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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

135 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: England, Krankenschwester, Lucy ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 03:01
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Das ist schon zum Heulen (für sie).
Bei der zusammenfassende Doku von BBC hat mich erschüttert, dass es so lange dauern kann, bis es einen Entscheid für die Berufung gibt.
Das ist unglaublich!


Warum keine Gutachter für die Verteidigung geladen waren, wird hier so erklärt:

Part 28: Why Were No Expert Witnesses For The Defence Called? [link]
Overview
The article, titled "Silent Witnesses," addresses the central mystery of why the defence in the Lucy Letby trial chose not to call any expert witnesses. It concludes that this decision stemmed from a pre-trial meeting where defence experts were "outnumbered" and made critical concessions that would have been damaging if presented in court.
The Joint Expert Meeting
In August 2022, a "high stakes" meeting was held with six experts: two for the defence (Dr. Michael Hall, Dr. Mohammed Shakeel Rahman) and four for the prosecution (Dr. Dewi Evans, Dr. Sandie Bohin, Dr. Andreas Marnerides, Prof. Peter Hindmarsh). They were required to sign a joint statement identifying points of agreement and disagreement.
Key Points of Agreement (The Defence's Problem)
Insulin Evidence: The "turning point" of the meeting was the agreement regarding Babies F and L. All experts, including the defence's Dr. Hall and Dr. Rahman, agreed that the cause of hypoglycaemia was "exogenous insulin administration".
Tactical Withdrawal: Because the defence experts had formally agreed with the prosecution on the insulin charges, calling them to the stand would have forced them to admit this to the jury. The article argues this gave the prosecution a "big win" and left the defence without a witness to challenge the reliability of the insulin tests.
Key Points of Disagreement
Despite conceding on insulin, the defence experts raised significant doubts about other causes of death:
Air Embolism & Skin Changes: The prosecution experts cited skin discolouration as evidence of air embolism. Defence experts Hall and Rahman repeatedly stated there was "no evidence to support the claim". The article notes that post-trial research has since debunked the skin change theory.
Stomach Air: Prosecution experts (Evans, Bohin, Marnerides) argued that "massive gastric dilatation" (air in the stomach) was a method of killing. Defence experts disagreed, attributing it to infection or "CPAP belly" (a common side effect of breathing support).
Note: The article highlights that Dr. Evans has since admitted that air in the stomach is not a method of murder, leaving his colleagues Bohin and Marnerides as the sole supporters of a theory "entirely without an evidence base".
Baby K (Extubation): Dr. Hall argued that the dislodgement of Baby K's breathing tube was "likely to have been spontaneous," noting it happened two more times with different staff shortly after.
Conclusion
The defence did not call their experts because they had signed a legally binding statement admitting that "air embolus cannot be excluded" and that insulin was administered. The article suggests the defence strategy was to avoid handing the prosecution a "field day" by having their own witnesses confirm key parts of the prosecution's case.


Quelle: https://lucyletbyinnocence.com/private-eye.html#part28
Teil 28: Warum wurden keine Sachverständigen der Verteidigung geladen? [Link]
Überblick
Der Artikel mit dem Titel „Silent Witnesses“ befasst sich mit dem zentralen Rätsel, warum die Verteidigung im Prozess gegen Lucy Letby darauf verzichtete, Sachverständige zu laden. Er kommt zu dem Schluss, dass diese Entscheidung auf eine Besprechung vor Prozessbeginn zurückzuführen ist, bei der die Sachverständigen der Verteidigung „in der Unterzahl“ waren und entscheidende Zugeständnisse machten, die vor Gericht schädlich gewesen wären.

Das gemeinsame Expertentreffen
Im August 2022 fand ein Treffen mit „hohem Einsatz“ statt, an dem sechs Experten teilnahmen: zwei für die Verteidigung (Dr. Michael Hall, Dr. Mohammed Shakeel Rahman) und vier für die Anklage (Dr. Dewi Evans, Dr. Sandie Bohin, Dr. Andreas Marnerides, Prof. Peter Hindmarsh). Sie mussten eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen, in der Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten festgehalten wurden.

Wichtige Übereinstimmungen (das Problem der Verteidigung)
Insulinbeweise: Der „Wendepunkt“ des Treffens war die Einigung bezüglich der Babys F und L. Alle Experten, einschließlich der Verteidigungsexperten Dr. Hall und Dr. Rahman, waren sich einig, dass die Ursache der Hypoglykämie die „exogene Insulinverabreichung“ war.

Taktischer Rückzug: Da die Sachverständigen der Verteidigung sich formell mit der Staatsanwaltschaft über die Insulinvorwürfe geeinigt hatten, hätte ihre Vorladung sie gezwungen, dies vor der Jury zuzugeben. Der Artikel argumentiert, dies habe der Staatsanwaltschaft einen „großen Sieg“ beschert und die Verteidigung ohne Zeugen zurückgelassen, der die Zuverlässigkeit der Insulintests hätte anzweifeln können.
Kernpunkte der Meinungsverschiedenheiten
Obwohl sie in Bezug auf Insulin nachgaben, äußerten die Sachverständigen der Verteidigung erhebliche Zweifel an anderen Todesursachen:

Luftembolie & Hautveränderungen: Die Sachverständigen der Anklage führten Hautverfärbungen als Beweis für eine Luftembolie an. Die Sachverständigen der Verteidigung, Hall und Rahman, erklärten wiederholt, es gebe „keine Beweise, die diese Behauptung stützen“. Der Artikel weist darauf hin, dass spätere Untersuchungen die Theorie der Hautveränderungen inzwischen widerlegt haben.
Luft im Magen: Die Experten der Staatsanwaltschaft (Evans, Bohin, Marnerides) argumentierten, dass eine „massive Magenausdehnung“ (Luft im Magen) eine Tötungsmethode sei. Die Experten der Verteidigung widersprachen dem und führten dies auf eine Infektion oder einen „CPAP-Bauch“ (eine häufige Nebenwirkung der Atemunterstützung) zurück.
Anmerkung: Der Artikel hebt hervor, dass Dr. Evans inzwischen eingeräumt hat, dass Luft im Magen keine Mordmethode darstellt, womit seine Kollegen Bohin und Marnerides als einzige Verfechter einer Theorie übrig bleiben, die „völlig ohne Beweisgrundlage“ ist.
Baby K (Extubation): Dr. Hall argumentierte, dass das Herausrutschen von Baby Ks Beatmungsschlauch „wahrscheinlich spontan“ geschehen sei, und wies darauf hin, dass dies kurz darauf noch zweimal mit anderem Personal passiert sei.

Fazit
Die Verteidigung lud ihre Sachverständigen nicht vor, da diese eine rechtsverbindliche Erklärung unterzeichnet hatten, in der sie einräumten, dass „eine Luftembolie nicht ausgeschlossen werden kann“ und dass Insulin verabreicht wurde. Der Artikel legt nahe, dass die Strategie der Verteidigung darin bestand, der Staatsanwaltschaft keinen „Feldzug“ zu ermöglichen, indem ihre eigenen Zeugen wesentliche Teile der Argumentation der Staatsanwaltschaft bestätigten.
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
@Cpt.Germanica

Hier werden die ganzen Punkte aufgelistet, die beanstandet werden können:
https://lucyletbyinnocence.com/private-eye.html

Ich bin jetzt so viele Gerichtsprotokolle durchgegangen, Messages, Aussagen usw. und hab total den Überblick verloren, da es so umfangreich ist und die Google Übersetzung ist einfach grottig.

Was ich aber immer noch nicht herausgefunden habe ist, wieviele Babys 2015 und 2016 dort verstarben. Denn es werden auch andere Todesfälle angeführt, die stattfanden, als Lucy nicht da war.

Interessant fand ich auch den Grundriss der Station mit den Babyzimmern
aaplan.webp


Es ist unglaublich, wie viel Mühe und Zeit du investiert hast, uns diesen Fall näher zu bringen. Vielen Dank dafür.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 04:02
Das ist hoch interessant. Wie von @Agrimony hier dargestellt, gab es also eine Konferenz der Gutachter und damals auch Einigkeit in einem Punkt.

In England funktioniert das Rechtssystem weitgehend nach den gleichen Regeln, wie ich sie in meiner Arbeit in den USA jeden Tag erlebe, in Deutschland ist es etwas anders. Im englischen System hat jede Seite das Recht, eigene Gutachter als Expertenzeugen (expert witnesses) zu benennen. In Deutschland beruft das Gericht einen Gutachter, bzw. eine Gruppe von Gutachtern, von dem es meint, dass sie fähig sind, den Sachverhalt zu begutachten. Nur in Ausnahmefällen wird es erlauben, dass eine Seite ein "Gegengutachten" vorstellt.

Hier in England kann also jede Seite eigene Gutachter benennen. Nun ist aber das Problem, gerade in einem so komplexen Fall wie diesem, dass eine ungezügelte Menge an Gutachtern und Gutachten die Jury schlichtweg überfordern kann. Entscheiden muss ja eine Jury aus Laien, und wenn sie tagelang irgendwelche Wissenschaftler mit toll klingenden Titeln hört, besteht die Gefahr, dass sie am Ende keine Ahnung mehr hat, was die ersten gesagt haben.

Man versucht das ein wenig einzudämmen, indem der Richter vor Beginn der Hauptverhandlung beide Seiten auffordert, herauszustellen, wo denn die Unterschiede in den Meinungen sind, und wo es Gemeinsamkeiten gibt. Der Richter will im Idealfall, dass nur die Unterschiede vorgebracht werden, um der Jury diese Überfrachtung zu ersparen.

Das ist wohl hier passiert. Bei uns nennt man so etwas eine "pre trial conference." Beide Seiten müssen dann zeigen, wo ihre Gutachter sich einig sind. Und dann kann der Richter bestimmen, dass dann eben nur eine Seite kurz das vorbringt, worüber sich alle einig sind.

Hier war man sich offensichtlich einig, und das ist eine interessante Information, dass die erhebliche Unterzuckerung nur durch äussere Einflüsse passiert sein konnte. Sprich: durch die Gabe von Insulin. Und auch bei der Frage der Embolien gab es offensichtlich keine klare Gegenmeinung der Gutachter der Verteidigung.

Das macht die Entscheidungsfindung für die jury in diesem Punkt natürlich viel einfacher.

Dennoch ist klar, dass in den Punkten, in denen unter den Gutachtern keine Einigkeit herrschte, beide Seiten ihre Gutachten vorbringen dürfen.

