Freimaurer
05.08.2009 um 00:15
Freimaurerei und Islam
Immer noch ruft in christlichen Kreisen der Hinweis auf Freimaurerlogen in islamischen Ländern Überraschung und ungläubiges Staunen hervor. Dabei enthält das Internationale Freimaurerlexikon aus dem Jahr 2000 viele detaillierte Angaben über das Verhältnis der Frei-maurer zum Islam, berichtet über verschiedene Logen und ihre historische Entwicklung in is-lamischen Staaten sowie über islamische Einzelpersönlichkeiten, die Logenmitglieder waren.
Schon 1932 hatten Eugen Lennhoff und Oskar Posner ein Internationales Freimaurerlexikon veröffentlicht, das über die historische und soziale Dimension der Freimaurerei Auskunft ge-ben sollte. Es galt als „Jahrhundertwerk eines enzyklopädischen Lexikons“ und wurde nach dem Tod der beiden Herausgeber immer wieder, insgesamt zehnmal, nachgedruckt. Oskar Posner war 1910 in Breslau in die Loge „Settegast zur deutschen Treue“ aufgenommen wor-den und hatte sich nach 1918 beim Aufbau der Freimaurerei in der neuen Tschechoslowakei engagiert. Der Reisejournalist und Kriegsberichterstatter Eugen Lennhoff war seit 1920 Mit-glied der Loge „Zukunft“ in Wien und zählt zu den Begründern der Hochgradfreimaurerei in Österreich. Der in Graz lehrende Historiker Dieter A. Binder schrieb als Herausgeber und Au-tor dieses Lexikon bis zum Jahre 2000 fort.
Durch islamische Bruderschaften und Derwisch-Bünde lässt sich manche Wesensverwandt-schaft islamischer geheimer Gruppen mit der Praxis der Freimaurer erschließen, sodass es zu-nächst nicht verwundert, wie früh bereits die ersten Logen der Freimaurer in islamischen Ländern entstanden. Andererseits aber tagte vom 8. bis 10. April 1974 die Islamische Welt-Liga in Mekka und erklärte in einem Abschlussdokument die Freimaurerei als unvereinbar mit dem Islam. Mit Bedauern nahmen damals die muslimischen Vertreter zur Kenntnis, dass die katholische Kirche nicht mehr an ihrer traditionellen Ablehnung der Freimaurerei festhal-te. Dies gilt aber nur zum Teil: Zwar wurden 1983 im Gegensatz zum alten Codex Juris Ca-nonici im neuen Gesetzbuch der Katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanum die Freimaurer nicht mehr explizit als aus der Kirche Ausgeschlossene genannt, doch betonte der damalige Kardinal Josef Ratzinger noch vor der Promulgierung des neuen Codex, dass es weiterhin unvereinbar sei, Katholik und Freimaurer zu sein.
Die Islamische Welt-Liga forderte 1974 alle Muslime, die einer Loge angehören, zum Austritt auf und schloss jeden dort verbleibenden Muslim von allen islamischen Ämtern aus. Nur ei-nige mehrheitlich islamische Länder wie Jordanien, der Libanon und die Türkei wehrten sich gegen diese Bestimmungen; in den anderen islamischen Ländern waren rund 20.000 Freimau-rer von diesen diskriminierenden Beschlüssen betroffen. In einzelnen Ländern wurden die Logen sogar verboten, in einigen islamischen wie Iran steht auf sie Todesstrafe.
