– Die Outings der Lucy Letby als Serienmörderin (oder auch nicht) –
Ich habe mittlerweile weitere Videos des YT-Kanals "Crime Scene 2 Courtroom" angesehen, von denen
@Agrimony eines hier schon verlinkt hatte (siehe
Beitrag von Agrimony (Seite 5)).
Bei dem folgenden ('Lucy Letby - The Unreleased Police Interviews') geht es um Polizeiverhöre, die in gewohnter Weise nachgesprochen werden:

Lucy Letby - The Unreleased Police Interviews
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Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe nichts gefunden, was ich auch nur irgendwie verdächtig finde.
Alle Fragen der Ermittler beantwortet sie für meine Begriffe schlüssig, nachvollziehbar und glaubwürdig. Sie verwickelt sich in keine Widersprüche und bleibt keine Antworten schuldig. (Alles wie gesagt nur meine Wahrnehmung.)
Auf die Post-its möchte ich im Folgenden etwas näher eingehen, weil diese ja vor Gericht als besonders belastend gewertet wurden:
Die Post-its sollen aus dem Juli 2016 stammen, als sie frisch von der Station in die Verwaltung abgezogen worden war, was sie tief getroffen hat, da sie sehr an ihrem Job hing (ihre letzte Schicht als Pflegerin war am 30.06.2016). Die bekanntesten beiden sind der grüne und der gelbe Zettel, aber es wird auch auf andere eingegangen.
Letby erklärt den Ermittlern anschaulich, dass sie sich in dieser Phase in einer tief verzweifelten Stimmung befand. Sie hatte aufgrund der Vorwürfe, die im Raum standen und auf ihr lasteten, das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben, nicht gut genug gewesen zu sein. Es klingt, als hätte sie sich enorme Vorwürfe gemacht, die in diese Post-its einflossen, eine Art "Selbstzerfleischung". Den Vermerk "HATE" auf dem grünen Zettel bezeichnet sie als Ausdruck von Selbsthass.
Selbst die vor Gericht als am belastendsten gewerteten Notizen ("Selbstbezichtigungen") kann sie für meine Begriffe so erklären, dass sie glaubhaft harmlos erscheinen:
"I AM EVIL I DID THIS" (in Großbuchstaben – „Ich bin böse, ich habe das getan“) .
"I killed them on purpose because I’m not good enough to care for them" („Ich habe sie mit Absicht getötet, weil ich nicht gut genug bin, mich um sie zu kümmern“).
Es ist so zu verstehen: Sie nahm sich die Anschuldigungen der Ärzte sehr zu Herzen und fragte sich, ob sie (fachlich) etwas falsch gemacht hat.
Mein Eindruck: Sie schien in dieser Phase innerlich fast an den besagten Umständen zu zerbrechen, auch wenn sie nach außen hin weiterhin den Eindruck eines fröhlichen Partygirls machte.
Möglicherweise ein Fall von „Introjektion“ – unter extremem Stress übernimmt sie die Vorwürfe von außen (also die der Ärzte) ungefiltert und empfindet sie als eigene „Wahrheit“ (allerdings nicht im Sinne von Morden sondern fachlichen Verfehlungen, die zu den Todesfällen führten).
Eine gute Übersicht der Post-ist findet sich hier:https://www.theguardian.com/uk-news/article/2024/sep/03/i-am-evil-i-did-this-lucy-letbys-so-called-confessions-were-written-on-advice-of-counsellorsDieser Artikel des Guardian vom 3. September 2024 erklärt auch, wie es zu den Post-its gekommen sein soll, nämlich auf anraten sowohl des Betriebsärtzlichen Dienstes des Chester Hospitals als auch ihrer Hausärztin (Chester GP):
Sources close to the case have told the Guardian that the Countess of Chester hospital’s own head of occupational health and wellbeing, Kathryn de Beger, encouraged Letby to write down her feelings as a way of coping with extreme stress. Letby’s Chester GP [Anm. d. Verf. "Chester General Practitioner"] also advised her to write down thoughts she was struggling to process, according to these sources.
Quelle wie oben bzw.
https://www.theguardian.com/uk-news/article/2024/sep/03/i-am-evil-i-did-this-lucy-letbys-so-called-confessions-were-written-on-advice-of-counsellorsDeutsch:„Quellen, die dem Fall nahe stehen, haben dem Guardian berichtet, dass die Leiterin für Arbeitsgesundheit und Wohlbefinden des Countess of Chester Hospitals, Kathryn de Beger, Letby ermutigt habe, ihre Gefühle aufzuschreiben um so mit extremem Stress umzugehen. Laut diesen Quellen riet auch Letbys Hausärztin in Chester ihr, Gedanken, die sie nur schwer verarbeiten konnte, schriftlich festzuhalten.“
Kathryn de Beger war die Leiterin der Abteilung für Arbeitsmedizin und Wohlbefinden am Countess of Chester Hospital. Sie führte mehrere Beratungsgespräche mit Letby, nachdem diese von der Station abgezogen worden war. De Beger war von Letbys Unschuld überzeugt und eine ihrer größten, innerbetrieblichen Unterstützerinnen.
