@Rigel92 danke für den Artikel. Er ist informativ. ABER: Wie kommst du zur Annahme, dass es sich nicht um den Tattag handelt? Wenn ich nicht was überlesen habe, schreibt der Artikel nur, dass ein Zeuge sagte, der Angeklagte sein nach der Tat 'aufgewühlt' gewesen. Grundsätzlich ist das noch ungenauer und für mich kann man daraus nicht schließen, dass es nicht der Tattag war, gerade wenn man es den ausführlicheren wörtlichen Zitaten aus dem Ticker gegenüberstellt... es verkürzt die wörtlichen Zitate aus dem Ticker nämlich auf das kleinstmögliche Minimum. Nämlich 1 Wort von diesem Zeugen. Letztendlich war da der Ticker zu diesen Zeugen detailgenauer und die wortlichen Zitate des Zeugen,wir der Ticker schon nicht erfunden haben. So viel traue ich denen schon zu, auch bei Zeitdruck. Man sollte auch bedenken, es gab nicht viele Ticker zu Prozess also auch keine brutale Konkurrenz. Und ein Ticker war ein Bezahlangebot.
Nochmal, ich will hier nicht durch die Blume verdächtigen, es war zu Recht Freispruch. Aber diese Ungereimtheiten deuten darauf hin, dass man viel mehr Informationen aus den Zeugen bekommen hätte können und dass damalige Zeugen/Alibiaussagen vielleicht nach einem Muster abliefen: 'sagen sie, was sie wissen, bitte kurz und dann danke für das Gespräch'.
Für mich wäre eine Logik (wie hier bereits jemand geschildert hat), der ehemalige Verdächtige schläft am Tatmorgen betrunken so lange, dass er seinen Zimmernachbarn (Frühaufsteher) gar nicht sieht. Der ehemalige Verdächtige geht am Nachmittag auf die Uni, schläft dann beim anderen Zeugen und kommt erst am nächsten Morgen heim. Dort trifft er auf den Zimmernachbarn und an diesem Morgen war er bei der Polizei.
Aber und das ist ganz allgemein. Die Zeugenaussage so wie sie im Ticker zitiert wird, wirft Fragen auf. Und sie reiht sich in andere Zeugenaussagen, die verwirren und in entscheidenden Details Lücken zeigen. Das belastet nicht den ehemaligen Angeklagten (obwohl es bei Zeiten zu seinen Lasten interpretiert wurde), aber das zeigt nochmal, dass da damals vielleicht nicht die letzte Mühe eingeflossen ist, wirkliche Ungereimtheiten der Zeugenaussagen aufzudröseln. Es reiht sich ein in Aussagen, wonach Alibis einfach ungeprüft übernommen wurden und dann Jahre später hat man da erst genauer hingeschaut.
Bzgl. dem Prozess zeigt sich für mich auch. Es gibt 8 Zeugen. Um 15:04 Uhr beginnen die Befragungen. Um 16:04 Uhr sind sie fertig. Die müssen alle eintreten, Platz nehmen, belehrt werden, Personendaten angeben, aussagen, wieder aufstehen, austreten. Das war ein Prozess, der sich um die Kraft der DNA Spuren drehte. Der Ticker hat da wohl nicht sonderlich verkürzen, weglassen müssen. DNA war die Angriffslinie der StA. Aus Sicht des Strafverteidigers verstehe ich, dass er sich nicht mit den Zeugen aufhält. Sein Gutachten und die Aussagen der Gerichtsmedizinerin müssen für ihn und seinen Mandanten gut genug gewesen sein. Aber aus Sicht der Staatsanwaltschaft wundert mich, dass sie die Zeugen nicht mehr befragt hat, gerade auch das mit dem 'ohne Rad'. Denn wenn sich da ein Zeuge klarer, nachvollziehbarer, selbstsicherer oder eben widersprüchlicher präsentiert hätte. Ich meine, dass hätte einen Geschworenen schon überlegen lassen können. Auch wenn es am Freispruch nichts ändern hätte dürfen.
zu den Spuren an der Wange ganz allgemein. Ich habe auch in Innsbruck studiert. Ein paar Jahre früher. Ich komme nicht aus Niederösterreich/Wien und mir/bzw. ich habe(n) Frauen aus Südtirol, Luxemburg, Vorarlberg, Tirol, Wien, Norwegen, Lichtenstein, etc. oft solche Bussis gegeben. So für ein lokales Spezifikum halte ich das nicht.