Freimaurer in der Türkei
Die älteste Freimaurertradition in der islamischen Welt hat die Türkei. Im Bereich der Osma-nischen Türkei, die sich bis 1912 auf drei Erdteile (Europa, Asien, Afrika) erstreckte, ist es früh zur Gründung von Freimaurer-Logen gekommen. Sie waren oft von Nicht-Muslimen, auch von Ausländern getragen, was nach 1918 im Vorderen Orient noch durch die Mandats-mächte England und Frankreich verstärkt wurde. Doch fanden früh auch einheimische Mus-lime Zugang. Schon am 24. Mai 1738 war in der Londoner Zeitung „St. James Evening Post“ zu lesen: „Wir hören aus Konstantinopel, dass die Logen von Smyrna und Aleppo stark an-wachsen, und dass einige Türken von Distinktion Aufnahme gefunden haben.“ Aleppo ist heute neben Damaskus die wichtigste Stadt Syriens und zeigt mit ihrer Geschichte, dass nicht nur im türkischen Sprach- und Kulturraum, sondern auch im arabischen Raum Freimaurer seit dem 18. Jahrhundert tätig waren. Um das Jahr 1800 entstand eine Loge im heutigen Iskende-run, dem alten Alexandrette. Zur gleichen Zeit gab es im damaligen Register der Großloge von Schottland einen Großmeister für „all Armenia in the East Indies“.
Nicht nur in Konstantinopel und Smyrna, auch in der europäischen Türkei entstanden in Ma-zedonien, im damals noch türkischen Belgrad und in Thrakien Logen unter verschiedenen Obödienzen. Die Zahl der Türken war relativ klein, meist gehörten Fremde sowie einheimi-sche Christen und Juden den Logen an. Neben den Großlogen von England und Schottland war die Grande Loge Nationale von Genf tätig, aber auch der Grand Orient von Paris. Im Jah-re 1784 errichtete der Großorient von Polen die Loge „Morgenröte von Konstantinopel“. In Belgrad gehörten der Loge am Ende des 18. Jahrhunderts nicht nur der türkische Pascha, son-dern auch der orthodoxe griechische Bischof an. Während des Krimkrieges, als England und Frankreich mit der Türkei gegen Russland verbündet waren, kam es zu weiteren Gründungen wie der „Oriental Lodge No. 687“, die es noch heute in Istanbul gibt. Die Loge „L’Etoile du Bosphore“ wurde 1858 vom Grand Orient de France begründet.
Die Gründungen von Logen nahmen in der Folgezeit zu, so dass es für die Türkei bald das in-nere Problem „irregulärer Gründungen“ und Nichtanerkennungen gab, aber auch verstärktes Interesse von Muslimen an der Freimaurerei. Sogar der osmanische Kronprinz und spätere Sultan Murad V. wurde Mitglied. Da der Sultan auch Kalif war, also „Beherrscher der Gläu-bigen“ und Stellvertreter Mohammeds, trug bei der Absetzung Murads durch seinen Stiefbru-der Abdulhamid diese Zugehörigkeit zur Loge entscheidend dazu bei, dass die muslimischen Theologen gegen Murad standen. Abdulhamid unterband dann als Sultan die Tätigkeiten der Freimaurer, die er als politischen Faktor Englands sah; es gab Verfolgungen und Verbannun-gen, aber dadurch auch verstärkte Sympathien der Jungtürken für die Logen. In bis 1912 os-manischen Saloniki wurden zahlreiche türkische Offiziere in die Logen „Macedonia risorta“, „Veritas“, „Labor et lux“, „Perseverancia“ u. a. aufgenommen, darunter der spätere Großwe-zir Talat Pascha und der Vater der modernen Türkei Atatürk. Eine wichtige Rolle spielte die Freimaurerei bei der Gründung des Türkischen Roten Halbmondes, dessen erster Präsident auch Großmeister der Freimaurer war. Zwischen beiden Weltkriegen gab es neben türkischen, griechischen, armenischen, englischen, italienischen und französischen Logen in Istanbul auch eine Loge „Stambul“ des Großorients, die in deutscher Sprache arbeitete.
