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Der Energiewende-Thread

3.327 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Energie, Klimawandel, CO2 ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Energiewende-Thread

18.05.2026 um 07:56
Zitat von ForesterForester schrieb:Verfassungsrechtlich auf dünnem Eis
Das Bundesverfassungsgericht hat 2021 unmissverständlich festgestellt, dass unzureichender Klimaschutz heute die Grundrechte künftiger Generationen verletzt.
Gibt es irgendwo die juristische Absicherung dass der Einbau von WP das Klima schützt und somit die Grundrechte der künftigen Generationen?
Wenn ich mir das Verhalten aller Regierungen beim Thema Auto anschaue, angefangen mit bleifrei, über die ganzen Kat und EURO x Varianten, DPF, Hybrid - gehe ich davon aus dass nach der WP die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird, wieder Kosten, wieder Umstellen.

Also, hat die WP die rechtliche Absicherung dass sie in 10 Jahren ned wieder raus gerissen werden muss?


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18.05.2026 um 08:53
Zitat von ApexOneApexOne schrieb:angefangen mit bleifrei
Bleifreies Benzin ist doch das beste Beispiel:
- in den 70ern und 80ern sehr hitzig geführte Diskussionen um die Sinnhaftigkeit
- Übelster Lobbyismus von Seiten der Automobilindustrie: "Untergang der Wirtschaft", "sämtliche Autos werden in Kürze am Motor Totalschäden erleiden", "wenn Deutschland alleine vorprescht bringt das weltweit überhaupt nichts", "wie tanke ich mit meinem bleifrei Auto im Ausland wo es noch kein bleifreies Benzin gibt?"
- eine in großen Teilen extrem verunsicherte Bevölkerung
- Am Ende ging es wie vorher weiter nur dass massiv etwas für den Gesundheits- und Umweltschutz getan wurde

Genau das gleiche Spiel erleben wir bei Wärmepumpen und E-Mobilität.
Kinder die in 20 Jahren gebohren werden, werden so verdutzt auf Öl und Gasheizungen reagieren wie Millenials, die in einem Haus noch eine Kohlebrikettheizzung finden.


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18.05.2026 um 08:53
Zitat von SvenLESvenLE schrieb:Jahrzehntelang verschliesst man sich den Fortschritt und schafft es nicht, durch gute Kommunikation und Wissenvermittlung seitens Politik die Menschen mitzunehmen.
Die Beteiligung an Kommunikation ist aber auch eine Holschuld des mündigen Bürgers. Die Informationen sind ja nicht versteckt - oft sogar gut und verständlich kommuniziert. Aber das hilft wenig, wenn der Empfänger zu macht und nur solche "Informationen" auf nimmt, die einfach klingen und das eigene Weltbild stützen.
Zitat von ApexOneApexOne schrieb:Also, hat die WP die rechtliche Absicherung dass sie in 10 Jahren ned wieder raus gerissen werden muss?
Strom kann man rein technisch und wirtschaftlich betrachtet in ausreichender Menge nachhaltig und schadstoffarm produzieren. Alles andere zum Heizen nicht.


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18.05.2026 um 08:56
@ApexOne
Ich finde deine Frage sehr gut und berechtigt. Kann mich noch sehr gut daran erinnern wie Gas gelobt wurde und selbst heute noch steht bei meinem örtlichen Öllieferanten groß über der Lagerhalle: "Die Ölheizung, modern und umweltfreundlich".

Gas ist in der Verbrennung aber noch sauberer und war günstig zu importieren.

Deine Frage ist somit sehr gut – und die Antwort steckt bereits in der Geschichte selbst.

