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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

26.11.2018 um 11:31
Ja, Journalisten leben gefährlich.

Wie gefährlich, das wurde mir eigentlich erst durch die Ermordung von Daphne so richtig bewußt. Und in immer mehr Ländern - auch demokratischen Ländern - wird von Regierungsseite her konsequent gegen Journos gehetzt.

Habe zufällig gerade die vier Teile auf Arte darüber gesehen: Mission Wahrheit (steht in der Mediathek bis Dezember). Es gibt dort eine gruselige Situation, wo Donald Trump eine Menschenmenge aufhetzt gegen Journalisten, die hinten im Saal hinter der Absperrung sitzen. Das sieht man in Teil 3 ungefähr ab Minute 15.
https://www.arte.tv/de/videos/075598-000-A/mission-wahrheit-die-new-york-times-und-donald-trump-3-4/

Man kann deutlich wahrnehmen, wie der Hass sich sammelt, und nur wenig fehlt, damit die Masse anfängt handgreiflich zu werden. Hätte Trump in diesem Augenblick gesagt: Macht sie fertig - dann hätte es ein Blutbad gegeben.

In Malta ist es ähnlich. Kritische Journalisten erhalten Morddrohungen, werden aus Ladengeschäften vertrieben. (Und auch in Deutschland werden Journalistien immer häufiger angegriffen - auch körperlich! Die "Lügenpresse-Schreier" haben leider mehr Erfolg, als mir lieb ist.)

Was Malta betrifft haben mir viele Journalisten gesagt, dass die Regierung mit ihrer Social-Media-Präsenz die freien Medien erdrückt - schlicht und einfach durch Masse. Muscat hat Millionen in Facebook gesteckt. Sie haben die größte Reichweite im Land - ganz abgesehen davon, dass alle TV-Sender und die meisten Zeitungen sowieso der Regierung, bzw. den Parteien gehören.

Gleichzeitig werden Werbeaufträge der Regierung und regierungsnaher Business-Partner zurückgezogen, wenn Medien kritisch sind, wie z.B. der Independent.

Die Pilatus Bank (eine hochkriminelle Bank, die ebenfalls zu dem Korruptions-Komplott in Malta gehörte) drohte allen Zeitungen des Landes ein SLAPP-Verfahren an - also einen Prozess, der auf 25 bis 30 Millionen Schadensersatz ausgeht, und der strategisch dazu dient, den Gegner finanziell zu ruinieren. Daphne Caruana Galizia hatte ebenfalls zwei solche Klagen am Hals. Sie wußte aber nur von einer.

Meist geht es um "Rufschädigung" aufgrund "falscher Berichterstattung". Mir wurde von einem Chefredakteur gesagt, dass obwohl Anwälte seiner Zeitung (und keiner kleinen) ausrechneten, dass sie einen SLAPP Prozess mit 90%iger Wahrscheinlichkeit gewinnen würden, haben sie am Ende die kritischen Artikel zurückgezogen - weil die Kosten vorab - Gutachten, Anwälte etc. nicht zu stemmen waren.

So konnte eine einzige kriminelle Bank die gesamte unabhängige Presse komplett lahmlegen. Daphne Caruana Galizia hat da nicht mitgemacht. Daher zählen auch H&P, PilatusBank, die Regierung von Azerbaidjan potentiell zu jenen, die von ihrem Tod profitiert haben. Ob sie davon wußten, oder sogar einen Anteil daran hatten, liegt völlig im Dunkeln.

Online-Medien wie The Shift News sind aktuell besonders gefährdet, wie ich schon ausführte. Die wissen gar nicht wie sie ihre Kosten aufbringen sollen. Und werden ständig vor Gericht gestellt.

Aber selbst das sparen sich manche mittlerweile.

Glenn Bedingfield hat vor kurzem das Recht in die eigenen Hände genommen.
Habe hier darüber geschrieben:
http://www.twitlonger.com/show/n_1sqnqt4

In Malta macht die Regierung was sie will. Und niemand hat ein Interesse daran, den Mord an der Journalistin wirklich aufzuklären.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

21.09.2019 um 18:35
Es wurde lang nichts mehr über diesen Fall berichtet. Nun wird es wohl eine neuerliche Untersuchung geben. Bei N-TV heißt es dazu:
Knapp zwei Jahre nach dem tödlichen Bombenanschlag auf die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia hat die Regierung eine Untersuchung angeordnet, ob das Verbrechen hätte verhindert werden können. Regierungschef Joseph Muscat habe die Untersuchungskommission unter Leitung eines Richters angewiesen, binnen neun Monaten einen Bericht vorzulegen, teilte die Regierung des Inselstaates im Mittelmeer mit.
https://www.n-tv.de/politik/Malta-ordnet-Untersuchung-im-Fall-Galizia-an-article21286890.html


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

22.09.2019 um 12:52
Mum high res photo
Ja. Es wurde lang nichts mehr über diesen Fall berichtet.

Es war schon schwierig, die drei mutmaßlichen Attentäter innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Zwei-Jahres-Frist anzuklagen. Wäre diese Frist abgelaufen, hätte man sie auf freien Fuß setzen müssen - was die Anwälte der drei maltesischen Mafiosi auch immer wieder verlangt hatten. Mit allen Mitteln haben sie versucht, das Beweisaufnahme-Verfahren zu stören und zu verzögern. Zumindest dieses ist nicht gelungen, doch man hört kaum etwas Neues vom Mordprozess in Malta.

Der Mordprozess ist eine Sache. Die unabhängige Untersuchung eine andere.

Diese Untersuchung wurde von der Familie schon seit Sommer 2018 verlangt. Sehr klug wurde dort mit Unterstützung ihres Anwaltes Tony Murphy gefordert, dass in dieser unabhängigen Untersuchung vor allem geklärt werden sollte, OB DER MALTESISCHE STAAT DIESEN MORD HÄTTE VERHINDERN KÖNNEN.

Um es gleich vorweg zu sagen: In meinen Augen hätte die Regierung den Mord nicht nur verhindern können, sondern auch verhindern MÜSSEN.
Nach meinen Recherchen hat die maltesische Regierung Mittel, Ressourcen und Manpower eingesetzt, um die Pressefreiheit (in Person von Daphne Caruana Galizia) zu zerstören, den Ruf der Journalistin durch Lügen und medial gesteuerte Hetzkampagnen zu ruinieren, sie finanziell auszubluten, ihre Bankkonten zu sperren, sie mit millionenschweren Prozessen zu bedrohen – und sie so zum Schweigen zu bringen.

Die maltesische Regierung hat mit anderen Worten die Ressourcen des Staates missbraucht, um ihren eigenen privaten Feldzug zu führen.

Daphne Caruana Galizia in ihren eigenen Worten:
„Es ist nicht dasselbe, wenn eine Journalistin es einer Regierung schwer macht, oder wenn eine Regierung einer Journalistin das Leben schwer macht: Das eine ist Demokratie. Aber das andere ist Missbrauch, Belästigung und Einschüchterung…
... Sie sprechen über Pressefreiheit, und dann setzen sie eine ganze Maschinerie in Gang, um die Journalistin, die ihre erklärte Kritikerin ist, zu schikanieren. Das zeigt jedem außerhalb des Landes, dass die Grundprinzipien des Journalismus und der freien Meinungsäußerung einfach nicht verstanden werden. Und auch nicht die unterschiedlichen Aufgaben von Politikern und Journalisten.“

Zitate entnommen aus der Video-Installation von Joanna Vortmann:
„We want the truth, the whole Truth“ https://fotovideokunst.net/videoinstallation-the-truth-video

Zurück zur Forderung der unabhängigen Untersuchung in Malta durch die Familie. Nachdem die maltesische Regierung nicht darauf reagierte, gab es im Oktober einen weiteren Versuch – nun wendete man sich an die EU:

Paul Caruana Galizia, one of Daphne’s sons said:
“My family has already been forced to go to the highest court in Malta in order to remove from the criminal investigation into my mother’s assassination a senior police officer who was the subject of her journalistic inquiry. A grieving family of an assassinated investigative journalist should not have to return to court to compel Malta to comply with its legal obligation to establish a Public Inquiry; however, if that proves necessary we shall do so without delay.”

https://theshiftnews.com/2018/11/30/further-and-final-request-for-public-inquiry/

Der Anwalt der Familie, Tony Murphy of Bhatt Murphy said as follows:
“I am part of an international team of lawyers acting for the family of Daphne Caruana Galizia in their search for the truth surrounding her assassination. In view of the urgent need to preserve evidence of any state complicity or neglect surrounding Ms Caruana Galizia’s assassination, we have requested a response from the Prime Minister by 31st August. If the Prime Minister refuses to institute a Public Inquiry that complies with the European Convention on Human Rights, the family will have no option but to commence legal proceedings in Malta and perhaps ultimately in the European Court of Human Rights in Strasbourg."

https://www.doughtystreet.co.uk/news/family-daphne-caruana-galizia-calls-malta-establish-public-inquiry-whether-her-life...

Nachdem wieder nichts passierte, trugen die Anwälte der Familie dies dem Menschenrechts-Ausschuss der EU vor:

https://vodmanager.coe.int/coe/webcast/coe/2018-10-08-2/en

24 internationale Medienorganisationen schlossen sich der Forderung an: https://www.ecpmf.eu/news/press-releases/appeal-to-establish-a-public-inquiry-into-the-assassination-of-daphne-caruana-g...

Joseph Muscat konterte mit einem Interview in der BBC. Seiner Meinung nach war eine solche Untersuchung nicht notwendig. Niemand war erstaunt.

Sonderberichterstatter des Menschenrechtsausschusses PACE, Pieter Omtziegt, legte dann im März 2019 einen einen umfangreichen Bericht vor, in dem nicht nur die Versäumnisse der Regierung bezüglich der Mord-Untersuchung selbst, sondern auch die größten Skandale in die maltesische Politiker verwickelt sind, noch einmal benannt wurden, beruhend auf den Berichten vorausgegangener Delegationen nach Malta seit dem Mord an Daphne.

Der Bericht brachte alle bisherigen Erkenntnisse und Forderungen auf den Punkt, resultierend in der Forderung der EU an Joseph Muscat, die UNABHÄNGIGE UNTERSUCHUNG innerhalb von drei Monaten zu eröffnen:

"Summary: Daphne Caruana Galizia, Malta’s leading investigative journalist, was assassinated on 16 October 2017. This murder and the continuing failure of the Maltese authorities to bring the suspected killers to trial or identify those who ordered the assassination raise serious questions about the rule of law in Malta.

The Committee on Legal Affairs and Human Rights notes a series of fundamental weaknesses in Malta’s system of checks and balances which have allowed numerous major scandals to arise and go unchecked in recent years, seriously undermining the rule of law. Despite certain recent steps, Malta still needs fundamental, holistic reform, including subjecting the office of Prime Minister to effective checks and balances, ensuring judicial independence and strengthening law enforcement and other rule of law bodies.

The Maltese authorities are therefore called upon to take a series of steps, including implementing the reform packages recommended by the Venice Commission and GRECO and ending the prevailing climate of impunity.

The committee considers that the above issues are also directly relevant to its analysis of the authorities’ response to the assassination of Ms Caruana Galizia. The report identifies a series of concerns relating to the murder investigation, and Malta is called upon to establish an independent public inquiry within three months."

https://assembly.coe.int/nw/xml/XRef/Xref-XML2HTML-en.asp?fileid=27724&lang=en

Man kann durchaus sagen, dass die EU an der Sache drangeblieben ist und nicht locker gelassen hat. Doch egal, was die EU veröffentlichte oder forderte - Joseph Muscat und seine poltischen Freunde schäumten vor Wut, stritten alles ab und sind bis heute im Widerstand. Kein Wunder - denn das Ergebnis einer wirklich unabhängigen Untersuchung müsste die schweren Versäumnisse der maltesischen Regierung und ihren Rechtsmißbrauch an den Tag bringen.

Kurz vor Ablauf der dreimonatigen Frist hat die maltesische Regierung nun verkündet, die unabhängige Untersuchung zu starten, dies ist einzig und allein dem öffentlichen Druck internationaler Medien und der EU geschuldet.
Dass man bis fast zum letzten Tag gewartet hat, entspricht der üblichen Haltung von Unwilligkeit und Respektlosigkeit.

https://www.gov.mt/en/Government/DOI/Press%20Releases/Pages/2019/September/20/pr191965en.aspx

Nun ist offen, ob die Untersuchung etwas bringen wird – innerhalb der nächsten 9 Monate soll es Ergebnisse geben.

Wenn Ihr mich fragt, ist die Unabhängigkeit der Sache in Frage gestellt. Der Vorsitzende Richter ist gleichzeitig in den Mordprozess involviert. Doch die beiden Untersuchungen sollten aber voneinander getrennt werden. Einer der ernannten Experten machte kurz nach dem Mord falsche Aussagen über den benutzten Sprengstoff, um die Spur der Mörder ins Ausland zu lenken. Und wenn ich eines verstanden habe von Malta, dann das: Hier werden Untaten und Geheimnisse sehr tief vergraben. Vielleicht wird man niemals erfahren, wer den Mord an Daphne beauftragt hat, und ob die maltesische Regierung auch DIREKT daran beteilgt gewesen ist.

Die Familie sprach daher gestern davon, dass die "Hoffnung auf eine unabhängige Untersuchung gestorben ist".

“The Board will be unfit for purpose if the public has reason to doubt any of its wider members’ independence or impartiality. We ask to meet with the Prime Minister without delay to discuss our concerns in that regard,” the Caruana Galizias said.

Caruana Galizia’s son, Andrew, said on social media that “hope was killed last night” as the fight for an independent and impartial inquiry “must go on”.

Reporter ohne Grenzen und Pieter Omtziegt begrüßten hingegen die Entscheidung der maltesischen Regierung.

Warum ich der Meinung bin, dass die maltesische Regierung mittelbar und unmittelbar zumindest einen Teil der Verantwortung für den Mord an Daphne Caruana Galizia ist, u.a. indem sie rechtstaatliche Mittel, Medien und Gelder mißbrauchte für ihren sehr persönlichen Kampf gegen eine unliebsame Journalistin, sie schwächte und isolierte - ja für vogelfrei erklärte, und das systematisch seit dem Jahr 2013 - der kann mein Feature im Deutschlandfunk anhören.

Hier wird die grausame Geschichte der Hexenjagd auf Daphne erzählt - mitten in Europa.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/malta-und-der-mord-an-daphne-caruana-galizia-mit-freuden.3720.de.html?dram:article_...

Danke fürs Teilen.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

22.09.2019 um 16:25
Hallo @Jozan !

Vielen Dank für den sehr ausführlichen Beitrag dazu. Dem gibt es nicht viel hinzuzufügen. Es ist einfach nur schockierend.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

19.11.2019 um 15:11
Ich hatte bisher in diesem Jahr hier nichts mehr gepostet - zum einen, da ich beruflich ziemlich angespannt war, zum anderen, da sich die Dinge auf Malta nur mit einer frustrierenden Langsamkeit entwickelt haben.

Nun aber steht der Fall wohl wirklich vor einem Durchbruch:

Mutmaßlicher Mittelsmann verhaftet

Wie heute am Morgen bekannt wurde, sitzt seit Donnerstag auf Malta ein Mann in U-Haft, der als der Mittelsmann zwischen den eigentlichen Drahtziehern des Mordes und den Ausführenden gilt. Offenbar streitet er dies auch nicht ab, sondern hat vielmehr angeboten -im Gegenzug für Straffreiheit - ausführlich auszusagen und den oder die Auftraggeber für den Mord an Daphne zu benennen.