@Ozrics Auch bzgl. dieser Eigenartigkeit, dass eben besonders von ihm DNA auffindbar ist. Ja, er war mit ihr am Ende allein. Aber wenn ich zwei Stunden mit 3 Personen verbringe. Bei einer Stunde mit xyz und zweiter Stunde nur noch mit z, muss mehr DNA von z auffindbar sein. Ungewöhnlich mag der Mangel an anderer DNA trotzdem sein. Sie war 1 Stunde mit ihm allein und wahrscheinlich 6 Stunden mit vielen anderen. Selbst am letzten Aufenthaltsort war sie länger mit mehreren Personen zusammen als sie dann am gleichen Ort in Zweisamkeit war. Diese DNA der Gruppe scheint dann weitgehend verloren zu gehen oder überlagert zu werden (dafür bin ich zu wenig Experte), durch Bewegung, Fahrtwind am Fahrrad, neue DNA. Die DNA vom ehem. Angeklagten scheint aber in der halben Stunde, in der sie alleine und im Freien ist, recht gut erhalten zu bleiben.
@Rigel92 zu deiner Frage 'wie man trotz Widersprüchen die Ermittlungen vorantreiben kann'. Für mich bleibt folgendes. Es gibt ein öffentliches Interesse, es gibt Rechtsexperten (2014 der ehem. Verteidiger), 2026 der aktuelle Verteidiger, die von Spuren, von möglichen Zeugen, täglichen Anrufen (wenn das sicher vom Verteidiger in 2013/14 extrem übertrieben war) etc. sprechen. Klar, Verteidiger tun dies im Sinne vom Mandaten, ist immer besser, wenn der Mandant nicht die einzige Spur ist. Dennoch, es gibt sie.
Gleichzeitig gibt es Zeugen mit entscheidenden Beobachtungen, bei denen aber in den Details Unklarheiten bleiben. Zumindest bzgl. dem, was wir in der Öffentlichkeit wissen. Aber wohl auch bei den Ermittlern, sorry, sonst schlachte ich das als StA mehr aus, wenn ich da mehr als zwei Leute hätte, die da in eindrücklicher Beschreibung schildern können, warum er damals eben Daniela ohne Rad gesehen hat und nicht irgendeine blonde Frau.
Und wenn ich eine absolut klare Zeugin habe, die da in eindrücklicher Genauigkeit von einem Streit um Geld/Drogen und 100% dem involvierten Opfer berichten könnte, ich dann noch nen Zeugen habe, der nen in österreich auffälligen Drogenbeteiligten nur 5 Minuten vorm Todeszeitpunkt gesichert sieht. Dann muss schon enorm viel schieflaufen, dass man so blöd ist und nen Studienkollegen wegen zweifelhaften Spuren anklagt.
Also wie es scheint die Zeugen sind nicht klar genug und jetzt ist es reichlich spät. Aber vielleicht muss man auch nochmal genauer nachfragen. Vielleicht geschah das nicht und vielleicht ergibt sich daraus etwas. Vielleicht sollte man nochmal schauen, wenn damals Alibis schlampig überprüft wurden. (und das wurden sie), welche Alibis waren vielleicht weniger dicht als gedacht. Wie einer ja meinte, über die Jahre können sie Beziehungsgefüge ändern. Als junger Mensch sind viele Wahrnehmungen anders, ja man vergisst über Jahre, aber ja man reflektiert über Jahre und oft sieht man Dinge aus der Vergangenheit deutlich klarer (obwohl es Jahre später ist). Und sollte sich was ergeben, dann idealerweise nicht gleich unrechtmäßig in U-Haft stecken, wenn so ein Alibi wackelt oder die erste mögliche Sekundärantragung auftaucht, sondern weiter ermitteln und unvoreingenommen bleiben. Zeugen hören, befragen, kritisch sein. Vielleicht zu Aktenzeichen gehen. Gerade wenn es Milieu ist, auch ein vielleicht (durchreisender) Irrer, auch ein zutiefst aggressiver Mensch, die könnten in Frankreich sein, Italien, Marokko. Wo auch immer...
