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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

240 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: England, Krankenschwester, Lucy ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

31.03.2026 um 20:27
Zitat von klara.verstandklara.verstand schrieb:Das kam offenbar erst nach dem Trial hervor. Das wäre doch ein Grund für eine Wiederaufnahme; denn wie hier auch schon ausgeführt wurde, braucht es neue Tatsachen für eine Wiederaufnahme.
Ich komme jetzt in unsicheres Gewässer, denn damit habe ich mich noch nicht eingehend befasst, aber soweit ich weiß wurden schon zwei Berufungsanträge gestellt und abgelehnt (wahrscheinlich ein Antrag je Urteil).

Bei dem Berufungsantrag den ersten Prozess betreffend wurden u.a. die fehlerhaft ausgewerteten Zutrittsprotokolle als Begründung angegeben, die Berufungsinstanz war aber nicht der Ansicht, dass dies ausreicht um das bestehende Urteil in Frage zu stellen, so in der Art.

Wenn ich es richtig verstanden habe ist das Argument damit für die Zukunft "verschlissen", weil sich die Justiz eben schon damit befasst hat.

Gerne verbessern @Rick_Blaine.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

31.03.2026 um 20:40
Zitat von klara.verstandklara.verstand schrieb:In erster Linie hatte ich ihr Arbeitsumfeld vor Augen. Soweit ich das hier richtig verfolgt und eingeordnet habe, hielt ja zumindest ein Teil der Belegschaft ursprünglich zu ihr
Im zweiten Video dieses Beitrags sagt eine ehemalige Kollegin, dass es zwei Lager gab nachdem Lucy 2016 versetzt wurde:

Beitrag von Agrimony (Seite 5)

Ich finde es erstaunlich, dass nicht alle Kolleginnen geschlossen zu ihr hielten wenn man (hypothetisch) davon ausgeht, dass die Vorwürfe, die zu ihrer Suspendierung führten, haltlos sind.

Also was war mit den Leuten im "Contra-Lager" los?

Mich würden da mehr Hintergründe interessieren. Vielleicht findet sich was ...


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

31.03.2026 um 20:59
@Cpt.Germanica
Du bist tatsächlich gut informiert über die Abläufe im Prozess.
So wie Du es schilderst, wird einem nochmal bewusst, welcher geballten Macht ein Verteidiger da gegenübersitzt. Das ein Richter selbst darüber entscheiden kann, ob er zb auch über den zweiten Prozess präsidiert, dann ist ihm diese Macht ja wohl per Gesetz gegeben.
Ich habe so etwas ja schon bei anderen Prozessen mitverfolgt, aber so wie Du es schilderst, wird mir als Laien erst klar, was für eine Verantwortung man einem Richter zubilligt.
Das nun Verteidiger mal das eine oder andere im Prozess fordern, Ausschluss von Beweisen, oder Anträge auf mistrial, das ist nicht ungewöhnlich. Aber zb Experten auszuschließen, wird so etwas nicht vor dem Prozess vorgetragen beim Richter? Ist das im laufenden Prozess beantragt worden?
Es bleibt zu sagen, die Verteidiger in diesem Prozess, hatten echt einen Riesen Felsbrocken einen Berg hoch zu stemmen.
Mal ehrlich, wer kommt schon gegen 15 Babys an, davon ca die Hälfte tot. Plus ebensoviele Eltern die trauern. Da brodelt die Volksseele. Da ist eine Angeklagte wie Lucy ideal für Projektionen.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

31.03.2026 um 21:31
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Ist das im laufenden Prozess beantragt worden?
Im Prozess:

Der ursprüngliche Anwalt von Lucy, Ben Myers KC, hat im Januar 2023, im dritten Prozessmonat, den Antrag gestellt Dr. Evans auszuschließen, mit u.a. Verweis auf 2021 (s.o.), aber der Richter ließ laufen.

Myers hat Evans im Verlauf des Prozesses immer mal wieder angegriffen und im Grunde genommen schon damals alles vorgebracht, was heute diskutiert wird, also mangelnde Praxis des schon seit Jahren pensionierten Evans', wissenschaftlich nicht mehr auf dem Stand, herbeikonstruierte Theorien zu Lasten Letbys, offenkundig um dem Narrativ der Anklage zu folgen usw.