Straffreiheit könnte nach maltesischem Recht nur die Staatspräsidentin auf Empfehlung des Premierministers gewähren.

Inzwischen ist Maltas Premierminister Joseph Muscat vor die Presse getreten und hat er bestätigt, dass der die Staatspräsidentin förmlich um Straffreiheit für den Betroffenen ersucht hat. Offenbar bleiben nur noch einige Details zu klären. So soll der Mann um Straffreiheit für alle von ihm in der Vergangenheit begangenen etwaigen Taten gebeten haben. Die Behörden sind wohl nicht unbedingt gewillt, ihm die Freiheit zuzusagen, solange man nicht weiß, was er denn noch auf dem Kerbholz hat. Das wird sich aber klären lassen, beide Seiten werden hinter einen Deal nicht wieder zurück können.

Quelle:
https://timesofmalta.com/articles/view/daphne-murder-pm-confirms-conditional-pardon-offered-to-middleman.750964

Mehrere maltesische Medien haben - unter Berufung auf Gerichtsakten - übereinstimmend den Verdächtigen als einen gewissen Melvin Theuma identifiziert. Theuma ist von Beruf offiziell Taxifahrer. Tatsächlich gilt er als Kredithai. Im Jahre 2003 wurde er diesbezüglich verurteilt.

Seine Verhaftung erfolgte am vergangenen Donnerstag in Zusammenarbeit mit Interpol. Er - und weitere Personen - befinden sich nicht wegen des Mordes an Daphne, sondern wegen des Verdachts auf Geldwäsche in Haft. Aus früheren Andeutungen aus der Presse ergab sich, dass die Behörden wohl der Spur des Geldes gefolgt sind. Dabei ging es um Zahlungen, die an die Familien der drei wg. des Mordes angeklagten Personen flossen, als diese schon in U-Haft waren. Untersucht wird auch, wer eigentlich die Gehälter für die Anwälte der Angeklagten bezahlt hat. Sie hatten auf Pflichtverteidiger verzichtet, obwohl ihre Vermögen derzeit eingefroren sind.

Quellen:
https://www.maltatoday.com.mt/news/national/98727/caruana_galizia_murder_suspect_melvin_theuma_pm_recommend_pardon

https://lovinmalta.com/news/who-is-melvin-theuma-the-suspected-loan-shark-middleman-in-daphne-caruana-galizias-assassina...


Die maltesische Presse geht weiterhin davon aus, dass der Drahtzieher des Anschlags auf Daphne ein Geschäftsmann war, über dessen Geschäfte sie recherchierte. Bisher, so z.B. die Malta Times, würde es keine Hinweise geben, dass auch Politiker verstrickt wären, ausgeschlossen sei dies aber auch weiterhin nicht.

Daphne hat nicht für den Wirtschaftsteil des Independend geschrieben, sondern sich fast ausschließlich mit Korruption beschäftigt. Wenn der Drehtzeiher also tatsächlich ein Geschäftsmann sein sollte, dann hat sie über ihn Recherchiert, weil sie ihn verdächtigt hat, in Korruption verwickelt zu sein. Und also wird die Sache wohl auch Politiker treffen.

Muscat erklärte heute auf seiner eiligst einberufenen Pressekonferenz, er gehe nicht davon aus, dass der Fall nun zwar nicht binnen Tagen vollständig gelöst werden würde, aber Monate würde es wohl auch nicht mehr dauern. Er vermute, etwas dazwischen (dann also einige Wochen).

Aufgrund einiger Anmerkungen des Journalisten Ivan Martin der Times of Malta, nehme ich an, dass der Times der Name der oder des mutmaßlichen Drahtziehers bekannt ist. Er sprach davon, dieser habe nach der Verhaftung der drei Angeklagten im Dezember 2017 am folgenden Tag ein Testament errichtet, welches der Times vorliegen würde. Wenn dem so ist, dann denke ich, werden wir den Namen des Hintermannes binnen weniger Tage kennen.

Seit einigen Tagen schon gab es Presseberichte, wonach die Polizei intensiv gegen zwei weitere Brüder ermitteln würde, welche wohl die Bombe beschafft hätten und an die drei der eigentlichen Tatausführung beschuldigten Angeklagten weitergegeben hätten. Bestätigt ist das nicht und meines Wissens sind die Betreffenden auch noch auf freien Fuß. Ausgangspunkt für die neuen Ermittlungen waren wohl Aussagen des Angeklagten Vincent Muscat. Er soll von sich aus der Staatsanwaltschaft einen Deal angeboten haben, nämlich 12 Jahre Haft (statt lebenslänglich) Zug um Zug gegen sein Geständnis und eine vollständige Aussage.


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19.11.2019 um 15:46
Inzwischen berichten auch deutschsprachige Medien:

Der Standard:

"In Malta hat es eine neue Festnahme wegen der Ermordung der Journalistin Daphne Caruana Galizia vor zwei Jahren gegeben. Es soll sich um einen Mittelsmann handeln, der Erkenntnisse über die Drahtzieher der Tat liefern könnte. Premierminister Joseph Muscat bestätigte am Dienstag die Festnahme und einen entsprechenden Bericht der "Times of Malta"."

https://www.derstandard.de/story/2000111243547/festnahme-nach-journalistinnenmord-in-malta

Die Zet:

"Ein im Zusammenhang mit Geldwäsche verhafteter Mann habe ausgesagt, er verfüge über Informationen, die zur Identifizierung der Verantwortlichen führen könnten, teilten die Behörden mit. Er sei vergangene Woche bei einer Razzia gegen Geldwäsche verhaftet worden und stehe nun unter Polizeischutz.

Konkreter wurden die Behörden nicht. Einem Bericht der Times of Malta zufolge gehen die Behörden davon aus, dass es sich bei dem Festgenommenen um einen Mittelsmann handelt. Er stehe im Verdacht, den Auftraggeber mit den mutmaßlichen Mördern in Verbindung gebracht zu haben.

Ministerpräsident Joseph Muscat teilte mit, er habe dem Verdächtigen brieflich eine Begnadigung in Aussicht gestellt, sollte der Auftraggeber in dem Fall gefasst werden."

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-11/daphne-caruana-galizia-journalistin-mord-malta


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19.11.2019 um 20:06
Wie ja schon durch @yozan geschrieben, ist im Mai dieses Jahres das Vorverfahren gegen die drei Angeklagten zu Ende gegangen. Anfangs hatte ich hier darüber berichtet, auf die Dauer wurde es aber wirklich lähmend. Zunächst dauert so ein Verhandlungs"tag" auf Malta gerade einmal zwei bis zweieinhalb Stunden. Und dann lagen zwischen den Verhandlungstagen zumeist reichliche vier Wochen.

Ich erinnere mich an einen Tag, da sagte eine Polizistin aus den Niederlanden aus (es mag auch Belgien gewesen sein), die für Interpol arbeitet. Sie habe eine Reihe von Handys und Handy-Akkus auf Fingerabdrücke untersucht. Klingt spannend? Abwarten!

Sechs gute, identifizierbare Abdrücke habe sie gesichert. Schön. Und welche Handys waren es? War vielleicht gar das Handy dabei, mit dem die Bombe ausgelöst wurde? Sie wusste es nicht. Die Handys bzw. Akkus hätten Asservatennummern gehabt. Diese Nummern liegen natürlich auch dem Gericht, der Anklage und der Verteidigung vor, aber eben nicht der Presse, die vom Zuschauerraum aus berichtet.
Na gut, und wessen Abdrücke hat sie da gesichert? Das wusste sie auch nicht. Für die Auswertung sei sie nicht zuständig. Die Abdrücke hätten neue Asservatennummern bekommen und fertig.

