Sherlock_H schrieb:Ich lese es so, dass seine Geschichte nicht widerlegt werden konnte.
Ja, das ist wohl bis heute das Problem der Ermittler. „Webers“ Aussagen können von niemandem bestätigt werden, aber es gibt vermutlich auch noch nicht ausreichend Indizien oder sogar Beweise gegen seine Geschichte.
In dem o.g. Zeitungsartikel von 1989 heißt es z.B. auch: „Am 23. Juni um 22 Uhr saß der unbewaffnete Soldat [Norbert] noch im Wachraum vor dem Fernseher.“ Laut „Weber“ aber lag Norbert um 22 Uhr im Bett und verweigerte ihm deshalb die Unterschrift bzw. vertröstete ihn auf den nächsten Morgen.
In beiden Fällen kann es nur „Weber“ gewesen sein, der Norbert um 22 Uhr gesehen haben will, entweder a) vor dem Fernseher sitzend oder b) im Bett liegend und gerade am Einschlafen. Hier stellt sich auch die Frage, wie es zu den beiden unterschiedlichen Versionen kommt. Möglicherweise hatte „Weber“ in seiner Vernehmung damals zunächst erzählt, Norbert habe um 22 Uhr noch ferngesehen. Als „Weber“ aber später nach dem Grund für die fehlende Unterschrift gefragt wurde, erschien ihm die Behauptung, Norbert hätte lieber ferngesehen statt kurz seiner Pflicht zur Unterschrift nachzukommen, vielleicht selbst zu unglaubwürdig. Deshalb schwenkte er möglicherweise um und sagte dann, ach nein, Norbert hätte sich ja schon zum Schlafen hingelegt und dann nicht mehr aufstehen wollen.
Das ist natürlich nur eine Vermutung. Aber irgendeine Ursache für die beiden Versionen muss es geben. Sicher geht das aus den Ermittlungsakten hervor, aber öffentlich ist es m.W. nicht bekannt. Wenn die unterschiedlichen 22-Uhr-Versionen (Fernseher ↔ Bett) aber beide von „Weber“ stammen (und das müssten sie, denn außer ihm war um diese Uhrzeit sonst niemand mehr im Gebäude, jedenfalls offiziell), macht ihn das kaum glaubwürdiger, denn so kurz nach der Tat sollte er doch noch gewusst haben, ob Norbert vor dem Fernseher gesessen oder schon im Bett gelegen hatte.