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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 15:33
@tingplatz

Die Unterstützung von Diktatoren ist ein Argument für die direkte Demokratie?
Jede Regierung macht Geschäfte mit Diktatoren wenn es ihr nützt, aber mein Beispiel zeigt, daß es auch in einer direkten Demokratie nicht anders ist.

"Man muß doch nicht alte, bereits korrigierte Versäumnisse auffahren. "

Vorgänge die zeigen, daß die direkte Demokratie den gesellschaftlichen Fortschritt bremsen kann.

Ich spreche mich nicht explizit gegen die direkte Demokratie aus, aber bin dagegen, das Modell unkritisch als ideales Modell zu deklarieren.

"Aber das ist ganz sicher nicht das Problem, wenn das Volk für sich entscheiden darf."

Es gab in den deutschen Medien doch vor Jahren die Geschichte um einen Arbeitslosen, der auf Kosten des Staates ein gutes Leben im Ausland führte. Dadurch wurde von der Boulevardpresse das Vorurteil geprägt, der überwiegende Teil der Arbeitslosen seien faule Schmarotzer.

Oder man denke an die Entführung des kleinen Jungen in Frankfurt. Damals gab es eine Debatte um die Einführung der Folter.

Wie will man verhindern, daß ein basisdemokratischer Staat zu einer Diktatur der Mehrheit gegenüber den Minderheiten wird?

In der Schweiz müssen dafür im Zweifel doch Parlament und Gerichte sorgen, sonst wäre die Schweiz in den 30ger Jahren zu einem faschistischen Staat geworden.


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tingplatz
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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 17:09
Somayyeh schrieb:Die Unterstützung von Diktatoren ist ein Argument für die direkte Demokratie?
Sehr wohl, weil es eine solche Unterstützung nicht geben würde, wenn es eine DD geben würde.


Vor was hast du Angst, weil du mit den dreißiger Jahren kommst? Meinst du nicht das ist albern?
Glaubst du dir wird es plötzlich schlechter gehen, weil das Volk jetzt blödsinnige Ausgaben, wie etwa für Griechenland verhindert?

Und apropo Schweiz im 2.WK: es war der einzige neutrale Staat, der gegen jeden anderen Staat seine Neutralität verdeitigte, auch gegen das faschistische DR. ;)

Und seit dieser Zeit ist auch in der Schweiz die Zeit nicht stehen geblieben.

Also pack mal aus, wo du glaubst, dass die deutsche Mehrheit bei VE dir Bauchschmerzen bereitet. Hast du was angestellt, dass ne Abschiebung droht ;) ?


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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 17:23
@tingplatz

"Sehr wohl, weil es eine solche Unterstützung nicht geben würde, wenn es eine DD geben würde."

Falsch, diese Unterstützung gibt es in der Schweiz, man hat dort noch nie Fragen gestellt, mit wem man eigentlich Geschäfte macht, solange die Geschäfte gut laufen.

"Vor was hast du Angst, weil du mit den dreißiger Jahren kommst? Meinst du nicht das ist albern?"

Keineswegs. Die Mehrheit folgt immer dem Zeitgeist, damals war es der Faschismus, heute ist es der Überwachungsstaat. Der ist in der Schweiz nicht weniger gut ausgebaut, als in Deutschland.

"Und apropo Schweiz im 2.WK: es war der einzige neutrale Staat, der gegen jeden anderen Staat seine Neutralität verdeitigte, auch gegen das faschistische DR"

Auch andere Staaten haben das versucht, unterlagen aber militärisch.


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buddel
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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 17:29
im grundsatz sollte das bestimmunungsrecht allumfassend sein.
zum glück bestimmt nicht die mehrheit
sondern eine gewählte gruppe

buddel


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tingplatz
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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 17:39
@Somayyeh
Somayyeh schrieb:Falsch, diese Unterstützung gibt es in der Schweiz, man hat dort noch nie Fragen gestellt, mit wem man eigentlich Geschäfte macht, solange die Geschäfte gut laufen.
Ich beziehe die DD auf die Einführung in Deutschland, wenn man dort durch VE offensichtlichen politischen Unsinn abstellen könnte.
Somayyeh schrieb:Keineswegs. Die Mehrheit folgt immer dem Zeitgeist, damals war es der Faschismus, heute ist es der Überwachungsstaat. Der ist in der Schweiz nicht weniger gut ausgebaut, als in Deutschland.


