Longdrink-john schrieb:Wenn Du jetzt die letzte/einzige Flasche aus dem Kühlregal bekommen hast, widerspricht das nicht dem eigentlichen Zweck dieser Flaschen?
Das hiesse also: Leute, die sich bereits damit beschäftigen, dürfen sich keine Reminder „kaufen“, wenn es sie gibt.
Ich habe mir die Flasche NICHT als Schmuckstück gekauft, auch wenn sie irgendwann im Regal stehen wird. Aktuell dient sie weiterhin als Trinkflasche und jedes Mal, wenn ich sie in der Hand habe, also täglich mehrmals, sehe ich Hilals Bild und denke daher auch an den Fall, bzw. habe die Hoffnung, dass er doch noch gelöst wird und schaue immer wieder nach Neuigkeiten.
Ist das nicht Zweck genug?
Du hast sicher die anderen Beiträge zu den Flaschen gelesen und damit auch, dass andere Kunden sich durch die Aktionen schon fast belästigt gefühlt haben, weil es in ihrer Blase keine Verbrechen und Vermissten gibt.
Soll ich also diese Flasche im Kühlregal lassen, damit solche Kunden sie stehen lassen, weil die Aktion sie nervt, anödet oder sogar wütend macht oder andere sie kaufen und in den Glascontainer werfen, weil Hilal, Scarlett, Inga und Lars ihnen shietegal sind und sie nur den fancy smoothie trinken wollen?
Ich weiß, leben und erst recht leben lassen ist schwer.
Und auch anzuerkennen, dass auch True-Crime-Interessierte ein “Recht” auf diese Flaschen haben.
Auch wir wollen uns an bestimmte Fälle bzw. bestimmte Menschen, die Opfer wurden, erinnern…ohne dafür von irgendjemandem verurteilt zu werden, weil demjenigen das “Wie” nicht passt.
Ich verstehe deine Intention…absolut. Und ja, die Fälle sollen sich verbreiten, bis es den Richtigen erreicht.
Ist allerdings fraglich, ob das mit diesen teuren Smoothies gelingt, die viele eben nicht kaufen, weil sie eben ziemlich teuer sind (ich habe ihn auch nur einmal gekauft…eben diese Flasche).
Eher müssten solche Bilder auf Produkte, die von vielen gekauft werden. Und zwar nicht nur auf eins, sondern mehrere.
Das sehe ich in Deutschland aber fast als unmöglich an. Sicher ist auch in den USA nicht alles bestens, was den Umgang mit Vermissten betrifft, aber die Reichweite ist weit höher, weil sich bspw. was Vermisste auf Milchkartons betrifft, viele Hersteller zusammengeschlossen haben, nachdem der erste Versuch glückte.
Wir haben ja noch nicht mal eine ordentliche App für eine Art „Amber Alert“.
Und wer schafft es schon täglich die WhatsApp-Meldungen der drölfzig Polizeikanäle durchzulesen?
Hm…ich hatte gedacht, dass wir den Versuch mit Milchpackungen auch schon hatten. Allerdings, als ich mich über Google vergewissern wollte, kam dazu gar nichts, außer alte Einträge in Foren, die sich dagegen aussprachen.
yari schrieb:Es wäre wünschenswert für den Bruder, wenn er keinen Hass oder Rachegefühle mehr spürt, da diese nur ihm selbst schaden.
Das ist leicht gesagt, wenn man nicht selbst in der Situation steckt. Wer wäre nicht wütend, wenn jemand der kleinen Schwester das Aufwachsen, Leben, Beruf, Familie usw. verwehrt hat? Ich bin ja schon dauerhaft auf den Arzt meines Großvaters wütend, weil er ihn (und nicht nur ihn, sämtliche meiner Patienten) durch seine unflexible Art ins Grab gebracht hat und ich würde es nur zu gerne sehen, wie dieser Typ auf die Fr*sse kriegt, nachdem bisher alle Anzeigen anderer Betroffener nicht mal zum Verfahren geführt haben.
Klar, ohne Hass und Wut lebt es sich leichter und friedlicher. Aber wenn die Situation so unklar ist, wie hier bei Hilal, soviel Ungewissheit besteht, soviel Gerüchte und dazu ein A*loch, das mit den Gefühlen der Familie spielt…ist Wut nur eine logische Konsequenz.
Die meisten Zugehörigen Vermisster oder Opfer bisher ungeklärter Verbrechen finden keinen Frieden und das finde ich absolut nachvollziehbar. Der Mensch fehlt, die Gewissheit fehlt und genauso oft fehlt de Täter…und das große „Warum?“.
Wie soll man da Frieden machen? Wie soll da Wut verrauchen?
So, ich bin wieder raus. Möchte mich nur noch wenig hier aktiv beteiligen, lieber nur mitlesen, weil mir das Klima nicht mehr sonderlich zusagt, aber wenn man mich schon anspricht…