Genau diese Frage hätte man vor 15 Jahren stellen sollen, als die Politik unbedingt auf Gas wollte. "Zukunftssicher", "Brückentechnologie", "modern". Ergebnis: Millionen haben investiert und stehen jetzt da. Die Frage ist also berechtigt – aber sie trifft die Wärmepumpe am wenigsten von allen Technologien.
Warum die Wärmepumpe physikalisch sicher ist:
Die Wärmepumpe ist keine Technologie die auf einem bestimmten Brennstoff basiert. Sie nutzt Umweltwärme – die ist kostenlos, überall verfügbar und wird nie verboten. Eine bessere Nachfolgetechnologie existiert schlicht nicht – man kann Wärme nicht effizienter aus der Umwelt holen als mit einer Wärmepumpe. Das ist kein politisches Argument – das ist Thermodynamik.
Warum die Wärmepumpe rechtlich sicher ist:
Das BVerfG-Urteil 2021 schützt nicht eine bestimmte Technologie – sondern das Klimaziel. Die Wärmepumpe ist der einzige Weg im Gebäudesektor der dieses Ziel nachweislich erfüllt. Solange das Verfassungsgebot des Klimaschutzes gilt – und das ist nicht aufhebbar – ist die Wärmepumpe auf der sicheren Seite.
Zum globalen Markt:
60% der Haushalte in Norwegen heizen bereits mit Wärmepumpen. Steigende Zahlen in den USA, Frankreich, Großbritannien. Kein Land das einmal flächendeckend umgestellt hat dreht das wieder zurück.
Zur berechtigten Frage nach der nächsten "Sau durchs Dorf":
Der Unterschied zu Katalysator, DPF, ad blue und Euro-Normen ist entscheidend: Die waren alle Korrekturen an einer grundsätzlich ineffizienten Technologie. Man hat den Verbrenner schrittweise sauberer gemacht – mit immer mehr Aufwand für immer kleinere Gewinne. Die Wärmepumpe ist keine Korrektur – sie ist ein Systemwechsel. Es gibt keine nächste Stufe die sie obsolet macht.
Kurz gesagt:
Die Wärmepumpe ist die einzige Heiztechnologie deren Funktionsprinzip – Umweltwärme nutzen statt Brennstoff verbrennen – durch keine zukünftige Regulierung angreifbar ist. Gas war eine politische Entscheidung. Die Wärmepumpe ist eine physikalische.

Und das stärkste Argument zum Schluss;

Die Wärmepumpe ist im übrigen die einzige Heiztechnologie die mit selbst produziertem Strom betrieben werden kann – sei es per Photovoltaik auf dem eigenen Dach, per Balkonkraftwerk oder über regional erzeugten Ökostrom (in Verbindung mit Speichern). Wer seine Wärmepumpe mit eigenem Solarstrom betreibt heizt faktisch kostenlos und unabhängig von Gaspreis, Ölpreis, Russland, dem Nahen Osten und zukünftigen CO₂-Abgaben.

In großen Städten und Mietwohnungen wird immerhin Strom mindestens aus dem europäischen Verbundnetz verwendet, idealerweise aus Deutschland, oder noch besser ebenfalls regional.

Das ist strukturell einzigartig: Keine Gasheizung, keine Ölheizung, keine Wasserstoffheizung kann das je bieten. Brennstoff muss immer irgendwo hergekauft/importiert werden – Umweltwärme plus Sonnenstrom nicht.
Energieunabhängigkeit ist also nicht nur ein klimapolitisches Argument – sondern ein wirtschaftliches, geopolitisches und persönliches Freiheitsargument. Ausgerechnet das wird durch das GModG torpediert.


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18.05.2026 um 09:00
Zitat von SvenLESvenLE schrieb:Technologieoffenheit steht für den Inbegriff von Korruption und Lobbyismus.
Das passiert, wenn Populisten Wörter missbrauchen, um eine eingängige aber gelogene Botschaft zu verbreiten.

"Technologieoffenheit" bedeutet, dass man für solche Technologien offen ist oder bleibt, die eine Alternative sein können. Nicht für solche Technologien, die nicht funktionieren. Weil sie technisch, ökonomisch oder ökologisch erwiesenermaßen nicht gangbar sind. Man kann beliebig über E-Fuels für Pkws schwadronieren und das als "technologieoffen" falsch bezeichnen - es bleibt eben eine reine Bauernfängerei.


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18.05.2026 um 09:10
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Das passiert, wenn Populisten Wörter missbrauchen, um eine eingängige aber gelogene Botschaft zu verbreiten.

"Technologieoffenheit" bedeutet, dass man für solche Technologien offen ist oder bleibt, die eine Alternative sein können. Nicht für solche Technologien, die nicht funktionieren. Weil sie technisch, ökonomisch oder ökologisch erwiesenermaßen nicht gangbar sind. Man kann beliebig über E-Fuels für Pkws schwadronieren und das als "technologieoffen" falsch bezeichnen - es bleibt eben eine reine Bauernfängerei.
Das ist eine der besten Antworten die man geben kann! 👊

Technologieoffenheit bedeutet:
Offen für Technologien die funktionieren könnten.

