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Vereinigte Staaten von Europa

846 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: USA, Krieg, Russland ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Vereinigte Staaten von Europa

09.04.2022 um 09:44
@abberline

Aber inwiefern würdest du denn konkret von Brüssel aus regiert werden, wenn bestimmte Entscheidungen dort getroffen werden? Die lokalen Strukturen bleiben ja erhalten.
Mit derselben Logik könnte man ja wie gesagt sagen, warum soll irgendein Bayer für mich entscheiden?

Aber es geht ja um die Frage, wie man am effektivsten Europa organisieren kann. Und dafür ist es nunmal notwendig, ein gutes System dafür zu finden, sich mit seiner Nachbarschaft zu harmonisieren. Und dafür müssen gewisse Entscheidungen getroffen werden, die alle europäischen Staaten (oder viele von ihnen) umsetzen. Und dazu kann es sehr sinnvoll sein, dass man eine weitergehende EU integration anstrebt und institutionen wie einen europäischen finanzminister und ähnliches aufbaut.

Die alternative ist, trotzdem von Sachzwängen regiert zu werden, aber ein schlechteres System zu haben, um gemeinschaftlich darauf zu reagieren.


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09.04.2022 um 10:40
@shionoro
Ich find das jetzige System besser, in dem national entschieden werden kann


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09.04.2022 um 10:46
Zitat von abberlineabberline schrieb:Ich find das jetzige System besser, in dem national entschieden werden kann
Und warum national und nicht regional? UNd was ist daran besser, antional zu entscheiden bei internationalen problemen?


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09.04.2022 um 10:57
Zitat von shionoroshionoro schrieb:Neee, NRW soll unabhängig werden". Aber da würde ja jeder einsehen, dass das eine schlechte Idee wäre.
Wieso eigentlich? Sollte sich die Bevölkerung von NRW im Staat Bundesrepublik Deutschland nicht oder zumindest schlechter als in einem unabhängigen NRW repräsentiert fühlen, warum darf das denn keine Option sein? Wie ich schon geschrieben habe, bislang bildeten sich Staaten ja eher aus der Perspektive der Machthaber und der gesellschaftlichen Eliten, in einem demokratischen System sollte das aber eher aus der Perspektive der Mehrheit der Bevölkerung gedacht werden, finde ich zumindest. Es gibt halt keinen Automatismus, dass Staatsgebilde immer größer werden müssen, auch und erst recht nicht aus Gründen der Effektivität. Da sind wir eben heutzutage immer noch zu sehr im imperialen Denken in Machtstrukturen verhaftet, die sich auf Territorialität und Bevölkerungszahlen stützen. Deshalb die neuerliche Fantasie eines Großeuropäischen Imperiums. Die Realität der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart zeigt uns jedoch eine ganz andere Tendenz hin zum eher kleineren Staatsterritorium.

Und diese "Kleinstaaten" funktionieren oft sogar effektiver und auf jeden Fall näher am Bürger als die riesigen Monsterstaaten. Mal krass gesagt, es ist halt nicht völlig abwegig anzunehmen, dass ein Bürger von San Marino oder Liechtenstein wohl eher besser repräsentiert ist als ein Bürger Russlands oder Chinas. Wäre doch gar nicht schlecht, wenn eines schönen Tages kein einziger Staat mehr so groß und mächtig ist, dass er andere bedrohen oder beherrschen kann, stattdessen ganz für seine Bürger da wäre und sich ganz auf deren Wohl konzentrieren könnte, in diese Richtung geht zumindest meine Utopie. Dass Großreiche besonders stark darin sind, ein gutes Leben für alle auf ihrem riesigen Territorium zu ermöglichen, das halte ich doch eher für eine Illusion. Selbst die Vereinigten Staaten von Amerika sind darin ja nicht gerade meisterschaftlich.


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09.04.2022 um 11:09
@DerKlassiker

Tendenziell geht es aber Menschen in solchen Kleinstaaten deshalb gut, weil um sie herum stabile große Staaten liegen, die bestimmte Aufgaben für sie übernehmen, oder ihnen Schutz gewähren, oder ihnen einen sicheren Handel ermöglichen.
Die sind dann schon automatisch mit diesen Staaten harmonisiert, weil alles andere gar keinen Sinn machen würde. Ob die nominell zum Staat gehören oder nicht, spielt da schon fast keine Rolle mehr.

