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Der Energiewende-Thread

3.420 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Energie, Klimawandel, CO2 ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Energiewende-Thread

08.06.2026 um 10:50
Wir könnten aber heute schon mit der Energiewende weiter sein, wenn man auf das blöde Gerede mit den "Monstermasten" intelligent gekontert hätte und die Gleichstromleitungen oberirdisch gebaut hätte.
Bei gleicher Übertragungsspannung ist eine Gleichstromleitung viel weniger monströs als eine Drehstromleitung, da erstere pro System nur 1 (bei Rückleitung über Erde) oder 2 Leiter braucht, während letztere stets 3 braucht. Da in Deutschland Freileitungsmaste für Spannungen über 110 kV fast immer für mindestens 2 Systeme ausgelegt sind, tragen diese meist mindestens 6 Leiterseile.

Hier einige Bildbeispiele:

450 kV-Gleichstromleitung (2 Leiterseile): https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Baltic_Cable#/media/File:HVDCPylons.jpg
380 kV-Drehstromleitung (6 Leiterseile): https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Anlage_348,_Mast_138#/media/File:Anlage348_Mast138_12052025.png
380 kV-Drehstromleitung (12 Leiterseile): https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Electricity_pylons_in_Upper_Franconia#/media/File:Freileitungen_Wattendorf_2023-02-12_01.jpg


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10.06.2026 um 15:33
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:wenn man auf das blöde Gerede mit den "Monstermasten" intelligent gekontert hätte
Sicher eine technische Option (wenn wohl auch eine teure). Aber der Konter wäre eher eine gesellschaftliche Frage: "Was willst Du":
a) dramatisch weniger Energie verbrauchen (Verzicht auf Individualmobilität, weniger Heizen, sehr eingeschränkte Rechenzentren ...) oder
b) massive Verschlechterung der Lebensbedingungen mit Überschwemmungen, Dürren und extremen Migrationsbewegungen oder
c) an manchen Stellen Windräder und Strommasten angucken müssen.

Da erscheint doch Option c) geradezu lächerlich leistbar.


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10.06.2026 um 19:44
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Sicher eine technische Option (wenn wohl auch eine teure)
Wäre es wirklich so teuer gewesen, wenn man die Leute darüber aufgeklärt hätte, dass eine Gleichstromleitung weniger Platz benötigt als eine Drehstromleitung?


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Der Energiewende-Thread

11.06.2026 um 08:38
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:Wäre es wirklich so teuer gewesen, wenn man die Leute darüber aufgeklärt hätte, dass eine Gleichstromleitung weniger Platz benötigt als eine Drehstromleitung?
Nach meiner Kenntnis (und ich lasse mich da gerne korrigieren) sind Gleichstromumspannwerke sehr viel teurer. Aber natürlich ist der Transport effizienter. Die Frage ist aber, ob wir eine Investition benötigen, um die Menschen von etwas zu überzeugen, das auch ohne weitere technische Umsetzung so unfassbar offensichtlich das aller kleinste Übel ist.
Wenn sich jemand darüber echauffiert, dass ein Windrad den Blick auf die Landschaft verdirbt, dann wäre hier eigentlich der Erklärungsansatz zu finden. Es ist völlig verständlich, dass Menschen ungern Veränderungen haben, aber alles, was wir machen, hat negative Einflüsse. Wir müssen als Gesellschaft besser lernen, dass wir eine Situation in der Gesamtheit betrachten müssen. Nicht populistisch einzelne Vor- oder Nachteile isoliert herausgreifen.

Das müssen wir als Gesellschaft lernen, denn egal wie wissenschaftlich vorteilhaft irgendetwas ist: In einer populistischen Betrachtung kann man alles schlecht reden. Und die Menschen gegen die objektiv besten Lösungen aufbringen. Wenn wir das als Gesellschaft nicht hinbekommen, werden wir immer von den Interessen einiger weniger abhängig sein. Die ihren persönlichen Profit einer Vielzahl von Menschen schmackhaft machen, indem sie die Wahrheit mit Füßen treten und geschickt rhetorisch agieren.