Das hat nicht meine Frage beantwortet. Ich habe gefragt, vor was du Angst hast.


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16.08.2010 um 17:49
@tingplatz

"Ich beziehe die DD auf die Einführung in Deutschland, wenn man dort durch VE offensichtlichen politischen Unsinn abstellen könnte."

Warum sollte in Deutschland die direkte Demokratie die Zusammenarbeit mit Diktaturen verhindern, in der Schweiz aber nicht? Deine Aussage war doch, eine direkte Demokratie verhindere genau das. Das Beispiel Schweiz zeigt, daß dem nicht so ist.

"Das hat nicht meine Frage beantwortet. Ich habe gefragt, vor was du Angst hast."

Auch das Beispiel der 30ger Jahre sollte nur zeigen, das eine direkte Demokratie allein keine antidemokratischen Tendenzen aufhalten kann. Es wäre zu beweisen, das heutzutage soetwas nicht mehr passieren kann.

Um mich persönlich geht es dabei gar nicht. Auch deine wohl eher scherzhaft gemeinte Frage ob ich im Falle einer direkten Demokratie Angst vor Abschiebung habe ist daher, sofern sie einen ernstgemeinten Hintergrund hatte, irrelevant.


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16.08.2010 um 17:50
@tingplatz

Aber deine Gegenfragen sagen mehr aus, als es lange Antworten könnten, vielen Dank ;)


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16.08.2010 um 17:51
Solange sich die Minderheit von der Mehrheit bestimmen lässt, sehr weit!


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tingplatz
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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 18:02
@Somayyeh

Du darfst nicht denken, dass ich nicht merke, dass du nur um den heißen Brei redest. Du kommst mit Fakten, die vor einem halben Jahrhundert noch geradeso in den Medien auftauchten.
So kann man nicht vergleichen. Wenn du die DD ablehnst, weil vor 60 oder 70 Jahren etwas weltbewegendes passiert ist, finde ich das mehr wie naiv.

Und dein Diktaturenthema kannst du eben auf jedes Land beziehen. Wenn das Volk in einer DD das zulässt liegt das nicht an der DD, sondern am Volk. Wenn also die Deutschen abgestimmt hätten damals, ob F.J.Strauß Milliarden in die marode DDR pumpen darf, hätte er ein klares Nein bekommen.

Tja und weiterhin druckst du dich vor der Antwort, was dir persönlich Angst macht vor einer DD.
Für mich ist es sehr relevant, weil alles was bisher gekommen ist, absolut nichts ist, was gegen eine DD spricht.


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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 18:25
@tingplatz

"Wenn das Volk in einer DD das zulässt liegt das nicht an der DD, sondern am Volk"

Danke, darauf wollte ich hinaus. Damit ein Regierungssystem funktioniert muss sich also zuerst das Bewusstsein ändern. Das ist aber schwierig, denn schon Karl Marx stellte fest, daß gesellschaftliche Sein bestimme das Denken und nicht umgekehrt.

"Wenn also die Deutschen abgestimmt hätten damals, ob F.J.Strauß Milliarden in die marode DDR pumpen darf, hätte er ein klares Nein bekommen."

Entscheidend ist die Motivation, wenn man einem diktatorischen Regime Panzer verkauft, also einen Gewinn macht ist es ok, wenn der Gesellschaft daraus ein Volkswirtschaftlicher Schaden entsteht, ist das schlecht?

Und wer sagt, das in einer direkten Demokratie Strauß das volk nicht doch von den meinetwegen auch vermeintlichen, Vorzügen eines Kredites überzeugt hätte?

"Für mich ist es sehr relevant, weil alles was bisher gekommen ist, absolut nichts ist, was gegen eine DD spricht."

Im Gegenteil, dein einziges Gegenargument war bisher , daß diese Fälle schon länger zurückliegen. Dabei finde ioch 20 Jahre nichteinmal besonders lang, ich gehe mal davon aus, das wir beide 1990 bereits geboren wurden.

