sallomaeander schrieb:1. Wie tief, andauernd oder bedeutsam kann die Beziehung zu "Annette" gewesen sein, wenn niemand im Umkreis auch nur andeutungsweise davon wusste ("Ich habe da jemand ganz Tolles kennengelernt...")?
Die Tatsache das aus dem Umfeld von Norbert Stolz niemand etwas von dieser Person -sofern es sie gegeben hat- wusste, sagt erst einmal nichts über die mögliche Qualität oder Art der Beziehung aus. Es sind für mich durchaus Gründe vorstellbar, warum eine Beziehung -zunächst zumindest- durch die betreffenden Personen nicht öffentlich gemacht wird. Beispielweise dann, wenn sich eine der Personen noch in einer Beziehung befindet.
sallomaeander schrieb:Wie kann jemand, der (durch die Zeitung ?) vom Mord an dem jungen Mann erfahren hat, die Eltern anschreiben und um ein Foto bitten, ohne zugleich plausibel zu machen, welcher Art die Freundschaft war, dass sie den Wunsch nach einem Erinnerungsfoto begründet?
Ich denke, die Eltern waren von dieser Zuschrift/dem geäußerten Wunsch möglicherweise gleichermaßen überrumpelt und gerührt zugleich. Einerseits konnten sie sich vielleicht nicht direkt erklären in welcher Beziehung diese Person zu Norbert stand, andererseits freuten sie sich vielleicht über diese Anteilnahme und darüber das man ihren Sohn so gemocht hatte und nun ein Erinnerungsstück wollte. Man hat dem Wunsch dann ohne Rückfragen und Hintergedanken entsprochen.
sallomaeander schrieb:Ich halte es für möglich, dass es "Annette" vielleicht gar nicht gegeben hat, und der Brief eine falsche Spur legen sollte.
Das ist selbstverständlich möglich. Aber der Effekt war erwartbar gering. Deshalb erscheint mir diese Art von Trugspur als ziemlich unwahrscheinlich. Wenn es der Versuch gewesen sein sollte, von einem bundeswehrinternen Täter abzulenken, war das eine sehr ungewöhnliche und ziemlich hilflose Aktion, die eher in einen Tatort-Plot passt, als in das richtige Leben. Denn nur durch diese Anfrage hätten sich professionelle Mordermittler nicht lange ablenken lassen.
sallomaeander schrieb:Es gab doch auch in Kreisen gläubiger, praktizierender Katholiken jener Zeit keinen Grund, dass ein junger Mann die Freundschaft zu einer Frau geheim hält. Man hätte sich ja z.B. verloben können.
Das ist kein Argument. Ehebruch ist zum Beispiel sicher nicht gern gesehen. Davon losgelöst kann es auch andere Gründe geben, die einstweilen dagegen sprechen, eine Beziehung öffentlich zu machen. Beispielsweise auch das Alter, die Herkunft, die Religion usw. usf.
sallomaeander schrieb:Denkbar, das wurde hier auch schon gesagt, dass es sich um eine rein einseitige Schwärmerei handelte, oder dass Annette vielleicht sehr jung war
Das ist denkbar. Durchaus. Was ich allerdings merkwürdig finde ist, dass sich dann jene Annette nie wieder meldete und auch nicht ermittelt werden konnte.
sallomaeander schrieb:Wenn es die vorgebliche "Annette" aber gar nicht gab, könnte das Schreiben den Verdacht von jemandem weggelenkt haben, der eben nicht Annette hieß, sondern vielleicht Andreas, Arnold oder Klaus. Und den gleichfalls niemand im Umfeld kannte, sonst hätte das Schreiben ja nicht funktionieren können.
Kann, muss aber nicht. Wie geschrieben, der Effekt war eigentlich erwartbar gering und stellte -wenn es ein Ablenkungsmanöver war- einen mMn eher hilflosen Versuch dar.
heritage schrieb:Wir wissen ja nicht ob "Annette" eine Freundin Norberts war, und auch nicht was in ihrem Brief stand.
Unter seinen Kameraden in der Truppe, haben einige in ihren Befragungen gesagt das Norbert Stolz eine Freundin hatte.
Das genau ist ja der springende Punkt. Nur weil man diese "Annette" nicht identifizieren konnte, heißt es ja nicht, dass es sie nicht gab. Man hat sie sich ja nicht hier im Forum einfach ausgedacht. Es gab ja scheinbar diesen Brief und auch wohl entsprechende Aussagen. Man sollte diesen Sachverhalt also nicht unbedingt ignorieren, zumal ja bis heute ein Motiv fehlt und Beziehungen immer ein gewisses Potenzial haben eines zu liefern.
sallomaeander schrieb:
heritage schrieb:Eine Beziehung geheim zu halten,nun dafür kann es legitime Gründe geben.
Ja, natürlich. Nur, würde die legitime Geheimniskrämerei auch einer Mordermittlung standgehalten haben?
Gerade im Nahbereich wurde doch sicher sehr intensiv ermittelt.
Das ist ein legitimer Einwand. Gewiss wurde auch in diese Richtung ermittelt. Allerdings muss sie ja nicht unbedingt im direkten Nahbereich zu finden gewesen sein. Manchmal kann auch eine Zufallsbegegnung zu etwas führen. Wenn ich z.B. spontan etwas geheimes mit meiner Bankberaterin anfangen würde, dann würde von außen wahrscheinlich auch niemand so schnell darauf kommen.
MayorQuimby schrieb:Ich kann da keine Verbindungzu dem Verbrechen entdecken, ein Täter wäre doch ziemlich einfältig Briefe zu fälschen um falsche Spuren zu legen. Je mwhr Beweismittel, um so schlechter für den Täter.
Das der Täter diesen Brief schrieb um eine Trugspur zu legen glaube ich aus o.g. Gründen ja auch nicht. Aber das eine nicht weiter abgeklärte Beziehung einer unbekannten Person zum Opfer das Potenzial für eine Tat hat, kann man ohne eine Prüfung der näheren Umstände nicht wissen. Von daher wäre gut gewesen, wenn man diese Person gefunden hätte und sie sich dazu hätte äußern können und sei es nur um sie als tatrelevant auszuschließen. So muss man sie mMn weiter als "möglicherweise tatrelevant" im Hinterkopf haben.