Trainingsmythen im Ausdauersport – eine narrative Abhandlung

– von Nemon, im Dezember 2025 / Januar 2026 –


Inhaltsverzeichnis


01 Vorbemerkung und Einleitung
02 Laktat und Übersäuerung
03 Energiesysteme und Schwellen
04 LIT/MICT/HIT und „aerobe Basis"
05 Fettstoffwechsel und Crossover Point
06 Surrogatmarker und Zielleistung
07 High Intensity, Low Volume als Gegenmodell
08 Falsche Erwartungen und Missverständnisse
09 Exkurs Anthropologie und Evolution




01 Trainingsmythen im Ausdauersport – Einleitung



Im Ausdauertraining ist vieles scheinbar klar und ein für alle Male strukturiert: Man spricht von „Grundlagenausdauer“, „aerober Basis“, „Laktatstau“, „Fettverbrennungszone“ oder davon, die „VO₂max pushen“ zu müssen. Solche Begriffe tauchen in Ratgebern, Podcasts, Trainingsplänen und sogar in Lehrbüchern auf, als wären sie selbstverständlich und eindeutig definiert. Gleichzeitig hat sich die sportphysiologische Forschung in den letzten Jahrzehnten stark weiterentwickelt – und zeigt an vielen Stellen, dass gängige Konzepte und Erklärungen entweder veraltet, stark vereinfacht oder nur in einem engen Kontext gültig sind.

Die dabei verwendeten Modelle sind ursprünglich didaktische Konzepte: stark vereinfachte, schematisierte Erklärbilder mit Schwellen, Zonen und klaren Grenzen, die helfen sollten, komplexe Prozesse anschaulich zu machen. Mit der Zeit sind diese Vereinfachungen als feste Wahrheiten missverstanden und als Doktrinen in Stein gemeißelt worden. Begriffe wie „Grundlagenausdauer“, „Zone 2“ oder „Fettverbrennungszone“ werden in der Praxis oft so verwendet, als würden sie die die Natur der Dinge, also biochemische Sachverhalte abbilden. Tatsächlich stammen sie von Menschen, die versucht haben, glatte Kurven und kontinuierliche Prozesse mit vielen Einflussfaktoren in handliche Kisten zu packen. Selbst biochemisch geschulte Fachleute sprechen zudem ganz selbstverständlich von „Kalorienverbrennung“ oder „Fettverbrennung“, als würde im Körper ein Ofen laufen, statt ein hochdynamisches Stoffwechselnetzwerk. Beide falsch verwendeten Begriffe werden für viele Menschen zur Hauptmotivation, überhaupt Sport zu treiben – und führen dadurch zu fatalen Missverständnissen, weil Erwartungen an Gewichtsverlust, Gesundheit und Wohlbefinden nicht oder nur unbefriedigend erfüllt werden. Leistungsorientierte Sportler wiederum lassen sich von überkomplexen Trainingsplänen möglicherweise ins Übertraining und langfristig in eine Sackgasse manövrieren.


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