Schliesslich darf man sich natürlich nicht der Erkenntnis verschliessen, dass so etwas auf eine Jury einen grossen Eindruck machen kann: "aha, die Verteidigungsgutachter stimmen den Anklagegutachtern also in einem Punkt zu. Offensichtlich haben die Anklagegutachter also Ahnung." Die Gefahr ist, dass das bei der Jury Pluspunkte bringt, im Sinne von: "na ja, wenn die in einem Punkt Recht haben, haben sie wohl auch in den anderen Recht..."

Hier muss die Verteidigung aufpassen und dagegenhalten.

Im allerextremsten und daher sehr seltenen Fall müsste die Verteidigung beantragen, dass diese Fälle in einer getrennten Verhandlung besprochen werden, was natürlich einen Riesenaufwand bedeutet, und daher vom Richter wirklich nur sehr selten genehmigt werden wird.

Für die Verteidigung zeigte sich hier also ein fatales Problem: ihre eigenen Gutachter konnten die Meinung der Anklage in zwei wichtigen Punkten nicht entkräften.

Man sieht jetzt etwas deutlicher, wieso LL vielleicht verurteilt wurde.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 07:37
Zitat von AgrimonyAgrimony schrieb:Was ich aber immer noch nicht herausgefunden habe ist, wieviele Babys 2015 und 2016 dort verstarben. Denn es werden auch andere Todesfälle angeführt, die stattfanden, als Lucy nicht da war.
Hier eine Auflistung von Cpt.Germanica:
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb am 14.03.2026:2010: 1 Todesfälle
2011: 3 Todesfälle
2012: 3 Todesfälle [Anmerkung: Am 2. Januar 2012 kam Letby auf die fragliche Station der Klinik in Chester]
2013: 2 Todesfälle
2014: 3 Todesfälle
2015: 8 Todesfälle; für 5 dieser Todesfälle wurde Letby angeklagt (und verurteilt)
2016: 5 Todesfälle Januar mit Juni 2016 (ab Juli 2016 wurde Letby suspendiert und für Büroarbeiten eingesetzt); für 2 dieser Todesfälle wurde Letby angeklagt (und verurteilt)
2015 ist natürlich schon sehr auffällig. Man sollte das aber auch im Lichte dieser Ausführung lesen:
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb am 14.03.2026:Bis etwa Mitte der 2000er Jahre war die Station, auf der Lucy Letby arbeitete, offiziell eine Level-3-Einheit (Neonatal Intensive Care Unit – NICU). Sie war darauf ausgelegt, die kritischsten Fälle zu behandeln, einschließlich extrem kleiner Frühgeborener (vor der 28. Schwangerschaftswoche), die oft langfristige künstliche Beatmung benötigten.

2006 erfolgte eine Herabstufung auf Level 2 (Local Neonatal Unit – LNU), nachdem eine landesweite Reform des britischen Gesundheitssystems (NHS) die intensivste Versorgung in größeren Spezialzentren konzentrierte. Die Station sollte fortan nur noch Babys ab der 27. Schwangerschaftswoche versorgen.

Mit dieser Herabstufung verließen viele erfahrene Pflegekräfte die Station durch Abfindungen oder Umstrukturierungen. Die entstandenen Lücken wurden mit weniger erfahrenem, jüngerem Personal gefüllt – darunter Lucy, die 2011 dort anfing.

Obwohl die Station offiziell nur noch Level 2 war, wurden weiterhin Babys behandelt, deren Zustand eigentlich eine Level-3-Versorgung erforderte. Kritischere Fälle hätten normalerweise in spezialisierte Kliniken wie das Liverpool Women’s Hospital verlegt werden müssen.

Ehemalige Mitarbeiter berichteten später vor der Thirlwall Inquiry, dass die Station während der Vorfälle 2015–2016 oft „weit über ihrer Kompetenz“ arbeitete und schwerkranke Kinder behandelte, für die sie weder personell noch technisch optimal ausgestattet war.

Erst im Juli 2016, kurz nachdem Lucy von der Station abgezogen worden war, wurde offiziell angewiesen, keine Babys mehr vor der 32. Woche aufzunehmen. Dies entsprach faktisch einer weiteren Herabstufung, um die Patientensicherheit zu gewährleisten.
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Für mich kommt Dr. A. in dieser ganzen Geschichte insgesamt zu gut weg.
Ja, ich möchte hier ergänzen: Auch der Krankenhausträger bzw die Verantwortlichen kommen zu gut weg, wenn man obige Ausführungen berücksichtigt.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 07:59
Insulinbeweise: Der „Wendepunkt“ des Treffens war die Einigung bezüglich der Babys F und L. Alle Experten, einschließlich der Verteidigungsexperten Dr. Hall und Dr. Rahman, waren sich einig, dass die Ursache der Hypoglykämie die „exogene Insulinverabreichung“ war.
Wie kann man sich das vorstellen? Insulin durch eine Spritze? Nach meinem laienhaften Verständnis müsste dann doch auch entsprechendes Material fehlen, zu dem Lucy Zugang hatte.
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb am 15.03.2026:In Fällen, in denen eine Insulinvergiftung behauptet wurde, fand das Gremium alternative Erklärungen wie Sepsis, Frühgeburtlichkeit oder mangelhafte medizinische Versorgung.

