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Der Energiewende-Thread

3.342 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Energie, Klimawandel, CO2 ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Energiewende-Thread

um 11:08
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Na ja, wir sollten eine reale Kosten-Nutzen-Rechnung als Basis heranziehen. Nicht eine subventionierte Betrachtung. Subventionen sind ja nur sinnvoll, wenn ich etwas steuern möchte, das wirtschaftlich (noch) nicht tragfähig ist, weil es keine besseren inhaltlichen Alternativen gibt.
Klar gibt es aktuell Flächen, die eben "da" sind und bei denen aus verschiedenen Gründen eine anderweitige Nutzung schwierig ist. Aber auch hier ist ja das Ziel, Ackerflächen eher für die Dinge zu nutzen, die nur auf Ackerflächen erwirtschaftet werden können und einen Überschuss an Fläche (sofern es den gibt) eher dafür zu nutzen, weniger düngen zu müssen und weniger Monokulturen zu betreiben
Und das sind die Fragen:

Wo wollen wir hin.... mut Blühstreifen, Ausgleichflächen, Auflagen, Dokumentation..... wenn da ein riesen Unbruch auf uns zuläuft:
Wenn man sämtliche Subventionen streicht, müsste man konsequenterweise auch sämtliche Auflagen streichen oder die Kosten importierter Produkte um deren tatsächliche Umwelt- und Sozialfolgen ergänzen. Andernfalls vergleicht man Äpfel mit Birnen.

Viele deutsche Ackerbaubetriebe würden ohne Direktzahlungen zwar weiter existieren, aber die Rentabilität vieler Kulturen würde deutlich sinken. Besonders betroffen wären Standorte mit schlechteren Böden oder hohen Auflagen.

Gleichzeitig steigen Anforderungen an Pflanzenschutz, Düngung, Dokumentation und Flächenstilllegung. Dadurch sinken oft die Erträge oder die Produktionssicherheit, während die Kosten steigen. Das macht alternative Nutzungen wie Energieproduktion, Photovoltaik oder reine Flächenverpachtung wirtschaftlich attraktiver.

Der interessante Punkt ist aber tatsächlich deine Beobachtung:

Wenn man Subventionen gedanklich komplett entfernt, dann wird die Frage nicht mehr sein, ob Energiepflanzen oder Lebensmittel angebaut werden, sondern ob bestimmte Flächen überhaupt noch klassisch landwirtschaftlich genutzt werden.

Ein Landwirt betrachtet am Ende typischerweise den Deckungsbeitrag pro Hektar:

Weizen: Ertrag schwankt stark mit Wetter, Krankheiten und Weltmarktpreisen.

Raps: Hohe Risiken durch Schädlingsdruck und Pflanzenschutzauflagen.

Kartoffeln/Gemüse: Hohe Arbeits- und Investitionskosten.

Energiepflanzen: Teilweise stabilere Vermarktung.

PV-Freifläche oder Agri-PV: Oft kalkulierbare Einnahmen über Jahrzehnte.

Gerade auf Grenzertragsstandorten kann die klassische Lebensmittelproduktion dann schnell ins Hintertreffen geraten.

Andererseits sollte man nicht unterschätzen, dass Nahrungsmittel bei knapper werdender Energie ebenfalls teurer werden. Traktoren fahren mit Energie, Dünger benötigt Energie, Transporte benötigen Energie. Wenn Energie knapp wird, steigen normalerweise auch die Lebensmittelpreise. Die Landwirtschaft kann einen Teil der höheren Kosten also über höhere Verkaufspreise zurückbekommen.

Die eigentliche Frage ist deshalb weniger:

"Sind Energiepflanzen attraktiver als Lebensmittel?"

sondern eher:

"Werden die politischen Auflagen und gesellschaftlichen Erwartungen schneller teurer als die steigenden Lebensmittelpreise?"

Wenn die Antwort darauf langfristig "ja" lautet, dann wird die heimische Landwirtschaft tatsächlich zunehmend unter Druck geraten – selbst wenn die Nachfrage nach Lebensmitteln unverändert hoch bleibt.
Quelle: Chatti