Mhhh, ja. Und damit war der "Verhandlungstag" nach etwa 15 Minuten vorbei. Ihr versteht meinen Frust?

Gleichwohl will ich die wesentlichen Ergebnisse der Verhandlung zusammenfassen:

Tatablauf

Am frühen Morgen des Tattages, dem 16. Oktober 2017, fuhren die Angeklagten Alfred Degiorgio und Vincent Muscat nach Bidnija, dem Wohnort von Daphne. Sie schalteten die Bombe scharf, deren GSM-Empfangseinheit sich daraufhin in das Vodafone-Netz einloggte. Sie öffneten Daphnes Wagen - wie blieb unklar - und schoben die Bombe unter den Fahrersitz. Erst danach schalteten die beiden ihre eigenen Vertragshandys aus.

Sie begaben sich dann auf eine einige Hundert Meter entfernte Anhöhe, von der aus sie Daphnes Haus und die ganze Ortschaft gut überblicken konnten. Dort nahmen sie dann ein Prepaid-Handy in Betrieb, von dem aus sie später den dritten Angeklagten - George Degiorgio - anrufen sollten.

George Degiorgio lief im Laufe des Morgens mit seinem Boot, der "Maja" aus dem Hafen von Valletta aus und umrundete dann langsam die Insel. Er bzw. sein Boot wurden mehrfach von Überwachungskameras aufgezeichnet. Er hatte drei Handys bei sich: Sein Vertragshandy, welches er den ganzen Tag über eigeschaltet ließ, so dass sich sein Bewegungsprofil lückenlos ermitteln ließ, sowie zwei Prepaid-Handys: Eines, mit dem er später die Bombe zünden sollte, eines mit er den Anruf der Mittäter von ihrem Ausguck aus im Empfang nehmen sollte, sobald Daphne das Haus verließ.

Gegen Mittag rief George von seinem Vertragshandy aus bei Vodafone an und bat um die Aufladung eines der beiden Prepaid-Handys, nämlich das, von dem aus er später die Bombe zünden sollte. Der Anruf wurde von den Behörden aufgezeichnet, da Georges Telekommunikation seit etwa einem halben Jahr überwacht wurde.

Als Daphne kurz vor 15 Uhr aus ihrem Haus ging, rief einer der Täter vom Ausguck aus mit dem mitgebrachten Prepaid-Handy George auf seinem Boot auf einem der beiden von ihm mitgeführten Prepaid-Handys an. Der Anruf war kurz, da Daphne nochmals in Haus zurückging. Als sie kurz darauf das Haus neuerlich verlies und mit ihrem Wagen losfuhr, erfolgte ein zweiter Anruf vom Ausguck zu George. Dieser verschickte von seinem zweiten Prepaid-Handy aus eine SMS an, die Bombe auslöste.

Danach rief er von seinem Vertragshandy aus seine Frau an und sagte ihr sinngemäß, dass es etwas zum Feiern geben würde. Auch dieser Anruf wurde aufgezeichnet.

Er lief dann mit der "Maja" wieder in den Hafen von Valletta ein.

Die gesamte Auswertung der Mobilfunkdaten erfolgte durch das FBI. Neu war dabei (zumindest für mich), dass das FBI nicht nur auswerten konnte, in welcher Funkzelle sich jeweils wann, welches Handy befunden hat, sondern auch wo innerhalb der Funkzelle. Dies wurde durch Triangulation bestimmt. Ein Handy wird ja nicht nur jeweils von dem Funkmast empfangen, über den es gerade kommuniziert, sondern auch von den umliegenden Masten. Dabei wird über ein Netzwerk ständig abgeglichen, welcher Mast den besten Empfang bietet und ggf. ein Wechsel des aktiven Mastes eingeleitet. Andernfalls könne man von einem fahrenden Auto aus nicht unterbrechungsfrei telefonieren. Diese Daten nutzte nun also das FBI, um zu bestimmen, wo in einer Zelle sich jeweils wann ein Handy befunden hat. Die Genauigkeit wurde allerdings nicht genannt.

Zeugen

Neben den Tätern auf ihrem Beobachtungsposten, gab es zwei Augenzeugen des Anschlags: Eine Frau, die mit ihrem Wagen etwa 50 Meter hinter Daphne fuhr, berichtete, sie habe unter am Fahrzeug eine Stichflamme und Rauch gesehen. Ein bis zwei Sekunden später hätte dann das Fahrzeuginnere in Flammen gestanden. Der Wagen schoss dann ungelenk in der einer Linkskurve über die Bankette und kam in einem Feld zu stehen.

Das deckt sich vollständig mit der Schilderung eines zweiten Zeugen. Er kam mit seinem Fahrzeug Daphne entgegen. Er beobachtet einen Blitz unter dem Wagen und sah ebenfalls Rauch. Erst danach habe das Wageninnere in Flammen gestanden.

Schlussendlich berichteten auch mehrere Ohrenzeugen von Knallgeräuschen im Abstand von ein bis zwei Sekunden.

Eine Erklärung, warum es zwei Explosionen gegeben hat, gab es nicht. Meine persönliche Spekulation ist, dass die zweite Explosion, in deren Folge dann der Wagen lichterloh brannte, auf eine Verpuffung von Benzindämpfen zurückzuführen ist, die in das Wageninnere gelangt sein könnten, nachdem der Tank bei der Explosion beschädigt wurde, und die sich an glühenden Bombensplittern entzündet haben mögen.

Die SMS, die die Bombe auslöste, wurde um 14:59 Uhr über das Vodafone-Netz ausgestrahlt. Ab 15:03 Uhr gingen bei der Polizei diverse Notrufe ein, der erste von dem Autofahrer, der den Anschlag unmittelbar beobachtet hatte. Der ersten Einsatzkräfte waren gen 15:09 Uhr vor Ort. Der Versuch, den Brand durch die in den Einsatzfahrzeugen mitgeführten Handfeuerlöscher zu bekämpfen, wurde aufgrund der offensichtlichen Sinnlosigkeit rasch abgebrochen. Die gegen 15:12 Uhr eintreffende Feuerwehr konnte dem Feuer mit mitgeführten Löschmitteln dann binnen weniger Minuten Herr werden.


Gerichtsmedizin


Unmittelbare Todesursache war ein Zerreißen beider Lungenflügel durch die Druckwelle der Explosion. Durch die Explosion wurde Daphne das rechte Bein abgetrennt, welches aus dem Wagen geschleudert wurde, als dieser die Bankette überfuhr. Die Explosion riss ihr auch die rechte Hand -und von dieser wieder mehrere Finger - ab. Teile des Sitzgestells des Fahrzeugs drangen in Gesäß und Unterkörper ein. Durch die starke Hitzeentwicklung war der Leichnam optisch nicht identifizierbar (sondern per DNA).


Bombe

Um die Bombe aus den vielen Wrack- und Trümmerteilen rekonstruieren zu können, zerlegten die Behörden ein baugleiches Fahrzeug in alle seine Einzelteile. Danach ließ sich die Bombe wie folgt beschreiben:

Die Grundplatte war ein etwa quadratisches Stück Baustahl, grob zugeschnitten, mit einer Kantenlänge von 15 bis 20 cm. An den Ecken der Platte waren einige Zentimeter hohe Abschnitte von Rundstahl aufgeschweißt. Zwischen diesen Rundstählen waren dann wieder Stahlbänder verschweißt. Im Ergebnis entstand so eine flache, eckige Kumme aus Stahl.

Der Sprengstoff - etwa 500g TNT - war lose in die Kumme eingelegt. Die Elektronik mit der Handy-Empfangseinheit befand sich in einer kleinen Plastikschachtel, die ebenfalls nur lose auf den Sprengstoff gelegt war. Beigegeben waren einige Schrauben und Muttern, die wohl als Schrapnell dienen sollten, von denen aber tatsächlich keine weitere zerstörerische Wirkung ausging.