Die Frage ist nämlich die: können kleine Staaten nicht wesentlich freier sein, wenn sie sich zu einer großen Struktur zusammenschließen, in denen sie alle mitspracherecht haben und eine gemeinsame Ordnung aufbauen? Meine Antwort darauf ist ein klares Ja.
Wir sehen das in der heutigen Zeit, dass so ziemlich jeder kleine Staat, der das nicht tut, von umliegenden größeren oder gleichstarken staaten entweder bedroht oder wenigstens in eine Konkurrenz gerät.

Da hat dann der Ägypter Probleme mit dem Ethiopier, weil der ihm viele Kilometer weiter das Wasser abstellt. Da bringt es dem Ägypter nicht viel, dass er im eigenen Land nominell besser repräsentiert ist, da wäre es schön, wenn es eine starke übergeordnete struktur geben würde, die bei sowas entscheidet oder idealerweise schon Regularien festgelegt hat.

Da muss man sich schon fragen, inwiefern überhautp die Freiheit kleiner mitgliedsstaaten in der EU großartig bedroht wird im vergleich zu der Situation, wenn sie nicht in der EU wären aber dann von umliegenden Staaten abhängig wären, auf die sie dann überhaupt kein mitspracherecht haben.


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09.04.2022 um 15:12
Zitat von shionoroshionoro schrieb:Aber was wäre denn für dich die optimale art, bei unterschiedlichen Interessen einen Konflikt beizulegen? Die Stärke der Eu ist doch gerade, dass sie auch bei unterschiedlichen interessen versucht, zu moderieren, damit keiner allzu sehr benachteiligt wird, nur weil er sich nicht durchsetzen kann.
Zunächst mal sollte man bei unterschiedlichen Interessen gar nicht automatisch von einem drohenden Konflikt ausgehen. Der entsteht ja erst dadurch, dass irgendjemand einem anderen seinen Willen aufzuzwingen versucht. Das ist natürlich durchaus nicht immer per se vermeidbar, da über Rechte und Interessen immer verhandelt und nachgedacht werden muß, wo nicht jedes Individuum seinen eigenen Planeten hat, es sollte aber trotzdem versucht werden Konflikte zu minimieren. Und wenn unterschiedlich gelagerte Bevölkerungsgruppen ihre Staatsgebiete unabhängig ausgestalten können, halte ich das durchaus in vielen Teilbereichen für den konfliktärmeren Ansatz, als zu viel Zentralismus in allen Lebensbereichen.


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09.04.2022 um 17:39
Zitat von TripaneTripane schrieb:Zunächst mal sollte man bei unterschiedlichen Interessen gar nicht automatisch von einem drohenden Konflikt ausgehen. Der entsteht ja erst dadurch, dass irgendjemand einem anderen seinen Willen aufzuzwingen versucht. Das ist natürlich durchaus nicht immer per se vermeidbar, da über Rechte und Interessen immer verhandelt und nachgedacht werden muß, wo nicht jedes Individuum seinen eigenen Planeten hat, es sollte aber trotzdem versucht werden Konflikte zu minimieren. Und wenn unterschiedlich gelagerte Bevölkerungsgruppen ihre Staatsgebiete unabhängig ausgestalten können, halte ich das durchaus in vielen Teilbereichen für den konfliktärmeren Ansatz, als zu viel Zentralismus in allen Lebensbereichen.
Was heißt denn "zentralismus in allen lebensbereichen?". INwiefern schränkt die EU uns großartig ein?
Das deutsche Staatsgebiet kann weiter ungehindert und unabhängig ausgestaltet werden, daran hindert die EU Deutschland nicht. Die EU koordiniert aber die beziehungen der LÄnder untereinander und legt gewisse standards fest und das ist sehr nützlich.

Da müsste mir schon jemand erklären, welche art von freiheit z.b. England jetzt letztendlich gewonnen haben soll mit seinem Austritt.


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09.04.2022 um 18:04
Zitat von shionoroshionoro schrieb:Da müsste mir schon jemand erklären, welche art von freiheit z.b. England jetzt letztendlich gewonnen haben soll mit seinem Austritt.
(Frei)Handelsabkommen kann nur die EU unter Ratifizierung aller Mitglieder abschließen, die braucht England jetzt nicht mehr und kann die Abkommen nach Gusto gestalten. Schneller geht es auch.