Technologieoffenheit bedeutet nicht:
Festhalten an Technologien die nachweislich nicht funktionieren – weder technisch, noch ökonomisch, noch ökologisch.

Das ist eigentlich die klarste Definition die man finden kann. Und sie entlarvt den Begriff als das was er politisch geworden ist:
Ein Decknamen für Rückschritt.
E-Fuels für PKW, Bioöl für Heizungen, Wasserstoff im Gasnetz für Privathaushalte – alles nachweislich nicht skalierbar, nicht bezahlbar, nicht verfügbar.
Das Wort "Technologieoffenheit" wird also nicht nur falsch benutzt – es wird bewusst umgekehrt benutzt.

Es klingt nach Fortschritt und Vernunft, meint aber das genaue Gegenteil.

Eigentlich ansich relativ leicht zu durchschauen.


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18.05.2026 um 09:17
@azazeel
@Forester
@bettman
Danke für Eure Antworten - es war aber gar nicht physikalisch gemeint..sondern rein juristisch.
Ich übertreibe jetzt mal: was ist wenn die Emissionen für Herstellung und Betrieb von WP als zu hoch im Sinne des BVerfG sind?
Wird man dann zu Fernwärme, Geothermie+WP etc. gezwungen? Nutzungsverbot, egal was?

So wie ich das sehe ist auch die WP nicht rechtssicher, sie aktuell, wahrscheinlich die umweltfreundlichste Heizung.


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18.05.2026 um 09:32
Zitat von ApexOneApexOne schrieb:es war aber gar nicht physikalisch gemeint..sondern rein juristisch.
Wenn Du investierst - egal in was - wirst Du immer ein gesellschaftliches (juristisches) Restrisiko haben. Das ist jeder Prognose über eine Wertentwicklung (einschließlich potentieller Kosten) immanent.
Aber Du kannst dieses Risiko bewerten. Wenn nicht gerade die AfD an die Macht kommt, die aus reinem Prinzip den Klimawandel negiert und Technologien aus Prinzip und Bauernfängerei blöd findet, die technisch und ökonomisch sinnvoll sind - dann wird sehr wahrscheinlich abseits einer elektrisch betriebenen Heizung nicht viel übrig bleiben, dass objektiv geeignet ist, in ausreichender Menge Wohnraum zu beheizen. Deswegen wird es juristisch sehr wahrscheinlich keine relevante Frage sein.
Zitat von ApexOneApexOne schrieb:Ich übertreibe jetzt mal: was ist wenn die Emissionen für Herstellung und Betrieb von WP als zu hoch im Sinne des BVerfG sind?
Du hast doch immer einen gewissen Bestandsschutz. Auch für "objektiv nicht perfekt geeignete Dinge". Nicht in der Größenordnung "viele Jahrzehnte", aber doch in aller Regel über einen vernünftigen Amortisationszeitraum hinweg.
Zitat von ApexOneApexOne schrieb:Wird man dann zu Fernwärme, Geothermie+WP etc. gezwungen? Nutzungsverbot, egal was?
Auch das könnte man technisch und ökonomisch betrachten. Flächendeckende Fernwärme erfordert immense Investitionen in Infrastruktur. Und woher soll die Wärme konkret kommen. Es geht ja gerade weg von riesigen zentralen Kraftwerken. Auch Geothermie ist zwar technisch möglich, aber immens teuer (also echte Geothermie, nicht die Tiefenbohrungen ins Grundwasser). Das alles spricht dafür, dass gesellschaftlich (und damit juristisch) elektrisch betriebene Heizungen mit enormer Effizienz (das ist bei WP der Fall, wir reden von Wirkungsgraden von mehreren hundert Prozent, weil der Großteil der Energie "sowieso da ist") auf absehbare Zeit zukunftsfähig sein werden.

Du bekommst nirgends Garantien (und das Beispiel mit der AfD ist gar nicht so weit hergeholt), aber wenn Du wetten würdest (und jede Investitionsentscheidung ist eine Wette), bist Du bei einer WP nach heutiger Bauart auf einer recht sicheren Seite.


