Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturHelpdeskAstronomieGruppenSpieleGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryWillkommenEnglishGelöscht
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Abiogenese

67 Beiträge, Schlüsselwörter: Abiogenese, Rna-welt-hypothese, Lebensentstehung

Abiogenese

08.02.2019 um 19:00
JacobMonod schrieb:Er operiert zwar an einigen Stellen mit einschlägigen Formulierungen, die Du auch zitiert hattest, aber der Fokus liegt bei Monod m.E. auf der Unableitbarkeit aus den Grundlagen heraus, die - da diese sich aus der Zufälligkeit ergibt - den Schluss auf die nicht gegebene Notwendigkeit (im Sinne einer naturgesetzlichen Zwangsläufigkeit) erlaubt. Ob einzigartig oder nicht, bleibt schlicht unentscheidbar, da nicht ableitbar.
Dreh den Satz um. Zwar liegt der Focus auf der Unableitbarkeit (eben Buchtitel und Thema Zufall vs. Notwendigkeit), aber dennoch läßt er es sich nicht nehmen, seine Sicht der Dinge durchblicken zu lassen. Ansonsten wäre es ja auch nicht einsichtig, wieso er überhaupt "mit einschlägigen Formulierungen operiert", wo sie doch quasi off topic sind.

Und echt jetzt? Sich das Hoffen auf Brüder zu versagenerfolgt rein aus wissenschaftlicher Lauterkeit? Seit wann bescheidet sich Hoffen und Wünschen auf Fakten und Folgerungen? Nur was ein Wissenschaftler aussagen kann, ist darauf geworfen, nicht aber, was er sich vorstellen kann (und auch darf). Wenn Monod nicht mit jenen "Brüdern" rechnet, dann nicht, weil "niemand nix wissen kann", sondern weil deren Nichtexistenz die für ihn wahrscheinliche Hypothese ist.


melden
Anzeige

Abiogenese

08.02.2019 um 19:15
perttivalkonen schrieb:Ansonsten wäre es ja auch nicht einsichtig, wieso er überhaupt "mit einschlägigen Formulierungen operiert", wo sie doch quasi off topic sind.
Ach doch, das passt schon, da es ihm vorrangig darum geht, mit den "Animismen" aufzuräumen, die eine Notwendigkeit der Existenz von Leben und Bewusstsein nahelegen - quasi als Zielvorgabe der Evolution (Stichwort "Höherentwicklung"). Da ist es dann durchaus hilfreich, mit einer Konnotation von "Verlassenheit" mit "Einzigartigkeit" zu spielen, um die radikalste Konsequenz als Möglichkeit aufzuzeigen.
perttivalkonen schrieb:Sich das Hoffen auf Brüder zu versagen, erfolgt rein aus wissenschaftlicher Lauterkeit?
Das folgt aus Monods Konzept der "Ethik der Erkenntnis" - die wissenschaftliche Erkenntnis gibt vor, worauf man begründet Hoffnungen setzen kann und wo Hoffnungen von vornherein vergebliche Liebesmüh sind. Wie Monod schildert, reißt die wissenschaftliche Erkenntnis jeglichen "Animismen" und "Vitalismen" den Sockel unter den Füßen weg, auf denen sie sich begründen, so dass am Ende die Einsicht der radikalen Verlassenheit bleibt und damit die Aufgabe, gegen die Sinnlosigkeit und Absurdität des Daseins anzukämpfen - siehe dazu das einleitende Motto am Anfang des Buchs, wo Camus zitiert wird (Der Mythos des Sisyphos).
perttivalkonen schrieb:Nur was ein Wissenschaftler aussagen kann, ist darauf geworfen, nicht aber, was er sich vorstellen kann (und auch darf).
Vorstellen kann und darf man sich viel, aber wenn es sich um unbegründete, weil unableitbare Hoffnungen handelt, sind sie im Sinne einer "Ethik der Erkenntnis" fruchtlos für die Daseinsbewältigung zum Zweck des Aufbaus einer Existenz.
perttivalkonen schrieb:Wenn Monod nicht mit jenen "Brüdern" rechnet, dann nicht, weil "niemand nix wissen kann", sondern weil deren Nichtexistenz die für ihn wahrscheinliche Hypothese ist.
Das ist Deine Interpretation, die ich jetzt einfach mal unkommentiert so im Raum stehen lasse ...