Und ich bin auch der Meinung, dieses Milieu, die damals bekannten Anschuldigungen des Hocine überprüfen. Für mich deutet ja sogar eine Aussage von Kapferer und dem ehemaligen Anwalt darauf hin. Damals wurden Dolmetscher der Polizei in Innsbruck angegriffen, es gab Bedrohungen gegen eine Polizistin. Warum sollte ein (zumindes vielleicht) in Innsbruck lebender Marokkaner mit möglichem Klarnamen öffentlich gegen ein Milieu (mit genannten möglichen Klarnamen) schreiben. Über Jahre hinweg? Aus Spaß am Sterben, weil man seine Sicherheit/Lebensqualität erhöht, wenn man jahrelang gegen ein Milieu schreibt, dass Zeugen oder Gegner mindestens einschüchtert, verletzt, im Zweifel tötet?? Sorry, für mich passt das nicht.
Wieso schreit ein psychopathische Mörder mit purer Lust am Töten noch laut wegen Geld rum? Und wieso nimmt ein angeblich von ner enormen Aggressionsstörung getriebener Streiter wegen Geld/Zigarreten nichts mit, wenn die Leiche wohl erst ca. 10 Minuten nach Todeszeitpunkt gefunden wurde, er also wohl nicht extrem gestört wurde (und ein Diebstahl überhaupt nur 10 Sekunden dauern würde). Und wie verschwindet ein wahnhafter Irrer, oder wer auch immer es war, vor und nach der Tat vom Innsbrucker Erdboden? Wir wissen nur von Zeugensichtungen vor der Tat. Bzgl. dem Täter ist aber mindestens genauso wichtig. Gibt es Zeugensichtungen von nach der Tat, und wenn nicht, wohin konnte diese Person so verschwinden?
Der Rapoldipark ist kein Dschungel, der Weg an der Sill entlang ist von frühster Früh an geprägt von Hundebesitzern, Radfahren, Joggern (Innsbruck ist eine Radstadt und Sportstadt). Das war Stadtzentrum, werktags, die ganze Stadt wusste damals vom Mord (das war eine riesige Sache). Der Täter war wohl zu Fuß, zumindest laut dem Zeugen... der dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit blutige Kleidung haben und dann soll er entweder niemandem oder nur Blinden begegnen, oder so unauffällig sein, dass ihn im morgendlichen Trott niemand genau angesehen hat. Wieso nimmt der Täter hier nicht genau das Fahrrad? Auf dem Fahrrad sieht mich jede Person an der ich vorbeifahre nur kürzer, mein Körper, meine Kleidung ist nicht gestreckt. Ich kann einarmig fahren, den anderen Arm locker über mögliches Blut gelegt. Oder aber, er kann in kürzester Zeit aus der Öffentlichkeit verschwinden, nur wohin. Ein Auto, ein Verbindungswohnheim, eine Wohnung, wohin. Gibt es bekannte Sichtungen von auffäligen Personen unmittelbar nach der Tat? Eine Leiche, die Minuten nach dem Mord gefunden wird. Das ist eigentlich extrem schlecht für jeden Täter. Sicher nahezu jeder Innsbrucker fragte sich damals am Tattag, was habe ich vielleicht vor paar Stunden merkwürdiges gesehen. So würde ich das alles in etwa machen.
Sie könnten einfach nochmal genau darüber nachdenken, die Informationen sichten. Ich finde Ansätze gibt es unzählige und es steht außer Frage, dass damals nicht ideal gearbeitet wurde. Also klassische Arbeit einer operativen Fallanalyse: Was tat der Täter wirklich, was Tat das Opfer wirklich, welche Theorien gibt es, was sagen Zeugen dazu, was sind unsere Hypothesen und welche Beweise gibt es dafür und dagegen.