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Der Energiewende-Thread

3.421 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Energie, Klimawandel, CO2 ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Energiewende-Thread

16.06.2026 um 11:08
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Na ja, wir sollten eine reale Kosten-Nutzen-Rechnung als Basis heranziehen. Nicht eine subventionierte Betrachtung. Subventionen sind ja nur sinnvoll, wenn ich etwas steuern möchte, das wirtschaftlich (noch) nicht tragfähig ist, weil es keine besseren inhaltlichen Alternativen gibt.
Klar gibt es aktuell Flächen, die eben "da" sind und bei denen aus verschiedenen Gründen eine anderweitige Nutzung schwierig ist. Aber auch hier ist ja das Ziel, Ackerflächen eher für die Dinge zu nutzen, die nur auf Ackerflächen erwirtschaftet werden können und einen Überschuss an Fläche (sofern es den gibt) eher dafür zu nutzen, weniger düngen zu müssen und weniger Monokulturen zu betreiben
Und das sind die Fragen:

Wo wollen wir hin.... mut Blühstreifen, Ausgleichflächen, Auflagen, Dokumentation..... wenn da ein riesen Unbruch auf uns zuläuft:
Wenn man sämtliche Subventionen streicht, müsste man konsequenterweise auch sämtliche Auflagen streichen oder die Kosten importierter Produkte um deren tatsächliche Umwelt- und Sozialfolgen ergänzen. Andernfalls vergleicht man Äpfel mit Birnen.

Viele deutsche Ackerbaubetriebe würden ohne Direktzahlungen zwar weiter existieren, aber die Rentabilität vieler Kulturen würde deutlich sinken. Besonders betroffen wären Standorte mit schlechteren Böden oder hohen Auflagen.

Gleichzeitig steigen Anforderungen an Pflanzenschutz, Düngung, Dokumentation und Flächenstilllegung. Dadurch sinken oft die Erträge oder die Produktionssicherheit, während die Kosten steigen. Das macht alternative Nutzungen wie Energieproduktion, Photovoltaik oder reine Flächenverpachtung wirtschaftlich attraktiver.

Der interessante Punkt ist aber tatsächlich deine Beobachtung:

Wenn man Subventionen gedanklich komplett entfernt, dann wird die Frage nicht mehr sein, ob Energiepflanzen oder Lebensmittel angebaut werden, sondern ob bestimmte Flächen überhaupt noch klassisch landwirtschaftlich genutzt werden.

Ein Landwirt betrachtet am Ende typischerweise den Deckungsbeitrag pro Hektar:

Weizen: Ertrag schwankt stark mit Wetter, Krankheiten und Weltmarktpreisen.

Raps: Hohe Risiken durch Schädlingsdruck und Pflanzenschutzauflagen.

Kartoffeln/Gemüse: Hohe Arbeits- und Investitionskosten.

Energiepflanzen: Teilweise stabilere Vermarktung.

PV-Freifläche oder Agri-PV: Oft kalkulierbare Einnahmen über Jahrzehnte.

Gerade auf Grenzertragsstandorten kann die klassische Lebensmittelproduktion dann schnell ins Hintertreffen geraten.

Andererseits sollte man nicht unterschätzen, dass Nahrungsmittel bei knapper werdender Energie ebenfalls teurer werden. Traktoren fahren mit Energie, Dünger benötigt Energie, Transporte benötigen Energie. Wenn Energie knapp wird, steigen normalerweise auch die Lebensmittelpreise. Die Landwirtschaft kann einen Teil der höheren Kosten also über höhere Verkaufspreise zurückbekommen.

Die eigentliche Frage ist deshalb weniger:

"Sind Energiepflanzen attraktiver als Lebensmittel?"

sondern eher:

"Werden die politischen Auflagen und gesellschaftlichen Erwartungen schneller teurer als die steigenden Lebensmittelpreise?"