Man müsste das mal sauber aufbereiten, mit Quellen.

Je tiefer man einsteigt desto mehr merkt man (ich!) jedenfalls wie sehr auch der Richter ein Problem für die Verteidigung Lucys darstellte.
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:So wie Du es schilderst, wird einem nochmal bewusst, welcher geballten Macht ein Verteidiger da gegenübersitzt.
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Es bleibt zu sagen, die Verteidiger in diesem Prozess, hatten echt einen Riesen Felsbrocken einen Berg hoch zu stemmen.
Das sind "schöne" Bilder die meinen Gefühlen entsprechen wenn ich mich hinein zu versetzen versuche in das, was das "Team Letby" geleistet und empfunden haben mag – eine tonnenschwere Last auf der Brust!


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

31.03.2026 um 22:10
@Cpt.Germanica
Ich könnte mir schon Gründe vorstellen, warum
der Richter diesen pensionierten Experten dort belassen hat. Wenn er den abberufen hätte, welche Folgen das haben könnte, hinsichtlich vorheriger Prozesse, an denen er als Experte beteiligt war.
Es gab schon ähnliche Fälle, wo dann rückblickend, alle Fälle unter seiner Beteiligung, noch mal auf den Prüfstand mussten.
Die haben ja eine Reputation aufrechtzuerhalten.
Man stelle sich vor, wegen dem Pensionär sitzen womöglich noch andere im Knast. Die könnten dann damit argumentieren und sich auf den Letby Fall berufen.
Gegen zertifizierte Experten vorzugehen, scheint auch eine große Hürde darzustellen.
Vor allem, wenn sie schon oftmals als solche, für Ankläger im Zeugenstand waren.
Hat ja schließlich sehr viel Geld gekostet, Steuerzahlergeld. Hätte man ihn abgezogen, seine Rechnung hätte man ihm trotzdem begleichen müssen und zusätzlich hätte man ihn ersetzen müssen. Der neue hätte wieder Geld gekostet usw usw.
So was will man evtl vermeiden. Dem Steuerzahler nicht noch zusätzlich belasten.
Das ist natürlich nur meine Theorie dazu.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

31.03.2026 um 22:54
@calligraphie:

Ja, vielleicht spielen da auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle.
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Es gab schon ähnliche Fälle, wo dann rückblickend, alle Fälle unter seiner Beteiligung, noch mal auf den Prüfstand mussten.
Du meinst jetzt andere Gutachter, also nicht Dr. Evans, ja?


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

31.03.2026 um 23:00
@Cpt.Germanica
Ja auf ihn hatte ich mich bezogen. Evtl habe ich seine History auch fehlinterpretiert. Ich bin noch nicht so tief im eigentlichen Prozess. War er etwa als Pensionär das erste mal in so einem Prozess involviert. Vielleicht hast Du es hier schon an anderer Stelle herausgearbeitet und ich habe es übersehen?


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

31.03.2026 um 23:48
@calligraphie

Ehrlich gesagt bin ich bei ihm bislang nur bis 2021 zurück gegangen.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

01.04.2026 um 04:21
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:15 Tage Jury Beratungen? Oha, weil sie sich nicht einstimmig einig wurden? Und weil der Richter keinen Fehlprozess wollte m, hattet kurzerhand einstimmig in Majority umgewandelt? Aus Ungeduld oder weil das grundsätzlich möglich ist.
Ich weiß solche Dinge leider nur aus US Strafprozessen. Wenn die Jury signalisiert nicht zu etwas einstimmigen zu gelangen, dann ermuntert mancher Richter die Jury, es doch noch etwas länger zu versuchen. Das ist manchmal angebracht. Die Jury darf ja auch Zwischenfragen an den Richter stellen, während sie beraten im Juryroom.
Man müsste mehr zu den Details im UK Justizsystem wissen, was geht und was nicht. Die Rolle des Richters usw.
Du zeigst hier auf einen gewichtigen Unterschied zwischen dem englischen und dem amerikanischen Recht hin. In den USA schreibt die Verfassung vor, dass ein Urteil einer Jury einstimmig sein muss. In England, wo es ja keine Verfassung gibt, sagt das Gesetz, dass zunächst das Verfahren auf ein einstimmiges Urteil hinführen soll, aber wenn das nicht möglich zu sein scheint, der Richter die Jury anweisen kann, ein Mehrheitsurteil zu fällen. Bei 12 Juroren dürfen dann 10 eine Mehrheit bilden und das Urteil steht.