Im Bereich Automotive gibt es zahlreiche Regularien welche von der EU für die Mitgliedsstaaten vorgeschrieben werden. Davon ist vieles sinnvoll, einiges hat Geschmäckle (Blackbox wird kommen) aber England ist frei von diesen Regularien.


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09.04.2022 um 18:07
@behind_eyes

Aber inwiefern schränken diese Regularien defacto die Freiheit in England ein? Wirtschaftlich steht england jetzt nicht besser da. Frei in die EU einreisen können sie jetzt auch nicht mehr, ihr ARbeitsmarkt leidet auch darunter.
Inwiefern kommen da mehr Freiheiten bei rum?

Der einfache engländer kann jetzt nicht mehr, sondern weniger.


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09.04.2022 um 18:17
Zitat von shionoroshionoro schrieb:Aber inwiefern schränken diese Regularien defacto die Freiheit in England ein? Wirtschaftlich steht england jetzt nicht besser da
Frei in der Wahl und Gestalt von Handelsabkommen zu sein, bedeutet doch nicht automatisch das man besser da steht. Im Prinzip hat jede Freiheit Nachteile.
Wenn du da nach Freiheit suchst die nur Vorteile hat, wirst du nirgends fündig, auch in der EU nicht.

Insofern stimme ich dir zu, die neu gewonnene Freiheit hat den Engländern keine Vorteile gebracht, außer Freiheit.
Irland profitiert sehr davon, aber das ist ein Sonderthema.


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09.04.2022 um 18:34
@behind_eyes

Ich sehe nur nicht die Freiheit, sondern eine wachsende Unfreiheit für die Engländer. Freiheit auf dem Papier ist nicht Freiheit in der Realität. UNd in der Realität haben die Engländer für meine Begriffe Freiheit eingebüßt. Das wäre etwas anderes, hätten die ENgländer wirtschaftliche probleme hingenommen, weil die EU ihnen vorgeschrieben hätte, dass sie alle zum Buddhismus übertreten müssen. Das wäre Freiheit, die man damit verteidigt hat. Aber so ging es ja nur um eine sehr abstrakte, nominelle Freiheit des Staates, die nichts mit den realen möglichkeiten eines Bürgers oder Unternehmers in England zu tun hat.
Das ist wie im oft vorgebrachten beispiel: wenn jeder darf, was er will, gibt es weniger freiheit, weil dann z.b. marodierende banden verhindern könnten, dass du ohne ausgeraubt zu werden vor die tür darfst. Deine nominelle Freiheit wäre absolut, deine reale Freiheit kleiner.

Aber ich drösel es mal weiter auf:

Meine ARgumentation ist, dass bei der Hinwendung einzelner kleiner staaten zu großen strukturen viele vorteile möglich sind, während die oft vorgebrachten nachteile nicht zwingend sind.
Es gibt übergeordnete strukturen, die nicht funktionieren und enorm schädlich waren, wie die UDSSR. Aber so müssen wir Europa ja nicht gestalten, wie das europäische System aussieht, entscheiden wir.

Auf der anderen Seite halte ich es für zwingend, dass bei kleinstaaterei konflikte entstehen , die zu mehr unfreiheit global bzw. in einzelnen staaten führen. Würde es keine EU geben, kann sich doch jeder denken, was beim Türkei/Griechenland/Zypern konflikt abgehen würde. Da würde es vllt keinen Krieg geben, aber nur, weil einer zurücksteckt.
Wir sehen auch, wie sich Staaten in Asien um Inselgruppen streiten, wie afrikanische Staaten krieg führen oder sich das wasser abstellen und im allgemeinen, dass es immer irgendwo in der nachbarschaft einen Staat gibt, wo irgendein populist für Unruhe sorgt und sich von den schwächeren staaten irgendwelche appeasements erhofft.

Übergeordnete Strukturen können das verhindern, weil sich dann automatisch die ganze nachbarschaft auf bestimmte gesetze berufen kann und es sofort mediations und ausgleichverfahren gibt, bzw. überhaupt das handeln erstmal auf konsensfähigkeit geprüft wird. Wenigstnes, wenn die übergeordnete struktur gut läuft. Das sorgt für mehr Freiheit, GERADE für kleine regionen.