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11.06.2026 um 15:00
Gleichstromumspannwerke sind teurer als Drehstromumspannwerke, weil man aufwändigere Stromrichter benötigt. Dafür sind Kabel und Freileitungen für Gleichstrom billiger als vergleichbare Kabel und Freileitungen für Drehstrom.

Übrigens wurde schon im 2. Weltkrieg eine Energieübertragungsanlage gebaut, welche der des heutigen "Südlinks" stark ähnelte, siehe Wikipedia: Elbe-Projekt .

Aber ein Problem gibt es bei Gleichstromübertragungen. Wegen fehlender Leistungsschalter sind fast alle Gleichstromübertragungssysteme Zweipunktanlagen ( siehe Wikipedia: Liste der HGÜ-Anlagen ). Interessanterweise hat man bei der multipolaren Gleichstromübertragungsanlage "HGÜ_Québec–Neuengland" 2 Terminals stillgelegt und zurück gebaut.

Ich würde die Akzeptanz von Freileitungen und Windkraftanlagen durch geeignete Gestaltung versuchen zu verbessern. Insbesondere bei Freileitungsmasten gäbe es zahlreiche Möglichkeiten und insbesondere in Russland sind einige als Kunstwerk ausgeführte Freileitungsmaste gebaut worden ( Wikipedia: Опора линии электропередачи#Специальные модели ).

Daneben könnte man auch einzelne Freileitungsmaste und Windkraftanlagen als Aussichtsturm ausführen. Auch das wurde schon realisiert. Siehe Wikipedia: Windkraftanlage mit Aussichtsplattform und Wikipedia: Anlage 4101, Mast 93 .


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11.06.2026 um 17:05
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:Daneben könnte man auch einzelne Freileitungsmaste und Windkraftanlagen als Aussichtsturm ausführen.
Coole Sache, das kannte ich gar nicht.


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11.06.2026 um 18:13
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:Gleichstromumspannwerke sind teurer als Drehstromumspannwerke, weil man aufwändigere Stromrichter benötigt. Dafür sind Kabel und Freileitungen für Gleichstrom billiger als vergleichbare Kabel und Freileitungen für Drehstrom
Vor allem ermöglichen sie die asynchrone Kopplung von Netzen und ihrer Leitungslänge ist nicht begrenzt, da keinen Blindwiderstand existiert.
Gerade letzteres ist bei Erdkabeln mit ihrer beschränkten länge bei Drehstrom, sehr interessant.


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11.06.2026 um 20:34
Das mit der asynchronen Kopplung hat man in den 1980er und 1990er Jahren in Dürnrohr ( Wikipedia: GK Dürnrohr ), Etzenricht ( Wikipedia: GKK Etzenricht ) und Wien ( Wikipedia: GK Wien-Südost ) gemacht. Wie man auf Wikipedia: Liste der HGÜ-Anlagen sehen kann, sind viele Anlagen zur Gleichstromübertragung mit einer Seekabelübertragung verbunden.


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11.06.2026 um 23:00
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Wenn sich jemand darüber echauffiert, dass ein Windrad den Blick auf die Landschaft verdirbt,
Ich finde, die moderne Architektur verdirbt die Städte und gleicht einem Main-stream-Brei weltweit... aber wer fragt mich?


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12.06.2026 um 15:36
Zitat von hiddenhidden schrieb:Ich finde, die moderne Architektur verdirbt die Städte und gleicht einem Main-stream-Brei weltweit... aber wer fragt mich?
Du hast mein Zitat aus dem Kontext gerissen. Es geht nicht darum, ob ein Windrad jemandem gefällt oder nicht gefällt. Es geht darum, dass das optische Missfallen von den drei genannten Optionen das mit weitem Abstand geringste Übel ist. Wer sich also darüber echauffiert - egal ob derjenige es maximal optisch scheiße findet - müsste dann eine der beiden Alternativen wählen. Also entweder dramatisch weniger Energie verbrauchen oder die Folgen des Klimawandels aushalten und bezahlen.