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Der Energiewende-Thread

um 13:57
Zitat von abbacbbcabbacbbc schrieb:Wo wollen wir hin....
Zu einem umweltverträglichen aber wirtschaftlich stabilen Zustand. Und natürlich kann das bedeuten, dass man subventionieren muss.
Aber man sollte nichts subventionieren (abseits ggf. von Übergängen), was für sich betrachtet ein unnötiger oder gar unerwünschter Zustand ist.
Energie aus eigens dafür angebauten Pflanzen zu gewinnen, ist zumindest für Deutschland keine allzu gute Idee für eine breite Anwendung.
Wenn man Subventionen gedanklich komplett entfernt,
Das ist aber gar nicht das Ziel. Z.B. ist eine Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln im Inland (oder zumindest innerhalb der EU) ein kritisches Bedürfnis, das zur Not auch subventioniert werden muss. Und Lebensmittel können aktuell eben nur angebaut werden. Dazu gibt es schlicht keine Alternative. Zur Energiegewinnung, die auch ein kritisches Bedürfnis ist, gibt es Alternativen, die u.U. keine oder geringere Subventionen benötigen oder weniger schädliche Umwelteinflüsse haben (Monokulturen etc.).


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Der Energiewende-Thread

um 14:45
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb:Auch diejenigen Nationen, die überhaupt noch Uran liefern, sind nicht gerade Speziell Frankreich hat so seine Probleme mit einem Uran Lieferanten.
Das ist für mich einer der größten Pros für die Energiewende, dass man unabhängiger werden muss. Stichwort: Resillienz

Das ist genau der gleiche Punkt wie bei der Verkehrswende.

Man darf sich nicht zum Spielball von autoritären Staaten machen lassen.

Dadurch besteht immer die Gefahr, dass man entweder erpresst wird oder abgeschnitten.

Ist eigentlich wie beim Militär. Niemand würde auf die Idee kommen, die Hoheit über sein Militär einem ausländischen Staat komplett abzutreten, auch nicht die Technik.


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Der Energiewende-Thread

um 15:02
Zitat von ForesterForester schrieb:Das ist für mich einer der größten Pros für die Energiewende, dass man unabhängiger werden muss. Stichwort: Resillienz
Sicherheitshalber: Die Betonung liegt auf unabhängiger!

Wir sollten den Befürwortern der AKW doch auch gleich das heimische Uran vorschlagen und sie in die Nähe der alten Halden umsiedeln:
Sieben Milliarden Euro zahlte Bund für Sanierung bisher
Im Dezember 1991 hat der Bund die ehemaligen Wismut-Standorte übernommen. Mehrere tausend sind es. Seitdem läuft die Sanierung: Die meisten Bergwerkschächte wurden mit Beton verfüllt, die Stollen mit Grundwasser geflutet, Abraumhalden mit Erde abgedeckt und bepflanzt. Die schwer belasteten Abwasserseen der Aufbereitungsanlagen, etwa bei Seelingstädt in Thüringen, wurden zugeschüttet und versiegelt. Zum Ende dieses Jahrzehnts sollen die Erdarbeiten abgeschlossen sein.
Mehr als sieben Milliarden Euro hat die Sanierung bisher gekostet. Bis 2050 sind weitere zwei Milliarden zugesagt. Denn die ehemaligen Urananlagen müssen weiterhin überwacht werden, erklärt Michael Paul, der technische Geschäftsführer der Wismut: „Die mit Abstand aufwendigste Langzeitaufgabe ist die Wasserbehandlung. Sehr häufig eben auch mit der Randbedingung versehen, das an vielen Standorten nicht klar ist, wie lange diese Behandlung notwendig sein wird.“
Das Wasser, was aus den Gruben gepumpt wird und durch die Halden sickert, ist meist mit Schwermetallen kontaminiert – neben Uran auch Radium und Arsen. Die hochgiftigen Stoffe werden chemisch aus dem Wasser abgeschieden, anschließend als Sondermüll auf Halden der Wismut gelagert. Das sei eine der wichtigsten Aufgaben so Paul. „Diese Reinigungsanlagen müssen 24/7 laufen, um sicherzustellen, dass es keine Austritte gibt, die nicht tolerabel wären.“
In Bad Schlema muss auch die Belüftung einiger Stollen weitergehen. Sonst würde sich unterirdisch radioaktives Radongas anreichern und durch die Erde in Kellerräume der Häuser steigen.
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/uran-erzgebirge-kosten-100.html

Sorry für meinen Zynismus, aber angesichts der Schäden, die dadurch entstanden sind und deren Folgen bis heute noch spürbar sind, kann ich solchen Forderungen wenig abgewinnen. Zugegeben, Radioaktivität ist bei uns hoch emotional belastet, aber in eine solche Gegend würde ich eher nicht ziehen wollen. Aber jeder weiß doch, AKW sind die billigsten[TM] Kraftwerke auf der Welt.


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