Gibt es selbst die nicht, ist es wie in den USA, das Verfahren platzt und die Anklage kann es erneut durchführen, wenn sie will.
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Das alte Verteidigerteam von Lucy Letby hatte im Prozess 2023 vergeblich beantragt, Dr. Evans als ungeeignet auszuschließen, obwohl man auf den Prozess hingewiesen hat, bei dem Evans 2021 ein Gutachten ablieferte, das der damalige Richter als "nutzlos" bezeichnete.

Richter Goss wiederum sollte auch den zweiten Letby-Prozess führen, was Lucys Verteidiger mit einem Befangenheitsantrag verhindern wollten. Richter Goss hat dann selbst entschieden, dass er nicht befangen ist und tatsächlich auch den zweiten Prozess 2024 geführt. Das sind so die Schrulligkeiten im englischen Prozessrecht.
In fast allen westlichen Staaten haben die Berufsrichter eine erhebliche Macht im Verfahren. Viele meiner Kollegen meinen gar, ein Fall wird gewonnen oder verloren lange bevor die Jury den Gerichtsaal betritt oder sich zur Beratung zurückzieht. Und das ist wirklich oft so: in England, wie in den USA, entscheidet der Richter, welche Beweismittel, welche Zeugen oder welche Gutachter zugelassen werden und wie. Und den Richtern wird dabei von den Revisionsgerichten in der Regel sehr viel Ermessenspielraum eingeräumt. Selten gelingt es in der Revision zu zeigen, dass hier Fehler gemacht wurden, noch viel seltener schon während dem laufenden Verfahren.

Genauso verhält es sich mit Befangenheitsanträgen: die passieren sehr selten im laufenden Verfahren, weil der Richter, dem man Befangenheit vorwirft, selbst entscheidet ob er befangen ist oder nicht. In der Revision hat man allerdings die Möglichkeit, das Urteil noch einmal wegen Befangenheit anzufechten. Notwendig sind aber relativ klare Beweise, z.B. wenn man gesehen hat, dass die Familie des Angeklagten dem Richter schnell einen grossen Umschlag die Hand gibt.... dann hat man eine gute Chance, diesen als befangen bzw. gar korrupt abzulehnen. Aber wenn es darum geht, dass ein Richter eben einen Gutachter für einen superkompetenten Experten hält, und die Verteigigung ihn für einen wichtigtuerischen Trottel, dann ist es schwer. Dann greift man auch nicht den Richter an, sondern eben den "Experten" selbst und in der Revision sagt man dann, dass der Richter in seiner Zulassung einen Fehler beging (was etwas anderes als Befangenheit ist).
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Bei dem Berufungsantrag den ersten Prozess betreffend wurden u.a. die fehlerhaft ausgewerteten Zutrittsprotokolle als Begründung angegeben, die Berufungsinstanz war aber nicht der Ansicht, dass dies ausreicht um das bestehende Urteil in Frage zu stellen, so in der Art.

Wenn ich es richtig verstanden habe ist das Argument damit für die Zukunft "verschlissen", weil sich die Justiz eben schon damit befasst hat.
Das ist ein weiteres Problem der Rechtsprechung: anders als viele glauben, ist nicht jeder kleine Fehler in einem Verfahren sofort ein Revisionsgrund, der zu einem neuen Verfahren führt. Es gibt eine Reihe Kardinalfehler, die sofort in der Revision zur Aufhebung des Urteils führen, z.B. der Richter war gar nicht zuständig, ein Jury Mitglied hat sich bestechen lassen usw.