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Der Energiewende-Thread

12.06.2026 um 15:51
Bei uns sind so viele Strommasten und die haben mich nie gestört und niemand wollte die je verbuddeln. Warum auch? Erschwert nur die Fehlersuche und Behebung.
Ich habe beim Anblick von Windrädern ein gutes Gefühl, auch wenn es viele sind wie an der Nordsee vor Borkum oder in Sachsen-Anhalt.


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Der Energiewende-Thread

12.06.2026 um 19:06
Zitat von hiddenhidden schrieb:niemand wollte die je verbuddeln
Wenn da nicht die Bayern wären.
Strom aus dem Südostlink ersetzt künftig Atomstrom
Insgesamt wird der Südostlink mehr als 750 Kilometer lang. Von der Ostseeküste und Sachsen-Anhalt führt er zum ehemaligen Atomkraftwerks-Standort Isar bei Landshut.

Die Leitung wird mit insgesamt vier Gigawatt sehr leistungsfähig, sie soll bald mehr Strom nach Bayern bringen, als die Kernkraftwerke Isar 1 und 2 plus Grafenrheinfeld produziert haben. In etwa zwei Jahren soll der erste Strom fließen, 2030 dann der Südostlink komplett fertig sein.
Quelle: https://www.br.de/nachrichten/bayern/stromtrassen-bau-erdkabel-so-ginge-es-schneller-und-billiger,UgB9fHg

Und noch einmal aus gleichem Link:
Oberirdisch bauen ist schneller, billiger und wartungsärmer
Freileitungen zu bauen, ist viel weniger aufwändig als Erdkabel, betont Tennet-Sprecherin Manuela Wolter: "Erdkabel sind rund vier bis acht Mal teurer als Freileitungen. Hinzu kommt noch, dass der Betrieb und die Wartung bei Erdkabeln deutlich aufwändiger ist. Das spricht eindeutig für Freileitung, wenn es um neue Vorhaben geht."

Seehofer hatte Erdkabelvorrang durchgesetzt
Trotzdem schreiben die geltenden Gesetze seit zehn Jahren vor, dass Gleichstromkabel unter die Erde gehören. Das geht auf den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) zurück. Die damals so genannten "Monstertrassen" wären so der Bevölkerung leichter zu vermitteln, war sein Kalkül. Denn sie sind nach Abschluss der Bauarbeiten nicht mehr sichtbar.
Quelle: obiger Link

Die Sendung https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/stromtrasse-erdkabel-kosten-100.html beziffert das Einsparpotenzial mit um die 35 Milliarden Euro. Mit ein wenig Augenmaß und Kompromissbereitschaft (wahrscheinlich beiderseits) wäre das doch fast geschenktes Geld.

Alle wollen Strom haben, aber keiner die Leitungen, Windkrafträder oder PV. Auch die AKW Befürworter melden sich gefühlt deutlicher. Zumindest ist es das, was ich in meinen Facebook Blasen lesen darf. Wie viele es sind, kann ich nicht sagen, aber laut und energisch sind sie allesamt.

Hier muss ich explizit dem zustimmen:
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Wer sich also darüber echauffiert - egal ob derjenige es maximal optisch scheiße findet - müsste dann eine der beiden Alternativen wählen. Also entweder dramatisch weniger Energie verbrauchen oder die Folgen des Klimawandels aushalten und bezahlen.
Für die Rückwärtsgewandten gibt es leider keinen menschengemachten Klimawandel, da sich das Klima immer ändert. Kannste dir nicht ausdenken. Daher findet die Idee des eines neuen AKW in diesen Gruppen durchaus Zuspruch. Da sie im Betrieb selber wenig bis kein CO2 emittieren, klingt das zunächst verlockend. Aber es ist wie bei der Steckdose, da kommt Strom raus und fertig. Wie der Strom da gemacht wird, wird radikal ausgeblendet.
Der rein technische Rest der Atomkraft wird ausgeblendet, das emotionale Thema lasse ich mal aussen vor. Wir haben noch nicht einmal ein Endlager und auch nur eine Versorgungssicherheit mit Uran von rund 120 bis 200 Jahren, je nach Annahmen und Quelle.
Mehrere AKW wegen der Hitze runtergefahren
Stand: 02.07.2025 • 12:26 Uhr

Atomkraftwerke brauchen große Mengen Kühlwasser. Doch wegen der Hitze sind die Flüsse zu warm. Nach Frankreich reagiert nun auch die Schweiz und fährt einen Reaktor herunter. Und es drohen weitere Abschaltungen.