Dabei kann man ja darauf achten, dass es austrittsrechte gibt (klar, wenn die struktur nicht gut funktioniert, wird irgendwann gemeutert).

ABer im großen und ganzen ist es die zukunft der welt, dass sich staaten miteinander harmonisieren. Das ist gut für alle und sorgt für mehr freiheit, wenn es vernünftig gemacht wird. Wird es nicht gemacht, sorgt es für meine begriffe zwingend für mehr unfreiheit.


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09.04.2022 um 18:53
Zitat von shionoroshionoro schrieb:es nicht gemacht, sorgt es für meine begriffe zwingend für mehr unfreiheit.
Ich denke das führt vor allem auch zu mehr Krieg.
Wenn die EU umgekehrt sogar zerfallen sollte, dauerts denke ich nicht lange und man ist wieder in jeden vs jeden in Europa, als wären die letzten 100 Jahre nicht gewesen. Kann man sich dann schon mal drauf einstellen, dann rappellt wieder.

---
Ich für meinen Teil, wüsste zumindest schon mal nicht, warum meine Interesse in den VSVE^^ noch schlechter vertreten sein sollten als in der BRD. 😅 Aber man gewinnt Macht und das ist gut, außerdem ballert man nicht mehr so schnell aufeinander... so what


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09.04.2022 um 19:12
Zitat von YoooYooo schrieb:Ich denke das führt vor allem auch zu mehr Krieg.
Wenn die EU umgekehrt sogar zerfallen sollte, dauerts denke ich nicht lange und man ist wieder in jeden vs jeden in Europa, als wären die letzten 100 Jahre nicht gewesen. Kann man sich dann schon mal drauf einstellen, dann rappellt wieder.

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Ich für meinen Teil, wüsste zumindest schon mal nicht, warum meine Interesse in den VSVE^^ noch schlechter vertreten sein sollten als in der BRD. 😅 Aber man gewinnt Macht und das ist gut, außerdem ballert man nicht mehr so schnell aufeinander... so what
Das ist ein Aspekt, aber es geht ja sogar um noch mehr als nur die Kriegsvermeidung. Es ist einfach de facto besser, wenn eine region miteinander harmoniert.

Wenn wir z.b. in ganz europa die gleichen produktionsstandards haben, offene grenzen und auch die gleichen sicherheits- und rechtsstandards, dann ist das gut für uns alle.
Es nimmt mir keine Freiheit, wenn die EU festlegt, dass Allergene im Essen gekennzeichnet sein müssen und das dann überall gilt, oder bestimmte Produkte genormt sind, damit sie überall sofort benutzt werden können.

Es gibt uns Freiheit, wenn solche Dinge reibungslos ablaufen. Dasselbe gilt für Umweltstandards. Mag dann manchmal manche Staaten nerven, aber es ist doch besser, wenn wir dann z.b. in der EU einen ausgleich finden und einen Staat, der Umweltstandards einführen soll, die ihn belasten, dann halt bezuschussen.
Das ist besser, als würde jeder sein Ding machen und dabei allerlei Mehrkosten haben oder halt probleme aufschieben.

Letztendlich können wir die komplexen globalen probleme nur lösen, wenn wir auch systeme entwickeln, die vielen staaten ermöglichen, zusammen harmonisch zu arbeiten. WEnn wir das nicht machen, können wir bestimmte probleme gar nicht angehen.

Klimawandel, Corona, auch komplexe wirtschaftliche probleme, dazu muss man gemeinsam harmonieren, damit es gelingen kann. Wenn jeder staat den impuls hat, erst mal an sich zu denken und es keinen gibt, der das ordnet und systematisch miteinander in verbindung bringt, dann sieht es langfristig düster aus.


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16.04.2022 um 01:06
Trotz der jüngsten Staatenteilungen aus den letzten Jahrzehnten und dem Brexit:

In einer zunehmend globalisierten Welt, in der u.a. auch unser Wohlstand von den Lebensbedingungen in anderen Ländern abhängig ist und die ebenso auch mit globalen Problemen wie Pandemien, Klimawandel, Umweltzerstörung, großen Fluchtbewegungen, ungleiche Ressourcenverteilung usw. konfrontiert wird, ist es immer weniger sinnig auf Kleinstaaterei zu setzen, welche in ihrer Politik der kurzfristigen Erfolge die Realität und Zusammenhänge des globalen Kontextes ignoriert, in der sich die Länder dieser Welt heutzutage befinden.