Ansonsten aber ist der Masstab, ob der Prozess insgesamt zu einem fairen Urteil geführt hat oder nicht. Das Revisionsgericht prüft das "Gesamtgewicht" der vorgebrachten Beweise, und wenn es der Meinung ist, dass keine vernünftige Jury ein anderes Urteil als schuldig gefällt hätte, wenn der beanstandete Fehler nicht passiert wäre, dann wird das Revisionsgericht zwar den Fehler rügen, das Urteil aber bestätigen.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

01.04.2026 um 10:23
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Bei dem Berufungsantrag den ersten Prozess betreffend wurden u.a. die fehlerhaft ausgewerteten Zutrittsprotokolle als Begründung angegeben, die Berufungsinstanz war aber nicht der Ansicht, dass dies ausreicht um das bestehende Urteil in Frage zu stellen, so in der Art.

Wenn ich es richtig verstanden habe ist das Argument damit für die Zukunft "verschlissen", weil sich die Justiz eben schon damit befasst hat.
Vielen Dank (es ist wirklich unglaublich, was du zum und rund um den Fall weißt.)

Ich denke auch, dass damit ein mögliches Argument für eine Wiederaufnahme wegfällt. Ich hatte den Eindruck, dass das ihr unterstellte Kalkül, auf Abwesenheiten anderer (möglicher Zeugen) zu warten, ein sehr stützender Punkt war. Umso bedauerlicher, dass das in der Berufung offenbar als nicht relevant eingestuft wurde. Womöglich waren die Log-Daten aber nur zu geringfügig fehlerhaft oder konnten nur bei zu wenig Vorfällen als fehlerhaft nachgewiesen werden.

Ganz allgemein hoffe ich wirklich, dass sich ein Grund für eine Wiederaufnahme findet und alles nochmals sorgfältig durchleuchtet wird. Ich bin zwar (wie könnte man auch, wir wissen es nicht) nicht von ihrer Unschuld überzeugt, aber noch weniger von ihrer Schuld. Und was ein Fehlurteil für einen Unschuldigen bedeutet, mag man sich nicht vorstellen und wurde auch von Rick_Blaine beispielhaft geschildert.
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Ich finde es erstaunlich, dass nicht alle Kolleginnen geschlossen zu ihr hielten wenn man (hypothetisch) davon ausgeht, dass die Vorwürfe, die zu ihrer Suspendierung führten, haltlos sind.

Also was war mit den Leuten im "Contra-Lager" los?
Besonders krass finde ich das in dem Fall des Arztes, mit dem sie so viele Chat-Nachrichten ausgetauscht hat. Was wollte er retten: Seine Familie, seine Reputation als Arzt? Sehr feig, weil er eigentlich über seine (offenbar sehr positiven) Wahrnehmungen von Lucy damals hätte berichten müssen. In seiner Funktion als Zeuge interessieren nur unmittelbare Wahrnehmungen (alles andere sollte zumindest bei der Urteilsfindung nicht interessieren).
Nicht seine nachträglich gebildete Meinung, als er vermutlich bereits wusste, dass es für sie aufgrund der Stimmungslage nicht gut aussieht.

Natürlich kommt es vor, dass man im Lichte konkreter Vorwürfe Dinge anders interpretiert, aber die Anklage war - so meine Eindruck - sehr bemüht, ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil von Lucy herauszuarbeiten. Und das hat sie auch geschafft. Das war offenbar eine der tragenden Säulen. Denn außer statistische Wahrscheinlichkeiten und die Post-it gab es nicht sehr viele griffige Anhaltspunkte.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

01.04.2026 um 11:41
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Viele meiner Kollegen meinen gar, ein Fall wird gewonnen oder verloren lange bevor die Jury den Gerichtsaal betritt oder sich zur Beratung zurückzieht. Und das ist wirklich oft so: in England, wie in den USA, entscheidet der Richter, welche Beweismittel, welche Zeugen oder welche Gutachter zugelassen werden und wie.
Mir scheint (bitte korrigierte mich @Rick_Blaine) dieses traditionsbeladene, "moderne", angelsächsische Jury-Verfahren, das aus einem tiefen Misstrauen dem Staat gegenüber geboren ist – es soll kein vom Staat bezahlter Richter entscheiden, sondern ein unabhängiges Gremium –, in einer Art spätmittelalterlichen Voreingenommenheit dem Angeklagten gegenüber verhaftet geblieben zu sein. 