Insgesamt wird die Machart als eher schlicht beschrieben. Die Schweißnähte seinen laienhaft ausgeführt, die Sägearbeiten grob.

Ich denke, so lässt sich im wesentlichen das Ergebnis der Vorverhandlung gegen die drei Angeklagten zusammenfassen. Über vieles, was mal Thema war, z.B. ein weißer Kleinwagen, der am Tatort gesehen wurde, wurde nie wieder gesprochen.

Insgesamt beschreibt das Vorstehende den Ermittlungsstand, soweit er im Mai dieses Jahres bekannt war.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

20.11.2019 um 07:33
Ich lese hier seit Jahren mit und möchte mich für Deine vorzügliche Berichterstattung herzlichst bedanken!
Ganz ehrlich hatte ich mir schon Gedanken gemacht, da Du so lange nicht berichtet hast...
—> So eine stinkende Sache beflügelt auch meine Phantasie und böse Gedanken.

Zu denken gab mir auch die Ruhe um die Süddeutsche Zeitung und Co.
Ich hoffe, dass es jetzt schneller nach vorne geht und etwas „Auflösung“ geschieht.

Durch den Fall habe ich mich etwas mehr mit Malta beschäftigt und bin eigentlich nur entsetzt.
Mein Bild über die Staaten der EU hat sich wirklich geändert.
Nur einen Lösungsansatz zu finden für die Probleme ist wirklich schwer, wenn Geld- und Machtgierige sich verbünden...
Einfache Lösungsansätze sind populistisch, haben wir aktuell weltweit wirklich genug und bringen kein bisschen Fortschritt.
Gerade im Sinne der Menschlichkeit...

Von daher nochmals vielen Dank für deinen Einsatz.
Mach bitte weiter!!!


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

20.11.2019 um 12:15
Mutmaßlicher Drahtzieher des Mordes an Daphne Caruana Galizia in Haft

Nach einem dramatischen Fluchtversuch ist der mutmaßliche Drahtzieher des Mordes an Daphne am heutigen Morgen an Bord seiner Luxusyacht, der "Gio" verhaftet worden. Es handelt sich um Yorgen Fenech.

Fenech ist durch (legales) Glückspiel auf Malta - und auch und gerade durch Online-Glückspiel - reich geworden. Malta ist einer der wenigen Staaten in der EU (der einzige?), der unter bestimmten Bedingungen Lizenzen für Online-Casinos vergibt. Falls einer von Euch gelegentlich spielt, schaue er doch mal ins Impressum der betreffenden Seite. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Betreiber auf Malta seinen Sitz hat, ist hoch. Und wenn der Betreiber auf Malta seinen Sitz hat, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass da Yorgen Fenech mit am virtuellen Pokertisch sitzt - wie gesagt, alles legal auf Malta.

Fenech gehört auch ein klassisches Casino auf Malta und das Malta Hilton sowie diverse Beteiligungen.

Yorgen Fenech ist aber auch einer die Direktoren von "Electrogas", der Firma, die die Gaskraftwerke auf Malta betreibt. Ich hatte etwas weiter oben am Beispiel des früheren Energieministers Mizzi ausführlich die Korruptionsverwürfe erläutert, die sich um diesen Kraftwerksneubau ranken. Dabei war ich auch auf die Rolle von Fenech eingegangen, der wie Spinne im Zentrum des Netzes von mutmaßlichen Bestechungen und Bestechlichkeiten sitzt. Der Blog "Lovin' Malta" schätzt sein Vermögen auf € 350 Millionen.

Fenech versuchte sich am heutigen Morgen gegen 5:30 Uhr mit seiner Yacht, der "Gio", abzusetzen. Etwa 20 Minuten später wurde die Gio - noch weit innerhalb der maltesischen Hoheitsgewässer - von zwei Schnellbooten der Armed Forces of Malta aufgebracht und zurück nach Malta geleitet. Gegen Fenech soll bereits ein Haftbefehl vorliegen.

Zur Festnahme:

https://timesofmalta.com/articles/view/17-black-owners-boat-intercepted-at-sea-by-afm.751177

https://www.maltatoday.com.mt/news/national/98742/afm_stops_17_black_owner_yorgen_fenechs_yacht_after_leaving_portomaso

Zum Hintergrund von Yorgen Fenech:

https://lovinmalta.com/opinion/analysis/who-is-yorgen-fenech-the-powerful-man-suspected-of-masterminding-the-murder-of-d...

Deutschsprachige Medien:

https://www.rtl.de/cms/mordfall-caruana-galizia-prominenter-geschaeftsmann-auf-yacht-in-malta-verhaftet-4440375.html

https://www.derstandard.at/story/2000111276207/geschaeftsmann-in-zusammenhang-mit-journalistinnenmord-festgenommen


@Masijanima
Danke für die freundlichen Worte


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

20.11.2019 um 12:55
Tagesschau:
https://www.tagesschau.de/ausland/festnahme-malta-101.html

Im Zusammenhang mit dem Mord an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia vor zwei Jahren ist ein maltesischer Geschäftsmann festgenommen worden. Aus Polizeikreisen verlautete, Yorgen Fenech sei im Morgengrauen auf seiner Yacht festgesetzt worden. Er habe versucht, Malta zu verlassen.

Fenech ist ein bekannter Hotel- und Casinobetreiber, außerdem Investor im Energiebereich. Er soll Eigentümer einer Firma sein, die hochrangigen maltesischen Politikern Geld über Briefkastenfirmen in Panama überweisen wollte. Darüber hatte Caruana Galizia berichtet.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

20.11.2019 um 13:00
Hier mein heutiger Beitrag und Zusammenfassung des Standes der Dinge. Wahrscheinlich heute irgendwann auch in der FR...

Journalistenmord in Malta kurz vor der Aufklärung

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia am hellichten Tag unweit ihres Hauses in Bidnija von einer Autobombe getötet wurde. Nachdem die Mordermittlungen bisher schleppend verliefen, nahm der Fall am Mittwochmorgen eine unerwartete Wendung: Einer der reichsten Geschäftsleute Maltas, Yorgen Fenech, wurde von der Küstenwache verhaftet, als er im Morgengrauen versuchte, auf seiner Yacht von den Inseln zu fliehen. Viele sehen dies als ein Schuldeingeständnis.

Fenech steht bei Kennern der politischen Szene seit längerem im Verdacht, an der Ermordung von Daphne Caruana Galizia direkt oder indirekt beteiligt gewesen zu sein, um einen Bestechungsskandal zu vertuschen, den die Journalistin aufgedeckt hatte - so der politische Blogger Manuel Delia. Über Yorgen Fenechs Firma „17 Black“ sollten Millionenbeträge auf Offshore-Konten mehrerer Minister der Labour-Regierung fließen – diese Information hatte Caruana Galizia kurz vor ihrem Tod veröffentlicht. Beweise dafür waren erst nach ihrer Ermordung gefunden worden.

Der Verhaftung Fenechs, eines landesbekannten Lebemannes und Besitzers mehrerer Kasinos auf den Inseln, ging eine dramatische Vorgeschichte voraus: Laut Berichten der „Times of Malta“ und „Malta Today“ war am vergangenen Donnerstag bei einer Razzia ein Mann verhaftet worden, der sich als „Mittelsmann“ in dem Mordfall zu erkennen gab. Der 41jährige Melvin Theuma hat nach eigener Aussage den oder die Auftraggeber der Mordtat mit den kriminellen Bombenbauern zusammengebracht, die bereits seit Dezember 2017 in Haft sind. Theuma, ein Taxifahrer aus dem Großraum Valletta, war in der Vergangenheit bereits wegen Nötigung mit einer Waffe und unseriöser Kreditgeschäfte mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Er wurde jedoch nicht wegen Beihilfe zum Mord verhaftet, sondern im Rahmen einer Fahndung wegen Geldwäsche, die die maltesische Polizei in Zusammenarbeit mit Interpol durchgeführt hatte.

