Trainingsmythen im Ausdauersport – eine narrative Abhandlung

– von Nemon, im Dezember 2025 / Januar 2026 –


Inhaltsverzeichnis


01 Vorbemerkung und Einleitung
02 Laktat und Übersäuerung
03 Energiesysteme und Schwellen
04 LIT/MICT/HIT und „aerobe Basis"
05 Fettstoffwechsel und Crossover Point
06 Surrogatmarker und Zielleistung
07 High Intensity, Low Volume als Gegenmodell
08 Falsche Erwartungen und Missverständnisse
09 Exkurs Anthropologie und Evolution


04 Trainingsmythen im Ausdauersport: LIT/MICT/HIT und das Konzept der „aeroben Basis“


In vielen Lehrbüchern wird suggeriert, der Körper verfüge über getrennte Energiesysteme – ein alaktazides, ein „anaerob laktazides“ und ein aerobes –, die je nach Intensität nacheinander anspringen und so eine Art Mehrganggetriebe bilden. Der aktuelle Stand der Kenntnisse ist dagegen, dass es funktionell ein einziges, durchgängig oxidativ getriebenes Energiesystem gibt, das zu jedem Zeitpunkt auf Sauerstoff angewiesen ist; Glykolyse, Phosphocreatin-Puffer und Fettsäureoxidation sind darin keine getrennten „Gänge“, sondern Untergruppen, deren relative Beiträge sich je nach Intensität und Dauer verschieben.

Ähnlich verhält es sich mit der Substratwahl: Der klassische Crossover Point – bei etwa 60–65 % VO₂max sollen Kohlenhydrate den Hauptteil der Energie übernehmen – beschreibt eine Momentaufnahme bei nicht Fett-adaptierten Probanden mit kohlenhydratreicher Ernährung; bei LCHF adaptieren Athleten verschiebt sich dieser Punkt weit nach rechts, mit hoher Fettoxidation bis 80–85 % VO₂max und darüber.

Laktat und ventilatorische Schwellen markieren in diesem Bild keine harten aerob zu anaerob Switches, sondern definierte Punkte auf glatten Kurven, an denen z. B. die Kohlenhydratnutzung zunimmt oder die Ventilation disproportional ansteigt. Ähnliches gilt für Konzepte wie die „Critical Power“: Auch hier beschreibt die Leistungs Zeit Kurve zwar konsistent eine Ermüdungsschwelle, doch wie auch Bart Kay herausarbeitet, handelt es sich um ein deskriptives Modell und nicht um eine einzelne, klar identifizierbare physiologische Grenze.


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