Das ändert übrigens nichts an den prinzipiellen Schwächen der direkten Demokratie, es sei denn du kannst belegen, daß sich die Menscheit seitdem weiterentwickelt hat.

Das entscheidene Prinzip meiner Argumentation hast du jedenfalls nicht erkannt: Die direkte Demokratie hat in der Schweiz Zustände konsveriert, die es in repräsentativen Demokratien seit Jahrzehnten schon nicht mehr gab.

Und da bin ich einfach gegen, da ich für gesellschaftlichen Fortschritt bin. ;)

"Tja und weiterhin druckst du dich vor der Antwort, was dir persönlich Angst macht vor einer DD."

Warum versuchst du die Diskussion auf eine persönliche Ebene zu ziehen? Jedes der von mir erbrachten Gegenargumente kann auch auf das Individuum bezogen werden.

Wenn die öffentliche Meinung beispielsweise wie im Fall Daschner plötzlich die Einführung der Folter befürwortet und per Referendum einführt, dann könnte diese durch einen Justizirrtum jeden Treffen. Auch mich, auch dich.

Die Frage nach persönlichen Motiven ist also damit beantwortet. Ansonsten habe ich keine persönlichen Vorbehalte.

Jedes System hat seine Schwächen, auch die direkte Demokratie. Diese festzuhalten, darum geht es mir.

Wenn es nur vorbehalte gäbe, die ausschliesslich mich beträfen, wer bin ich schon, das ich mich dem Glück der anderen in den Weg stelle? Aber prinzipielle Schwächen, möchte ich doch ausdrücklich benennen ;)


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tingplatz
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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 19:04
Somayyeh schrieb:Danke, darauf wollte ich hinaus. Damit ein Regierungssystem funktioniert muss sich also zuerst das Bewusstsein ändern. Das ist aber schwierig, denn schon Karl Marx stellte fest, daß gesellschaftliche Sein bestimme das Denken und nicht umgekehrt.
Du kommst mit Karl Marx :D :D :D hehehehehe hey hier gehts um Demokratie *kopfschüttel*