Voreingenommenheit weniger seitens Jury, sondern mehr im Bezug auf die anderen "Player", Motto: "Der Angeklagte wird schon nicht umsonst vor Gericht stehen!" (Vorverurteilung).


Oder auf den Fall Lucy Letby herunter gebrochen: Ein Richter "hilft nach", damit die auch ja verurteilt wird. Weil bei so einer Jury weiß man ja nie ...


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

01.04.2026 um 11:53
Zitat von klara.verstandklara.verstand schrieb:Besonders krass finde ich das in dem Fall des Arztes, mit dem sie so viele Chat-Nachrichten ausgetauscht hat. Was wollte er retten: Seine Familie, seine Reputation als Arzt? Sehr feig, weil er eigentlich über seine (offenbar sehr positiven) Wahrnehmungen von Lucy damals hätte berichten müssen.
Er hat Sie nach ihrer Suspendierung in Chat-Nachrichten jedenfalls mehrfach als "die beste Pflegerin der Station" u.ä. bezeichnet. Unklar ist mir, ob das sein Ernst war, Trost oder gezielte Schmeichelei.

Laut Lucy soll der Kontakt im Frühjahr 2018 versandet sein, also relativ kurz vor ihrer ersten Verhaftung am 3. Juli 2018.

Die Hintergründe des "Versandens" sind (mir) nicht bekannt; sicher wäre es interessant hierzu genaueres zu wissen.

Ich könnte mir vorstellen, dass vor Lucys Verhaftung polizeiseitig intensiv recherchiert wurde, auch bei den Ärzten. Vielleicht hat Dr. A/U/MN da den Absprung gemacht, egal, was er nun wirklich von Lucy hielt.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

01.04.2026 um 13:59
P.S.: Ich arbeite momentan, soweit es meine Freizeit zulässt, an mehreren längeren Beiträgen zum Letby-Fall (teils parallel).

– Den "Beweiskrieg" Verteidigung vs. Richter habe ich in diese Agenda aufgenommen.

Außerdem sind noch (mindestens) offen:

– Dr. A/U/MN (Zusammenfassung und Ergänzung des bislang gesagten)

– die Hausdurchsuchungen, deren Funde, die Interpretationen der Anklage und der Verteidigung (inkl. Lucys Online-Verhalten)

– der zweite Prozess 2024 (bislang nur kurz geschildert)

– Fälle mit Verdachtsmomenten, für die keine Anklage erhoben wurde (Sachstamd bis Februar 2026)

(– bestimmt noch Weiteres)


Der Fall ist so vielschichtig und vieles lässt sich auch in verschiedenen "Kapiteln" unterbringen bzw. beleuchten. In Summe ist der Fall aber schier zu umfangreich um in "Teilzeit" alles zu recherchieren und verschriftlichen.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

02.04.2026 um 02:32
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Mir scheint (bitte korrigierte mich @Rick_Blaine) dieses traditionsbeladene, "moderne", angelsächsische Jury-Verfahren, das aus einem tiefen Misstrauen dem Staat gegenüber geboren ist – es soll kein vom Staat bezahlter Richter entscheiden, sondern ein unabhängiges Gremium –, in einer Art spätmittelalterlichen Voreingenommenheit dem Angeklagten gegenüber verhaftet geblieben zu sein. 

Voreingenommenheit weniger seitens Jury, sondern mehr im Bezug auf die anderen "Player", Motto: "Der Angeklagte wird schon nicht umsonst vor Gericht stehen!" (Vorverurteilung).


Oder auf den Fall Lucy Letby herunter gebrochen: Ein Richter "hilft nach", damit die auch ja verurteilt wird. Weil bei so einer Jury weiß man ja nie ...
Ich bin nun seit 30 Jahren in den USA und bin noch heute immer wieder erstaunt, wie gut das Jurysystem arbeitet, zumindest hier. In der grossen Mehrzahl der Fälle, die ich mir so anschaue oder in denen ich selbst involviert bin, entscheidet die Jury am Ende so wie ich selbst entschieden hätte. Das liegt natürlich auch an der professionellen Art, wie alle anderen Profis eben arbeiten, Richter, Anwälte usw. aber hätte ich mit meiner typisch deutschen Voreingenommenheit gegenüber "Laien" damals nicht erwartet.

