigt zumindest, dass die ganzen Warnungen nicht bedeutet haben, dass Ungarn plötzlich eine Diktatur war, in der Wahlen keine Rolle mehr spielen.
Aber daraus folgt für mich trotzdem nicht, dass die Kritik an Orbáns Regierungsführung damit widerlegt wäre. Auch in einer Demokratie kann eine Regierung beispielsweise unabhängige Institutionen schwächen, Medien beeinflussen oder die politischen Spielregeln zu ihren Gunsten verändern. Genau solche Entwicklungen wurden Ungarn ja durchaus vorgeworfen bzw. dokumentiert.
Deshalb finde ich auch die Aussage, die „Horrorszenarien“ hätten sich nicht bewahrheitet, etwas zu pauschal. Man müsste schon sagen, welches Horrorszenario gemeint ist. Dass Orbán irgendwann demokratisch abgewählt werden konnte, beweist jedenfalls nicht, dass es während seiner Regierungszeit keine problematischen Entwicklungen in Richtung einer illiberalen Demokratie gegeben hat.