In der Schweiz ist wegen des warmen Flusswassers einer der Reaktoren des Kernkraftwerks Beznau abgeschaltet worden. Der zweite Reaktor arbeite mit halber Leistung, teilte die Betreibergesellschaft Axpo mit. Die Maßnahmen dienten dem Schutz des Ökosystems des Flusses Aare und der Einhaltung der strengen umweltrechtlichen Vorgaben.
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/atomkraftwerke-hitze-kuehlung-abgeschaltet-100.html

Die Meldung stammt aus 2025, ob es dieses Jahr besser wird, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.


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12.06.2026 um 19:26
Mich ärgert am meisten, wenn ich mitbekomme wie sich die Leute in ländlichen Regionen gegen einige kleine WKAs organisieren und große Hetze dagegen betreiben, wo doch für jeden klar erkennbar ist, dass in einigen exponierten Gebieten hunderte davon stehen.

Ich wohne sehr sehr ländlich mit sehr guten Windverhältnissen. Ein einziger Windpark mit 14 Windrädern der schon seit 20 Jahren irgendwo in der Pampa läuft und nur von zwei Dörfern zu sehen ist.

Aber vor zwei Jahren mussten neue Gebiete ausgewiesen werden und ein großer Investor hat zunächst 8 weitere beantragt, geplant und genehmigt bekommen. Die sind jetzt 1. größer und 2. weithin sichtbar und 3. Wurden sogar noch vier weitere im Nachgang genehmigt und jetzt ist die Bevölkerung komplett zwischen pro und Kontra gespalten und wählt entsprechend auch.

Und was mir garnicht gefällt aus meiner bescheidenen Sicht vom Land aus,.dass die Gegner die Atomkraft favorisieren. Die wäre und war natürlich niemals irgendwo mitten im nirgendwo, sondern eher in der Nähe von Ballungsgebieten wie z.Bsp. Bieblis, Brokdorf, Neckarwestheim etc.

Schon klar, mich stören hier die Windräder und die Kernkraft wäre super,. Hauptsache bei mir bleibt alles und weit entfernt können die Leute ja das Risiko tragen.

Noch krasser in einem sehr kleinen Dorf in ca 20 km Entfernung. Da hat ein Investor ZWEI !! Windräder genehmigt bekommen irgendwo im Wald. Riesiges Drama natürlich nun, weil man die ja weithin vom Dorf aus sehen kann. Wie gesagt wäre natürlich auch Atomkraft viel billiger, weil die ja auch nicht bei mir im Dorf wäre.

Also Egoismus pur.

Ich persönlich finde die neuen sehr großen Anlagen zwar nicht direkt hübsch, aber der Investor hat klar kommuniziert, dass der Standort (Ertrag)besser ist als man erwartet hat und die Daten hat man aus dem bereits 20 Jahre alten Windpark in wenigen KM Entfernung.

Das ist für mich ein valides Argument, aufgrund der guten Ausbeute weiter auszubauen und zwar direkt MIT Speichern, was hier in diesem Fall auch aktuell so umgesetzt wird.

@Total_Recall

Sehr gut ausgeführt. Atomkraft ist toll, weil sie ja nicht bei mir ist und billig obendrein.

Punkt 1. Egoismus pur
Punkt 2. hartnäckiges Gerücht


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Der Energiewende-Thread

15.06.2026 um 11:48
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb:auch nur eine Versorgungssicherheit mit Uran von rund 120 bis 200 Jahren
Und der Abbau wird immer teurer und neben den explodierenden Kosten neuer AKWs muss man schon sehr weltfremd sein, die AfD-Mär des billigen Atomstroms zu glauben.