Für das Jahr 2000 spricht das Internationale Freimaurerlexikon von 98 Logen in der Türkei, Dachorganisation war die United Grand Lodge of Turkey, die in Anlehnung an die United Grand Lodge of England steht. Die Zahl der Logen ist aber viel größer, da sich 1966 eine Gruppe liberaler Logen abspaltete und eine eigene Großloge Liberaler Freimaurer gründete. Die alte Großloge ist in Istanbul, Ankara, Izmir, Adana, Antalya, Bursa und Bodrum mit ver-schiedene Logen vertreten, darunter auch die deutschsprachige „Libertas“ in Istanbul, ver-schiedenen englischsprachige in Ankara („Dikmen“), Istanbul („Freedom“), Izmir und Ephe-sus, sowie auch französischsprachigen in Istanbul („Atlas“ und „Humanitas“) und Iz-mir(„Promethėe“). Die liberale Großloge hat 43 Logen, darunter auch englische und französi-sche, daneben gibt es eine Frauen-Großloge mit Logen in Istanbul, Ankara, Izmir, Adana, An-talya und Bursa.
In anderen arabischen Staaten
In den Nachfolgestaaten des Osmanischen Reiches brachte die englische und französische Mandatsherrschaft nach dem Ersten Weltkrieg verschiedene Logengründungen, wobei man auch an die Traditionen unter Osmanischer Herrschaft anknüpfen konnte.
Ob wir auf die Nachbarländer der Türkei wie Syrien, den Irak (oder auf den Iran) blicken, ob auf nordafrikanische Staaten wie Ägypten oder Algerien - es gibt kaum einen islamischen Staat, der nicht eine Geschichte von Freimaurerlogen hätte, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts oft ein Ende fand. Als es 1929 zum Araberaufstand in Palästina kam, appellierte die Nationale Großloge von Ägypten an alle ihr in diesem Gebiet unterstehenden Logen, die Araber und Juden, Muslime und Christen umfassten, zur Besonnenheit. Der Großsekretär der Loge, A. Younis, erinnerte daran, dass alle Menschen ohne Unterschied von Glaube und Ras-se Brüder seien. Er erinnerte an die Pflicht eines jeden palästinensischen Freimaurers, alle Mitbürger aufzuklären, deren Mentalität noch nicht von dieser Einsicht geprägt sei.
Im benachbarten Syrien haben wir schon Logen in Aleppo und Iskenderun kennen gelernt (Iskenderun kam erst 1938 zur heutigen Republik Türkei). In enger Verbindung mit Palästina und Ägypten arbeiteten seit den 20er Jahren in Syrien 24 Logen, darunter auch solche mit Hochgraden. Sie unterstanden teils den beiden ägyptischen nationalen Großlogen, teils der Großloge von Frankreich, teils dem Grand Orient von Frankreich. Nach der Unabhängigkeit errichtete die syrische Freimaurerei 1953 eine Nationale Großloge und einen Grand Orient Syriens, die aber beide der weiteren politischen Entwicklung zum Opfer fielen.
Im Libanon wurde schon 1861 während der Intervention der Großmächte gegen den Drusen-aufstand von der Großloge von Schottland die erste Loge installiert, denen weitere des Grand Orient de France, der Grand Lodge of New York, der Grande Loge de France und der ägypti-schen Maurerei folgten. Die meisten von ihnen schlossen während des Bürgerkriegs seit den 70er Jahren. Heute gehören fünf Logen im Libanon und eine im Jordanien unter der Obedienz der Großen Loge von Schottland, im Libanon arbeitet mit dem Groß-Orient von Frankreich die Grande Loge des Cedres. In Jordanien war König Hussein sogar Großmeister.
Selbst in Saudi-Arabien, wo Einheimischen bei Todesstrafe die Mitgliedschaft verboten ist, habe die Canadian Grand Lodge und die Vereinigten Großlogen von Deutschland unter den ausländischen Fachleuten seit 1962 Logen gegründet, „die jedoch sehr zurückhaltend auftre-ten“. Ihre Existenz wurde bekannt, als 1977 die Mitglieder der Loge „Red Sea Lodge No. 919“ in Dschidda verhaftet und ausgewiesen wurden.