Die Funktion des Richters ist dann allerdings schon sozusagen die Gegenwehr des Systems, und auch notwendigerweise so: hier muss ein kompetenter Jurist sitzen, der das Recht einfach in und auswendig kennt.

Ist das System dem Angeklagten ggü. voreingenommen? Nun, in einer Weise, die in allen westlichen Staaten gleich sein dürfte, vermutlich schon. Wer es erst einmal vor Gericht "geschafft" hat wurde ja vorher schon durch einige Institutionen durchleuchtet, Polizei und Staatsanwaltschaft. Das sind normalerweise ja auch keine Dummköpfe. Insofern ist der wirklich unschuldige Angeklagte hier in einer angespannten Situation. Und dann kommt noch der immense Druck durch den Zwang zur Effizienz. In allen mir bekannten westlichen Staaten herrscht eine solche Last auf der Justiz, durch eine immense Anzahl von Verfahren, dass nach jeder noch so kleinen Möglichkeit, Zeit zu sparen, gegriffen wird. Und das oft zum Nachteil des Angeklagten.

Das beste Beispiel ist oben genannte Möglichkeit, in England die Jury anzuweisen, eine Mehrheitsentscheidung zu treffen. Bloss nicht das Verfahren platzen lassen und einen neuen Prozess haben...

Hier kommt auch der grosse Nachteil zu tragen, dass England im Gegensatz zu Deutschland oder gar den USA keine Verfassung hat. All diese Dinge sind in anderen Ländern üblicherweise durch die Verfassung "geschützt," in England nicht. Dort werden sie durch einfaches Gesetz geregelt, welches das Parlament viel leichter ändern kann, als in den USA die fast unveränderbare Verfassung z.B. Wenn also der Druck stark wird, das System effizienter zu machen, dann wird mal schnell ein Grundsatz im Gesetz geändert. In diesem Fall war das Section 17 des Juries Act von 1974.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

02.04.2026 um 23:25
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Mir scheint (bitte korrigierte mich @Rick_Blaine) dieses traditionsbeladene, "moderne", angelsächsische Jury-Verfahren, das aus einem tiefen Misstrauen dem Staat gegenüber geboren ist – es soll kein vom Staat bezahlter Richter entscheiden, sondern ein unabhängiges Gremium –, in einer Art spätmittelalterlichen Voreingenommenheit dem Angeklagten gegenüber verhaftet geblieben zu sein. 