Ob es in Zukunft irgendwann mal sowas wie ein "Vereinigte Staaten von Europa" geben wird, lasse ich an dieser Stelle mal dahingestellt, aber mittel- und vor allem langfristig wird zumindest eine immer engere Zusammenarbeit/ Koordinierung aller Staaten eine noch wichtigere Rolle einnehmen, denn globale Herausforderungen werden letztlich auch nur mit globalen bzw. gemeinsam beschlossenen und umgesetzten Lösungswegen gemeistert werden können, auch ohne dabei die Souveränität der einzelnen Staaten zu untergraben. Machen hingegen die meisten Staaten im Großen und Ganzen nur ihr eigenes Ding, werden sich die Probleme dagegen nur noch weiter verschärfen, bis sie irgendwann vor der eigenen Haustür stehen. Welche Nachteile eine "Me First" Politik unter dem Deckmantel der "Wahrung nationaler Interessen" heutzutage mit sich bringt, sieht man ja gerade an Großbritannien.

Mittlerweile ist weltweit alles soweit miteinander verwachsen, daß man gar nicht mehr drum rum kommt in globalen Maßstäben zu denken, auch wenn das freilich noch längst nicht alle erkannt/ akzeptiert haben. Dennoch wird es letztlich im Großen und Ganzen mehr von Vorteil als von Nachteil für alle Staaten sein, sich weiter miteinander zu vernetzen und vor allem politisch wie wirtschaftlich aufeinander abzustimmen, auch wenn der Weg dahin freilich nicht ohne Rückschläge ausbleiben wird, wie u.a. die aktuelle Lage in Osteuropa gerade zeigt. Dennoch wird eine erfolgreiche Zukunftsgestaltung letztlich nur darauf hinauslaufen können, wenn alle für- sowie miteinander und nicht nur für sich oder gar gegeneinander arbeiten.


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16.04.2022 um 02:06
@Libertin

Das sehe ich auch so. Man muss sich dringend über das "wie", nicht das "ob" unterhalten.

Letztlich ist nationale Unabhängigkeit Augenwischerei, wenn viele wichtigen Probleme, die einen Staat betreffen, letztendlich nur international gelöst werden können.

Man braucht Systeme dafür, wie Staaten miteinander umgehen und ihre gemeinsamen Angelegenheiten regeln. Und da ist die EU bis jetzt der beste Versuch für, für meine Begriffe.
Die EU hat es geschafft, dass keiner ihrer Staaten gegeneinander Krieg führt seit ihrem bestehen, sie hat für einen WOhlstandsgewinn gesorgt und sie hat gemeinsame Standards erlassen, von denen letztendlich auch die Bürger profitieren (z.b. was verbraucherschutz angeht, offene grenzen oder eben auch gemeinsame Gelder für Projekte). Außerdem geht mit ihr auch eine demokratisierung vieler LÄnder einher, die beigetreten sind.

Dabei will ich die Probleme nicht kleinreden, die EU hat es nicht geschafft, Polen und Ungarn davor zu bewahren, in eine autokratischere Gesellschaft zu driften. Aber trotzdem ist sie für meine Begriffe der einzige halbwegs gesunde Versuch, überhaupt Staaten miteinander zu harmonisieren. UNd das ist zukunftsweisend.

Wenn wir das aufgeben und in eine Welt driften, in der hegemonialmächte die ANgelegenheiten ihrer Einflusszonen entscheiden, dann sieht es düster aus.