Wenn die Antwort darauf langfristig "ja" lautet, dann wird die heimische Landwirtschaft tatsächlich zunehmend unter Druck geraten – selbst wenn die Nachfrage nach Lebensmitteln unverändert hoch bleibt.
Quelle: Chatti


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16.06.2026 um 13:57
Zitat von abbacbbcabbacbbc schrieb:Wo wollen wir hin....
Zu einem umweltverträglichen aber wirtschaftlich stabilen Zustand. Und natürlich kann das bedeuten, dass man subventionieren muss.
Aber man sollte nichts subventionieren (abseits ggf. von Übergängen), was für sich betrachtet ein unnötiger oder gar unerwünschter Zustand ist.
Energie aus eigens dafür angebauten Pflanzen zu gewinnen, ist zumindest für Deutschland keine allzu gute Idee für eine breite Anwendung.
Wenn man Subventionen gedanklich komplett entfernt,
Das ist aber gar nicht das Ziel. Z.B. ist eine Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln im Inland (oder zumindest innerhalb der EU) ein kritisches Bedürfnis, das zur Not auch subventioniert werden muss. Und Lebensmittel können aktuell eben nur angebaut werden. Dazu gibt es schlicht keine Alternative. Zur Energiegewinnung, die auch ein kritisches Bedürfnis ist, gibt es Alternativen, die u.U. keine oder geringere Subventionen benötigen oder weniger schädliche Umwelteinflüsse haben (Monokulturen etc.).


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16.06.2026 um 14:45
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb:Auch diejenigen Nationen, die überhaupt noch Uran liefern, sind nicht gerade Speziell Frankreich hat so seine Probleme mit einem Uran Lieferanten.
Das ist für mich einer der größten Pros für die Energiewende, dass man unabhängiger werden muss. Stichwort: Resillienz

Das ist genau der gleiche Punkt wie bei der Verkehrswende.

Man darf sich nicht zum Spielball von autoritären Staaten machen lassen.

Dadurch besteht immer die Gefahr, dass man entweder erpresst wird oder abgeschnitten.

Ist eigentlich wie beim Militär. Niemand würde auf die Idee kommen, die Hoheit über sein Militär einem ausländischen Staat komplett abzutreten, auch nicht die Technik.


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16.06.2026 um 15:02
Zitat von ForesterForester schrieb:Das ist für mich einer der größten Pros für die Energiewende, dass man unabhängiger werden muss. Stichwort: Resillienz
Sicherheitshalber: Die Betonung liegt auf unabhängiger!

Wir sollten den Befürwortern der AKW doch auch gleich das heimische Uran vorschlagen und sie in die Nähe der alten Halden umsiedeln:
Sieben Milliarden Euro zahlte Bund für Sanierung bisher
Im Dezember 1991 hat der Bund die ehemaligen Wismut-Standorte übernommen. Mehrere tausend sind es. Seitdem läuft die Sanierung: Die meisten Bergwerkschächte wurden mit Beton verfüllt, die Stollen mit Grundwasser geflutet, Abraumhalden mit Erde abgedeckt und bepflanzt. Die schwer belasteten Abwasserseen der Aufbereitungsanlagen, etwa bei Seelingstädt in Thüringen, wurden zugeschüttet und versiegelt. Zum Ende dieses Jahrzehnts sollen die Erdarbeiten abgeschlossen sein.
Mehr als sieben Milliarden Euro hat die Sanierung bisher gekostet. Bis 2050 sind weitere zwei Milliarden zugesagt. Denn die ehemaligen Urananlagen müssen weiterhin überwacht werden, erklärt Michael Paul, der technische Geschäftsführer der Wismut: „Die mit Abstand aufwendigste Langzeitaufgabe ist die Wasserbehandlung. Sehr häufig eben auch mit der Randbedingung versehen, das an vielen Standorten nicht klar ist, wie lange diese Behandlung notwendig sein wird.“
Das Wasser, was aus den Gruben gepumpt wird und durch die Halden sickert, ist meist mit Schwermetallen kontaminiert – neben Uran auch Radium und Arsen. Die hochgiftigen Stoffe werden chemisch aus dem Wasser abgeschieden, anschließend als Sondermüll auf Halden der Wismut gelagert. Das sei eine der wichtigsten Aufgaben so Paul. „Diese Reinigungsanlagen müssen 24/7 laufen, um sicherzustellen, dass es keine Austritte gibt, die nicht tolerabel wären.“
In Bad Schlema muss auch die Belüftung einiger Stollen weitergehen. Sonst würde sich unterirdisch radioaktives Radongas anreichern und durch die Erde in Kellerräume der Häuser steigen.
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/uran-erzgebirge-kosten-100.html

