Nemon
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03 Trainingsmythen im Ausdauersport: Energiesysteme und Schwellen
01.01.2026 um 14:46 Trainingsmythen im Ausdauersport – eine narrative Abhandlung
– von Nemon, im Dezember 2025 / Januar 2026 –
Inhaltsverzeichnis
01 Vorbemerkung und Einleitung
02 Laktat und Übersäuerung
03 Energiesysteme und Schwellen
04 LIT/MICT/HIT und „aerobe Basis"
05 Fettstoffwechsel und Crossover Point
06 Surrogatmarker und Zielleistung
07 High Intensity, Low Volume als Gegenmodell
08 Falsche Erwartungen und Missverständnisse
09 Exkurs Anthropologie und Evolution
03 Energiesysteme und Schwellen (die es in dieser Form nicht gibt)
In den gängigen klassischen Trainingskonzepten wird der Energiestoffwechsel in drei angeblich getrennte „Systeme“ aufgeteilt: ein alaktazides ATP/PCr‑System für sehr kurze Belastungen, ein „anaerob‑laktazides“ System für höhere Intensitäten und ein „aerobes“ System für längere Arbeit. Dazu kommt meist die ebenso eingängige wie irreführende Erzählung, der Körper „verbrenne“ bei niedriger Intensität Fett und müsse bei höherer Intensität zwangsläufig auf Kohlenhydrate umschalten – der so genannte Crossover‑Point. Diese Modelle sind didaktisch bequem, aber physiologisch in zentralen Punkten falsch. Moderne Arbeiten – insbesondere von Forschungsgruppen um Jeff Volek, Timothy Noakes und Philip Prins sowie die rigorose Kritik von Bartholomew Kay – haben in den letzten Jahren gezeigt, dass diese Modelle eher Artefakte einer veralteten Sichtweise sind. Die Physiologie kennt keine Schalter, sondern nur integrierte, dynamische Prozesse (die bei angepassten Athleten Leistungen ermöglichen, die nach alten Lehrbüchern vielleicht sogar unmöglich wären).Energiesysteme: Das Märchen vom „anaeroben“ Stoffwechsel
Das klassische Modell suggeriert, die Energiesysteme (ATP PCr, Glykolyse, oxidativ) liefen nacheinander ab wie Gänge in einem Getriebe. In Wirklichkeit gibt es beim Menschen unter physiologischen Bedingungen keinen „anaeroben“ Stoffwechsel im Sinne eines eigenständigen, sauerstoffunabhängigen Energiesystems. Jede Sekunde Leben und Leistung hängt ultimativ vom Sauerstoff ab. Und natürlich geht man bei intensiver Aktivität eine sogenannte Sauerstoffschuld ein – aber nicht, weil der Körper „anaerob“ arbeitet, sondern weil die Sauerstoffaufnahme träge ist und der Bedarf schneller steigt als die VO₂-Kinetik folgen kann. Gleichzeitig nimmt die Atmung deutlich zu, statt abzunehmen.
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