Die Blutproben der Babys wurden mit einem Standard-Immunoassay-Test analysiert. Der Hersteller (Roche) gibt für diesen Test ausdrücklich an, dass er für forensische Zwecke (also Gerichtsverfahren) nicht geeignet ist, er dient lediglich der klinischen Orientierung. Damit wären die Testergebnisse vor Gericht gar nicht zulässig gewesen.
Offenbar ist diese externe Insulinverabreichung aber auch nicht unumstößlich nachgewiesen, folgt man den Argumenten des Expert Panel.

An der Stelle möchte ich auch nochmals die Ausführungen von Cpt. Germanica zur Kritik an der Statistik in Erinnerung rufen (hier wurde schon so viel Wertvolles geschrieben, es ist aber gar nicht leicht, das im entscheidenden Kontext parat zu haben):
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb am 15.03.2026:Statistische Fehlinterpretation der Dienstpläne

Das bekannteste Indiz vor Gericht war eine Tabelle, die zeigte, dass Letby bei allen angeklagten Todesfällen im Dienst war. Kritiker führen an, dass dies ein "Bestätigungsfehler" sei: Man untersuchte nur die Fälle, in denen sie anwesend war, und ignorierte Todesfälle in anderen Schichten oder Zeiten, in denen sie nicht arbeitete.

Statistiker wie Dr. Richard Gill und Prof. Jane Hutton kritisieren in dem Zusammenhang massiv die Anwendung der sogenannten „Texas Sharpshooter Fallacy“ (dt. Texas-Scharfschützen-Fehlschluss).

Die Analogie beschreibt einen Schützen, der wahllos auf eine Scheunenwand feuert und erst danach die Zielscheibe um die engste Gruppe von Einschusslöchern malt. So sieht es aus, als hätte er perfekt gezielt – in Wahrheit wurde das Ziel aber erst im Nachhinein um die Treffer herum definiert.

Auf den Fall Letby übertragen werfen Statistiker der Anklage Folgendes vor:

- Nachträgliche Zieldefinition: Man habe erst ermittelt, wann Letby Dienst hatte, und hat dann genau diese Todesfälle und Zusammenbrüche als „verdächtig“ markiert, während andere Vorfälle, bei denen sie nicht anwesend war, ignoriert oder als natürlich eingestuft wurden. Ohne eine objektive Definition, was einen „verdächtigen“ Vorfall ausmacht – bevor man die Dienstpläne prüft – sei die gesamte Korrelation wissenschaftlich wertlos.

- Ignorieren des Gesamtkontexts: Die berühmte Tabelle, die Letbys Anwesenheit bei allen Vorfällen zeigte, ist laut Experten wie Prof. John O’Quigley irreführend. Sie zeige nur: „Wenn Letby im Dienst war, war Letby im Dienst“. Sie berücksichtige nicht, dass sie als engagierte Krankenschwester wesentlich mehr Schichten übernahm als ihre Kolleginnen und daher zwangsläufig bei mehr Vorfällen anwesend sein musste.

- Künstliche Clusterbildung: Statistiker argumentieren, dass „Cluster“ (Häufungen) von Todesfällen in Krankenhäusern natürlich vorkommen können. Die Zunahme an Säuglingssterbefällen am Chester Hospital 2015/16 war innerhalb dessen, was erfahrungsgemäß an britischen Krankenhäuser an statistischen Ausreißern vorkommt. Wenn man ein solches Cluster aber isoliert betrachtet und eine einzelne Person in das Zentrum stellt, entsteht ein falscher Eindruck von Kausalität.
Dazu kommt nun diese (gestrige) Erkenntnis:
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:- Die Logdaten-Panne (ab Minute 08:25): Die Protokolle der elektronischen Türschlösser wurden von der Polizei für das Gericht fehlerhaft aufbereitet, da Ein- und Austritte teils exakt vertauscht wurden. Das bedeutet: Während die Anklage im ersten Prozess behauptete, Kollegen hätten die Station gerade verlassen (was Letby allein mit den Babys ließ), kehrten sie laut den korrigierten Daten tatsächlich gerade zurück. Das zentrale Narrativ der Staatsanwaltschaft – Letby habe gezielt Momente abgepasst, in denen sie unbeobachtet war – wird dadurch an entscheidenden Stellen ad absurdum geführt.
Man kann schon verstehen, dass dieser Fall für viele als noch nicht abgeschlossen gilt und weiterhin beschäftigt.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 10:54
Zitat von AgrimonyAgrimony schrieb:Es ist unglaublich, wie viel Mühe und Zeit du investiert hast, uns diesen Fall näher zu bringen. Vielen Dank dafür.
Gerne. 😊 Der Fall fesselt mich und unser gemeinsamer Austausch inkl. aller Recherchen hilft mir auch, mir ein klareres Bild zu verschaffen.

Also auch von mir ein Danke @all.
Zitat von AgrimonyAgrimony schrieb:Was ich aber immer noch nicht herausgefunden habe ist, wieviele Babys 2015 und 2016 dort verstarben. Denn es werden auch andere Todesfälle angeführt, die stattfanden, als Lucy nicht da war.
@klara.verstand ist hier dankenswerterweise schon eingesprungen. 👍

Nochmal kurz eine Übersicht:

2015: 8 Todesfälle (5 Letby angelastet)
2016 (erstes Halbjahr): 5 Todesfälle (2 Letby angelastet)
Summe: 13 Todesfälle (7 Letby angelastet und für alle 7 verurteilt, 6 im ersten Prozess und 1 im zweiten).
Zitat von klara.verstandklara.verstand schrieb:Wie kann man sich das vorstellen? Insulin durch eine Spritze? Nach meinem laienhaften Verständnis müsste dann doch auch entsprechendes Material fehlen, zu dem Lucy Zugang hatte.
Man ging davon aus sie hätte das Insulin in Infusionsbeutel gespritzt. Vergiftete Beutel wurden aber nicht gefunden, alle fraglichen waren längst entsorgt.