Sorry für meinen Zynismus, aber angesichts der Schäden, die dadurch entstanden sind und deren Folgen bis heute noch spürbar sind, kann ich solchen Forderungen wenig abgewinnen. Zugegeben, Radioaktivität ist bei uns hoch emotional belastet, aber in eine solche Gegend würde ich eher nicht ziehen wollen. Aber jeder weiß doch, AKW sind die billigsten[TM] Kraftwerke auf der Welt.


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16.06.2026 um 18:50
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb:Wir sollten den Befürwortern der AKW doch auch gleich das heimische Uran vorschlagen und sie in die Nähe der alten Halden umsiedeln:
Ja, in Sangerhausen suchen sie noch Leute. Von dort zieht aktuell jeder weg. Vorsicht aber, die Wutbürger wollen einfach nur Geld und keine Arbeit! Eine Mine in unmittelbarer Nähe wollen die einfach nicht.
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb:Aber jeder weiß doch, AKW sind die billigsten[TM] Kraftwerke auf der Welt.
Ja, dieser geistige Unfug hält sich echt hartnäckig.


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17.06.2026 um 23:16
In China geben sie beim Schwerlastverkehr ziemlich viel "Gas" also Strom.

Ich proffezeie schon lange, dass die uns da noch schneller überholen als beim PKW und zwar das obwohl der Dieselpreis aufgrund geringerer Nachfrage mittelfristig sinken wird.
China forciert Elektrifizierung von schweren Lkw – Diesel-Nachfrage unter Druck
China hat eine Initiative zur Elektrifizierung schwerer Lastkraftwagen gestartet. Diese politische Weichenstellung dürfte die Abkehr vom Diesel beschleunigen und die Kraftstoffnachfrage weiter dämpfen, während sie gleichzeitig neue Chancen für heimische Lkw-Bauer und Batteriehersteller eröffnet.
Bis 2030 sollen Elektrofahrzeuge 40% der Neuzulassungen bei schweren Lkw in China ausmachen. Das entspräche 20% der Gesamtflotte bzw. 1,6 Mio. Fahrzeugen, wie aus einer Mitteilung auf der Website des Verkehrsministeriums vom späten Freitag hervorgeht. Auf einigen Kurzstrecken rund um Peking liegt das Ziel sogar bei 80%.

Diese Zielvorgabe ist die erste detaillierte Marschroute des Landes für diesen Sektor. Sie übertrifft die Prognose von Rystad Energy vom September deutlich, wonach elektrische Schwerlast-Lkw bis 2030 lediglich 9% der chinesischen Flotte ausmachen würden.

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Im Jahr 2025 machten Elektromodelle laut dem Datenanbieter CVWorld.cn bereits fast ein Drittel der Neuzulassungen bei schweren Lkw aus. Dank Subventionen und einer erweiterten Ladeinfrastruktur haben sie sich innerhalb von zwei Jahren von einem Nischenprodukt rasant entwickelt.

Der neue Plan sieht zudem den Ausbau der unterstützenden Strominfrastruktur vor. Im Rahmen einer Initiative für „kohlenstofffreie Autobahnen“ sollen bis 2030 insgesamt 3.000 Lade- und Batteriewechselstationen entstehen.

Branchenprognosen deuten darauf hin, dass China bei Elektro-Lkw sogar ein noch höheres Tempo vorlegen könnte als die offiziellen Ziele vorgeben – ähnlich wie der Ausbau der erneuerbaren Energien in China bereits die Regierungsziele übertroffen hat. Der Batterie-Riese CATL prognostizierte bereits im vergangenen Jahr, dass bis 2028 die Hälfte aller verkauften schweren Lkw in China Elektromodelle sein könnten.
Quelle:

https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/china-forciert-elektrifizierung-von-schweren-lkw-a-diesel-nachfrage-unter-druck-ce7f5cdedb89ff22

Bei uns in Europa sind aktuell immerhin 700 km Reichweite für die ehemals 40 Tonner Fraktion drin.