Theuma bot an, alle Informationen und Beweise auf den Tisch zu legen. Im Gegenzug forderte er eine Generalamnestie, also Straffreiheit für all seine aktuellen und vergangenen Straftaten – so seine Anwälte. So weit, so überraschend. Gänzlich unerwartet war dann die Antwort des maltesischen Premierministers Joseph Muscat auf diese Forderung. Am Dienstagvormittag verkündete er vor Journalisten: "Ich habe dem Generalstaatsanwalt das Mandat erteilt, mit den Anwälten dieser Person zu verhandeln, um gegebenenfalls eine Begnadigung durch den Präsidenten der Republik zu empfehlen." Eine vorbehaltlose Zusammenarbeit des Verhafteten sowie die Stichhaltigkeit der von ihm vorgelegten Beweise seien die Voraussetzung dafür.

Durch die Schaffung eines solchen Präzendenzfalles in Malta wird sehr deutlich, wie sehr der Premierminister auf einen baldigen Abschluss des Mordfalles hofft: „Die Entscheidung einer präsidialen Begnadigung habe ich allein getroffen. Das Kabinett wurde nicht einbezogen, und ich werde persönlich die politische Verantwortung dafür übernehmen“, so der Staatschef. In den vergangenen zwei Jahren war Muscat immer wieder in die Kritik geraten, weil seine Regierung zu wenig getan hätte, um den Mord vollständig aufzuklären – so die Kritik internationaler Medien und Journalistenverbände wie „Reporter ohne Grenzen“. Doch auch mehrere Delegationen der Europäischen Union hatten Malta besucht und eine „allgemeine Unwilligkeit“ konstatiert, die Hintergründe des Verbrechens vollständig zu untersuchen.

Zwar waren schon wenige Wochen nach dem Attentat drei Männer verhaftet worden, welche die Tat geplant und ausgeführt haben sollen, und die Beweise gegen sie stellten sich als erdrückend heraus; doch galten sie von Anfang an als Auftragskiller ohne eigene Motivation. Über die Auftraggeber der Tat, die Hintermänner gab es bis heute keine Erkenntnisse, von unbestätigten Gerüchten abgesehen. Es war nicht einmal klar, ob und in welcher Weise in diese Richtung überhaupt ermittelt wird.

Während der Premierminister heute Morgen die Lösung des Falles für sich in Anspruch nahm und die Effektivität der maltesischen Polizei und Armee lobte, äußerten sich die Angehörigen der Ermordeten weiterhin kritisch. Der jüngste Sohn, Paul Caruana Galizia, twitterte: „Wir sind an diesem Punkt trotz – und nicht wegen – Joseph Muscat. Und: Es gibt Politiker – in seinem Kabinett – die in den Fall verwickelt sind.“

Caruana Galizias Recherchen, die nicht nur hohe Mitglieder der maltesischen Regierung, sondern auch den Premierminister selbst belastet haben, sind mit den aktuellen Verhaftungen noch lange nicht vom Tisch.

Ich persönlich hoffe wirklich von Herzen, dass dieser Fall jetzt kurz vor dem Abschluss steht.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

20.11.2019 um 14:36
Inzwischen ist die Beziehung zwischen dem mutmaßlichen Drahtzieher, Yorgen Fenech, und dem mutmaßlichen Mittelmann, Melvin Theuma klar:

Theuma, der zwei Taxis besitzt, operierte mit seinen Wagen exklusiv für das Hilton Hotel, das Fenech gehört. Bei passender Gelegenheit fungierte er auch als Fenechs persönlicher Fahrer.

Quelle:
https://lovinmalta.com/news/middleman-working-with-the-police-was-close-friend-of-suspect-yorgen-fenech/

Fenech rechnete offensichtlich bereits seit einigen Tagen mit seiner Verhaftung. Er hat bereit sam 12. November eine Urkunde errichtet, in der er die Geschäftführung seiner Holding - der Tumas Ltd. - seimem Burder überträgt.

https://lovinmalta.com/news/yorgen-fenech-has-been-replaced-by-his-brother-as-director-of-tumas-group/


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20.11.2019 um 15:42
Inzwischen ist Fenech auch als Direktor der Electrogas zurüclgetreten. Siemens, der Erbauer und Betreiber des Kraftwerks, hat eine Stellungnahme abgegeben. Demnach habe Siemens Fenech bereits seit längerem zum Rücktritt gedrängt, er -Fenech - habe jedoch alle Vorwürfe (im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen) bestritten.

Siemens selbst habe die Vorgäng hausintern geprüft. Anzeichen für ein Fehlverhaten des Konzern oder seiner Mitarbeiter würde es nicht geben.

"As we have learned today from media reports, Yorgen Fenech – who until now has been a member of the Board of Directors of Electrogas Malta Ltd. (EGM), in which Siemens holds a minority stake – has been arrested in Malta.”

“After corruption allegations against Mr. Fenech and the company 17 Black Ltd., which he is reported to own, became known some time ago, Siemens addressed this issue with the companies that own EGM. In addition, in a lengthy discussion held in Malta, we also confronted Mr. Fenech with the accusations from media reports and asked him to state his position on them. In this discussion, Yorgen Fenech denied all allegations. Due to the public doubts in Mr. Fenech’s integrity, Siemens urged that he be dismissed from his membership on the Board of Directors. “

“As co-owner GEM has informed EGM’s Board of Directors today, Mr. Fenech has resigned from the Board of Directors. GEM has named a new representative. Following repeated internal reviews, Siemens is – to date – not aware of any indications of misconduct on the part of Siemens, Siemens employees, or EGM. We are still monitoring the developments very closely and will continue to react to them as we have been doing.”

Quelle:

https://www.independent.com.mt/articles/2019-11-20/local-news/Yorgen-Fenech-resigns-from-Electrogas-6736216462


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

20.11.2019 um 19:42
Konrad Mizzi, über dessen Verstrickungen in die mutmaßliche Korruption im Zusammenhang mit dem Kraftswerksbau - und seine Beziehung zu Yorgen Fenech - ich hier (eine Seite zurück) vor einem Jahr ausführlich berichtet habe, hat dem Blog Lovin Malta ein Interview gegeben. Auf mich macht er den Eindruck, als würde er jeden Moment damit rechnen, dass auch bei ihm die Handschellen klicken.

Alle Fragen sind in Englisch, Mizzi wechselt bei seinen Antworten ständig zwischen Englisch und Maltesisch hin und her, man versteht aber ganz gut, was er zum Ausdruck bringen will - nämlich seine völlige Unschuld. Der Mann ist völlig fertig und viel Schlaf hatte in der letrzten Nacht wohl auch nicht. Es bleibt abzuwarten, ob Fenech ihn in das Mordkomplott gegen Daphne mit reinziehen wird oder nicht.


Youtube: Konrad Mizzi Comment after Yorgen Fenech arrest


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

20.11.2019 um 21:01
Ich hatte oben den Stand der Ermittlungen geschildert, soweit er bei Ende des Vorverfahrens (oder "Beweissicherungsverfahrens") gegen die drei Angeklagten, die Brüder Alfred und George Degeorgio und Vincent Muscat, im Mai dieses Jahres bekannt war.

Auch wenn mich die aktuellen Ereignisse gerade überholen, möchte ich doch kurz schildern, wie es bis zu der heutigen Festnahme weiter ging:

Nach Beendigung des Vorverfahrens war der Weg für die eigentliche Hauptverhandlung frei. Sie hat bisher noch nicht "wirklich" begonnen, es gab nur einige frühe Anhörungen, bei denen es mehr um technische und organisatorische Dinge ging.