Die Menge an Insulin, welche die Babys aufwiesen, hätten sich so gar nicht verabreichen lassen, sagen Kritiker.

Medizinexperten haben eine alternative Erklärung für die hohen Insulinwerte der Babys gefunden.

Zudem waren die verwendeten Tests forensisch nicht exakt genug.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 16:00
@Cpt.Germanica
Ich habe vorhin im Berliner Stau, mal Zeit gefunden, um zu verstehen, worum es bei einem zukünftigen Wiederaufnahmeverfahren gehen könnte. Man müsste also versuchen, mit den Meinungen des internationalen Expertengremiums , einen Richter zu überzeugen den Fall neu aufzurollen? Also eine Schlacht der Experten um die Deutungshoheit?
Der eine sagt so, aber der andere sagt so? Alle Meinungen und Erkenntnisse beruhen auf fachlicher Expertise und Wahrscheinlichkeiten oder einer wissenschaftlichen anerkannten Mehrheitsmeinung?
Es werden ja nicht nur die Todesursachen aus dem Prozess ( Insulingabe usw) angegriffen, zusätzlich noch die Statistiken Arbeitspläne/ ihre Anwesenheit im Abgleich zu den Todesfällen und den versuchten Angriffen auf die Babys?

Ich weiß ehrlich gesagt sogut wie gar nichts zu Statistikern, anerkannte Wissenschaft? Ein Abzweig einer Wissenschaft?
Ich kenne Statistiker nur im Zusammenhang mit zb Wahlprognosen, anhand statistischer Erhebungen ( in den USA zb)
Da habe ich mich mal mit den Hintergründen dazu befasst. Es gibt dort ein paar prominente Politische Analysten, die parallel dazu ihre Kenntnisse als Statistiker dazu verwenden, Wahlprognosen öffentlich zu machen. ( Nate Silver oder Alan Lichtmann / der Mann mit den 13 Schlüsseln😂) deren Prognosen lagen alle so was von schief und daneben.
Seitdem bin ich da nicht mehr so überzeugt, dass solche Erkenntnisse ( basierend auf Statistiken) so in Stein gemeißelt sind.

Allerdings muss ich gestehen, mich hätte ein Ankläger auch damit überzeugt, wenn er mir so was vorgelegt hätte als Juror, was man im Fall von LL hinzugezogen hätte. Eine gegensätzliche Meinung zu Todesursachen zb? Ich weiß nicht, ob mich das als Juror überzeugt hätte. Warum? Weil es von internationen Fachleuten kommt?
Soviel dazu.

Eigentlich wollte ich Dir/ Euch, etwas zu lesen verlinken.
Mich interessiert an diesem Fall ja eher eine andere Ebene, als zukünftige entlastende Argumente oder Beweise der Verteidigung.
Du hast gefragt, ob diese gestrige Einschätzung aus meinen eigenen Feder geflossen ist. Es ging um eine Motivlage… ja so schätze ich das ein. Zumindest bezüglich dessen, was ich bisher an Infos habe zu LL.
Aber es könnte natürlich auch alles ganz anders sein.
Bereits am Anfang, als ich hier kurz eingestiegen bin, habe ich nach seriösen Quellen gesucht, die ihre profunden Einschätzungen zum möglichen Täter Profil von LL einbringen. Das ist wirklich eine interessante Frage an forensische Psychologen Experten. Vor allem dann, wenn diese Experten sich intensiv, mit genau diesen Täterprofilen (Serienmördenrn im Bereich von Health care) befassen. Hier ist es spannend zu hören, dass Schwergewichte auf dem Gebiet weltweit sagen, Frau Letby passt einfach in keines der bekannten Tatmuster oder Profile, die man anhand von Dutzenden Fällen herausgearbeitet hat.
Übereinstimmend wird zb die Theorie „ sie war süchtig nach Aufmerksamkeit“ verneint.
Das sehen sie alle nicht. Da lag ich also komplett falsch.
Ich verlinke den Artikel einfach mal, weil die Antworten von absolut anerkannten Psychologen kommt, die sich mit solchen Fachdisziplinen befassen und auch darüber veröffentlichen.
Here we Go

https://news.sky.com/story/lucy-letby-inside-the-mind-of-a-serial-killer-the-psychology-behind-healthcare-murderers-12941902

Ist auch allgemein mal super spannend, welche Täterprofile es auf dem Gebiet Health Care gibt.
Zu Themen, wie zb Mütter und Münchhausen by Proxy, oder anderen Täterprofilen gibt es auch ein paar Einblicke am Rande. Nur eben auf Lucy L, lässt sich nur wenig von anderen ableiten. Siehe: nicht verheiratet, keine Auffälligkeiten in der History, usw. Aber es gibt auch ein paar Hinweise, um was es ihr gegangen sein könnte, als sie wehrlose Babys zu Tode brachte.
Sorry für meine langatmigen Ausführungen hier. Habe gerade eine längere Pause und die musste ich nutzen.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 17:12
@calligraphie