Freimaurer im Iran, im Irak und Nordafrika
Verboten ist die Freimaurerei außer in Saudi-Arabien auch im Iran, wo Todesstrafe auf ihrer Ausübung steht. Schon im 19. Jahrhundert waren persische Diplomaten und Adlige in europä-ischen Logen aufgenommen worden, andere Perser waren aber auch in Logen Istanbuls und Palästinas vertreten. Die erste Loge im Iran selber entstand erst 1919. Im Jahre 1969 kam es unter dem Schah zur Gründung einer Großloge des Iran, die 1978 von Khomeini sofort nach seinem Machtantritt als Ausdruck des Imperialismus und Zionismus verboten wurde. Minis-terpräsident Abbas Homeida wurde als Freimaurer hingerichtet.
Auch im Irak gab es unter Saddam Hussein ein solches Verbot und es stand Todesstrafe auf der Zugehörigkeit zur Freimaurerei. Die erste Loge des Irak war 1918 in Basra vom Groß-meister in Bombay gegründet worden, unter englischer Mandatsherrschaft kamen weitere Lo-gen unter der Schirmherrschaft von Schottland und Ägypten dazu. Diese letzteren hatten im Gegensatz zu den englisch geprägten Logen alle Rassen und Völker vertreten: Briten, andere Europäer, Armenier, Griechen, Chaldäer, Muslime und Inder. Der Putsch 1958 und der Sturz der Monarchie brachte den Logen ein Ende. Sie wurden behördlich geschlossen. Seit 1975 sah das Strafgesetzbuch die Todesstrafe vor.
Ebenso wurde in Ägypten unter General Nasser ein Verbot verhängt. Die ägyptischen Logen standen und stehen heute wieder unter der Jurisdiktion zweier Nationaler Großlogen, es gibt aber auch solche, die unter dem Großorient von Frankreich oder den Großlogen Englands standen. Nach Ägypten war die Freimaurerei bereits mit dem militärischen Abenteuer Napo-leons 1798 gekommen, als General Kleber für französische Offiziere die Loge „Isis“ gründe-te, der trotz des militärischen Desasters des Korsen und seinem Rückzug in den Jahren 1802 und 1806 weitere Logen in Alexandrien folgten, im weiteren 19. Jahrhundert auch in Kairo, Mansura, Suez, Port Said. Neben der französischen Obödienz erteilte beim Bau des Suez-Kanals auch die englische Großloge Patente für Logen, die zum Teil bis heute aktiv sind. Spä-ter kamen auch Gründungen der Großloge von Schottland dazu, außerdem griechische und
italienische Obedienzen. Heute kam man nur noch von klandestinen Gruppen sprechen.
Offiziell ist nach dem Abzug der Franzosen auch in Algerien das Freimaurertum erloschen, auch in Marokko, wo es bis zum Verbot 1959 ein blühendes Logenleben gab. Geblieben sind dagegen immer noch Logen in Brunei und in Pakistan, die seit der englischen Kolonialherr-schaft eine Tradition haben. Aber auch im europäischen Staaten mit islamischer Tradition sind Freimaurer vertreten, so in Bosnien und in Albanien. In Bosnien existiert eine Großloge. Der Außenminister Albaniens Besnik Mustafaj war Redner auf dem Internationalen
Freimaurerkongress Anfang Juni 2007 in Straßburg. Wie in Osteuropa nach 1945 das Frei-maurertum in Exil-Logen weiterlebte, gibt es auch solches Weiterleben von Logen mit mus-limischen Mitgliedern aus Ländern, in denen dies nicht offiziell möglich ist, in westlichen Ländern, insbesondere in Frankreich und Großbritannien. Auch in Ländern südlich der Sahara existieren islamisch geprägte Logen. Der frühere Präsident des Senegals Abdou Diouf sprach ebenfalls auf dem Freimaurerkongress Anfang Juni in Straßburg. Von Bedeutung war das Thema des Internationalen Kongresses: „Europa bauen – Die Welt bauen“.
ist allerdings von einer Katholischen seite der text :)
Quelle
media2.kathtube.com/document/5930.doc