Mehlfens schrieb:Und selbst dieses winzige Fragment wird hier nicht korrekt gelesen und wiedergegeben. Da steht eindeutig
Ich bin die Mutter, wenn sie Brief erhalteX
Ja mei, ich schreibe halt automatisch das Anredepronomen "Sie" groß, weil es so korrekt ist. Ob es sich bei dem letzten Buchstaben wirklich um ein X handelt, und nicht doch um ein abgeschnittenes "n", sei einmal dahingestellt.
Natürlich werden die Kriminalisten gründlich gearbeitet haben, und deren Experten ebenso. Was aber Handschriften anbelangt, so steht der DDR-"Schulausgangsschrift" (SAS) beispielsweise die westliche "Vereinfachte Ausgangsschrift" (VA) entgegen, die in großen Teilen das Gleiche ist, aber aus ideologischen/politischen Gründen halt anders heißen musste. Im "föderalen Flickenteppich" der Bildung in Westdeutschland gibt es eine solche Vielzahl von Wegen (und auch Irrwegen), wie Kinder das Schreiben lernen (oder eben auch nicht), dass ich die Herkunftsermittlung einer Person anhand deren Handschrift, wie sagt man heute, schon etwas "sportlich" finde.
Meiner eigenen Handschrift sieht man vermutlich heute noch an, dass ich in Baden-Württemberg in der ersten Klasse mit der Lateinischen Ausgangsschrift das verbundene Schreiben gelernt habe - und zwar gleich nach der Einschulung. Heute ist man ja teils froh, wenn Kinder nach den ersten beiden Jahren leidlich in Blockschrift buchstabieren können.
Aber was bringt das alles für diesen Fall - nicht viel, fürchte ich. Die Polizei hat ihren Ansatz der Öffentlichkeitsfahndung vermutlich bewusst auf die bekannte Art und Weise gewählt. Warum, wird sie uns allenfalls im Nachgang erläutern - wenn überhaupt.
Es bezieht sich nicht nur auf diesen Fall, sondern auf die Fernsehsendung Aktenzeichen XY insgesamt - ganz viele Fälle kommen bereits mehr oder weniger gelöst auf unseren Bildschirm, man sucht nur noch ein Quäntchen an Beweisen, oder man richtet sich von vornherein nur an Mitwisser, Insider oder Helfer, deren Taten bereits verjährt sind.
Was bleibt, ist ein einst bahnbrechendes und revolutionäres Sendungskonzept, das mit zahlreichen Spinoffs ("gelöst", "Betrug", "vermisst" usw.) verwässert und letztendlich zu Tode geritten wird.
Da kommt dann ein Fall, der besonders ans Herz geht, weil er von toten Kindern handelt, und man hat das Gefühl, sie wissen auch in diesem Fall bereits alles - oder auch gar nichts.