Da gab es die letzten Tage sehr viele Berichte dazu,:

https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/nfz-fuhrpark/erste-testfahrt-mit-dem-neuem-reichweiten-koenig-von-volvo-trucks-3815340


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18.06.2026 um 00:45
Ist in China auch geplant, Lastwagen mit Oberleitungsbetrieb einzusetzen und Fahrzeuge zu verwenden, deren Akku während der Fahrt über eine Oberleitung aufgeladen werden kann?


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18.06.2026 um 08:57
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb am 12.06.2026:eine Versorgungssicherheit mit Uran von rund 120 bis 200 Jahren, je nach Annahmen und Quelle.
Vorweg: Ich bin kein Befürworter von Atomkraft, aber: Uran ist relativ häufig. Unter momentanen ökonomischen Gesichtspunkten ist es in ~120 Jahren unwirtschaftlich Uran zu fördern. Aber das gleiche galt für Öl. Vor wenigen Jahrzehnten hieß es noch, dass Öl knapp ist und uns langsam aus geht. Allerdings wurden neue Vorkommen erschlossen, die Technik ist besser geworden und die Preise sind gestiegen, weshalb wir immer noch haufenweise Öl fördern. Wenn Uran also knapper wird und die aktuell erschlossenen Abbaugebiete weitestgehend ausgeschöpft sind, gleichzeitig aber die Nachfrage konstant bleibt, oder steigt, dann werden neue Vorkommen erschlossen.
Nur mal als Beispiel: Im Meerwasser sind schätzungsweise 4 Mrd. Tonnen Uran. Damit würde man eine Weile klarkommen, wenn die Technik voranschreitet und eine wirtschaftliche Förderung erlaubt.

Ob das nun ökologisch sinnvoll wäre, sei mal dahingestellt. Ich will damit nur sagen, dass das Thema nicht an Uranvorkommen scheitern würde.


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18.06.2026 um 09:20
Hallo @CharlyPewPew , hallo @alle !
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:Ich will damit nur sagen, dass das Thema nicht an Uranvorkommen scheitern würde.
Jau !

Neben Uran gibt es noch Thorium, das deutlich häufiger ist.
Für Thorium selbst gibt es kaum Verwendungszwecke, weil radioaktiv, also wird wenig gefördert.

Als Quelle für Uran und Thorium kommt auch "Kohleasche" in Frage, weil sich Uran und Thorium in einem reduzierenden Umgebung, wie Kohleflötze, anreichert. Man hat in der Vergangenheit diese Uranquelle auch genutzt aber aufgegeben, weil unwirtschaftlich.


Gruß, Gildonus


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18.06.2026 um 09:58
Zitat von GildonusGildonus schrieb:Neben Uran gibt es noch Thorium,
Ja es gibt auch Deuterium/Tritium, Antimaterie und was weiß ich... wir reden hier aber von vorhandenen Konzepten und nicht von experimentellen Minianlagen. Der Flüssigsalz Reaktor in China hat 2MW. Damit kannst du nicht mal zwei Ladepunkte eines BYD Flash-Chargers bedienen. Das ist eine reine Testanlage. Der nächste hat 60MW. Die soll zeigen, dass man damit auch wirklich Strom erzeugen kann. Frühestens 2030. Bis das in großen Maßstäben skaliert vergehen Jahrzehnte. Falls man nicht vorher, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, auf Alternativen setzt.


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18.06.2026 um 11:03
Vorab, ich bevorzuge eine nüchterne und sachliche Auseinandersetzung, auch die Betrachtung eines AKW mit allen positiven und negativen Konsequenzen gehört dazu, die es ja bei allen anderen Arten der Energieerzeugung gibt. Finnland braucht momentan noch Kernkraftwerke.
Atomenergie stellte im vergangenen Jahr 39 Prozent des Stromverbrauchs - anstelle von etwa 28 Prozent vor drei Jahren. Mit einer Kapazität von 1600 Megawatt ist Olkiluoto 3 einer der größten Atomreaktoren der Welt. Aber ihn zu bauen hat mit elf Milliarden Euro rund dreimal so viel gekostet wie geplant. Es dauerte 18 Jahre, ihn fertigzustellen - anstatt der zunächst veranschlagten vier Jahre. Wegen der Kostenexplosion strich der Betreiber TVO Pläne für einen vierten Reaktor an dem Standort. Für Juha Poikola, PR-Manager des Unternehmens, hat sich der Aufwand dennoch gelohnt. "Dadurch sind die Strompreise gesunken. Außerdem haben wir 5000 direkte und indirekte Jobs geschaffen", erklärt er gegenüber DW, während er eine Gruppe Journalisten im neuen Reaktor herumführt.