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Der Energiewende-Thread

15.06.2026 um 15:57
Auch diejenigen Nationen, die überhaupt noch Uran liefern, sind nicht gerade Speziell Frankreich hat so seine Probleme mit einem Uran Lieferanten.
Zum militärischen Exodus Tausender Truppen kommt jetzt ein wirtschaftlicher Rückschlag hinzu: Der französische Konzern Orano hat in der vergangenen Woche erklärt, dass er die operative Kontrolle über den Uranabbau in Niger verloren hat. Damit zeichnet sich das Ende eines Milliardengeschäfts ab, mit dem sich Frankreich jahrzehntelang eine sichere Zufuhr von Uran für seine Kraftwerke und seine Atomwirtschaft sicherte.
...
Frankreich importiert Uran auch aus Russland

Die Investigativplattform Mediapart berichtete im Frühjahr, dass die Franzosen auch Uran aus Russland einführten – in angereicherter Form. Ungeachtet des russischen Angriffskrieges in der Ukraine gehen diese Importe weiter. 2022 kaufte Frankreich 312 Tonnen angereichertes Uran in Russland, für 358 Millionen Euro. Rechtlich geht das in Ordnung: Gegen den Uranhandel mit Russland hat der Westen keine Sanktionen verhängt. Doch politisch und moralisch ist die Praxis fragwürdig: Macron gehört zu den wortgewaltigsten Verteidigern der Ukraine. Beim angereicherten Uran ist Russland gar die wichtigste Bezugsquelle der Franzosen.

Die Uranförderung in Niger ist schon seit Langem umstritten. Kritiker erhoben immer wieder Vorwürfe, Frankreich bekomme sein Uran dort besonders billig, der Deal galt vielen als Zeichen, wie stark und dominierend Frankreichs Einfluss über seine früheren Kolonialgebiete noch immer war.
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/politik/frankreich-uran-niger-li.3163189
Zitat von ForesterForester schrieb:Sehr gut ausgeführt.
Danke für die Blumen.
Zitat von ForesterForester schrieb:Atomkraft ist toll, weil sie ja nicht bei mir ist und billig obendrein.
Ich verfolge gerade einige Diskussionen auf FB gegen/für Energiewende / Windräder. Du wirst echt irre, wenn du die zum Teil falschen Behauptungen liest. Kaum einer der Gegner versucht eine wenigsten halbwegs sachlich/nüchterne Argumentation. Zusammengefasst müsste ich jetzt eigentlich schon tot sein. Traurig.

Sinngemäß ist mir ein positiver Beitrag aufgefallen, der in deine Richtung geht. "
Bislang hatten wir nur wenige größere Kraftwerke, die irgendwo standen. Jetzt auf einmal wird man mit der Stromerzeugung direkt konfrontiert.
" Ein wenig kann ich die Sorgen nachvollziehen, was zum Beispiel PV Anlagen betrifft. Bei uns wachsen die aktuell rundum aus dem Boden:

20260501-0R5A9321-194-R5Original anzeigen (0,7 MB)

Das sieht auf den ersten Blick so aus, als ob da wertvoller Ackerboden vernichtet wird. Bis dahin wären Sorgen nachvollziehbar, aber diese User schreien gleich die ganze Welt zusammen, ohne sich vorher darüber informiert zu haben, welche Qualität der Boden wirklich hat.

Manchmal findet man auch Perlen:
Und ich weiß jetzt wollt ihr die Rechnung. Ich möchte zuerst einmal eine Warnung voran schicken. Für die Vorrecherche und Grobrechnung ist KI top – für genaue Logik und Rechnung müsst ihr selber denken. Verschiedene KIs haben mir sehr gut klingenden Blödsinn ausgeworfen und sich bei Nachfragen in der Logik verheddert.

1. Die Annahme. Ein Einfamilienhaus mit circa 150 m2 (typische Größe) Wohnfläche verbraucht circa 18.000 kWh Wärme bei circa 120 kWh Bedarf pro m2 im Jahr. Das ist laut Heizspiegel der durchschnittliche Wert über den Bestand.

