Lotte49 schrieb:Ich z.B. lebe vegan, hab 'nen Naturgarten, um Lebensraum für Vögel, Lebensräume und Insekten zu schaffen, käme im Leben nicht auf die Idee, auf einem Kreuzfahrtschiff den Lebensraum der Wale zu durchpflügen etc.pp.,
Das ist doch gut! Das war meine Kindheit. Ich bedaure, dass ich in meiner Großstadt nicht so leben kann, sondern stattdessen "vernünftig" mein halbes Leben vor einem Bildschirm und zwischen Autos, U- und S-Bahnen, Lärm, Industriefutter und schlechter Luft verbringe.
Ansonsten hast Du meinen Satz nicht richtig gelesen oder ich habe mich nicht deutlich genug ausgedrückt: Es ging mir um das Phänomen der Vermenschlichung, das Wildbienen nicht zuteil wird.
Dawn schrieb:Und ja, die Rettung war die richtige Entscheidung, man lässt ein Tier nicht dahinsiechen, wenn man helfen kann.
Lotte49 schrieb:Wenn man es "in Ruhe und Würde sterben" umtitelt, finden die Menschen das super. Wie es dem Wal damit gegangen wäre, scheint egal zu sein.
"Wie es dem Wal damit gegangen wäre, scheint egal zu sein." - Mir scheint es halt so, dass die Menschen, die unbedingt helfen wollten, sich auch die Frage gefallen lassen müssen, wie es dem Wal damit gegangen ist. Projizieren wir da nicht unsere Befindlichkeiten auf das Tier, anstatt uns zu fragen, wie es dem Tier dabei ergeht? Glauben wir, unsere Hoffnung ließe sich auf das Tier übertragen, es müsse sich freuen auf seine "Freiheit"?
Robert Marc Lehmann, der von Rettungen sicher was versteht, der hat erst heute wieder gesagt, er habe die Chancen des Wales auf 0,1% taxiert. Trotzdem habe man versuchen müssen, ihn zu retten. Ein Tag in "Freiheit" wiege das ganze Mühsal für den Wal auf, das Rettungsversuche bedeuten.
Das ist ein ziemlich metaphysisches Argument. Letztlich auch eine Vermenschlichung. Für Marc Robert Lehmann rechtfertigen also die paar Tage zwischen Nord- und Ostsee das Leid, die Angst, die Schmerzen, die Verletzungen (die sind von der Rettungscrew explizit zugestanden worden). Das kann man so sehen.
Aber daraus kann man ethisch keinen allgemeingültigen Imperativ machen. Wer weiß denn schon, was der Wal wollte. Wollte er nicht einfach seine Ruhe haben, auf der Sandbank? Wollte er keine Menschen mehr um sich haben? Wollte sich aufgeben? In Frieden sterben? Oder wollte er unbedingt in die "Freiheit" und ggf. dort sterben, so wie Lehmann überzeugt ist?
Wir wissen das nicht. Wir können es nicht wissen. Und wer es sich anmaßt, das zu wissen, spielt sich ein bisschen zu Gott auf. Oder zu einem Menschen, der meint, er wisse, was Tiere wollen.
Und deshalb gibt es keine zwei Pole, zwischen denen man sich entscheiden muss. Sondern man durfte mit guten Gründen einen Rettungsversuch durchführen (aber nicht so, wie er abgelaufen ist).
Und man durfte auch mit guten Gründen dafür plädieren, sich passiv zu verhalten und der Natur ihren Lauf zu lassen, nachdem bereits ein Versuch bei Niendorf geglückt war, der Wal aber wieder auf Grund lief.
Wenn sich "Deutschland" darauf einigen könnte, wäre viel erreicht. Aber die Bürger dieses Landes sind so in ihre Rechthaberei versteift, dass sie keine anderen Wahrheiten mehr dulden außer ihrer eigenen. Und das gefährdet unser Zusammenleben in dieser Gesellschaft.