melden

Abiogenese

08.02.2019 um 19:54
JacobMonod schrieb:Ach doch, das passt schon, da es ihm vorrangig darum geht, mit den "Animismen" aufzuräumen, die eine Notwendigkeit der Existenz von Leben und Bewusstsein nahelegen - quasi als Zielvorgabe der Evolution (Stichwort "Höherentwicklung")
Nee Du, Monod geht gegen Animisten und Vitalisten nur insofern vor, als daß er deren Auffassung als Glaube aufzeigt statt als fundierte Folgerung. Meinst Du echt, Monod wollte nun auch noch deren persönliches Glauben und Hoffen zerstören, daß wir "von der Welt gewollt" seien? Da frag ich mich doch: Weso denn? Wußte Monod es etwa besser? Neenee, sobald Monod das gegen die Animisten und Vitalisten einsetzte, dann eben deshalb, weil er dies für fundiert hielt!
JacobMonod schrieb:Da ist es dann durchaus hilfreich, mit einer Konnotation von "Verlassenheit" mit "Einzigartigkeit" zu spielen, um die radikalste Konsequenz als Möglichkeit aufzuzeigen.
Willst also sagen, Monod spielt da gerade nur den Existentialisten. Für die anderen. Das ist ja mal ne interessante Sichtweise.

Und ne dumme zumal. Du willst also allen Ernstes Monod unterstellen, gegen Animismus und Vitalismus vorzugehen, indem er vorgibt, daß das Leben wirklich singulär ist und deswegen unvoraussagbar? Er will mit Lügen überzeugen? Nee Du, Monod glaubt durchaus, daß das, was er vernichtend vorbringt, korrekt ist.
JacobMonod schrieb:Das folgt aus Monods Konzept der "Ethik der Erkenntnis" - die wissenschaftliche Erkenntnis gibt vor, worauf man begründet Hoffnungen setzen kann und wo Hoffnungen von vornherein vergebliche Liebesmüh sind.
Deswegen kann er ja auch nicht beim "Wissenschaft kann über Singuläres nichts aussagen" stehen bleiben. Nein, wenn er Hoffnungen versagen will, sisch selbst oder anderen, dann muß Wissenschaft schon mehr sagen als "wissnwa nich, sagnwa nix zu".
JacobMonod schrieb:Wie Monod schildert, reißt die wissenschaftliche Erkenntnis jeglichen "Animismen" und "Vitalismen" den Sockel unter den Füßen weg, auf denen sie sich begründen, so dass am Ende die Einsicht der radikalen Verlassenheit bleibt und damit die Aufgabe, gegen die Sinnlosigkeit und Absurdität des Daseins anzukämpfen
Nope. Ein "Könnwa nix zu sagen" entzieht nichts die Möglichkeit. Monod will - und sagt - durchaus mehr!
JacobMonod schrieb:siehe dazu das einleitende Motto am Anfang des Buchs, wo Camus zitiert wird (Der Mythos des Sisyphos).
Das ist gerade ein Loblied darauf, dennoch zu streben, auch wenn alles dagegen spricht. Das wäre dem Kampf wider Animismus und Vitalismus einen Bärendienst zu erweisen.
JacobMonod schrieb:Das ist Deine Interpretation
Ach, sindwa schon so weit, von Interpretation zu sprechen? Du hast Deine, ich hab meine, und gut is?


melden

Abiogenese

08.02.2019 um 20:02
Mal wieder etwas zum eigentlichen Thema:

Vor etwa anderthalb Jahren erschien ein Artikel von Carter und Wills, in dem es um die wechselseitige Abhängigkeit von RNA und Peptiden im Verlauf der chemischen Evolution geht:

https://academic.oup.com/mbe/article/35/2/269/4430325

Im Mitteilungsdienst Sciencedaily erschien diese zusammenfassende Darstellung:

https://www.sciencedaily.com/releases/2017/11/171101160756.htm

Die deutsche Übersetzung gebe ich hier mal wieder:
Das Leben auf der Erde entstand in einer engen Partnerschaft zwischen den Nukleinsäuren (genetischen Anweisungen für alle Organismen) und kleinen Proteinen, die als Peptide bezeichnet werden, laut zwei neuen Veröffentlichungen von Biochemikern und Biologen an der University of North Carolina in Chapel Hill und der University of Auckland. Ihre "Peptid-RNA" -Hypothese widerspricht der weit verbreiteten "RNA-Welt" -Hypothese, die besagt, dass das Leben von Nukleinsäuren herrührte und erst später zu Proteinen wurde.

Die neuen Arbeiten - eine in Molekularbiologie und Evolution, die andere in Biosystems - zeigen, wie kürzlich durchgeführte experimentelle Studien zweier Enzym-Superfamilien die schwierigen theoretischen Fragen über die Entstehung eines komplexen Lebens auf der Erde vor mehr als vier Milliarden Jahren überwinden.

"Bislang wurde es als unmöglich angesehen, Experimente durchzuführen, um die Ursprünge der Genetik zu durchdringen", sagte Charles Carter, PhD, Professor für Biochemie und Biophysik an der UNC School of Medicine. "Aber wir haben jetzt gezeigt, dass experimentelle Ergebnisse gut mit der" Peptid-RNA "-Theorie zusammenpassen, und daher liefern diese Experimente ziemlich überzeugende Antworten auf das, was zu Beginn des Lebens auf der Erde geschah."

Die besonderen Eigenschaften der Ahnenversionen dieser Enzym-Superfamlien und das sich selbst verstärkende Rückkopplungssystem, das sie mit den ersten Genen und Proteinen gebildet hätten, hätten die frühe Biologie angeregt und die ersten Lebensformen zu einer größeren Vielfalt und Komplexität geführt Forscher sagten.

Co-Autor Peter Wills, PhD, Professor für Physik an der University of Auckland, sagte: "Verglichen mit der RNA-Welt-Hypothese ist das, was wir skizziert haben, einfach ein viel wahrscheinlicheres Szenario für die Entstehung des Lebens. Wir hoffen auf unsere Daten und die Theorie, die wir in diesen Papieren skizziert haben, wird Diskussionen und weitere Forschungen zu Fragen, die für die Entstehung des Lebens relevant sind, anregen."

Die beiden Wissenschaftler sind sich bewusst, dass die RNA-Welt-Hypothese nach wie vor das Forschungsfeld "Ursprung des Lebens" beherrscht. "Diese Theorie ist so verlockend und zweckmäßig, dass die meisten Leute einfach nicht glauben, dass es eine Alternative gibt", sagte Carter. "Aber wir sind sehr zuversichtlich."

Bevor es das Leben auf der Erde gab, gab es einfache Chemikalien. Irgendwie produzierten sie sowohl Aminosäuren als auch Nukleotide, aus denen schließlich die Proteine ​​und Nukleinsäuren wurden, die zur Herstellung einzelner Zellen erforderlich sind. Und aus den einzelnen Zellen wurden Pflanzen und Tiere. Forschungen dieses Jahrhunderts haben gezeigt, wie die ursprüngliche chemische Suppe die Bausteine ​​des Lebens geschaffen hat. Es gibt auch einen weit verbreiteten wissenschaftlichen Konsens über den historischen Weg, durch den sich Zellen zu Pflanzen und Tieren entwickelt haben.

Es ist jedoch immer noch ein Rätsel, wie die Aminosäurebausteine ​​zuerst nach kodierten Nukleinsäuremustern zu den Proteinen zusammengefügt wurden, die die Maschinerie aller Zellen bildeten.