Aber Nuklearstrom ist nur ein Teil der Geschichte. Auch erneuerbare Energien haben dabei geholfen, russische Energieimporte zu ersetzen. 2024 stellten Windparks an Land 24 Prozent der Stromproduktion - im Vergleich zu noch 14 Prozent 2022. Für Veli-Pekka Tynkkynen, Professor für russische Umweltstudien an der Universität Helsinki, kommt es auf die richtige Mischung an. "Neben Atomenergie verfügen wir über Wasserkraft, Biomasse und Windenergie. All das macht unsere Resilienz aus", betont er gegenüber der DW. Dabei seien erneuerbare Energien die Zukunft, so Tynkkynen.
Quelle: https://www.dw.com/de/wie-finnland-unabh%C3%A4ngig-von-russischen-energieimporten-wurde/a-74700764

Finnland hat etwas speziellere und historisch bedingte Gründe, mit viel Energie sich energisch von der Abhängigkeit von Russland zu lösen.
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:Unter momentanen ökonomischen Gesichtspunkten ist es in ~120 Jahren unwirtschaftlich Uran zu fördern.
Ja, das ist die Randbedingung, kein Thema. Wobei Unwirtschaftlichkeit bedeutet, dass typisch Vorkommen mit niedrigem Gehalt dann mit noch mehr Aufwand erschlossen und gefördert werden.
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:Uran ist relativ häufig.
Lithium auch. :D


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18.06.2026 um 15:18
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb:Wobei Unwirtschaftlichkeit bedeutet, dass typisch Vorkommen mit niedrigem Gehalt dann mit noch mehr Aufwand erschlossen und gefördert werden.
Genau. Aber wenn die Nachfrage zukünftig weiter besteht, werden einfach neue Abbaugebiete erschlossen. Es gibt halt einen Unterschied zwischen Reserven und Ressourcen. Wozu sollte ich heute noch ein Abbaugebiet mit potenziellen 200.000t Ertrag erschließen, wenn die vermutlich erst in 40 Jahren gebraucht werden. Und wenn man den Preis pro Tonne Uran von jetzt auf gleich auf 500$ anheben würde, hätten wir plötzlich, selbst an jetzigen Standorten, noch etliche Jahrzehnte länger Uran. :-)
Zitat von Total_RecallTotal_Recall schrieb:Lithium auch.
Ist bekannt :D
Selbst hier in meiner Heimat haben wir "ein bisschen was".

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/stendal/salzwedel/lithium-foerderung-altmark-neptune-energy-102.html


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Der Energiewende-Thread

18.06.2026 um 15:51
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:Aber wenn die Nachfrage zukünftig weiter besteht, werden einfach neue Abbaugebiete erschlossen.
Das ist sachlich richtig. Vermutlich könnte man, wenn man auf Uran als Energiequelle setzt, das rein technisch betrachtet noch Jahrtausende tun. Aber die rein technische Betrachtung greift eben viel zu kurz.

Das ist wie bei den eFuels (für massenhafte Verwendung in Pkw/Lkw/Zügen), technisch mit beliebigem Aufwand machbar, aber ökonomisch und ökologisch Unsinn. Und eine ökonomische Betrachtung wird vermutlich jeder nachvollziehen können, auch die Leute, denen ökologische Aspekte am Arsch vorbei gehen.
Zitat von GildonusGildonus schrieb:Neben Uran gibt es noch Thorium, das deutlich häufiger ist.
Ein konventioneller Reaktorbau (Uran) dauert Jahrzehnte (und kostet Unsummen). Du kannst nun raten, was ein noch komplexerer Thorium-Reaktor kostet und wann es ihn produktiv geben könnte. Ich würde sagen, selbst wenn es das gäbe, das erlebst Du nicht mehr.