Danke für Deine ausführliche, "langatmige", Nachricht.
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Es werden ja nicht nur die Todesursachen aus dem Prozess ( Insulingabe usw) angegriffen, zusätzlich noch die Statistiken Arbeitspläne/ ihre Anwesenheit im Abgleich zu den Todesfällen und den versuchten Angriffen auf die Babys?
Es gibt noch mehr, was von der Anklage vorgebracht wurde, aber in der Gesamtschau lächerlich wirkt (weil man nur das heraus gepickt hat, was einen belastenden Eindruck ergibt). Ich werde alsbald einen Beitrag zur Hausdurchsuchung und den dabei gemachten "Funden" machen, wie schon angekündigt, ABER:

Ich weiß nicht, was das CRCC überhaupt als "neue Beweislage" akzeptiert. Vieles von dem, was Kritiker anprangern, könnte die CCRC als irrelevant betrachten, weil es schon im ursprünglichen Verfahren oder bei den Berufungen "berücksichtigt" bzw. verworfen wurde.

Ich setze mehr auf den öffentlichen Druck, ganz UK scheint umzudenken, ganz UK? OK, nicht alle, aber da kocht was hoch!

War davor die Stimmung so, dass sich keiner getraut hat etwas pro Letby zu sagen (ihre Eltern ausgenommen), selbst ihre beste Freundin zunächst nicht, könnte es bald genau umgekehrt sein.

Da werden die Gerichte den Fall Letby im Stapel nach oben sortieren müssen, das können die nicht bringen, es bei den Standardbearbeitungszeiten zu belassen.

Und sie können es auch nicht bringen, ihr schlussendlich dann doch einen neuen Prozess zu verweigern.

Wenn ich das richtig verstanden habe könnte die CPS dann sogar ihre Anklage quasi "zurück ziehen", also vor einem neuen Verfahren nicht nochmal Anklage erheben.

Bestimmt habe ich mich als juristischer Laie falsch ausgedrückt, aber das wird keine Jahre dauern. Und ich denke sie kommt frei.

Just my five pence!


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 17:35
@Cpt.Germanica
Das nenne ich Optimismus.
Ich persönlich sehe diese Sache mit dem Druck von außen, speziell in dem Fall eher kritisch. Das soggn Umdenken der interessierten öffentlich, worauf beruht das? Auf einer Episode bei Netflix?
Genau so etwas kann in bestimmten Fällen sogar hilfreich sein, aber eher nur marginal.
Die Realität ist eigentlich eine andere.
Ein Gericht oder Richter sollte sich niemals genötigt sehen, aufgrund der öffentlichen Meinung, seine Entscheidungen treffen zu müssen. Er hat nur dem Gesetz ( whats in the Book) zu folgen. Unparteiisch und frei.
Natürlich gibt es prominente Fälle, die medial verarbeitet wurden, die dank der Arbeit v innocent Projekten zb nochmal zu einer Wiederaufnahme führten. Da finden sich auch Beispiele bei Netflix. Es gibt auch Beispiele, wo Promis sich stark gemacht gemacht haben für bestimmte Fälle. Siehe Frau Kardashian, die sogar Jura studiert hat und dann bei Trump vorstellig wurde. Der allerdings hatte nur die Macht zur Begnadigung.
Also nein, öffentlicher Druck sollte keinen unabhängigen Richter in seinen Entscheidungen beeinflussen. Auch keine demonstrierenden Freunde „Free Lucy“.
Etwas beschleunigen das träge langatmige System, die Aufmerksamkeit auf den Fall richten? Ja warum nicht. Aber letztendlich sollte der Richter sich nicht genötigt fühlen.
Das ist wie immer, nur meine Meinung.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 18:24
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:In Deutschland beruft das Gericht einen Gutachter, bzw. eine Gruppe von Gutachtern, von dem es meint, dass sie fähig sind, den Sachverhalt zu begutachten. Nur in Ausnahmefällen wird es erlauben, dass eine Seite ein "Gegengutachten" vorstellt.
Ah, das war mir gar nicht so klar. Aber eigentlich logisch, sonst würde ja nicht von vornherein Gutachter vorgeschlagen, von denen die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger die raussuchen, mit denen beide einverstanden sind.... mal einfach ausgedrückt.
In Berufungsverfahren, wie zum Beispiel im Eiskellerfall, dürfen dann auch Gegengutachten vorgebracht werden.
Hab ich das so richtig verstanden?
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Dennoch ist klar, dass in den Punkten, in denen unter den Gutachtern keine Einigkeit herrschte, beide Seiten ihre Gutachten vorbringen dürfen.
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Für die Verteidigung zeigte sich hier also ein fatales Problem: ihre eigenen Gutachter konnten die Meinung der Anklage in zwei wichtigen Punkten nicht entkräften.
Deswegen hat der Verteidiger von LL darauf verzichtet seine Gutachter aussagen zu lassen, weil diese in 2 Punkten die Anklage stützen würden.
Was wahrscheinlich ein Fehler war.
Zitat von klara.verstandklara.verstand schrieb:Hier eine Auflistung von Cpt.Germanica:
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:2015: 8 Todesfälle (5 Letby angelastet)
2016 (erstes Halbjahr): 5 Todesfälle (2 Letby angelastet)
Summe: 13 Todesfälle (7 Letby angelastet und für alle 7 verurteilt, 6 im ersten Prozess und 1 im zweiten).
Vielen Dank, ich dachte, es wären weit mehr Fälle und nur diese 13 Todesfälle wurden rausgesucht, weil da die Todesursache etwas zweifelhaft war.
Diesen Eindruck hatte ich aufgrund von folgenden Textnachrichten:

"This is not meant to be a blame or competency issue – but a way forward to ensure that our practice is safe."
The same day, Letby messages her nursing colleague: "I've done a timeline of this year."
'I haven't done anything wrong'
The colleague responds: "Fab. And how quite afew babies weren't compatable with life anyway. I wonder if midwives get this with amount of stillbirths......"
Letby: "Yeah and some went off within hours/on handover.
"Or were already acutely unwell when I took over.
"And put that when Baby Q went off No other staff able to care for him etc (name of Baby Q redacted)."
The colleague responds: "Not like all behaving fantastically till right into shift."
Letby: "Hoping to get as much info together as possible -if they have nothing or minimal on me they'll look silly, not Me."
On July 19, Letby began work in the patient experience team.

und
The messages displayed to the court were after Child Q – the 17th and final baby in the case, chronologically – had suffered a collapse which could not be explained at the time.

Quelle: https://www.chesterstandard.co.uk/news/23440387.lucy-letby-worried-in-trouble-baby-deaths/
„Hier geht es nicht um Schuldzuweisungen oder Kompetenzfragen – sondern darum, einen Weg zu finden, wie wir die Sicherheit unserer Praxis gewährleisten können.“

Am selben Tag schreibt Letby ihrer Kollegin: „Ich habe eine Zeitleiste für dieses Jahr erstellt.“
„Ich habe nichts falsch gemacht“

Die Kollegin antwortet: „Super. Und wie viele Babys waren ohnehin nicht lebensfähig. Ich frage mich, ob Hebammen das bei der Anzahl der Totgeburten auch so sehen ...“

Letby: „Ja, und manche sind innerhalb von Stunden oder bei der Schichtübergabe gestorben.
Oder waren schon akut krank, als ich übernommen habe.

Und schreib das dazu, als Baby Q gestorben ist: Kein anderes Personal konnte sich um ihn kümmern usw. (Name von Baby Q unkenntlich gemacht).“

Die Kollegin antwortet: „Es ist ja nicht so, dass sich alle bis kurz vor Schichtbeginn fantastisch verhalten hätten.“

Letby: „Ich hoffe, so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen – wenn sie nichts oder nur wenig gegen mich in der Hand haben, stehen sie dumm da, nicht ich.“

Am 19. Juli begann Letby ihre Arbeit im Patientenerfahrungsteam.

und

Die dem Gericht vorgelegten Nachrichten stammen aus der Zeit, nachdem Kind Q – chronologisch gesehen das 17. und letzte Baby in diesem Fall – einen Zusammenbruch erlitten hatte, der zu diesem Zeitpunkt nicht erklärt werden konnte.
Mit Deepl übersetzt und hervorgehoben durch mich.

Also eigentlich 17 Babys, die einen ungeklärten Zusammenbruch hatten, aber weit mehr, deren Todesursache aber eindeutig geklärt werden konnten.
Oder habe ich da jetzt einen Denkfehler?


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 18:41
Zitat von AgrimonyAgrimony schrieb:
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:2015: 8 Todesfälle (5 Letby angelastet)
2016 (erstes Halbjahr): 5 Todesfälle (2 Letby angelastet)
Summe: 13 Todesfälle (7 Letby angelastet und für alle 7 verurteilt, 6 im ersten Prozess und 1 im zweiten).
Vielen Dank, ich dachte, es wären weit mehr Fälle und nur diese 13 Todesfälle wurden rausgesucht, weil da die Todesursache etwas zweifelhaft war.
Diesen Eindruck hatte ich aufgrund von folgenden Textnachrichten:
7 der 13 Todesfälle hat man Letby angelastet.
Und schreib das dazu, als Baby Q gestorben ist: Kein anderes Personal konnte sich um ihn kümmern usw. (Name von Baby Q unkenntlich gemacht).“
Baby Q hat überlebt.

Seine Brüder O und P verstarben innerhalb von zwei Tagen, am dritten kollabierte Baby Q.
Zitat von AgrimonyAgrimony schrieb:Also eigentlich 17 Babys, die einen ungeklärten Zusammenbruch hatten, aber weit mehr, deren Todesursache aber eindeutig geklärt werden konnten.
Ja, 17 Babys, die – teils mehrfach – angegriffen worden sein sollen, 7 davon verstarben wie gesagt.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 18:54
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Ein Gericht oder Richter sollte sich niemals genötigt sehen, aufgrund der öffentlichen Meinung, seine Entscheidungen treffen zu müssen. Er hat nur dem Gesetz ( whats in the Book) zu folgen. Unparteiisch und frei.
@calligraphie:

Das habe ich auch nicht bestritten.

Ich denke nur, dass eine Jury heute anders entscheiden würde:
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Und ich denke sie kommt frei.
Und ich vermute, dass sich niemand im ersten Prozess getraut hätte sich hinter sie zu stellen.

Kann sein, dass ich das falsch einschätze. Ich war nicht dabei.