Die weithin akzeptierte Theorie der RNA-Welt postuliert, dass sich RNA - das Molekül, das heute bei der Kodierung, Regulierung und Expression von Genen eine Rolle spielt - von der Ursuppe der Aminosäuren und kosmischen Chemikalien abhebt, was schließlich zu kurzen Proteinen führt Peptide und dann zu einzelligen Organismen.

Carter und Wills argumentieren, dass RNA diesen Prozess nicht alleine anstoßen könnte, weil ihr eine Eigenschaft fehlt, die sie "Reflexivität" nennen. Es kann die Regeln, nach denen es gemacht wird, nicht durchsetzen. RNA benötigte Peptide, um die reflexive Rückkopplungsschleife zu bilden, die notwendig ist, um schließlich zu Lebensformen zu führen.

Das Herzstück der Peptid-RNA-Theorie sind Enzyme, die so alt und wichtig sind, dass ihre Überreste in allen lebenden Zellen und sogar in einigen subzellulären Strukturen, einschließlich Mitochondrien und Viren, noch vorhanden sind. Es gibt 20 dieser alten Enzyme, die als Aminoacyl-tRNA-Synthetasen (aaRSs) bezeichnet werden.

Jeder von ihnen erkennt eine der 20 Aminosäuren, die als Bausteine ​​für Proteine ​​dienen. (Proteine, die als Maschinen des Lebens betrachtet werden, katalysieren und synchronisieren die chemischen Reaktionen innerhalb von Zellen.) In modernen Organismen verknüpft ein aaRS seine zugewiesene Aminosäure effektiv mit einer RNA-Kette, die drei Nukleotide enthält, die zu einer ähnlichen Kette im transkribierten Gen komplementär sind. Die aaRSs spielen somit eine zentrale Rolle bei der Umwandlung von Genen in Proteine. Dieser Prozess wird als Translation bezeichnet und ist für alle Lebensformen unerlässlich.

Die 20 aaRS-Enzyme gehören zwei strukturell verschiedenen Familien mit jeweils 10 aaRSs an. Carters kürzlich durchgeführte experimentelle Studien haben gezeigt, dass die beiden kleinen Enzym-Vorfahren dieser beiden Familien von gegenüberliegenden, komplementären Strängen desselben kleinen Gens kodiert wurden. Die Einfachheit dieser Anordnung mit ihrem anfänglichen binären Code von nur zwei Arten von Aminosäuren legt nahe, dass sie zu Beginn der Biologie vorkam. Darüber hinaus hätte die enge Yin-Yang-Interdependenz dieser beiden verwandten, aber sehr unterschiedlichen Enzyme die frühe Biologie in einer Weise stabilisiert, die die geordnete Diversifizierung des Lebens unvermeidlich machte.

"Diese voneinander abhängigen Peptide und die für sie kodierenden Nukleinsäuren hätten die molekulare Selbstorganisation des anderen unterstützen können, trotz der ständigen zufälligen Störungen, die alle molekularen Prozesse beeinträchtigen", sagte Carter. "Wir glauben, dass dies zu Beginn der Erdgeschichte eine Peptid-RNA-Welt geschaffen hat", sagte Carter.

Verwandte Forschungsarbeiten von Carter und Richard Wolfenden (UNC-Kollege), PhD, zeigten zuvor, wie die intime Chemie von Aminosäuren es den ersten aaRS-Enzymen ermöglichte, sich ordnungsgemäß in funktionelle Enzyme zu falten und gleichzeitig die Zuordnungen in der universellen genetischen Codierungstabelle zu bestimmen.