Chester GP ("General Practitioner") steht für Letbys Hausärztin in Chester.
Erwähnenswert ist noch, dass Letby auf Nachfrage der Ermittler eine Erklärung liefert, warum die Anzahl an Sterbefällen 2015 anstieg: Die Station war personell an ihre Grenzen geraten und gleichzeitig kamen mehr Hochrisiko-Patienten als in den Vorjahren.
Hier noch ein Video besagten Kanals ('Lucy Letby - Her Private Messages Uncovered'), das mich wieder nicht davon überzeugt, dass Letby sich als Serienmörderin geoutet hat. Es geht um WhatsApp-Nachrichten, die zwischen ihr und ihrer ehemaligen Kollegin und engen Freundin sowie Gewerkschaftsvertreterin Hayley Griffiths ausgetauscht wurden.
Am 20.03.2027 kommt es zu einem makabren Chat-Verlauf über die Vertuschung von Morden. Dies wird im Video bis Minute 04:46 behandelt (weiter habe ich nicht geschaut).

Lucy Letby – Ihre privaten Nachrichten enthüllt
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Zum Sachverhalt:Griffiths schrieb am 20. März 2017 an Letby, dass sie die US-Krimiserie "How to Get Away with Murder" („Wie man mit Mord davonkommt“) schaut und dort „gute Tipps“ bekommt.
Griffith schreibt als erste und beginnt so das "Gespräch": „Ich schaue gerade eine Sendung namens „Wie man mit Mord davonkommt“, ich lerne da einige gute Tipps x“ [das "x" steht für ein Küsschen]
(Originaltext Griffith: "I'm currently watching a programme called "How to Get Away with Murder", I'm learning some good tips x")
Letbys Antwort: „Ich hätte dir ein paar Tipps geben können [zwei verschiedene Smileys] X“
(Originaltext Letby: "I could have given you some tips X")
Griffith Erwiderung: „Ich bauche jemanden zum üben um zu sehen, ob ich damit davon komme“
(Originaltext Griffith: "I need someone to practice on to see If I can get away with it")
Letby: „Mir fallen zwei Personen ein, an denen du üben könntest, und wir helfen dir beim Vertuschen X“
(Originaltext Letby: "I can think of two people you could practice on and we'll help you cover it up X")
Anmerkung: Manche vermuten, dass Letby mit "two people" die Ärzte Dr. Stephen Brearey und Dr. Ravi Jayaram gemeint hat, welche Letby im Verdacht hatten Babys ermordet zu haben und gegen den Willen des Krankenhausmanagements schließlich durch setzten, dass Letby die Station verlässt.
Griffith weiter: "Deal I will get thinking of a plan [zwei Smileys]"
(Originaltext: „Abgemacht, ich werde mir einen Plan überlegen.“)
Letby: „Buch die Kreuzfahrt als unsere Flucht.“
(Originaltext: "Get the cruise booked as our Getaway"
Griffith schlussendlich (original): "Yep x"
Damit endet dieser Chat.
Diese Nachrichten wurden im Rahmen der Thirlwall Inquiry, welche die Versäumnisse des Krankenhauses im Fall Lucy Letby aufarbeitet, 2024 publik.
Die Inquiry hat den Verlauf hier veröffentlicht, siehe Seite 3 und 4 des Dokuments, zusammen mit weiteren Textnachrichten aus der Zeit März 217 bis Juni 2018 (insgesamt 43 Seiten):
https://thirlwall.public-inquiry.uk/wp-content/uploads/thirlwall-evidence/INQ0108368.pdfGriffith hat sich in ihrer Zeugenaussage vor der Thirlwall Inquiry am 6. November 2024 reuig gezeigt und unter Tränen bei den Opferfamilien, die zum Teil anwesend waren, entschuldigt. Sie bedauerte ihre Nachrichten rückblickend.
Die BBC und andere Medien berichteten darüber, hier nur eine kleine Auswahl:
Letby 'offered tips on getting away with murder'
Quelle:
https://www.bbc.com/news/articles/cwy1qkx7230oLucy Letby joked about murder tips in WhatsApp messages, inquiry hears
Quelle:
https://www.manchestereveningnews.co.uk/news/uk-news/lucy-letby-joked-murder-tips-30313351Lucy Letby joked about ‘tips’ on how to get away with murder, inquiry told
Quelle:
https://www.independent.co.uk/news/uk/crime/lucy-letby-inquiry-prison-appeal-b2642483.htmlFür mich sind das noch keine Belege für die Eiseskälte eine Mörderin o. ä., das kann genau so gut schwarzer Humor sein oder bitterer Sarkassmuss "in eigener Sache", Galgenhumor.
Sind Briten nicht ohnehin bekannt für ihren schwarzen Humor?