sallomaeander schrieb:"Mutmaßliche Täter" sind im Sprachgebrauch ja meist konkrete Personen, deren Täterschaft mehr oder weniger klar ist, die aber nicht uneingeschränkt als "Täter" bezeichnet werden dürfen, wegen der Unschuldsvermutung.
Dafür dass die Ermittler im Fall Birgit Ameis bereits eine konkrete Person als Täter im Visier haben könnten, sehe ich in diesem Fall überhaupt keine Anhaltspunkte.
sallomaeander schrieb:Ich finde es schon etwas steil, nach über zehn Jahren und über achthundert Seiten Diskussion nunmehr davon auszugehen, dass es sich im Fall Ameis um einen kompliziert inszenierten Fall der Selbsttötung handelt, der Heerscharen von Polizisten und auch Foristen gefoppt und in die Irre geführt hat.
Falls du dich auf meine Einschätzungen beziehen solltest, dann hast du mich möglicherweise missverstanden.
Ich gehe nicht von einem Suizid aus, der als Verbrechen inszeniert wurde.
Ich halte lediglich einen Suizid für möglich, obwohl die Ermittler offenbar nach bestem Wissen und Gewissen zu der Bewertung gekommen sind, dass Frau Ameis Opfer eines Verbrechens wurde.
Ich denke, dass es bei der Bewertung dieses Falles nicht nur schwarz (eindeutiges Verbrechen) oder weiß (eindeutiger Suizid) gibt, sondern dass mangels eindeutiger Beweise die Wahrheit in diesem Fall irgendwo dazwischen liegt.
Die Liegezeit im Freien war mit fünfeinhalb Jahren einfach zu lang, als dass man bei der Bergung der sterblichen Überreste entdeckte Gegenstände mit absoluter Sicherheit einem mutmaßlichen Täter hätte zuordnen können.
Da die Gegenstände nicht benannt wurden, können wir leider nur spekulieren, was genau gefunden wurde. Selbst wenn man Reste von Klebeband, Kabelbindern, Stricken oder Plastikfolie gefunden hätte, wären solche Funde aber höchstens Indizien für ein Verbrechen.
Es wären jedoch keine Beweise für ein Verbrechen.
Dass nach fünfeinhalb Jahren ein erkennbar "gefesseltes Skelett" gefunden wurde, dürfte ausgeschlossen sein.
Es dürfte sich nur noch um eine "teilweise verstreute, unvollständige Anhäufung von menschlichen Knochen und dazwischen ein paar nicht verrotteten Resten der Bekleidung so wie die von den Experten einem mutmaßlichen Täter zugeordneten Gegenstände" gehandelt haben, von denen sich nichts mehr in der Anordnung zum Todeszeitpunkt befunden hat.
Der Leichnam war schließlich nicht vergraben, wodurch zumindest die ursprüngliche Anordnung erhalten geblieben wäre, sondern er lag fünfeinhalb Jahre im Freien und war der Witterung, Tierfraß und anderen Einflüssen der Natur ausgesetzt.
Auf dieser Grundlage die sichere (!) Erkenntnis abzuleiten, dass Frau Ameis von jemandem getötet worden sein muss, so behaupte ich, ist nicht möglich.