Diese Konzepte für alternative Kernreaktoren gibt es seit den 60er Jahren des letzten Jahrtausends. Du darfst nun raten, warum diese bisher nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Auch hier sind wir bei der selben Problematik wie bei eFuels: Im besten Fall für Nischenanwendungen, für die es keine sinnvolle Alternative gibt.


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Der Energiewende-Thread

18.06.2026 um 17:01
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Diese Konzepte für alternative Kernreaktoren gibt es seit den 60er Jahren des letzten Jahrtausends. Du darfst nun raten, warum diese bisher nicht wirtschaftlich betrieben werden.
Hinkley Point C braucht ja auch mal wieder garantierte Abnahmepreise, damit es sich eventuell vielleicht irgendwann rechnet. Jetzt habe ich spasseshalber mal die KI gefragt, wie lange das Teil laufen muss, wenn es sich zu marktüblichen Preisen (5ct/kwh) rentieren soll. Ergebnis: ca. 5000 Jahre.


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Der Energiewende-Thread

18.06.2026 um 17:41
Zitat von alhambraalhambra schrieb:Hinkley Point C braucht ja auch mal wieder garantierte Abnahmepreise, damit es sich eventuell vielleicht irgendwann rechnet.
35 Jahre lang zahlt der britische Steuerzahler die Differenz von 15 Ct./kWh zum Marktpreis. Bei 10 Ct. Differenz pro kWh sind das bei einer Jahresleistung des AKW (wann es wohl ans Netz geht?) von rund 25 TWh/a (25 Mrd. kWh/a) immerhin weitere 87,5 Mrd. Euro.

Tatsächlich sind die 15 Ct./kWh für eine Betriebsdauer von 60 Jahren auch nötig. Und dann haben wir noch immer das Problem der Endlagerung.


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18.06.2026 um 17:47
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Und dann haben wir noch immer das Problem der Endlagerung.
????

Wer ist wir ??? In 60 Jahren sind alle über 30 zum größtenteil Tod.


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18.06.2026 um 18:47
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Und eine ökonomische Betrachtung wird vermutlich jeder nachvollziehen können, auch die Leute, denen ökologische Aspekte am Arsch vorbei gehen.
Ich möchte noch mal betonen, dass ich Atomkraft ablehne. Aber Öl hat uns gezeigt, dass eine Ressource schon bei kleinem Anstieg des Preises und ein paar neuen technischen Kniffen eben doch wieder wirtschaftlich gut abbaubar ist. Genau so kann man auch beim Uranabbau die „Reichweite“ verlängern.

Ich sage nicht, dass man deshalb bei Uran genau so agieren sollte. Aber meine Stimme zählt recht wenig im globalpolitischen Gefüge und in den Büchern von Großkonzernen. Dazu kommt, dass einige wenige Staaten leider noch kaum Alternativen haben, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollen. Ich denke da vor allem an Südkorea und Japan.


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Der Energiewende-Thread

18.06.2026 um 19:39
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:Uranabbau
Wobei die Laufzeit der im Betrieb befindlichen Reaktoren dagegen arbeitet, wenn deren Bauzeit 10 bis 15 Jahre und mehr beträgt, da im Gegenzug die regenerativen Energien mehr und mehr erschlossen werden und das im Vergleich zu unschlagbaren Kosten.

Gerade die USA, deren aktueller König Präsident einen wahrhaft heroischen Feldzug gegen regenerative Energien startete "Drill, Baby, Drill!!!" scheint sich damit als Steigbügelhalter für genau diese zu erweisen.
Texas, das wie kein anderer Staat für Öl und Gas steht und mit klarer Mehrheit für Donald Trump gestimmt hat, steigt 2025 zum größten Solarstrom-Produzenten auf, noch vor Kalifornien.