Voreingenommenheit weniger seitens Jury, sondern mehr im Bezug auf die anderen "Player", Motto: "Der Angeklagte wird schon nicht umsonst vor Gericht stehen!" (Vorverurteilung).
Ich sehe das leider ähnlich wie @Cpt.Germanica Ich bin der Meinung, für einen Rechtsstaat gehört es sich auch, dass Recht ausschließlich von unabhängigen Richtern gesprochen wird. Unabhängig heisst insbesondere auch, unabhängig von persönlichen Befindlichkeiten. Ich kann mangels Wissen nicht wie @Rick_Blaine beurteilen, ob das Jury-System in den USA besser funktioniert als in UK. Ich sehe aber soviele weitere "Systemfehler": Einfluss der Opferfamilie (mit entsprechender Vorverurteilung etc.), Vergeltungsaspekt im Vordergrund, absurd lange Haftstrafen, wie z. B. Life without Parole bei vergleichsweise "geringen" Verbrechen, exzessiver Einsatz von Isolationshaft, Gefängnis-Industrie, u.s.w. Vieles übrigens zum Nachteil gerade von Frauen. Manche Dinge werden allmählich vom Supreme Courts wieder korrigiert. Aber extrem langsam. Das britische Justiz- und Gefängnissystem mag dem US-amerikanischen vom Prinzip recht ähnlich sein. Ich bilde mir aber ein, dass es doch nicht ganz so extrem ist. So denke ich, dass Lucy in einem Gefängnis in den USA ein schwierigeres Leben hätte, bzw. nicht schon nach so relativ kurzer Zeit schon so einige Freiheiten hätte. Allerdings war die Vorverurteilung, sicherlich auch durch die vielen Opfereltern, sehr groß. Wie groß der tasächliche (und nicht nur abstrakte) Druck auf die Jury war, mögen andere besser beurteilen können. Ich bin aber sicher, dass sie in den USA diesbzgl. nicht besser behandelt worden wäre. Interessieren würde mich, welchen Einfluss die Jury in UK auf das Strafmaß hat. Ich habe gerade gestern erschüttert ein Video von einer Urteilsverkündung (wieder in den USA) von Natalie Cochran gesehen, in West Virginia. Sie bekam "Life". Die Mutter forderte im Gerichtssaal noch "no mercy". Tatsächlich musste die Jury noch darüber befinden. Sie entschied auf "no mercy", womit das Urteil ein "Life without Parole" war. Unter dem Video konnte man die zahlreichen, ausschließlich hämischen Kommentare lesen. Frau Cochran ist mir auch nicht unbedingt sympathisch, aber dieser Vergeltungs- (um nicht zu sagen: Rache-) Fanatismus ist mir zutiefst zuwider. Deswegen sollte das ganze auch in staatlicher Hand liegen. Ich denke, dass bei Lucy die vielen Opfereltern auch diesen "moralischen "Druck erzeugt haben. Was ihnen ja nicht einmal zu verübeln ist. Aber welchen Einfluss hatte das auf ihr Urteil? Vielleicht steht das schon irgendwo, aber vielleicht kann mich dann jemand darauf hinweisen?


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

03.04.2026 um 01:31
Zitat von redsherlockredsherlock schrieb:Aber welchen Einfluss hatte das auf ihr Urteil? Vielleicht steht das schon irgendwo, aber vielleicht kann mich dann jemand darauf hinweisen?
Mal vorweg, Du scheinst ja irgendwie traumatisiert zu sein, was Amerika angeht. Daher gehe ich hier im Interesse des threads nicht auf all das ein, was nichts mit dem Fall Lucy zu tun hat.

Zu der Frage: welchen Einfluss das hatte weiss nur der Richter.
Auch in England ist es ausschliesslich der Richter, der das Strafmass festlegt, nicht die Jury (das ist in den USA in wenigen speziellen Fällen anders).

Das Opfer bzw. Angehörige haben in England die Möglichkeit, ein "Victim's personal statement" vor der Verkündigung des Strafmasses an den Richter einzureichen, schriftlich oder als mündlicher Vortrag im Gericht.

Anders als in den USA gibt es in England sogar die Möglichkeit, bei Straftaten, die eine ganze community betreffen, wie z.B. der Fall Lucy, in dem das Vertrauen einer ganzen Stadt in ihr Krankenhaus getroffen sein könnte, ein offizielles "community impact statement" dem Richter vorzulegen, in welchem dargestellt wird, wie die Straftat die ganze community schwer getroffen hat. Verfasst wird es von der Polizei nachdem einer ganzen Reihe von Leuten die Gelegenheit gegeben wird, sich zu äussern, wie örtliche Regierungen und Verwaltungen, Organisationen, NGOs usw usw.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

03.04.2026 um 01:48
Findest du es denn richtig, dass Opferangehörige (bei allem verständlichen Leid) eine relevante Rolle bei der gerichtlichen Entscheidung spielen dürfen? Ich habe da eine ganz klare Haltung. Nicht nur als meine persönliche Meinung, sondern es sollte in einem demokratischen Rechtsstaat per definitionem klar sein.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

03.04.2026 um 22:01
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Mal vorweg, Du scheinst ja irgendwie traumatisiert zu sein, was Amerika angeht.
Ich bin da auch "traumatisiert".
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Daher gehe ich hier im Interesse des threads nicht auf all das ein, was nichts mit dem Fall Lucy zu tun hat.
D'accord.
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Anders als in den USA gibt es in England sogar die Möglichkeit, bei Straftaten, die eine ganze community betreffen, wie z.B. der Fall Lucy, in dem das Vertrauen einer ganzen Stadt in ihr Krankenhaus getroffen sein könnte, ein offizielles "community impact statement" dem Richter vorzulegen, in welchem dargestellt wird, wie die Straftat die ganze community schwer getroffen hat. Verfasst wird es von der Polizei nachdem einer ganzen Reihe von Leuten die Gelegenheit gegeben wird, sich zu äussern, wie örtliche Regierungen und Verwaltungen, Organisationen, NGOs usw usw.
Das macht ja noch mehr Druck zu Ungunsten des/der Beschuldigten.