"Die Durchsetzung der Beziehung zwischen Genen und Aminosäuren hängt von aaRSs ab, die wiederum von Genen kodiert werden und aus Aminosäuren bestehen", sagte Wills. "Die aaRSs wiederum hängen von derselben Beziehung ab. Hier gibt es eine grundlegende Reflexivität. Douglas Hofstadter nannte es eine" seltsame Schleife ". Wir schlagen vor, dass auch dies eine entscheidende Rolle in der Selbstorganisation der Biologie gespielt hat, als das Leben auf der Erde begann. Hofstadter argumentierte, dass die Reflexivität die treibende Kraft für das Wachstum der Komplexität ist. "

Carter und Wills entwickelten zwei weitere Gründe, weshalb es unwahrscheinlich war, dass eine reine RNA-Biologie von irgendeiner Bedeutung vor einer Peptid-RNA-Biologie war. Ein Grund ist die Katalyse - die Beschleunigung chemischer Reaktionen, an denen andere Moleküle beteiligt sind.

Katalyse ist ein Schlüsselmerkmal der Biologie, das RNA nicht mit großer Vielseitigkeit ausführen kann. Insbesondere können RNA-Enzyme ihre Aktivitäten nicht leicht an Temperaturänderungen anpassen, die wahrscheinlich bei der Abkühlung der Erde aufgetreten sind, und können daher nicht den sehr breiten Bereich katalytischer Beschleunigungen ausführen, der zur Synchronisierung der Biochemie früher zellbasierter Lebensformen erforderlich gewesen wäre. Nur Peptid- oder Proteinenzyme weisen diese katalytische Vielseitigkeit auf, sagte Carter.

Zweitens hat Wills gezeigt, dass unmögliche Hindernisse jeden Übergang von einer reinen RNA-Welt zu einer Protein-RNA-Welt und weiter zum Leben blockiert hätten.

"Ein solcher Anstieg von der RNA zum zellbasierten Leben hätte ein aaRS-ähnliches Protein, das noch besser funktionierte als das angepasste RNA-Gegenstück," aus dem Nichts "gebracht," sagte Carter. "Dieses äußerst unwahrscheinliche Ereignis hätte nicht nur einmal, sondern mehrmals geschehen müssen - einmal für jede Aminosäure im vorhandenen Gen-Protein-Code. Es macht einfach keinen Sinn."

Da die neue Carter-Wills-Theorie tatsächlich auf reale Probleme des Ursprungs des Lebens eingeht, die durch die Zweckmäßigkeit der RNA-Welt-Hypothese verdeckt werden, ist dies tatsächlich eine viel einfachere Beschreibung, wie sich die Dinge wahrscheinlich ereignet haben, kurz bevor das Leben auf der Erde entstand die Ursuppe.
Interessant ist, dass die wechselseitige Abhängigkeit zwischen RNA und Peptiden nicht nur in diesem bereits recht fortgeschrittenen Stadium der chemischen Evolution bestanden haben könnte, sondern schon viel früher, als es nur einzelne Nucleotide bzw. Aminosäuren sowie nur kurze Oligomere (also Ketten mit weniger als 10 Nucleotiden bzw. Aminosäuren) gegeben hatte, wie dieser Artikel von Speijer und van der Gulik nahelegt:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4390850/

Im Abschnitt 7. "Schließen der Schleife" heißt es:
Wir kommen jetzt zu einem entscheidenden und, wir geben zu, einigermaßen theoretischen Punkt: GlyGly-Produktion aus Glycin sollte eine ziemlich einfache Funktion für RNA gewesen sein, wenn diese RNA das Überleben von RNA generell verbessern würde und daher selektiert worden wäre. Kurz gesagt: RNA produziert GlyGly; GlyGly produziert Asparaginsäure enthaltende Oligopeptide; Asparaginsäure enthaltende Oligopeptide schützen RNA.