2. Eine Maisfläche von 1 Hektar schafft circa 43 Tonnen Biomasse pro Jahr. Es waren mal mehr, aber Klimawandel doing its thing. Daraus werden rund 46.000 kWh in Methan gespeicherte Energie. Da wir leider nicht umsonst mit dem Dieseltraktor auf dem Acker rumfahren und Dünger erhebliche Mengen von Energie in der Produktion braucht, ziehen wir rund 4000 kWh ab. Und das ist gut gerechnet für KURZE Transportwege. Bleiben also 42.000 kWh. Wir müssen jetzt noch annehmen, dass die (hoffentlich moderne) Gastherme 95 % Effizient hat. Bleiben 39.900 kWh auf EINEM HEKTAR Fläche. Das entspricht auf 4500 m2 Fläche circa 18.000 kWh – also exakt der Bedarf von einem Haus.

3. Bei einer neuen Solarstrom-Freiflächenanlage passt circa 1200 kWp auf EINEN HEKTAR Nutzfläche (Ohne Ausgleichsflächen für die Natur etc.). Das rechnen wir runter auf die 4500 m2 von der Maisfläche. Das sind 540 kWp auf 4500 m2. In Deutschland produziert 1 kWp im Jahr 1000 kWh. Unser Jahresertrag auf 4500 m2 ist also 540.000 kWh. Die Jahresarbeitszahl von Luft-Wärmepumpen ist knapp unter 3,5. Wir nehmen jetzt die 540.000 kWh x 3,5 und teilen das durch 18.000 kWh Wärmebedarf. Damit könnten wir circa 105 Häuser versorgen. ABER wir ziehen jetzt noch das ab, was mal in die Solarmodule an Energie gesteckt wurde. Im Betrieb sind Solarstromanlagen enormst pflegeleicht insofern ist eigentlich nur der Initialaufwand über 25-30 Jahre abgetragen relevant. Damit kommen wir auf circa 100 Häuser. (Es können auch ein paar mehr oder weniger sein, es geht hier nur um die Dimension)

4. Eine Windkrakftanlage benötigt einen Raum von circa 17 Hektar, damit sie einer anderen Windkraftanlage nicht den Wind „klaut“. Moderne Windanlagen haben 4-6 MW, wir rechnen mal mit der Mitte also 5 MW. Da kann man im Mittel von rund 12,5 GWh im Jahr ausgehen. Auf 4500 m2 runtergerechnet sind das 316.200 kWh. Die wieder mit der Wärmepumpe-Arbeitszahl multipliziert (3,5) und durch 18.000 Haushalte ergibt 61,5 warme Häuser. Auch hier müssen wir aber wieder den Energierucksack aus der Produktion abziehen. Der ist nun aber sehr gering und berechnet sich in wenigen Monaten. Eine Zahl von rund 60 warmen Häusern ist also völlig legitim.
Quelle: https://www.captain-futura.de/2026/06/13/heizungsgesetz-gruene-gewinnen-1001-gegen-cdu/

Diese Größenordnung war mir auch dann neu. Weiter unten im Blog sind dann noch die verschiedenen Quellen aufgelistet. Fairerweise: Obige Zahlen habe ich nicht nachgeprüft.


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Der Energiewende-Thread

15.06.2026 um 16:59
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb:Das sieht auf den ersten Blick so aus, als ob da wertvoller Ackerboden vernichtet wird.
Es gibt auch wunderbare Möglichkeiten der Koexistenz von PV-Modulen und Landwirtschaft. Z.B. lichtdurchlässige Module, die Weinreben vor Hagel, Starkregen und Sonnenbrand schützen. Oder die so aufgestellt sind, dass z.B. Schafe wunderbar dazwischen und darunter grasen können.
Rein technisch bieten PV-Module in verschiedenen Ausprägungen eine Menge Potential.
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb:Diese Größenordnung war mir auch dann neu.
Es ist halt auch sonst eher beknackt, Biofuels für Dinge wie Heizen und Autofahren zu verwenden (abseits exotischer Nutzungsfälle). Das ist jedenfalls keine ökologisch (und ökonomisch) sinnvolle Sache.


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Der Energiewende-Thread

15.06.2026 um 17:34
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Das ist jedenfalls keine ökologisch (und ökonomisch) sinnvolle Sache.
Immer eine Frage der Perspektive.