Und der Satz "das Vertrauen einer ganzen Stadt in ihr Krankenhaus getroffen" bekommt jetzt, wo das Urteil gegen Lucy Letby immer mehr Fragen aufwirft, einen bitteren Nachgeschmeck ... oder sagen wir besser "Neugeschmack".
Zitat von redsherlockredsherlock schrieb:Ich denke, dass bei Lucy die vielen Opfereltern auch diesen "moralischen "Druck erzeugt haben.
Ich denke, dass es weiterhin die Eltern der toten Kinder sein werden, die in Lucy eine Schuldige sehen wollen, wleche im Gefängnis verbleiben soll (unabhängig davon, wie groß der Einfluss von Opferangehörigen in UK nun tatsächlich ist).

Dabei sind die Eltern – neben Lucy – die zweiten "Opfer" eines möglichen Fehlurteils: Die Vorstellung, dass das eigene Kind ermordet wurde, ist doch viel schrecklicher als der Todesumstand "Frühgebürtlichkeit" oder "ungeeignetes Krankenhaus".

So gesehen haben die Eltern selbst das größte Interesse an einer Aufklärung die wahre Schuld Lucys betreffend, aber ich fürchte aus der Richtung wird der hartnäckigste Widerstand kommen:

Zum einen wird man sich nicht nochmal mit den Todesumständen "neu arrangieren" wollen, zum anderen wird man den Gedanken, dass eine mögliche Täterin frei kommt, nicht ertragen können – lieber soll im Zweifel eine Unschuldige sitzen!


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

03.04.2026 um 23:59
Ja genau. Und Lucy Letby ist ein gutes Beispiel für die Frage, ob ein Staat jemanden bis zum Tode hinter Gittern bringen soll, weil der gesellschaftliche Druck so groß ist. Ich verstehe das große Leid der Opferfamilien sehr gut. Aber die Justiz darf sich davon nicht beeinflussen lassen. Das ist meine tiefe Überzeugung.

Und ich möchte auch nochmal sagen: ich weiss nicht, ob Lucy tatsächlich unschuldig ist. Aber es gibt einige berechtigte Zweifel, bzw. offene Fragen. Und wenn man über ihr Leben entscheidet, dann verdient das eine größere Beachtung und Überprüfung. So objektiv und sachlich wie möglich. Generell emfinde ich solch "kapitalen" Urteile aufgrund reiner Indizien als problematisch.

(Und um nochmal kurz offtopic auf den Vorwurf der Traumatisierung einzugehen: ich denke, es gibt unzweifelhaft genügend viele "Schwächen" des Systems. Darüber muss man wohl nicht diskutieren.)


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

04.04.2026 um 00:29
Zitat von redsherlockredsherlock schrieb:Und ich möchte auch nochmal sagen: ich weiss nicht, ob Lucy tatsächlich unschuldig ist. Aber es gibt einige berechtigte Zweifel, bzw. offene Fragen. Und wenn man über ihr Leben entscheidet, dann verdient das eine größere Beachtung und Überprüfung. So objektiv und sachlich wie möglich. Generell emfinde ich solch "kapitalen" Urteile aufgrund reiner Indizien als problematisch.
Vor allem wenn ein Prozess – jenseits aller formalen Winkeladvokatie – inhaltlich nur als unfair bezeichnet werden kann, statistische Trugschlüsse, fragwürdiger Gutachter, Gegengutachten nicht zugelassen, Krankenhauszustand nicht eingehend betrachtet, Zutrittsprotokolle verdreht, kein belastbares Motiv erkennbar, Mehrheitsentscheid statt Einstimmigkeit der Jury, Prüfung der Befangenheit nach "Diktaturstandard", sorry ...


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