Auf diese Weise könnte eine positive Rückkopplungsschleife entstehen, die RNA erzeugt. Die Koevolution wird also durch die Annahme veranschaulicht, dass RNAs ohne Peptidschutz nicht bestehen bleiben könnten; dass sehr kurze (sehr frühe) Peptide durch die RNA-Produktion, durch welche sie produziert worden sind, häufiger produziert wurden, und dass sie sich zu längeren RNAs und Peptiden zusammen entwickeln. Dies würde eine RNA / Peptid-Welt von Ribozymen und kurzen Oligopeptiden bilden.
Falls diese Annahme richtig ist, bestand schon seit den ersten Stadien der chemischen Evolution ein enger funktionaler Zusammenhang zwischen RNA und Peptiden, der zu einer wechselseitigen Stabilisierung der jeweiligen Synthesen und Anreicherungen führte.


melden

Abiogenese

08.02.2019 um 20:04
@perttivalkonen

Wir sind wieder mal an einem Punkt angelangt, wo es sich für mich nicht lohnt, auf Deine Ausfälligkeiten einzugehen. Dann eben mal wieder Tschüss ...


melden

Abiogenese

08.02.2019 um 20:16
@JacobMonod
Yepp, das ist dann der zweite Schritt. Kommt nicht überraschend. Dennoch traurig.


melden

Abiogenese

12.02.2019 um 10:43
Ich komme noch einmal darauf zurück:
JacobMonod schrieb am 07.02.2019:Auch wenn das Konzept der Hyperzyklen seine spezifischen Brüche hat, die es als gangbares Prinzip fraglich werden lassen ...
Worin liegen die spezifischen Brüche beim Hyperzyklus?

Das Modell des Hyperzyklus wurde von Manfred Eigen und Peter Schuster entworfen - es findet sich in der verlinkten Arbeit aus dem Jahr 1971 auf Seite 40 des pdf bzw. Seite 504 der Arbeit als Figur 15 mit dem Bildtitel "Der selbstinstruktive katalytische Hyperzyklus". Bezeichnet sind darin Nucleotid-Sequenzen mit I(1) bis I(n) sowie katalytisch aktive Polypeptid-Ketten mit E(1) bis E(n). Der dargestellte Hyperzyklus ist achtgliedrig, aber zwischen I(5) bzw. E(5) und dem nachfolgenden Glied der Reaktionskette wird durch Strichelung und Bezeichnung angedeutet, dass der Hyperzyklus beliebig erweiterbar ist.

Eigen beschreibt die zugrunde gelegten Parameter des Modells wie folgt:

"Es [das Modell] besteht aus einer Anzahl von Nucleotid-Sequenzen I(i) (oder besser (+/-)-Kollektiven) von begrenzter Kettenlänge. Diese enthalten nicht mehr Information als für eine oder zwei katalytisch aktive Polypeptid-Ketten. Der Kreis um [jedes] I(i) ist eine graphische Repräsentation der komplementären Instruktionskraft des Nucleotid-Kollektivs, das aus einem "positiven" und einem "negativen" Strang besteht, die sich wechselseitig ergänzend reproduzieren." [analog zur Doppelhelix der DNA, die ebenfalls aus zwei komplementären Strängen besteht, die sich wechselseitig ergänzen und somit die Basensequenz wechselseitig reproduzieren]

Sie tun dies vorzugsweise mit der spezifischen katalytischen Hilfe, die durch die [funktional] vorangehende Polypeptidkette E(i-1) geboten wird. Dieses Polypeptid ist codiert durch die [funktional vorangehende] Nucleotidkette I(i-1). Das Vorhandensein eines Translationssystems sichert die ausreichend präzise Translation von I(i) zu E(i). Nur ein Teil der Information in jedem I(i) wird für die Codierung der erweiterten Funktion des nachfolgenden Informationsübertragungsschrittes genutzt; andere Teile können für die Codierung von generellen enzymatischen Funktionen genutzt werden, wie Translation, Polymerisation, Kontrollfunktionen usw.

Weiterhin, jedes E(i) welches die spezifische erweiterte Funktion für das Zustandekommen der nächsten Informationsübertragung besitzt, kann (aber muss nicht) eine spezifische Polymerase sein. Es kann ebensogut ein spezifischer Induzierer (oder De-Repressor [siehe dazu das Operon-Modell von Jacob und Monod, wo der Repressor gehemmt wird und dadurch Lactase produziert werden kann!]) sein, der als generelle Polymerase wirkt.