Pass auf ich geb dir mal ne Vorlage: Die ganze Welt hat früher Sadam unterstützt, den Menschen gings damals besser, als heute. Dann quasi über Nacht wurde er nach Kuweit zum Diktator. Also vorher wurde er nicht als Diktator wahrgenommen, er führte auch einen Abnutzungskrieg gegen den Iran. Plötzlich sollte man alle Wirtschaftsverbindungen kappen, egal ob das dann Arbeitslose produzierte. Ein Volk in einer DD, darf dann in solchen Fällen selbst abstimmen was richtig und falsch ist und nicht ein dritter Aussenstehender.
Somayyeh schrieb:Entscheidend ist die Motivation, wenn man einem diktatorischen Regime Panzer verkauft, also einen Gewinn macht ist es ok, wenn der Gesellschaft daraus ein Volkswirtschaftlicher Schaden entsteht, ist das schlecht?
Panzer? Ich rede von einem "Steuergeld Kredit". Der Schaden ist nicht nur, dass es sinnlos verpulvertes Geld war, sondern auch eine Diktatur am Leben gehalten wurde. Beides ist sehr schlecht. An die DDR wurden keine Panzer geliefert von Strauß. *augenroll*
Somayyeh schrieb:Und wer sagt, das in einer direkten Demokratie Strauß das volk nicht doch von den meinetwegen auch vermeintlichen, Vorzügen eines Kredites überzeugt hätte?
Machst du Witze? Tagtäglich wurde über die Zone damals abgelästert und dann hat das Volk plötzlich über Nacht Verständnis für so ein Steuergeldgeschenk. Bei deinen Fragen und Vergleichen fehlen nachwievor realitätsbezogene Fakten. Das was du machst ist aus den Fingern herausgelutscht, völlig realitätsfern.
Somayyeh schrieb:Im Gegenteil, dein einziges Gegenargument war bisher , daß diese Fälle schon länger zurückliegen. Dabei finde ioch 20 Jahre nichteinmal besonders lang, ich gehe mal davon aus, das wir beide 1990 bereits geboren wurden.
Ha :D du lieferst doch die Vorlage. Dann nehm doch was zeitbezogenes und du bekommst eine zeitbezogene Antwort.
Somayyeh schrieb:Das ändert übrigens nichts an den prinzipiellen Schwächen der direkten Demokratie, es sei denn du kannst belegen, daß sich die Menscheit seitdem weiterentwickelt hat.
Dann nenn doch mal diese prinzipiellen Schwächen. Ich hab noch nichts hiervon gelesen.
Somayyeh schrieb:Die direkte Demokratie hat in der Schweiz Zustände konsveriert, die es in repräsentativen Demokratien seit Jahrzehnten schon nicht mehr gab.
Laut wiki gibts dort nur eine "halbdirekte Demokratie". Da fehlt also noch einiges, was man besser machen könnte.
Somayyeh schrieb:Und da bin ich einfach gegen, da ich für gesellschaftlichen Fortschritt bin.
Ach und das was wir haben ist "Fortschritt"??? DD ist Fortschritt, weil das Volk sich dann selbst vor Schaden bewahrt. Wir hier hätten sehr viel mehr Netto in der Tasche, wenn wir nicht jedes marode EU Schlaraffenland mit unser Steuergeld am Leben erhalten. Dafür wird bei uns schon die Rente mit 70 diskutiert und die wurde noch vor dem ersten Weltkrieg eingeführt. Und das ist dann dein Fortschritt? Pah - darauf weiß das Volk mehrheitlich eine Antwort.
Somayyeh schrieb:Warum versuchst du die Diskussion auf eine persönliche Ebene zu ziehen? Jedes der von mir erbrachten Gegenargumente kann auch auf das Individuum bezogen werden.
Du hast doch eben dich dazu geäußert: du glaubst die Gesellschaft würde dann keinen Fortschritt mehr erleben. Es ist aber genau umgekehrt: seit Gründung der BRD hat sich am System nichts geändert - wo ist denn da dein "Fortschritt"?
Also was motiviert dich noch die DD abzulehnen?
Somayyeh schrieb:Wenn die öffentliche Meinung beispielsweise wie im Fall Daschner plötzlich die Einführung der Folter befürwortet und per Referendum einführt, dann könnte diese durch einen Justizirrtum jeden Treffen. Auch mich, auch dich.
Hey das völlig abstruser Quatsch - auch in einer DD werden zu allererst die Menschrechte geachtet. Folter gibts da nicht und erst recht keine Abstimmung der bizarren Art. Wenn ein Staat die MR Konvention unterschrieben hat, kann das keine DD aushebeln, so einen VE würde es deshalb nie geben. Das Volk weiß dann auch, welchen außenpolitischen Schaden ein Land nehmen kann, wenn es gegen die MR verstößt. Kannst also dein albernes Beispiel wieder einpacken.
Somayyeh schrieb:Jedes System hat seine Schwächen, auch die direkte Demokratie. Diese festzuhalten, darum geht es mir.
Eine totale DD gibts noch nicht. Aber sie lässt sich entwickeln und vorallem wird sie nicht die MR mit den Füssen treten. Wenn du durch die DD mehr Netto hast und siehst, dass du dich besser einbringen kannst, wirst ganz schnell merken, wie altmodisch unser heutiges System ist.
Somayyeh schrieb:Aber prinzipielle Schwächen, möchte ich doch ausdrücklich benennen

Ja dann machs doch. Sag was prinzipielle Schwächen hat, damit man schon ein Gegenrezept parat hat.


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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 21:40
@tingplatz

"Panzer? Ich rede von einem "Steuergeld Kredit". Der Schaden ist nicht nur, dass es sinnlos verpulvertes Geld war, sondern auch eine Diktatur am Leben gehalten wurde. Beides ist sehr schlecht. An die DDR wurden keine Panzer geliefert von Strauß. *augenroll*
"

Wo schrieb ich, das Strauß Waffen an die DDR verkauft hat? Das war eine allgemeine Aussage um dir zu sagen, wie die Welt funktioniert. Das Beispiel dazu, hast du mit Saddam schon selbst geliefert.