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18.05.2026 um 12:24
Die Energiewende hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Wir sind wieder Netto Stromexporteur.

Es zeigt sich immer deutlicher wie stark die Chancen und die Überlegenheit in Deutschland mit der Energiewende sind.
Deutschland erstmals seit 2023 wieder Strom-Nettoexporteur
Deutschland hat im ersten Quartal wieder mehr Strom exportiert als importiert – der Großteil davon sind erneuerbare Energien. Warum die Preise dabei eine wichtige Rolle spielen.
Quelle:

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energie-deutschland-erstmals-seit-2023-wieder-strom-nettoexporteur/100225832.html

Ein weiterer Beweis, dass es sich bei Aussagen ala "wir kaufen nun den Atomstrom aus Frankreich...." so nicht korrekt sind und nicht den Tatsachen entsprechen, auch wenn im Einzelfall tatsächlich aus Frankreich auch Atomstrom gekauft wird, genauso wie Frankreich unseren Strom (je nach Preis) abnimmt.


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Der Energiewende-Thread

18.05.2026 um 13:02
@Forester
Bemerkenswert ist ja vor allem die Begründung, warum das so ist. Die Großhandelspreise sind hier durch die Energiewende deutlich stärker gefallen als in anderen Ländern. Also kauft man wieder bei uns.

Soviel zum Thema: durch die Energiewende wird's teurer. Aber ich denke, es dauert nicht lange bis mir jemand erklärt warum ich falsch liege....

was ich aber schlimm finde:
Die Anstrengungen der Bundesregierung beim Klimaschutz reichen nach Einschätzung eines wichtigen Beratergremiums nicht aus. Die Wirkung des jüngst von Umweltminister Carsten Schneider (SPD) vorgestellten Klimaschutzprogramms dürfte deutlich geringer ausfallen als von der Bundesregierung angenommen, schreibt der unabhängige Expertenrat für Klimafragen in seinem in Berlin veröffentlichten jüngsten Gutachten. Selbst wenn das Programm komplett umgesetzt würde, werde keines der Ziele für das Jahr 2040 erreicht, so der Expertenrat.
Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/expertenrat-fuer-klimafragen-deutschland-koennte-klimaziele-deutlich-verfehlen-a-f23c7939-265e-4bd9-977d-c3608ec76645

Und ich frage mich von welchen Anstrengungen die reden. Derzeit wird doch vor allem angestrengt an der Rückabwicklung gearbeitet.


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18.05.2026 um 13:45
Mich würde halt echt mal interessieren wie es sich mit dem exportierten/zu viel produziertem Strom anteilig verhält.

Es gibt ja durchaus ein paar Tage im Jahr (viel Sonne und Wind in Kombination mit wenig Netzlast) an denen wir wegen fehlender Speicher den erzeugten Grünstrom eigentlich nicht wollen und der Strom aus volkswirtschaftlicher Sicht sogar schädlich sein kann.

Und dann gibt es viele Tage an denen große Grünstrommengen dafür sorgen, dass einfach nur Kraftwerke auf Basis fossiler Energieträger abgefahren werden weil der grüne Strom deutlich günstiger ist (was nur für die Betreiber schlecht, aber volkswirtschaftlich/gesamtwirtschaftlich gut ist).

Und hier frage ich mich ob es qualitative Auswertungen dazu gibt wie oft welcher Fall eingetreten ist und welche konkreten Maßnahmen notwendig gewesen wären (beispielweise Fertigstellung bestimmter Stromtrassen oder Großspeicher) damit die volkswirtschaftlich schädlichen Fälle nicht eingetreten wären.
Zitat von alhambraalhambra schrieb:Und ich frage mich von welchen Anstrengungen die reden.
Da die Miglieder der Bundesregierung schon von kleineren Dingen und Zusammenhängen überfordert sind, wundert es mich eigentlich wenig wenn dass alles zusammen doch sehr anstrengend für sie ist.


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18.05.2026 um 14:06
Hallo @alle !

Um jetzt mal etwas Wasser in den Wein zu gießen.

Eines sollte aber allen beim Thema Stromexport klar sein. Deutschland exportiert Strom, wenn es "zuviel" davon hat, z.b. bei einer Hellbriese, und das geht tendenziel nur zu sinkenden Preisen. Deutschland kauft Strom im Ausland, wenn es nicht genug erzeugen kann, z.B. bei einer Dunkelflaute, und das treibt die Preise an der Strombörse.