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01.05.2022 um 01:18
Zitat von shionoroshionoro schrieb am 16.04.2022:Wenn wir das aufgeben und in eine Welt driften, in der hegemonialmächte die ANgelegenheiten ihrer Einflusszonen entscheiden, dann sieht es düster aus.
Düster sähe es aus wenn eine beliebige Vorstellung von EU die einzige Alternative dazu sein sollte und ungefähr so originell, wie das ersehnte Konstrukt ausgerechnet United States (of Europe) zu schimpfen. Aber für mich ist es ein falscher Gegensatz. Und zudem auch etwas widersprüchlich insofern es mind. so oft heißt man solle im soweit möglich Gleichschritt des Weltgeschehens vor allem schneller, flexibler und fluider werden, eben auch und gerade in den bilaterelen Beziehungen, Unternehmungen und Abkommen. Das im Übrigen wird da oben bei den Gedanken (ein Fazit wäre arg verfrüht) auch zum Brexit übersehen. Es ist eben in der Tat auch eine Form von Freiheit, die sich Großbritannien somit (wieder?) traut oder für hinreichend angezeigt erachtete; aber die Freiheit, beim absehbaren Ballet nicht gerade im Korsett antreten zu müssen, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch als Gewinn zu werten. Heute ist Geschwindigkeit fast alles, morgen ist alles ohne Geschwindigkeit nichts, wartet das ruhig mal ab. Wobei die Ausgangslage Großbritanniens dabei selbstredend nicht übertragbar ist. Und mir war von Beginn an der Diskussionen ohnehin so als stießen sich manche genau daran. Der Sinn von Staaten war es nie, miteinander harmonisiert zu werden (eher im Gegenteil) und es müsste die Frage erlaubt sein, wozu es nach so einer Empfindung dann überhaupt noch Staaten bedürfte. Es sei denn sie sollten gleich mit abgeräumt werden. Kann man natürlich machen. Oder auch einfach mal sein Haus anzünden und gucken was passiert.

Ich bin offenbar kein so großer Fan europ. Integrationsträume ohne dass überhaupt klar wäre, wohin man will, mit wem, ob der auch und ohne dass ein angestrebtes und zugleich realistisches Ziel dabei ges.-gesell. je geklärt worden wäre, sofern denn überhaupt erkennbar ist. Für deutlich plausibler halt ich es, dass sich insb. auch Länder wie Deutschland schon bald sehr lockerer werden machen müssen (wahrsch. vielmehr innerhalb noch stärker integrieren) und sich das, was wir heute EU nennen, auch eher grob in Richtung eines loseren aber in Folge auch beweglicheren Opt-In-/Opt-Out-Modells entwickelt. Es ist kaum 20 Jahre her da waren letzter Schrei und großes Zukunftsversprechen hier die "Achse". Die Achse Paris-Berlin-Moskau. Wir sollten unseren Großmachtfieberträumen eigentlich entwachsen sein. Wer wenn nicht Europa?


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01.05.2022 um 01:26
@scumspawn

Richtig, wenn du eine komplett harmonisierte Zone hättest, bräuchtest du keine einzelnen Staaten mehr sondern sie würden eher zu VErwaltungseinheiten mit bestimmten kulturellen Eigenheiten werden. Das wäre auch gar nicht so schlecht, aber wir brauchen zumindest noch eigenständige staaten, damit sie aus internationalen Verbänden austreten oder eintreten können und die neuen Systeme untereinander ausgehandelt werden können.

Dass staaten nicht zum harmonisieren gemacht worden sind, ist richtig. Das ist ja das Problem, darum brauchen wir heute auch etwas neues. Moderne Staaten wurden in der Zeit der industrialisierung gemacht und für diese KOnzipiert. Aber diese Zeit ist vorbei. Wir sind in der Digitalisierung und das Konzept des einen, unabhängigen Staates, der sich frei durch die Welt bewegt, ist mehr und mehr absurd, weil fast alle relevanten probleme die ein moderne staat hat weitgehend von anderen staaten abhängen und nur gemeinsam angegangen werden können. Dabei ist es hinderlich, wenn jeder staat seine eigene Suppe kochen will.

Darum ist England keineswegs freier als vorher, sie haben keine Freiheit dazugewonnen, sie sind abhängiger werden in der Realität, weil sie jetzt in der EU nichts mehr zu sagen haben, aber noch mehr nach spielregeln von USA; China, EU spielen müssen.


