Leocadia schrieb:Ich meine, keine noch so empörende Tat berechtigt es, eine vor Gericht stehende Person so mit Häme zu überziehen. Ist aber nur meine persönliche Überzeugung, schon klar.
Das ist nicht nur eine persönliche Überzeugung. Meines Erachtens gilt das auch für den "Kannibalen von Rothenburg" oder einen Serienmörder, der mehrere Kinder missbraucht und getötet hat. Und bei solchen Fällen gibt es das auch nicht. Hier habe ich den Eindruck, Empörung und Häme gelten einem "Fail" einer prominenten Person.
M8nix schrieb:CB will als die gesehen werden, die sie wirklich ist.
Und ich frage mich nach wie vor, wer diese ‚wirkliche’ CB ist.
Ihr Auftreten vor Gericht und ihr Auftreten, bevor dieser begann, ist in meine Betrachtung eingeflossen.
Diesen Satz "Ich will so gesehen werden, wie ich wirklich bin." habe ich hier vermutlich schon hunderte Male gelesen. Das ist ein legitimes Anliegen, vor Gericht. Alles andere wäre auch nicht sehr klug. Aber mir ist egal, wer Frau Block wirklich ist. Das weiß sie vermutlich nicht einmal selbst. Denn viele Menschen verlieren in höchstemotionalen existentiell bedrohlichen Konflikten die Orientierung.
Mein Eindruck, auch auf Grundlage von "Tagebüchern" und Kommunikation vor und während der Tat:
Christina Block scheint mir vor Gericht jedenfalls größtenteils authentisch zu sein. Das wird insbesondere da deutlich, wo es ihr selbst massiv schadet. Von ihrer selektiven Wahrnehmung bzw. Äußerung von tatrelevanten Tatsachen, der Nichthematisierung familiärer Zwänge und Kommunikationen (Schutz ihres Vaters) bis hin zu ihrer Verzweiflung, Trauer und egozentrischen Selbstbezogenheit als Mutter im Verhältnis zu ihren Kindern. Als Mutter, die bis heute nicht verstanden hat, warum passiert ist, was ihr seit August 2021 widerfahren ist und die in der Opferrolle gefangen nicht begriffen hat, welchen Schaden sie bei ihren Kindern anrichtet. Die selbstaufopfernde "Löwenmutter" und das "Mutterherz", die auch mit dem Äußersten, der gewaltsamen Entführung ihrer Kinder, tragisch gescheitert ist, das ist ihr Selbstbild. Das ist keine misslungene Inszenierung, das ist tatsächlich sie, in all ihrer defizitären Widersprüchlichkeit, Zerrissenheit und emotionalen Unreife.
Auf die Strafbarkeit hat das keinen Einfluss, auf das Strafmaß vielleicht. Aber wie ich heute schon angemerkt habe: Es geht um das "danach", nach der Strafe. Sie wollte nicht mit einem Hamburger "Deal" aus dem Prozess raus, sondern so rein, wie sie als Angeklagte es empfindet. Um danach authentisch sein zu können. So wie sie es versteht. Weil: "Wer sie wirklich ist", kann nur sie begreifen, geht nur sie etwas an.
anthe schrieb:Nicht das Wohl ihrer Kinder, deren intimste Befindlichkeiten nach der Entführung dank sehr detailgenauer Befragungen des Kindsvaters durch Bott öffentlich ausgebreitet wurden und auch nicht die Aufklärung der angeklagten Tat.
Das war nun wahrlich nicht nur unser angesehener Dr. Bott in seiner Befragung. Sondern das waren zu Dutzenden auch die Medien auf Grundlage von Interviews, durchgestochener Ermittlungsakten sowie weiterer Dokumente, die die "intimsten Befindlichkeiten" der Kinder ans Tageslicht befördert haben. Und alle haben sich darauf gestürzt, der Emotionalisierung hingegeben.
Die Medien wurden fleißig gefüttert und bearbeitet - scheinbar ohne große Rücksicht auf Verluste.