Alles in Allem nennt man so etwas "schlechtes Geschäft".


Gruß, Gildonus


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18.05.2026 um 14:09
Zitat von GildonusGildonus schrieb:Deutschland kauft Strom im Ausland, wenn es nicht genug erzeugen kann, z.B. bei einer Dunkelflaute, und das treibt die Preise an der Strombörse.
Deutschland kann immer genug erzeugen. Wir könnten ohne probleme gaskraftwerke hochfahren. Nennt sich dann wieder gutes geschäft, wenn man strom günstiger kauft, als die eigene erzeugung kosten würde.


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Der Energiewende-Thread

18.05.2026 um 16:01
Hallo @Gildonus,

lass uns das mal etwas genauer betrachten und dann schauen wieviel Wasser oder Wein wir im Glas haben und ob wir ein gutes oder schlechtes Geschäft machen.

Was kostet uns die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wirklich?
Eine Frage die im Zusammenhang mit dem GModG und der dauerhaften Diskussion über Technologieoffenheit kaum gestellt wird – dabei liefern die Zahlen eine vernichtende Antwort.

Die Importkosten 2024:
Deutschland importierte 2024 fossile Brennstoffe im Wert von 76 Milliarden Euro – das entspricht rund 900 Euro pro Einwohner und 1,8% des Bruttoinlandsprodukts. In den Krisenjahren war es noch dramatischer: 2022 waren es fast 146 Milliarden Euro, 2023 noch 90 Milliarden Euro.

Quelle: https://www.energie-und-management.de/nachrichten/detail/deutschland-sparte-2024-fuenf-milliarden-euro-fuer-fossile-energietraeger-261405

Die Importabhängigkeit ist extrem:
Der Importanteil liegt bei Erdöl bei 98%, bei Erdgas bei 95%, bei Steinkohle bei 100%. Insgesamt werden zwei Drittel des deutschen Energiebedarfs durch Importe gedeckt.
Die historische Dimension:
Seit 1991 hat Deutschland zusammen fast 1,8 Billionen Euro für Öl- und Gasimporte ausgegeben.

Quelle: https://klimareporter.de/energiewende/quaschning-erklaert-1800-milliarden-fuer-oel-und-gas

Zum Vergleich – was kosten uns Stromimporte?
Der Wert der Netto-Stromimporte lag 2024 bei gerade mal 2 Milliarden Euro – bei einem Stromimportüberschuss der nur etwa 6% des gesamten deutschen Stromverbrauchs ausmacht und zu keinem Zeitpunkt die Versorgungssicherheit gefährdet hat.

Quelle: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Volkswirtschaft-Kompakt/One-Pager-2025/VK-Nr.-251-April-2025-fossile-Importe.pdf

Das Fazit in Zahlen:
🛢️ Fossile Importe 2024: 76 Milliarden Euro
⚡ Netto-Stromimporte 2024: 2 Milliarden Euro
76 Milliarden Euro jährlich fließen dauerhaft ins Ausland – an Norwegen, die Golfstaaten, bis 2022 massiv an Russland. Geld das nicht in die deutsche Wirtschaft, nicht in Arbeitsplätze, nicht in Infrastruktur fließt. Ein wirklich gutes Geschäft (für andere)


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18.05.2026 um 17:59
Zitat von ForesterForester schrieb:bei Steinkohle bei 100%
Mal eine Frage: kann man in Oberschlesien besser Steinkohle fördern als im Ruhr- oder Saargebiet oder warum fördert Polen munter weiter Steinkohle während man dies in Deutschland 2018 aufgegeben hat?


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Der Energiewende-Thread

18.05.2026 um 18:39
@Forester
Die 76 Mrd. sind verglichen mit dem was Deutschland sonst an Geld verpulvert nur Peanuts.
Alleine schon dadurch daß die "Fossil" Importe ja doch nen Wert erzeugen, sei es Wärme, Strom oder Verkehr.

Klar hat das auch Nachteile.

Aber ist es sinnvoll wenn man einen Krieg der den Menschen nur Leiden bringt unterstützt? Nach dem Motto "Frieden ist keine Option"?