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04.05.2022 um 21:04
Ich bin zwiegespalten was eine potenzielle Vereinigung von europäischen Staaten angeht. Soll das ein Superstaat werden mit einheitlicher Verfassung und sehr schwachem Interventionismus, offenen Grenzen und milder Migrations- und Flüchtlingspolitik, sehr liberalen Drogengesetzen und weiteren Sachen die ich von manchen Befürwortern von VSE höre? Solche VSE lehne ich definitiv ab. Per se tue ich eine Vereinigung der europäischen Staaten nicht ablehnen, habe aber Erwartuntshaltungen die einer Liberaldemokratie nicht (unbedingt) entsprechen, jedenfalls und zumindest spezifisch auf einige Bereiche bezogen. Ich sehne mir eine militante Demokratie herbei, würde diese VSE das erfüllen? Wäre schon mal ein guter Anfang.

Kurz gesagt: VSE? Eventuell, aber nur bei dementsprechender Politik und Verfassung bzw. gewissen Erfüllungen einiger Bedingungen, ansonsten dagegen.


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04.05.2022 um 21:45
Zitat von InfidelInfidel schrieb:Ich bin zwiegespalten was eine potenzielle Vereinigung von europäischen Staaten angeht. Soll das ein Superstaat werden mit einheitlicher Verfassung und sehr schwachem Interventionismus, offenen Grenzen und milder Migrations- und Flüchtlingspolitik, sehr liberalen Drogengesetzen und weiteren Sachen die ich von manchen Befürwortern von VSE höre? Solche VSE lehne ich definitiv ab. Per se tue ich eine Vereinigung der europäischen Staaten nicht ablehnen, habe aber Erwartuntshaltungen die einer Liberaldemokratie nicht (unbedingt) entsprechen, jedenfalls und zumindest spezifisch auf einige Bereiche bezogen. Ich sehne mir eine militante Demokratie herbei, würde diese VSE das erfüllen? Wäre schon mal ein guter Anfang.

Kurz gesagt: VSE? Eventuell, aber nur bei dementsprechender Politik und Verfassung bzw. gewissen Erfüllungen einiger Bedingungen, ansonsten dagegen.
Das sind dann doch aber Fragen der Innenpolitik. Wichtig ist, dass da ein block ist, der bei relevanten Säulen harmonisch ist.
Heißt: Wir haben einen Euro, darum brauchen wir eine gemeinsame EU Finanzpolitik.
Wir brauchen gemeinsamen Grenzschutz und gesetze dafür, wie wir gemeinsam mit flüchtlingswellen umgehen.
Wir brauchen ein gemeinsames militär, wir brauchen auch eine gemeinsame verbrechensbekämpfung.

Wir brauchen gemeinsamen Klimaschutz.

Wir brauchen gemeinsame wirtschaftliche normen, gemeinsame verbraucher-, arbeits- und Umweltschutzregelungen.

Wir brauchen gemeinsame demokratische Standards, die die EU vertritt und fördert, auch was meinungs- und medienfreiheit angeht.

Ob ein Staat jetzt drogen legalisieren will, ist da eine untergeordnete frage.


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04.05.2022 um 22:03
Zitat von shionoroshionoro schrieb:Wichtig ist, dass da ein block ist, der bei relevanten Säulen harmonisch ist.
Heißt: Wir haben einen Euro, darum brauchen wir eine gemeinsame EU Finanzpolitik.
Wir brauchen gemeinsamen Grenzschutz und gesetze dafür, wie wir gemeinsam mit flüchtlingswellen umgehen.
Wir brauchen ein gemeinsames militär, wir brauchen auch eine gemeinsame verbrechensbekämpfung.

Wir brauchen gemeinsamen Klimaschutz.

Wir brauchen gemeinsame wirtschaftliche normen, gemeinsame verbraucher-, arbeits- und Umweltschutzregelungen.

Wir brauchen gemeinsame demokratische Standards, die die EU vertritt und fördert, auch was meinungs- und medienfreiheit angeht.
Ja, aber wie soll das gehen? Wie sollen Ungarn und was weiß ich...Portugal auf eine harmonische Ebene kommen?

In welche Richtung soll dieser Superstaat gehen? Während ich einen Superstaat sowohl mit liberalen als auch sehr radikalen und autoritären Zügen unterstützen würde inklusive Weltpolizei-Politik ist ein anderer konträrer Meinung wie dieser Superstaat auszusehen hat usw.

Im Grunde sehe ich da einen paneuropäischen Nationalismus als notwendig wenn ich das so nennen soll.


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