@Rigel92 Ich diskreditiere hier niemanden. Ich stelle Fragen und Überlegungen. Dass der Ticker bestimmte Dinge verkürzt darstellt, das wurde in meinem Post und auch nahezu jedem anderen Post mehrfach betont. Der ehemalige Angeklagte braucht auch keine Unterstützung von mir aus dem Forum, er wurde in einem Prozess freigesprochen. Das zählt unzählig mehr.
Mir geht es hier auch nicht darum, dass das ein Wettkampf wird, wer hier am meisten Recht hat und die meisten Ideen der anderen zerpflücken kann. Mir helfen die Beiträge der anderen Forenschreiber, dass ich über den Fall nachdenke.
Das ist wie bei der Diskussion mit dem Messer. Jeder hat Recht auf seine Erklärung, keiner weiß es und hier ist kein Gericht.
@Nismo hat das perfekt gesagt. Es geht darum, dass man das nicht vergisst und es ist ok, dass jeder seine Meinung hat.
Deshalb muss es trotzdem legitim sein, solche Fragen zu stellen. Das sind fundamentale Widersprüche. Der Ticker verkürzt und hat andere Probleme (du hast gut die Gründe erklärt), aber auch direktere Prozessbeobachter sprechen von fundamentalen Widersprüchen. Und damit das nicht erneut falsch interpretiert wird. Ich meine ausschließlich Widersprüche mit Bezug auf die Zeugenaussagen. Betreffen tun diese Widersprüche alle damals, gegenwärtig und zukünftig Beteiligten.
Meine Fragen sind keine Fragen, die auf etwas spekulieren wollen.
Zum Prozess sagten der Beobachter, dass es ein Prozess war, der sich fundamental um DNA Spuren gedreht hat. Diese haben das Pendel damals Richtung Anklage schwingen lassen. Sie waren die tragende Säule. Die Tatsache, dass diese Spuren auf verschiedene Weisen entstehen konnten, führte dann völlig richtig zum Freispruch. Aber das war der absolute Fokus.
@mitleseramrand hat das treffend gesagt. Jeder stimmt für sich. Ich habe mich selbst gefragt, wie ich gestimmt hätte und nach Aussage der Gerichtsmedizinerin hätte ich auch nur für Freispruch stimmen können. Gerade auch, weil die anderen Fragen wohl zu wenig geklärt werden konnten. Es ging beim Prozess um viele Menschenleben. Das vom ehemaligen Angeklagten, seiner Familie, seines Kindes, das von Daniela, ihrer Familie, etc.
Es ändert aber nichts dran, dass ich trotzdem nicht mit 100%er Sicherheit gestimmt hätte. Auch nicht mit 90%. Sondern mit im Zweifel für
Für den weiteren Verlauf der möglichen Ermittlungen und für diese Diskussion sind aber die Widersprüche der Zeugenaussagen wichtig.
Auch habe ich durchaus berücksichtigt, dass man bei nicht aufgeklärten Fällen deutlich höhere Quoten an Zufallsopfern hat. Habe es nur nicht explizit erwähnt. Auch das, die Statistik ist unumstößlich, es gibt unzählige hierzu. Die eigenen vier Wände, etc. Aber wenn ich danach gehe und deshalb zu meinem Schluss komme, dann stehe ich hier.
Vielleicht kam das aus meinem Post nicht heraus, für mich gibt es in diesem Fall eine Nuance. So eine verschwimmende Grenze zwischen Zufall/ und im weiteren Sinn einer Beziehungstat. Hier würde ich nicht in zwei sondern in drei Gruppen denken.
Es gibt die Zufallstat, weitestgehend ungeplant, plötzliche und nahezu motivlose Eskalation (bzw. Motiv kann nur aus dem Innenleben des Täters heraus beantwortet werden). Dabei könnte es jeden treffen (auch wenn ein Täter/ Geistesgestörter/etc. eine bestimmte Opferpräferenz haben kann). Weil man keine Zigarette gibt, falsch schaut, tausende andere Gründe.
Dann gibt es die Beziehungstat, die Motive sind tiefemotionale Gefühle und andere Dinge. Und hier will ich nochmals betonen, für mich kommen mehrere Leute für eine Beziehungstat in Frage, keinesfalls nur eine Person.
Und drittens gibt es die geplante (Zufalls)Tat, bei der ein Opfer aufgrund eines klaren Motivs (Verschleierung von Geheimnissen, Schutz von kriminellen Tätigkeiten) stirbt. Das Opfer kennt den Täter vielleicht gar nicht, im schlimmsten Fall wird es vielleicht sogar verwechselt.
Wie Nismo kann ich mir diese dritte Szenario in diesem Fall gut vorstellen. Ich halte es sogar mit leichter Tendenz für noch wahrscheinlicher als eine Beziehungstat.
Deshalb sind diese Zeugen wichtig und deshalb habe ich mich über die Aussagen im Prozess gewundert. Nicht weil ich den ehemaligen Angeklagten hier trotz Freispruch diskreditieren will, sondern weil herausgearbeitete Widersprüche in den Aussagen der Zeugen (Daniela ohne Rat) und des Zeugen (ehem. Angeklagter in der Früh aufgewühlt, bereits bei Polizei) zwei Dinge tun:
Sie stärken die Richtigkeit des Urteils enorm. Und noch entscheidender, sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit für die anderen beiden Tatarten enorm.
Wobei für mich diese Option 1, der absolut zufälligen Zufallstat am unwahrscheinlichsten ist. Sicher auch weil ich nicht neutral bin, sondern weil ich von Herzen hoffe, dass dieser Fall für alle Beteiligten aufgeklärt werden kann