Auch die Schweiz verkauft Waffen an Diktaturen an Entwicklungsländer, zb. modifierte Trainingsflugzeuge, die mit Waffenbehältern ausgestattet wurden. Wenn Geld fliesst und das Volk nicht so genau hinsieht, dann ist sowas auch in einer direkten Demokratie möglich.

"Hey das völlig abstruser Quatsch - auch in einer DD werden zu allererst die Menschrechte geachtet. Folter gibts da nicht und erst recht keine Abstimmung der bizarren Art. Wenn ein Staat die MR Konvention unterschrieben hat, kann das keine DD aushebeln, so einen VE würde es deshalb nie geben."

Das ist genau die Frage, die ich in meinem Eingangspost gestellt habe, kann eine direkte Demokratie wirklich alles beschließen oder gibt es Grenzen der Bestimmungsrechte? Wenn Menschenrechte in einer direkten Demokratie nicht zur Disposition gestellt werden, habe ich auch kein Problem mit ihr.

"Ach und das was wir haben ist "Fortschritt"??? DD ist Fortschritt, weil das Volk sich dann selbst vor Schaden bewahrt."

Das Beispiel aus der Schweiz zeigt ja eben, das dies nicht stimmt. Dort wurden Zustände konserviert, die in anderen Staaten längst abgeschafft wurden. Eben zum Beispiel die politische Entrechtung der Frauen.
Willst du das etwa abstreiten?

Das sollte eigentlich kaum misszuverstehen sein: Die direkte Demokratie hat in einigen Punkten zu gesellschaftlichen Stillstand geführt, wenn sie von einem konservativen Wahlvolk ausgeführt wurde.

Neue und auch gute Ideen, werden in aller Regel ersteinmal von einer Avantgarde vertreten , bevor sie sich im Bewusstsein des Volkes niederschlagen. Daher dauern in einer direkten Demokratie Gesellschaftliche Änderungen auch länger.

"Das was du machst ist aus den Fingern herausgelutscht, völlig realitätsfern."

Nein, das waren alles ganz konkrete und nachprüfbare Beispiele, auf die du nur zu erwidern wusstest, das man das heute ganz sicher besser machen würde.
Diese Vorstellungen von "Vox Populi, Vox Dei" sind ein bisschen romantisch und naiv.

Wie gesagt, beantworte die in meinem Eingangspost gestellten Fragen möglichst sachlich, dann habe ich auch kein Problem^^

Darf die Mehrheit der Minderheit ihren Willen in allen Lebensbereichen aufzwingen?
Stehen Menschenrechte selbst zur Disposition und können durch ein Referendum abgeschafft werden?
Wie verhindert man die Einflussnahme durch Medien und Meinungsführer?
Wie begrenzt man Populismus?
In wie weit ist es sinnvoll, daß die Bevölkerung über Themen abstimmt, für die Expertenwissen notwendig ist?

Das sind ja eigentlich nur Fragen, keine Thesen die gegen die direkte Demokratie sprechen. Wenn sich diese Fragen plausibel im Sinne der Befürworter beantworten lassen, dann habe ich mit dieser Staatsform kein Problem.


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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 22:40
@Somayyeeh,

"Das sollte eigentlich kaum misszuverstehen sein: Die direkte Demokratie hat in einigen Punkten zu gesellschaftlichen Stillstand geführt, wenn sie von einem konservativen Wahlvolk ausgeführt wurde."

Ausser beim Frauenstimmrecht sehe ich das anders. In welchem Land wären folgende Errungenschaften von einer Mehrheit der Bevölkerung wohl angenommen worden?