Die Entwicklung ist ein scharfer Kontrast zu den Positionen von Donald Trump: Der US-Präsident nannte den Klimawandel einen großen Betrug und hat die Wind- und Solarenergie zur Zielscheibe gemacht. Nach seinem Amtsantritt stoppte er Genehmigungen für Offshore-Windparks und strich Subventionen aus dem Inflation Reduction Act der Biden-Ära zusammen. Sein Innenministerium verzögert die Prüfung neuer Wind- und Solarprojekte. Mehr als 100 Solarunternehmen sahen sich deshalb bereits Ende 2025 genötigt, den Kongress in einem offenen Brief aufzufordern, dieses „nahezu vollständige Genehmigungsmoratorium“ zu beenden.

Texas und Florida, Indiana und Ohio: Trump-Staaten im Grünstrom-Rausch
Und dennoch läuft der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter. Am stärksten in den republikanisch regierten Bundesstaaten.

Laut dem Branchenverband Solar Energy Industries Association entfielen 73 Prozent der 2025 neu installierten Solarleistung in den USA auf Staaten, die Trump gewählt haben, darunter Texas, Florida, Indiana, Ohio und Arkansas. Eine Befragung der Meinungsforscher Fabrizio, Lee & Associates, die 2016 und 2024 für Trumps Wahlkampagne arbeiteten, zeigt außerdem, dass 68 Prozent der republikanischen Wähler den Ausbau von Solarenergie befürworten
Quelle: https://energiewinde.orsted.de/energiewirtschaft/usa-erneuerbare-boomen-in-trump-hochburgen-gruende

Solche Fakten haben IMHO eine hohe Strahlkraft.


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18.06.2026 um 20:40
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Und dann haben wir noch immer das Problem der Endlagerung.
Ach, papperlapapp. Nur noch 50 Jahre und schon wissen wir, wo das Endlager hinsoll. und dann nur noch mal 50 Jahre, dann ist es auch schon fertig. Das gute daran: Alle können sich entspannt wieder hinlegen, wir werden es eh alle nicht mehr erleben.
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:Ich möchte noch mal betonen, dass ich Atomkraft ablehne. Aber Öl hat uns gezeigt, dass eine Ressource schon bei kleinem Anstieg des Preises und ein paar neuen technischen Kniffen eben doch wieder wirtschaftlich gut abbaubar ist. Genau so kann man auch beim Uranabbau die „Reichweite“ verlängern.
Bekanntermaßen lehne ich AKW auch ab, aber der Gedanke hat durchaus was. Aber keine Ahnung ob er korrekt ist. Das nächste Problem: Uran kommt nur aus einer Handvoll Länder. Frankreich bekam sein Uran zum großen Teil aus dem Niger. Leider verlieren sie gerade den zugriff drauf. Weswegen Frankreich mittlerweile drauf angewiesen ist, das Zeug in Russland zu kaufen. Und wieder was mit dem man erpressbar ist.


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18.06.2026 um 21:23
Hallo @CharlyPewPew , hallo @azazeel , hallo @alle !


Ich mochte auf zwei Punkte hinweisen.

Atomkraftwerke sind so teuer, wie man sie baut. Eigendlich spricht nichts dagegen Reaktoren der Convoi Baureihe "in Serie" zu bauen. Dafür waren sie eigendlich auch gedacht. Diese Reaktoren sind betriebssicher genug, kosten nur einen Bruchteil der Reaktoren der neuesten Baureihe und sind innerhalb der Zeitpläne fertig. Früher hat es jedenfalls geklappt. Weshalb es bei den neuen Typen zu so einer Kostenexplosion kommt, ist mir nicht klar.

Die Schmelzsalzreaktoren sind nicht gerade neu. Vor gut 70 Jahren hatte man erste Versuchsreaktoren dieser Art gebaut. Ziel sollte sein damit "Flugzeuge" anzutreiben. Eingestellt wurde das Projekt, weil man das ursprüngliche Ziel aufgegeben hatte und nicht weil es nicht funktionierte hätte. Es gab schlicht und einfach keinen Bedarf für diese Kleinreaktoren. Es gab zum damaligen Zeitpunkt auch keine Notwendigkeit Thorium als "Uranersatz" weiter zu entwickeln. Man bräuchte dazu eine parallele Beschaffungslogistik und das Ganze für vergleichsweise geringe Mengen. Uran gab und gibt es genug.


Gruß, Gildonus


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