Wenn der Anbau von Feldfrüchten mit dermaßen hohen Auflagen verbunden ist, macht es ggf Sinn Pflanzen als Energiespeicher zur Verbrennung anzubauen.


Kurz chatti:
Ja, das ist grundsätzlich möglich – allerdings hängt es stark von den politischen Rahmenbedingungen ab.

Historisch gab es das bereits: In den 2000er-Jahren wurden große Flächen für Energiepflanzen wie Mais (Biogas), Raps oder Getreide für Bioethanol genutzt. Teilweise war die Energieproduktion pro Hektar wirtschaftlich attraktiver als die Lebensmittelproduktion.

### Warum Energiepflanzen attraktiver werden könnten

Wenn:

* Erdöl und Erdgas dauerhaft teurer werden,
* CO₂-Abgaben steigen,
* Pflanzenschutzmittel weiter eingeschränkt werden,
* Düngemittel teuer bleiben,
* Lebensmittelpreise nicht im gleichen Maße steigen,

dann könnte ein Landwirt feststellen:

> "Mit Biogasmais oder Energieholz habe ich weniger Risiko, weniger Qualitätsanforderungen und einen sicheren Abnehmer."

Gerade für schlechte Standorte oder Flächen mit hohem Krankheitsdruck kann das attraktiv werden.

### Was dagegen spricht

Deutschland und die EU haben aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt.

Nach den Diskussionen um "Tank oder Teller" wurden Förderungen für reine Energiepflanzen teilweise zurückgefahren. Die Politik versucht heute eher:

* Reststoffe zu nutzen (Mist, Gülle, Stroh),
* Zwischenfrüchte zu vergären,
* Agri-PV aufzubauen,
* Biogas flexibler zur Stromversorgung einzusetzen.

Ein kompletter Wechsel großer Flächen von Nahrungsmitteln zu Energiepflanzen wäre politisch wahrscheinlich unerwünscht.

### Ein anderer Effekt könnte wichtiger werden

Wenn Pflanzenschutzmittel weiter eingeschränkt werden, könnten manche Kulturen wirtschaftlich unattraktiv werden.

Beispiel:

* Kartoffeln
* Zuckerrüben
* Obst
* Gemüse

haben oft hohen Pflanzenschutzbedarf.

Dann könnten Landwirte auf robustere Kulturen wechseln:

* Mais
* Roggen
* Energieholz
* Grünland
* Photovoltaik

Das bedeutet nicht zwingend weniger Landwirtschaft, aber möglicherweise weniger vielfältige Landwirtschaft.

### Agri-PV als Konkurrenz

Ein weiterer Faktor ist Agri-Photovoltaik.

Wenn ein Hektar:

* 1.000–2.000 € Gewinn mit Getreide bringt,
* aber 3.000–10.000 € Pacht für Solaranlagen,

dann wird für viele Betriebe nicht die Energiepflanze, sondern die Stromerzeugung selbst interessant.

### Langfristige Betrachtung

Falls fossile Energieträger tatsächlich knapp und teuer werden, wird Energie pro Hektar immer wertvoller. Dann entsteht ein Wettbewerb zwischen:

1. Nahrung
2. Tierfutter
3. Energiepflanzen
4. Solarstrom
5. Naturschutzflächen

Welche Nutzung gewinnt, entscheidet letztlich weniger die reine Agronomie als die Politik und die Förderkulisse.

Interessant ist dabei: Ein Hektar Solarstrom erzeugt energetisch etwa das 30- bis 100-fache dessen, was ein Hektar Energiepflanzen liefern kann. Deshalb erwarten viele Agrarökonomen eher einen Ausbau von Photovoltaik als eine Rückkehr zu riesigen Maisflächen für Biogas.
Quelle:


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Der Energiewende-Thread

15.06.2026 um 21:27
Bei mir im Umfeld entstehen hektarweise Solarfarmen.
Entweder aus Erbflächen von stillgelegten Höfen- weil die Betreiberfirmen mehr als das Doppelte an Pacht zahlen wie Bauern.
Oder Großbauern selbst, die noch Gewinn steuervorteilig investieren. Weil da beim "auf der Couch sitzen" mehr rausspringt als teuer Saatgut, Dünger, Diesel und viele Arbeitsstunden vorfinanzieren und dann durch wetterunbilden oder Börsensprüngen im Minus zu sein.


