@niederrheiner
niederrheiner schrieb:Er hat obigen Kommentar von Lalaburg in seinem neuesten "Artikel" kommentiert und meint schon wieder, ihm oder den Unterstützern sei es zu verdanken, dass Antonyas Eltern das Sorgerecht zurück hätten. Warum das angeblich so sein soll, hat er wieder mal nicht erklärt.
Eigentlich ganz faszinierend, wie mein Beitrag so als Steinbruch benutzt wird. Dazu schreibe ich ihm mal ein paar Gedanken ins Poesiealbum.
@luta
luta schrieb:Ich sehe den eigentlichen Grund für die gestiegene Anzahl der Inobhutnahmen in der gestiegenen Anzahl der Menschen, die in einem Beruf arbeiten, der mit dem Kindeswohl zu tun hat. Die wollen ja auch alle etwas zu tun haben und müssen ja auch von irgend etwas leben und Geld verdienen.
Das ist eine schon häufiger gelesene Behauptung. Die aber durch die angeführten Quellen nicht untermauert wird.
Bei
http://aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de/2013/08/7.html wird hinsichtlich der gestiegenen Zahlen der Inobhutnahmen unter anderem auf die stark gestiegene Anzahl von unbegleitet eingereisten minderjährigen Flüchtlingen verwiesen. Und auf eine Analyse der Datensätze in der Zeitschrift "KOMDAT" (Kommentierte Daten der Kinder- & Jugendhilfe), Heft 3/2012, S. 11-13 (
http://www.akjstat.uni-dortmund.de/fileadmin/Komdat/Kom_Dat_Heft_3_2012__2_.pdf (Archiv-Version vom 22.10.2021)).
Daraus ist unter anderen zu entnehmen, dass es zwar einen absoluten Trend zu mehr Inobhutnahmen etc. gibt, dieser regional aber nicht nur sehr unterschiedlich ausfällt, sondern es auch in manchen Bundesländern deutliche Abnahmen im Berichtszeitraum gibt. Der Anstieg wird dergestalt aufgeschlüsselt:
Mit Blick auf die Gründe2 für Fremdunterbringungen zeigt sich zwischen 2008 und 2011 eine Zunahme der Hilfen, die hauptsächlich aufgrund einer unzureichenden Förde- rung, Betreuung oder Versorgung gewährt werden. Während der Anteil dieser Hilfen im besagten Zeitraum von 44% auf 47% (+ 3.300 Fälle) gestiegen ist, hat die Bedeutung von familiären und individuellen Problemen als Hilfe- gewährungsgründe gleichzeitig abgenommen. Die Hilfen aufgrund von familiären Problemen sind im Vergleich dazu „nur“ um ca. 600 gestiegen, solche aufgrund von indivi- duellen Problemen sogar um rund 200 zurückgegangen.
Und weiter:
Es gibt Hinweise, dass es sich hier bei einem nicht zu unterschätzenden Teil um unbegleitete Flüchtlinge handeln könnte. Der starke Anstieg der Inobhutnahmen aufgrund einer unbegleiteten Einreise seit Mitte der 2000er-Jahre, auch diese Gruppe ist überwiegend männlich, und und der häufige anschließende Verbleib in einer stationären Einrichtung stützen diese Annahme (vgl. KomDat 3/11).
Auch dort wird wieder auf die stark angestiegene Anzahl von unbegleitet einreisenden Minderjährigen verwiesen. Es scheint also ein massives Problem (mehrere tausend Fälle) zu sein. Diesen Personenkreis müsste man meiner Ansicht nach erst einmal aus den Statistiken herausfiltern, um überhaupt ein stimmiges Bild des Anstieges zu erhalten.
Hinsichtlich
https://www.uni-due.de/isa/fg_sozial_gesund/sozialwesen/sozialwesen_am_frm.htm:
Neben dem Umstand, dass wohl nicht jeder, der einen sozialwissenschaftlichen Beruf ergreift, im Bereich Kindererziehung und -betreung tätig wird, wird detailliiert auf den Umstand hingewiesen, dass überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze im sozialen Bereich keine unbefristeten Vollzeitstellen (mehr) sind. Und der Trend immer stärker hin zu befristeten Arbeitsverhältnissen geht. Nimmt man die Datensätze des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zu Hilfe (Berufsordnung 861 Sozialarbeiter/innen, Sozialpfleger/innen, auch: Fürsorger, Erziehungsberater, Familienpfleger, Dorfhelfer,
Jugend-, Altenpfleger, Zeitraum 1999 bis 2011), dann wird dieser Trend bestätigt:
http://bisds.infosys.iab.de/bisds/result;jsessionid=2C107C1D2D36BBE0D3FAE6F294754B3A?region=19&beruf=BO861&qualifikation=2Absolut gesehen gibt es zwar mehr Beschäftigte im sozialwissenschaftlichen Berufen (und zwar in allen Feldern), aber eben auch deutlich mehr Teilzeitbeschäftigte. Nun müsste man auch hier konkret aufdröseln, wer wo arbeitet, um zu einem stimmigen Bild zu kommen.
Eine Schwemme von neu geschaffenen, gut dotierten Arbeitsverhältnissen im Bereich der Kinder- und Jugendpflege, welche bedient werden möchten und zur vermehrten Inobhutnahmen etc. führen, vermag sich mir aus den angeführten Quellen jedenfalls nicht zu erschließen.