Aber ja ich weiß schon, hat ja nix mit der Energie-Wende zu tun...

@Marfrank
Das liegt wahrscheinlich daran weil man das nicht im eigenen Land haben will.
Sieht dann im Bezug auf Natur und Umweltschutz halt schöner aus.


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Der Energiewende-Thread

18.05.2026 um 18:51
@Forester
Noch ne kleine Zahl: Die Zinsen für die Staatsverschuldung liegen aktuell bei 50,5 Mrd. Und was man mit den knapp 598 Mio. an täglicher Neuverschuldung anstellen könnte...

Quelle: https://schuldenuhr-deutschland.com/

Ist aber wahrscheinlich auch nicht relevant, denke Ich. :shrug:


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Der Energiewende-Thread

18.05.2026 um 20:01
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:kann man in Oberschlesien besser Steinkohle fördern als im Ruhr- oder Saargebiet oder warum fördert Polen munter weiter Steinkohle während man dies in Deutschland 2018 aufgegeben hat?
Die Flöze in Oberschlesien lassen sich aufgrund ihrer Struktur besser abbauen. Sie sind breiter und weniger zerrissen.
Außerdem subventioniert der polnische Staat die Förderung und den Einsatz von Kohle (allerdings nicht mehr so fleißig wie noch vor ein paar Jahren, auch in Polen hat man erkannt dass der Kohleabbau im nächsten Jahrzehnt eingestellt gehört). Man fördert halt noch in den Vorkommen die bereits erschlossen wurden und in denen man mit der Förderung einmal begonnen hat.


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Der Energiewende-Thread

19.05.2026 um 00:36
@Marfrank Sehr berechtigte Frage.

@bettman Gute Antwort. Danke.

Warum fördert Polen Steinkohle während Deutschland 2018 aufgehört hat?
Eine berechtigte Frage – die Antwort ist eine Kombination aus Geologie, Lohnkosten und Politik.
1. Geologie – der entscheidende Faktor:
Die deutsche Steinkohle lässt sich nur unter extrem schwierigen Bedingungen aus mehr als 1.000 Metern Tiefe fördern und muss durch lange Stollen- und Schachtzechen erschlossen werden. Die oberschlesischen Flöze in Polen liegen dagegen deutlich flacher und zugänglicher – das macht die Förderung dort strukturell günstiger.
Quelle: https://www.paligo.com/ratgeber/steinkohleabbau-ende-der-foerderung-in-deutschland/
2. Lohnkosten:
Ein deutscher Bergmann verdiente zuletzt ein Vielfaches seines polnischen Kollegen. Bei ohnehin schwieriger Geologie war deutsche Steinkohle damit schlicht nie wettbewerbsfähig – ohne massive staatliche Subventionen funktionierte der Betrieb nicht.
3. Die politische Entscheidung war langfristig geplant:
Bereits 2007 einigten sich Bund, NRW, Saarland, RAG AG und IG BCE darauf, die subventionierte Förderung sozialverträglich zum Ende 2018 zu beenden. Das war keine spontane Entscheidung sondern ein über 11 Jahre geplanter Ausstieg.
Quelle: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/kohlepolitik.html
4. Polen – strukturelle und politische Abhängigkeit:
Für Polen stellt der Steinkohleabbau eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine dar – mit hunderttausenden Arbeitsplätzen und starken Bergarbeitergewerkschaften die politisch kaum angreifbar sind. Auch dort sinkt die Förderung jedoch kontinuierlich: Von 102 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf 63 Millionen Tonnen in 2018.
Quelle: https://www.energiefirmen.de/news/nachrichten/artikel-36520-kohleverbrauch-in-deutschland-sinkt-2019-weiter
Fazit:
Nicht bessere Geologie in Polen ist der Grund – sondern tiefere und schwerer zugängliche Flöze in Deutschland, deutlich höhere Lohnkosten und fehlende Wettbewerbsfähigkeit ohne Subventionen. Polen hält an der Kohle fest wegen politischer und wirtschaftlicher Abhängigkeit, nicht wegen technischer Überlegenheit. Und auch dort ist das Ende absehbar.
Das ändert nichts an der grundsätzlichen Problematik: Deutschland importiert 100% seines Steinkohlebedarfs – und das bei einem Rohstoff dessen Verbrennung das Klima belastet und dessen Preis von internationalen Märkten abhängt die wir nicht kontrollieren.

