Heribert schrieb:Die hatten kein Plan b. Also was wenn sich diese entführungsnummer über mehrere Tage hinzieht? Was wenn die Übergabe scheitert wg Wetter Müllabfuhr etc.
Es gibt Menschen, die Dinge akribisch planen und auch Plan B, C und D vorhalten, falls A nicht funktioniert. Und es gibt Leute, die einfach drauflos agieren und die Philosophie haben, aufkommende Fragestellungen jeweils spontan zu lösen.
Beides kann funktionieren oder nicht funktionieren…
Heribert schrieb:Solche Aktionen sind doch bei amateurhaften Leuten zum scheitern verurteilt
Eine Entführung und der spätere Mord lassen eine erhebliche kriminelle Energie und Brutalität erkennen. Deswegen glaube ich nicht so recht an einen Täter, der bisher unbescholten ist und jetzt nur aus starker Geldnot ein „kleines, krummes Ding drehen“ wollte - so nach dem Motto: „Ok, kleiner Schreck für Frau Bögerl, mehr isses aber nicht. Ich nehme das Geld ja von keinem, der nix hat, insofern wird keinem besonderes weh getan“.
Wer ein derartiges Verbrechen begeht und offensichtlich auch jahrelang damit leben kann ist IMHO schon ein harter Charakter.
Heribert schrieb:Was wenn alles klappt- Bargeld schön in Heidenheim in bar ausgeben oder in einer Sparkasse einzahlen?
Deswegen vermutlich eine vorgegebene Stückelung des Geldes. Wer mit großen Geldscheinen wedelt muss damit rechnen, dass die Scheine und die zahlende Person genauer angeschaut und erinnert werden. Das wird bei kleinen Scheinchen, mit denen man für ein paar Euro Lebensmittel im Supermarkt kauft, eher nicht passieren.
Zudem gibt es bei teuren Anschaffungen einen Trend, auch damals schon, zu bargeldloser Zahlung. Große Geldscheine fallen auch deswegen auf.
Wobei ich auch nicht verstanden habe, wieso man bei der Geldübergabe lieber ein Ultimatum verstreichen ließ anstatt das Lösegeld pünktlich gemäß der Vorgabe des Entführers abzulegen - notfalls in einer anderen Stückelung. Was hätte der Entführer denn machen sollen? Er hat das Geld bekommen und man hätte einfach einen Hinweis im Geldpaket hinterlegen können, dass in der Kürze der Zeit keine genauere Aufteilung möglich war. Dass man aber als Zeichen des guten Willens die geforderte Summe übergibt und im Gegenzug die Freilassung des Opfers fordert…
Möglicherweise auch eine generell schwierige Situation für die Polizei, wenn da (mal ein bisschen übertrieben dargestellt) ein Feld-Wald-Wiesen-Polizist aus der Provinz, der sonst Knöllchen schreibt, plötzlich mit einer Entführung konfrontiert wird und sich taktisch richtig verhalten soll.
Natürlich wird man dann Dienstanweisungen versuchen einzuhalten, die für diesen Fall vorgegeben sind. Aber letztlich ist es eben doch ein Provinzpolizist, der die Lage bewerten muss und viele Entscheidungen zu treffen hat. In einem Szenario, das sehr selten sein dürfte und wo ihm Erfahrungen und Handlungssicherheit fehlen.