Im Juni 2019 nahmen sich die drei Angeklagten neue Anwälte. Die Presse fragte (und fragt bis heute), wer eigentlich für deren Kosten aufkommt, denn es sind keine Pflichtverteidiger, die ihr Geld aus der Staatskasse bekommen. Und da die Vermögenswerte der Angeklagten eingefroren sind, können sie selbst auch nicht für deren Kosten aufkommen.

Danach wurde es sehr ruhig in dem Fall, bis Ende September bekannt wurde, dass Vincent Muscat einen Deal mit der Staatsanwaltschaft eingehen will. Muscat ist ein kranker Mann (auch wenn sich mein Mitleid in Grenzen hält). Im Jahre 2014 wurde ihm bei einer Auseinandersetzung unter Kriminellen ins Gesicht geschossen. Seit dem ist auf einem Auge erblindet und Halswirbelsäule ist geklammert.

Muscat bot ein Geständnis und eine ausführliche Aussage an, wenn der denn mit einer 12-jährigen Gefängnisstrafe - der Mindeststrafe für Mord auf Malta - statt lebenslänglich davon kommen würde.

Ein solcher Deal ist auf Malta legal, benötigt aber die Zustimmung des Gerichts.

Die Staatsanwaltschaft war nicht unbedingt begeistert. Die Behörden gehen davon aus, dass Muscat erst recht spät von den Degeorgio-Brüdern für die gemeinsame Tat angeworben wurde und er daher über die Hintermänner nur Kenntnisse vom Hören-Sagen hat. Wenn schon, so das Gegenangebot der Behörden, solle er auch sein vermutetes Wissen über eine Reihe weiterer unaufgeklärter Morde offenbaren. Was aus dem Deal nun wurde, wissen wir offiziell nicht, wir können es aber wohl erahnen.

Quelle:
https://timesofmalta.com/articles/view/caruana-galizia-murder-reduced-sentence-offered-to-one-of-the-accused.741594


Wenig später erklärte sich der Richter, die der die Hauptverhandlung hätte leiten sollen, für befangen. Er gab an, er habe Daphne aus früheren Verhandlungen persönlich gekannt. Das ist wohl so, gleichwohl wusste der Richter nicht erst seit dem Vortag, dass er diesen Prozess leiten sollte. Ich spekuliere - wenn auch ein wenig ins Blaue -, dass er mit dem sich anbahnenden Deal eben nicht einverstanden war, er aber auch der Aufklärung des Falles nicht entgegenstehen wollte.

Quelle:
https://www.maltatoday.com.mt/news/national/97855/judge_in_daphne_caruana_galizia_murder_trial_recuses_himself


Als nächstes dann legte im Oktober völlig überraschend und ohne Angabe von Gründen, Vincent Muscats Anwalt sein Mandat niedern. Auch hier darf man wohl spekulieren, dass dieser (oder, böser formuliert: die, die ihn bezahlten) mit dem Deal nicht einverstanden waren.

Quelle:
https://timesofmalta.com/articles/view/daphne-murder-suspect-lawyer-drops-his-client.745260

In den ersten Novembertagen kam es dann zur einer ersten Anhörung bzgl. Hauptverhandlung. Dabei machte der Staatsanwalt eine seltsame Anmerkung, die völlig ohne Zusammenhang zum eigentlichen Verhandlungsthema stand: Die Behörden könnten beweisen, dass bestimmte Personen sich zu bestimmten Zeiten in oder an eienr Garage aufgehalten hätten, as dort an der Bombe gebastelt worden wäre. Tatsächlich war schon Anfang 2017 davon die Rede, die Behörden eine Garage ausfindig gemacht, die als Bombenwerkstatt gedient habe. Danach war davon aber kaum mehr die Rede und in der gesamten Vorverhandlung wurde nicht darüber gesprochen.

Jedenfalls reagierte George wohl recht ungehalten auf die Anmerkung des Staatsanwalts und forderte diesen auf, zu beweisen, dass er - George - jemals in irgendeiner Garage gewesen sei, in der irgendeine Bombe gebaut worden wäre. Der Staatsanwalt entgegnete nur, um ihn - George -ginge es doch gar nicht.

Offenbar war der einzige Zweck der Bemerkung des Staatsanwalts, jemanden nervös zu machen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nicht zuletzt auf Aussagen von Vincent Muscat zurückging, die wir zwar noch nicht kennen, die wir dann aber in der Hauptverhandlung ja hören werden, wenn meine Theorie stimmt.

Eine Woche später erfuhr der Leser der maltesischen Presse dann, um wen es ging. Zwei Brüder, der Blog Lovin Malta nannte auch ihre Namen: Adrian und Robert Agius, wären die eigentlichen Auftragnehmer für das Attentat auf Daphne gewesen. Sie hätten die Bombe in ihrer Garage zusammengebaut. Teile davon stammen möglicherweise aus Albanien, wohin die beiden Beziehungen haben sollen. Die drei Angeklagten seien mithin nur so etwas wie "Subauftragnehmer" für die Drecksarbeit gewesen.

Adrian und Robert Agius waren unter den zehn Personen, die zusammen mit Muscat und den Degorgio-Brüdern im Dezember 2017 festgenommen worden waren, sie waren jedoch nach kruzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Und noch etwas erfuhr man zum ersten Male: Die Bombe, die Daphne getötet hatte, war nahezu baugleich mit einer anderen Bombe, mit der im Februar 2017 ein Anschlag auf ein gewissen Rome Bone verübt worden war. Bone gilt als kriminell und als Motiv wurden Streitigkeiten unter Kriminellen vermutet. überlebte den Anschlag übrigens schwerverletzt, er verlor aber beide Beine.

Die Brüder Agius gelten als Gewohnheitskriminelle, die sind er Hackordnung eine Stufe über den Degorgio-Brüdern einzusortieren.

Quellen:
https://timesofmalta.com/articles/view/daphne-caruana-galizia-bomb-suppliers-linked-to-albanian-underworld.746814

https://lovinmalta.com/news/matthew-caruana-galizia-names-two-potential-suspects-who-supplied-bomb-which-killed-his-moth...



Falls das alles so stimmt und falls es sich beweisen lässt und falls es wirklich auf Aussagen von Vicent Muscat zurückgeht, dann sei ihm eine Verkürzung seiner Haftstrafe auf 12 Jahre gegönnt. Denn mit einiger Sicherheit haben die Schlagzeilen über die Agius-Brüder auch dazu beigetragen, den Mittelsmann, Theuma, aufzuscheuchen - vielleicht sogar den Drahtzieher Yorgen Fenech selbst.

Die Times of Malta hatte bereits vor einem Jahr berichtet - und ich dann hier -, dass der Fall kurz vor der Aufklärung stünde. Inzwischen berichtet die Times, dies wäre damals keineswegs eine Falschmeldung gewesen. Vielmehr habe innerhalb der Behörden Unsicherheit geherrscht, ob das damals vorliegende Beweismaterial für eine Verurteilung dr Hintermänner ausreichen würde. Man habe sich daher zu weiteren Ermittlungen entschlossen. Im Nachhinein scheint dies goldrichtig gewesen zu sein.




So, ich denke, jetzt habe ich ein Jahr fehlende Berichterstattung in diesem Fall wieder eingerudert...


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21.11.2019 um 03:24
OpLibelle schrieb:So, ich denke, jetzt habe ich ein Jahr fehlende Berichterstattung in diesem Fall wieder eingerudert...
Da liegst Du richtig. Vielen Dank für die vorzügliche und umfassende Zusammenfassung/Berichterstattung über die sich im Moment rasant entwickelnden Ereignisse !

Ich hatte bereits befürchtet, die Ermittlungen bzgl. der Hintermänner und Drahtzieher des Mordes würden im Sande verlaufen. Glücklicherweise scheint es nun doch anders zu kommen...