Es ist wichtig, dass der ganze Hyperzyklus geschlossen ist, dass also ein E(n) auf I(1) zurückwirkt. Deshalb repräsentiert das System eine "zyklische Hierarchie" in der viele zyklische (komplementäre) Nucleotid-Kollektive miteinander durch einen enzymatischen "Hyper-Zyklus" miteinander verbunden sind. Diese sekundäre Schleifen-Schließung ist wichtig, da anderenfalls die verschiedenen I(k) nicht kooperieren würden sondern sich in Konkurrenz zueinander gegenseitig selektieren würden."

Eigens Beschreibung setzt den Hyperzyklus auf einem Entwicklungsniveau an, wo der Translationsapparat, der mit Hilfe von Basensequenzen Aminosequenzen produziert, bereits vorhanden ist und zugleich hinreichend störungstolerant funktioniert, so dass die Nucleotidstränge die zur Aufrechterhaltung des Hyperzyklus notwendigen Enzyme hinreichend genau repräsentieren. Dieser Translationsapparat stellt jedoch selber eine sehr komplexe Maschinerie dar, deren einzelne Komponenten sich zunächst finden müssen, bevor sie hinreichend genau funktioniert.

Die Frage, wie sich der erste Hyperzyklus gebildet hat - falls Hyperzyklen bei der Entstehung des Lebens tatsächlich eine Rolle gespielt haben - geht aus dem Modell nicht hervor. Das Modell setzt den Hyperzyklus als gegeben voraus und baut dann darauf auf, um weitere Schritte zu modellieren. Doch auch ein bestehender Hyperzyklus hat seine Risiken und Nebenwirkungen:

https://www.mdpi.com/2075-1729/7/4/48/htm


life-07-00048-g003-550

Bildunterschrift:
Abbildung 3. Evolutionäre Instabilität im Hyperzyklus. (a) Ein Parasit (RM), der von einem Mitglied des Hyperzyklus (R2) katalytisch behandelt wird, sich aber nicht an der Hyperzyklusorganisation beteiligt. (b) Eine Abkürzungsmutation (roter gepunkteter Pfeil), die die Spezifität der Katalyse verändert, die ein Mitglied des Hyperzyklus (R2) bietet, so dass es die Replikation eines Elements katalysiert, das es nicht katalysieren soll. R1, R2 und R4 bilden jetzt einen 3-gliedrigen Hyperzyklus, der sich schneller replizieren kann als der 4-gliedrige Hyperzyklus.
Je komplexer ein Hyperzyklus wird, um so labiler wird er, weil er entweder komplett kollabiert oder seine Komplexität reduziert, sobald egoistische Replikatoren auftreten oder Einzelschritte übergangen werden (regulatorischer Kurzschluss). Und ein reduzierter Hyperzyklus hat einen Selektionsvorteil genüber komplexeren Hyperzyklen, weil der reduzierte sich schneller vervielfältigt und dadurch die komplexeren "überwuchert". Es ist offenbar doch nicht so einfach, wie man es sich vorab ausrechnen kann ...


melden

Neuen Beitrag verfassen
Dies ist eine Vorschau, benutze die Buttons am Ende der Seite um deinen Beitrag abzusenden.
Bereits Mitglied?  
Schriftgröße:
Größe:
Dateien Hochladen
Vorschau
Bild oder Datei hochladen

Bleib auf dem Laufenden und erhalte neue Beiträge in dieser Diskussion per E-Mail.


Oder lad dir die Allmystery App um in Echtzeit zu neuen Beiträgen benachrichtigt zu werden:

Ähnliche Diskussionen

Diskussionen
Beiträge
Letzte Antwort
223am 01.11.2013 »
261 Mitglieder anwesend
Konto erstellen
Allmystery Newsletter
Alle zwei Wochen
die beliebtesten
Diskussionen per E-Mail.

Themenverwandt
Anzeigen ausblenden