:mlp:


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Der Energiewende-Thread

15.06.2026 um 22:09
Mal eine Frage zur Windkraft: in wie weit müssen Windkraftanlagen in regelmäßigen Abständen vom TÜV überprüft werden und kann auch der TÜV den schnellen Rückbau einer Anlage verordnen?

Und nun eine Frage zu synthetischen Kraftstoffen. Was fällt alles genau darunter? Meines Wissens nach sollten nur solche synthetischen Treibstoffe verwendet werden, bei deren Einsatz weniger CO2 anfällt, als bei der Produktion gebunden wird. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten:

- kohlenstofffreie Verbindungen (Wasserstoff, Ammoniak, Hydrazin, Silan, Magnesiumpulver, usw.)
- kohlenstoffhaltige Verbindungen aus nicht-fossiler Biomasse. Eigentlich müsste doch Holz auch hierzu gehören, denn es gibt ja auch Holzvergaser.

Warum wird Wasserstoff nicht zu den synthetischen Treibstoffen gezählt? Er wird ja in der Regel auch aus anderen Substanzen durch chemische Reaktionen gewonnen.


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Der Energiewende-Thread

16.06.2026 um 09:18
Zitat von abbacbbcabbacbbc schrieb:Immer eine Frage der Perspektive.
Na ja, wir sollten eine reale Kosten-Nutzen-Rechnung als Basis heranziehen. Nicht eine subventionierte Betrachtung. Subventionen sind ja nur sinnvoll, wenn ich etwas steuern möchte, das wirtschaftlich (noch) nicht tragfähig ist, weil es keine besseren inhaltlichen Alternativen gibt.
Klar gibt es aktuell Flächen, die eben "da" sind und bei denen aus verschiedenen Gründen eine anderweitige Nutzung schwierig ist. Aber auch hier ist ja das Ziel, Ackerflächen eher für die Dinge zu nutzen, die nur auf Ackerflächen erwirtschaftet werden können und einen Überschuss an Fläche (sofern es den gibt) eher dafür zu nutzen, weniger düngen zu müssen und weniger Monokulturen zu betreiben.

Und wir werden eh noch eine Lücke für Kohlenwasserstoffe haben, die chemische Industrie muss ja auch vom Erdöl weg.
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:Mal eine Frage zur Windkraft: in wie weit müssen Windkraftanlagen in regelmäßigen Abständen vom TÜV überprüft werden und kann auch der TÜV den schnellen Rückbau einer Anlage verordnen?
https://www.tuvsud.com/de-de/branchen/energie/erneuerbare-energien/windenergie/pruefung-inspektion-windkraftanlage
Das scheint recht umfassend zu sein. Ob ein Rückbau erzwungen werden kann, weiß ich nicht. Eine Stilllegung sicherlich und ein Rückbau, wenn es unter Abwägung der verschiedenen Interessen notwendig ist.
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:Warum wird Wasserstoff nicht zu den synthetischen Treibstoffen gezählt?
Das hängt sicherlich an der Definition. Typischerweise meint man mit "synthetischen Kraftstoffen" Erdöl- oder Erdgasersatzprodukte. Also Kohlenwasserstoffe.
Aber das ist eine reine Frage, was ich wie bezeichne. Wasserstoff oder Holz oder Ammoniak braucht doch keine weitere Bezeichnung oder Einreichung in eine Gruppe "Treibstoffe". Außer ggf. einen Zusatz, woher es kommt (grüner oder grauer Wasserstoff z.B.).

Außerdem sind Begriffe wie "Kraftstoffe" oder "eFuels" eher griffige Begriffe, die nicht allzu trennungsscharf sind. An der Tanke spricht man halt nicht von "Kohlenwasserstoffen", sondern von Treibstoff oder Sprit.


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