Spannend wird sein, ob es vlt. noch zusätzliche Drahtzieher/Mitwisser gibt, die Fenech in einem Prozess ggf. benennen könnte. Außer Fenech hatte Galizia noch viele andere Feinde. Vlt. wurde Fenech ja auch von Dritten darin bestärkt und/oder angestiftet, eine Ermordung zu organisieren. Möglicherweise wurde auch versucht, die Angelegenheit zu vertuschen oder Fenech und seine Mördertruppe zu schützen. Da könnte auf jeden Fall einiges an das Tageslicht kommen...


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21.11.2019 um 16:40
Hier ein paar kleine Nachrichten zur aktuellen Entwicklung:

Am gestrigen Abend versammelten sich hunderte von Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude in Valletta und forderten lautstark den Rücktritt der Regierung Muscat. Einige Politiker mussten von der Polizei durch den Menschenmenge geleitet werden, die "Shame on you!", "Corrupt, corrupt!" und "Mafia!" skandierte. Besonders hart traf es den Justizminister, Owen Bonnici, als sein Fahrzeug minutenlang an der Abfahrt gehindert wurde. Dabei wurde eine Polizistin leicht verletzt, als ihr die Limousine des Ministers bei dem Versuch, sich den Weg durch die Menge zu bahnen, über den Fuß rollte.

Die Szene im Bild:

https://www.youtube.com/watch?time_continue=15&v=pKwpr2TGJQc&feature=emb_logo

----

Eine der Yachten von Yorgen Fenech, die "Gio 2", steht zum Verkauf. Dies ist allerdings nicht die Yacht, mit der er gestern fliehen wollte, das war die "Gio" (also ohne "2"). Als Angebotspreis werden 4 Millionen Euro aufgerufen. Im Hinblick auf die aktuelle Lage des Herrn Fenech, könnte ich mir vorstellen, das da noch 'was geht. Wer Interesse hat an dem 26-Meter-Boot, hier geht's zum Inserat:

https://www.superyachttimes.com/yachts/gio-2

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Und wer auf der Suche nach hoch-verzinsten Anleihen ist, auch dem kann geholfen werden. Zur Finanzierung ihrer umtriebigen Geschäftsaktivitäten begibt Fenechs "Tumas Holding" schon seit Langem Firmenanleihen, die an der Börse in Valletta gehandelt werden können. Deren Kurs fiel heute um 7%. Derzeit also ein Schnäppchen für den renditeorientierten Kleinsparer:

https://lovinmalta.com/news/yorgen-fenechs-rushed-resignation-does-nothing-for-investors-with-tumas-investments-taking-m...

---

Problematischer ist da schon die folgende Meldung:

Wie Maltas Premierminister Joseph Muscat heute Mittag in einem Interview erklärte, erfolgte die gestrige Festnahme von Yorgen Fenech nicht aufgrund von Informationen des "Mittelmannes" Melvin Theuma. Vielmehr entschieden sich wohl die Behörden für den Zugriff, als sie den Fluchtversuch bemerkten. Verdachtsmomente gegen Fenech hatten die Ermittler ja schon vor der Festnahme des "Mittelmannes". Theuma hat bisher gegenüber der Polizei offenbar deutlich weniger Angaben gemacht, als bisher vermutet wurde. In Gegenzug ist aber noch keine endgültige Zusage einer Straffreiheit erfolgt.

Dies bringt die Polizei offenbar unter Zugzwang. Nach maltesische Recht kann Fenech ohne einen weiteren richterlichen Beschluss nur 48 Stunden festgehalten werden, diese Frist würde also morgen in der Frühe gegen 5:30 Uhr ablaufen. Offenbar herrscht Unsicherheit, ob ohne eine Aussage Theumas genug Beweise vorliegen, um eine U-Haft für Fenech zu begründen. Ursprünglich war allgemein damit gerechnet worden, dass Fenech im Laufe des heutigen Nachmittags einem Haftrichter vorgeführt wird.

Ob die Beweislage gegen Fenech ohne eine Aussage des "Mittelmanns´" wirklich so dünn ist, oder ob die Polizei ihre eigenen Erkenntnisse noch nicht auf den Tische legen will, weil sie noch gegen weitere Beteiligte ermittelt, ist gegenwärtig schwer zu sagen.

https://www.maltatoday.com.mt/news/national/98773/police_did_not_need_middlemans_information_to_move_in_on_yorgen_fenech

https://lovinmalta.com/opinion/the-48-hour-rule-heres-why-yorgen-fenech-may-be-charged-by-the-end-of-the-day/


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21.11.2019 um 22:15
Yorgen Fenech wieder auf freien Fuß

Der mutmaßliche Drahtzieher und Auftraggeber des Mordes an Daphne Caruana Galizia ist heute gegen 21 Uhr von der Polizei unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Offenkundig befürchteten die Behörden, die Beweise gegen ihn würden für eine richtlerliche Annordnung von Untersuchungshaft nicht ausreichen. Ihm ist verboten, das Land zu verlassen und er stünde unter ständiger polizeilicher Überwachung.

Nach meinem Wissen, können diese Auflagen für höchstens 40 Tage aufrecht erhalten werden, danach wäre er endgültig wieder ein freier Mann und könnte sich mit seinem geschätztem Vermögen von € 350 Millionen ein schönes Plätzchen unter der Sonne eines Staates suchen, der nicht nach Malta ausliefert (wobei ohne Beweise ja ohnehin niemand seine Auslieferung fordern könnte).

Quelle:

https://timesofmalta.com/articles/view/yorgen-fenech-released-on-police-bail.751588

https://www.maltatoday.com.mt/news/national/98783/yorgen_fenech_released_on_police_bail_under_strict_supervision


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

22.11.2019 um 13:40
... und wieder in Haft?

Mehrere Medien berichten, Yorgen Fenech sei im Laufe des heutigen Vormittags wieder festgenommen worden. Andere spekulieren, er kooperiere möglicherweise freiwillig. Fest steht jedenfalls, dass er nach seiner Freilassung am gestrigen Abend zusammen mit einem erheblichen Polizeiaufgebot zu der Yacht gefahren ist, mit der er ursprünglich fliehen wollte. Die Yacht wurde durchsucht, angbelich auch seine Wohnung.

Die Durchsuchung der Yacht wurde heute fortgesetzt. Fenech war anwesend, ob nun neuerlich festgenommen oder nicht, bleibt unklar. Die Ermittlungen gegen ihn sollen auch um den Vorwurf der Geldwäsche erweitert worden sein. Angeblich soll er seine Befragung im Laufe des Nachmittags fortgesetzt werden. Dies würde dann ja wohl bedeuten, dass er nicht einfach die Aussage verweigert, sondern tatsächlich mit der Polizei spricht? Spekuliert wird auch, er könne seinerseits um Straffreiheit nachsuchen, Zug umd Zug gegen Offenlegung von Korruptionsstrukturen in der maltesischen Regierung.

Derweil wurde der Mittelmann, Marvin Theuma, ins Krankenhaus eingeliefert. Genaues weiß man nicht, es soll jedoch nichts ernstes sein.

"Lovin Malta" berichtet, man habe bei der Durchsuchung von Theumas Wohnung Aufzeichnungen von Telefonaten gefunden, die er selbst gefertigt habe - wohl um sich abzusichern -, und in denen er mit Fenech über den Mordauftrag spricht. Der Bericht wurde bisher von anderen Medien nicht aufgegriffen, ich bewerte es vorläufig mal eher als Gerücht.

Quellen:

https://lovinmalta.com/news/police-reportedly-have-recordings-and-texts-of-yorgen-fenech-and-middleman-discussing-daphne...

https://timesofmalta.com/articles/view/daphne-murder-yorgen-fenech-re-arrested.751744


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

22.11.2019 um 18:51
@OpLibelle
Danke für die Infos und deine Mühe. ich lese zwar fast nur mit , aber der Fall interessiert mich .
Ich denke immer noch das da nix raus kommt , oder aber ganz hohe köpfe rollen.


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