Gleichstellung der Bürger im Bezug auf Niederlassung und Gesezgebung 1866

Beitritt zum Völkerbund 1920

Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung 1925

Anerkennung des Rätoromanischen als Nationalsprache 1938

Volksinitiative 'für die Rückkehr zur direkten Demokratie' 1949
(Abschaffung des Kriegsparlamentarismus)

Gewässerschutz in der Verfassung 1953

Qualitätssicherung in der Berufsbildung 1964

Stimmrecht Auslandschweizer 1966

Allgemeiner Umweltschutz in der Verfassung 1971

Freihandelsabkommen mit der EWG 1972

Verfassungsrecht auf Förderung der Forschung 1973

Gründung des Kantons Jura 1978

"Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" in der Verfassung 1981
(erstes Land in Europa)

Besteuerung des Schwerverkehrs 1984

Schutz von Hochmooren (ehemaliges Weideland) in der Verfassung 1987

Gesetz zur Regelung der Genetischen Forschung am Menschen 1992

Ausgabenbremse für das Parlament 1995
(Wäre momentan schön, wenn das Berufspolitiker und Sachverständige in anderen Staaten auch gemacht hätten!!!!!!!!!!!!!!!!!!)

Staatlich gelenkte Heroinabgabe 1999

Beitritt zur UNO 2002
(Als einziges Land mittels Volksabstimmung. Zuvor lange Neutralitätspolitikbedenken)

Dazu kommen regelmässige Verfassungsänderungen und Steuergesetzänderungen, welche grossmehrheitlich ebenfalls angenommen wurden.

Meines Erachtens fordert eine halbdirekte Demokratie die Politiker durchdachtere und konsensfähigere Vorschläge zu präsentieren, welche nicht nach 4 oder 8 Jahren wieder von einer Nachfolgeregierung über den Haufen geworfen werden.
Was wichtig ist, ist eine Kultur des Politisierens im Volk. Leute und Medien müssen sich untereinander über die Vorlagen unterhalten und einander Vor- und Nachteile aufzeigen. Ich bin überzeugt, dass dein oft zitierter "Bild-Leser" bei Bauvorlagen oder beim Schwerverkehr bedeutend fundiertere Kenntnisse hätte als so mancher (selbsternannter) Akademiker.

Eine Meinung hat jeder!!!!!!!!!!!
Jede Meinung zählt gleich viel!!!!!!!!
Jeder darf seine Meinung kundtun!!!!!!!
Wer darf sich anmassen Meinungen zu qualifizieren????????

@alle
Bei Diskussionen über die halbdirekte Demokratie habe ich vielfach das Gefühl, dass Andersdenkende mit niedrigerem Schulabschluss pauschal als unfähig zur Meinungsbildung taxiert werden. Ich halte dies für neuzeitlichen Standesdünkel. Etwas was wir eigentlich seit den gesellschaftlichen Unruhen in den '68 und '80 Jahren hinter uns gelassen gehabt glauben. Das Erfolgsrezept ist ja gerade, dass jeder seine Erfahrungen und sein Wissen einbringen kann und dies bei der Abstimmung über das Gesetz der grossen Zahlen ausgeglichen wird.

Wer glaubt er sei besser als die anderen hat die Demokratie nicht verstanden!


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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 22:49
Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

Oder anders gefragt, wie weit darf direkte Demokratie gehen? Die direkte Demokratie beteiligt das Volk an allen Prozessen der politischen Willensbildung und gilt auch als Garant dafür , das auch wirklich der Wille des Volkes seinen Ausdruck findet.

Doch stellen sich mir einige Fragen, die ich gerne zur Diskussion stellen würde.

Darf die Mehrheit der Minderheit ihren Willen in allen Lebensbereichen aufzwingen? Stehen Menschenrechte selbst zur Disposition und können durch ein Referendum abgeschafft werden? Wie verhindert man die Einflussnahme durch Medien und Meinungsführer? Wie begrenzt man Populismus? In wie weit ist es sinnvoll, daß die Bevölkerung über Themen abstimmt, für die Expertenwissen notwendig ist?
Eine allumfassende, endgültige Antwort auf deine Fragen scheint unmöglich @Somayyeh will man sich demokratisch beweisen. Will man das nicht, landet man unweigerlich in einer diktatorischen Grundhaltung. Aber schön, dass wir drüber sprechen konnten = Demokratie ;)


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16.08.2010 um 23:07
@pprubens

Siehst du? Wo ich bin, blüht die Demokratie auf, wenn man es nur zulässt ;)

@Studi

Die Liste ist einfach nur eine Aufzählung der Volksabstimmungen und enthalten Beispiele ohne grundsätzliche Relevanz. Wenn du mich fragst, ob es Sinn macht in China Rätoromanisch als Nationalsprache anzuerkennen oder das Kanton Jura zu gründen, muss ich dir leider sagen, nein, macht es nicht.