Unabhängig vom Fall Lucy Letby:

Es ist die traurige Realität, dass niemand so frei und unabhängig und unparteiisch ist, weil eben alle nur Menschen sind, selbst Richter. Sicher wird trotzdem oft genug korrekt Recht gesprochen.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 19:19
@Cpt.Germanica
Wo Menschen beteiligt sind ( hier waren es 12 Juroren?) kann es immer mal vorkommen, dass es eine gewisse Fehlentscheidung gab, im Rückblick. Ich zb höre mir sehr gerne Juroren an, die nach einem Urteil über die Gründe sprechen, warum und wie sie zu zu dem Urteil kamen. Manchmal waren es die überzeugend dargebotenen Indizien. Die Schlussargumente, die Zeugen oder Sachverständige.
Es gibt so einige Juroren die Jahre später sagen, hätten wir diese oder jene neuen Beweise, die gerade öffentlich werden, früher gekannt? Wer weiß.
Das könnte auch auf Lucy L mal zutreffen, so die Verteidigung wirklich was handfestes neues aufzuweisen hat, was einen Richter dazu bewegt, ihr eine Chance auf neuen Prozess zu gewähren.

Prozessuale technische Fehler im Prozess, die kann man ja sowieso im Appeal einbringen. Aber menschliche Irrtümer?
Ich bin gerade erst mal dabei, mich ein wenig in den Prozess einzulesen. Bin gerade bei der Befragung der Angeklagten selbst. Und natürlich bei all dem, was man so im Haus vorgefunden hat.
Ich muss sagen, Lucy L erscheint mir in ihren eigenen Worten, doch sehr konstant und klar. Und nun ja die Zettel da im Haus bekritzelt und die Winnie The Poo Details? Das wirkt auf mich auch nicht so überwältigend oder merkwürdig.
Aber mal abwarten, ich bin noch ganz am Anfang.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 19:35
Zitat von AgrimonyAgrimony schrieb:Also eigentlich 17 Babys, die einen ungeklärten Zusammenbruch hatten, aber weit mehr, deren Todesursache aber eindeutig geklärt werden konnten.
Oder habe ich da jetzt einen Denkfehler?
Sie wurde wegen 7 von 13 Todesfällen in den Jahren 2015 und 2016 angeklagt. Dazu kamen aber noch 6 Schuldsprüche wegen versuchtem Mord.
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb am 14.03.2026:Die überlebenden Kinder (Versuchter Mord):
Kind B (Juni 2015): Zwillingsschwester von A. Letby versuchte, sie ebenfalls durch Luftinjektion zu töten. Urteil: Schuldig.
Kind F & L (August 2015 & April 2016): Beide wurden durch Insulin im Nahrungsbeutel vergiftet. Sie überlebten nur durch das schnelle Eingreifen anderer Mediziner. Urteil: Schuldig.
Kind G (September 2015): Ein extrem frühgeborenes Mädchen. Letby versuchte dreimal, sie durch Überfütterung mit Milch und Luftinjektionen zu töten. Urteil: Schuldig.
Kind K (Februar 2016): Letby wurde von einem Arzt dabei ertappt, wie sie zusah, wie die Sauerstoffsättigung des Babys sank, ohne einzugreifen. Urteil: Schuldig (nach Wiederaufnahmeverfahren 2024).
Kind N (Juni 2016): Ein Junge mit Hämophilie. Letby versuchte, seinen Zustand auszunutzen, um Verletzungen im Rachenraum zu verursachen. Urteil: Schuldig.
Zitat von AgrimonyAgrimony schrieb:
Die dem Gericht vorgelegten Nachrichten stammen aus der Zeit, nachdem Kind Q – chronologisch gesehen das 17. und letzte Baby in diesem Fall – einen Zusammenbruch erlitten hatte, der zu diesem Zeitpunkt nicht erklärt werden konnte.
Mit Deepl übersetzt und hervorgehoben durch mich.
Die Zahl 17 kann ich mir jetzt aber auch nicht erklären.

Was wir nicht wissen (bzw ich weiß es nicht), ist die absolute Zahl an "Zusammenbrüchen", also die Zahl an Vorfällen, die nicht zum Tod geführt haben und als unverdächtig eingestuft wurden.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 20:15
Zitat von klara.verstandklara.verstand schrieb:Die Zahl 17 kann ich mir jetzt aber auch nicht erklären.
Siehe:
Manchester Crown Court heard she targeted 17 babies between June 2015 and June 2016.
She had faced 22 charges - seven of murder and 15 of attempted murder, involving 10 babies.
Quelle jeweils: https://www.bbc.com/news/uk-england-merseyside-65176260

Manche Kinder soll sie mehrfach angegriffen haben.

Für einzelne Vorwürfe ("Babys") wiederum wurde sie frei gesprochen.

In älteren Quellen wird nur von 6 Morden berichtet, weil sie für Baby K erst später in einem eigenen Verfahren schuldig gesprochen wurde (6 +1 = 7).

--> Daher diese verwirrenden Zahlen.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 21:09
Zitat von Cpt.GermanicaCpt.Germanica schrieb:Vergiftete Beutel wurden aber nicht gefunden, alle fraglichen waren längst entsorgt.
Extrem problematisch an diesem Fall ist, dass die Tötungsarten auf Annahmen beruhen, aber konkrete Indizien, die dies untermauern einfach fehlen. Hier die Beutel, oder auch beim Verabreichen der Milch. Außer dem Dienstplan verweist nichts eindeutig auf Lethby. Keine nachgewiesene Entwendung von Insulin oder Ähnliches.



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