@synandy Sind 76 Milliarden Euro für fossile Importe wirklich "nur Peanuts"?
Ein interessantes Argument – aber es hält einer näheren Betrachtung nicht stand.
Zum "Peanuts"-Argument:
76 Milliarden Euro jährlich als Peanuts zu bezeichnen ist bemerkenswert. Ein kurzer Vergleich:
Gesamtes Bundeswehr-Budget 2024: ca. 52 Milliarden Euro
Gesamtes Bildungsbudget des Bundes: ca. 20 Milliarden Euro
Deutschlandticket pro Jahr: 3 Milliarden Euro

76 Milliarden Euro sind keine Peanuts. Und der entscheidende Unterschied zu anderen Ausgaben: Dieses Geld fließt dauerhaft ins Ausland und kommt nie zurück. Keine heimischen Arbeitsplätze, keine heimische Wertschöpfung, keine heimische Infrastruktur. Investitionen in Erneuerbare Energien dagegen schaffen genau das – und zwar dauerhaft.
Seit 1991 hat Deutschland zusammen fast 1,8 Billionen Euro für fossile Importe ausgegeben. Mit einem Bruchteil davon hätte man Deutschland vollständig mit Windkraft, Solar, Speichern und Wärmepumpen ausstatten können.

Quelle: https://klimareporter.de/energiewende/quaschning-erklaert-1800-milliarden-fuer-oel-und-gas

Zum "erzeugt ja Wert"-Argument:
Das stimmt – aber das gilt für jede Energiequelle gleichermaßen. Eine Wärmepumpe erzeugt denselben Wert Wärme – mit heimischem Strom, ohne Kapitalabfluss ins Ausland, mit dreifacher Effizienz gegenüber einer Gasheizung. Eine Photovoltaikanlage erzeugt denselben Wert Strom – produziert auf dem eigenen Dach, kostenlos nach Amortisation. Das Argument rechtfertigt fossile Importe also nicht – es beschreibt nur dass Energie generell nützlich ist. Das hat niemand bestritten.


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Der Energiewende-Thread

19.05.2026 um 07:16
Hallo @gastric , hallo @Forester , hallo @alle !
Zitat von gastricgastric schrieb:Nennt sich dann wieder gutes geschäft, wenn man strom günstiger kauft, als die eigene erzeugung kosten würde.
Na, da hast du das "gute Geschäft" in einem insgesammt schlechten Geschäft entdeckt.
Strom, der im Zweifel aus einem Atom- oder Kohlekraftwerk stammt, ist billiger als aus heimischen Gaskraftwerken.
Zitat von ForesterForester schrieb:76 Milliarden Euro sind keine Peanuts. Und der entscheidende Unterschied zu anderen Ausgaben: Dieses Geld fließt dauerhaft ins Ausland und kommt nie zurück. Keine heimischen Arbeitsplätze, keine heimische Wertschöpfung, keine heimische Infrastruktur. Investitionen in Erneuerbare Energien dagegen schaffen genau das – und zwar dauerhaft.
Um diese 76 Mrd. € mache ich mir weniger Sorgen, solange sie berechenbar sind. Deutschland ist eine Exportnation und wer "das gut Auto mit dem Stern" exportieren will muß als Gegenleistung irgend etwas importieren, sonst haben wir ein Handelsbilanzdefizit. Da einige User den Begriff der Technologieoffenheit nutzen um ihre eigenen dogmatisch verbohrten Grundsätze zu huldigen, möchte ich auf einen anderen Punkt in diesem Zusammenhang kommen.

Viele Regionen der Erde haben nichts anderes anzubieten als Sonne und Sand satt. Da ist es ein naheliegender Gedanke in diesen Ländern mit Hilfe von Solarstrom synthetische Kraftstoffe herzustellen. Das fängt mit einfachen Gasen wie Ammoniak oder Metan an, die man vielfach als "Energiespeicher" oder Kraftstoff nutzen kann. Es ist keine Frage von Technik, sondern von Kosten und Wüstengegenden haben hier einen Standortvorteil.

Deutschland will auch in Zukunft "den Guten" mit dem Stern in solche Länder exportieren. ^^


Gruß, Gildonus


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