Übrigens gab es auch in Deutschland Volksabstimmungen bei der Gründung von Bundesländern. Soweit ich weiss,ist auch das Saarland nach einer Volksabstimmung beigetreten. Ob der Beitritt zur UNO im Jahr 2002 wirklich ein Meilenstein ist, wage ich zu bezweifeln, gab es diese schon ein paar Jahrzehnte vorher ;)

"Ich bin überzeugt, dass dein oft zitierter "Bild-Leser" bei Bauvorlagen oder beim Schwerverkehr bedeutend fundiertere Kenntnisse hätte als so mancher (selbsternannter) Akademiker."

Es geht um Expertenwissen und nicht um den Bildungsabschluss. Das ich als Geisteswissenschaftlerin weniger Ahnung vom Tunnelbau habe als ein Bauarbeiter, ist auch mir klar. Deswegen stellt sich ja auch die Frage wie sinnvoll es ist, daß ich über solche Probleme entscheide.

Wie gesagt, ich habe nur Fragen gestellt, daher musst du auch nichts auf Antworten erwidern, die ich nie gegeben habe. Aber auf die Fragen antworten wäre nett. Das hast du getan:

"Eine Meinung hat jeder!!!!!!!!!!!
Jede Meinung zählt gleich viel!!!!!!!!
Jeder darf seine Meinung kundtun!!!!!!!"

Die ganzen Satzzeichen wären jedoch unnötig gewesen.

"Wer darf sich anmassen Meinungen zu qualifizieren????????"

Das ist die Frage. Kennst du den Film "Sunshine"? Manchmal ist die Antwort eben nicht so einfach.


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16.08.2010 um 23:08
Somayyeh schrieb:... blüht die Demokratie auf, wenn man es nur zulässt
Dann hast du noch viel zu tun @Somayyeh
:)


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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 23:12
In einer Demokratie siegt immer die Mehrheit da gibt es eigentlich auch nichts dran zu rütteln.
So ist es halt in einer Demokratie es wird gemacht was die mehrheit will in der Theorie in der Praxis sieht das oft anders aus.
Ich glaube es täte Deutschland sehr gut mehr viel mehr Gesetze oder entscheidungen die das Volk betreffen durch Volksentscheide entscheiden zu lassen.


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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 23:20
Germanpeace schrieb:Ich glaube es täte Deutschland sehr gut mehr viel mehr Gesetze oder entscheidungen die das Volk betreffen durch Volksentscheide entscheiden zu lassen.
OK. Mal ein Test.

Seid ihr für mehr Steuern oder für mehr Autobahnen?

:)


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16.08.2010 um 23:34
@pprubens
ich schrieb ja nicht das jedes Gesetz durch das Volk entschieden werden soll :)


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Wie weit darf die Mehrheit über die Minderheit bestimmen?

16.08.2010 um 23:38
@Somayyeh

Die Aufzählung sollte nur als Illustration dienen, dass diese Staatsform keineswegs nur verzögernd wirkt, sondern durchaus richtungsweisende Entscheidungen zur rechten Zeit ermöglicht. Dabei geht es auch nicht darum ob das Rätoromansich in anderen Staaten offizielle Sprache werden soll. Es war ein Beispiel, wie das Zusammenleben im eigenen Staat geregelt wird und zwar eben durchaus auch mit Rücksicht auf Minderheiten! Zumal in einer Zeit in welcher europaweit Minderheiten nicht mit grossem Verständnis zu rechnen hatten.

Das angesprochene Expertenwissen soll dazu dienen andere zu Überzeugen. In den meisten Fällen finden sich sowohl im Pro- wie auch im Kontra-Lager ausgewiesene Experten auf dem Gebiet. Deshalb finde ich es ehrlicher wenn zur definitiven Entscheidung das Wahlvolk überzeugt werden muss. Ansonsten ist für mich die Gefahr der Verklüngelung von führenden Politikern und ihnen genehmen Experten zu gross.


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